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cr
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 37
Beiträge: 4



BeitragVerfasst am: 12.04.2009 11:48    Titel: Geschichte von einem, der nach hause gehen wollte eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

---Dies ist der Anfang einer wahren Geschichte über jemanden, der aus China zu Fuß nach Deutschland laufen wollte. Ich würde gerne wissen, ob man sich als Leser die folgende Situation vorstellen kann, und wo man Verbesserungen machen könnte. Vielen Dank---


   Turpan, westchinesische Wüste, 20. Oktober 2008:

   „Kehr um!“ der Polizist mit dem Schlüsselbund am Gürtel spricht es aus wie einen Befehl: „Kehr jetzt um! Du kommst hier nicht vorbei!“
   Er zeigt auf die Wolken, die sich in breiten grauen Streifen die Wüste entlangwälzen, unaufhaltsam näher kommend wie ein böser Traum: „Viel zu gefährlich! Bei so einem Wetter sind hier draußen schon Leute vom Wind  umgeblasen worden!“
   Umgeblasen?
   „Tot!“ beeilt sich sein Partner mit der neongelben Warnweste zu bestätigen, und er wiederholt das Wort noch einmal so deutlich, dass es sich beinahe schon albern anhört: „Tot!“
   Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Nach zwei Tagen ohne Schlaf und ohne Essen ist meine Gesichtshaut gespannt, und meine Augen brennen wie von Meerwasser. Ich habe Bauchschmerzen. Die beiden gucken mich an, sie warten auf eine Reaktion.
   Plötzlich prasseln harte, trockene Worte aus meinem Mund auf sie nieder wie Staubkörner aus einem Wüstensturm: „Pah, ihr Chinesen! Wollt ihr im Ernst, dass ich euch euren Schwachsinn glaube? Es ist doch immer das gleiche. Ich bin tausende von Kilometern von Peking bis hierher gelaufen, ZU FUSS, weder Berge noch Wüsten haben mich aufhalten können, und jetzt wollt ihr mir ernsthaft erzählen, dass ich hier nicht vorbei kann?“
   „Heute jedenfalls nicht,“ brummt der Schlüsselbund: „und jetzt Ausweispapiere her!“
   "Ist ja nur für ein paar Tage, bis sich das Wetter gelegt hat, dann können Sie bestimmt weiter!“ beschwichtigt die Warnweste, während ich mir an meiner treuen Kabutze zu schaffen mache, um meinen Pass hervorzukramen.
   Der Schlüsselbund hat die Arme vor der Brust verschränkt und lehnt sich nach vorn, über die Kabutze: „Was ist das für ein Fahrzeug? Wo hast du es her?“
   „Das ist ein Handkarren.“
   „Fährst du damit herum?“
   „Ich ziehe ihn herum. Sind Vorräte drin.“
   „Aha. Und wo hast du ihn her?“
   „Paar tausend Kilometer in die Richtung.“ Ich deute auf die Straße hinter mir, und die beiden starren wirklich einen Moment lang in die Ferne, als ob sie Herrn Wangs Schweißerladen in Zhangye mit den Augen suchen würden.
   „Zu Fuß also,“ der Schlüsselbund dehnt die Worte und mustert mich von oben bis unten, während er in meinem Pass blättert: „und wo willst du jetzt hin?“
   „Nach Ürümqi.“
   „Das können Sie aber heute nicht!“ fällt die Warnweste ein.
   „Doch!“
   „Aber nicht bei dem Wind! Sie müssen entweder umkehren und bis morgen abwarten, oder Sie fahren jetzt sofort die Strecke mit dem Auto. In ein paar Stunden machen wir die Straße hier nämlich dicht. Es ist viel zu gefährlich!“
   „Jetzt reicht's mir aber!“ Einige Leute in der Entfernung drehen sich beim Klang meiner Stimme nach uns um und gucken. „Ich laufe da jetzt durch, ob's euch beiden passt oder nicht! Wenn ich sterbe dann sterbe ich eben, aber ihr beiden haltet mich jedenfalls nicht auf!“
   Die Polizisten sehen mich an, während ich mir auf die Brust schlage, dann wechseln sie einen befremdeten Blick, und der Schlüsselbund dreht sich weg um irgendetwas in sein Funkgerät zu sprechen. Die Warnweste scheint einen Moment lang zu überlegen, dann geht die Befragung weiter: „Warum müssen Sie denn unbedingt heute weiter? Sie könnten doch ganz einfach morgen mit dem Auto fahren!“
   „Zu Fuß! Ich muss zu Fuß!“
   „Okay, aber unbedingt heute? Wenn Sie schon so lange unterwegs sind, dann kann es doch jetzt auf ein paar Tage auch nicht mehr ankommen, oder?“
   „Doch!“ Die Mautstation, die Wüste, die Polizisten und die Umstehenden, alles verschwimmt am unteren Rand des Blickfeldes. Während ich dem Polizisten zu erklären versuche, warum ich unbedingt zum Flughafen nach Ürümqi muss, spüre ich es nass in meinen Bart hineinlaufen.
   „Oh,“ macht die Warnweste, als ich fertiggeredet habe, und er wiederholt es noch mal mit mehr Betroffenheit: „Oh.“
   Aber da fällt mir noch etwas ein, etwas, das ich schon lange sagen wollte: „Ich weiß ganz genau was ihr Chinesen denkt,“ meine Stimme ist so laut, dass es auch wirklich jeder hören soll, „ihr bildet euch ein, wir hätten keine Gefühle, nur weil wir Ausländer sind. Ha, aber wisst ihr was?“ Mein Zeigefinger stochert in der Luft nach dem Schlüsselbund und der Warnweste und den ganzen glotzenden Umstehenden: „Scheiß auf euch alle!“
   Ungläubiges Staunen. Es ist wie der Moment, wenn der Zeiger der Bahnhofsuhr die volle Minute erreicht und dort für einen Moment verharrt: Die Zeit dehnt sich, bis sie für einen winzigen Augenblick stehen bleibt.
Doch schon findet der Schlüsselbund mit donnernder Stimme die Facon wieder: „Hör mal zu mein Junge, deine Situation in allen Ehren, aber so redest du nicht noch mal mit uns, hast du das verstanden?“
   Ich nicke und hebe dabei entschuldigend die Hände, aber er fährt ungerührt fort: „Also, wenn du da vorne reinläufst und in dem Wind umkommst, bringt das keinem was, weder dir noch deiner kleinen Freundin, und wir kriegen obendrein noch einen Heidenärger dafür, klar?“
   „Aber-“
   „Nichts aber! Ich habe gerade mit unserem Chef gesprochen, der hat ein Auto mit dem du in ein paar Minuten mitfahren kannst.“ Er winkt ab, als ich Anstalten mache, ihn erneut zu unterbrechen. „Ich weiß schon, das willst du nicht. Hier ist also der Plan: Da vorne kommt nach zwölf Kilometern auf der linken Seite eine Tankstelle, die auch Betten vermietet. Da kannst du vor Einbruch der Dunkelheit hinlaufen, wenn du dich beeilst.“
   Die Warnweste erhebt den Zeigefinger und macht einen spitzen Mund: „Sie müssen es aber unbedingt bis dorthin schaffen, sonst werden sie das womöglich nicht überleben!“ Worte, so belehrend und unverrückbar wie das Mao-Porträt am Platz des Himmlischen Friedens.
   Zwölf Kilometer.
   Der Schlüsselbund hat etwas auf einen Zettel geschrieben und drückt ihn mir in die Hand: „Hier ist die Telefonnummer von unserem Revier, falls unterwegs mal etwas sein sollte.“ Ein Schulterklopfen. „Und jetzt beeil dich, Jungchen!“ Damit wendet er sich ab und spricht weiter in sein Funkgerät. Ich schließe die Hände fest um die Griffe meiner Kabutze – ein bisschen feucht fühlen sie sich an – dann lehne ich mich nach vorne, um uns ins Rollen zu bringen, bevor die Tränen wiederkommen.
   Zehn Minuten später laufen wir bereits durch den Sturm, die Kabutze und ich.

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Hoody
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2604
Wohnort: Alpen


BeitragVerfasst am: 12.04.2009 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo cr.
Ist es wirklich eine wahre Geschichte??

Also ich konnte alles flüssig lesen.
Und es war schon spannend. Ich will den Text nicht kritisieren, das sollen andere machen die sich besser auskennen. Weil ehrlich gesagt habe ich nichts gefunden.
Vielleicht sind die Dialoge noch etwas seltsam, aber sonst fande ich es gut. Aber ich verstehe nicht ganz warum er nicht zwei, drei Tage lang eine Pause machen kann und wartet bis der Wind vorbei ist?
Mir hat es gefallen.
lg Hubi


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Nennt mich einfach Hubi oder J-da oder Huvi : D

Ich bin wie eine Runde Tetris. Nichts will passen.

"Ein schlechter Schriftsteller wird manchmal ein guter Kritiker, genauso wie man aus einem schlechten Wein einen guten Essig machen kann."
Henry de Montherlant

"Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, so muss man erst richtig anfangen."
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cr
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 37
Beiträge: 4



BeitragVerfasst am: 12.04.2009 12:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jarda hat Folgendes geschrieben:
Hallo cr.
Ist es wirklich eine wahre Geschichte??

Also ich konnte alles flüssig lesen.
Und es war schon spannend. Ich will den Text nicht kritisieren, das sollen andere machen die sich besser auskennen. Weil ehrlich gesagt habe ich nichts gefunden.
Vielleicht sind die Dialoge noch etwas seltsam, aber sonst fande ich es gut. Aber ich verstehe nicht ganz warum er nicht zwei, drei Tage lang eine Pause machen kann und wartet bis der Wind vorbei ist?
Mir hat es gefallen.
lg Hubi


hehe, es ist wahr, und er kann auf keinen fall warten, er muss unbedingt so schnell wie möglich weiter!
danke für deine anmerkung. smile
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 59
Beiträge: 1841



BeitragVerfasst am: 12.04.2009 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ct,

mich hätte auch mal interessiert, warum dein Protag unbedingt zu Fuß von China nach Deutschland läuft und er zwei Tage ohne Essen und Schlaf auskommen muss. Ohne das Wissen läuft deine Geschichte für den Leser ins Leere.

Mardii
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cr
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 37
Beiträge: 4



BeitragVerfasst am: 13.04.2009 02:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mardii hat Folgendes geschrieben:
Hallo ct,

mich hätte auch mal interessiert, warum dein Protag unbedingt zu Fuß von China nach Deutschland läuft und er zwei Tage ohne Essen und Schlaf auskommen muss. Ohne das Wissen läuft deine Geschichte für den Leser ins Leere.

Mardii


also ich wollte das eigentlich erst später auflösen, wovon er so getrieben war. meinst du das kann man machen?
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Rheinsberg
Geschlecht:weiblichécrivaine émigrée

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Bronzenes Messer


BeitragVerfasst am: 13.04.2009 06:36    Titel: Antworten mit Zitat

Mich macht es erst mal neugierig, weshalb ich weiterlesen würde  Wink

Fehler sind mir erst mal nicht aufgefallen, jedenfalls nichts, was mich beim Lesen ernsthaft gestört hätte. Stilistisch - hm, ich würde sagen, die Zahl der beschreibenden Adjektive nähert sich der Obergrenze, da solltest du etwas aufpassen.
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 59
Beiträge: 1841



BeitragVerfasst am: 13.04.2009 19:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo cr,

eigentlich ist schon die Vorstellung an sich, dass jemand zu Fuß von China nach Deutschland gehen will, recht irre.  So, jetzt gehe ich nach Hause und tschüss denn.
Auf die Gründe, die du anführen wirst, bin ich aber doch mal gespannt.
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Rheinsberg
Geschlecht:weiblichécrivaine émigrée

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Bronzenes Messer


BeitragVerfasst am: 30.04.2009 17:31    Titel: Antworten mit Zitat

cr: beim Lesen musste ich an diese Geschichte denken:

http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,621990,00.html


_________________
"Write what should not be forgotten…" Isabel Allende

"Books are written with blood, tears, laughter and kisses. " - Isabel Allende

"Die größte Gefahr ist die Selbstzensur. Dass ich Texte zu bestimmten Themen gar nicht schreibe, weil ich ahnen kann, welche Reaktionen sie hervorrufen." - Ingrid Brodnig
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cr
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 37
Beiträge: 4



BeitragVerfasst am: 07.05.2009 14:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

haha, ich arbeite dran! smile
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TajMahal
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 28
Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 11.05.2009 18:15    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
„Scheiß auf euch alle!“


Erinnert mich ein wenig an Hollywood, hat mich aber für einen kurzen Moment stocken lassen  Wink

Der Text ist sehr gut geschrieben, fesselt mich bis zum Ende des kleinen Einblicks und macht Lust auf mehr, vorallem mich als Reisenden der noch nie in China war  Smile


Ich muss jetzt nochmal einige Aussagen erweitern: Fesseln tut der Text auf persönlicher Erlebnisebene, da nicht viele Beschreibungen von Landschaft und Personen vorhanden sind, kann man sich zwar aus eigener Erfahrung etwas zusammenbasteln, das klappt aber wahrscheinlich nicht immer. Mich würden Passagen mit einigen mehr Details freuen (und wenn es nur eine kurze Passage ist).
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