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Corinna
Sonntagsschreiber


Beiträge: 11



BeitragVerfasst am: 05.04.2009 08:49    Titel: Wer (1. Kapitel) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

1
Sarahs Zeigefinger zog kleine Kreise durch den Staub auf der Nachttischlampe. Erst ganz sanft. Verwoben. Verschlungen. Dann wuchsen sie mehr und mehr. Ketten. Geflechte. Bis schließlich ein einziges, flächendeckendes Knäuel entstanden war und die blaue Oberfläche nun keinen Platz mehr für meinen künstlerischen Moment bot. Sie wischte ihren provisorischen Pinsel an der Bettdecke ab. Die war dick und weiß- zumindest ehemals-. Nun, Alter und Verschleiß ging eben auch an ihr nicht vorüber. An den Enden hatte jemand zwei grüne Bordüren gestickt, die aus einer millimeterdünnen Linie mit den feinsten Ästchen bestand. Sehr kunstvoll. In seiner Zeit bestimmt ein Meisterwerk. Heute würde seine Schöpferin schon längst entlassen worden sein. „Und die Maschine hat dazu noch keinen Mundgeruch“, würden die wenigen verbliebenen Kolleginnen getuschelt haben. Aus dem anderen Zimmer drangen schwere, aber regelmäßige Atemzüge zu ihr herüber. Er hatte die Tür nur angelehnt- wahrscheinlich aus Gewohnheit. Sie dachte nicht, dass er es ihretwegen getan hatte. Warum hatte sie gewusst, dass er nicht schnarchen würde? Sah man das seiner kleinen, mickrigen Nase an? Sie schmunzelte in die Dunkelheit hinein. Überhaupt war er nicht der Typ Großvater, wie man ihn sich normalerweise vorstelle. War sie gemein, wenn sie sagte, er hat sogar etwas Hässliches an sich? Sie konnte nicht sagen, was es genau war, aber andere Leute stieß es wohl ab. Durfte sie sich so etwas anmaßen? Schluss jetzt. Sei ihm dankbar, dass er keine Fragen gestellt hatte. Und überlege dir gefälligst, wie es mit dir weitergeht. So viel Glück, wie heute, wirst du nicht immer haben. Oh, danke, liebes Gedächtnis! Vielen Dank für die Erinnerung. Wäre ich jetzt gar nicht darauf gekommen. Mangelndes Glück habe ich in letzter Zeit ja reichlich erfahren können, oder wäre ich sonst hier? In einem wildfremden Bett bei einem wildfremden Greiß zu Hause, der da nebenan schläft, als wenn nichts wäre. Sarah drehte und wendete sich ein paar Mal, aber die Matratze wollte einfach nicht knarzen. Das war doch immer so bei altem Zeug. Diese Weigerung wollte weder in diesen Raum, noch zu seinem Besitzer passen, die doch beide so scherfällig wirkten. Durch ein kleines, unverdecktes Giebelfenster drang das dumpfe Licht der Laterne und warf einen breiten Strahl auf den Teppich. Wie erklärst du es dem alten Herrn morgen früh, Sarah? Sie war sich ungewöhnlich sicher, dass er es nicht zur Sprache bringen würde. Trotzdem wäre es nicht fair, so zu tun, als wäre es das Normalste der Welt, wenn eine völlig erschöpfte Achtzehnjährige plötzlich mitten in der Nacht vor deiner Tür steht und dich bittet, etwas verschnaufen zu können. Was würde sie denn denken? „Ich bin auf der Durchreise“, könnte sie sagen, was in gewisser Weise ja auch zutraf. Aufstehen und einfach verschwinden. Was kümmerte dich, was der Alte von dir hielt? Das kannst du dir morgen früh auch noch schnell zurechtlegen, entschied sie. Denn eigentlich wollte sie nur noch schlafen. Sie war lange gerannt und mindestens doppelt so lange noch gelaufen. In dieser Kälte, die sich – wie ihr schien- gestern nicht zufällig über die Welt gezogen hatte. Doch sobald ihre Gedanken von dem Greiß, dessen Namen sie nicht einmal wusste, und dem nächsten Morgen wegdrifteten, kehrte schlagartig die Erinnerung an diejenigen Stunden des vergangenen Abends zurück, die schuld daran waren, dass sie nun hier lag. Und wieder rollten die ersten Tränen über die geröteten Wangen, die sich ohnehin noch nicht beruhigt hatten. Wie viele Tränen konnte ein Mensch geben?

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Enfant Terrible
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Alter: 26
Beiträge: 10332
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 05.04.2009 21:39    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Text ist ganz nach meinem Geschmack: Mir gefällt die Story also subjektiv. Gerade das verworrene und verwirrende Zusammenspiel zwischen Stil und Inhalt machen einen Reiz aus, der die Erzählung nahezu hypnotisch wirken lässt.

Mich hat der Text gefesselt, obwohl er recht viele Fragen aufwirft und dabei wenig "passiert": Sarah malt mit dem Finger im Staub, dann kommt eine Beschreibung des Bettzeugs, dann wird zu ihrer Gesamtsituation geschwankt ... Und doch fließt alles in einem eigenartigen Rhytmus fort. Gewagt, gewagt.

Wie lang ist denn die Story, zu der dies das "1. Kapitel" ist? Hast du vor, den Stil auch so über das ganze Buch hindurch beizubehalten? Schnelleser und Liebhaber der leichten Kost würdest du damit zwar verwirren, aber wie gesagt ... schlecht ist es nicht.

Formal erschwerst du das Lesen durch den absoluten Verzicht auf Absätze. In Verbindung mit dem Stil der Geschichte macht es das Mitverfolgen der Sätze zu einer an sich schwierigen Aufgabe. Dabei könnte man gerade die inneren Monologe so schön gliedern.

Noch ein paar winzige gemischte Anmerkungen:

Zitat:
Erst ganz sanft. Verwoben. Verschlungen. Dann wuchsen sie mehr und mehr. Ketten. Geflechte

Vielleicht ist es reine Geschmackssache, doch ich würde die Fragmente mit Kommas verbinden statt mit Punkten abzuhacken. Wirkt etwas fließender, finde ich.

Zitat:
Bis schließlich ein einziges, flächendeckendes Knäuel entstanden war und die blaue Oberfläche nun keinen Platz mehr für meinen künstlerischen Moment bot

Das "mein" passt nicht zu der sonstigen Erzählperspektive. Du erzählst aus Sarahs Thrid-Person-Sicht - sollte es da nicht "ihren" heißen? Ich gehe davon aus, du meinst Sarahs künstlerischen Moment und nicht den eines unbekannten Ich-Erzählers.

Zitat:
Sie wischte ihren provisorischen Pinsel an der Bettdecke ab. Die war dick und weiß- zumindest ehemals-

Der kursive Satz ist meiner Meinung nach nicht ganz geschickt eingeflochten bzw formuliert, sodass er wie ein Anhängsel wirkt. Vielleicht wäre es besser, ihn mit dem vorangehenden zu verbinden, etwa so:
Sie wischte ihren provisorischen Pinsel an der Bettdecke ab, die in besseren Zeiten weiß und dick gewesen war.

Zitat:
Heute würde seine Schöpferin schon längst entlassen worden sein.

Dieser Satz ist zwar, soweit ich erkennen kann, von der Zeit her grammatikalisch korrekt - aber er liest sich sehr sperrig und konstruiert. Indem man einfach das Passiv durch Aktiv ersetzt, wäre der Satz schon viel bekömmlicher:
Heute hätte man seine Schöpferin längst entlassen.
So einfach.

Zitat:
„Und die Maschine hat dazu noch keinen Mundgeruch“, würden die wenigen verbliebenen Kolleginnen getuschelt haben.

Den Satz finde ich super. Ein wirklich guter Trick! Daumen hoch

Zitat:
Aus dem anderen Zimmer drangen schwere, aber regelmäßige Atemzüge zu ihr herüber. Er hatte die Tür nur angelehnt- wahrscheinlich aus Gewohnheit. Sie dachte nicht, dass er es ihretwegen getan hatte. Warum hatte sie gewusst, dass er nicht schnarchen würde? Sah man das seiner kleinen, mickrigen Nase an? Sie schmunzelte in die Dunkelheit hinein. Überhaupt war er nicht der Typ Großvater, wie man ihn sich normalerweise vorstelle. War sie gemein, wenn sie sagte, er hat sogar etwas Hässliches an sich? Sie konnte nicht sagen, was es genau war, aber andere Leute stieß es wohl ab. Durfte sie sich so etwas anmaßen? Schluss jetzt. Sei ihm dankbar, dass er keine Fragen gestellt hatte. Und überlege dir gefälligst, wie es mit dir weitergeht. So viel Glück, wie heute, wirst du nicht immer haben. Oh, danke, liebes Gedächtnis! Vielen Dank für die Erinnerung. Wäre ich jetzt gar nicht darauf gekommen. Mangelndes Glück habe ich in letzter Zeit ja reichlich erfahren können, oder wäre ich sonst hier?

Spätestens hier würde ich dringend einen Absatz machen, da nicht nur ein anderer Sinnabschnitt kommt, sondern auch ein ziemlich deutlicher Stilwechsel. Der innere Monolog wirkt lebendiger, straffer, einfach anders als der übrige Stil. Eine wie auch immer geartete Abgrenzung wäre hier nötig, weil es beim Lesen sonst sehr verwirrt.

Zitat:
In einem wildfremden Bett bei einem wildfremden Greiß zu Hause

Kleiner Rechtschreibfehler: Greis

Nochmals: Mich hat der Text angesprochen, weil er Anspruch hat, weil er anders ist als viele Stories, die ich kenne - er präsentiert das Thema größtenteils originell und berührt deshalb. Noch ein paar Kleinigkeiten ausbessern, dann ist der Stil wirklich super!


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Murmel
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BeitragVerfasst am: 07.04.2009 13:39    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, ich lese keine Buchstabenwände.

Das ist nicht böse gemeint, sondern ich tue mich schwer so etwas zu lesen und dann fair zu rezensieren.

Bitte in Paragraphen formatieren, ausser du bestehst auf deinem Format.

Murmel.


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BeitragVerfasst am: 07.04.2009 13:53    Titel: Antworten mit Zitat

Muss mich Murmel anschließen. Hab es ein paar Zeilen versucht, mich durchzuwinden, aber die Kombination von "Buchstabenwand" (sehr schön bildlich formuliert), Einwortsätzen, Metaphern (mein Gedanke: Zeigefinger und Staubkreise will mir sicher gewaltsam irgendwas metaphorieren...) und dem Fakt, dass die Eingangszeilen suggerieren, hier geht's um Sarah, aber dann steht da mittendrin ein "meinen" und ich weiß nicht, hängen da zwei Figuren so eng beeinander oder ist das ein Überbleibsel aus einer Vor-Editier-Version??? *grübel*

Ich musste dann aufhören. Ich fand nach den Bordüren keinen Aufhänger, der mich inspiriert hätte, weiterzukämpfen.

Corinna, hatten wir von dir nicht schon mal was? Mich beschleicht da eine Ahnung...


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BeitragVerfasst am: 07.04.2009 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
schwerfällig
muss es heißen smile

Mir hat der Text gefallen, weil ich gerade diese Art von Stil mag. Auch wenn die Geschichte nicht meinen Geschmack trifft.

Aber bitte, bitte bau da Absätze ein. War schwer genug, da durchzuhalten lol2

lg Dennis
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Corinna
Sonntagsschreiber


Beiträge: 11



BeitragVerfasst am: 14.04.2009 16:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Erstmal tut es mir leid, dass ich so spät antworte.
Und dann noch ein großes DANKE, dass ein paar von euch durchgehalten haben.
Das mit dem Format werde ich in Zukunft wirklich beherzigen, war auch keine Absicht.
Mein Stil ist wirklich etwas verworren, werde da demnächst versuchen, wein wenig mehr Ordnung reinzubekommen.
Liebe Grüße,
Corinna
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