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Alltag

 
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Nihil
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Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 27.09.2009 21:03    Titel: Alltag eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kilian Jander stand vor dem Fenster seines Appartements und schaute auf den Innenhof wie Kaiser Nero auf das brennende Rom: In seinem Blick funkelten sowohl die Faszination des Terrors als auch die Selbstverliebtheit, die sich einstellt, wenn der eigene Plan gelingt.

Der Innenhof war etwas ganz Besonderes für alle Mieter dieser Hochhausanlage. Die große Eiche reichte hoch bis in den sechsten Stock und brachte den bemitleidenswerten Menschen, die hier oben regelrecht eingekerkert waren, wenigstens den Anschein von lebendiger Natur. Viele von ihnen mussten ohne einen Balkon auskommen und ihr Sommer definierte sich allein dadurch, dass das Küchenfenster den ganzen Tag über offen stand. Diese grüne Oase galt nicht nur geographisch als Herzstück der Siedlung.

Doch vor kurzem war etwas passiert. Eine gewaltige Zecke, bis zur Körpermitte mit Haaren bedeckt und menschengroß, hatte sich dort unten eingenistet. In den Augen der Bewohner ein verachtenswertes Geschöpf, das Nacht und Tag auf einer weißen Parkbank verbrachte und den Kindern so viel Angst machte, dass sie sich nicht mehr trauten, auf den Spielplatz zu gehen. Und noch viel schlimmer: Sie war der einzige Makel im Paradies.  Seit vier Tagen lebte sie nun dort, saugte eine Konservendose nach der nächsten aus, bis sie ganz rot im Gesicht wurde, legte sich auf die Bank und schlief.

Ein einziges Mal hatte sie diesen Platz verlassen, um sich auf der Schaukel auszutoben. Mit einem großen Juchhe und einem Jaa war sie  fröhlich wie ein Kind hin und her geschwungen; aber bei einer ungepflegten kleinen Frau, die sicherlich schon über vierzig war, trug dieser Anblick nur dazu bei, sie nur noch verstörter zu betrachten.

Kilian stand nicht als einziger vor dem Fenster und beobachtete die bizarre Gestalt zu seinen Füßen. Zwischen den Ästen der Eiche konnte man deutlich sehen, wie Hausfrauen, Ehemänner und Kinder gleichermaßen an die Scheiben hechelten und mit zuckender Aorta das Geschehen verfolgten. Denn nun kamen zwei große und breite Männer von seiten der Straße und traten langsam auf die Frau zu. Und wer ganz besonders scharfe Augen hatte, konnte die Glatzen und die weißen Schnürsenkel in den Stiefeln erkennen. Kilian kicherte durch die Nase und drückte auf die Kamera. Das würden ja ganz reizende Bilder werden!

Die Männer standen mittlerweile direkt vor der Zeckenfrau, die sich nicht hatte beirren lassen und noch immer schlief. Einer der beiden, der kleinere, der weiße Handschuhe trug, packte sie an den Haaren und schrie sie so laut an, dass seine Kehle auf das doppelte ihrer Größe wuchs. Das Gebell musste selbst oben auf dem Dach noch zu hören sein.

„Du Fotze! Wir brauchen solches Geschmeiß wie dich hier nicht!“

Unter den Fotos würden solche Kraftausdrücke selbstverständlich nicht stehen. Ihm schwebte vielmehr ein etwas intelligenter Titel vor: Die Landeshüter kämpfen gegen Nidhögg, der die Weltenesche zerfrisst. Nordische Mythologie. Schien ihm den Umständen angemessen, auch wenn es hier um eine Eiche ging. Aber eigentlich war das erst der Clou: Denn die Eiche stellte schließlich ein Nationalsymbol dar. Ja, das war gut! Das musste er unbedingt irgendwie in sein Projekt einbinden!

Der Mann mit den weißen Händen riss die Frau brutal von der Bank herunter. Der andere hob das Bein und trat zu. Kilian richtete das Objektiv aus und die Kamera klickte mehrmals hintereinander, während sie von rechts nach links schwenkte. Seine Fingerspitzen kribbelten vor Aufregung, aber er zwang sich, die Kontrolle zu bewahren. Er machte sich bereit, das Motiv einzufangen, das der Höhepunkt seines Konzepts werden sollte.

Denn nun prügelten die beiden Kerle gnadenlos auf die Obdachlose ein und malträtierten sie. Sogar die Schreie der Frau  bekämpften sie mit ihrem eigenen Gebrüll. Die Kamera klickte ununterbrochen und sauste von einer Position in die nächste. Und als die menschliche Zecke aussah, als wäre ihr Blutsack über ihr geplatzt, nahmen die Männer je einen ihrer Arme und schleifen sie fort. Nach fünf Minuten blieb als einziger Beweis für das Verbrechen der Blutfleck auf der weißen Bank zurück. Großartig! Rot gegen Grün, ein formidabler Komplementärkontrast, der die Spannung zwischen friedlicher Natur und den brutalen Menschen symbolisierte! Das war Kilian auf jeden Fall ein weiteres Bild wert.

Ein betroffener Moment der Stille wäre angemessen gewesen, aber die Welt nimmt nicht auf jedes Opfer Rücksicht: Der Straßenlärm war laut wie immer um die Mittagszeit und auch die Radios schallten laut aus den Wohnungen. Beinahe so, als wäre gar nichts passiert. Lediglich die Menschen hinter den Fenstern waren verschwunden.

Aber natürlich wusste Kilian es besser, denn er hatte alles aufgenommen. Er setzte sich an den Computer und schloss die Kamera an. Nach nur zwei Klicks erschienen alle Fotos vor ihm und luden ihn zur Betrachtung ein. Es war wahrscheinlich etwas selbstverliebt, aber in seinen eigenen Fotos konnte er sich stundenlang verlieren, während er sie vergrößerte und jedes einzelne Detail untersuchte und schließlich die besten der besten herauspickte. Denn er hatte einen Standard zu erfüllen und durfte sich nichts anderes als perfekte Bilder erlauben.

Kilian war so vertieft in seine Arbeit, dass er das Klingeln und den sich öffnenden Fahrstuhl kaum bemerkte. Erst als ein grüner Handschuh ihm auf die Schulter klopfte, erwachte er aus seinem Dämmern.

„Aufgewacht, mein Bester“, meinte dieser und „Ach, sind das schon die Fotos?“ der andere. Beide zogen die Lederjacken aus und sahen auf den Bildschirm.

„Hoffentlich hat es sich gelohnt, in dem Projekt hat ganz schön Arbeit gesteckt.“

„Ach komm, die Muskeln hast du dir doch gerne antrainiert“, meinte der erste und lachte laut.

Nun drehte sich Kilian um und fragte: „Wo steckt denn Marietta? Ich hasse es, wenn ich etwas zweimal zeigen muss.“

Der größere der beiden Männer antwortete: „Du kennst doch die Frauen. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass sie nicht eher hochkommt, bis sie sich wieder hergerichtet hat.“

Just in diesem Moment schoben sich die Türen des Fahrstuhls ein zweites Mal auf und die Zeckenfrau betrat das Appartement. Ihre Kleidung war blutverschmiert, die Haare filzig, aber ihr Gesicht zeigte keine Spur von Gewalt. Sie massierte sich den Rücken und sagte genervt:
„Ahh, eine weitere Nacht auf dieser Parkbank hätte ich auch nicht ausgehalten.“ Dann wandte sie sich an den Fotografen: „Und, Kilian, wie waren wir?“

„Ihr wart fantastisch, ganz grandios!“, meinte dieser und markierte eine Reihe von Fotos, die er sich anschließend anzeigen ließ. Dort sah man nichts anderes als die entsetzten Gesichter der Hausbewohner, die sich ihre Nasen in den Fensterspalten zerquetschten oder gerade voller Angst die Rollläden herunterließen oder auch mitfiebernd die Faust vor der Brust ballten.

„Die Serie wird ein Knaller. Am ersten Tag herrschte noch die Neugier, aber dann nahm die Abscheu immer mehr zu. Aber erst das Grande Finale konnte die Leute richtig demaskieren. Es ist erschreckend zu sehen, mit was für Menschen man in einem Haus lebt. Ich könnte alle wegen unterlassener Hilfeleistung verklagen.“

„Hatten wir denn etwas anderes erwartet?“, fragte die falsche Obdachlose kühl und strich sich die Haare zurück.

„Nein. Ich bin mir sogar sicher, dass die meisten tief im Inneren froh darüber sind, dass die Pennerin endlich aus dem Innenhof verschwunden ist“, meinte Kilian. „Damit alles wieder seinen gewohnten Gang gehen kann. Das ist es doch, was sie wollen: Ein kurzer Moment der Spannung, den man möglichst nicht unterbrechen will, und danach kehrt der Alltag wieder ein. So ist das bei den Menschen.“

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DasProjekt
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3470
Wohnort: Ørbæk, Nyborg, Dänemark


BeitragVerfasst am: 28.09.2009 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr interessanter Gedanke und sehr gut umgesetzt. Gerne gelesen.

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25. Mai 2017 - Kim Henry "Be Mine Forever"
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Soraya
Geschlecht:weiblichWuchtbrumme

Alter: 39
Beiträge: 2220
Wohnort: Regensburg
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BeitragVerfasst am: 28.09.2009 10:27    Titel: Antworten mit Zitat

Im Fazit ernüchternd und traurig, aber wohl ziemlich realistisch. Sehr gut geschrieben, stilistisch nichts zu meckern. Hat mir äußerst gut gefallen!  Daumen hoch

_________________
I get an urge, like a pregnant elephant, to go away and give birth to a book. -Stephen Fry-

Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen, die Träume, die wir spinnen und die Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden. -Heinz Rühmann als Dr. Johannes Pfeiffer, Die Feuerzangenbowle-
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Daydreamer
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 39
Beiträge: 111
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 28.09.2009 10:37    Titel: Antworten mit Zitat

Eine der wenigen Geschichten bis jetzt mit wirklich originellem Ende (habe aber noch nicht alle gelesen). Gefällt mir sehr gut. smile
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yt
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 44
Beiträge: 720
Wohnort: Sittensen
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BeitragVerfasst am: 28.09.2009 11:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ein neutraler Kommentar.

Mit couragierten Gruessen,
yt
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SylviaB
Geschlecht:weiblichSchnupperhasi

Alter: 52
Beiträge: 6815
Wohnort: Köln
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BeitragVerfasst am: 28.09.2009 11:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hm ...

Erst mal ein Hallo smile extra

Also auch bei dieser Geschichte empfand ich den Stil als wirklich gut.
Das ist hohes Niveau mit dem wir armen Kritiker uns herumschlagen müssen. *soifz* Daher ist es auch sehr schwer Federn zu verteilen.

Aber nun zum Punkt:

Nachvollziehbar geschrieben! Flüssig und gut ausgebaut. Die Wortwahl entspricht nicht immer dem eigentlichen Stil des Bildes, das aufgebaut werden soll. Und ich habe bei der Wendung das Gefühl gehabt, es ist dir gerade erst eingefallen. Da hakte es ein bisserl.
Mit dem Ende (oder eher kurz davor) habe ich ein Problem. Denn gerade in einer solchen Hochhaussiedlung ist immer jemand dabei, der die Polizei ruft oder in diesem Fall auch den Krankenwagen. Daher ist das Ende für mich nicht so glaubwürdig.

Aber ansonsten wirklich super gemacht. Wirklich gern gelesen.

Ganz lieben Gruß
Sylvia


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Scheint dat Sönnsche dir aufs Hirn,
hassu wohl ne offne Stirn. wink
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Alogius
Geschlecht:männlichKinnbeber

Alter: 41
Beiträge: 3644

Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 28.09.2009 11:48    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Tag,

der Text hat mich reingelegt, jawohl. Zuerst habe ich Kilian für einen abartigen Spinner gehalten, der nicht nur Voyeur ist, sondern dabei auch noch im Elend anderer badet, sich wohl fühlt und gar nicht genug davon kriegen kann; ein böser Mensch eben.
Dann, als sich die Pointe heraus kristallisierte, war ich wirklich überrascht. Damit gerechnet habe ich wirklich nicht. Dass diese ganze Sache eine Art Gesamtkunstwerk ist, von vorn bis hinten geplant, ist wirklich eine grandiose Idee.
Leider wird sie geschmälert:
Zitat:
„Die Serie wird ein Knaller. Am ersten Tag herrschte noch die Neugier, aber dann nahm die Abscheu immer mehr zu. Aber erst das Grande Finale konnte die Leute richtig demaskieren. Es ist erschreckend zu sehen, mit was für Menschen man in einem Haus lebt. Ich könnte alle wegen unterlassener Hilfeleistung verklagen.“

(...)

Das ist es doch, was sie wollen: Ein kurzer Moment der Spannung, den man möglichst nicht unterbrechen will, und danach kehrt der Alltag wieder ein. So ist das bei den Menschen.“

Diese gesamte Passage ist nicht nur der moralische Zeigefinger, sondern auch eine unnötige Erklärung dessen, was ich als Leser schon vor der Pointe gewusst habe. Das Benehmen der Menschen, die Maskerade und das Doppelbödige hat Kilian enttarnt, aber der Text will es einem nochmal und nochmal mitteilen.
Die Moral am Ende trübt den Text ein, denn es wäre nicht nötig gewesen, sie so explizit zu benennen.

Sprachlich ist der Text sehr gut gemacht, auch wenn mir ein paar kleine Fehler aufgefallen sind - der Zeitfaktor, denke ich.

Mein Gesamteindruck ist ein guter, aber die moralische Auflösung am Ende gefällt mir nicht.

Danke
Gruß
Tom


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Busfahrer: Tröste dich. Mit etwas Glück sehen wir den Tentakel des Yankeespielers, wie er den Ereignishorizont des Schwarzen Loches verlässt.
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versgerber
Geschlecht:männlichHobbyautor

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Der Bronzene Wegweiser


BeitragVerfasst am: 28.09.2009 12:26    Titel: Antworten mit Zitat

Der Schreibstil passt, man kommt gut durch, auch wenn einige seltsame Formulierungen dabei sind.
Der Inhalt mit Pointe ist an sich gut aufgebaut, aber für mich ist er teilweise ein bisschen unschlüssig.
Deine weibliche Hauptperson vegitiert tagelang auf einer Bank dahin, um dann eine Straftat vorzutäuschen, damit Nachbarn bei unterlassener Hilfeleistung fotografiert werden können.
Was für eine Hilfeleistung erwartet Kilian während einem intensiven, aber kurzen übergriff? Aus dem sechsten Stock kann man sich höchstens mit einer Liane auf den Hof hinabschwingen.
Die Botschaft kommt aber trotzdem an, in zwei Stunden lässt sich keine perfekte Konstruktion schaffen.
lg


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femme-fatale233
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Das Bronzene Pfand


BeitragVerfasst am: 28.09.2009 16:29    Titel: Antworten mit Zitat

Shocked

Ich finde die Idee das Thema so zu behandeln sehr interessant, besonders wenn man an die aktuellen Zivlcourage-Disskussionen denkt, die durch die Medien gehen.

Der Schreibstil gefällt mir so recht gut, besonders der Ausdruck menschliche Zecke (den habe ich bis jetzt erst einmal in einem größeren literarischen Kontext gelesen, deswegen, Daumen hoch),
dennoch merkt man dann irgendwann doch ein bisschen zu schnell, dass die Szene nur "gestellt" ist.

Fazit: Gute Idee, Umsetzung ausbaufähig, für die kurze Zeit allerdings sehr gut.
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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 28.09.2009 17:41    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist genial. In dieser bedrückenden Szene fängst du die Unbereitschaft der heutigen Menschen ein, in Krisensituationen zu intervenieren. Der Anfang führte mir Kilian Jander als völlig unsympathischen, aber ehrgeizigen und dennoch skrupellosen Menschen vor, am Ende diese brutale 180-Grad-Wendung, die einem schonungslos das eigene Scheitern vor Augen führt.
Da bleibt abschließend nichts außer "Chapeau!" zu sagen.

Eddie


_________________
(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

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Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern. (Aus der Begründung der Plattenfirma Decca, die 1962 die Beatles ablehnte.)
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Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 28.09.2009 18:30    Titel: Antworten mit Zitat

Du hast mich verarscht. lol2

Du hast mich tatsächlich verarscht.


Das schafft keiner so oft, deshalb 9.
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i-Punkt
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Beiträge: 515
Wohnort: Baden-Württemberg


BeitragVerfasst am: 29.09.2009 09:56    Titel: Antworten mit Zitat

Einfallsreich und gut umgesetzt. Ich mag bildhafte Sprache und mir gefällt, wie der Fotograf eine falsche Fährte legt, indem er sich für sein Projekt auf rechte Wortwahl einlässt.

Mich stört nur, dass die Kollegen erst klingeln und dann doch in der Wohnung stehen. (Aber nicht sehr... Wink )

I.


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Schreiben ist einfach, man setzt sich nur hin, starrt auf ein weißes Blatt Papier, bis sich Blutstropfen auf der Stirn bilden.
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Biggi
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 855
Wohnort: BY



BeitragVerfasst am: 29.09.2009 13:46    Titel: Antworten mit Zitat

So traurig das ist, aber ein Fünkchen Wahrheit lässt sich nicht leugnen.
Schöne Idee, recht gut umgesetzt.
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Fahrender Gaukler
Geschlecht:männlichGrundgütiger

Alter: 35
Beiträge: 4137
Wohnort: Irgendwo in meinem Geiste
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 29.09.2009 21:50    Titel: Antworten mit Zitat

Bösartiger Text. Und sehr gut geschrieben, Hut ab! Bin mir noch nicht ganz sicher, ob Kilians anfängliche Gedankengänge in Zusammenhang mit der Frau (diese widerwärtige, ja beinahe nationalistische Überheblichkeit), mit der Pointe funktionieren oder ob sie nur dem Zweck dienen sollte, den Leser auf die falsche Fährte zu locken. Irgendwie will mir das nicht so recht passen. Dennoch, starker Text.

_________________
Trenne dich nicht von deinen Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.

(Mark Twain)
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mondblume
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 40
Beiträge: 1276
Wohnort: Costa Brava


BeitragVerfasst am: 30.09.2009 16:37    Titel: Antworten mit Zitat

Intelligent geschrieben, fantastisches Bild mit der Zecke. Die Pointe ist toll.

Klasse!


_________________
*** Wie Nebel in der Sonne (Amazon Publishing/Tinte&Feder), 14.08.18
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 59
Beiträge: 1819



BeitragVerfasst am: 30.09.2009 16:51    Titel: Antworten mit Zitat

Idee und Ausführung der Geschichte gefallen mir sehr gut. Ich habe das Bild mit der Zecke für symbolisch gehalten und mir war am Ende nicht ganz klar, wie sie zu der ansonsten ganz realistisch verlaufenden Handlung passte.
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shao
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 36
Beiträge: 109
Wohnort: Norddeutschland


BeitragVerfasst am: 01.10.2009 23:24    Titel: Antworten mit Zitat

Großartig.


Die Idee ist super. Die Umsetzung auch.
Man befindet sich zu Beginn auf der völlig falschen Fährte.
Wirklich, wirklich beeindruckend!

Lg
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Maria
Geschlecht:weiblichEvolutionsbremse

Alter: 46
Beiträge: 7730

DSFo-Sponsor Ei 1
Ei 4


BeitragVerfasst am: 02.10.2009 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

7
Coole Geschichte, wirklich sehr gut erzählt. Für ein fülligeres Federkleid gelangte sie aber nicht wirklich in meinen Kopf. Möglicherweise (fehlende) Atmosphäre? Ich kanns selbst nach vier Tagen nicht genau benennen.

VG, Maria


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Merlinor
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BeitragVerfasst am: 03.10.2009 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Verfasser

Stilistisch und sprachlich wirklich gut geschrieben und ein interessanter Plot dazu.

Allerdings ist meine Einschätzung der Menschen nicht ganz so pessimistisch wie Deine: Ich wäre mir in so einem Fall sicher, dass einige der zusehenden Anwohner zumindest die Polizei rufen würden, wenn ihnen schon der Mut zu einem persönlichen Eingreifen fehlt.

So ist mir das Ganze einfach zu plakativ und klischeehaft, erschöpft sich in einem moralisierend erhobenen Zeigefinger.
Der Grundidee des "Living Theatre" fehlt da leider die Essenz des echten Lebens.

LG Merlinor


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„Ich bin fromm geworden, weil ich zu Ende gedacht habe und nicht mehr weiter denken konnte.
Als Physiker sage ich Ihnen nach meinen Erforschungen des Atoms:
Es gibt keine Materie an sich, Geist ist der Urgrund der Materie.“

MAX PLANCK (1858-1947), Mailand, 1942
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Hoody
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Beiträge: 2604
Wohnort: Alpen


BeitragVerfasst am: 04.10.2009 18:28    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr gut geschrieben. Hat mir gefallen. Schön das du das Thema Zivilcourage mit eingebaut hast.
Für zwei Stunden eine sehr gute Geschichte.

8 Federn von mir.

lg Hubi


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Tatze
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Wohnort: Esslingen


BeitragVerfasst am: 04.10.2009 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Wow!
Überwältigender Text!!!
Sachte zuerst: Oh... schon wieder so ein langer Text." War dann aber so ins Lesen vertieft, dass er mir viel zu kurz vorkam. Geniale Idee, gute Umsetzung, durchgehende Spannung. Auch die Bilder die du entstehen lässt (Bsp.: "schaute auf den Innenhof wie Kaiser Nero auf das brennende Rom")
sind unglaublich gut gewählt, machen deinen Text lebendiger.

Die "zuckende Aorta" hat mich beim Lesen zwar etwas stocken lassen, aber passt eigentlich ebenfalls ins Bild.

Sehr gut geschrieben, toll die Verbindung/Bedeutung der Eiche, kluge Darstellung der menschlichen Abgründe.
Die Überschrift hätte vielleicht mehr hergeben können.

Insgesamt also ein überraschend guter Text!   Daumen hoch

Liebe Grüße
Tatze

ps:
Zitat:
Ihm schwebte vielmehr ein etwas intelligenter Titel vor

  --> intelligenterer. Der Komperativ passt besser.
Kann auch sein, dass das ein Flüchtigeitsfehler deinerseits war. Wollte bloß noch etwas negatives finden  lol  rotwerd


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Wende dein Gesicht der Sonne zu,
dann fallen die Schatten hinter dich!
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Jocelyn
Bernsteinzimmer

Alter: 53
Beiträge: 2635
Wohnort: Königstein im Taunus
Das Silberne Fahrrad Ei 1



BeitragVerfasst am: 05.10.2009 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

Puh,
da muss man am Ende frösteln,
das ist guuut gemacht!
Eine tolle Idee, mit unerwarteten Wendungen!
Super, viele Federn!


_________________
If you dig it, do it. If you really dig it, do it twice.
(Jim Croce)

Die beständigen Dinge vergeuden sich nicht, sie brauchen nichts als eine einzige, ewig gleiche Beziehung zur Welt.
(Aus: Atemschaukel von Herta Müller, Carl Hanser Verlag, München 2009, Seite 198)

"Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer."
(Voltaire)
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