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kapitel 14 - Vom Winde verweht 1/2


 

 
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kydu
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen

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Beiträge: 29
Wohnort: zu weit weg


Der Fluch Von Arabien
BeitragVerfasst am: 17.12.2008 19:56    Titel: kapitel 14 - Vom Winde verweht 1/2 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Da standen wir nun, Golsir und ich. Tagelang hatten wir nicht die Möglichkeit gehabt miteinander zu sprechen, aber jetzt, wo wir das wieder konnten, schwiegen wir uns eisig an. Ich hatte so ein Gefühl, dass mit Golsir etwas nicht stimmte. Er wirkte so verkrampft und starrte mir leerem Blick zum Horizont. Ich wollte ihn schon darauf ansprechen, hielt es aber momentan nicht für den richtigen Zeitpunkt, als er plötzlich von sich aus mit mir zu reden begann.  „Komm, wir müssen aufbrechen.“, war aber alles, was er mir zu sagen hatte und dabei schaffte er es nicht mal, mich anzusehen.

Nachdem wir bereits eine ganze Strecke Weg wortlos hinter uns gebracht hatten,  merkte ich, dass Golsir immer langsamer wurde. Ich ritt an seine Seite, um in Erfahrung zu bringen, was los sei und erschrak als ich in sein krankhaft blasses Gesicht sah. Golsir war er völlig verschwitzt und so geschwächt, dass er sich nur mit Mühe auf seinem Pferd halten konnte.
„Was ist mit dir?“
„Nichts. Es geht mir gut …“
„So siehst du aber nicht gerade aus. Sollen wir nicht besser eine kurze Pause machen?“
„Nein, ist schon gut.“
Ich nickte, aber war doch in großer Sorge um ihn und das dumpfe Gefühl beschlich mich, dass Golsir mir etwas verheimlichte.

Gegen Mittag trafen wir auf eine Gruppe Reisender. Wir machten eine Pause bei den Leuten, die sehr gastfreundlich waren und uns mit Essen und Trinken bewirteten. Golsir saß die ganze Zeit über still in einer Ecke, trank nur etwas Wasser und zuckte dabei mehrmals zusammen, fast so, als ob er von schweren Krämpfen geplagt werden würde. Ich beobachtete ihn besorgt, sagte aber nichts zu ihm, da er immer noch nicht mit mir sprechen wollte.
Nach dem Essen verabschiedenden wir uns von unseren Gastgebern und wollten wieder aufbrechen, als ich bemerkte, dass Golsir mittlerweile schon so schwach war, dass er nur noch mit größter Mühe auf sein Pferd aufsteigen konnte. Ich wollte ihm helfen, aber er blockte ab und zischte mich an, dass ich ihn gefälligst in Ruhe lassen sollte.

Wir machten uns auf den Weg und ich versuchte herauszufinden, was Golsir wirklich fehlte, der vor mir ritt und dabei ständig versuchte, sein Pferd im langsamen Schritt zu halten, weil ihn das Galoppieren wohl mittlerweile zu sehr anstrengte. Schließlich, als er noch langsamer wurde, rief ich ein paarmal seinen Namen, aber er reagierte nicht darauf. Ich dirigierte daraufhin meinen Hengst neben sein Pferd, packte Golsir an der Schulter und schüttelte ihn. Weil er wahrscheinlich schon bewusstlos gewesen war und nur noch im Unterbewusstsein weiter ritt, fiel er plötzlich und für mich völlig unerwartet mit seinem ganzen Gewicht nach hinten und stürzte mit voller Wucht auf den harten Boden.
Ich hielt sofort an, stieg erschrocken vom Pferd ab und rannte zu ihm. „Golsir! Mensch Golsir, was ist mit dir?“
Sein Gesicht war vor Anstrengung verzerrt und kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er sah mich hilfesuchend an und versuchte wieder auf die Beine zu kommen, aber ich hinderte ihn daran.
„Nein Golsir, nicht aufstehen!  Bleib bitte noch ein wenig liegen und ruh dich aus. Hörst du, alles wird gut.“
Doch da war ich mir in diesem Moment gar nicht so sicher, denn Golsirs Augen wurden glasig, seine Atmung beschleunigte sich rasant und ich befürchtete, dass er gleich das Bewusstsein verlieren würde. Ich musste schnell den Grund für seinen Zustand finden und begann ihn zu untersuchen. Ich tastete seinen Körper ab und zuckte zusammen. „Verdammt Golsir! Was hast du da?“ Entsetzt bemerkte ich, dass seine Schulter ausgekugelt war.
Mir war klar, dass er an dieser Verletzung sterben würde, wenn ich ihm nicht sofort helfen würde. Aber schließlich war ich ja Ärztin!


Zuerst nahm ich Golsir seinen Umhang ab, um mir seine Schulter genauer ansehen zu können.  Die Sache sah ziemlich übel aus, viel schlimmer als ich befürchtet hatte, er musste wohl ziemlich starke Schmerzen haben. Golsir röchelte nur noch und drohte mir langsam zu kollabieren. Hier in der prallen Sonne durfte ich keinesfalls noch länger liegen lassen. Ich schaute mich um und entdeckte ein paar Palmen, die nicht allzu weit von uns entfernt waren. Aber ich konnte Golsir schlecht bis dahin tragen. Er musste also unbedingt selbst versuchen, bis dahin zu gehen oder mich zumindest bei seinem Transport zu unterstützen.
„Golsir!“ Ich rüttelte ihn und versuchte ihn wach zu halten. „Golsir, du darfst hier nicht liegen bleiben. Kannst du aufstehen?“
Er murmelte irgendetwas,  aber ich verstand nichts davon.
„Komm, du musst aus der Sonne weg. Dahinten sind einige Palmen, die uns Schatten spenden können.“ Ich musste Golsir irgendwie wieder auf die Beine zu bringen. Vorsichtig zog ich zuerst seinen Oberkörper in die Höhe, kniete mich dann so schnell ich konnte hinter ihn und fixierte ihn mit meinen Händen in dieser Stellung. Aber ich merkte schnell, dass ich zu schwach war, um ihn alleine auf zu wuchten. Er musste mithelfen. „Golsir!“, schrie ich ihn an, „ich zähle jetzt bis drei und dann stehst du auf, ok!“
Golsir röchelte schwach. Ich hoffte, dass er mich verstanden hatte.
„Eins … zwei … und … drei!“ Mit aller Kraft, die ich hatte, riss ich Golsir hoch und da er tatsächlich seinen ganzen Mumm zusammen nahm, schaften wir es gemeinsam, ihn auf die Beine zu stellen. Er stützte sich auf mich und ich begann ihn zu den Palmen hinüber zu schleppen. Leider war der Weg bis dahin doch weiter, als ich es gehofft  hatte. Ich kämpfte hart mit mir selbst, um nicht zusammenzubrechen oder Golsir fallen zu lassen, denn ich wusste, dass ich die Kraft um ihn hochzuhieven. nicht nochmals aufbringen konnte. Als wir endlich an unserem Ziel angekommen waren, wurden mir dann doch die Beine weich und ich stürzte samt Golsir in den Sand, der zu allem Unglück auch noch direkt auf mich fiel und mich mit seinem ganzen Gewicht zu Boden drückte.
„Aaaahhhh!“ schrie ich vor Schmerz auf.
Golsir war offensichtlich wieder bei Bewusstsein und hatte mitbekommen, was soeben geschehen war. „ Kyra … verzeih mir bitte … das wollte ich nicht.“
Er war ziemlich schwer, denn er war um einiges größer als ich und hatte den kräftigen Körperbau eines Kriegers. Golsir versuchte sich aufzurichten, rutschte aber immer wieder ab, weil er einfach zu schwach war und auch nur einen Arm verwenden konnte. Ich war leider auch nicht in der Lage ihm zu helfen, da ich mich unter ihm kaum bewegen konnte, aber nach ein paar erfolglosen Versuchen gelang es mir doch endlich mich zu befreien. Ich zog Golsir, der sich noch immer nicht selbstständig bewegen konnte, in den Schatten und lehnte ihn dort an einen Felsen.
„Wie ist dir das eigentlich passiert?“, fragte ich, denn auch wenn ich es schon ahnte, wollte ich es doch genau wissen.
Golsir sah mich mit halb geöffneten Augen an. „Der Mistkerl von Avered hat das gemacht.“
„Aber … wieso um Himmelswillen?“
Aus Golsirs schwacher Stimme konnte ich seine große Wut erkennen. „Irgendwann wird die Zeit kommen, das schwöre ich ...“, er zuckte vor Schmerzen zusammen und fuhr  dann fort, „ … ich … werde ihn umbringen.“ Das Sprechen strengte ihn an, er schloss die Augen und versuchte mehr Luft zu bekommen. Das Atmen fiel ihm dabei äußerst schwer und die Schmerzen ließen den Schweiß in Bächen von ihm herabfließen.
Ich dachte kurz darüber nach, was ich zu tun hatte. Und es gab nur eine Antwort: Eine ausgekugelte Schulter muss wieder eingerenkt werden! Es half nichts. „Golsir“, redete ich mit leiser aber fester Stimme auf ihn ein, „Ich muss dir die Schulter wieder einrenken. Das wird dir jetzt leider sehr weh tun.“
Golsir lächelte. „Noch schlimmer als jetzt kann es kaum mehr werden.“
Damit ich Nichts falsch machte, sprach ich mir selbst laut vor, was ich zu tun hatte. „Zuerst muss ich den Oberarmknochen in den richtigen Winkel bringen, sonst gleitet er nicht in das Schultergelenk zurück.“
„Anscheinend …“, stöhnte Golsir, „hast du ja richtig Ahnung von sowas.“
Naja, ich habe öfters mal zugesehen, wie das geht. Aber selbst habe ich das noch nie gemacht.“ antwortete ich ihm völlig wahrheitsgemäß während ich sein Handgelenk packte und den Ellbogen einwärts zog. Da Golsir äußerst kräftig und sein Arm sehr muskulös war, brauchte ich für das Einrenken eine Menge Kraft. „Vorsicht! Jetzt kommt das Schlimmste.“ warnte ich ihn, umschloss mit meiner Hand seinen Ellbogen und war bereit, ihn nun schwungvoll nach oben in das Gelenk zu schieben.
Golsirs Mundwinkel zuckten, aber seine Augen zeigten mir, dass er Vertrauen ich mich und meine Heilkünste besaß. „Nur zu!“
Inzwischen lief auch mir der Schweiß übers Gesicht, denn einen Arm einzurenken stellt selbst unter günstigsten Umständen bereits harte Arbeit dar. Doch bei diesem großen und breiten Mann, dessen Arm schon seit Stunden ausgekugelt war, kostete mich diese Prozedur alle Kraft, die ich in mir hatte. Plötzlich knirschte es ziemlich laut in der Schulter und ich konnte zufrieden feststellen, dass Alles wieder da war, wo es hingehörte.
Golsir blickte mich erstaunt aber dankbar an. Ungläubig hob er seine Hand und überprüfte die Funktion seiner Finger und des Ellenbogens. „Es tut nicht mehr weh. Danke Kyra!“ Ein breites Grinsen huschte über sein Gesicht.
„Freu dich nicht zu früh, der Schmerz kommt noch.“ bremste ich seine Euphorie. Ich schwitzte zwar vor Anstrengung wie nach einem Marathonlauf, war jedoch mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“Dein Schultergelenk wird noch eine Weile sehr empfindlich sein. Du darfst es auch zwei, drei Tage überhaupt nicht belasten, hörst du Golsir! Und wenn doch, sei bitte sehr vorsichtig und hör sofort damit auf, wenn du einen Widerstand im Gelenk verspürst.“
Golsir lauschte respektvoll meinem Rat und ich kam mir fast so vor, als ob ich wieder in meinem Krankenhaus in London wäre und gerade mit einem meiner Patienten sprechen würde. Dann nahm ich mein Tuch ab, das ich um den Hals getragen hatte und machte Golsir damit einen Verband. Er war so erschöpft, dass er währenddessen bereits einschlief…

Als es Abend wurde, kam er langsam wieder zu sich.
„Wie fühlst du dich?“ fragte ich ihn und reichte ihm etwas Wasser zu trinken.
Er gab mir mit einem kurzen Nicken zu verstehen, dass es ihm soweit wieder ganz gut ging und versuchte aufzustehen.
Doch ich hielt ihn davon ab. „Du darfst deine Schulter noch nicht belasten, bleib bitte noch ein wenig liegen.“
Aber Golsir war bereits wieder der alte Sturkopf, der sich von mir nichts sagen ließ. Er richtete sich auf und sah mich an. „Wie lange sind wir eigentlich schon hier?“
„Naja, ungefähr seit heute Mittag …“
„Was! So lange schon. Dann müssen wir die Nacht durchreiten.“
„Nein, du bist noch zu schwach! Lass uns bitte bis morgen warten.“
„Aber wir sind hier in einer Gegend, wo man am besten nachts reitet.“
„Unsinn. Und außerdem darfst du dich nicht bewegen. Wie willst du dann reiten?“
Golsir sah mich an, so als ob ich ohnehin wissen würde, was ich zu tun hatte. „Ich werde auch nicht reiten.“, sagte er, „Das wirst du für mich tun.“
„Wie meinst du das?“, fragte ich irritiert nach, „…ich verstehe dich nicht.“
Golsir zog sich an dem Felsen hoch und stand vorsichtig auf. „Wir nehmen nur ein Pferd, das habe ich gemeint.“ Er schleppte sich zu meinem weißen Hengst und schaffte es tatsächlich, in den Sattel zu kommen. Auch wenn er dabei sicher große Schmerzen haben musste, war kein Mucks von ihm zu hören. „Na komm schon!“, forderte er mich auf und reichte mir seine gesunde Hand.  Damit zog er mich nach oben. Ich saß nun vor ihm auf dem Pferd und übernahm die Zügel.

Die Nacht war frisch und die Kälte drang unangenehm durch meine dünne Kleidung. Trotzdem war ich zufrieden und lehnte mich zurück, auch um Golsir ganz nahe zu sein. Ab und zu spürte ich seine Schenkel an mir, vor allem wenn ich lenken musste. Plötzlich begann Golsir sich zu bewegen.
Ich wusste nicht was er machte und rief deshalb „Vorsicht, sonst löst sich dein Verband ab.“ zu ihm hinter.
„Ich will nur meinen Umhang über dich decken, du zitterst ja vor Kälte. Aber mit einer Hand kann ich ihn nicht öffnen … kannst du mir bitte helfen?“
Nach einigem unbeholfenen Gezerre bekam ich ihn endlich auf. Golsir legte mir seinen Umhang mit verblüffender Geschicklichkeit und beinahe wie einen Schal, über meine Schultern. Die beiden Enden, die zu Boden sanken, steckte er abschließend unter dem Sattel fest, so dass wir nun beide warm eingepackt waren. „Na also ... wir wollen doch nicht, dass du erfrierst bevor wir da sind.“ sagte er und strich mir sanft über den Rücken.

Am frühen Morgen kamen wir endlich in einem kleinen Dorf an. Ich stieg ab und half auch Golsir vom Pferd.
Dieser meinte, dass er hier etwas erledigen müsse, das er das lieber allein machen würde. Er verschwand, kehrte aber bald wieder zurück und forderte mich auf, mit ihm zu  kommen. Ich nahm mein Pferd an den Zügeln und ging damit hinter Golsir durch das Dorf ohne dabei ein Wort zu sagen.
Als wir so fast schon das andere Ende des Dorfes erreicht hatten, blieb er stehen und ich band meinen Hengst an einem Baumstamm fest. Danach wollte ich unser Gepäck vom Sattel losbinden, schaffte es aber nicht ohne weiteres, Golsirs feste Knoten zu öffnen. Als er meine Probleme bemerkte, stellte er sich hinter mir auf und gab mir genaue Anweisungen, an welchen Gurten ich wie zu ziehen hatte.
„Nein, nicht so! … Nimm das untere Band … Halt … Ja, das … nein, doch das andere … und jetzt daran ziehen … gut … gleich hast du es!“
Ich versuchte genau zu befolgen, was Golsir mir sagte, konnte mir aber das Lachen dabei nicht verkneifen.
„So … nein, das ist jetzt falsch … noch mal zurück … ja genau so.“
Nach gut zehn Minuten hatte ich es dann auch geschafft, unsere Sachen vom Pferd zu nehmen – Golsir brauchte dafür normalerweise immer nur wenige Sekunden.

Wir hatten anscheinend vor, heute in einer Gaststätte zu schlafen, worüber ich mich nach den letzten harten Nächten wirklich freute. Golsir ging gleich die Treppe nach oben, ich folgte ihm und schaute mich dabei gründlich um. Ich war überhaupt viel vorsichtiger geworden, als ich es in meiner normalen Zeit immer gewesen war, fiel mir auf.
Im zweiten Stock öffnete Golsir die Türe und ließ mich, Gentleman wie er war, vor sich in mein Zimmer gehen. Mein Blick wanderte durch den Raum und ich nahm einen rauchgeschwärzten Kamin, zwei schmale, unverglaste Fenster und einige hölzerne Möbel wahr. Leider befand sich weder ein Teppich oder Stroh auf dem harten Boden, aber daran hatte ich mich auch schon gewöhnt.
„So, das ist dein Zimmer“, verabschiedete sich Golsir, „meines ist eine Etage tiefer und liegt genau unter deinem.“
Ich nickte zufrieden. „Schlaf jetzt ein wenig, Golsir. Das werde ich auch tun und wenn wir wach sind, essen wir was. In Ordnung?“  
„Ja, so machen wir es.“ Golsir verließ meinen Raum, machte die Tür hinter sich zu und ging die Treppe zu seinem Zimmer hinunter.
Ich war so kaputt, dass ich mich gleich auf mein Bett fallen ließ und schlief vor Erschöpfung bis zum nächsten Tag durch.
Als ich meine Augen wieder öffnete, hörte ich wie draußen die Vögel zwitscherten. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster. Das Dorf  hier war wirklich nicht allzu groß und ich konnte auf den Marktplatz sehen, auf dem sich nur eine Hand voll Menschen tummelte. Da meldete sich plötzlich mein Magen mit einem lauten Knurren und ich musste lachen. „Oh Gott, habe ich einen Hunger!“
Aber so wie ich aussah, wollte ich keineswegs nach unten gehen, denn ich hatte mich seit Tagen nicht mehr gewaschen und meine Kleider sahen auch nicht gerade sauber und gepflegt aus. Ich verließ mein Zimmer und ich ging im Flur Richtung des Waschraumes, der von allen Gästen dieses Stockwerkes gemeinsam genutzt wurde. Dort gab es natürlich keine Dusche, denn Wasserleitungen wurden wohl es einige hundert Jahre später erfunden werden, aber zumindest jede Menge Waschtröge und saubere Handtücher. Da klopfte es an der Tür.
„Wer ist da?“ rief ich.
„Ich bin Rana und ich arbeite hier.“ hörte ich es von draußen und öffnete die Türe. Ein etwa 15-jähriges Mädchen lächelte mich an. „Guten Morgen! Ihr Begleiter bat mich, euch etwas zu übergeben.“
„Guten Morgen.“ erwiderte ich und bemerkte den Stapel Kleider, den sie mitgebracht hatte.
Ich bedankte mich, nahm ihr das Bündel ab und machte die Tür hinter mir zu. Dann legte ich die Kleidungsstücke vor mich hin und betrachtete jedes einzelne ziemlich genau. Da waren ein langes, weißes, mit Spitzen gesäumtes Leinenhemd, ein grünes Kleid  mit einer Art Überwurfrock sowie ein paar neue Schuhe. Ich freute mich wie ein Kind über dieses Geschenk Golsirs, da meine alten Kleider zum einen von der langen Reise total verschmutzt waren und außerdem hatte ich hatte von einen Mann noch nie so etwas Schönes bekommen. Ich wusch mich schnell und zog mir voller Ungeduld meine neuen Kleider an. Da klopfte es erneut an der Tür, es war wieder das Mädchen von vorhin.
„Oh, das neue Kleid steht euch wirklich sehr gut.“ schwärmte sie, „Und es passt so gut zu euren brünetten Haaren. Mmh, wir brauchen nur noch ein paar nette Bänder. Einen Moment bitte.“ Sie verschwand kurz und kehrte tatsächlich mit einigen Haarbändern zurück. Ich setzte mich und das Mädchen kämmte meine seitlichen Haare streng nach hinten und war über meinen doch recht unweiblichen Pagenkopf verwundert. „Meine Güte, was habt ihr euch nur dabei gedacht, eure Haare so kurz zu schneiden? Ich habe zwar schon von jungen Frauen gehört, die das so machen und sich auch wie Männer anziehen, wenn sie unterwegs sind, um dadurch vor den miesen Typen der Gilde Innos sicher zu sein. Aber warum habt ihr denn so kurze Haare?“
„Tja … mir gefallen sie so einfach besser.“ Ich lächelte und das Mädchen machte weiter.
Sie steckte hier eine Locke fest und glättete da eine Falte meines Gewandes. Schließlich war ich wohl zu ihrer Zufriedenheit herausgeputzt, denn sie ließ von mir ab. „So, jetzt gefallt  ihr mir!“ Und bevor sie das Zimmer verließ, sagte sie noch schnell: „Oh, das hätte ich beinahe vergessen -  ihr Begleiter wartet unten auf sie.“



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Wenn die Liebenden fallen, die Liebe fällt nicht,
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
-Dylan Thomas-
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