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Enfant Terrible
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 05.12.2008 15:10    Titel: Die Dämmerung hier ist anders eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wie Eisenringe
legen sich deine Arme
um ein zitterndes Fass
voller Zwielicht.

Die Worte, die hineinfallen
sind tränenlösliche Kapseln.
Lass uns nicht testen,
welche Seuche freigesetzt wird,
wenn sich ihre Hüllen auflösen.

Bitte, lach nicht so.
Kein mir bekanntes Monster
trägt dieses Lächeln,
und mir fehlt der Halt,
wenn ich keinen Wahnsinn
zu ertasten vermag.

Lass uns schnell zurückkehren
in den Norden,
oder wo auch immer
der Staub die Sonne verdeckt,

denn im hiesigen Hitzeflimmern
verschwimmt dein Lächeln so schnell
zu einem Stundenglas.

Sogar die Dämmerung
verändert sich,
wenn du so bist,
und meine Augen schmerzen
vom Suchen nach der Kälte.

Ich will zurück nach Hause,
denn meine Hände vermissen Mauern,
um sich daran wund zu schlagen.
Ich will nach Norden.


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"...und ich bringe dir das Feuer
um die Dunkelheit zu sehen"
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Geschmacksverwirrte über meine Schreibe:
"Schreib nie mehr sowas. Ich bitte dich darum." © Eddie
"Deine Sprache ist so saftig, fast möchte man reinbeißen." © Hallogallo
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Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
Alter: 26
Beiträge: 4593
Wohnort: Heidelberg
Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 05.12.2008 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Reggy,

abartig und surrealistisch? Ich bitte dich.

Das ist ein Gedicht, das wunderschöne, melancholische Bilder enthält. Und ganz wichtig: es enthält Gefühle. Emotionen ohne Ende. Ich bin sehr erfreut darüber, dass du augenscheinlich meinen Ratschlag befolgt hast smile

Nun das Manko. Du gehst nicht in die Tiefe. Du bringst ein Bild, BÄM, das neue, BÄM, noch eins hintendrein, BÄM... Den Leser erwartet ein Kreuzfeuer aus, wie gesagt, sehr schönen Metaphern - aber leider zu vielen.

Du hast zwar ein erzählendes Gedicht, aber ich finde es schade, dass diese ganzen schönen Bilder nur einen Augenblick währen. Ich bin der Ansicht, dass du da sehr viel mehr herausholen könntest.

Da bieten sich dir zwei Möglichkeiten:
1. Dein Gedicht wird länger (ich hatte das Gefühl du hast es kurz halten wollen)
2. Du strukturierst dein Gedicht irgendwie um und lässt Bilder weg


Um dir das ganze im Detail näherzubringen, hier mal die Punkte, die mir aufgefallen sind.

Zitat:
Wie Eisenringe
legen sich deine Arme
um ein zitterndes Fass
voller Zwielicht.

Die Worte, die hineinfallen
sind tränenlösliche Kapseln.
Lass uns nicht testen,
welche Seuche freigesetzt wird,
wenn sich ihre Hüllen auflösen.



Hier. Wunderbar. Alles stimmt, tolle Bilder und ein Bezug.

Einigermaßen passend ist dann noch dieses Bild:

Zitat:
Bitte, lach nicht so.
Kein mir bekanntes Monster
trägt dieses Lächeln,


Doch dann schweifst du bereits ab.

Verstehst du, was ich meine?


Ansonsten - wie gesagt - sehr gefühlvoll. Dein nächster Schritt wäre vielleicht, das Gedicht in eine Emotion zu hüllen und nicht in zu viele!
Erst Melancholie, dann Sehnsucht, dann Melancholie, Traurigkeit, Melancholoe, Sehnsucht,... Das ist für meinen Geschmack zu viel und hängt wohl auch mit den vielen Metaphern zusammen.


Abschließend ist zu sagen, dass du da gerade einen neuen Pfad betrittst. Das Gedicht unterscheidet sich von den anderen, du hast auch deine Liebe zur Sprache unterdrücken können und benutzt eine leichte, aber dennoch lyrische Wortwahl.

Ich hoffe, dass du diesem Pfad weiter folgen wirst und dich weiterhin so rasant verbesserst!

lg Dennis
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 05.12.2008 18:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich bedanke mich ganz herzlich für deine ausführliche, wohlwollende Kritik, lieber Dennis - sie hilft mir wirklich weiter!
Es freut mich, wenn ich Emotionen bis zu dir transportieren konnte. Mein primäres Ziel war es, ein Gefühl in Worte zu fassen, das mir gestern keinen Schlaf ließ.
Dass das Gedicht sehr verworren und eben "zu" facettenreich ist, liegt zu einem an meiner jeweiligen "Phase" im Schreiben, zum anderen, weil es - für mich zumindest - eine vollständige Geschichte ergab. Alle Metaphern sind darauf ausgerichtet, ein Gefühl darzustellen: Das LI erfährt Freude und Freiheit und schreckt davon zurück, weil es ihm in all dem Leid erschreckend ungewohnt erscheint. Das LI traut diesen positiven Gefühlen nicht und sehnt sich zurück nach der Kälte und Dunkelheit, weil er von der Freude nur noch unangenehmere Überraschungen erwartet.
Im Prinzip sind es tatsächlich zwei Gedichte in einem. Vielleicht sollte ich sie auch so aufteilen, oder einen Bruch dazwischen machen, oder...
Auf jeden Fall nochmal herzlichen Dank für deine Einschätzung. Das Spannendste am Schreiben ist ja, dass man nie weiß, wohin man sich entwickelt ... mal sehen, vielleicht schaffe ich es tatsächlich irgendwann, mir das "Ballern" abzugewöhnen. Kritiken wie die deine sind dafür jedenfalls sehr hilfreich!


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Bärbel
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Alter: 51
Beiträge: 13
Wohnort: Österreich


BeitragVerfasst am: 07.12.2008 20:25    Titel: Lieber Terrorkrümel! Antworten mit Zitat

Am allerbesten gefällt mir die zweite Strophe. Die hat es wirklich in sich.

Und ... ich hoffe, du verstehst mein Staunen richtig .... erst jetzt gerade habe ich entdeckt, dass du 15 Jahre alt bist ... und bin wirklich begeistert von dir!

lg
Bärbel


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Bärbel
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

Alter: 25
Beiträge: 10334
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 09.12.2008 17:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für dein Lob, liebe Bärbel. Das mit dem Alter habe ich schon relativ oft gehört, also stört es mich kaum mehr...
Da mir persönlich das Gedicht sehr am Herzen liegt, habe ich es mal vertont. Viel Spaß beim Anhören!


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halcyonzocalo
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BeitragVerfasst am: 09.12.2008 18:03    Titel: Antworten mit Zitat

Huhu, Krümelchen!

Mir geht es bei dem Gedicht ähnlich wie Eredor!

An sich sind das ja schöne Bilder, die du uns hier kredenzt.... nur leider viel zu viele.

Das Ganze wird so unnötig kryptisch und unverständlich.

Ich lese öfters mal in deine Gedichte rein und mir ist schon oft aufgefallen, dass du sehr verschlüsselte Texte schreibst.
An sich ja nichts schlimmes - nur manchmal wird es eben ein bisschen zu viel.

Solche bildgefüllten Gedichte sind auch nicht ganz mein Geschmack - was meiner Bewunderung an deinen lyrischen Fähigkeiten keinen Abbruch tut.

Hier stößt es mir aber besonders unangenehm auf.

Und manche Metaphern finde ich auch zu abstrakt.

Bestes Beispiel dafür:



Zitat:
denn im hiesigen Hitzeflimmern
verschwimmt dein Lächeln so schnell
zu einem Stundenglas.


Mit diesem Bild kann ich leider nichts anfangen. Lächeln kann nicht zu einem Stundenglas verschwimmen. Wie soll ich mir das vorstellen?

Deine Vertonung finde ich leider auch nicht gelungen.
An einigen Stellen finde ich die Betonung einzelner Wörter etwas übertrieben und das Betonungsschema wiederholt sich zu oft.

Insbesondere der letzte Vers kommt in der Betonung nicht so gut rüber.
Wenn ich die Worte lese, denke ich an einen Hilfeschrei des LI, einer Sehnsucht, einer ausgestreckten Hand...

Es ist sicherlich nicht einfach, das stimmlich umzusetzen und dir ist es leider auch nicht geglückt. Vielleicht unternimmst du ja bald noch einen Versuch! Wink

Ich hoffe, meine Kritik ist nicht zu hart, ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen! Laughing

Gruß
halcyonzocalo
(Sebastian)


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WhereIsGoth
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Wohnort: Club der toten Dichter


BeitragVerfasst am: 09.12.2008 18:54    Titel: Antworten mit Zitat

Deine Vorlesung finde ich süß.  Laughing  Nette Stimme. Obwohl du noch lange nicht an Celans Todesfuge ran kommst. Hör dir Todesfuge mal an, dass klingt richtig crank. Dann weis man, welche Aussage ein Gedicht bekommt, dass abartig in Richtung depression und morbität geht und vom Autor auch noch entsprechend vorgetragen wird.

Zum Gedicht. Interpretieren würde ich es gerne, aber gerade wenig Zeit. Mach ich ein andernmal. Deine Gedichte zu erklären erfordert mehr Zeit als bei anderen Leuten, da steckt viel drin, wobei das auch negativ werden kann. Befasse dich mal mit Paul Celan, dann kannst du einiges lernen. Du hast sicher ein ähnliches Gespür wie der Herr C. für sonderbare Metaphern. Ich sag nur schwarze Milch.


Zitat:
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz


Ein kleiner Ausschnitt. Und die vorgelesene Originalversion ist wirklich schauderhaft. Fast schon widerwertig und beängstigend nah. Es geht um einen KZ Aufenthalt Celans. ;] Im übrigen spiegelt solch ein Erlebniss sich wunderbar im Schreibstil wieder. So fragmentarisch, abgebrochen, als würde ihm irgendetwas fehlen. ( seelisch )


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Ludwig Börne
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Enfant Terrible
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 09.12.2008 22:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden,

und merci für die hilfsbereiten, ehrlichen Rezensionen!

@ halcyonzocalo (richtig geschrieben, strike!!!): Vielen Dank, dass du bei meinem Gedicht vorbeischaust und soviel Zeit und Mühe in eine Rezi inverstierst. Du brauchst ganz sicher kein schlechtes Gewissen zu haben.
es sei denn, Schuldgefühle machen dir Spaß, dann lasse ich sie dir auch gerne love  Cool
Als üblen Verriss habe ich deine Kritik ganz sicher nicht empfunden (unter hart verstehe ich etwas anderes), sondern als konstruktiv und hilfreich. Du sprichst all meine Probleme beim Dichten sehr genau an.

halcyonzocalo hat Folgendes geschrieben:
Ich lese öfters mal in deine Gedichte rein und mir ist schon oft aufgefallen, dass du sehr verschlüsselte Texte schreibst.
An sich ja nichts schlimmes - nur manchmal wird es eben ein bisschen zu viel.

Solche bildgefüllten Gedichte sind auch nicht ganz mein Geschmack - was meiner Bewunderung an deinen lyrischen Fähigkeiten keinen Abbruch tut.

Dabei ist das nicht einmal meine Absicht beim Schreiben. Ich denke nie, wenn ich dichte, "toll, wie verschlüssele ich etwas Banales möglichst kryptisch" - im Gegenteil, ich versuche nach bestem Wissen und Gewissen die manchmal absurden Dinge, die mir durch den Kopf gehen, durch Metaphern für den Leser möglichst ansprechend zu "übesetzen". Wie du siehst, klappt das nicht immer - ich sollte mir wirklich dieses Über-5-Ecken-Denken langsam abgewöhnen... Aber ich gebe mir schon Mühe! smile extra

halcyonzocalo hat Folgendes geschrieben:
Und manche Metaphern finde ich auch zu abstrakt.

Bestes Beispiel dafür:

Zitat:
denn im hiesigen Hitzeflimmern
verschwimmt dein Lächeln so schnell
zu einem Stundenglas.


Mit diesem Bild kann ich leider nichts anfangen. Lächeln kann nicht zu einem Stundenglas verschwimmen. Wie soll ich mir das vorstellen?

Es ist eigentlich ganz einfach, das Grundmotiv des gesamten misslungenen Gedichts: Das LI hat eine Heidenangst vor dem Glück, vor schönen Momenten, weil sie immer umschlagen können. Und wenn es zusammen mit dem Gegenüber für einen Moment glücklich ist, sieht das LI sogleich, wie begrenzt diese Zeit ist - symbolisiert durch ein Lächeln, das (vor dem inneren Auge des LIs) zum Stundenglas mutiert.

halcyonzocalo hat Folgendes geschrieben:
Deine Vertonung finde ich leider auch nicht gelungen.
An einigen Stellen finde ich die Betonung einzelner Wörter etwas übertrieben und das Betonungsschema wiederholt sich zu oft.

Insbesondere der letzte Vers kommt in der Betonung nicht so gut rüber.
Wenn ich die Worte lese, denke ich an einen Hilfeschrei des LI, einer Sehnsucht, einer ausgestreckten Hand...

Es ist sicherlich nicht einfach, das stimmlich umzusetzen und dir ist es leider auch nicht geglückt. Vielleicht unternimmst du ja bald noch einen Versuch!

Ich würde eher vorschlagen: Wie wäre es, wenn du mal einen unternimmst? Nein, das ist jetzt nicht als Rache für deine Kritik gemeint, bloß würde es mich ehrlich interessieren, wie du die Schwächen ausbügeln und das Gedicht auf deine eigene Art vorlesen würdest - damit ich daraus lernen kann. Deal?

halcyonzocalo hat Folgendes geschrieben:
Ich hoffe, meine Kritik ist nicht zu hart, ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen!

Du wärmst mein kleines schwarzes Herz! smile extra

WhereIsGoth hat Folgendes geschrieben:
Deine Vorlesung finde ich süß.

Süß?! Nett?!
  Shocked  Mad  Evil or Very Mad
Okay, ich rege mich schon ab.  Laughing

WhereIsGoth hat Folgendes geschrieben:
Nette Stimme. Obwohl du noch lange nicht an Celans Todesfuge ran kommst. Hör dir Todesfuge mal an, dass klingt richtig crank. Dann weis man, welche Aussage ein Gedicht bekommt, dass abartig in Richtung depression und morbität geht und vom Autor auch noch entsprechend vorgetragen wird.

Zum Gedicht. Interpretieren würde ich es gerne, aber gerade wenig Zeit. Mach ich ein andernmal. Deine Gedichte zu erklären erfordert mehr Zeit als bei anderen Leuten, da steckt viel drin, wobei das auch negativ werden kann. Befasse dich mal mit Paul Celan, dann kannst du einiges lernen. Du hast sicher ein ähnliches Gespür wie der Herr C. für sonderbare Metaphern. Ich sag nur schwarze Milch.


Zitat:
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
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Ein kleiner Ausschnitt. Und die vorgelesene Originalversion ist wirklich schauderhaft. Fast schon widerwertig und beängstigend nah. Es geht um einen KZ Aufenthalt Celans. ;] Im übrigen spiegelt solch ein Erlebniss sich wunderbar im Schreibstil wieder. So fragmentarisch, abgebrochen, als würde ihm irgendetwas fehlen. ( seelisch )

Messe mich Anfängerin doch nicht gleich an DEM Meister ... ich werde nie an Celan herankommen, nie. Nicht im Entferntesten. Allerdings ist es ein toller Zufall, dass du mich gerade auf diesen Dichter ansprichst, da ich ein glühender Celan-Fan bin - die Todesfuge z.B. kenne ich fast auswendig. Allerdings muss ich zugeben, dass ich noch nirgends seine Rezitation gefunden habe ... gibst du mir vielleicht einen Link? Das wäre super!


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WhereIsGoth
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BeitragVerfasst am: 09.12.2008 22:33    Titel: Antworten mit Zitat

Celan... um so zu schreiben wir er, müsste man vermutlich er sein.  Oder jedenfalls das erlebt haben was er erlebt hat. Das wünsch ich niemanden  Razz
Ich glaube ich wäre umgekommen in so einem KZ. Nicht unbedingt physisch, auf eine andere Weise, du weist sicher was ich meine.  Wink

Naja. Ich habe genügend Schriftsteller gelesen und ich erkenne Talent. Talent ist beim Dichten meiner Ansicht nach Schreib/-Sprachgefühl und das hast du. Mehr braucht man nicht, mehr hatte ein Goethe nicht und auch kein Celan.

In dieser Hinsicht rebelliere ich gerne gegen diese stilisierung von großen Künstlern, Dichtern & Denkern zu Übermenschen. Pff... als wären das nicht auch mal unreife Vorschüler mit Pickel gewesen.  Laughing


Mal schauen wo ich eine Rezitation finde, hatte die mal vor geraumer Zeit.

mfg goth


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halcyonzocalo
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BeitragVerfasst am: 10.12.2008 14:32    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich würde eher vorschlagen: Wie wäre es, wenn du mal einen unternimmst? Nein, das ist jetzt nicht als Rache für deine Kritik gemeint, bloß würde es mich ehrlich interessieren, wie du die Schwächen ausbügeln und das Gedicht auf deine eigene Art vorlesen würdest - damit ich daraus lernen kann. Deal?


Heute und auch die nächsten Tage habe ich leider wenig Zeit, aber die Vertonung kommt... versprochen! Wink

Gruß
halcyonzocalo
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erbitterter Tranceverteidiger und Metalkritisierer Wink


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Prinz V.
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BeitragVerfasst am: 10.12.2008 17:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ha, du brauchst sicher niemandem der wiederholt was die Anderen bereits erwähnt haben.
Aber, im Ganzen finde ich es doch schön, nur eben weicht es von Vers zu Vers immer mehr in eine andere Richtung.
Ich sag nicht, dass ich Es besser machen könnte.
Jedenfalls, haben die beiden "Kollegen" schon eine ausführliche und schöne Kritik geliefert, die ich nicht nachstellen könnte.
Also behalte es dir im Herzen...

Lg Gregor


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Schwarzlicht
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BeitragVerfasst am: 10.12.2008 19:53    Titel: Antworten mit Zitat

@Terrorkrümel

Eine Vertonung ist immer interessant - danke für deinen Mut.

Ich würde mich selbst keinesfalls als Profi bezeichnen, deshalb sollen meine Anmerkungen keinen Anspruch haben, sich über andere hinwegzusetzen.
Aus diesem Grund schreibe ich einfach über mein Empfinden.
Mir gefällt, wie du mit den Wörtern spielst und sie für dich einsetzt. Mit dem Transportieren aller Sehnsüchte, oder dem der tiefsten, reißt du mich zu schnell und zu oft aus Gedankenbildern hin zu neuen.

Beim Hören deiner Vertonung ist mir aufgefallen, dass du "Norden" aussprichst, wie ich es hauptsächlich aus Hamburg oder Meck.-Pom kenne. Gehe ich recht in der Annahme, dass sich nicht nur dein LI nach dem Norden sehnt? (Ich hoffe, diese Frage ist nicht zu persönlich!)

Viele Grüße
Schwarzlicht
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Schwarzlicht
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BeitragVerfasst am: 10.12.2008 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

Terrorkrümel, du darfst dich selbstverständlich gern mit einer Kritik an meinem Beitrag "Schwarzhimmellicht" revanchieren. Es steht hier in dieser Rubrik direkt unter "Die Dämmerung hier ist anders".  Smile

Viele Grüße
Schwarzlicht
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Enfant Terrible
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 10.12.2008 21:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Auch euch beiden noch ein herzliches Dankeschön fürs Lesen und natürlich für eure Kommentare!

Prinz V. hat Folgendes geschrieben:
Ha, du brauchst sicher niemandem der wiederholt was die Anderen bereits erwähnt haben.
Aber, im Ganzen finde ich es doch schön, nur eben weicht es von Vers zu Vers immer mehr in eine andere Richtung.

Du hast Recht. Was vermutlich daran liegt, dass es im Grunde zwei Gedichte mit zwei Leitmetaphern sind. Einmal das Tränenfass, dann die Sehnsuchts des LIs, in die Kälte zurückzukehren. Anscheinend bin ich beim Verflechten dieser Motive gescheitert.
Aber ich spiele mit dem Gedanken, daraus einen Zyklus zu machen ... vielleicht wirkt es dann weniger überladen, wenn jede Metapher in einem einzelnen Gedicht für sich steht?
Was haltet ihr von diesem Vorhaben - Schnapsidee oder mögliche Lösung?

Schwarzlicht hat Folgendes geschrieben:
Beim Hören deiner Vertonung ist mir aufgefallen, dass du "Norden" aussprichst, wie ich es hauptsächlich aus Hamburg oder Meck.-Pom kenne. Gehe ich recht in der Annahme, dass sich nicht nur dein LI nach dem Norden sehnt? (Ich hoffe, diese Frage ist nicht zu persönlich!

Wirklich? Interessant, das ist mir gar nicht aufgefallen. Umso überraschender, da ich ja eig. in München wohne und ein gegensätzlicher Akzent zu erwarten ist ... keine Ahnung, vielleicht liegt es daran, dass ich das Wort einfach betonen wollte, und es deshalb so klingt?  Embarassed
Das mit der Sehnsucht nach dem Norden ist übrigens nicht völlig aus der Luft gegriffen, und zu persönlich ist die Frage auch nicht - ich würde sehr gerne einmal in den Norden fahren; vielleicht nicht gerade den von Deutschland, aber Skandinavien, vielleicht sogar den Polarkreis...? Ich finde diese Regionen faszinierend - auch wenn in dem Gedicht mal nicht der geographische, sondern der emotionelle Norden, sprich: der Ort der Gefühlkälte, angesprochen wird.
Danke für deinen interessanten und aufschlussreichen Kommentar!

Schwarzlicht hat Folgendes geschrieben:
Terrorkrümel, du darfst dich selbstverständlich gern mit einer Kritik an meinem Beitrag "Schwarzhimmellicht" revanchieren

Vielen Dank für den Hinweis. Sonst hätte ich das Gedicht schlimmstenfalls übersehen, so aber habe ich es gerne gelesen und kommentiert.


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BeitragVerfasst am: 10.12.2008 21:08    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mags... Hicks. Also deine Idee mit dem Zyklus.

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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 10.12.2008 21:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Aufgeteilt, umgruppiert und ergänzt:

I.

Wie Eisenringe
legen sich deine Arme
um ein zitterndes Fass
voller Zwielicht.

Die Worte, die hineinfallen
sind tränenlösliche Kapseln.
Lass uns nicht testen,
welche Seuche freigesetzt wird,
wenn sich ihre Hüllen auflösen.

II.

Bitte, lach nicht so.
Kein mir bekanntes Monster
trägt dieses Lächeln,
und mir fehlt der Halt,
wenn ich keinen Wahnsinn
zu ertasten vermag.

Wenn du so bist,
verwächst sogar die Dämmerung
zu etwas anderem,
und meine gestauchten Augen
schmerzen vom Suchen
nach der Kälte.

III.

Lass uns schnell zurückkehren
in den Norden,
oder wo auch immer
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denn im hiesigen Hitzeflimmern
verschwimmt dein Lächeln so schnell
zu einem Stundenglas.

Ich will zurück nach Hause,
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Ich will nach Norden.


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