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Der Schrei der Karotte


 

 
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rolf0404
Geschlecht:männlichLeseratte

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Beiträge: 133
Wohnort: Mannheim


BeitragVerfasst am: 21.01.2009 17:43    Titel: Der Schrei der Karotte eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Schrei der Karotte

Angefangen hatte alles beim Gemüsehändler. Die Bananen lagen einsam im Korb und draußen hatte es schon den ganzen Morgen geregnet. Lilly war wieder einmal nicht zum Frühstück erschienen, und Onkel Philipp hatte ein ganzes Einmachglas mit Zwetschgen von seinem Nachttisch fallen lassen.
So blieb mir nichts anderes, als den ganzen Weg von Arkansas zum Old Man River in dem einzigen Paar Hausschuhen zurück zu legen, das ich seit meiner Konfirmation im April ‘69, als ich diesen fatalen Streit mit dem Pfarrer wegen der irrtümlichen Annahme hatte, die Welt sei durch einen lauten Knall entstanden, noch besaß.
Es liegt auf der Hand, dass der Blumenkohl mir freundlich zulächelte, während ich mit der einen Hand, die ich noch bewegen konnte, den Salat sortierte, wobei ich peinlichst darauf bedacht war, den großen Köpfen nicht den Vorzug vor den kleinen zu geben. Ganz hinten saß diese kleine, schnuckelige Zwiebel, die mir schon so manches mal das Wasser in die Augen getrieben hatte, wenn es hier in der Region wieder einmal so heiß geworden war, dass selbst die Kühlhäuser zu schwitzen anfingen. Ich war ja so dankbar dafür!
Alles in allem hätte ich an diesem Morgen vollkommen zufrieden sein können, wäre da nicht dieser kleine Vorfall auf dem Barhocker am Abend zuvor gewesen. Ich war nur ganz wenig vor gefallen, aber es hatte gereicht, um mit dem Gesicht - ich glaube mit der Stirn zuerst - den Boden zu berühren, von dem behauptet wird, er sei früher durch einen Teppich geschmückt gewesen.
Es fiel mir daher nicht schwer, dem Gemüsehändler die Hand zu drücken, was diesen veranlaßte, das grüne Glas mit Gurken der Schwerkraft auszusetzen, was wiederum dazu führte, die Zwiebel, welche mir noch kurze Zeit zuvor zugelächelt hatte, in eine Linksdrehung zu zwängen, als plötzlich eine vorne spitz zulaufende Essiggurke genau auf sie zukam.
Der etwas aufdringliche Geruch des Gemüsehändlers störte mich nicht, wohl aber die Hand, die er versuchte um meinen Hals zu legen. Vor etwa siebzehn Jahren musste mich ein Erlebnis beeindruckt haben, das diesem auffallend ähnelte, doch so sehr ich es auch versuchte, ich konnte mich nur noch ganz entfernt daran erinnern.
Kaum jemand nahm den Zeitpunkt wahr, an dem die Zwiebel,  jene die mir in den heißen Tagen das Wasser in die Augen getrieben hatte, ihre Linksdrehung beendete und zielbewusst auf eine Karotte zu steuerte, die offenbar von diesem Angriff völlig überrascht war.
Auch der Blumenkohl erkannte anscheinend die Zwiebelgefahr und begab sich schnellstens außerhalb ihrer Reichweite.
Nur diese kleine, schnuckelige Karotte konnte, ob sie es wollte oder nicht, der Zwiebel nicht ausweichen.
Es gab einen lauten Knall, der irgendwie jenem Knall ähnelte, den ich damals in den Ohren hatte, als Gustav diese Feuerwerkskörper im Jahr ‘72 eigentlich zu Onkel Philipp hätte bringen sollen und sie dann doch neben meinem Bett liegen gelassen hatte, obwohl er wußte, ich rauche grundsätzlich im Bett und achte normalerweise nicht darauf, ob da, wo sonst immer ein Aschenbecher steht, auch jedesmal ein Aschenbecher steht.
Ich spürte förmlich wie mir dieser markerschütternde Schrei jener so sympathischen Karotte durch sämtliche Glieder fuhr. Und nie werde ich dieses cholerische Lachen der Zwiebel vergessen, als schließlich der Gemüsehändler, in Anbetracht der sehr kritischen und angespannten Lage, meinen Kopf in beide Hände nahm und ihn mit einer Geschwindigkeit hin und her bewegte, die vermuten ließ, er bringe mich mit dem Schrei der Karotte in Verbindung.
Ich weiß heute nicht mehr so genau wie das alles weiter ging, aber wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen gerne wie das alles angefangen hatte.
Also, angefangen hatte alles beim Gemüsehändler...



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Boxuruh
Geschlecht:weiblichSchmierfink


Beiträge: 66



BeitragVerfasst am: 26.01.2009 08:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rolf!

Netter Text, aber mehr nicht. Den Text kann man einmal lesen, aber man vergisst ihn danach auch relativ schnell wieder.
Ich weiß ja nicht, was du damit bezwecken wolltest, aber mich bringt er weder zum Nachdenken, noch zum Lachen, und spannend finde ich ihn auch nicht.

Sprachlich ist er gut geschrieben. Manchmal finde ich allerdings deine Sätze ein bisschen zu lang. Zum Beispiel diesen hier:
Zitat:
So blieb mir nichts anderes, als den ganzen Weg von Arkansas zum Old Man River in dem einzigen Paar Hausschuhen zurück zu legen, das ich seit meiner Konfirmation im April ‘69, als ich diesen fatalen Streit mit dem Pfarrer wegen der irrtümlichen Annahme hatte, die Welt sei durch einen lauten Knall entstanden, noch besaß.
Das "noch besaß", steht da einsam herum, und man muss erst einmal überlegen, wohin es jetzt bloß gehört.


Zitat:
Es liegt auf der Hand, dass der Blumenkohl mir freundlich zulächelte, während ich mit der einen Hand, die ich noch bewegen konnte, den Salat sortierte, wobei ich peinlichst darauf bedacht war, den großen Köpfen nicht den Vorzug vor den kleinen zu geben.

Du benutzt "Hand" zweimal in diesem Satz in einem jeweils anderen Sinnzusammenhang, was bei mir Irritation auslöst.


Viele Grüße, Boxuruh
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rolf0404
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 66
Beiträge: 133
Wohnort: Mannheim


BeitragVerfasst am: 27.01.2009 13:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Ganze lief unter der Rubrik "den Kopf frei machen". Ich will nicht immer etwas "bezwecken", wenn ich schreibe. Die zweimal "Hand" verzeihe ich mir. Dafür dass ich einfach "drauf los schreibe", habe ich immerhin zum Schluss noch die Kurve bzw. die 'Schleife zum Anfang'  gekriegt.

Betrachten wir es als einen "dadaistischen Versuch', der bei einer Lesung - gerade wegen der langen Sätze und der Schleife - ganz gut ankam.

Der Versuch, mich bei einer Kaninchenjagd hinter einen Baum zu stellen und wie eine Karotte zu schreien, ist mir allerdings mißlungen.  Wink

Rolf


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