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Lesehoernchen
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 30
Beiträge: 214
Wohnort: Thüringen


BeitragVerfasst am: 24.03.2009 14:32    Titel: Strip please eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Seit langem ein Anfang für eine Geschichte von mir.  Sie dreht sich um ein "verlorenes" Mädchen.
Fragen und Anregungen bin ich gerne bereit zu beantworten.


I.
Die Angst griff abrupt mein Herz und ließ es vortreffliche Klänge singen. Längst saß der Mann, der mein Augenlicht gerade noch auf sich gezogen hatte, nicht mehr auf seinem Stuhl und so flog der Vogel, der sich auf seiner Schulter niedergelassen hatte, gen Himmel und mir davon.
Meine Schulter bewegte sich, sie zuckte und deutete mir, mich endlich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
 Los, dachte ich, geh näher, sieh es dir an und dann darfst du schauern. Dann darf sich  dein Geist verschrecken, dein Haar zu Berge krümmen.
So trat ich Schritt für Schritt an die leblose Frau heran. Ihr Kopf war von fahler Farbe, die Nase unnatürlich gebogen und einige Tropfen von hellem Blut suchten den Weg zu ihrem Kinn.
„Mariella“, dieser Ruf öffnete sich zu einem Echo, der an den Bauwagen abprallte. Enten haben kein Echo. Warum rief denn jemand meinen Namen? Ich war doch hier, die Füße fest im modrigen Sand, die Arme in die Hüften gestemmt vor der Aufgabe, das Lebewesen zu untersuchen, welches mit Sicherheit tot war.  
Ja, das konnte ich genau sehen, keine Regung spielte um die faltigen alten Augen, die Arme waren zu den Seiten ausgestreckt und gaben einen ausgemergelten Körper frei. In meiner Panik sah ich alles ganz genau, drei Schnitte am Hals, vier Maden auf dem linken Knie, der Mund formte ein lautloses „A“, wie in „Amen“. Ganz schrecklich war das anzuschauen , nichts für eine ästhetischen Maler und schon gar nichts für mich.
„Mariella, komm, es reicht jetzt!“ Warum erschien mir der Ruf plötzlich ängstlich, warum hörte es sich so an, als gäbe es diesmal kein Echo, sondern eine letzte Warnung.  Verschwinde, dachte ich sofort und fühlte etwas an meiner Hand. Blut? Nein Metall.
 Wie kalt es war und wie stumm mein Herzschlag wurde als ich mir ausmalte, wie ich entkommen konnte.
Die Bauwagen verschmolzen zu einer dünnen Gasse, der Betonwagen war der Richtungspfeil und meine Hoffnung. Dahin laufen und dann über den Zaun mit den Beinen als Antrieb, mit den Augen als Ausstieg.
„Oh Gott, Mariella.“ Amen. Der Ruf war nicht mehr laut, sondern nun ganz leise. Ich fühlte feuchte Hände, die fester zudrückten, meinen Hals umkrallten und ich schrie im Rausch. Das Metall fand den Weg durch weiche Haut, durch Gewebe. Ach, dachte ich, als ich nun zu Boden fiel. Es war richtig, schließlich war es Liebe.

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BeitragVerfasst am: 25.03.2009 12:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lesehörnchen,

deine Geschichte wirkte auf mich, wie wenn Goethe beschrieb was dabei heraus kommen könnte, wenn Pinocchio sich in Begleitung einer Ente auf die Spuren des Jack The Ripper begibt.

Mir scheint, du hast dich viel zu sehr darauf konzentriert „literarisch“ wohl klingende Worte zu finden, als darauf, die Geschichte in klare Worte zu packen. Greifen wir mal ein paar Prachtsätze auf.

Zitat:
Die Angst griff abrupt mein Herz und ließ es vortreffliche Klänge singen.


Was sollte dieser Satz sagen? Das Mädchen hat Panik und deshalb singt ihr Herz vortreffliche Klänge?

Zitat:
Längst saß der Mann, der mein Augenlicht gerade noch auf sich gezogen hatte, nicht mehr auf seinem Stuhl und so flog der Vogel, der sich auf seiner Schulter niedergelassen hatte, gen Himmel und mir davon.


Hier kommt erstmals Pinocchio ins Spiel: „der mein Augenlicht auf sich zog“? Wie wäre es mit „Aufmerksamkeit fesselte“? Der Vogel saß auf SEINER Schulter und flog IHR  davon? Und auch noch gen Himmel? Hältst du das im Nachgang noch immer für treffend formuliert? In einer  morbiden Killergeschichte?

Zitat:
Meine Schulter bewegte sich, sie zuckte und deutete mir, mich endlich auf das Wesentliche zu konzentrieren.


Die Schulter zuckte, um dessen Besitzer zu deuten sich auf das Wesentliche zu konzentrieren? Wo ist da der Zusammenhang? Ist das nun ein Mädchen oder Dr. Jekyll?

Zitat:
Los, dachte ich, geh näher, sieh es dir an und dann darfst du schauern. Dann darf sich dein Geist verschrecken, dein Haar zu Berge krümmen.
So trat ich Schritt für Schritt an die leblose Frau heran. Ihr Kopf war von fahler Farbe, die Nase unnatürlich gebogen und einige Tropfen von hellem Blut suchten den Weg zu ihrem Kinn.


Angesichts dessen, das dort eine Tote liegt, dürfte der „Geist“ schon verschreckt sein und die Haare längst zu Berge stehen. Oder braucht ein Mädchen dazu wirklich eine Makroaufnahme?

Zitat:
„Mariella“, dieser Ruf öffnete sich zu einem Echo, der an den Bauwagen abprallte. Enten haben kein Echo. Warum rief denn jemand meinen Namen? Ich war doch hier, die Füße fest im modrigen Sand, die Arme in die Hüften gestemmt vor der Aufgabe, das Lebewesen zu untersuchen, welches mit Sicherheit tot war.


Jemand ruft einen Namen und Enten haben kein Echo. Hm, was magst du dir dabei gedacht haben? Wie hängt das zusammen? Der Leser bleibt ratlos zurück. Wenn sie nicht weiß, wer ihren Namen rief, woher sollte es der Leser wissen? Was hat das Mädchen eigentlich vor? Eine Autopsie?

Zitat:
Ja, das konnte ich genau sehen, keine Regung spielte um die faltigen alten Augen, die Arme waren zu den Seiten ausgestreckt und gaben einen ausgemergelten Körper frei. In meiner Panik sah ich alles ganz genau, drei Schnitte am Hals, vier Maden auf dem linken Knie, der Mund formte ein lautloses „A“, wie in „Amen“. Ganz schrecklich war das anzuschauen , nichts für eine ästhetischen Maler und schon gar nichts für mich.



Hier kommt die Fortsetzung der Makroaufnahme. Panik dient nicht gerade der Steigerung unserer Konzentrationsfähigkeit. Bestenfalls der Beschleunigungskraft, gewöhnlich leitet sie einen Sprint ein, schlimmstenfalls die komplette Lähmung.

Zitat:
„Mariella, komm, es reicht jetzt!“ Warum erschien mir der Ruf plötzlich ängstlich, warum hörte es sich so an, als gäbe es diesmal kein Echo, sondern eine letzte Warnung. Verschwinde, dachte ich sofort und fühlte etwas an meiner Hand. Blut? Nein Metall.


Wir wissen noch immer nicht wer da ruft.

Zitat:
Wie kalt es war und wie stumm mein Herzschlag wurde als ich mir ausmalte, wie ich entkommen konnte.


Hier ist sie also tot?

Zitat:
Die Bauwagen verschmolzen zu einer dünnen Gasse, der Betonwagen war der Richtungspfeil und meine Hoffnung. Dahin laufen und dann über den Zaun mit den Beinen als Antrieb, mit den Augen als Ausstieg.


Das kann man noch nachvollziehen.

Zitat:
„Oh Gott, Mariella.“ Amen. Der Ruf war nicht mehr laut, sondern nun ganz leise. Ich fühlte feuchte Hände, die fester zudrückten, meinen Hals umkrallten und ich schrie im Rausch. Das Metall fand den Weg durch weiche Haut, durch Gewebe. Ach, dachte ich, als ich nun zu Boden fiel. Es war richtig, schließlich war es Liebe.


Und hier gipfelt es in morbiden Unsinn. Tut mir leid und ist auch sonst nicht meine Art, aber anders kann ich das nicht empfinden. Beschreibt dieser Absatz wirklich den lyrischen „Liebestod“?

Liebes Lesehörnchen,

die Geschichte ist dir aus dem Ruder gelaufen. Die Gleichnisse sind alle samt misslungen. Wenn dir die Geschichte schon so lange im Kopf herum spuckt, sollte es dir möglich sein, sie klar und präzise zu erzählen. Als Anfänger solltest du es unbedingt vermeiden dich der Gleichnisse all zu üppig zu bedienen. Das erfordert Übung und Selbstkontrolle. Meine Rezension sollte dir Beweis genug sein, dass ein Stück nicht besser wird, weil es durch lyrisch anmutende Begriffe geschwängert wurde. Die Körperteile und Organe gehören unabdingbar zur Protagonistin.
Du hast das unmögliche fertig gebracht, indem du eine Distanz zwischen der „Ich-Erzählerin“ und ihren Körperteilen und Organen hergestellt hast. Ganz, als wären sie Fremdkörper, oder irgendwie eigenständig.

Versuche die Geschichte in einfache und treffende Worte zu kleiden. Im Zweifel schreibe lieber, dein Herz verkrampfte sich vor Angst/ Panik oder was immer es sein soll. Es wirkt alle Mal stärker und passender wie: Das Herz wurde stumm oder spielte „treffliche Klänge“. Sei nicht traurig, aber das ist es, was untern bei raus kam. Suche nicht nach Kunstbegriffe, sondern wähle die Formulierungen, die jedem anderen auch einfallen würden. Schriftstellerei heißt nicht verquirlt zu schreiben. Eine erste, wenn auch harte Lektion.  Rolling Eyes

Grüße

Bobbi

PS: Das gehört ganz eindeutig in die Talentschmiede
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