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Die Erfindung


 

 
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lupus
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Alter: 51
Beiträge: 4172
Wohnort: wien



BeitragVerfasst am: 30.06.2008 16:06    Titel: Die Erfindung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Professor schwieg. Ebenso der General. Sie saßen sich gegenüber. Zwischen den beiden loderte ein kleines Feuer. Der Professor gab dem General ein Paket. Auf dem Päckchen stand etwas. Der General wusste nicht was. Und der Professor deutete dem General, er solle die Schachtel ganz aufmachen. Die Schachtel war leer.

Bedächtig erhob sich der General, um mit wenigen festen Schritten seinem Gegenüber zur Seite zu treten. In der Rechten hielt er fest umklammert, was er für die mächtigste Waffe hielt, wild gestikulierend gab er dem Professor zu verstehen, dass er eine ebensolche erwartet hatte, als er ihn vor Jahren fort gesandt hatte. Eine Waffe sollte er erfinden. Eine Waffe, mächtiger, als alles was die Welt bis jetzt gesehen hatte.

"Dies, mein General, ist mein Werk,
jene Erfindung, derer so lange Ihr geharrt.
Von nun an sei sie Euer"


"Ihr wollt mich wohl auf den Arm nehmen, Professor?" hörte sich der mächtige Krieger sagen und erschrak, dass er torkelte, fiel und neben der Box zu liegen kam. 'Sprache' las er nun dort. 'Sprache'. Das anfängliche Entsetzen wich aus des Generals Antlitz, als jener gewahr wurde, welch Macht ihm mit einem Male zu eigen war, sein Blick schweifte in die Ferne, von dort sandten Mächte finsteres Lächeln zurück ins Funkeln seiner Augen. "Tatsächlich. Professor, Ihr seid genial! Genial, kann ich nur sagen. In der Tat, eine prächtige Erfindung."

"Nun, mein General, ist es an Euch,
den Frieden zu verhandeln.
Keine Steinaxt kann die Sprache je obsiegen,
kein Speer sie je bezwingen,
das Morden wird ein Ende finden.
Nehmt Platz auf roter Erde,
gemeinsam mit dem Feind,
lasst Worten Frieden folgen,
schweigen soll von nun an jede Waffe."


"Was, Professorchen, hätt ich denn von dieser Eurer wunderbaren Gabe, wenn ich sie nicht nutzen sollte? Es wird uns ein Leichtes sein, den Feind zu schlagen. Mit meinen Leuten könnt' ich ohne Probleme Strategien entwickeln, ein einfacher Ruf und alle wüssten was zu tun wär'. Außerdem: es ist doch viel angenehmer, auf irgendeinem Hügel zu stehen und Boten auszusenden, die meine Befehle weitergeben. Eine bessere Übersicht hätt' ich auch."

"Lasset lieber Handel treiben Eure Mannen,
'Ein Mann – ein Wort' soll begründen jeden Tausch,
ein jeder, der in Frieden kommt,
mag sein Handwerk hier verrichten,
in Frieden soll er wieder ziehen,
wenn es sein Begehr.
Ein Zaun, ein Schild mag kundtun,
was das Eure,
des ander'n Grund und Boden tastet fürderhin nicht an."


"Ach was. Wir werden einfach ein paar Götter erfinden. Meine Krieger werden sich hüten, meine Anordnungen nicht zu befolgen, wenn ich ihnen weismachen kann, dass ein Gott mir geflüstert hat, was zu tun ist. Wir werden der mächtigste Stamm aller Zeiten werden."

"Nun? Gebote aus der Gottheit Feder?
'Du sollst nicht töten' mag das eine sein.
Die Sprache nicht zu nutzen wider ihren Sinn, das andre.
Ein simples 'nein' mag Zeugnis geben
vom Eigentum des Menschen an sich selbst,
dass niemand es von nun an wagte,
einen Gedanken auch nur zu verlieren
dieses zu missachten.
Ein jeder Mann und jede Frau wird leben,
so wie es gefällt
im Rahmen dieses heil'gen Rechts."


"Mann oh Mann, ihr habt so gar nicht kapiert, worum's geht. Gebote? Ha! Verbote! Mit dieser Sprache können wir alles verbieten was wir wollen. Von wegen jeder kann machen was er will, solange er nur nicht tötet oder lügt."

"So wie der Mensch sich selbst gehört,
wird alles was er schafft
- gemeinsam mit den Seinen –
durch seiner Hände Arbeit,
seines Geistes Kraft
zu seinem Eigentum.
Und nur zu seinem, welches nie und nimmer
ein andrer anzutasten hätte je das Recht.
Denn nicht zu stehlen
soll das dritte der Gebote sein."


"Mensch, wann begreift Ihr endlich? Wir können neue Wörter erfinden. Alte Wörter können wir verbieten oder umdeuten wie wir wollen: wenn wir andere Stämme bekämpfen, dann nennen wir sie einfach 'Affen' und schon haben wir kein Problem mehr. Das was wir von den Leuten einkassieren nennen wir nicht Diebesgut sondern Steuern. Bis die das schnallen ist es längst das Natürlichste auf der Welt. Von heute an bin ich nicht euer Stammesführer, euer listigster Krieger, euer General, sondern euer König."

"Seid Ihr von Sinnen?
Die Menschen werden aufbegehren,
sich gegen Lügen, Diebstahl, Morde wehren."


"Wie denn? Wir werden natürlich als ersten die Waffen verbieten"

"Die Sprache wird zur legitimen Waffe werden."

"Na, dann verbieten wir eben die Sprache!"

"Herr, mir scheint Ihr missversteht.
Nichts – wie vorhin schon erwähnt –
mag die Sprache unterdrücken,
wenn sie einst Gedanken hat geformt.
Ihr jedoch habt eines nur im Sinn:
Als Waffe wolltet Ihr die Sprache seh'n,
als Waffe werdet Ihr sie denn gebrauchen.
Doch höret eins:
Nicht die Axt an eurem Gürtel,
nicht der Knüppel, den Ihr schwingt,
vermag zu töten, auch nur einen ein'zgen Mann.
Stets seid Ihr es,
der am Nächsten sich vergreift.
Um dieses zu verhindern,
dass Ihr das Wort wie einen Knüppel führt,
will ich mein Werk verbrennen,
will ich verzichten eher auf den Frieden,
der aus Worten stammt,
als dass Krieg aus eben diesen
unser aller Schicksal sei."


Der Professor griff nach der Schachtel. Er wollte sie ins Feuer werfen. Der General war schneller. Er hatte die Box. Der General lachte.

"Alter Mann! Du hast eins vergessen: Ab jetzt werden unsere Taten von Worten begleitet."
Der Professor war traurig. Der General nahm sein Beil.
"Stirb, Verräter!"



_________________
lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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SchreibeOhneStift
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 25
Beiträge: 215
Wohnort: Hannover


BeitragVerfasst am: 30.06.2008 16:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich muss schon sagen, diese Geschichte hat mich echt zum Grübeln gebracht.
Sprachlich war ich, als ich den ersten Absatz gelesen habe, total entsetzt. Natürlich wusste ich, dass dieser Stil absicht war, doch ich konnte zuerst nicht einordnen, wofür diesen Stil.
Dann war da noch was. ich fand, dass die Bezeichnungen "Professor" und "General" zu neumodisch klingen, nachdem ich Absatz 3 und 4 gelesen hatte.
Wiederum blieb ich bei Absatz 6 hängen.

Zitat:
"Was, Professorchen, hätt ich denn von dieser Eurer wunderbaren Gabe, wenn ich sie nicht nutzen sollte? Es wird uns ein Leichtes sein, den Feind zu schlagen. Mit meinen Leuten könnt' ich ohne Probleme Strategien entwickeln, ein einfacher Ruf und alle wüssten was zu tun wär'. Außerdem: es ist doch viel angenehmer, auf irgendeinem Hügel zu stehen und Boten auszusenden, die meine Befehle weitergeben. Eine bessere Übersicht hätt' ich auch."


Die Sprache konnte ich nicht mit der des 4. Absatzes in einklang bringen.

Zitat:
"Ihr wollt mich wohl auf den Arm nehmen, Professor?" hörte sich der mächtige Krieger sagen und erschrak, dass er torkelte, fiel und neben der Box zu liegen kam. 'Sprache' las er nun dort. 'Sprache'. Das anfängliche Entsetzen wich aus des Generals Antlitz, als jener gewahr wurde, welch Macht ihm mit einem Male zu eigen war, sein Blick schweifte in die Ferne, von dort sandten Mächte finsteres Lächeln zurück ins Funkeln seiner Augen. "Tatsächlich. Professor, Ihr seid genial! Genial, kann ich nur sagen. In der Tat, eine prächtige Erfindung."


Schließlich habe ich die Pointe verpasst, da ich sie am Ende vermutet hatte, sie aber doch am Anfang steht.Überraschend.


Diese Kritik bezieht sich jedoch nur auf den ersten Blick denn:

Ich finde diese Geschichte toll geschrieben, eine sehr gute Idee, philosophisch verarbeitet. Toller Text.
Viele Mängel, die mir beim ersten Lesen aufgefallen sind, haben sich aufgehoben beim 2.
Der Erste Satz hat mich nicht mehr gestört.
Den Kontrast zwischen der Sprache des Generals und des Professors(Ich nenne ihn lieber Philosoph) ist einfach genial.
Schade, dass der schwächer Artikulierende bei der schlacht der Sprache am Ende doch niedergestreckt wird.
Leider nicht durch die Sprache.
Eigentlich bin ich ja ein Freund von Bloody End

Dennoch großes Lob von mir.
(Ich kann leider die Lyrik des textes nicht bewerten)


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Bei einem Hindernis ist der gerade Weg zwischen zwei Punkten oftmals der Längere
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DasÄffchen
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

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Beiträge: 21
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BeitragVerfasst am: 30.06.2008 17:49    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde die Geschichte/ den Dialog sehr gut.
Der Stil passt gut dazu.
Allerdings würde ich den Professor auch eher in Philosoph umbenennen. Seine sprachliche Ausdrucksweise lässt sich (jedenfalls bei mir) nicht mit der klischeehaften Vorstellung eines realitätsnahen Professors vereinbaren.
Was vielleicht auch nicht ganz gepasst hat ist das Wort "Box".
Es klingt zu modern. Möglich wäre "wertvoller Gegenstand" oder so ähnlich.

Aber abgesehen davon ist es ein toller Text über den man lange nachdenken kann. Echt super!


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Das Gefühl versteht was der Verstand nicht begreift.
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Elvis Brucelee
Autor

Alter: 49
Beiträge: 768



BeitragVerfasst am: 30.06.2008 19:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ein sehr schöner Dialog.
Das einzige, das mich stört, hat nichts mit dem Inhalt zu tun, sondern mit der Gestaltung.
Ich finde, dass die unterschiedliche Zeilenbreite ausgereicht hätte um die Dialoge zu kennzeichnen.
Kursivschrift ist immer sehr schwer zu lesen, daher fand ich ungeschickt, ausgerechnet die Sätze des Professors kursiv zu setzten, sie lesen sich ohnehin schon schwerer.
Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt von "Mir".
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lupus
Geschlecht:männlichBestseller-Autor

Alter: 51
Beiträge: 4172
Wohnort: wien



BeitragVerfasst am: 01.07.2008 11:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

(jetzt auch vertont)
hallo Leute
Vielen Dank für die Anregungen und das Lob. Dafür, dass es ein Experiment war, freut mich das ganz besonders.
@Mir
Du hast völlig recht. liegt daran, dass ursprünglich die Zeilen gleich breit waren. Um's leichter lesbar zu machen, hab ich die Zeilen geteilt und dann vergessen die italic-Einstellung wegzunehmen. DAnke für den Hinweis.
@Afferl
Yep, Box is in der Tat ein gewaltiger Fehlgriff, v.a. das erste. Beim zweiten (im letzten erzählenden Absatz) wollt ich zum Ausdruck bringen, dass es kaum einen Unterschied macht ob man gar keine Sprache hat oder sie einsetzt, um Menschen zu unterdrücken. Box würd aber suggerieren, dass ich die Verwendung v. Anglizismen für eine Verrohnung der Sprache hielte, viel mehr wäre das Verbot von Anglizismen eben diese Anmaßung, die Sprache - vorbei an den Menschen - in geplante Bahnen zu lenken (edit: gegen ein Eintreten gegen Anglizismen wiederum ist natürlich nix einzuwenden). Danke auch dir für den Hinweis auf den Logikfehler.
@Stiftless
dass du den 'Professor' als schwächer Artikulierenden interpretierst find ich interessant. wenn das so rüberkommt, ist der gesamte Text Schrott.

Der Professor bekommt jetzt mehrere Bezeichnungen: 'Weiser', 'Denker', 'Gelehrter', 'Philosoph'.

'General' werde ich beibehalten. Es ist mE unerheblich, ob es dieses Wort damals gab oder nicht (damals gab's ja gar keine Sprache). 1) ist die Idee, das die sprache in ihrer Gesamtheit erfunden wird (was aber rel. unerheblich ist) und 2) zielt das Ganze auch ja auf eine Analogie Sprache-Waffe ab.

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Die Erfindung

Der alte Weise schwieg. Ebenso der General. Sie saßen sich gegenüber. Zwischen den beiden loderte ein kleines Feuer. Der Weise gab dem General ein Paket. Auf dem Päckchen stand etwas. Der General wusste nicht was. Und der Denker deutete dem General, er solle die Schachtel ganz aufmachen. Die Schachtel war leer.

Bedächtig erhob sich der General, um mit wenigen festen Schritten seinem Gegenüber zur Seite zu treten. In der Rechten hielt er fest umklammert, was er für die mächtigste Waffe hielt, wild gestikulierend gab er dem Gelehrten zu verstehen, dass er eine ebensolche zu erhalten wünschte, als er ihn vor Jahren fort gesandt hatte. Eine Waffe sollte der Gelehrte erfinden. Eine Waffe, mächtiger, als alles was die Welt bis jetzt gesehen.

"Dies, General, ist mein Werk,
jene Erfindung, derer so lange Ihr geharrt.
Von nun an soll sie die Eure sein"

"Ihr wollt mich wohl auf den Arm nehmen, Philosoph ?" hörte sich der mächtige Krieger sagen und erschrak, dass er torkelte, fiel und neben der Kassette zu liegen kam. 'Sprache' las er nun dort. 'Sprache'. Das anfängliche Entsetzen wich aus des Generals Antlitz, als jener gewahr wurde, welch Macht ihm mit einem Male zu eigen war, sein Blick schweifte in die Ferne, von dort sandten Mächte finsteres Lächeln zurück ins Funkeln seiner Augen. "Tatsächlich. Ihr seid genial! Genial, kann ich nur sagen. In der Tat, eine prächtige Erfindung."

"Nun ist es an Euch,
den Frieden zu verhandeln.
Keine Steinaxt kann die Sprache je obsiegen,
kein Speer sie je bezwingen,
so wird das Töten rasch
ein Ende finden.
Nehmt Platz auf roter Erde,
gemeinsam mit dem Feind,
lasst den Worten Frieden folgen,
schweigen soll von nun an jede Waffe." [/i]

"Was, alter Mann, hätt ich denn von dieser Eurer wunderbaren Gabe, wenn ich sie nicht nutzen wollte? Es wird uns ein Leichtes sein, den Feind zu erschlagen. Mit meinen Leuten könnt' ich Strategien entwickeln, ein einfacher Ruf und alle wüssten was zu tun wär'. Außerdem: es ist doch viel angenehmer, auf irgendeinem Hügel zu stehen und Boten auszusenden, die meine Befehle weitergeben. Eine bessere Übersicht hätt' ich auch."

"Lasst lieber Handel treiben Eure Mannen,
'Ein Mann – ein Wort'
soll begründen jeden Tausch,
ein jeder, der in Frieden kommt,
mag friedlich auch
sein Handwerk hier verrichten,
in Frieden soll er wieder ziehen,
wenn dieses sein Begehr.
Ein Schild mag kundtun,
was das Eure,
des ander'n Grund und Boden
tastet fürderhin nicht an."

"Ach was. Wir werden einfach ein paar Götter erfinden. Meine Krieger werden sich hüten, meine Anordnungen nicht zu befolgen, wenn ich ihnen weismachen kann, dass ein Gott mir geflüstert hat, was zu tun ist. Wir werden der mächtigste Stamm aller Zeiten werden."

"Nun? Gebote aus der Gottheit Feder?
'Du sollst nicht töten' mag das eine sein.
Die Sprache nicht zu nutzen wider ihren Sinn, das andre.
Ein simples 'nein' mag Zeugnis geben
vom Eigentum des Menschen an sich selbst,
dass niemand es von nun an wagte,
einen Gedanken auch nur zu verlieren daran,
dieses zu missachten.
Ein jeder Mann und jede Frau wird leben,
so wie es gefällt
im Rahmen dieses Rechts:
naturgegeben."

"Mann oh Mann, ihr habt so gar nicht kapiert, worum's geht. Gebote? Ha! Verbote! Mit dieser Sprache können wir alles verbieten was wir wollen. Von wegen, jeder kann machen was er will, solange er nur nicht tötet oder lügt."

"So wie der Mensch sich selbst gehört,
wird alles was er schafft
- gemeinsam mit den Seinen –
durch seiner Hände Arbeit,
seines Geistes Kraft
zu seinem Eigentum.
Und nur zu seinem, welches nie und nimmer
ein andrer anzutasten hätte je das Recht.
Denn nicht zu stehlen
soll das dritte der Gebote sein."

"Mensch, wann begreift Ihr endlich? Wir können neue Wörter erfinden. Alte Wörter können wir verbieten oder umdeuten wie wir wollen: wenn wir andere Stämme bekämpfen, dann nennen wir sie einfach 'Affen' und schon haben wir kein Problem mehr. Das was wir von den Leuten einkassieren nennen wir nicht Diebesgut sondern Steuern. Bis die das schnallen ist es längst das Natürlichste auf der Welt. Von heute an bin ich nicht euer Stammesführer, euer listigster Krieger, euer General, sondern euer König."

"Seid Ihr von Sinnen?
Die Menschen werden aufbegehren,
sich gegen Lügen, Diebstahl wehren,
die Morde rächen."

"Wie denn? Wir werden natürlich als ersten die Waffen verbieten. Gleich morgen."

"Die Sprache wird zur legitimen Waffe werden."

"Na, dann verbieten wir eben die Sprache!"

"Herr, mir scheint Ihr missversteht.
Nichts mag die Sprache unterdrücken,
wenn einst Gedanken sie geformt.
Ihr jedoch habt eines nur im Sinn:
Als Waffe wolltet Ihr die Sprache seh'n,
als Waffe werdet Ihr sie denn gebrauchen.
Doch höret eins:
Nicht die Axt an eurem Gürtel,
nicht der Knüppel, den Ihr schwingt,
vermag zu töten, auch nur einen einz'gen Mann.
Stets seid Ihr es,
der am Nächsten sich vergreift.
Um dieses zu verhindern,
dass Ihr das Wort wie einen Knüppel führt,
will ich mein Werk verbrennen,
will ich verzichten eher auf den Frieden,
dessen Quell das ehrhaft', bindend Wort,
als dass der Krieg
vom Wort vorangetrieben
unser ew'ges Schicksal werde."

Der Philosoph griff nach der Schachtel. Er wollte sie ins Feuer werfen. Der General war schneller. Er lachte. Der Philosoph war traurig. Der General nahm sein Beil:

"Alter Narr! Eins hast Du vergessen: Ab jetzt werden unsere Taten von Worten begleitet: Stirb, Verräter!"


besser?


_________________
lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

-------------------------------------------------------
"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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BeitragVerfasst am: 02.07.2008 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Oh tut mir leid ich meine natürlich

Zitat:
Schade, dass der schwächer Artikulierende bei der schlacht der Sprache am Ende doch gewinnt.


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