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IV. b) Germanische Gedichtformen

 

 
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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 28.09.2009 12:21    Titel: IV. b) Germanische Gedichtformen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Germanische Gedichtformen

Zugegeben: Viel hat das Deutsche nicht zu bieten an eigenen Gedicht- oder Strophenformen. Wir haben meist aus anderen Sprachen geklaut, wenn wir Lyrik geschrieben haben. Und auch das englische und die meisten anderen der germanischen Sprachen haben sich in dieser Hinsicht nicht sonderlich hervorgetan. Man muss es so sagen: Da haben uns die Italiener und Franzosen doch einiges voraus. Aber dennoch: Diese Kapitel würde es nicht geben, wenn nicht auch der germanische Sprachraum in Sachen Lyrik etwas Typisches hervorgebracht hätte. Und was das genau ist – dem wollen wir im Folgenden nachgehen.



Die Volksballade

Die Volksballade hat nichts mit der viel strengeren, französischen Ballade zu tun. Zugegeben, ihr Name rührt davon her, trotzdem kann die Volksballade als eigenständige Gedichtform des germanischen Sprachraums gelten. Von England aus fand sie ihren Weg nach Deutschland und ist bis heute eine der beliebtesten Gedichtformen überhaupt. Die Volksballade hat sich im Laufe ihrer Geschichte verändert, weswegen als Erkennungsmerkmal heute nur noch gelten können: Der strophische Aufbau und der erzählende Grundcharakter des Gedichts. Häufig werden die Strophen von Vierhebern dominiert. Der Vierheber gilt als weniger kunstvoll, als beispielsweise ein Alexandriner und hat daher einen einfachen, volkstümlichen Charakter. Die Volksballade ist – wie der Name schon vermuten lässt – eine volkstümliche Gedichtform. Gerade bei Schiller jedoch gibt es Balladenbeispiele, in denen er andere Versformen verwendet. In diesen Fällen fällt auch dieser volkstümliche Ton des Gedichts weg und wir sprechen fortan von einer Kunstballade. Balladen sind im Normalfall gereimt. Doch auch hier gibt es prominente Gegenbeispiele, wie beispielsweise „Die Füße im Feuer“ von Conrad Ferdinand Meyer. Man kann von der Ballade als „in Verse gepackte, ereignisbetonte Kurzgeschichte“ sprechen.

Berühmte Beispiele von Balladen sind Goethes „Erlkönig“ oder Schillers „die Bürgschaft“. Auch Fontanes „Brücke im Tay“ ist sehr bekannt geworden. Auch Brecht hat die Tradition der Balladen gepflegt.
Und weils so schön ist. Hier ganz kurz der Anfang der „Erlkönig“ als ein (eigentlich überflüssiges) Beispiel:


Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

[usw.]

(Quelle: Johann Wolfgang Goethe. Gedichte. Stuttgart 2008)




Die deutschen Volksliedstrophen


Die Volkliedstrophen waren – wie der Name schon sagt – die Form des einfachen Volkes und daher weniger künstlerisch und mehr von Schlichtheit geprägt. Am meisten begegnen sie uns heute noch in Kinder- und Kirchenliedern. Doch auch in die „hohe Literatur“ haben Volksliedstrophen Eingang gefunden.  Und zwar im Zuge der romantischen Bewegung in Deutschland. Zu dieser Zeit wurden nicht nur Märchen gesammelt (die Gebrüder Grimm), sonder auch Volkslieder und Volksgedichte. Die berühmteste Sammlung dieser Art ist „Des Knaben Wunderhorn“, zusammen gestellt von Clemens Brentano und Achim von Arnim. Beide waren auch im Schreiben dieser einfachen „Volkslyrik“ sehr bedeutend. Auch Namen wie Joseph von Eichendorff oder Ludwig Tieck sind in diesem Zusammenhang vielen Menschen heute noch ein Begriff.

Die Volksliedstrophen sind meist alternierend (d.h., auf eine Hebung folgt eine Senkung und umgekehrt), wobei sie am häufigsten aus drei- oder vierhebigen Jamben bestehen. Allerdings herrscht meist Füllungsfreiheit. Das bedeutet, auf eine Hebung können auch zwei Senkungen folgen. Vorgegeben sind in der Volksliedstrophe meist nur die Anzahl der Hebungen in einem Vers.

Die Verse können mit oder ohne Auftakt beginnen. Allermeist also entweder mit einem Jambus oder einem Trochäus. Zudem können sie meist frei betont oder nicht betont enden.

Volksliedstrophen sind gereimt.

Im Folgenden die bekanntesten der typischen deutschen Volkliedstrophen:



Paarreimstrophe

Die bekannteste der Volkliedstrophen: ein Vierzeiler mit vierhebigen Versen und dem Paarreim als Reimschema. Dabei (wie oben schon erwähnt) meist alternierend. Vereinzelt sind auch Daktylen möglich.

Da fand sich ein der Wundermann,
Mit bunten Kleidern angethan,
Pfiff Ratz und Maus zusamm ohn Zahl,
Ersäuft sie in der Weser all.


Wenn wir uns übrigens das Textbeispiel der Volksballade nochmal ansehen, dann erkennen wir: Auch der Erlkönig ist in dieser Strophenform abgefasst.



Vagantenstrophe

Wieder ein Vierzeiler. Erster und dritter Vers sind vierhebig. Zweiter und vierter Vers sind dreihebig. Die Vagantenstrophe ist formal ein wenig strenger, als beispielsweise die Paarreimstrophe: Erster und dritter Vers enden betont. Zweiter und vierter Vers enden unbetont. Reimschema ist entweder ein Kreuzreim oder ein halber Kreuzreim.

Es jagt ein Jäger früh am Tag
Ein Reh durch Wälder und Auen,
Da sah er aus dem Gartenhag
Ein rosig Mägdlein schauen


Betrachten wir noch kurz den fett hervorgehobenen, zweiten Vers. Hier haben wir den oben angesprochenen Daktylus in den sonst durchweg alternierenden Versen.

Wälder und Auen

Wie wir sehen können: Auf das Wäl- folgen zwei unbetonte Silben. Ist aber – wie gesagt – in Volksliedstrophen erlaubt und keineswegs ungewöhnlich.



(halbe) Hildebrandstrophe

Vier Verse, alle dreihebig. Erster und dritter Vers unbetont endend. Zweiter und vierter Vers betont endend. Reimschema entweder Kreuzreim oder halber Kreuzreim.

Es war ein König in Thule,
Gar treu bis an das Grab,
dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab


Im Übrigen haben wir hier im letzten Vers mit den ersten drei Silben einen Anapäst. Auch das ist mit der Füllungsfreiheit möglich.

Diese drei Strophenformen sollten als Beispiele genügen. Es gibt noch eine Menge mehr Volkliedstropen. Wer möchte, der kann sich ja einmal über Schweifreimstrophe, Lutherstrophe oder Lindenschmidtstrophe informieren. Auch die Chevy-Chase-Strophe fällt darunter, auch wenn sie nicht aus Deutschland kommt.



Auch das Limerick aus England sollte in dieser Aufzählung der germanischen Gedichtformen nicht unerwähnt bleiben. Zumal es auch in Deutschland große Bekanntheit genießt. Es handelt sich dabei um einen scherzhaften Fünfzeiler mit Pointe am Schluss. Die Metrik ist sehr kompliziert. Allgemein wird ein Limerick an eine Menge Vorgaben geknüpft. (Gut! Ich gebs zu: Ich hab das nicht wirklich verstanden. Das Limerick ist sehr verwirrend) Wer sich trotzdem informieren möchte, dem möchte ich erst die Wikipediaseite ans Herz legen.

Das mit dem Link posten funtioniert leider hier grad irgendwie nicht richtig. Aber einfach Limerick (Gedicht) bei wikipedia eingeben. Bei nur Limerick kommt ihr auf die Seite einer Stadt.



Ein rein deutsches Spaßgedicht sind die Leberverse. Es sind Zweizeiler, deren erste Zeile immer folgendermaßen beginnt: "Die Leber ist vom..."
Ein Beispiel:

Die Leber ist vom Hecht und nicht von einem Biber
Dem einen sind die Fraun, dem andern Männer lieber


_________________
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Nihil
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BeitragVerfasst am: 27.09.2010 13:11    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ihr Balladen oder Volkslieder üben wollt, seid ihr in unserer Übungsecke gut aufgehoben:

Lyrik -> Gedichtgattungen -> Die Ballade

und

Lyrik -> Gedichtgattungen -> Das Volkslied
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