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Sonett (Versuch)


 

 
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

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Bronzene Harfe Die Goldene Bushaltestelle
Goldene Feder Lyrik


Die Tauben
BeitragVerfasst am: 16.05.2009 17:51    Titel: Sonett (Versuch) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Seit langem wollte ich schon mal ein Sonett schreiben, habe bisher aber nie den Mut dazu gefunden. Hier ist eins. Bitte geht nicht nur auf den kruden Inhalt, sondern auch auf das Versmaß ein - das ist mir besonders wichtig...  Besonders zufrieden bin ich mit diesem ersten Versuch noch nicht, deshalb steht es ja auch in der Talentschmiede. Wink

Eddie


Durch den grauen Atem deiner Ahnen
gehst du bisweilen, im Regen geeint,
in den glühenden Alkoven wandelnder Bahnen,
nach schlafender Liebe rau und verweint.

In den leisen Tritten des Regens fliehen
deiner lauten Schreie Qualen – vermagst
du sanft an deinem Schmerz zu ziehen,
als wäre er ein Zahn – du verzagst.

In den glühenden Alkoven wandelnder Bahnen
senkst du hinab den goldenen Becher der Zeit,
in den grauen Atem deiner Ahnen
musst du nicht mehr gehen allzu weit.

Darum, gehst du auch hin bisweilen,
bedenke dies: Uns wird der Tod vereinen.



_________________
(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

Life is what happens while you are busy making other plans.
- JOHN LENNON, "Beautiful Boy"

Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern. (Aus der Begründung der Plattenfirma Decca, die 1962 die Beatles ablehnte.)
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Jocelyn
Bernsteinzimmer

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BeitragVerfasst am: 17.05.2009 08:25    Titel: Re: Sonett (Versuch) Antworten mit Zitat

EdgarAllanPoe hat Folgendes geschrieben:
Bitte geht nicht nur auf den kruden Inhalt, sondern auch auf das Versmaß ein - das ist mir besonders wichtig...  


OK, mache ich mal meine Vorschläge, aber inhaltlich gefällt es mir, es ist poetisch, tragisch, ergreift mich ein bisschen....



Durch den grauen Atem deiner Ahnen
gehst du bisweilen, im Regen geeint,
in den glühend' Alkoven wandelnder Bahnen,
nach schlafend' Liebe rau und verweint.

In den leisen Tritten des Regens fliehen
deine Schreie, laut, voll Qualen – vermagst
du sanft an deinem Schmerz zu ziehen,
als wäre er ein Zahn – du verzagst. (etwas gewollt die Wendung...da muss ich fast wieder ein bisschen lächeln)

Vielleicht so:
zu spüren den Schmerz wie endlos Ziehen
kein Anklang von Erlösung- du verzagst


In den glühend' Alkoven wandelnder Bahnen
senkst du hinab golden Becher der Zeit,
in den grauen Atem deiner Ahnen
musst du nicht mehr gehen allzu weit. Abgesehen vom Versmaß, klingt es etwas profan...
Vielleicht:

ist der Weg gefunden, das Ende nicht weit.


Darum, gehst du auch hin bisweilen, wäre mir auch nicht poetisch genug....
Vielleicht so:
Darum, auch du, du vergehst, wirst weinen (reimt sich besser)

bedenke dies: Allein der Tod wird uns einen.

Hoffentich bist du mir nicht böse, dass ich so vorlaut umdichte, ich kann das Dichten zur Zeit halt nicht lassen, es ist schon fast Sucht, aber ich habe sie unter Kontrolle...
 Wink  Rolling Eyes Caecilia


_________________
If you dig it, do it. If you really dig it, do it twice.
(Jim Croce)

Die beständigen Dinge vergeuden sich nicht, sie brauchen nichts als eine einzige, ewig gleiche Beziehung zur Welt.
(Aus: Atemschaukel von Herta Müller, Carl Hanser Verlag, München 2009, Seite 198)

"Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer."
(Voltaire)
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 17.05.2009 11:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Caecilia!

Dankeschön für deine Antwort. Ich versuche mal, das Gedicht etwas umzudichten. Und nein, deine Verbesserungsvorschläge sind nicht schlimm, sie sind gut Wink

Durch den grauen Atem deiner Ahnen
gehst du bisweilen, im Regen geeint,
in den glühend' Alkoven wandelnder Bahnen,
nach schlafend' Liebe rau und verweint.

In den leisen Tritten des Regens fliehen
deiner lauten Schreie Qualen – vermagst
du sanft an deinem Schmerz zu ziehen,
als wäre er ein Zahn – du verzagst.

In den glühend'Alkoven wandelnder Bahnen
senkst du hinab den gold'nen Becher der Zeit,
in den grauen Atem deiner Ahnen
musst du nicht mehr gehen allzu weit.

Darum, gehst du auch hin bisweilen,
bedenke dies: Allein der Tod wird uns einen.


Also, ich weiß nicht, ob das vom Metrum her richtig ist... Mal sehen, was die anderen dazu sagen, im Versmaß bin ich noch recht unerfahren.
Was denkst du darüber, Caecilia?

Eddie


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Jocelyn
Bernsteinzimmer

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BeitragVerfasst am: 17.05.2009 12:27    Titel: Antworten mit Zitat

Habe bei meiner Kritik vergessen zu beachten, dass das ein Sonett ist.

Da gibt es ja eigentlich Regeln für, zum Beispiel, dass auf zwei Quartette zwei Terzette folgen.

Zitat:
Auch in Deutschland gilt der jambische Pentameter seit A. W. Schlegel als Idealform mit männlicher (stumpfer) oder weiblicher (klingender) Kadenz und dem Reimschema

    abba – abba – cdc – dcd

oder

    abba – cddc – eef – ggf

In den beiden Terzetten kamen jedoch zu allen Zeiten viele Varianten vor, z. B.

    abba – abba – ccd – eed
    abba – abba – cde – cde
    abba – abba – ccd – dee
    abba – abba – cde – ecd

Das englische Sonett reimte

    abab – cdcd – efef – gg


These, Antithese, Synthese.

Zitat:
Ideale inhaltliche Strukturierungen sind:

    * im italienischen Sonett:
          o These im 1. Quartett
          o Antithese im 2. Quartett
          o Synthese in den Terzetten
    * alternativ ebenfalls im italienischen Sonett:
          o These in den Quartetten
          o Antithese in den Terzetten
    * im englischen Sonett:
          o These in den ersten beiden Quartetten
          o Antithese im dritten Quartett
          o aphorismusartige Synthese im Couplet

Zitate sind auf Wikipedia: Suchwort: Sonett

Muss mir das jetzt nochmal anschauen.

Caecilia


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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 17.05.2009 12:41    Titel: Antworten mit Zitat

sodala
dann schau ich mir das mal an

du hast dich hier an einem englischen (oder auch an einem Shakespeare-) Sonett versucht. Von den Reimen ist es sehr richtig aufgebaut.
 
a b a b    c d c d    e f e f    g g

Nun ist das Versmaß auch bei einem Sonett heute keineswegs mehr so streng zu sehen, wie noch vor ein paar hundert Jahren. Sogar große Dicher wie Rilke haben bei ihren Sonetten Dinge im Versmaß abgeändert. Ich gehe jetzt aber mal davon aus, du wolltest ein ganz klassisches Sonett schreiben.

Und wenn wir schon bei englischen Sonetten sind. Schaun wir uns doch das bekannteste englische Sonett überhaupt an. Und wie sollte es anders sein. Von Shakespeare:

Shall I compare thee to a summer's day?
Thou art more lovely and more temperate.
Rough winds do shake the darling buds of May,
And summer's lease hath all too short a date.


Das Versmaß ist hier ganz klassisch (wie auch im deutschen so ca. ab dem späten 18. Jh.) ein jambischer 5-heber (mit männlicher (also betonter) Endung)

v - v - v - v - v -
v - v - v - v - v -
v - v - v - v - v -
v - v - v - v - v -

Diese betonte Endung kommt in sehr vielen englischen Sonetten vor, im klassischen "deutschen Sonett" ist die Versform des Endecasilabo gebräuchlicher. Das ist ein jambischer 5-heber mit weiblicher Kadenz.

v - v - v - v - v - v

Sehr häufig aber ist die Endung gar nicht so wichtig. Betonte und unbetone Endungen kommen oft gemeinsam in einem Sonett vor.

Jetzt aber zu deinem Sonett:

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- v - v - v - v - v
hier verwendest du keine Jamben, sondern Trochäen. Aber immerhin ist die Hebungszahl schonmal richtig.
- v v - v v - v v -
Hier hast du drei Daktylen mit einer betonten Silbe am Ende.
- v - v v - v - v v - v
v - v - v - v v -


Das ganze sieht von den Hebungen her jetzt ein wenig durcheinander aus. Aber auch die großen Meister haben mit Tonbeugungen gearbeitet. Wichtig finde ich, dass du versuchst mit Jamben zu arbeiten und nicht mi Trochäen. Hier hast du nämlich fast durchgehden (auch in den anderen Strophen) einen männlichen Auftakt.
Wenn ich jetzt noch Zeit hätte würde ich mir die anderen Strophen auch noch anschauen. Aber muss nun leider weg. Ich hoffe ich konnte dir trotzdem ein wenig weiter helfen.
Allgemein würde ich sagen, für den ersten Versuch gar nicht schlecht. Einfach weiter machen

Gruß
Roman


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Jocelyn
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BeitragVerfasst am: 17.05.2009 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

OK, also ist es ein englisches Sonett.

Aber die These, Antithese und Synthese sind schwer zu erkennen.

Mein Versuch:

-Verzweifelt im Leben. (Quartette 1 und 2)

-Gewissheit des Altwerdens und Sterbens.  (Quartett 3)

-Einheit im Tod mit den Ahnen. (Couplet)

Ist es so gemeint?

Caecilia


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BeitragVerfasst am: 17.05.2009 12:51    Titel: Antworten mit Zitat

das englische Sonett nimmt es (soweit ich weiß) nicht so genau mit These, Antithese und Synthese. Das ist allein schon wegen der Form so. Das englische Sonett ist einfach anders aufgebaut. Mann kann dabei eher von einer zweiteilung sprechen. Die ersten drei Strophen (die vom Reimschema gleich aufgebaut sind) und der abschließende Reim am Ende.
Aber man sollte das mit der dreiteilung sowieso nicht so ernst nehmen. Für absolute Mustersonette hat das vll eine wichtige Bedeutung. Aber man kann auch mal drüber hinwegsehen. Und ich denke dabei auch an viele Sonette von Rilke oder George


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