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Das Rauschen der Stille


 

 
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Taugenichts
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 34
Beiträge: 1286



BeitragVerfasst am: 12.06.2008 23:11    Titel: Das Rauschen der Stille eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Rauschen der Stille

Efeu zieht sich in die
klanglosen Rillen
einer Steinmauer,
die im Wind der Zeit
zu Sand zerfällt.

Fenster werden geöffnet,
Luft fliesst in schalen Raum,
Stimmen surren und rauschen,
über das Klirren
von blinden Glasflaschen.

Um mich sind Geister,
die mit mir
die Fäuste zum Himmel recken.

Wir sind Nichts,
aber zusammen
haben wir eine Stimme.

Kinder ohne Zukunft
werden in Rollstühlen
an mir vorbeigeschoben-

und du fragst mich,
was ich sagen will.

Die Welt
in der ich treibe,
quietscht und klingelt,
sie vibriert,-

sie miktiert mich
und meine Seele,
in das Rauschen
einer nichtexistenten Stille.

Aber um mich
sind Geister
und meine Faust
steht zwischen ihren Fäusten
und ich bin das Nichts,
aber gemeinsam
haben wir eine Stimme.



_________________
Hellseherei existiert nicht. Die Leute glauben mir mein Geschwätz nur, weil ich einen schwarzen Smoking trage.
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Pismo
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 221
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 13.06.2008 00:00    Titel: Antworten mit Zitat

Wow!

Das gefällt mir wirklich gut.
Ich mag diese morbide Stimmung und glaube, eine Ernsthaftigkeit zwischen den Zeilen zu lesen, die mich sehr berührt.
Erinnert mich an eine Fotoreihe aus verlassenen Krankenhäusern in den USA.

LG,
Pismo


_________________
Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen.
Ernest Hemingway
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Taugenichts
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 34
Beiträge: 1286



BeitragVerfasst am: 13.06.2008 23:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja eine morbide Stimmung wollte ich auch einfangen.
Danke für den Kommentar smile


_________________
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Seeadler
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 59
Beiträge: 653



BeitragVerfasst am: 14.06.2008 16:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Taugenichts
Dein Text hat mich gefesselt und mich zum nachdenken gebracht.
Gefällt mir sehr gut, gerne gelesen.
Lieben Gruß Seeadler


_________________
Niemand hat mich gefragt,ob ich auf diese Welt möchte,also sagt mir nicht,wie ich zu leben habe
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Elvis Brucelee
Autor

Alter: 49
Beiträge: 768



BeitragVerfasst am: 14.06.2008 16:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, dass du ein begnadeter Geschichtenschreiber wärst. Ein Roman, der den Leser mittels solch poetischer Sätze durch eine Geschichte führt, wäre ein wunderbares Lesevergnügen.
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Taugenichts
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 34
Beiträge: 1286



BeitragVerfasst am: 14.06.2008 20:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Seeadler
Freut mich mal wieder was von dir zu lesen! Darf ich lieb fragen, ob du dir "An Holz" mal durchlesen würdest, ich würde gerne von jemandem, der Arno Holz auch kennt hören, ob das was hat oder blöd ist!


@Mir
Ach! Wenn's doch so wäre! *lach
Ich bin ein miserabler Prosaiker, es gibt genug Geschichten in der Belletristik-Ecke, um sich davon zu überzeugen ^^
Lyrik ist frei, direkt, regellos, sie schwingt mit einem mit... das entspricht mir.
Für die Prosa muss man definitiv sehr fokussiert schreiben können und viele, viele Regeln beachten. Das liegt mir nicht.


_________________
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Pencake
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 50
Beiträge: 2491
Wohnort: Hamburg
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 15.06.2008 10:55    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Taugenichts.

Dein Titel erinnerte mich an Don deLillo (Weißes Rauschen)
und an einen Abschnitt in Palahniuks "Lullaby".

Umso schöner, wenn dann der eigentliche Text auch
noch ähnlich ausfällt - glänzend. Bilder, Geräusche,
Übertragungen - wie eine große Leinwand, auf der
bei näherem Hinsehen überall etwas zu entdecken ist,
das in mich schleicht wie ein graues Tier.
Glückwunsch.

Herzlich - Niko
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Elvis Brucelee
Autor

Alter: 49
Beiträge: 768



BeitragVerfasst am: 15.06.2008 18:17    Titel: Antworten mit Zitat

So, ich spinne jetzt einfach mal herum.

Ich habe mal in deinen Prosawerken gestöbert und muss dir teilweise recht geben.
Das liegt aber meiner Meinung nach daran, dass du einen völlig anderen Stil hast, wenn du Prosa schreibst.
Du scheinst schreiben zu wollen wie jeder Prosa-Autor, dabei könntest du es vermutlich besser als viele anderen.
Doch einige deiner Geschichten haben mir dennoch außerordentlich gut gefallen, das hatte ich aber an anderer Stelle auch schon erwähnt.
Würdest du deine lyrische Ader in deine Prosawerke mit einbinden, dann würden deine Geschichten enorm an Qualität gewinnen.
Da steckt eine Menge Potential dahinter.
Allein dieses Werk zeugt davon.
Es gibt nur wenige Schreiber hier, die mich derart zum weiterspinnen ihrer Sätze inspirieren wie du.
Fast jeder deiner Strophen oben regt mich zu einer Fortsetzung an.

Ich spinne mal einfach mal aus dem Stehgreif deine Strophen als Prosa weiter:

Efeu zieht sich in die klanglosen Rillen einer Steinmauer, die im Wind der Zeit zu Sand zerfällt.
Darin eingefasst ein Fenster.
Die Patina der Vergänglichkeit hat es gönnerhaft mit rustikaler Pracht verziert.
Das im Glas reflektierende Licht verdeckt Anitas Antlitz, lässt es zu einer schemenhaften Ahnung verschwimmen.
Nur das Strahlen ihres Lächelns durchdringt diese spiegelnde Banngrenze aus Glas, die uns Menschen zu täuschen versucht und die mich von meiner Liebsten trennt.

Oder:

Die Männer rauchen Zigarre und protzen mit ihrem Wissen, die Frauen bemühen sich mit großem Eifer darum die Kinder im Zaum zu halten.
Die Kinder wiederum investieren eine Menge Energie in das Bestreben den mütterlichen Bändigungsversuchen zu entgehen.
Über all dem thront die alte Dame und begutachtet die genetische Nachhut.
Der Zigarrenrauch der plaudernden Männer nagt sich in die Netzhaut der Menschen.
Fenster werden geöffnet. Luft fließt in schalen Raum. Stimmen surren und rauschen, über das Klirren von blinden Glasflaschen. Wir haben den 19. Januar des Jahres 1926 und Großmutter hat die gesamte Familie zum Treffen geladen; wie jedes Jahr an ihren Geburtstag. Eine feierliche Zusammenkunft der biedersten Sorte nimmt in Gestalt verhängnisvoller Anspannung ihren Anfang.

Oder:

Um mich sind Geister, die mit mir die Fäuste zum Himmel recken. Die mich dazu anspornen neuen Mut zu fassen, die richtigen Wege zu gehen, die schweren Wege.
Nun fahren die Wasserwerfer vor, die Spezialeinheiten gehen in Stellung. Berittene Polizeikräfte versammeln sich und bilden die linke Flanke. Jederzeit dazu bereit von dort aus auf uns loszustürmen.
Wir haben keine Waffen, nur die Pflastersteine zu unseren Füßen, die zudem noch fest mit dem Boden verwachsen zu sein scheinen.
Doch ich glaube weiterhin felsenfest an den friedlichen Protest, denn ich fühle die Geister um mich. Sie stehen mir bei, sie stehen uns bei, sie sind unter uns. Ich rufe es mir immer wieder in Erinnerung, wir alle rufen es uns in Erinnerung: wir sind Nichts, aber zusammen haben wir eine Stimme.
Klappernde Plexiglasschilde bilden eine undurchdringliche Wand.
Eine Wand, die sich uns soeben auf bedrohliche Weise nähert.
Die Welt in der ich nun treibe, quietscht und klingelt, sie vibriert. Aber um mich sind die Geister und meine Faust steht zwischen ihren Fäusten. Ich bin das Nichts, aber gemeinsam haben wir eine Stimme.



Deine Teile habe ich mal rot markiert, zugunsten einer besseren Übersicht.
Auch wenn es jetzt nicht die besten Beispiele sind, aber um deine Sätze könnte ich ganze Geschichten drumherum schreiben.
Ich hoffe du erkennst, wie schlichte Prosa durch Sätze wie du sie schreibst aufgewertet wird.
Romane benötigen selbstverständlich mehr Disziplin und eine sorgfältigere Planung als Poesie und sie erreichen auch gewiss nicht den künstlerischen Anspruch lyrischer Werke, dafür finden sie weitaus mehr Leser als Lyrik.
Daher verschwendest du, wie ich finde, dein Talent.
Obwohl ich deine Poesie sehr zu schätzen weiß.
Vielleicht bin ich aber auch einfach zu parteiisch und nicht objektiv genug, wie viele hier wissen, bin leider kein richtiger Lyriker.
Was nicht bedeutet, dass ich ihr keine Wertschätzung beimesse.
 
Unter Umständen klaue ich einfach deine Strophen um mich inspirieren zu lassen und lösche sie am Ende einfach wieder aus dem Text heraus.  Laughing
Das war natürlich nur Spaß.

Irgendwie hatte ich einfach das Bedürfnis das mal los zu werden, weil du in meinen Augen zu den größeren Talenten hier gehörst, mir aber das Gefühl vermittelst, dass dir das Selbstvertrauen fehlt und du daher stagnierst.
Bescheidenheit ist eine gute Voraussetzung für eine positive Entwicklung, manchmal hemmt sie aber auch.
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Taugenichts
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 34
Beiträge: 1286



BeitragVerfasst am: 15.06.2008 19:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich bin ein bisschen sprachlos.
Der Ausschnitt zu der Demonstration gefällt mir wahnsinnig gut. Ich schrieb das Gedicht (mal ganz unter uns), aus den Gefühlen heraus, die ich nach dem Besuch des Rage Against the Machine Konzertes neulich hatte. Dein Part trifft die Atmosphäre ausgesprochen gut.

Ich verstehe sehr gut was du meinst, aber mein größtes Problem ist das Unstete in meiner Persönlichkeit. Ich kann nicht über größere Zeiten gleich schreiben. Deswegen sind meine Gedichte auch so absolut unterschiedlich und schwanken durch alle Genres und Gütegrade munter durch. Genau wie meine Unterschrift, die von Tag zu Tag völlig wechselt. Kurzgeschichten passen da, ich habe einige (denke ich) wirklich gute geschrieben. Eben weil 2 Stunden lang eine Stimmung hält, dann ist die Geschichte fertig und ich kann auf die nächste Stimmung warten. In Romanen stört das aber, da muss ich mich runterregeln, um eine gewisse Konstanz zu behalten!
Ich denke aber auch, dass ich ganz einfach noch zu jung bin. Talent ja... denke ich auch, aber an Handwerkszeug mangelt es noch. Ich werde aber nach meiner Buchhändler Ausbildung etwas in dieser Richtung studieren. Als der Richtung des Schreibens, meine ich!
vielen dank, für deine hoch interessanten Kommentar Mir!
lg
fred


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