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kapitel 9 -Meine Mission beginnt 2/2


 

 
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kydu
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Beiträge: 29
Wohnort: zu weit weg


Der Fluch Von Arabien
BeitragVerfasst am: 29.11.2008 17:15    Titel: kapitel 9 -Meine Mission beginnt 2/2 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Aber ich kam nicht weit, denn plötzlich spürte ich, wie mir jemand ein Messer an den Hals drückte. Die Männer waren wohl doch nicht so betrunken, wie ich gedacht hatte und hatten uns eine Falle gestellt. „Ja, wen haben wir denn da?“ hörte ich einen der Trunkenbolde grölen, der so übel nach Alkohol stank, als ob er gerade darin gebadet hatte.
„Lass mich los, du Schwein!“ rief ich und versuchte mich loszureißen. Aber es war zwecklos, denn jetzt kamen ihm noch die Anderen zur Hilfe.
„Hey!“, johlte einer der Beiden, „die Kleine reicht für uns alle, lass uns gefälligst auch was übrig.“
„He, he, wieso nicht, aber ich bin zuerst dran.“ Er schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht und stieß mich danach gegen die Scheunenwand. Als ich dort aufschlug, spürte ich einen stechenden Schmerz an der linken Schulter, fast so, als ob ich in irgendetwas Scharfes wie eine Klinge oder Glasscherbe hineingefallen war, aber ich konnte nicht erkennen, was es genau gewesen war.
 
Der Mann ließ sein Messer zu Boden fallen und warf sich auf mich. Mich ekelte furchtbar vor diesem stinkenden Fettsack und ich wehrte mich nach Leibeskräfte, aber ich hatte keine Chance gegen ihn. Er war einfach zu stark für mich. Mit einer seiner dreckigen Pfoten würgte er mich und die andere hatte er auf meinem Oberschenkel und versuchte mir damit, die Beine zu spreizen. Panisch vor Angst und gelähmt vor Ekel versuchte ich an meinen Dolch zu gelangen, schaffte es aber nicht, da meine linke Hand durch den starken Schmerz, den ich noch immer in der Schulter verspürte, schlagartig taub und somit nicht mehr zu gebrauchen war. Ich hatte schon mit meinem Leben abgeschlossen und mich in mein Schicksal gefügt, als mein Retter aus der Dunkelheit der Scheune hervortrat.

„Nimm deine schmutzigen Hände von ihr, du versoffenes Subjekt!“ Man konnte von dem schwarzen Ritter halten, was man wollte, aber er war da, wenn man ihn brauchte. Das musste man ihm lassen.
„Sie gehört uns.“ herrschte ihn mein Peiniger an. „Verschwinde, wenn dir dein Leben lieb ist.“
„Mmmh, darüber ließe sich reden, aber leider brauche ich sie noch für eine Sache. Aber danach würde sie euch mit Vergnügen überlassen.“
„Du Mistkerl!“ schrie ich an. Anscheinend war er kein Deut besser als die Anderen.
„So lange wollen wir aber nicht warten.“ Einer der Saufbolde zog sein Schwert und schwang es drohend in seine Richtung.
Doch den dunkle Krieger schien das nicht im Geringsten zu beeindrucken. Grinsend schüttelte er den Kopf, stieg beinahe provozierend langsam vom Pferd und ging ein paar Schritte auf ihn zu. „Ihr seid von der Gilde Innos und ich könnte euch töten, denn ihr befindet euch hier auf verbotenen Boden. Aber ihr habt großes Glück, ich bin heute in guter Stimmung und verschone dich und deine Männer, wenn ihr euch jetzt schleunigst verzieht.“
Die drei Zecher brachen schlagartig allesamt in schallendes Lachen aus. „Mein Freund, ihr scheint nicht zu ahnen, wen ihr vor euch habt. Sonst würdet ihr wissen, dass weder diese Frau noch eure Wenigkeit diese Nacht überleben werden.“  
Der schwarze Ritter blickte zum Himmel. „Mmh, kein schlechter Tag um zu sterben.“ Er zog sein Schwert und bevor ich mich versah, hatte er zwei der Feinde niedergemetzelt. Der dritte Mann, der mich immer noch festhielt, ließ erschrocken von mir ab und versuchte verzweifelt sein Messer vom Boden zu greifen. Ich erkannte, dass er abgelenkt war, nutzte die Gelegenheit und verpasste ihm einen solch gewaltigen Fußtritt, dass er wie ein gefällter Baum nach hinten fiel. Als er sich gerade wieder aufrappeln wollte, spürte er bereits die kalte Klinge des Ritters an seinem Hals.
„Gnade! Bitte, verschont mich.“ winselte er.
Doch mein Begleiter war kalt wie Eis. „Ich meinte doch gerade, dass heute kein schlechter Tag zum Sterben ist. … Also stirb!“ sagte er und schnitt dem Mann von der Gilde Innos in einem Ruck die Kehle durch. Dieser sackte zusammen, zuckte noch ein-, zweimal und hauchte sein armseliges Leben für immer aus.

Obwohl ich das Ganze mit angesehen hatte, konnte ich nicht recht glauben, was da eben passiert war. Auch wenn ich bereits geahnt hatte, welch großer Kämpfer mein neuer Weggefährte sein musste, war ich doch sehr schockiert, mit welcher Kaltblütigkeit er seine Gegner eliminierte. In meiner Zeit hätte man ihm wegen dreifachen Mordes den Prozess gemacht, aber er wischte nur sein Schwert ab und war so gelassen, als ob er sich gerade nur ein Wurstbrot zurechtgemacht hätte. Ich starrte ihn halb beängstigt, halb bewundernd an und wagte immer noch kaum zu atmen.
„Du blutest.“ sagte er und ich glaubte sogar etwas wie Besorgnis um mich in seiner Stimme erkennen zu können. Ich schaute auf meine Hände und sah, dass sie tatsächlich ganz rot waren, denn mein Arm blutete stark und tat fürchterlich weh.  Meine Atmung beschleunigte sich und ich merkte, dass meine Füße nicht mehr die Kraft hatten, mich zu tragen und ich fiel zu Boden.
Der dunkle Krieger hatte das mitbekommen, kam schnell auf mich zu, strich mir beinahe zärtlich durch die Haare und versuchte mich zu beruhigen. „ He! Sieh mich an. Alles wird gut! … Atme tief durch und …“
Doch ich schubste ihn von mir weg, denn ich hatte doch noch große Angst vor ihm. Vor wenigen Momenten hatte er drei Männer umgebracht und jetzt kniete er seelenruhig neben mir und sagte mir, wie ich zu atmen hatte.
„Fass mich ja nicht an, du Mörder!“ fauchte ich.
Meine Worte beeindruckten ihn aber überhaupt nicht, er drehte mich stattdessen auf den Bauch und begann die blutende Wunde an meiner Schulter zu untersuchen. „Du hast da eine ziemlich böse Verletzung.“ stellte er ziemlich mitfühlend fest.
Ich erinnerte mich wieder daran, wie sich bei meinem harten Aufprall irgendetwas in meine Schulter gebohrt hatte. Ich sah vorsichtig dorthin, wo der Schmerz herkam und entdeckte einen riesigen Splitter, der tief in meinem Fleisch stecken musste. Mir wurde schwindelig und ich wäre beinahe zusammengebrochen, aber der dunkle Ritter fing mich auf. Er wollte offensichtlich verhindern, dass der Splitter durch einen erneuten Sturz noch weiter in meine Schulter gerammt wurde.
„Lass mich los!“ krächzte ich heiser. „Mir geht es gut.“ Dann verlor ich das Bewusstsein.

Als ich die Augen langsam wieder öffnete, merkte ich, dass er mich anscheinend wieder in den Stall zurückgebracht und auf das Heu gebettet hatte. Ich war auch ziemlich froh, denn meine Schmerzen hatten erheblich nachgelassen. Ich untersuchte meine Schulter und sah, dass sie mit einem weißen Stoff verbunden war.
„Wie fühlst du dich?“ Ich drehte vorsichtig meinen Kopf zu anderen Seite und sah ihn, wie er gerade seinem Pferd einen Eimer Wasser zu saufen gab.
„Ich weiß nicht“, antworte ich und horchte ihn mich hinein, „ich denke ganz gut.“
Er nickte zufriedenen und lächelte. „Glaubst du, dass du reiten kannst?“
Ich versuchte mich aufzurichten. Die Schulter brannte mich zwar ein wenig, aber ich schafte es. Ich war mir sicher, die Verletzung würde mich sicherlich nicht vom Reiten abhalten. „ Ja, das kann ich.“
„Gut, denn wir müssen schnellstens weg von hier!“
„Wieso …“, überlegte ich, „… die Männer sind doch alle tot.“
„Ja, das will ich wohl auch hoffen. Aber die Frau hat ihren Sohn losgeschickt, um Verstärkung von der Gilde Innos anzufordern.“
„Na, dann sollten wir wirklich schleunigst weg.“ Ich rappelte mich hoch und stieg auf mein Pferd.
„Wir?“ fragte mich der dunkle Ritter ziemlich zynisch. „Ich dachte, du wolltest alleine reisen?“
Ich sah ihn an. Auch wenn er ein Mörder war, hatte er mir doch schon öfters geholfen und diesmal sogar das Leben gerettet. „Danke!“
„Für was?“
„Du hast mir das Leben gerettet.“
„Ach so.“
„Wer bist du eigentlich?
„Golsir. Mein Name ist Golsir.“ er stieg auf sein Pferd und ritt an mir vorbei.
„Ähm Golsir, bitte warte.“ Ich war sichtlich verwirrt, denn diesen Name kannte ich nur zu gut aus meinem Buch.
Golsir hielt an, blickte zurück und ich bemerkte an seinem Grinsen, dass er meine Verwirrtheit sichtlich genoss. „Wir wollten doch zu Felestra, oder etwa nicht?“
„Ja, das müssen wir unbedingt!“
„Warum willst du zu ihr? Und woher weißt du, wo sie zu finden ist?“
„In Ordnung.“ stimmte ich zu, „aber dann musst du mir zuerst sagen, warum du hinter ihr her bist.“
Er zögerte zuerst kurz, gab mir aber dann doch eine Antwort. „Ihr Vater, König Hassan, hat mich beauftragt, sie zu suchen und da ich ihm noch etwas schuldig war, musste ich zustimmen.“
„Niemand schuldet einem König etwas. Er nimmt sich einfach, was er will.“ „
„Naja, er und mein Vater waren gute Freunde und als mein Vater starb, war es König Hassan, der mich groß zog und lehrte wie man ein Land regieren muss.“
„Das würde ja bedeutet, dass du auch ein König bist.“ mimte ich das Unschuldslamm, obwohl ich natürlich aus meinem Buch nur zu gut wusste, wer Golsir wirklich war.
„Ja“, gab er mir zu verstehen, „ich bin tatsächlich ein König.“
„Dann zeig mir zum Beweis deine Narbe.“
„Wie bitte?“,  darauf war er nicht gefasst,  „Ich bin ein König … du weist wohl nicht, was das bedeutet?“
„Doch, das weiß ich sehr wohl,  aber du bist ja nicht mein König. Und wenn du willst, dass ich dir vertraue, solltest du mir einfach die Narbe zeigen.“
Er schaute mich fragend an. „Gut, aber wenn ich sie dir zeige, dann bringst du mich dafür zu Felestra. Gib mir dein Wort darauf.“
Ich überlegte kurz. Einen Begleiter zu haben, noch dazu einen, der sich so zu wehren wusste, wäre nicht schlecht. Mit Golsirs Hilfe würden ich Felestra, falls wir sie wirklich finden sollten, auch wenigstens heil nachhause bringen. Deshalb stimmte ich seinem Vorschlag zu. „In Ordnung, du hast mein Wort darauf.“
Golsir schob seinen Umhang zur Seite, knöpfte sein schwarzes Hemd auf und legte die Schulter frei. „Zufrieden?“
Er hatte tatsächlich eine Narbe, die meiner zum verwechseln ähnlich sah. Ich nickte und  war froh, ihm wenigstens bis zu einem gewissen Punkt vertrauen zu können. Er würde mir nichts antun, da war ich mir ziemlich sicher und wenn ich erst Mal bei Felestra war, würde ich mich mit ihr zusammen sowieso am nächten Morgen von Golsir entfernen.
„Und jetzt du!“ unterbrach er meine Gedanken und ich erschrak. „Woher wusste er von meiner Narbe? Hatte er sie etwa gesehen, als er meine Verletzung behandelt hatte? Aber die war doch an der anderen Schulter …“ schoss es mir durch den Kopf.
„Du musst mir jetzt erzählen, wieso du weißt, wo sich Felestra aufhält.“
„Ach so.“ Ich war erleichtert.
„Was dachtest du denn schon wieder? Etwa, dass du dich jetzt auch ausziehen solltest?“ grinste er ziemlich frech.
Ich lächelte. „Felestra hat mir bereits vor einiger Zeit erzählt, dass sie unbedingt an die Nordküste will. Ich denke, sie wollte sich dort mit guten Freunden treffen. Und als sie jetzt nach dem Pferderennen verschwunden ist, da wusste ich gleich, dass sie diesen Plan nun in die Tat umgesetzt hat.“ Ich hoffte stark, dass mir Golsir diese Geschichte abkaufte, denn eine bessere Erklärung war mir auf die Schnelle nicht eingefallen. Anscheinend tat er es, denn er nickte und meinte, wir sollten uns schleunigst auf den Weg zur Nordküste begeben.

Wir ritten den ganzen folgenden Tag durch, machten fast keine Pausen, da wir es eilig hatten und meiner Schulter ging es dabei überraschend gut. Als Medizinerin war ich erstaunt gewesen, wie fachmännisch Golsir meine Verletzung behandelt hatte. Aber vielleicht betäubte das permanente Reiten auch einfach meine Schmerzen.

Gegen Mittag erreichten wir ein kleines Dorf. Ich besorgte uns dort zuerst Proviant, ruhte mich dann im Schatten eines großen Baumes aus und wechselte meinen Verband. Die Wunde war zwar noch offen, aber gut am heilen und wie es aussah hatte ich großes Glück gehabt, denn mehr als eine Narbe würde mir davon nicht belieben. Da bemerkte ich Golsir, der auf mich zukam. Er setzte sich neben mich und beobachtete, wie ich meine Wunde versorgte.
„Was machst du denn da? Du darfst niemals so an einer Wunde herumzerren, sonst entzündet sie sich.“ Dann nahem er mir den Verband aus der Hand, benetzte ihn in kaltem Wasser, ließ den nassen Stoff abtropfen und tupfte damit sorgfältig meine Wunde ab.
„ Ähm …“, wehrte ich ihn ab, „ich denke, ich kann das durchaus alleine … danke.“
Daraufhin drückte er mir den Stoff  wieder in die Hand und lehnte sich gegen den Baum.
Ich sah, dass ihn etwas zu bedrücken schien und versuchte Golsir zu beruhigen. „Du bist ein König, die Gilde Innos wird dir nichts antun.“
„Ja, damit liegst du richtig, aber dich werden sie töten ohne dabei mit der Wimper zu zucken.“
Irgendwie wurde ich aus diesem Golsir nicht recht schlau. Ich guckte ihm ihn die Augen, sah eine völlige Gleichgültigkeit über mein Schicksal darin und tupfte deshalb schnell wieder an meiner Wunde herum. „Und du? … Wirst du mir nicht helfen, wenn sie das versuchen?“
„Das kann ich nicht.“
„Wieso?“
„Weil ich sonst gegen ein Gesetz verstoßen würde, dass ich selbst aufgestellt habe.“
„Bitte? Das verstehe ich nicht.“
„Eine Frau darf nicht alleine durch die Wüste reisen. Wenn sie aber doch so töricht ist, das zu versuchen, ist sie völlig auf sich selbst gestellt und muss auch die Konsequenzen alleine tragen. Es sei denn …“ Golsir hielt inne.
„Es sei denn, was?“
„Es sei denn, sie ist verheiratet. Wenn du verheiratet bist, dann müsstest du dir über die Innos keine Gedanken machen.
Ich sagte darauf nichts und verband weiter meine Schulter. Als ich damit fertig war, lehnte ich mich neben Golsir an den Baum.
„Und? Bist du es?“ fragte er.
„Bin ich was?“
„Na, verheiratet?“
„Nein.“ Ich stellte beinahe belustigt fest, wie sehr diese Frage für Golsir wichtig war. Hatte er etwa tatsächlich Interesse an mir?
Doch er antwortet eher mit einem Bedauern in der Stimme: „Dann haben wir ein großes Problem.“
Ich richtete mich auf, sah ich an und überlegte dabei krampfhaft, wie ich aus der ganzen Affäre noch irgendwie heil heraus kommen sollte.
Golsir merkte das, denn er legte mir beinahe zärtlich seine Hand auf den Oberschenkel. „Keine Angst,  ich finde schon eine Lösung. Und jetzt entspann dich erst mal, Mädel. Wir werden heute Nacht hier bleiben…“

Unser Nachtlager schlugen wir etwas außerhalb des Dorfes auf. Golsir wollte nicht in Mitten all der vielen, fremden Menschen schlafen, weil ihm das zu gefährlich erschien. Am späten Abend, als wir gemeinsam vor unserem Lagerfeuer saßen, musste ich plötzlich fürchterlich lachen.
Golsir sah mich mit großen Augen an. „Was ist, Kyra? Warum lachst du jetzt schon wieder?“
Ich musste schlucken, denn es war wohl das erste Mal, dass mich Golsir nicht Mädel, sondern bei meinem richtigen Namen genannt hatte. Der klang aus seinem Mund richtig angenehm. „Wie hast du eigentlich das Feuer gemacht?“
Golsir sah mich fragend an „Na, mit Holz.“
„Ja, das sehe ich auch. Aber ich meine vielmehr, wie oder mit was hast du das Holz zum Brennen gebracht?“
„Mmh, wie macht ihr denn auf eurer Insel ein Feuer an?“
Ich konnte jetzt schlecht sagen: „Mit einem Feuerzeug“ und antworte deshalb:  „Mit einem … ähh … Brennmittel.“
„Aha … ein Brennmittel … das habe ich auch verwendet.“
„Toll“, dachte ich mir, „damit waren wir wieder am Anfang.“ Ich hakte nach: „Und welches Brennmittel verwendest du genau?“
Golsir lachte. „Sieh dir nur die Wüste an. Hier gibt es zahlreiche Hilfsmittel, mit denen man Feuer machen kann.“ Er hob einen kleinen, scharfkantigen Stein auf, der neben ihm lag und hielt ihn mir unter die Nase. „Und einer davon ist der Feuerwerfer. Du brauchst nur ein wenig Alkohol, diesen Stein hier und bisschen Sand und schon hast du es warm.“
Ich nickte zustimmend, auch wenn ich jetzt immer noch nicht genau wusste, wie er damit Feuer machen wollte, denn eine genauere Antwort würde ich sowieso nicht aus ihm herausbekommen. Ich beschloss, das Thema zu wechseln. Aber über was sollte man mit einem König plaudern, noch dazu wenn er nicht gerade gesprächig war?
„Mmh, erzähl mir ein wenig von dir!“ forderte er mich auf. Anscheinend hatte er gerade das Selbe gedacht.
„Was willst du wissen?“
„Wie lebst du in diesem Großbritannien? Gehörst du zu einer königliche Familie?“
„Sehe ich denn so aus?“
„Naja, nicht böse sein, aber deine Kleidung sieht eher nach der von gewöhnlichen Leuten aus.“
„Hmm, irgendwie“, dachte ich mir, „gehöre ich ja tatsächlich zu einer königlichen Familie“ und sagte ihm das auch genau so. „Ja, ich gehöre einer königlichen Familie an … aber … aber nur indirekt.“
„Indirekt?“ damit konnte er nun gar nichts anfangen und zog verächtlich seine Augenbrauen nach oben. „Entweder man hat edles Blut oder man hat es nicht. So einfach ist das!“
„Wenn man das so sieht, dann habe ich wohl königliches Blut in mir.“
„Ja“, seufzte er, „das hatte ich befürchtet. Nur eine Adelige kann so verzogen und eigensinnig wie du sein.“
„Hey!“ protestierte ich, „Ich weiß halt, was ich will und auch wie ich es bekomme.“ und musste lachen. Dann fiel mir wieder ein, dass Golsir eigentlich der Bräutigam meiner Vorfahrin war und ich wollte Genaueres darüber erfahren. „Du bist also Felestra versprochen?“
„Ja.“
„Aber ihr habt euch nie gesehen, oder?“
„Ich sie nicht, aber ich denke, sie kennt mich.“
„Und willst du sie ... ich meine, willst du sie heiraten?“
„Das war zumindest der Wunsch meines Vaters und ich beuge mich seinen Wünschen noch immer.“
„Aber was ist, wenn sie dich gar nicht will.“
„Mmh, wenn sie mir in die Augen sehen und mir glaubhaft versichern würde, dass sie mich nicht heiraten will, dann …“, er hielt für ein Moment inne, „dann … wäre die Sache für mich damit erledigt. Ich wäre frei und könnte die heiraten, die ich will.“
Ich schaute ihn prüfend an, zu prüfend vielleicht, denn er bemerkte das, grinste und sagte, als ob er meine Gedanken gelesen hätte: „Hey! Wieso sollte ich sie nicht heiraten wollen. Sie ist aus gutem Hause, man erzählt sie sei die schönste Prinzessin von allen und wenn sie dann auch noch küssen kann ... was könnte ich da noch mehr verlangen?“
Aus seiner Sicht war das sicher richtig. Aber ich wusste ja, dass Felestra bereits ihr Herz an einen anderen verschenkt hatte. Ich sah ins Feuer, das behaglich vor sich dahin knackte.  „Wie lange wird es dauern, bis wir an der Nordküste ankommen werden?“
„Gut eine Woche, wenn nichts schief läuft, würde ich mal schätzen. Und jetzt geh schlafen, wir haben morgen einen anstrengenden Tag vor uns.“
Ich breitete meine zwei Decken auf dem Boden aus und legte mich hin. Es war zwar nicht gerade bequem, aber der weiche Sand unter mir machte es erträglich und außerdem war ich froh, dass wir in dieser Nacht ein Feuer hatten, das uns wärmte.



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Wenn die Liebenden fallen, die Liebe fällt nicht,
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
-Dylan Thomas-
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