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Die Füchsin und der Rabe


 
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 891



BeitragVerfasst am: 19.08.2015 16:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Vincent,

Danke für die Erklärungen. smile

Ich kann dir ehrlich gesagt nicht raten oder davon abraten dein Buch in verschiedene Teile zu gliedern. So weit möchte ich mich, wenn es um die Geschichte von jemand anders geht, gar nicht aus dem Fenster lehnen.

Und ich spreche nur von meinem persönlichen Empfinden. In diesen Abschnitten, die du zeigst, ging es wie schon gesagt hauptsächlich immer nur darum die nächste Frau abzuschleppen. Das langweilt irgendwann - zumindest mich.
Deswegen mein Vorschlag mit der Abwechslung. Wenn du es machen möchtest, probier es aus und schau dann erst einmal ob es dir gefällt und die Geschichte dann noch so wirken kann, wie du es gerne möchtest.
Eine Datierung würde es auch tun, um die Verwirrung in Grenzen zu halten, könnte dem System aber schaden.

Was das Sympathieproblem angeht ...
Ok, ich muss ihn nicht liebhaben. Aber warum sollte ich ein Buch über einen Typen lesen, den ich nicht leiden kann und mir anschauen, wie er sich selbst kaputtmacht, ohne irgendwelche Entwicklungen außer denen, dass es mit ihm immer schlimmer wird?
Man fühlt nicht wirklich mit ihm. Ich sehe, wie er wohl früher war und wie er sich in eine stets negative Richtung entwickelt ohne den Grund dafür zu kennen.
Wenn du die Gründe für dieses Verhalten nicht anreißt, ihm etwas verletzliches gibst, juckt er mich nicht und ich lege das Buch weg.

Versteh das nicht falsch. Ich mag Bad Boys. smile
Aber auch diese Typen brauchen etwas Geheimnisvolles, was mich nach der Ursache für ihren kalten, in diesem Fall selbstzerstörerischen Charakter suchen lässt oder etwas Nettes, damit ich mich nicht umdrehe und den Stinkefinger zeige.
Hier wird es mir allmählich zu verschleiert. Wenn du das so behalten möchtest, würde ich es tatsächlich anders aufbauen, weil ich mich jetzt ständig frage wieso/weshalb/warum?
Irgendwann ist ein Geheimnis nicht mehr reizvoll, sondern es nervt. Man möchte endlich die Lösung kennen, oder scheißt irgendwann eben drauf und wendet sich ab. Oder man akzeptiert es, aber dann bin ich wieder bei der Frage: Warum sollte ich mir das antun und mich mit so jemandem abgeben?
(Immer alles subjektiv, was ich hier sage/schreibe)

Ich bin immer noch neugierig und möchte wissen, was als nächstes passiert.

Ich kann dir aber leider wirklich keinen konstruktiven Tipp für die Einteilung geben. Mir gefiel es bis jetzt so gut. Hier in Teil 3 fängst du mit etwas Lockerem an, was mir den Nachgeschmack vom Ende des 2. Teils genommen hat.
Das "Arschloch" ist im Vergleich zu anderen Ausschnitten noch relativ unschuldig, hat aber schon bzw. wieder diesen Hang und legt sich mit dem Bodybuilder-Typ an. Vielleicht hat er sich schon immer gerne geprügelt.

Dann die kurze Abwechslung mit seinem Freund. Durchaus angenehm, aber irgendwie auch düster.

Und dann der Rest. Als er so zwischen den Suchtis sitzt, geht er mir auf den Keks. Sein Verhalten ist bei einem Ausmaß angekommen, das er wirklich nur noch ein Arschloch ist.
Und dann wieder das Ausklingen mit der Füchsin, was ihn dann doch wieder sympathisch macht, weil er diese Frau einmal geliebt hat und sie in einem Zustand des Verlorenseins anruft.

Bin gespannt! smile


LG,
Seraiya


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Yachen
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BeitragVerfasst am: 19.08.2015 18:43    Titel: Antworten mit Zitat

Vincent Vice. hat Folgendes geschrieben:


Ich weiß, dass diese Art einen Roman zu schreiben aufgrund der wirren Chronologie und dem merkwürdigem Spannungsbogen, sehr unkonventionell ist. Das ist Absicht. Die Chronologie soll den Leser verwirren, aber am Ende ist es möglich, jedes Kapitel zeitlich ungefähr einzuordnen, versprochen. Ich weiß nur nicht, ob es jemanden außer mir gibt, dem das wirklich über ein ganzes Buch gefällt.
Auch, dass man die Lebensabschnitte des Protas lesen kann, als wären es zwei Charaktere ist mehr oder weniger gewollt, da ich seine Zerrissenheit bzw. Veränderung dadurch darstellen will (in "Victoria" ist er zum Beispiel noch viel unsicherer, in "die Drogenfrau" ist er viel kaputter und so weiter).
Ich frage mich natürlich immer noch, ob diese Idee von Außenstehenden so erkannt wird und ob die, die es verstehen, es dann auch gut finden...
Schließlich entscheide natürlich nicht ich, ob meine Geschichte was taugt, sondern ihr.

Am roten Faden des Buches kann ich nichts ändern, weil es mir so gefällt (vor allem, weil ich ja das Ende schon kenne lol2).

Allerdings könnte ich das Buch in verschiedene Teile eingliedern, die andere Schwerpunkte haben. So kann ich Abwechslung rein bringen.
(Teil eins- Die Frauen, Teil 2- Die Drogen, Teil 3- Die Musik, Teil 4 - Die Füchsin).

Was haltet ihr davon?


Du hast eine Idee und einen Plan. Mein Tipp: Bleib erstmal dabei! Vollende es so, wie du es dir vorgestellt hast, und sieh dann, ob es immer noch Sinn für dich macht.

Ich finde die Chateinblicke mit der Füchsin an den Stellen gut. Und ist die Nummerierung richtig (also erst 3, dann 2)?

Die Chronologie ergibt sich ja dann über die Frauen, wenn ich es richtig verstehe. Also schreib erstmal zu Ende, dann wirst du sehen, ob es funktioniert.

LG
Yachen
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Vincent Vice.
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BeitragVerfasst am: 21.08.2015 13:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr Beiden,

vielen Dank für Eure Kommentare!

@Seraiya:

Eine Datierung möchte ich lieber vermeiden. Dann hätte der Leser ja gar nichts mehr zu grübeln. Ich hoffe, dass das Buch beim Ersten Lesen interessant ist, aber erst beim Zweiten Mal wirklich alles entwirrt, da man dann erst die Chronologien von Beginn an einordnen kann.
Eine Datierung würde ja total den Anspruch an den Leser nehmen.

Ja, du hast recht. Ich gebe dem Leser bisher zu wenig Informationen über meinen Prota. Das werde ich ändern, indem ich ein späteres Kapitel vorziehen werde. Im dritten Teil reicht das vielleicht um ein Wenig besser in ihn hinein sehen zu könne. Danke für den Hinweis!

@ Yachen

Ich habe eine Idee und einen Plan, aber das ist ziemlich wahrscheinlich nicht genug, um einen ganzen Roman spannend zu erzählen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto reizvollen kommt mir das mit den vier Teilen vor. Ich habe schon viele, viele Ideen dazu. Das werde ich noch ein paar Tage sacken lassen, bis ich mir sicher bin.

Die Nummerierung der Chatverläufe stimmt. Die laufen chronologisch rückwärts.

Danke für Eure Unterstützung und bis bald!

W


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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 21.08.2015 16:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Vincent,

Ja, ich denke auch, dass eine Datierung keine gute Idee ist. Deswegen habe ich direkt erwähnt, dass sie wohl eher schaden würde.

Mach einfach wie du denkst. Hat doch bis jetzt gut funktioniert. smile


LG,
Seraiya


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Vincent Vice.
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BeitragVerfasst am: 22.08.2015 15:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hi an alle,

hier ist die Fortsetzung. Dieser Abschnitt soll auch das Ende des ersten Teils sein (das Buch wird sich nun definitiv in vier Teile untergliedern).
Jeder Teil soll seinen eigenen Stil haben, wem also die wirren Zeitsprünge und merkwürdigen Perspektiven nicht zusagen, der hat es nach diesem Abschnitt hinter sich. smile Allerdings werden die anderen Teile zwar anders, aber nicht weniger speziell, wie ich hoffe. Wird sicher auch nicht jedem zusagen. Na, mal sehen. Hier also erst Mal das Ende des ersten Teils:


Katharina

Mit einem Satz fuhr er aus dem Schlaf. Es dauerte noch einige Sekunden, bis er begriff, dass er nur geträumt hatte. Er beruhigte seinen Atem, rieb sich sich mit dem Handballen über die Augen und starrte dann auf seinen Wecker.

Erst ein Uhr. Noch sechs Stunden. Sechs Stunden, die er irgendwo zwischen Halbschlaf, Alpträumen und Panikattacken herum bringen musste. Dann würde sein Wecker ihn endlich erlösen. Kurz überlegte er, einfach schon jetzt ins Büro zu fahren und seine Vertriebsliste für den Tag zu erstellen. Aber er konnte unmöglich noch eine Nacht durch machen. Seine Kräfte waren schon seit Tagen vollkommen am Ende und in seinem Kopf herrschte statt des üblichen Gedankengewirrs nur noch endlose Leere.

Seit vier Tagen versuchte er nun schon endlich wieder ein besserer Mensch zu sein. Vier Tage in denen er keine Frau mehr mitgenommen hatte. Vier Tage in denen er  niemanden für eine Nacht voller Zärtlichkeiten belogen hatte. Und drei Nächte in denen er nicht mehr geschlafen hatte.

Nun war es so weit. Er konnte nicht mehr. Seine Kräfte waren am Ende und was er insgeheim von Beginn an wusste, wurde nun endgültige Gewissheit: Alleine konnte er auf Dauer nicht überleben. Enttäuscht von sich selbst nahm er sein Telefon und wählte Katahrinas Nummer. Seine Abneigung gegen sich selbst erreichte in diesem Moment seinen neuen Höhepunkt. Von allen Frauen auf dieser Welt, war Katharina wohl die Letzte, die er anrufen sollte. Aber leider auch die Einzige, welche ihm um diese Uhrzeit noch zur Verfügung stand. Nach ein paar warmen Worten hatte er sie schnell so weit, ihn zu sich einzuladen.

Resigniert zog er sich an. Wieder mal eine verabscheuungswürdige Entscheidung, die ihn im nächsten einsamen Moment zerreißen würde. Der Teufelskreis seines neuen Lebens. Doch in dieser Sekunde war ihm das gleich. In dieser Sekunde würde er alles tun um ein Wenig Schlaf zu finden. Ohne sich vor dem Aufbruch noch einmal im Spiegel zu betrachten schlich er in die kühle Nacht hinaus.



Katharina und Anna

Jonas ist ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben, welchen ich nun gerne einführen möchte. Genau wie Thomas sehe ich ihn als meinen besten Freund an. Jedoch auf einer komplett anderen Ebene.

Wo Thomas mein Gewissen und Gegenpol ist, ist Jonas so etwas wie mein Spiegelbild. Auch er fröhnt der Gesellschaft attraktiver Frauen und verdrängt seine Einsamkeit mit hedonistischen Lastern in der nächtlichen Stadt. Ich sehe ihn nur sehr selten, da wir mittlerweile über Fünfhundert Kilometer auseinander leben. Bis heute kann ich nicht sagen, ob das gut oder schlecht ist.

Denn oft vermisse ich ihn, gerade wenn ich mich unverstanden oder irreparabel beschädigt fühle. Dann gibt es in meinem Leben niemanden außer ihn, der dieses Gefühl wirklich nachvollziehen kann. Mit dem ich reden kann. Auf der anderen Seite, bin ich mir sicher, dass wir uns uns gegenseitig endgültig in den Abgrund treiben würden, würden wir längere Zeit miteinander verbringen. Wir beide haben einen derart großen Hang zur Selbstzerstörung und verschätzen unsere Grenzen dermaßen häufig, dass wir über kurz oder lang wahrscheinlich bei einem Banküberfall oder einer Runde russischen Roulettes drauf gehen würden, was für uns eigentlich nur eine Steigerung unserer damaligen Mutproben gewesen wäre.

Am Abend dieses Kapitels trafen wir uns auf jeden Fall zum ersten Mal seit Monaten wieder. Zu dieser Zeit hatte ich meine Ausbildung gerade abgeschlossen und war seit kurzem als Personaldienstleister in einer neuen Firma angestellt. Es waren nun etwas über zwei Monate vergangen seitdem ich kaputt war.

An diesem Punkt meines Lebens zahlte ich übrigens ein völlig überzogenes Schmerzensgeld an den Bodybuilder, den ich aufgemischt habe, als ich Victoria kennen lernte. Der schlechte Verlierer ging wegen dieser Lappalie tatsächlich vor Gericht. Und da ich bereits öfter “durch Erregung öffentliches Ärgernisses” aufgefallen war, fiel meine Strafe unangemessen hoch aus. Kurz: Ich war vollkommen pleite.

Jonas bot mir an, mir den Abend zu zahlen, wenn ich im Gegenzug den Erstkontakt bei den Frauen übernehme. Dieses Angebot war ein Beweis dafür wie gut Jonas mich kannte. Wenn überhaupt stand er mir nur minimal nach, wenn es darum geht eine Frau aufzureißen und in seinem Flirtverhalten war er ebenso geschickt und erfolgreich wie ich. Doch Jonas wusste, dass ich Almosen von jedem Menschen außer Thomas nur sehr ungern annehme. Deshalb gab er mir Gelegenheit etwas für seine Einladungen zu tun. Ich durchschaute ihn natürlich sofort. Dennoch nahm ich sein Angebot an und schwor mir innerlich keine Ruhe zu geben, bis ich eine Frau für Jonas klar gemacht haben sollte.

So zogen wir gut gelaunt los, begleitet von dem Gefühl, dass uns die gesamte Welt zu Füßen lag, welches uns immer beschlich, wenn wir zusammen unterwegs waren. Nach ein paar Bier blieben wir im Flexibel hängen, der verruchtesten Absteige der ganzen Stadt. Wenn alle Läden bereits geschlossen hatten, traf sich hier der Schlag junger Leute, der noch weiter feiern wollte. Deshalb waren wir schon oft hier, wenn das Logo bereits geschlossen hatte. Dass wir an diesem Abend schon so früh hier antanzten, hatte allerdings mehr mit Nostalgie statt Mangel an Optionen zu tun. Wir waren inzwischen einigermaßen anständig berieselt und Jonas fing wieder mit dem heimlichen Lieblingsthema meiner Freunde an.

“Und? Noch mal mit der Füchsin geschrieben?” “Nein”, antwortete ich knapp und hoffte, dass wir direkt wieder über etwas anderes sprechen würden. Leider nicht. “Scheiße. Aber hätte man sich schon denken können, dass die Beziehung am Arsch ist, wenn man sich beim Fremdgehen erwischen lässt, meinst du nicht?” “So einfach war das nicht”, widersprach ich entschieden. “Und das weißt du auch. Wir haben beide Fehler gemacht. Das Fremdgehen war nur der letzte Tropfen im Fass.” Jonas zupfte gelangweilt das Etikett seines Bieres ab, während er antwortete. “Na, wenn du meinst. Ich finde es krass, dass du noch versuchst das zu verteidigen, aber okay.” Genervt schüttelte ich den Kopf. “Dir mal ein bisschen Verständnis abzuringen, ist echt so unnötig, als würde man Hitler um eine Spende für die dritte Welt bitten.” Gereizt schaute Jonas auf, was mich direkt zum Grinsen brachte. Ich wusste genau, wie sehr er meine Hitlervergleiche hasst. “Was ist das denn für ein Vergleich? Hitler war ein Diktator, der Völkermord begangen hat. Ich entschuldige kein Fremdgehen. Wie kannst du mich denn mit Hitler vergleichen, Alter?” “Ich vergleiche dich gar nicht mit Hitler.”, antwortete ich zwinkernd und stand auf um ein neues Bier zu holen. “Ich vergleiche zwei Vorhaben in ihrer Unnötigkeit. Aber schön, wie leicht es ist bei dir das Thema zu wechseln.”


Ein paar Bier und viele Schlagabtäusche später waren wir in der richtigen Stimmung, der Stadt unseren Mittelfinger aufzudrücken. Gerade als wir uns in die Nacht stürzen wollten, riss Jonas an meinem Jackett und deutete zur Tür. “Schau mal, die beiden am Eingang. Die Eine hat mir gerade mit ihren Augen gesagt, dass sie gerne etwas mit uns trinken will.” Neugierig folgten meine Augen Jonas´ Geste.. Wie immer war auf seinen Geschmack Verlass.

Zwei Frauen in den Mittzwanzigern kamen lachend hinein und stützten sich gegenseitig. Scheinbar waren sie bereits gut angetrunken. Ich ließ mir Zeit bevor ich mich zu ihnen begab. Zum Einen natürlich, weil ich sie nicht direkt überfallen wollte. Vor allem aber, weil ich meinen Blick nicht von ihnen abwenden wollte. Die Beiden sahen aus, wie die zu  Fleisch gewordene Lust persönlich. Mit ihren Piercings und Tattoos würde es mich nicht wundern, wenn sie gerade von einem Punkrockkonzert kamen. Ihre knappe Kleidung verstärkte diesen Eindruck. Ich erkannte in ihrem Gesicht sofort die Gier nach Lebenslust. Ein Ausdruck, den ich sonst so stark nur in Jonas´ Augen wahrnehme. Besonders gefiel mir der schwarze Hut, den eine der Freundinnen trug. Es sollte jener Hut sein, der in ein paar Wochen mein ständiger Begleiter werden würde.

Nachdem Jonas mich leicht schubste um zu signalisieren, dass ich in die Gänge kommen sollte, startete ich die Offensive. “Wenn sie dir das gesagt hat, wäre es ja ´ne Schande die beiden stehen zu lassen.”, murmelte ich und ging los. Inzwischen war ich ganz passabel im Aufreißen, auch wenn ich noch immer ziemlich einstudiert vorging: Ich baggerte sie an, sie lehnten ab um nicht billig zu wirken, ich machte ein paar freche Scherze, die ich mit kleinen Komplimenten garnierte und sie kamen aus Neugier mit zu unserem Tisch. Unterm Strich ein guter Start.

Jonas nickte mir anerkennend zu, während ich ihn vorstellte. Die Dame mit Hut hörte auf den Namen Katharina und ihre blonde Freundin hieß Anna. Da ich besondere Accessoires toll finde, verwickelte ich Katharina direkt in ein Gespräch um meinen Anspruch zu signalisieren. Jonas schien das ganz recht zu sein, denn er und Anna waren offensichtlich auf einer Wellenlänge und wurden schnell miteinander warm. Ich wiederum bemerkte schon nach wenigen Sätzen, dass Katharina ihrem scharfen Aussehen zum Trotz mental wohl nicht so ganz auf der Höhe war.

Sie faselte die ganze Zeit etwas von spirituellen Begegnungen und Phänomenen der dritten Art. Nachdem sie sich nach meinem Sternzeichen erkundigte, war sie ganz versessen darauf mir mein indianisches Tiertotem, den Raben näher zu bringen. Sie redete so schnell und viel, dass ich nur halb zuhörte, aber scheinbar gefiel ihr mein Totem. Denn von diesem Moment an würde sie mich nur noch “Rabe” nennen.

Wenn ich heute an diesen Abend zurück denke, muss ich stets schmunzeln. Meine erste Begegnung mit Katharina war so unbeschwert und sie schien trotz ihrer wirren so sorglos. Außerdem verdanke ich ihr meinen ersten phänomenalen Erfolg beim Flirten. Bis dahin brauchte ich noch jedes Mal mehrere Versuche pro Abend, bis ich eine Frau so weit hatte mit mir zu kommen. In dieser Nacht nicht. Es lief einfach und für wenige Stunden fühlte ich mich unbesiegbar. Wir machten alle noch am selben Abend miteinander rum und landeten dann zu viert in meinem Bett. Ich fühlte mich wie ein junger Gott.

Diese sorglose Erinnerung wird heute allerdings immer wieder von einem Stechen in der Brust abgelöst. Das tragische Ende, welches das Schicksal für Katharina und mich bereit halten sollte, wiegt im Nachhinein viel schwerer, als die Erinnerung von der Nacht im Flexibel.

Ich habe so viele Fehler gemacht.


Mutter

Meine Mutter ist eine wunderschöne und absolut warmherzige Frau. Sie zog mich und meine Geschwister mit aller Liebe auf, die eine Frau ihren Kindern nur geben konnte. Leider konnte sie diese Liebe nie lange mit einem Mann teilen. Denn meine Mutter fürchtet Bindungen. Auch wenn sie sich das selbst nicht eingestehen kann, bin ich mir doch sicher, dass sie stets von der Frage gequält wird, ob es nicht doch irgendwo grüneres Gras für sie gibt.

So fällt sie von einer Beziehung in die nächste. Jedes Mal ist sie sich sicher, dass ihr neuer Freund der Partner fürs Leben sein wird. Und jedes Mal beendet sie die Beziehung, sobald die Rosarote Brille ihren Glanz verliert. So hält sie es mit allem. Wechselnde Jobs und ständige Umzüge. Sie stürzte mit uns von Mann zu Mann und von Ort zu Ort, stets auf der vergeblichen Suche nach dem Regenbogen.

Ich liebe meine Mutter und bin dankbar für ihre aufopferungsvolle Erziehung. Doch mir wurde eines Tages klar, dass ich so nicht leben wollte. Ich wollte mehr als ein Dasein in pausenloser Rastlosigkeit. Deshalb beschloss ich sehr früh, mein Leben anders zu führen.

Ich war mir sicher, dass ich niemals mit einer Frau intim werden würde, bis ich die Eine gefunden hätte. Ich lehnte jede Beziehung und jeden engeren Körperkontakt mit dem anderen Geschlecht ab, bis ich meine Frau fürs Leben gefunden haben sollte. Mein Wunsch nach Beständigkeit und der wahren Liebe wurden für mich zur treibenden Kraft im Leben. Wenn meine Freunde feierten und ihre ersten Erfahrungen mit Frauen machten, blieb ich stur daneben sitzen und lehnte jede Frau ab, die sich mir anbot. In jungen Jahren wurde ich so bereits zum größte Dickkopf des Universums.

Sex sollte für mich einfach mehr sein, als ein Sport. Es sollte ein Vertrauensbeweis sein, den man nur mit einem einzigen Menschen teilt. Ein Partner. Eine Liebe. Mein erstes Mal würde ich entweder niemals haben, oder mit der Frau, die mir alles bedeutet. Und so habe ich es auch gehalten. Die erste Frau mit der ich schlief, sollte meine geliebte Füchsin sein. Leider war mir damals noch nicht klar, dass wahre Liebe und Treue absolut unnatürliche und dumme Ideale sind.

Denn Liebe bedeutet nichts weiter, als einem anderem Menschen sein Herz und alles, was einem an sich selbst wichtig ist zu überlassen. Und dieser Andere kann dann in einem einzigen Moment alles zerstören, was dich ausmacht. Alles woran du jemals geglaubt hast. Zurück bleibt eine leere, verkommene Hülle, die mit jedem Gefühl hilfos überfordert ist.


Chatverlauf mit der Füchsin und mir -Teil 1
 
Füchsin: Hey
 
Füchsin: Wie gehts dir?
 
Ich: Fantastisch.
 
Füchsin: Kümmern sich Thomas und Jonas gut um dich?
 
Ich: Was willst du?
 
Füchsin: Dir sagen, dass es mir Leid tut. Ich mache mir Sorgen. Ich hätte das so nicht tun sollen. Das hast du nicht verdient.
 
Ich: Bitte. Lass es einfach.
 
Füchsin: Ich weiß, es klingt doof, dass ich das jetzt noch sage: Aber ich wollte dich wirklich nicht verletzen. Ich muss ständig daran denken.
 
Ich: Du hast mich nicht verletzt, okay? Alles gut. Hau rein.
 
Füchsin: Das ist kindisch. Können wir nicht wie Erwachsene darüber reden?
 
                                    - Sie haben Füchsin aus ihrer Kontaktliste enfernt-
 
                                     - Sie haben Füchsin ihrer Kontaktliste hinzugefügt-

 
Ich: Das ist doch totaler Bullshit. Du willst, dass ich mich erwachsen verhalte? Gerade du? Das ist so selbstgerecht... Du hast mir genau das angetan, wovor du bei mir immer Angst hattest. Im, Ernst, Du kannst Dir das hier auch genau so gut sparen. Eine Entschuldigung von Dir bedeutet mir absolut gar nichts. 
 
Füchsin: Das verstehe ich. Du hast jedes Recht mich zu hassen. Ich erwarte auch gar nicht, dass du meine Entschuldigung annimmst. Ich möchte dir nur erzählen, wie das alles aus meiner Sicht war.
 
Ich: Ich will mir das aber nicht anhören, Füchsin. Ich will nicht mal mehr mit Dir schreiben. Erzähl das doch jemandem, den das interessiert. Wie wärs mit Daniel? Oder ist der Dich schon Leid, nach zwei Wochen?
 
Füchsin: Okay. Ich höre auf. Entschuldige die Störung. Schreib mich bitte an, wenn du es dir anders überlegst. Ich würde mich freuen, wenn wir uns irgendwann wieder in die Augen schauen könnten.
 
                                - Sie haben Füchsin aus ihrer Kontaktliste entfernt-
 
                                  - Sie haben Füchsin ihrer Kontaktliste hinzugefügt-
 

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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 23.08.2015 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Vincent,

Hm. Also, der erste Abschnitt gefällt mir persönlich nicht. Das fängt mit dem ersten Satz an:
Zitat:
  Mit einem Satz fuhr er aus dem Schlaf.

Für mich heißt das, dass er aus dem Bett springt. Ich nehme an, du meinst, dass er sich ruckartig aufsetzt. "Einen Satz machen" ist für mich springen.

Zitat:
   Es dauerte noch <- könnte raus einige Sekunden, bis er begriff, dass er nur geträumt hatte. Er beruhigte seinen Atem, rieb sich sich <- doppelt gemoppelt mit


Zitat:
Erst ein Uhr  

Bei solchen Angaben bevorzuge ich diese Variante: "Erst 1:00 Uhr."

Dieser ganze Abschnitt wirkte nach den vorangegangenen, die immer ein gewisses Feuer hatten, für mich träge, beinahe langweilig.
Auch wenn das an dieser Stelle vlt. gewollt ist, hat es mich überrascht, dass sich hier irgendwie nur selbst bemitleidet wird. Klar, darf man sich selbst bemeitleiden, wenn alles über einem zusammenbricht und man einfach keine Kraft mehr hat, aber es kommt mir hier seltsam vor, nachdem dein "Held" die ganze Zeit über auf diese andere Art und Weise agierte.
Etwas mehr Biss würde mir hier guttun. Etwas mehr wollen von Seiten deines Protas.
Es kommt einfach so plötzlich, dass es ihm schlecht geht und er nur noch ein Schluck Wasser in der Kurve ist.

Dass man im Abschnitt "Katharina und Anna" etwas über sein näheres Umfeld bzw. weitere Freunde erfährt, finde ich gut.
Beim Thema Mutproben verdreh ich grundsätzlich irgendwie die Augen und denke mir "Werdet erwachsen." Es ist für mich dasselbe, wie wenn zwei Männer die Länge eines bestimmten Körperteils vergleichen.
Die Szene an sich hat bei mir nicht viel hinterlassen. Es scheint dieses gewohnte Ritual zu sein, nur dieses Mal zu zweit.
Der Reiz des Flirtens und Abschleppens ist für mich verloren, weil es ja scheinbar ohnehin jedes Mal wieder funktioniert und er um keine Frau wirklich kämpfen muss.
Aber es gewährt mir einen Einblick in seine Freundschaft zu Jonas und erklärt, wie er Katharina kennenlernte.
Zitat:
   Diese sorglose Erinnerung wird heute allerdings immer wieder von einem Stechen in der Brust abgelöst. Das tragische Ende, welches das Schicksal für Katharina und mich bereit halten sollte, wiegt im Nachhinein viel schwerer, als die Erinnerung von der Nacht im Flexibel.

Ich habe so viele Fehler gemacht.
 

Dieser letzte Satz macht die ganze Szene für mich irgendwie ... *seufz*
Das passt einfach nicht zu ihm. Diese Reue und das, was man bis jetzt kennenlernen durfte. Es kommt alles so aus der Luft, finde ich.

Der Abschnitt "Mutter" ...
Das war mir jetzt zu vorhersehbar und zeitgleich auch wieder nicht. Als ich es gelesen habe, kam mir unweigerlich die Frage, warum du sowas auspackst. Das ist so ein Standard, den es schon tausend Mal gab und ich war überrascht, dass du das verwendest.
Meiner Meinung nach muss man die Gründe für ein bestimmtes Verhalten nicht immer in der Kindheit suchen. Wenn man das so liest, lebt er ja nun schon genau wie seine Mutter, owbohl er das, was sie ihm vorlebte, verabscheute.
Seine Vorstellung von der "Einen Liebe" macht ihn irgendwie süß und somit auch widerum sympathisch. Aber das Ganze hat so einen faden Nachgeschmack für mich.
Der Typ, dessen Mutter ihm ein falsches Beziehungsbild vorlebte, der sich nach der einen, großen Liebe sehnt, dem das Herz gebrochen wird, und der sich dann auf seiner Suche nach Nähe in gefühllosem Sex verliert und sich allmählich selbst zerstört, bis er sich dazu entschließt oder ein bestimmtes Ereignis dazu führt, dass er so nicht mehr weiterleben kann/will.
Das war mir jetzt zu einfach. Vielleicht fehlen mir aber auch einfach nur noch genug Infos.



LG,
Seraiya


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Vincent Vice.
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BeitragVerfasst am: 25.08.2015 22:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Seraiya,

vielen Dank auch dieses Mal für Dein ausführliches und hilfreiches Kommentar.

Wie schon in der PN erwähnt, hatte ich leider bisher noch keine Zeit, Dir darauf so ausführlich zu antworten, wie Du es verdient hast, deshalb kommt meine Rückmeldung so spät.
Entschuldige bitte!

Schade, dass Dir dieser Abschnitt im Großen und Ganzen nicht so wirklich zugesagt hat.
Natürlich möchte ich niemandem im Nachhinein das Geschriebene schön reden (was ebenso vergeblich wie sinnlos wäre), aber ich würde gerne meine Gedanken zu den Punkten, die Du angemerkt hast hinterlassen. Vielleicht hat ja jemand Zeit und Muse Anregungen hier zu lassen, wie ich es (noch) besser machen könnte.

- Bist Du sicher, dass einen "Satz zu machen" gleich bedeutend mit aufstehen ist? Für mich ist es eher eine ruckartige Bewegung bzw. ein ruckartiges Ereignis. Vielleicht interpretiere ich aber auch das Wort falsch?

- Ja, der Text "Katharina" ist etwas träge und selbstmitleidig. Das sollen alle Kapitel aus der Er- Perspektive sein (sind bisher zwei). Deshalb auch diese Perspektive, da der Prota so nicht denken würde. Meine Idee war, dass man nach drei Nächten ohne Schlaf einfach nicht mehr die Energie und den Elan hat irgendetwas zu wollen oder wirklich Feuer an den Tag zu legen. Das kommt so plötzlich, weil er vorher immer durchgeschlafen hat und nur einmal versucht hat eine Zeit lang alleine einzuschlafen.

Für mich als Autor ist das schlüssig, aber man sieht sein Werk ja selbst immer anders, als die die es dann am Ende lesen. Werde mir dazu noch Meiungen einholen müssen um zu schauen, wie die Mehrzahl das auffasst.

- Zu dem Kapitel "Katharina und Anna". Okay, das mit den Mutproben gefiel Dir nicht. Ich denke, das ist vielleicht irgendwo ein Männerding, sich in sinnlosen Wettkämpfen zu konkurrieren. So richtig reif und erwachsen ist mein Prota ja auch eigentlich gar nicht.

Leider hast Du recht und das Kapitel ist inhaltlich erst einmal schwach. Trotzdem brauche ich es, da Katharina der Zweitwichtigste Charakter des Buches ist und ich auf die Kennlerngeschichte nicht verzichten kann/ will. Die Anmache habe ich absichtlich kurz gehalten, damit ihr euch nicht langweilt ^^

Auch der letzte Satz ("Ich habe so viele Fehler gemacht") bezieht sich speziell auf Katharina. Der Prota weiß ja als Erzähler schon, wie es mit ihm und Katharina endet. Und das ist derart düster, dass er es bereut.

- Der Abschnitt "Mutter"....
 Jaaaaa, was soll ich sagen? ^^ Du hast da mit Deiner Kritik schon ziemlich genau das angesprochen, was ich befürchtet hatte als ich das Kapitel schrieb. Dieser Abschnitt existierte ursprünglich nicht (eine erste fertige Version des Romans ist ja bereits auf meiner Festplatte).
Die Mutter bekommt später noch eine mehr oder minder tragende Rolle und alles was in diesem Abschnitt steht wurde ursprünglich mehr zwischen den Zeilen angedeutet.

Ich habe mich dann entschieden diesen Abschnitt trotz seiner Klischeehaftigkeit zu schreiben. Grund dafür war ehrlich gesagt vor allem, dass mein Prota bei den Lesern dringend Sympathiepunkte braucht, um nicht vorschnell verurteilt und weg gelegt zu werden. ^^  

Ich dachte mir: "Grund für sein Verhalten ist ja nicht direkt seine Mutter, sondern die Trennung mit der Füchsin. Das Kapitel zeigt ja eigenltich nur, wie wichtig ihm war, dass die Beziehung funktioniert." Damit hoffte ich etwas, von dem Klischee runter zu kommen. Hat wohl leider nicht ganz funktioniert (zumindest aus Deiner Sicht).

Das sind wie gesagt meine Gedanken zu dieser Fortsetzung. Wenn jemand echt den Nerv hat das alles zu lesen und dann noch die Lust verspürt mir eine Anregung zu geben, wie ich es eventuell anders umsetzen kann, bin ich auf jeden Fall dankbar!!

Gute Nacht an alle!

LG

W


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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 25.08.2015 23:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Vincent,

Zitat:
   vielen Dank auch dieses Mal für Dein ausführliches und hilfreiches Kommentar.

Bittschön. smile

Zitat:
hatte ich leider bisher noch keine Zeit, Dir darauf so ausführlich zu antworten, wie Du es verdient hast, deshalb kommt meine Rückmeldung so spät.
Entschuldige bitte!
  

Es sei Dir vergeben! lol
Bist du verrückt? Kein Problem. smile

Zitat:
  - Bist Du sicher, dass einen "Satz zu machen" gleich bedeutend mit aufstehen ist? Für mich ist es eher eine ruckartige Bewegung bzw. ein ruckartiges Ereignis. Vielleicht interpretiere ich aber auch das Wort falsch?
  

Das ist nur meine persönliche Assoziation. Für mich ist "einen Satz machen" dasselbe wie "hüpfen/springen". Man macht einen Satz nach vorne oder nach hinten. So sehe ich das.
Ich würde vielleicht "schreckte aus dem Schlaf" oder irgendwas mit "ruckartig" "schlagartig". Das ist aber ganz allein deine Sache.

Zitat:
  Für mich als Autor ist das schlüssig, aber man sieht sein Werk ja selbst immer anders, als die die es dann am Ende lesen. Werde mir dazu noch Meiungen einholen müssen um zu schauen, wie die Mehrzahl das auffasst

Ja, solltest du. smile

Zitat:
Leider hast Du recht und das Kapitel ist inhaltlich erst einmal schwach. Trotzdem brauche ich es, da Katharina der Zweitwichtigste Charakter des Buches ist und ich auf die Kennlerngeschichte nicht verzichten kann/ will. Die Anmache habe ich absichtlich kurz gehalten, damit ihr euch nicht langweilt ^^

  

Aso. smile

Zitat:
  Der Abschnitt "Mutter"....
 Jaaaaa, was soll ich sagen? ^^ Du hast da mit Deiner Kritik schon ziemlich genau das angesprochen, was ich befürchtet hatte als ich das Kapitel schrieb. Dieser Abschnitt existierte ursprünglich nicht (eine erste fertige Version des Romans ist ja bereits auf meiner Festplatte).
Die Mutter bekommt später noch eine mehr oder minder tragende Rolle und alles was in diesem Abschnitt steht wurde ursprünglich mehr zwischen den Zeilen angedeutet.

Ich habe mich dann entschieden diesen Abschnitt trotz seiner Klischeehaftigkeit zu schreiben. Grund dafür war ehrlich gesagt vor allem, dass mein Prota bei den Lesern dringend Sympathiepunkte braucht, um nicht vorschnell verurteilt und weg gelegt zu werden. ^^   

Ich dachte mir: "Grund für sein Verhalten ist ja nicht direkt seine Mutter, sondern die Trennung mit der Füchsin. Das Kapitel zeigt ja eigenltich nur, wie wichtig ihm war, dass die Beziehung funktioniert." Damit hoffte ich etwas, von dem Klischee runter zu kommen. Hat wohl leider nicht ganz funktioniert (zumindest aus Deiner Sicht).

  

Du, das ist deine Geschichte. Wenn du das so machen möchtest, mach es so. smile
Mir ist es, wie gesagt, zu einfach. Ich sage auch nicht, dass seine Mutter der Grund für sein Verhalten ist. Aber dieses vorgelebte Muster, dass er im Nachhinein selbst lebt, ist in diesem Zusammenhang für mich irgendwie typisch. Auch wenn er im Endeffekt nur so lebt, weil ihm von der Füchsin das Herz gebrochen wurde.
Ich würde den Teil mit der Mutter an den Anfang packen. Dann hat man diesen sympathischen Typen und fragt sich im Laufe der Geschichte noch einmal anders, was denn passiert ist, dass er seinen Traum von der "Einen Liebe" aufgeben musste.

Zitat:
Das sind wie gesagt meine Gedanken zu dieser Fortsetzung. Wenn jemand echt den Nerv hat das alles zu lesen und dann noch die Lust verspürt mir eine Anregung zu geben, wie ich es eventuell anders umsetzen kann, bin ich auf jeden Fall dankbar!!
  

Das wünsche ich dir gaaaaaaaaaaaaaaanz doll!


LG,
Seraiya


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BeitragVerfasst am: 26.08.2015 15:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Seraiya,

das ist ja eine interessante Idee den Abschnitt "Mutter" vorzuziehen.
Zu den Anfangskapiteln werde ich ihn wohl nicht legen, da der erste Eindruck ja entscheidend ist und ich nicht möchte, dass der Leser eine Klischeegeschichte über nen Typ mit Mutterkomplexen erwartet.
Aber in die Mitte vielleicht?

Werde das auf jeden Fall in Erwägung ziehen!

LG und einen schönen Abend

W


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BeitragVerfasst am: 26.08.2015 16:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen

Hier ist der nächste Teil. Wie gesagt, es ist auch gleichzeitig der zweite Teil des Buches, welches in sich vier Teile haben soll. Jeder Teil wird ein Wenig anders aufgezogen, deshalb bitte nicht über neue Eigenarten wundern wink


- Zweiter Teil- Drogen-


Katharina


Nach dem, was Sie inzwischen über mich gehört haben, müssen Sie mich wahrscheinlich für eine schreckliche Person halten. Eine krankhafte Stalkerin, die Autos zerkratzt und Fensterscheiben einschlägt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Vielleicht bin ich das auch tatsächlich. Vielleicht ist es aber auch der Rabe, der solch eine Person aus den Menschen macht, mit denen er seine Ängste verdrängt. Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass mein Mitleid nach allem immer noch schwerer wiegt, als mein Hass, wenn ich an den Raben denke. Wenn Sie sehen könnten, was ich in ihm sehe, dann würde Sie erkennen, dass er nicht annähernd so kalt ist, wie er es gerne wäre. Sie würden Verzweiflung, Angst und Misstrauen in seinen Augen finden. Und noch etwas: Wärme. Wärme und den Wunsch endlich wieder jemanden aufrecht lieben zu können.

Wenn ich den Leuten meine Geschichte erzähle, dann sagen sie Dinge wie: “Du bist verrückt. Ein Mensch, der anderen solche Dinge antut hat keinen Funken Wärme mehr in seinem Herzen” oder “Nach all dem, was er dir angetan hat verteidigst du ihn noch? Schick ihn endlich in die Hölle, wo er hin gehört!”Womöglich haben all diese Leute recht und ich sehe den Raben wirklich nur so wie ich ihn sehen will. Oder schlimmer noch: Ich sehe ihn so, weil er will, dass ich ihn so sehe. In den anderthalb Jahren, die wir uns nun schon kennen habe ich es längst aufgegeben ihn durchschauen zu wollen. Ohne Frage ist der Rabe ein Meister der Manipulation. Und in den letzten Monaten hat er viel dazu gelernt. Wahrscheinlich mehr als ihm selbst bewusst ist.

Die Wahrheit ist dennoch, dass ich ihn liebe. Und hasse. Und dass es vollkommen unwichtig ist, was ich nun für ihn empfinde. Denn er hat mich vollständig in der Hand. Er bestimmt wie wir zueinander stehen und ich bin vollkommen machtlos. Nicht, dass ich nicht dagegen angekämpft hätte. Ich habe so oft versucht mich von ihm zu lösen. Ich habe ihm gedroht, nur um mich dann auf Knien zu entschuldigen. Ich habe seine Nummer gelöscht, nur um sie mir von gemeinsamen Bekannten wieder zu holen.

Der Rabe weiß,dass es mich mit oder ihn zerreißt. Es gibt aber eine Sache, die nur ich weiß: Der Rabe genießt dieses Spiel nicht ansatzweise so sehr, wie er es den Leuten Glauben macht. Er hasst es mich leiden zu sehen. Doch er kommt nicht aus seiner Haut. Wenn ich darüber nachdenke, dann komme ich zu dem Schluss, dass der Rest der Welt sicher doch recht haben muss:

Der Rabe lässt mich absichtlich in dem Glauben, dass er nicht komplett verdorben ist. Doch die viel wichtigere Frage lautet: Selbst, wenn ich recht habe und der Rabe im tiefsten Inneren einen guten Kern besitzt, den er für immer vergraben hat:

Wo ist dann der Unterschied?


Der Rabe

Die Winter in Deutschland sind kalt. Wie kalt sie sind, ist den meisten Bewohnern unseres Landes nicht wirklich klar. Deshalb lasst euch gesagt sein: Sie sind sau kalt! Wenn man als obdachloser Straßenmusiker sein Geld verdient, bekommt man ein Gefühl dafür, wie hart unsere Winter in Wirklichkeit sind. Zugegeben, ich hatte dieses Problem nicht häufig, da ich fast immer ein warmes Bett zum unter kriechen fand. Aber eben leider nur fast.

Die Nacht in der ich in diesem Kapitel einsteigen möchte fand etwa ein Jahr nach Ende des ersten Teils dieser Geschichte statt. Sprich, fast zwei Jahre, in denen ich inzwischen kaputt war. Viel geändert hatte sich in dieser Zeit nicht: Ich wusste einen guten Tropfen Alkohol noch immer zu schätzen, ich prügelte mich noch immer regelmäßig und natürlich traf ich mich noch immer gerne mit hübschen Frauen. Inzwischen hatte ich mich ganz gut eingelebt in meinem neuen Leben. Mit einer Ausnahme: Dies war mein erster Winter ohne eigene Wohnung.

Noch schlug ich mich gut, denn ich hatte es geschafft in zwei Monaten nicht einmal alleine übernachten zu müssen. Große Angst vor dem Erfrieren hatte ich nicht, da ich im Notfall immer noch die Schlüssel zu unserem Proberaum zur Verfügung hatte. Eine warme Dusche und ein sauberes Bett wären mir allerdings natürlich lieber gewesen. Zudem fiel es mir noch immer schwer alleine Schlaf zu finden, auch wenn es nicht mehr annähernd so furchtbar war wie früher.

Also machte ich mich wie fast jeden Abend auf die Suche nach einer Frau. Dieses Mal wurde ich allerdings von einer Frau gefunden statt umgekehrt. Ich schlenderte gerade durch die Fußgängerzone, als es passierte. “Hey du”, hörte ich sie aus ein paar Metern Entfernung rufen. Irritiert drehte ich mich um und sah eine recht attraktive Blondine auf mich zukommen. “Wir kennen uns doch. Weißte noch wer ich bin?” Ich überschlug kurz ein paar Frauen in meinem Kopf, kam dann aber zu dem Entschluss, dass es ein absolut vergebliches Unterfangen war eine einzelne Frau aus diesem Meer heraus zu filtern.

”Klar”, antwortete ich also. “Dein Gesicht kommt mir total bekannt vor. So ein hübsches kann man ja schwer vergessen. Deinen Namen weiß ich nur gerade nicht mehr. Sagst du ihn mir noch mal?” “Immer noch so charmant wie damals, hm?”, fragte die Unbekannte grinsend. “Ich bins Jojo.” “Jojo...”, wiederholte ich unsicher. “Du hast keine Ahnung mehr, oder?” Lächelnd zuckte ich mit den Schultern.

“Tut mir echt Leid, nimm das bitte nicht persönlich. So richtig klingelt es gerade nicht.” “Macht nichts”, entgegnete Jojo und winkte lässig ab. “Das ist ja auch schon ewig her. Aber ich werde dein Gesicht auf jeden Fall nie vergessen. Du bist mit mir mal zu meinem Freund gegangen und hast ihm dort das Koks sozusagen unter der Nase weg gezogen.” Mit einem Mal kamen all meine Erinnerungen an den Abend wieder. “Natürlich!”, rief ich und schlug mir auf dir Stirn. “Jojo, die Drogenfrau.”

Beleidigt zog Jojo eine Schnute. “Die Drogenfrau? Wirklich? Ist das dein Spitzname für mich?” Lachend griff ich Jojos Schultern und massierte sie vorsichitg. “Ach was. Das war ein Scherz. Ich dachte mir nur, dass attraktive Schönheit zu direkt wäre. Wie geht´s dir, Jojo?” Sachte nahm Jojo meine Hände von ihrer Schulter, lächelte mich dabei aber freundlich an. “Joa. Ganz gut so weit. Und bei dir? Lebst immer noch den Traum, hm?” Während sie das sagte deutete sie auf die Gitarrentasche, die ich mit mir herum trug. “Ja, kann man sagen. Nur so richtig traumhaft lief es heute leider nicht. Wenn das Wetter schlecht ist, haben die Leute keine Lust auf meine Musik.”

“Wie schade”, antwortete Jojo. “Also, ich würde dich sehr gerne mal spielen hören.” “Und ich würde total gerne für dich spielen. Leider sind meine Finger nur total zugefroren von der Kälte. Aber ich sag dir was: Wenn du mich bei dir auf einen Tee einlädst, damit sie auftauen können, spiele ich gerne für dich.”Ich zwinkerte Jojo schelmisch zu, um ihr zu signalisieren, dass mir die Plumpheit meiner Anmache durchaus bewusst war. Die Drogenfrau schwieg mich zögernd an und lächelte vorsichtig. “Komm schon”, sagte ich. “Um der alten Zeiten Willen. Wir hatten damals gar keine Chance richtig miteinander zu reden. Lass uns das nachholen.” “Ich weiß nicht”, sagte Jojo. “Ich bin seit ner Weile mit Dennis zusammen. Weißt du noch? Das ist der Typ, bei dem wir damals waren.” “Klar, klar. Das weiß ich total noch. Ich möchte ja auch nur etwas bei dir trinken und dir nicht die Kleider vom Leib reisen”, log ich. “Streng genommen bist du ja sogar verpflichtet mir als bedürftigem Menschen zu helfen. Sonst ist das nämlich unterlassene Hilfeleistung. Dafür kann ich dich anklagen. Im schlimmsten Fall erfriere ich sogar, wenn du mir keinen warmen Tee gibst. Dann müsste ich dich als Geist heim suchen bis du stirbst. Willst du das?” Jojo schaute in gespielter Schüchternheit zu Boden, während sie lachte. “Gott, du bist immer noch so ein Spinner wie damals. Habe ganz vergessen wie schwer es ist, bei dir ein Nein durchzubekommen.” Nun hob sie wieder ihren Kopf und sah mich eindringlich an.

“In Ordnung. Einen Tee. Aber mehr nicht. Ich meine es ernst.” “Klar”, sagte ich grinsend und zwinkerte sie an. “Nur ein Getränk. Mehr nicht. Genau wie damals.”



Am nächsten Morgen lag ich neben Jojo im Bett und betrachtete ihren nackten Körper. Ich beobachtete ihren Brustkorb, der sich langsam auf und ab bewegte und fragte  mich, ob ich im Schlaf wohl auch so freidlich aussah. Nach einer Weile öffnete sie langsam die Augen und lächelte mich zufrieden an.

“Guten Morgen”, sagte sie. “Beobachtest du mich etwa beim Schlafen? Das ist unheimlich.” “Klar”, antwortete ich und erwiderte ihr Lächeln. “Ich bin ja auch komplett irre. Das weißt du doch.” Träge setzte sie sich hin und streckte sich genüsslich.  “Du solltest gehen. Dennis wird ziemlich pissed sein, wenn er dich sieht. Und der kommt gleich.” Ich zuckte lässig mit den Schultern und suchte den Raum nach meiner Hose ab, während ich antwortete.

“Okay. Und was ist mit meinem Tee? Den hast du mir versprochen. Weißt du noch?” “Und was mit der Gitarre?”, entgegnete Jojo. “Du wolltest für mich spielen. Weißt du noch?” Ich setzte mich zu Jojo ans Bett und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. “Ja, du hast recht. Das müssen wir unbedingt nachholen. Gibst du mir deine Nummer?”

Lachend warf Jojo mich mit ihrem Kissen ab. “Du bist unmöglich, weißt du das?” Dann schwiegen wir uns lächelnd an, während ich mich anzog. “Was machst du heute noch?”, fragte Jojo dann nach einer Weile. “Na, spielen. Aber wirklich Lust habe ich nicht. Draußen regnet es. Januar ist echt ein beschissener Monat für Straßenmusiker. Na, ein paar Euro werden fürs Mittagessen werden auf jeden Fall schon rein kommen.” “Oh weh”, antwortete die Drogenfrau. “Das klingt aber hart.” Ich hob lässig die Hand zu meiner Antwort. “Ach was. Ich hab das ja bewusst so entschieden.”

Nachdem ich mich angezogen hatte setzte ich mich noch kurz aufs Bett um Jojo einen Abschiedkuss zu geben. “Ich kann dir vielleicht einen Job besorgen.”, sagte sie dann. “Wirklich?” Ich grinste sie schelmisch an. “Einen Job? Das klingt aber spannend. Ich könnte mir aber schon selbst einen Job an Land ziehen, wenn ich wollte. Trotzdem danke.” “Na ja. Es ist kein klassischer Job in dem Sinne. Du könntest das nur vorübergehend machen, wenn du magst. Und du bekommt ziemlich viel Geld, für verhältnismäßig wenig Aufwand. Nur so wirklich legal ist das Ganze nicht.”


Katharina

Wenn ich über meine Rolle im Leben des Raben nachdenke, dann komme ich zu dem gleichem Schluss, zu welchem ich komme, wenn ich über meine Rolle in meinem eigenem Leben nachdenke: Nicht wirklich entscheidend, aber nun einmal auch nicht weg zu denken.

Das klingt sicherlich furchtbar wehleidig für einen Außenstehenden. Sie müssen wissen, dass ich mir schon immer viele Gedanken darüber gemacht habe, wie mich andere Leute betrachten. Ich glaube an Karma und daran, dass Menschen alleine durch ihre Gedanken schon großen Schaden anrichten können. Deshalb versuchte ich sehr lange, es allen recht zu machen und das zu tun, was man von mir erwartet. Natürlich ist das Unsinn.

Wenn jemand sagt “Ich erwarte von dir A” und jemand anderes möchte lieber B, kann man es nicht allen recht machen. Dennoch versuchte ich stets eine Mischung aus A und B zu finden, auch wenn ich selbst C am Liebsten gehabt hätte. Ich war wie das sprichwörtliche Fass und jedes Mal wenn ich etwas für andere tat, was ich selbst nicht wollte, waren diese Taten ein Tropfen, welcher das Fass füllte. Als ich achtzehn war lief das Fass dann schließlich über. Ich ertrug es nicht mehr ein Schatten meiner Selbst zu sein und beschloss vom Leben zu kosten. Es kam zu einer Art Kurzschlussreaktion. Ich lies mir einen Irokesenschnitt schneiden, tätowierte mich vollkommen unüberlegt und haute von zu Hause ab. Ich kam von dort an regelmäßig in Kontakt mit der Polizei und experimentierte mit verschiedenen Drogen.

Natürlich kam ich eines Tages wieder zurück zu meinen Eltern, doch ich spielte weiterhin die taffe Rebellin. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaute, sah ich nicht mich. Aber ich sah die Version von mir, die ich den Leuten verkaufe. Die Version von mir, die ich gerne wäre.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich manchmal das Gefühl habe, dass ich den Raben als Einzige verstehen kann. Weil ich eine Vorstellung davon habe, warum er tut was er tut. An dem Abend, an dem wir uns kennenlernten war er so selbstbewusst und charismatisch, dass ich vor Neid am Liebsten geweint hätte. Er hatte diese Art an sich, die einen kompletten Raum für sich einnimmt. Ein Mann, der wusste, was er wollte und wie er es bekam.

Wir haben uns seit diesem Abend eine Zeit lang miteinander getroffen. Und je besser ich ihn kennen lernte, desto mehr wurde mir eines bewusst: Der Rabe ist in Wirklichkeit der unsicherste und zerrissenste Mensch, dem ich jemals begegnet bin. Sein ganzes Auftreten war nichts weiter, als eine perfekt sitzende Maske. Denken Sie jetzt bitte nicht, dass das meine Bewunderung für den Raben gedämpft hätte. Im Gegenteil: Ich fand ihn dadurch umso faszinierender.

Wie hatte der Mann es nur geschafft, eine derart glaubwürdige Rolle zu spielen? Selbst seine besten Freunde schienen nicht zu sehen, dass er im Kern ein Anderer war. In dem Moment, in dem ich erkannte, dass der Rabe nichts weiter als ein Schauspieler ist, begann in mir unwillkürlich eine Frage zu wachsen: Kann ich das auch? Kann ich eines Tages auch lernen meine Rolle als Rebellin so glaubhaft spielen, dass ich sie mir selbst abkaufe? Kann sich ein Mensch wirklich einen neuen Charakter aneignen?

Diese Frage begann zu einer Besessenheit zu werden. Ich wollte um jeden Preis von diesem großartigen Menschen lernen, der das Leid kannte, sein Leben nicht als genügend zu empfinden. Und der wusste wie man aus diesem Leben fliehen konnte. Also begann ich mich immer mehr auf den Raben einzulassen. Und damit besiegelte ich das Ende unserer Beziehung. Je mehr intime Details ich dem Raben über mich preis gab und je öfter ich ihn sehen wollte, desto mehr wich er vor mir zurück. Mir war damals noch nicht klar, wie viel Angst der Rabe vor einer tieferen Bindung hatte. Irgendwann beendete er unsere Affäre schließlich.

Damit kam ich nicht zurecht. Ich wollte ihn unbedingt wieder haben. Ihn und seine perfekte Maske. Ich konnte damals nicht einmal sagen, ob ich wirklich in den Raben oder in seine Karikatur von sich selbst verliebt war. Aber eines war gewiss: Es ging nicht mehr ohne ihn.

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Yachen
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BeitragVerfasst am: 27.08.2015 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich lese immer noch.

Den Abschnitt mit der Mutter finde ich überflüssig, wenn du es eigentlich im Text durchblicken lassen kannst. Der letzte Teil von Teil 1 wirkte dann auch fast ein bisschen hastig erzählt.

Ansonsten bin ich gespannt, worauf es weiter hinausläuft. Es gibt Sachen, die mich stören, aber die könnte ich hinnehmen, wenn am Ende alles zusammenpasst.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dir meine Kritik nicht weiter hilft, aber du solltest immerhin wissen, dass ich noch dran bin. Das ist ja schließlich was.

LG
Yachen
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 891



BeitragVerfasst am: 29.08.2015 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Vincent,

Der erste Abschnitt und der letzte von/über Katharina gefallen mir gut. Ich finde es schön, einen Einblick in Katharinas "Welt" zu bekommen und kann ihren Gedanken gut folgen. Sie sind für mich nachvollziehbar und passen.

Wirklich interessant.
Sie klammert sich aufgrund ihrer eigenen Schwäche an einen Mann, den sie dafür bewundert, dass er seine eigene Unzulänglichkeit so gut überspielen/wegschließen kann.
Für mich passt das in diesem Zusammenhang zu ihrem hier dargestellten Charakter.

Ich mag auch, dass sie hier selbst den Erklärbär spielt und mir als Leser ihre Gedanken und Vorgehensweise schildert. Wieso und weshalb sie ein gewisses Verhalten an den Tag legt.

Ehrlich gesagt mag ich Katharina jetzt. smile

Die Szene mit Jojo hat mir widerum weniger gut gefallen. Das liegt am Inhalt. Ich finde Jojo nicht wirklich interessant - auch weil sie mit ihm im Bett landet.
Und die Szene kam für mich sehr unerwartet, was aber nichts Negatives heißen soll. Du sagtest ja bereits im Vorfeld, dass Jojo und Dennis noch einmal auftauchen und eine wichtige Rolle spielen werden.


I like Daumen hoch


LG,
Seraiya


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Vincent Vice.
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BeitragVerfasst am: 31.08.2015 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr Beiden,

vielen Dank für Eure Kommentare.

Bitte entschuldigt, dass ich mal wieder so spät dran bin, aber ich warte mit meiner Antwort immer bis ich genügend Zeit finde, sie nicht schnell und nicht im Stress zu formulieren. ^^

@ Yachen

Cool, dass Du immer noch dabei bist, das freut mich. Die Info alleine ist ja schon das Kommentar wert. smile Danke dafür!

Klar, das mit der Mutter kann ich später noch nebenbei einfließen lassen, aber das dauert noch so lange, dass ich Angst habe, der Leser liest so lange nicht mit, weil er keine Lust auf so einen unsymphatischen Prota hat.

Welche Dinge sind es denn, die Dich stören? Ich hoffe doch stark, dass am Schluss alles zusammen passt, ja. ^^`

Danke für Dein Kommentar, das war auf jeden Fall nicht unnötig.
Ich freue mich über jede Meinung!

@Seraiya

Schön, dass Dir die Abschnitte mit Katharina gefallen hat. Freut mich, dass sie für dich so funktionieren, wie ich es hoffte.

Ja, Jojo ist mehr so was wie ein Stein, der eine Lawine ins Rollen bringt. Sooooo wichtig ist sie vielleicht gar nicht, aber ich brauche sie für die Spätfolgen der Handlung.
Wenn ich hier mal etwas mehr des Romans gepostet habe und Dich dieser Abschnitt immer noch stört, freue ich mich, wenn Du es noch mal ansprichst. smile

Danke für Deine Meinung!

Schönen Abend und einen guten Start in die Woche an alle die das lesen! smile


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