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Die Füchsin und der Rabe


 
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Vincent Vice.
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 29
Beiträge: 435
Wohnort: Heute


BeitragVerfasst am: 08.08.2015 15:22    Titel: Die Füchsin und der Rabe eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Leute!

Nach jahrelanger Abwesenheit in diesem Forum, hat mich nun doch mal wieder die Lust gepackt, mir eure wertvolle Meinung einzuholen.
Ich bastle gerade an einem neuen Roman mit dem Titel "Die Füchsin und der Rabe". Aus diesem möchte ich euch gerne das erste Kapitel vorstellen. Ich freue mich auf konstruktive Kritik. smile
Danke im Voraus und einen tollen Tag!

LG

W

______________________________________________________

Die Füchsin und der Rabe


Tamara


Ich erwidere das schüchterne Lächeln der hübschen Brünetten und proste ihr mit meiner Bierflasche zu. Die Signale sind eindeutig. Ich sehe sie. Und sie sieht mich. Was nun kommt ist wenig mehr als Formsache. Eine Art Ritual, dass sich bis auf winzige Details jedes Mal wiederholt. Ihre Sprache ist unmissverständlich. Das verlegene Schmunzeln und der schüchterne, fast schon unbeholfene Blick. Ihre Beine, die sie so fromm über kreuzt. Im Prinzip ist es lächerlich. Die schöne Fremde möchte unschuldig und angreifbar wirken. Sie will meinen Beschützerinstinkt wecken.
Dabei ist sie doch von uns beiden die Jägerin. Auf mich wirkt sie mehr wie ein männerverzehrender Succubus auf der Suche nach seiner nächsten Mahlzeit, als das fromme Landmädchen, welches sie mir zu verkaufen versucht. Und ihre einstudierten, unschuldigen Bewegungen haben mehr etwas von dem hinterhältigen Gesang einer Sirene, die ihre Opfer betören möchte.
Nein, diese Frau weckt in mir nicht das geringste Verlangen, sie zu beschützen. Doch das muss sie auch nicht. Wir sind heute Nacht auf derselben Suche. Und all ihre verlogenen, unschuldigen Bewegungen gehören nun mal zum Spiel. Und wer bin gerade ich, dass ich sie für das Spielen verurteile?
Gerade möchte ich auf meine Mitspielerin zugehen, als sich unerwartet ein zweiter Mann vordrängelt um ihr den Hof zu machen. Er stellt sich breitbeinig vor Fräulein Brünett und brüllt ihr irgendwas ins Gesicht. Wahrscheinlich eine Begrüßung. Aus meiner Perspektive sieht es aber eher aus wie eine Aufforderung zur Schlägerei. Die hübsche Fremde verzieht angewidert das Gesicht, weshalb ich annehme, dass der Kerl eine beeindruckende Fahne haben muss.
Ich beschließe, mich nicht einzumischen. Natürlich. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. So läuft das Rennen. Ehrensache. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass der Bauer gleich eine Abfuhr kassieren wird und ich meine Chance noch bekomme. Also lasse ich vorerst von den beiden ab und trinke noch einen Schluck meines Bieres.
Gott, bin ich schon wieder betrunken. Wo habe ich dieses Bier überhaupt her? Und wie bin ich eigentlich auf diese Party gekommen? Verdammter Alkohol. Flüssiger Tod. Ich sollte weniger trinken, nehme ich mir wieder ein Mal vor und muss dabei über mich selbst schmunzeln. Von wegen...
Gerade als ich überlege, das Zimmer zu wechseln kommt der Bauer, welcher mit Frau Brünett anbändeln wollte zu mir rüber. "Stimmt das?", fragt er mich aggressiv und schubst mich dabei. Halb überrascht, halb angeekelt trete ich einen kleinen Schritt zurück. Er ist wirklich schon gut dabei. Und seine Fahne ist tatsächlich noch übler als angenommen. Was für ein trauriger Anblick... Angewidert streife ich mein Hemd an der Stelle zurecht, an der er mich berührt hat. "Stimmt was, starker Mann?", frage ich lächelnd. "Dass du der Freund von der Kleinen Schnalle da drüben bist." Während er das sagt deutet er mit seinen Wurstfingern auf unser beider Objekt der Begierde.
Die Brünette nickt mich flehend an. Ich brauche in meinem betrunkenem Zustand etwas, bis ich verstehe was hier gerade passiert. "Ehm... Ja?", antworte ich zögernd und zucke dabei unbeholfen mit den Schultern. Der Bauer schubst mich erneut. Sehr unangenehm, finde ich. "Ach was! Ich glaub dir kein Wort! Die Ische ist doch allein gekommen!" Langsam taue ich auf.
Schnalle? Ische? Alles klar, hier geht es eindeutig darum die Ehre einer Frau zu verteidigen! Und natürlich darum sie zu beeindrucken und das Gesicht zu wahren. Vor allem hab ich aber gerade Bock auf nen Kampf.
"Pass mal auf wie du hier über meine Freundin redest, du Harter.", sage ich entschlossen und tippe dem Bauer mit dem Zeigefinger auf die Stirn. "Sonst können wir das gleich draußen regeln, alles klar?"
Ich zwinkere meiner holden Maid keck zu und will gerade mein Bier ansetzen, als mich der Bauer mit einem harten Schwinger zu Boden befördert.
Memo an mich selbst: Wenn du Leuten Schläge androhst, behalte sie im Auge.
Noch bevor der Schmerz an mein Gehirn weiter geleitet werden kann, küsst mein Gesicht schon den Boden. Gerade als ich aufstehen will um diesen Grobian in seine Schranken zu weisen und ihm Mal einen richtigen Schwinger zu demonstrieren, fegt mich sein Fußtritt erneut in die Horizontale. Dieses Mal setzt der Schmerz sofort ein. Meine Rippen randalieren gegen die grobe Behandlung dieses Bauern. Ein erneuter Fußtritt folgt und ich bin mir sicher, alleine nicht mehr aufstehen zu können.
So macht eine Schlägerei nun aber auch keinen Spaß. Bevor der Bauer mich endgültig in meine Einzelteile zerlegen kann werden wir von mehreren Leuten auseinander gerissen.
Sein Glück, denke ich selbstironisch. Der Bauer wirft mir diverse Beleidigungen an den Kopf, während wir vor die Tür getragen werden. Schmeißen die mich etwa raus? Mich? Im ernst? Ich bin doch hier das Opfer!
Ich schaffe es Fräulein Brünett noch einmal zuzuzwinkern als ich an ihr vorbei getragen werde. Da ich mir dabei schmerzverkrümmt die Rippen halte und keinen Schritt alleine gehe kann, wirkt es aber wohl leider nicht ganz so smart, wie erhofft.  
Ich versuche mir meine Erleichterung nicht anmerken zu lassen, als der Bauer direkt das Weite sucht, nachdem wir vor die Tür gesetzt wurden. Ich habe hingegen wenigstens noch den Anstand mir die Predigt der Gastgeber anzuhören, bevor ich mich humpelnd ebenfalls auf den Weg machen möchte.
Weit komme ich allerdings nicht. Eine Gruppe junger Frauen steht an der Straße und legt gerade eine Raucherpause ein. Ich beschließe mir eine Kippe zu schnorren und mich etwas am Gespräch zu beteiligen.
Gerade als ich meinen ersten genüsslichen Zug an der Zigarette nehme und den interessierten Damen eindrucksvoll von meiner heroischen Schlägerei berichte, entdecke ich Fräulein Brünett, die aus dem Haus kommt und sich suchend umschaut. In der Hand hält sie meinen schwarzen Fedora- Hut, ohne den ich nie das Haus verlasse.
Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich ihn verloren habe. "Entschuldigt mich kurz", sage ich zu den Mädels und laufe der braunhaarigen Schönheit entgegen. Diese lässt sich ihre Erleichterung mich zu sehen etwas zu offensichtlich anmerken, wie finde.
"Na, dem hast du´s aber gegeben", sagt sie und zwinkert mich dabei schelmisch an. "Ja. Der hatte Glück, dass die Leute mich bremsen konnten.", antworte ich und erwidere dabei ihr Zwinkern. "Na, ich bin wohl dazu verpflichtet den Mann auf ein Getränk einzuladen, der sich für mich prügelt." Fräulein Brünett reicht mir meinen Hut während sie spricht. "Kommst du mit zu mir? Ich hab noch Bier zu Hause."
Ich setze meinen Hut auf und schaue sie prüfend an, während ich noch einen tiefen Zug an meiner Zigarette nehme.
Das ist schon ein lustiges Spiel.

12345Wie es weitergeht »




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Wenn der scheiß Berg nicht zum Propheten kommt, fahr ich halt ans Meer.
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LeviathanII
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 286



BeitragVerfasst am: 08.08.2015 16:37    Titel: Antworten mit Zitat

Dann gebe ich mal meine -hoffentlich wertvolle- Meinung:
Mein erster Eindruck ist schon einmal sehr positiv - Die Szene ist gut aufgebaut (etwas romantisiert), sie ist wie ein Bild, dass man vor sich sieht und auch wenn man erst einmal hineintauchen muss - Ab einem gewissem Punkt müsste man sich schon zwingen, wegzublicken.
Das einzige, was ich zu kritisieren hätte ist folgendes:
"Gott, bin ich schon wieder betrunken. Wo habe ich dieses Bier überhaupt her? Und wie bin ich eigentlich auf diese Party gekommen?"
Du hast einen Ich-Erzähler, der zeitgleich berichtet - Aber dafür, dass er betrunken ist, wirkt es zu nüchtern. Und ich meine nicht, dass er lallend denken soll, oder so einen Blödsinn. Aber selbst für einen leichten Rauschzustand ist es mir viel zu direkt, viel zu sehr seiner Umgebung bewusst, viel zu klar in den Gedanken.
Außerdem noch: "Vor allem hab ich aber gerade Bock auf nen Kampf. " Passt nicht; Der Erzähler sollte sich nicht selbst so darstellen, das sollte unterbewusster geschehen.
Aber ansonsten war es eine etwas romantisierte, aber nicht unglaubwürdige Szene, die wirklich bilderzeugend beschrieben wurde.

(PS: Ich würde nicht Fedora-Hut schreiben, sondern einfach Hut.)
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Vincent Vice.
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 29
Beiträge: 435
Wohnort: Heute


BeitragVerfasst am: 09.08.2015 13:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Leviathan II,

vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren.

Deine Kritik bringt mich auf jeden Fall weiter! smile

Den Alkoholrausch werde ich streichen, du hast recht. Es passt nicht zum Erzähstil des Kapitels.

Die Stelle mit dem Kampf werde ich aber wohl erst einmal lassen.

Vielen Dank für Deine Mühe und einen schönen Sonntag!

LG

W


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Katharina Münz
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 147



BeitragVerfasst am: 09.08.2015 18:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo V. V.,

ich finde die Diskrepanz zwischen dem Denken und Handeln deines Protagonisten interessant.
Er verhält sich wie ein spätpubertärer Flegel, geht auf Partys mit "Bauern", wird von den Gastgebern rausgeworfen, gibt sich die Kante und und scheint einiges an Erfahrung im Abschleppen von "Ischen" zu besitzen.
Andererseits drückt er sich in seinen Gedanken so gewählt aus, wie ich kaum einen Germanistikprofessor je habe dozieren hören.
Das finde ich total spannend.

Meiner Meinung nach brauchtest du auch nicht den Rausch rauszunehmen.
Im Gegenteil, in seiner trotz Rausch so gedanklich klar artikulierten Wahrnehmung erinnert er mich an die "Sherlock Holmes"-Verfilmungen mit Robert Downey Jr.

Ich würde das durchaus so lassen.
Könnte mich durchaus zum Weiterlesen animieren, auch wenn ich mich über zwei, drei einleitende Sätze zum Setting immer freue.

Schöne Grüße
Katherina
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 891



BeitragVerfasst am: 09.08.2015 18:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Vincent Vice,

mir hat es sehr gut gefallen.
Ich finde es witzig und ansprechend geschrieben, musste immer wieder lächeln und habe die Szene bildlich vor mir gesehen. Vor allem der Einstieg gefällt mir sehr.
Zitat:
Was nun kommt ist wenig mehr als Formsache. Eine Art Ritual, dass sich bis auf winzige Details jedes Mal wiederholt. Ihre Sprache ist unmissverständlich. Das verlegene Schmunzeln und der schüchterne, fast schon unbeholfene Blick. Ihre Beine, die sie so fromm über kreuzt. Im Prinzip ist es lächerlich. Die schöne Fremde möchte unschuldig und angreifbar wirken. Sie will meinen Beschützerinstinkt wecken.   

Für mich persönlich aus dem Leben gegriffen und authentisch.

Ich geriet nur einmal ins Stocken:
Zitat:
  Wo habe ich dieses Bier überhaupt her? Und wie bin ich eigentlich auf diese Party gekommen?   

Das könnte meiner Meinung nach raus.


Ansonsten: I like Daumen hoch


LG,
Seraiya


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Einen Dummkopf erkennt man daran, dass er alles abtut, was er anhand seiner eigenen Erfahrungen nicht erklären kann.
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Vincent Vice.
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 29
Beiträge: 435
Wohnort: Heute


BeitragVerfasst am: 09.08.2015 22:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden!

Vielen Dank fürs Lesen und die Mühe, ein Feedback zu hinterlassen.

@ Katherina: Es freut, dass mein Prota scheinbar so auf dich wirkt, wie ich es mir erhofft habe smile
Das mit dem Setting ist so eine Sache ^^´
Ich mag eigentlich ein paar einleitende Sätze zum Schauplatz auch sehr gern, aber dieser Roman besteht fast ausschließlich aus sehr, sehr kurzen Kapiteln, deshalb mache ich mir Sorgen, dass es zäh wird, wenn ständig neue Plätze beschrieben werden.

@ Seraiya: Wie schön, dass Dir der Auszug gefallen hat, vielen Dank!
Du hast recht. Diese Stelle habe ich raus genommen, da ich Deiner und LeviathanII´s Meinung bin.

Gute Nacht an alle

W


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Katharina Münz
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 147



BeitragVerfasst am: 10.08.2015 07:37    Titel: Antworten mit Zitat

Vincent Vice. hat Folgendes geschrieben:
Hallo ihr beiden!

Vielen Dank fürs Lesen und die Mühe, ein Feedback zu hinterlassen.

@ Katherina: Es freut, dass mein Prota scheinbar so auf dich wirkt, wie ich es mir erhofft habe smile
Das mit dem Setting ist so eine Sache ^^´
Ich mag eigentlich ein paar einleitende Sätze zum Schauplatz auch sehr gern, aber dieser Roman besteht fast ausschließlich aus sehr, sehr kurzen Kapiteln, deshalb mache ich mir Sorgen, dass es zäh wird, wenn ständig neue Plätze beschrieben werden.


Hallo V. V.,

Gern geschehen!
Wie gesagt, nach etwas Orientierungsschwierigkeiten (Wo bin ich? Wann spielt das ganze?) ordnete ich deinen Protagonisten in die Schublade "Robert Downey Jr.s Sherlock Holmes" ein und mit dieser "Brille" zündete dann beim erneuten Lesen der Text erst richtig.
Daraufhin wurde mir auch bewusst, dass der Rausch zu diesem Gesamteindruck dazugehört. Also keinesfalls rausnehmen, auch wenn ich da eine Minderheitenmeinung vertrete, auch die rhetorischen Fragen an sich selbst, die andere gestrichen sehen wollen, passen für mich perfekt zu deinem Charakter.

Bezüglich der einleitenden Sätze:
Ein Klappentext wäre sicherlich nicht schlecht, in dem du deinen Helden vorstellen (und dem Leser gleich für den ersten Anlauf die von mir beschriebene "Brille" mitliefern) könntest.
Was weiß ich, etwas in der Art von:
"Der xy-jährige [akademischen Titel einsetzen] [Name einsetzen] hat ein Problem: Statt sich mit Fachkollegen zum Kolloquium zu treffen, landet er in seiner Freizeit in Situationen, die für einen [Beruf einsetzen] höchst ungewöhnlich sind ..."

Deinen Einwand mit den kurzen Kapiteln kann ich nachvollziehen, allerdings geht es ja nicht um Landschaftsbeschreibungen in epischer Breite, die bei einem Fantasy-Welt mit grünem Himmel, zwei Sonnen und bevölkert von Humanoiden mit violetter Haut notwendig sein mag, sondern im Falle des Manuskriptanfangs um zwei, drei knackig kurze Sätze, die deinen Leser verankern, ihm den entscheidenden Hinweis geben, dass sich dein Prota in unserer normalen Welt befindet.

Gerade weil du das Ganze in unserem Jetzt und Hier ansiedelst, brauchst du dir diese Mühe nur am Anfang zu machen.
Also, es wäre schön zu wissen, dass wir uns in einer Privatwohnung befinden. Ich verortete das Ganze beim ersten Lesen eher in einer Kneipe.
Disko weniger, dafür fehlten mir die wummernden Bässe und Lichteffekte.
Meist langt es schon, ein, zwei winzige Details zu beschreiben, dann entsteht für den Insider (und das sind wir für unsere heutige Zeit) ein komplettes Bild.
Du weißt, was das für Leute sind, die diese Party schmeißen. Wir nicht. Also wirf uns bitte zwei Zuckerl hin, gebe Hinweise, die uns entweder in Richtung "Studentenbude", "Bürokauffrau-Katalog-Chic", "öko-recycling Bastler" oder "Loft eingerichtet vom Innenarchitekt" tendieren lassen.
Im Endeffekt reicht es dazu, ein einziges Möbelstück zu beschreiben.

Bei den weiteren Schauplätzen der anderen Kapitel kannst du dann mit dem Bild unserer Zeit und Welt spielen, das jeder deiner Leser praktischerweise in seinem Kopf herumträgt. Ich denke, da wird es meistens reichen, den Handlungsort mit einem einzigen Begriff beiläufig zu verorten.

Aber gerade ein Manuskriptanfang unterscheidet sich doch elementar von Kapitelanfängen. Für mein Dafürhalten solltest du darauf eingehen.

Schöne Grüße
Katharina
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Yachen
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 42
Beiträge: 194



BeitragVerfasst am: 10.08.2015 08:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

mir hat beim Lesen keine Schauplatzbeschreibung gefehlt. Die Szene ist für mich aus sich heraus verständlich.

Ich finde sie gut geschrieben.

Den Prota finde ich gar nicht so widersprüchlich. Solche Typen gibt es.

Mich machen der Text und der Typ neugierig. Mehr davon!

LG
Yachen
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Vincent Vice.
Geschlecht:männlichHobbyautor

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BeitragVerfasst am: 11.08.2015 00:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend,

@ Katharina

Wow, danke für dieses lange und aufwändige Feedback.
Ich verstehe, dass du als Leserin gerne meinen Helden direkt näher kennen lernen willst, zumal du ja nichts von ihm weißt, als das was in diesem ersten Kapitel steht. Ich persönlich finde allerdings mehr Gefallen daran im Laufe der Handlung immer mehr Details über den Charakter zu erfahren und nicht schon am Anfang sämtliche Infos zu bekommen.
Klar, in diesem Kapitel erfährt man bis auf ein paar Eigenarten gar nichts über den Prota, das ist vielleicht zu wenig.
Ich werde mir Deine Anmerkung auf jeden Fall merken und mir noch ein paar weitere Meinungen einholen um festzustellen, ob es auch anderen Lesern so geht (Als Schreiber liest man sein eigenes Werk ja immer anders als der Rest der Welt).

Dein Vorschlag gerade am Anfang die Location besser zu beschreiben ist auf jeden Fall sinnig. Ich muss mir noch überlegen ob und wie ich es aber wirklich am Besten umsetze, da ich bisher mit dem Einstieg relativ zufrieden war und noch nicht weiß, wo ich es am Besten einbauen könnte.
Auf jeden Fall werde ich darüber nachdenken und mir Deinen Einwand zu Herzen nehmen!!

Die rhetorischen Fragen, die der Prota an sich selbst stellt werde ich auf keinen Fall streichen, da diese ein absolut wichtiges Merkmal des Erzählstils sind. Schön, dass du da meiner Meinung bist. smile
Den Alkoholrausch habe ich vorerst doch raus genommen (aber die Anmerkung gelassen, dass er angetrunken ist). Unterm Strich finde ich es zu überzogen, wenn die Gedanken noch so klar sind, obwohl er so krass besoffen ist. Allerdings ist mein Prota ein Freund des Alkohols und wird sich noch mehrmals betrinken, weshalb ich in diesem Kapitel gerade so darauf verzichten konnte, anzumerken was für eine harte Partysau er ist. wink

@ Yachen

Freut mich, dass Dir der Text gefallen hat! Danke fürs Reinschauen und Kommentieren.
Die neue Version + Fortsetzung möchte ich gleich einstellen. smile

An alle eine gute Nacht und schöne Träume!


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Murmel
Geschlecht:weiblichSchlichter und Stänker

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Beiträge: 7549
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BeitragVerfasst am: 11.08.2015 00:25    Titel: Antworten mit Zitat

Vincent Vice. hat Folgendes geschrieben:
Den Alkoholrausch habe ich vorerst doch raus genommen (aber die Anmerkung gelassen, dass er angetrunken ist). Unterm Strich finde ich es zu überzogen, wenn die Gedanken noch so klar sind, obwohl er so krass besoffen ist.

Ich finde das gar nicht schlecht, gefällt mir bis auf die Diskrepanz, die schon angesprochen wurde. Angeheitert, ok, das geht durch, aber Vollrausch? Nee, geht nicht. Ich meine geht schon, aber dann leidet die Glaubwürdigkeit der Beobachtungen des Protas, auch das Schmerzempfinden und dergleichen.
Außer du erzählst im Präteritum, dann könnte er im Nachhinein dazu interpretieren.


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*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
*Schwarze Küste - Gmeiner Verlag Februar 2019
*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
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Vincent Vice.
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Beiträge: 435
Wohnort: Heute


BeitragVerfasst am: 11.08.2015 00:39    Titel: Die Füchsin und der Rabe pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hey Leute,

hier die Fortsetzung meines Textes (die neue Version des ersten Kapitels enthielt so wenig Änderungen, dass ich sie doch nicht extra posten wollte).

Dieses Mal ist es recht viel Text, sorry. Aber ich fand es wichtig alles bis hierhin einzustellen, damit der Leser eine Ahnung bekommt, wo ich ungefähr mit der Handlung hin möchte.

Danke für eure Hilfe!

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Marcela

Eine Weile konnte er die Zeit mit Tina genießen. Doch dann kam es, wie es immer kam. Beziehungsähnliche Strukturen nahmen nach und nach ihre Gestalt an und offenbarten, was er ohnehin längst wusste: Der gemeinsame Weg mit Tina erreichte langsam, doch stetig sein Ende.
Die Klauen ihrer Liebesbeziehung begannen langsam nach seiner Freiheit zu greifen und raubten ihm des Nachts den Schlaf. So konnte er mit der Zeit in Tinas Nähe keine Ruhe und Geborgenheit mehr finden. Keine Zuneigung betäubte mehr seine Gedanken, wenn er an Tina dachte. Seine Einsamkeit, welche er sonst um jeden Preis zu bekämpfen versuchte, begann ihm allmählich als höchstes Gut zu erscheinen, das es mit allen Mitteln zu verteidigen galt. Und so stand er sich einmal mehr selbst im Weg.
Komplett unfähig ein ernsthaftes, emotionales Gespräch mit einer Frau zu führen, war er allerdings nicht im Stande, die Beziehung auf herkömmliche Art zu beenden. Nichts fürchtete er mehr und mit nichts wusste er schlechter umzugehen, als mit der Trauer anderer Menschen. Lieber zog er stattdessen deren Wut auf sich und ließ die Frauen durch Hass über ihn hinweg kommen. Ein verdrehter Weg, welcher ihm nach einer Weile des konditionierten Selbstbetruges sogar als richtig, ja nahezu edel erschien. Und so hatte er einen ganz eigenen Weg gefunden, seine androhenden Beziehungen bereits im Keim zu ersticken:
Seine Liebe teilte er gezielt mit weiteren Frauen und ließ sich dabei erwischen, sobald die Zeit des Abschieds kam. So war es stets die Frau, welche seine Beziehungen beendete. Ein sicherer Weg ohne Verantwortung Bindungen zu trennen.
Mit dem Ziel vor Augen nun jemanden zu finden, mit dem er Tina betrügen konnte lud er sich also auf die Feier eines flüchtigen Bekannten ein. Nachdem er mit mehreren Frauen gesprochen hatte fanden sich schließlich zwei potenzielle Kandidatinnen für sein Vorhaben: Lora und Marcela. Tag und Nacht. Schwarz und weiß.
Lora, die vielleicht letzte unschuldige Frau, welche auf die große Liebe wartete und sich bereitwillig blenden ließ.
Daneben Marcela, welche seit Jahren in einer Fernbeziehung steckte und auf der Suche nach dem nächsten Seitensprung war.
Er war heute nicht in Stimmung etwas schönes zu verderben. Nicht, dass er es nicht schon unzählige Male getan hätte. Doch heute wollte er nicht mehr Herzen verderben als unbedingt notwendig. So beschloss er Lora einen Gefallen zu tun und sie ziehen zu lassen. Er tauschte aus Höflichkeit Nummern mit ihr und machte sich im Anschluss daran Marcela näher kennen zu lernen.
Die Wellenlänge stimmte sofort. Zwei Menschen, die einen Weg suchten ihren Partner zu verletzen und traurige Gedanken mit sekundären Glücksgefühlen und Alkohol zu ertränken. Zwei  Menschen, die sich bewusst gegenseitig ausnutzten um ihre kaputte Welt noch ein Wenig kaputter zu machen. Zwei Menschen, denen von Beginn an absolut nichts aneinander lag. Bedeutungslose Seelenverwandtschaft für den Moment. In wenigen Wochen würde er die Affäre angewidert von Marcelas Durchtriebenheit per SMS beenden. Seine letzte SMS an sie würde lauten: Schade, dass es nicht funktioniert hat mit uns. Wir hätten einander verdient


Tina
Bis heute ist Tina eine der hübschesten Frauen mit denen ich je das Bett teilen durfte. Vielleicht sogar die hübscheste- abgesehen von der Füchsin natürlich-.
Kennengelernt habe ich Tina, als ich gerade betrunken von einer Party nach Hause ging. Zu dieser Zeit verdiente ich meinen bescheidenen Unterhalt bereits als Straßenmusiker, weshalb ich eigentlich nie ohne meine Gitarre anzutreffen war. So hatte ich die Klampfe auch dabei, als ich gerade an Tina vorbei stürzte.
Es war bereits vier Uhr morgens und ich war müde. Müde vom Alkohol und den düsteren Gedanken, die mich von Zeit zu Zeit heim suchen wenn ich alleine bin. Deshalb wäre ich an Tina wohl einfach vorbei gelaufen, ohne sie weiter zu beachten. Auch Tina hätte mich sicherlich nicht von sich aus angesprochen. Tatsächlich verdanke ich es dem Typen, der Tina gerade aufreißen wollte, dass ich diese Geschichte überhaupt erzählen kann (ja, danke du Idiot!).
Tina und dieser besagte Kerl, dessen Namen ich nicht mehr weiß -nennen wir ihn einfach mal Opfer- kamen gerade aus der Diskothek und flirteten miteinander. Sie hatten sich erst vor ein paar Minuten kennen gelernt, wie ich später erfahren sollte.
Als Opfer mich mit meiner Gitarre um die Ecke biegen sah, sprach er mich sofort an. "Hey, is das ´ne Gitarre?" "Nein.", gab ich trocken zurück. "Hajo, ist das ne Gitarre. Däs seh ich doch. Geil!"
Mir war sofort klar, dass ich Opfers scharfe Augen nicht belügen konnte. Kein Zweifel: Dieser Mann erkannte eine Gitarre wenn er sie sah... Er bettelte mich an, kurz spielen zu dürfen. Ein ziemlich trauriger Fehler. Bereitwillig händigte ich ihm meine Gitarre aus und lies ihn besoffen ein paar Akkorde klimpern, mit denen er Tina beeindrucken wollte.
Nun musste er spielen und ich hatte freie Bahn, Tina näher kennen zu lernen. Diese ging sehr bereitwillig auf mein Gespräch ein und erzählte mir von ihren Träumen, irgendwann mal eine berühmte Pianistin zu werden und, dass sie jemanden für Gesangsaufnahmen suche.
Ich weiß bis heute nicht, ob das stimmt oder sie einfach gedacht hat, dass ich sie interessanter finde, wenn sie die Musikerkarte ausspielt. Und bis heute ist mir das eigentlich auch ziemlich egal. Wichtig war, dass sie überhaupt Wert darauf legte, dass ich mich für sie interessiere. Während wir so sprachen wurde Opfer allmählich klar, dass er sich ins eigene Fleisch geschnitten hatte und keine Beachtung mehr bekam. Also versuchte er den Spieß rum zudrehen und drückte mir die Gitarre in die Hand "Ey, jetz spiel du au ma was." Wieder ein dummer Fehler. Opfer tat mir etwas Leid, als ich die Gitarre entgegen nahm.
Doch Spiel ist nun einmal Spiel. Ich bin leider kein sonderlich begnadeter Gitarrist. Aber ich habe ein paar Songs geschrieben, die sich ganz gut dafür eignen eine Frau zu beeindrucken. Ich spielte also zwei meiner Songs und tauschte danach ohne große Umwege mit Tina Nummern aus. Opfer schaute dabei so unglücklich zu, wie ein Kind dem man den Lolly geklaut hat. So beschloss ich aus Mitleid (und vor allem Müdigkeit) Opfer seine Chance zu lassen und verabschiedete mich.


In den folgenden Wochen traf ich mich regelmäßig mit Tina. An der Art wie sie mit mir sprach wurde schnell klar, dass sie Wert darauf legte, mich aufgerissen zu haben, statt umgekehrt.
Das ist einer der Gründe, weshalb ich generell finde, dass Sex mit schönen Frauen überbewertet ist. Der optische Vorteil, den sie bieten, gleicht leider fast nie das divenhafte Verhalten und die Arroganz aus. Auch Charaktertiefe findet man natürlich nur selten.
Zudem kann ich eine wahre Schönheit meist nur schwer halten, weil man sehr vorsichtig mit  einer hübschen Frau umgehen muss. Gibt man ihr zu viele Komplimente, wirkt man wie jeder andere Mann, der ihr täglich Honig ums Maul schmiert und wird uninteressant. Gibt man ihr jedoch zu wenig Komplimente wirkt man schüchtern oder zu uninteressiert. Ich empfinde es also oft als Gratwanderung.
Mit Tina hingegen war das anders. Abgesehen von ihrem Ego, welches vielleicht sogar noch gewaltiger war als mein eigenes war sie erstaunlich unkompliziert für ihr Aussehen. Da ich nicht so scharf auf einen Titel war wie sie, ließ ich sie also in dem Glauben, ich wäre ihre Eroberung statt umgekehrt.
So lange ich bei ihr Zuneigung fand sollte mir das nur recht sein. Tinas Vorzüge glichen diese kleine Eigenart schließlich mehr als aus: Sie klammerte nicht, war nicht eifersüchtig und stellte wenig Fragen zu meiner Vergangenheit. Zudem war der Sex mit Tina fantastisch. Alles in allem ein wirklich guter Fang. Vielleicht war sie ja diejenige, mit der ich endlich wieder etwas ernsteres haben sollte? Vielleicht war endlich wieder eine gesunde Beziehung mit einer Frau im Bereich des möglichen?


Nicole

Zum Zeitpunkt dieses Kapitels bin ich bereits seit fünf Monaten mit meiner Lehre als Personaldienstleistungekaufmann fertig. Fünf Monate in denen ich nun schon als Account Manager für eine große Zeitarbeitsfirma arbeite. Ich verdiene mein Geld vereinfacht gesagt damit, dass ich Leuten Jobs andrehe, die nicht zwangsläufig für sie geeignet sind. Gelegentlich kündige ich Mitarbeitern bevor die Probezeit abläuft um Kündigungsfristen zu sparen oder verteile Abmahnungen wegen zu vielen Überstunden.
Kurz: Ich verdiene mein Geld indem ich Leute verarsche und ihre Unwissenheit ausnutze. Und ich verdiene viel Geld damit, denn ich bin gut darin.
An diesem Punkt meines Lebens bin ich emotional noch verkorkst genug um diesen Job auszuüben, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Ich habe mich ohnehin seit Monaten komplett von meinen Gefühlen distanziert, weshalb ich zur Zeit selten ein schlechtes Gewissen habe. Dennoch erwache ich langsam.
Ich merke es selbst noch nicht wirklich, aber mit jedem Tag an dem ich aufstehe werde ich etwas schwermütiger und mit jeder Kündigung, die ich unterschreibe wird die Fratze im Spiegel hässlicher. Es sollte allerdings noch vier Monate bis zu meinem Ausbruch dauern.
Heute gehe ich noch einigermaßen unbeschwert zu meinem Auto um auf die Arbeit zu fahren. Genervt stelle ich fest, dass sich tiefe Kratzer auf der Motorhaube befinden. Schon wieder. Verdammte Katharina! Miese Pyschotante. Ich zücke wütend mein Handy und schreibe ihr.
Alter, lass den Scheiß endlich. Du findest sicher nen anderen Verrückten der mit dir ins Bett geht. Wie wärs mit Joker aus Batman? Oder Hannibal Lecter? Aber hör auf mein Auto zu zerkratzen, du Gestörte.
Ich hole tief Luft "Scheiß drauf", beruhige ich mich. "Zahlt ja die Firma".  Dann setze ich mich in mein Auto und bin froh, dass es nicht explodiert, als ich den Schlüssel umdrehe. Ich checke kurz ob meine Bremsen noch funktionieren und fahre los.
Bis zur Mittagspause verläuft mein Tag relativ gelassen für einen Montag. Ich werde nur einmal telefonisch anonym bedroht, stelle nur eine Kündigung aus und lasse einen Ungarnen einen Arbeitsvertrag unterschreiben, den er unmöglich verstanden haben kann.
Dann bekomme ich Hunger und beschließe die Fußgängerzone aufzusuchen. Ich bin kaum auf der Straße, schon spricht mich eine junge Frau an.
"Hey. Hast du einen Moment Zeit?" Ich erkenne an ihrem Auftreten sofort, dass sie mir irgendwas andrehen will. Ich bin eigentlich nicht wirklich heiß drauf voll gequatscht zu werden. Aber ich bin heiß auf Frauen. Eine Pattsituation also. Ich gebe der Kleinen noch ein paar Sympathiepunkte, weil die erste Frau, die ich bewusst aufreissen wollte ebenfalls so was wie eine Vertreterin war. Schon werde ich nostalgisch... Daniela... Oder Ayrina... Oder wie sie hieß. Wie Auch immer: Die Entscheidung steht. Die Kleine bekommt ihre Chance.
"Klar", sage ich und zwinkere charmant. "Für eine hübsche Frau immer." "Cool", erwidert sie und steigt auf meinen Flirtversuch überhaupt nicht ein. "Du siehst aus wie ein Geschäftsmann mit deinem Anzug und der schicken Krawatte. Bist du einer?" Ich finde das ist ein ziemlich bescheuerter Einstieg für ein Verkaufsgespräch.
"Nicht wirklich.", antworte ich ihr und zucke leicht mit den Schultern. "Ich bin eigentlich mehr so was wie ein Menschenhändler." Die Frau lacht und schlägt mir auf die Schulter. Eigentlich war das nicht als Witz gemeint, aber ich beschließe es einfach mal so stehen zu lassen. Die nächsten Minuten ziehen sich ziemlich in die Länge. Sie labert irgendwas von Uhren und deren Vertrieb und dass sie Leute rekrutiert, die dann selbst auch Leute anwerben können und dadurch Geld verdienen.
Ich verstehe aber eigentlich nur "Bla, bla, bla, Schneeballsystem, bla, bla, bla,..." Dennoch höre ich mir den Quatsch mehr oder weniger interessiert an. Und endlich wird meine Geduld belohnt.
Ich erkläre ihr, dass ich gerade leider wenig Zeit habe, aber wir ja einfach die Nummern tauschen und uns mal auf ein Feierabendbier treffen können, dann höre ich mir gerne alles an. Sie springt drauf an. Natürlich.
Ich umarme sie zum Abschied und gebe ihr einen kleinen Kuss auf den Hals, damit die Fronten direkt klar sind. Dann lasse ich sie verwirrt stehen und gehe. Sie will mir Uhren andrehen? Auf keinen Fall! Ich werde ihr stattdessen mein Produkt verkaufen. Und das sehr eindringlich.


Chatverlauf zwischen der Füchsin und mir - Teil 3

Füchsin: Hey

Ich: Hey smile Schön von dir zu hören. Wie geht´s dir? Alles gut?

Füchsin: Ja. Müdeeee. Daniel und ich haben die Küche vergrößert. Jetzt sind da 60 cm mehr Platz.

Füchsin: Mein Königreich wächst langsam, aber sicher. Bald gehört mir die Welt!

Ich: Wow! 60 cm? Geil! Das reicht sogar fast um ne Paprika zu schneiden! Yeah! lol2

Füchsin: Blödmann. Razz Das reicht sogar um ne Gurke zu schneiden.

Ich: Krass Oo Dann lohnt sich der Aufwand ja richtig.

Ich: Wie geht es dir, Füchsin? Kümmert sich Daniel gut um dich?

Füchsin: Du weißt doch wie es ist.

Füchsin: Es funktioniert gut.

Ich: Es funktioniert?

Ich: Wow!

Ich: Das klingt ja nach zügelloser Leidenschaft...

Füchsin: Hör auf. Ich wollte es so. Und es reicht mir.

Füchsin: Mein Leben mit Daniel ist endlich mal planbar. Er bietet Sicherheit und Zuflucht. Nicht ständig irgendwelche dummen, kindlichen Aktionen und Auseinandersetzungen mit der Polizei wink

Ich: Bitte... Du übertreibst vollkommen.

Ich: Außerdem hält so was jung Sich kaputt lachen

Füchsin: Werd lieber mal erwachsen, du Dödel :,D

Ich: Ok

Ich: Können wir uns sehen?

Füchsin: Ich würde gerne. Aber du weißt, dass das nicht geht.


Victoria

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BeitragVerfasst am: 11.08.2015 00:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Murmel,

da ist ja noch jemand außer mir wach zu so später Stunde smile

Ja, ich sehe das genauso, habe es nur beim Reinstellen gar nicht bedacht. Sich kaputt lachen

Danke fürs Reinschauen!

LG

W


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BeitragVerfasst am: 11.08.2015 00:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Murmel,

da ist ja noch jemand außer mir wach zu so später Stunde smile

Ja, ich sehe das genauso, habe es nur beim Reinstellen gar nicht bedacht.

Danke fürs Reinschauen!

LG

W

Edit: Sorry, für Doppelpost, ich bin scheinbar zu dumm zum editieren....


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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 11.08.2015 01:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo VincentVice,

ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass meine Kommavorschläge alle korrekt sind. Ein paar Fehler und Wiederholungen sind mir aufgefallen.
Ansonsten, hm. Ich kann es nicht ändern. Es gefällt mir einfach noch immer sehr, sehr gut. smile
Ich würde ja meckern, aber ich finde nix abgesehen von dem, was ich markiert habe. Wink Ich mag den Stil und wie du mir einen Einblick in die Gedanken - und Gefühlswelt deines Protas (könnten auch zwei Männer sein.) vermittelst. Ich finde ihn durchaus charmant und witzig dargestellt, auch wenn er wohl ein kleines A*loch ist. (Die Sympathie geht im letzten Absatz allerdings verloren.)
Hin und wieder war ich mir wegen der Zeit unsicher, ich weiß nur nicht mehr wo ... . Gefallen haben mir auch die versch. Perspektiven. Passt für mich.
Das "dass" habe ich nur markiert, wenn es mir häufig hintereinander auffiel.



Zitat:
  Marcela

Eine Weile konnte er die Zeit mit Tina genießen. Doch dann kam es, wie es immer kam. Beziehungsähnliche Strukturen nahmen nach und nach ihre Gestalt an und offenbarten, was er ohnehin längst wusste: Der gemeinsame Weg mit Tina erreichte langsam, doch stetig <- die Forumulierung gefällt mir nicht. Ich würde das simple "aber sicher" bevorzugen oder es ganz streichen. sein Ende.
Die Klauen ihrer Liebesbeziehung begannen langsam nach seiner Freiheit zu greifen und raubten ihm des Nachts <- das würde ich auch streichen oder "in der Nacht" schreiben, aber eher streichen. den Schlaf. So konnte er mit der Zeit in Tinas Nähe keine Ruhe und Geborgenheit mehr finden. Keine Zuneigung betäubte mehr seine Gedanken, wenn er an Tina dachte. <- ich würde das auch streichen. Ich denke, das ist ersichtlich Seine Einsamkeit, welche er sonst um jeden Preis zu bekämpfen versuchte, begann ihm allmählich als höchstes Gut zu erscheinen, das es mit allen Mitteln zu verteidigen galt. <- ich liebe diesen Satz! Und so stand er sich einmal mehr selbst im Weg.
Komplett unfähig ein ernsthaftes, emotionales Gespräch mit einer Frau zu führen, war er allerdings nicht im Stande, die Beziehung auf herkömmliche Art zu beenden. Nichts fürchtete er mehr und mit nichts wusste er schlechter umzugehen, als mit der Trauer anderer Menschen. Lieber zog er stattdessen deren Wut auf sich und ließ die Frauen durch Hass über ihn hinweg kommen. <- hinwegkommen Ein verdrehter Weg, welcher ihm nach einer Weile des konditionierten Selbstbetruges sogar als richtig, ja nahezu edel erschien. Und so hatte er einen ganz eigenen Weg gefunden, seine androhenden Beziehungen bereits im Keim zu ersticken:
Seine Liebe teilte er gezielt mit weiteren Frauen und ließ sich dabei erwischen, sobald die Zeit des Abschieds kam. So war es stets die Frau, welche seine Beziehungen beendete. Ein sicherer Weg ohne Verantwortung Bindungen <- würde ich umdrehen: "Bindungen ohne Verantwrtung ..." zu trennen.
Mit dem Ziel vor Augen nun jemanden zu finden, mit dem er Tina betrügen konnte Komma? lud er sich also auf die Feier eines flüchtigen Bekannten ein. Nachdem er mit mehreren Frauen gesprochen hatte Komma fanden sich schließlich zwei potenzielle Kandidatinnen für sein Vorhaben: Lora und Marcela. Tag und Nacht. Schwarz und weiß.
Lora, die vielleicht letzte unschuldige Frau, welche auf die große Liebe <- Eigenname "Große Liebe" wartete und sich bereitwillig blenden ließ.
Daneben Marcela, welche seit Jahren in einer Fernbeziehung steckte und auf der Suche nach dem nächsten Seitensprung war.
Er war heute nicht in Stimmung etwas schönes<- Schönes zu verderben. Nicht, dass er es nicht schon unzählige Male getan hätte. Doch heute wollte er nicht mehr Herzen verderben Komma? als unbedingt notwendig. So beschloss er Komma? Lora einen Gefallen zu tun und sie ziehen zu lassen. Er tauschte aus Höflichkeit Nummern mit ihr und machte sich im Anschluss daran Marcela näher kennen zu lernen.<- kennenzulernen
Die Wellenlänge stimmte sofort. Zwei Menschen, die einen Weg suchten ihren Partner zu verletzen und traurige Gedanken mit sekundären Glücksgefühlen und Alkohol zu ertränken. <- schöner Satz Zwei  Menschen, die sich bewusst gegenseitig ausnutzten um ihre kaputte Welt noch ein Wenig kaputter zu machen. Zwei Menschen, denen von Beginn an absolut nichts aneinander lag. Bedeutungslose Seelenverwandtschaft für den Moment.<- ist mir dann zuviel des Guten In wenigen Wochen würde er die Affäre angewidert von Marcelas Durchtriebenheit per SMS beenden. Seine letzte SMS an sie würde lauten: Schade, dass es nicht funktioniert hat mit uns. Wir hätten einander verdient


Tina
Bis heute ist Tina eine der hübschesten Frauen Komma? mit denen ich je das Bett teilen durfte. Vielleicht sogar die hübscheste- abgesehen von der Füchsin natürlich-.
Kennengelernt habe ich Tina, als ich gerade betrunken von einer Party nach Hause ging. Zu dieser Zeit verdiente ich meinen bescheidenen Unterhalt bereits als Straßenmusiker, weshalb ich eigentlich nie ohne meine Gitarre anzutreffen war. So hatte ich die Klampfe auch dabei, als ich gerade an Tina vorbei stürzte.<- glaube zusammen
Es war bereits vier Uhr morgens und ich war müde. Müde vom Alkohol und den düsteren Gedanken, die mich von Zeit zu Zeit heim suchen <- heimsuchen Komma? wenn ich alleine bin. Deshalb wäre ich an Tina wohl einfach vorbei gelaufen, <- vorbeigelaufen ohne sie weiter zu beachten. Auch Tina hätte mich sicherlich nicht von sich aus angesprochen. Tatsächlich verdanke ich es dem Typen, der Tina gerade aufreißen wollte, dass ich diese Geschichte überhaupt erzählen kann (ja, danke du Idiot!).
Tina und dieser besagte Kerl, dessen Namen ich nicht mehr weiß -nennen wir ihn einfach mal Opfer- kamen gerade aus der Diskothek und flirteten miteinander. Sie hatten sich erst vor ein paar Minuten kennen gelernt, <- kennengelernt wie ich später erfahren sollte.
Als Opfer mich mit meiner Gitarre um die Ecke biegen sah, sprach er mich sofort an. "Hey, is das ´ne Gitarre?" "Nein.", gab ich trocken zurück. "Hajo, ist das ne Gitarre. Däs seh ich doch. Geil!"
Mir war sofort klar, dass ich Opfers scharfe Augen nicht belügen konnte. Kein Zweifel: Dieser Mann erkannte eine Gitarre wenn er sie sah... Er bettelte mich an, kurz spielen zu dürfen. Ein ziemlich trauriger Fehler. Bereitwillig händigte ich ihm meine Gitarre aus und lies <- ließ ihn besoffen ein paar Akkorde klimpern, mit denen er Tina beeindrucken wollte.
Nun musste er spielen und ich hatte freie Bahn, Tina näher kennen zu lernen. <- kennenzulernen Diese ging sehr bereitwillig auf mein Gespräch ein und erzählte mir von ihren Träumen, irgendwann mal eine berühmte Pianistin zu werden und, dass sie jemanden für Gesangsaufnahmen suche.
Ich weiß bis heute nicht, ob das stimmt oder sie einfach gedacht hat, dass ich sie interessanter finde, wenn sie die Musikerkarte ausspielt. Und bis heute ist mir das eigentlich auch ziemlich egal. Wichtig war, dass sie überhaupt Wert darauf legte, dass ich mich für sie interessiere. Während wir so sprachen wurde Opfer allmählich klar, dass er sich ins eigene Fleisch geschnitten hatte und keine Beachtung mehr bekam. Also versuchte er den Spieß rum zudrehen <- umzudrehen und drückte mir die Gitarre in die Hand "Ey, jetz spiel du au ma was." Wieder ein dummer Fehler. Opfer tat mir etwas Leid, als ich die Gitarre entgegen nahm.
Doch Spiel ist nun einmal Spiel. Ich bin leider kein sonderlich begnadeter Gitarrist. Aber ich habe ein paar Songs geschrieben, die sich ganz gut dafür eignen eine Frau zu beeindrucken. Ich spielte also zwei meiner Songs und tauschte danach ohne große Umwege mit Tina Nummern aus. Opfer schaute dabei so unglücklich zu, wie ein Kind dem man den Lolly geklaut hat. So beschloss ich aus Mitleid (und vor allem Müdigkeit) Opfer seine Chance zu lassen und verabschiedete mich.


In den folgenden Wochen traf ich mich regelmäßig mit Tina. An der Art wie sie mit mir sprach Komma? wurde schnell klar, dass sie Wert darauf legte, mich aufgerissen zu haben, statt umgekehrt.
Das ist einer der Gründe, weshalb ich generell finde, dass Sex mit schönen Frauen überbewertet ist. Der optische Vorteil, den sie bieten, gleicht leider fast nie das divenhafte Verhalten und die Arroganz aus. Auch Charaktertiefe findet man natürlich nur selten.
Zudem kann ich eine wahre Schönheit meist nur schwer halten, weil man sehr vorsichtig mit einer hübschen Frau umgehen muss. Gibt man ihr zu viele Komplimente, wirkt man wie jeder andere Mann, der ihr täglich Honig ums Maul schmiert und wird uninteressant. Gibt man ihr jedoch zu wenig Komplimente wirkt man schüchtern oder zu uninteressiert. <- desinteressiert Ich empfinde es also oft als Gratwanderung.
Mit Tina hingegen war das anders. Abgesehen von ihrem Ego, welches vielleicht sogar noch gewaltiger war als mein eigenes Komma war sie erstaunlich unkompliziert für ihr Aussehen. Da ich nicht so scharf auf einen Titel war wie sie, ließ ich sie also in dem Glauben, ich wäre ihre Eroberung statt umgekehrt.
So lange ich bei ihr Zuneigung fand Komma sollte mir das nur recht sein. Tinas Vorzüge glichen diese kleine Eigenart schließlich mehr als aus: Sie klammerte nicht, war nicht eifersüchtig und stellte wenig Fragen zu meiner Vergangenheit. Zudem war der Sex mit Tina fantastisch. Alles in allem ein wirklich guter Fang. Vielleicht war sie ja diejenige, mit der ich endlich wieder etwas ernsteres <- Ernsteres haben sollte? Vielleicht war endlich wieder eine gesunde Beziehung mit einer Frau im Bereich des möglichen?


Nicole

Zum Zeitpunkt dieses Kapitels bin ich bereits seit fünf Monaten mit meiner Lehre als Personaldienstleistungekaufmann fertig. Fünf Monate Komma in denen ich nun schon als Account Manager für eine große Zeitarbeitsfirma arbeite. Ich verdiene mein Geld Komma? vereinfacht gesagt damit, dass ich Leuten Jobs andrehe, die nicht zwangsläufig für sie geeignet sind. Gelegentlich kündige ich Mitarbeitern Komma? bevor die Probezeit abläuft Komma um Kündigungsfristen zu sparen oder verteile Abmahnungen wegen zu vielen Überstunden.
Kurz: Ich verdiene mein Geld Komma indem ich Leute verarsche und ihre Unwissenheit ausnutze. Und ich verdiene viel Geld damit, denn ich bin gut darin.
An diesem Punkt meines Lebens bin ich emotional noch verkorkst genug Komma um diesen Job auszuüben, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Ich habe mich ohnehin seit Monaten komplett von meinen Gefühlen distanziert, weshalb ich zur Zeit selten ein schlechtes Gewissen habe. Dennoch erwache ich langsam.
Ich merke es selbst noch nicht wirklich, aber mit jedem Tag an dem ich aufstehe Komma? werde ich etwas schwermütiger und mit jeder Kündigung, die ich unterschreibe Komma? wird die Fratze im Spiegel hässlicher. Es sollte allerdings noch vier Monate bis zu meinem Ausbruch dauern.
Heute gehe ich noch einigermaßen unbeschwert zu meinem Auto Komma? um auf die Arbeit zu fahren. Genervt stelle ich fest, dass sich tiefe Kratzer auf der Motorhaube befinden. Schon wieder. Verdammte Katharina! Miese Pyschotante. Ich zücke wütend mein Handy und schreibe ihr.
Alter, lass den Scheiß endlich. Du findest sicher nen anderen Verrückten der mit dir ins Bett geht. Wie wärs mit Joker aus Batman? Oder Hannibal Lecter? Aber hör auf mein Auto zu zerkratzen, du Gestörte.
Ich hole tief Luft "Scheiß drauf", beruhige ich mich. "Zahlt ja die Firma".  Dann setze ich mich in mein Auto und bin froh, dass es nicht explodiert, als ich den Schlüssel umdrehe. Ich checke kurz ob meine Bremsen noch funktionieren und fahre los.
Bis zur Mittagspause verläuft mein Tag relativ gelassen für einen Montag. Ich werde nur einmal telefonisch anonym bedroht, stelle nur eine Kündigung aus und lasse einen Ungarnen <- Ungarn oder? einen Arbeitsvertrag unterschreiben, den er unmöglich verstanden haben kann.
Dann bekomme ich Hunger und beschließe die Fußgängerzone aufzusuchen. Ich bin kaum auf der Straße, schon spricht mich eine junge Frau an.
"Hey. Hast du einen Moment Zeit?" Ich erkenne an ihrem Auftreten sofort, dass sie mir irgendwas andrehen will. Ich bin eigentlich nicht wirklich heiß drauf voll gequatscht zu werden. Aber ich bin heiß auf Frauen. Eine Pattsituation also. Ich gebe der Kleinen <- ist die abwertende Art hier Absicht? noch ein paar Sympathiepunkte, weil die erste Frau, die ich bewusst aufreissen wollte ebenfalls so was <- sowas wie eine Vertreterin war. Schon werde ich nostalgisch... Daniela... Oder Ayrina... Oder wie sie hieß. Wie Auch immer: Die Entscheidung steht. Die Kleine bekommt ihre Chance.
"Klar", sage ich und zwinkere charmant. "Für eine hübsche Frau immer." "Cool", erwidert sie und steigt auf meinen Flirtversuch überhaupt nicht ein. "Du siehst aus wie ein Geschäftsmann mit deinem Anzug und der schicken Krawatte. <- könnte von mir aus raus Bist du einer?" Ich finde Komma das ist ein ziemlich bescheuerter Einstieg für ein Verkaufsgespräch.
"Nicht wirklich.", antworte ich ihr und zucke leicht mit den Schultern. "Ich bin eigentlich mehr so was <- sowas wie ein Menschenhändler." Die Frau lacht und schlägt mir auf die Schulter. Eigentlich war das nicht als Witz gemeint, aber ich beschließe es einfach mal so stehen zu lassen. <- stehenzulassen, glaub ich Die nächsten Minuten ziehen sich ziemlich in die Länge. Sie labert irgendwas von Uhren und deren Vertrieb und dass sie Leute rekrutiert, die dann selbst auch Leute anwerben können und dadurch Geld verdienen.
Ich verstehe aber eigentlich nur "Bla, bla, bla, Schneeballsystem, bla, bla, bla,..." Dennoch höre ich mir den Quatsch mehr oder weniger interessiert an. <- das passt für mich nicht, wenn man bedenkt, dass er nur "bla bla" versteht. Er lässt den Quatsch für mich eher über sich ergehen und hofft, dass sie bald zum Ende kommt. Und endlich wird meine Geduld belohnt.
Ich erkläre ihr, dass ich gerade leider wenig Zeit habe, aber wir ja einfach die Nummern tauschen und uns mal auf ein Feierabendbier treffen können, dann höre ich mir gerne alles an. Sie springt drauf an. Natürlich.
Ich umarme sie zum Abschied und gebe ihr einen kleinen Kuss <- wie gibt man denn einen großen Kuss? Wink auf den Hals, damit die Fronten direkt klar sind. Dann lasse ich sie verwirrt stehen und gehe. Sie will mir Uhren andrehen? Auf keinen Fall! Ich werde ihr stattdessen mein Produkt verkaufen. Und das sehr eindringlich.   


Noch etwas:
Zitat:
  Füchsin: Mein Leben mit Daniel ist endlich mal planbar. Er bietet Sicherheit und Zuflucht.   

Das mit der "Zuflucht" finde ich seltsam. So redet mMn niemand.


LG,
Seraiya


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Katharina Münz
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BeitragVerfasst am: 11.08.2015 07:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo V. V.,

hm. Also leider muss ich feststellen, dass die Fortsetzung deines Textes mich nicht mitnehmen kann.

Ehrlich gesagt hatte mich im ersten Kapitel die Unmittelbarkeit, mit der uns du die Gedanken eines widersprüchlichen Charakters nahebringst, sehr angesprochen.

Doch mit dem zweiten Kapitel landen wir in der personalen Er-Perspektive im Präteritum. Der Stil der Erzählung ist völlig verändert.

Wie Seraya vermute ich, dass wir es mit zwei männlichen Protagonisten zu tun haben könnten und frage mich, warum der Autor meine Aufmerksamkeit von dem interessanten Ich-Erzähler des 1. Kapitels abzieht und sie auf die langweiligen Gedanken des anderen Typen zu lenken versucht.

Andererseits scheint der Protagonist des zweiten Kapitels mit seiner Beziehungsunfähigkeit durchaus zum Ich-Erzähler passen zu können.
Das verwirrt mich.

Dann switchst du im dritten Kapitel wieder zum Ich-Erzähler - diesmal jedoch Präteritum - und ich frage mich, war Kapitel 1 mit dem Präsens ein Prolog, der den Ausblick gibt auf die Auflösung und jetzt befinde ich mich in einer Zeitschleife der Erzählung, in der mir "wie alles begann" nahegebracht werden soll?
Und mit dem vierten Kapitel schleuderst du den Leser dann wieder ins Präsens, und all meine Überlegungen zu zeitlichen und personalen Zuordnungen stürzen wieder zusammen.

Das ganze könnte mich vielleicht gebannt halten, wenn ich a) eine Linie erkennen könnte, eine Message, die dein Plot rüberbringen will, nennen wir das Kind beim Namen: Einen Spannungsbogen.
Oder wenn b) Sprache und Stil auf dem Niveau des 1. Kapitels blieben. In der Fortsetzung stolpere ich wiederholt über "welche/r/s" anstatt schlichter "der/die/das". Mit gutem Grund wird Soraya die Sätze "Seine Einsamkeit ..." und "Zwei Menschen, ..." als ihre Lieblingssätze im 2. Kapitel markiert haben, verzichtest du dort doch auf die sperrige "welche"-Konstruktion.
Was fällt mir noch auf? Die Klauen beginnen zu greifen, anstatt direkt zuzupacken, mir sind ein Ticken zu viel Füllwörter drin.
Doch das ist Autoren-Sicht, keine unvoreingenommene Leser-Kritik.

Als Leser verlierst du mich in den auf das fulminante erste Kapitel folgenden.

Dein Text kann mein anfängliches Interesse nicht halten.
Im Falle einer Leseprobe würde ich mit einem Achselzucken wegklicken.
"Da passt der Klappentext nicht", wäre mein Gedanke angesichts deiner Einordnung.
Humorvolle Ansätze waren im ersten Kapitel da, sonst suche ich sie vergebens. Um Liebe scheint es auch nicht zu gehen, eher darum, wechselnde Lebensabschnittsgefährten zu konsumieren. Welcher Spannungsbogen einen Roman tragen könnte, wird mir nicht klar und unterhalten hat mich nur das erste Kapitel (das super als Kurzgeschichte funktionieren könnte).

Alles in Allem stelle ich fest, dass ich nicht deiner Zielgruppe anzugehören scheine.
Deshalb solltest du schleunigst alle meine Anmerkungen zum ersten Kapitel vergessen und dich ausschließlich von den Leuten leiten lassen, denen der weitere Verlauf deines Textes zusagt.

Nichts schlimmer, als wenn man sich von der falschen Zielgruppe reinreden lässt, das kann einen viel Zeit und noch viel mehr Energie kosten, um das wieder auszugleichen.

Also nimm bitte die rhetorischen Fragen raus, meine Minderheiten-Meinung hat sich als komplett überflüssig erwiesen. Und ebenso das mit der räumlichen Verortung oder gar einem hinführenden Klappentext. Vergiss es!

Ich möchte noch klarstellen, dass ich deinen Text keinesfalls abwerten möchte. Es gibt einfach unterschiedliche Geschmäcker.
So lange es genügend Bücher in jeder "Geschmacksrichtung" gibt, ist es kein Problem, für jeden Leser-"Topf" den passenden Buch-"Deckel" zu finden.
Ich habe mich einfach im Regal vergriffen und stelle jetzt fest, dass dein Deckel einen ganz anderen Durchmesser hat als mein Topf.
Das passiert mir im Buchladen auch hin und wieder, so lange ich es dank Blick ins Buch feststelle, ehe ich an der Kasse war, ist es ja kein Problem. Ärgerlich ist es nur, wenn eine Leseprobe eine Topfdeckelgröße verspricht, die der Text dann nicht halten kann.

Aber bei deinem Text befinden wir uns ja noch im Umfang einer Leseprobe, von daher:
Weiter so, viel Erfolg und gutes Gelingen, viele begeisterte Leser - nur ich bin an dieser Stelle raus.

Schöne Grüße
Katharina
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Yachen
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BeitragVerfasst am: 11.08.2015 10:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

mich hat der erste Teil in der 3. Person nicht angesprochen. Zu hart und analytisch formuliert für meinen Geschmack. Und wieso Tina, wenn die erst hinterher auftaucht? Oder sind es doch zwei Protas?

Dass ich diese Fragen stelle, heißt nicht, dass es mich neugierig zum Weiterlesen macht. Ich finde es verwirrend. Wo ist denn der Typ aus dem ersten Kapitel? Ich erkenne ihn nicht. Im ersten Kapitel ist er so interessant. Solche Typen versemmeln es meist nicht unbedingt absichtlich, sondern treiben einfach von Frau zu Frau. Und nach meiner Einschätzung wissen die Frauen das auch und erwarten keine Beziehung. So war jedenfalls meine Erwartungshaltung nach dem Lesen.

Ich steige bei deinem zweiten Abschnitt überhaupt nicht durch.

Aber ich bin auch der Meinung, dass ich evtl. nicht zur Zielgruppe gehöre, sodass du besser auf die Meinungen derer hören solltest, die was mit dem Text anfangen können.

LG
Yachen
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Vincent Vice.
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BeitragVerfasst am: 11.08.2015 12:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Leute,

@ Seraiya: Freut mich, dass es Dir weiterhin gefällt.
Na, das was Du markiert hast ist doch schon eine Menge. Vielen Dank für Deine Mühe! Ich werde mich heute Abend ran setzen und den Auszug noch einmal mit Hilfe Deiner Vorschläge betrachten und überarbeiten.

@ Katharina: Schade, dass Dich der Text nicht halten konnte. Vielleicht hast du wirklich recht und bist einfach nicht Teil der Zielgruppe. Leider weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht, ob es überhaupt eine Zielgruppe für diese Schreibart gibt. Deshalb habe ich auch beschlossen mir eure Meinung im Forum einzuholen.
Ich mag verworrene Chronologien und eher subtile Handlungsstränge, aber ich habe befürchtet, dass mein Spannungsbogen für viele nicht ersichtlich bzw. nicht ausreichend sein könnte (dieser besteht übrigens aus der Beziehung zwischen dem Protagonisten und der Füchsin, welche immer nur häppchenweise voran getrieben wird. Es soll also schon so etwas wie eine Liebesgeschichte sein.) Die vielen Frauen sollen später dazu benutzt werden, das Ganze chronologisch einordnen zu können.
Auch die verschiedenen Perspektiven haben natürlich einen Zweck.
Aber wenn ich das alles erklären muss funktioniert die Idee wohl nicht richtig.
Oder man muss dem Roman vielleicht eine Chance geben sich aufzubauen, damit die Idee zünden kann?
Na ja, die Zeit wird es zeigen.

Und auch wenn Du Dich nicht mit meinem Roman angesprochen hast, waren viele Dinge, die du geschrieben hast hilfreich.
Was mir davon gefällt werde ich natürlich trotzdem berücksichtigen Razz
Danke, dass Du bis hierhin dabei warst und mir noch so eine ausführliche Kritik geschrieben hast. smile

@ Yachen

Ich habe das erste und dritte Kapitel vertauscht, damit der Leser für die Zukunft weiß, dass dieser Roman nicht chronologisch geordnet ist. Hat wohl nicht so ganz geklappt. Ich überlege das zu ändern, wenn es auch andere so sehen.

Der Prota ist sich selbst und vor allem anderen gegenüber locker und selbstsicher, weil er alles unter der Spitze des Eisberges verdrängt (Deshalb sollte das zweite Kapitel auch in der Er- Perspektive sein. Sich selbst gegenüber wäre der Prota nicht so ehrlich). Er ist nicht wirklich ein lässiger Aufreißer, sondern jemand, der diese Rolle annimmt (was ich natürlich später noch weiter erläutern möchte).

Ich bin nicht der Meinung, dass jeder Frau klar ist, worauf sie sich einlässt, wenn sie mit so einem Typen mitgeht. Es gibt solche und solche (Schlaue und weniger Schlaue?smile extra

Vielleicht gehörst auch du wirklich nicht zur Zielgruppe. Vielleicht ist meine experimentelle Idee auch einfach Quatsch. Keine Ahnung...  Mal sehen. :)Aber danke auch an Dich, dass Du mir bis hierhin geholfen hast einen anderen Blickwinkel zu bekommen.

Einen schönen Tag an alle!

LG

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BeitragVerfasst am: 18.08.2015 16:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Leute, hier ist Teil 3 smile

_______________

Victoria

Viele Menschen denken, dass man entweder beim anderen Geschlecht ankommt oder eben nicht. Sie halten Attraktivität für eine Gott gegebene Gabe. Und wer diese nicht von Geburt an besitzt, muss sich nun mal damit abfinden. Ich bin da entschieden anderer Ansicht. Natürlich kann kein Mann absolut jede Frau erobern, die er begehrt (umgekehrt bin ich mir allerdings oft weniger sicher). Und nicht jeder hat die Veranlagung, ein Don Juan zu werden.
Dennoch besteht das Flirten an sich aus absolut definierten Mechanismen, die jedes Mal ähnlich sind. Es gibt klar erkennbare Fehler, die die meisten Männer beim Aufreißen machen. Wenn man diese Fehler kennt und zu verhindern lernt, wird man schon als wesentlich begehrenswerter wahrgenommen, ohne dass man komplizierte Verführungstechniken erlernt oder seine Person komplett geändert haben muss.
Leider ist hier nicht genügend Platz um auf all diese Fehler einzugehen. Aber einen wertvollen Rat möchte ich meinen männlichen Kollegen an dieser Stelle doch gerne mit auf den Weg geben. Vielleicht ist es sogar der wertvollste Rat, den man zu diesem Thema bekommen kann:
Behandelt Frauen, die ihr attraktiv findet wie eure kleine Schwester. Wenn ihr diesen Gedanken wirklich verinnerlicht, werdet ihr irgendwann keine Scheu mehr spüren mit Frauen zu reden, sondern genießt ihre Gesellschaft und seid absolut entspannt im Gespräch. Frauen sind sehr feinfühlige Wesen. Sie merken es wenn ein Mann schüchtern oder unbeholfen ist. Deshalb wirken erste Dates oft wie unangenehme Vorstellungsgespräche.
Hingegen lieben es die meisten Frauen, wenn der Mann ihr erklären kann wie die Welt funktioniert und in der Lage ist, sie vor Gefahr zu beschützen. Um dies zu erreichen gilt in Zukunft also: Der kleine Feger an der Bar ist eure kleine Schwester! Nur besser natürlich, weil ihr mit ihr schlafen dürft, ohne dass es komisch ist. Vorausgesetzt ihr bekommt überhaupt noch einen hoch und seht nicht ständig eure Schwester vor euch...
Dinge wie diesen kleinen Rat lernte ich sehr eifrig zu dem Zeitpunkt an dem ich Victoria kennen lernte. Ich hatte vor ihr schon mit der ein oder anderen Frau geschlafen und auch das Spiel des Flirtens war mir nicht mehr völlig fremd. Dennoch war ich eher unerfahren in der Materie und noch ein Wenig unbeholfen. Deshalb sammelte ich bei jeder nur möglichen Gelegenheit Erfahrung, eignete mir unter Zwang verschiedene Techniken an und gab billig einstudierte Anmachsprüche zum Besten.
Ich sah flirten noch nicht als ein amüsantes Spiel, sondern eher als hochkomplizierten mathematischen Vorgang, den es durch unendlich viel Theorie zu meistern galt. Auch Körbe nahm ich zu diesem Zeitpunkt noch viel zu persönlich und ließ mir oft schon nach drei Laufpässen den Abend ruinieren.
Die Wende kam in der Nacht, in der ich Victoria ansprach. Ich war in einer Discothek und wie damals üblich um jeden Preis auf der Suche nach der Nummer einer Frau (Gott, wie erbärmlich ich war...). Ich hatte schon vier oder fünf Körbe an dem Abend kassiert. Zudem war mein Alkoholpegel jenseits von gut und böse, was damals noch einen sehr starken Einfluss auf mein Flirtverhalten hatte.
Kurz: Meine Stimmung und Verfassung waren nahezu vollkommen im Eimer. Eigentlich ist genau dies der Punkt an dem man es einfach mal sein lassen und die Party verlassen sollte.
Darin war ich aber leider nie sonderlich gut. Zudem bekam ich Panikzustände bei der Aussicht noch eine Nacht mit meinen Gedanken alleine zu sein. Ich hielt also Ausschau nach hübschen Damen und wurde schließlich in der Loungecke des Clubs fündig.
Eine Gruppe von fünf Frauen saß auf der Couch und schlürfte bunte Cocktails. Alle plapperten wie wilde Hühner zeitgleich vor sich hin, so dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass überhaupt eine der fünf eine Zuhörerin hatte. Schnell lief ich auf die Gruppe zu, bevor ich es mir anders überlegte.
"Hi. Darf ich mich zu euch setzen?", fragte ich und war überrascht wie nüchtern dieser Satz in meinen Ohren klang. Die Damen hörten schlagartig auf zu quasseln, starrten mich kurz an als hätte ich gefragt, ob Elvis noch lebt und nickten dann unsicher. Ich quetschte mich wankend auf die Mitte der Couch.
Nachdem wir uns alle vorgestellt hatten, blieb ich bei Victoria hängen. Sie war nicht die schönste Frau der Gruppe, aber meiner Verfassung entsprechend sah ich sie als vielversprechenste Wahl an (damals wusste ich noch nicht, dass der sicherste Weg eine hübsche Frau rum zu bekommen ohnehin der ist, ihre weniger hübsche Freundin anzusprechen).
Nach den ersten paar Sätzen begann ich ihr von meinem Beruf zu erzählen. Dass ich gerade meine Ausbildung zum Personaldienstleister abschloss und von einem großen Konzern für viel Geld übernommen würde, dass ich auf der Suche nach der richtigen Frau bin, bla, bla, bla.
Kurz: Ich redete mich um Kopf und Kragen. Ich erzählte viel zu viel und nur die Dinge, für die ich mich heute bei anderen Männern fremd schäme. Victoria hörte mir eine Weile gelangweilt zu und sagte dann: "Weiß du, das klingt alles total abgedroschen. Ich habe das Gefühl, dass das so ´ne Bandansage ist, die du jeder Frau vorspielst."
Ich nahm mir die Zeit einen Schluck Bier zu nehmen, während ich meine Antwort überdachte. "Ich bin froh, dass mir das mal jemand sagt", entgegnete ich anschließend. "Sonst sind die Frauen nicht so ehrlich zu mir, weil sie Angst haben mich dann nicht ins Bett zu bekommen." Victoria lachte freundlicherweise über meinen blöden Scherz. Sie sagte mir, dass ich eigentlich ins Fernsehen gehen sollte und sprach noch ein paar Minuten über ihren Alltag, dann verabschiedeten wir uns höflich.
Heute bin ich Victoria sehr dankbar für ihre offenen Worte und die wertvollen Lektionen, die ich daraus ziehen konnte:
Es ist egal wie hübsch eine Frau ist, denn das hat keine Auswirkung darauf ob sie dir einen Korb gibt oder nicht (zugegeben, das ist wahrscheinlich Quatsch, aber mit dem Gedanken fiel es mir damals leichter hübsche Frauen anzusprechen).
Sprich nicht so viel über dich, sondern schau, dass die Frau ins Reden kommt und sich einbringt.
Mach keine abgedroschenen Ansagen, sondern lerne spontan schlagfertig zu sein.
Und natürlich: Selbst wenn du mal keine Frau abschleppst, am nächsten Morgen lebst du wahrscheinlich trotzdem noch.
In dieser Nacht konnte ich das Gespräch mit Victoria jedoch leider noch nicht als hilfreich abstempeln, weshalb ich ziemlich deprimiert in Richtung Ausgang lief. Dabei rempelte ich einen übel dreinblickenden Bodybuilder an, welcher gut einen Kopf größer war als ich und schüttete ihm versehentlich sein Getränk über.  "Pass doch auf!", sagte er genervt. Kurz überlegte ich, nicht auszurasten. Aber dann beschloss ich, dass ich ja ohnehin gerade gehen wollte und einen Rauswurf deshalb schon verkraften könnte. "Komm, geh noch mal an der Pferdetablette lecken, bevor du Stress suchst", antwortete ich also und präsentierte meinen Mittelfinger.
Der Bodybuilder war dermaßen überrascht, dass er kein Wort heraus brachte. Stattdessen schubste er mich mit beiden Händen aggressiv gegen die Theke. Ich geriet kurz ins Taumeln, schaffte es aber mein Gleichgewicht zu halten. Dann holte ich aus und schlug meinem Gegner ins Gesicht. Sofort packte er mich an meinem Jackett. Ziellos schleuderte er mich durch den Raum, sodass ich mich fühlte wie in einem viel zu schnellen Karussell.  Ehe ich mich versah, verpasste er mir im Anschluss eine Backpfeife. Mit der flachen Hand. Wie ein Mädchen...
Meine Ohren begannen zwar augenblicklich zu rauschen und vor meinen Augen erschien ein greller Blitz, dennoch war ich überrascht wie wenig sein Schlag schmerzte. "Luftpumpe", murmelte ich taumelnd und schlug ihm ins Gesicht. Sogar im berunkenem Zustand spürte ich seine Nase unter meiner Faust brechen. Ich weiß noch, dass ich dachte: "Fuck. Das gibt sicher Ärger." Tatsächlich sah der Stier nun vollkommen rot und riss mich mit Bärenkräften zu Boden. Ich klammerte mich fest und zog ihn mit aller Gewalt mit, was mir zu meiner eigenen Überraschung auch gelang.
Nun lagen wir nebeneinander auf dem Boden, rangelten und tauschten unkoordinierte Schläge aus. Es hatte mehr etwas von einer Schulhofschlägerei, als von einem ehrenhaften Zweikampf. Nicht ganz das was ich wollte, aber schon in Ordnung für die späte Stunde. Gerade als ich dachte, dass ich allmählich müde werde und keiner von uns mehr einen entscheidenten Treffer landen würde kam endlich die Security um uns zu trennen. Ich versuchte noch kurz zu randalieren, doch vier gestandene Türsteher überwältigten mich schnell.
Nachdem die netten Herren in schwarz uns den Ausgang zeigten brüllte der Bodybuilder noch so lange wütend auf mich ein, bis die Türsteher ihn mit Drohungen zum Schweigen brachten. Ich verstehe wirklich nicht, wie man sich so gehen lassen kann... Die Security nahm noch unsere Personalien auf und ließ uns dann endlich ziehen. "Ich zeig dich an, du dumme Schwuchtel!", rief der Stier mir zum Abschied zu und klopfte sich dabei wie ein Gorilla auf der Brust rum. "Alles klar", nuschelte ich desinteressiert während ich mein Jackett zurecht zog. "Schönen Abend noch." Dann wankte ich gemütlich nach Hause. "Circa Sechs Körbe bekommen, eine Belehrung in Sachen Flirt, ne Schlägerei, Hausverbot und wahrscheinlich ne Anzeige am Hals..." zählte ich auf dem Heimweg auf. "Ich hatte schon schlechtere Abende..." Grinsend kramte ich eine Kippe aus meiner Tasche.
Hätte ich damals gewusst, welche Nachwirkungen diese Nacht in ein paar Monaten haben sollte, wäre ich wahrscheinlich weniger unbeschwert nach Hause getorkelt.

Die Drogenfrau

Ich sitze neben Thomas in der Shishabar und spiele gelangweilt mit meinem Hut herum, während er mir wieder eine seiner Pseudomoralpredigten hält. Wir gehen inzwischen nach jeder Bandprobe in die Shishabar. Zu Beginn ärgerte ich mich darüber ein Wenig, da ständiges Shisha rauchen ganz schön auf mein Portmoine ging. Dieses Problem habe ich inzwischen aber nicht mehr. Als abgebrannter und quasi obdachloser Straßenmusiker habe ich ohnehin kein Geld mehr, das ich ausgeben könnte. Aus diesem Grund zahlt Thomas schon seit zwei Monaten jedes Mal für mich mit (Thomas, falls du dieses Buch aus irgendeinen Grund jemals lesen solltest, bevor du dir den Arsch damit abwischst: Danke übrigens).
Grund für den Einlauf, den ich gerade von ihm kassiere, ist aber nicht meine Schnorrermentalität. Offen gesagt, weiß ich selbst gar nicht sicher worum es genau geht, aber unterm Strich fange ich dieselben Schlagworte auf wie sonst auch: Elende Wohltäterschlampe, perverse Sau, triebgesteuertes Tier, Vorzeigebeispiel menschlichen Versagens,... Das ist Thomas´ Art mir zu zeigen, dass er sich Sorgen um mich macht, weil ich nun schon seit über einem Jahr von einem Bett ins Nächste springe.
Er hat das nie so gesagt, aber ich glaube, dass er Angst hat, ich würde das tun um zu verdrängen und meinem heimlichen Selbsthass auszuleben, den ich mit gespieltem Nazismus verberge. Ich habe nicht das Gefühl, dass das so stimmt. Aber da ich es ja auch verdrängen würde, wenn es so wäre habe ich natürlich kein Mitspracherecht. Das kenne ich inzwischen schon. Deshalb lasse ich seine Beleidigungen still über mich ergehen und sage kein Wort dazu.
Als ich gerade fertig damit bin, einen Fleck von meinem Hut zu kratzen vibriert mein Handy. Sehr gut. Noch eine Möglichkeit mich abzulenken und Thomas zu signalisiseren, dass ich absolut keinen Widerspruch gegen seine Schimpfworte erhebe. Inzwischen ist er übrigens bei "Stadthure", was bedeutet, dass er in etwa bei der Hälfte seiner Kette angekommen ist. Ich hole mein Handy heraus und lese die SMS von Lora:
Hallo, hübscher Fremder. Es war total schön mit dir gestern Nacht. Sehen wir uns heute? :-* Genervt stecke ich das Handy ein. Jetzte spüre ich tatsächlich einen Hauch des Selbsthasses, den Thomas wahrscheinlich in mir vermutet.
"Gibt´s eigentlich was neues von der Füchsin?", fragt Thomas, der unerwartet früh keine Lust mehr daran findet mich zu beleidigen. "Interessanter Übergang", denke ich mir im Stillen. Dann zucke ich mit den Schultern und sage: "Was soll es da neues geben? Alles beim Alten denke ich. Zumindest haben wir länger nicht mehr geschrieben."
Thomas nickt und zieht an seiner Shisha. Dabei starrt er mich ziemlich eindringlich an. Damit will er mir wohl signalisieren, dass wir jetzt das Thema wechseln können. Endlich...
"Heute ist im Logo Singleparty", erwähne ich also. "Hast du Lust?" Thomas reicht mir den Schlauch der Shisha, bevor er mir antwortet. "Singleparty? Was ist mit Marcela?" Auf diese bescheuerte Frage antworte ich nicht einmal mehr. Nach einer kurzen Pause versucht Thomas einen anderen Weg. "Donnserstags Abends? Es gibt Leute, die arbeiten müssen, weißt du? Erwachsene Menschen machen das so."
"Erwachsene Menschen?", grinse ich. "Komm schon. Alter, nur weil du letzten Monat deinen Ausbildungsbetrieb verlassen hast und jetzt in so ner krassen Superfirma bist, brauchst du echt nicht so dein Maul aufreißen, Dude. Im Ernst: Wie viel Überstunden hattest du am Ende noch im alten Betrieb auf deinem Konto? Minus Fünftausend oder so?" Thomas Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Immerhin habe ich nicht mit dem kompletten Betrieb geschlafen. Mit wem hast du´s vor deinem Abschied Im alten Laden noch gleich alles getrieben? Zwei Kolleginnen, der Chefin und der neuen Auszubildenden?" "Und einer Bewerberin.", sage ich lachend während ich an meiner Shisha rauche. "Und die Chefin habe ich bei ihr zu Hause gevögelt, nicht im Büro."
"Alter", entgegnet Thomas. "Du hast echt einen einzigen Puff aus dem Laden gemacht..." erneut muss ich lachen und strecke Thomas meine Hand für einen High- Five hin, welchen er tatsächlich erwidert.
Dann vibriert mein Handy erneut. Wieder eine SMS. Aber dieses Mal von Katharina. Mein Gott, diese Frau stalkt mich nun schon seit fast einem Jahr. Was ist nur los mit der? Genervt öffne ich ihre Nachricht Hey Rabe, tut mir Leid wegen dem Fenster. Ich war sauer, weil du so gemeine Sachen geschrieben hast. Können wir reden? Du fehlst mir. Nun muss ich doch etwas grinsen. Tut ihr Leid wegen dem Fenster? Kurz überlege ich mir, ihr zu schreiben, dass ich schon seit Monaten nicht mehr in der alten Wohnung wohne und diese Irre wohl das Fenster meines Nachmieters zerdebbert hat. Aber dann beschließe ich, dass das nicht mein Problem ist und stecke das Handy wieder weg.
"Alles klar?", fragt Thomas skeptisch. Ich setze meinen Hut auf, schnappe meine Gitarre und stehe auf, bevor ich antworte. "Klar ist alles klar. Bei mir ist immer alles klar. Aber ich muss allmählich los. Will mich bei meiner Schwester noch frisch machen für die Party." Thomas nickt kaum merklich und ich begebe mich langsam zur Tür. "Alter!", ruft er mir hinterher, kurz bevor ich den Laden verlasse. "Komm allmählich mal wieder auf die Spur." Ich drehe mich nicht einmal mehr um, sondern hebe nur zum Abschied meine Hand. "Danke fürs Zahlen", sage ich und verschwinde.  


Keine zwei Stunden später reite ich im Logo ein.
Wenn man so will ist das Logo mein ganz persönliches Mekka. Es ist eine ziemlich kleine Diskothek mit nur einer Tanzfläche und einer schäbigen Theke. Die Türsteher lassen immer viel zu viele Leute ein, weshalb der Laden eigentlich jedes Mal drastisch überfüllt ist. Die Musik ist übrigens auch unter aller Sau. Dennoch hat das Logo einen Vorteil, der für mich natürlich das einzig wirklich Entscheidende ist:
Meine Zielgruppe ist vertreten. Das Logo ist in der Stadt nämlich der Treffpunkt für Studenten und  andere junge Leute, die keine Lust auf „Mainstream“ haben. Scheinbar gelten schäbige Räume und schlechte Musik heutzutage nämlich gar nicht als billig und mies, sondern als alternativ und cool. Na ja, soll mir recht sein. Dazu kommt Vorteil Nummer zwei: Das Logo hat eine Ü 20 Regel. Die Gefahr, dass ich hier mal eine aufgebrezelte 16- jährige abschleppe, ohne es zu bemerken ist also relativ gering. Und last but not least spielen sie ihre schlechte Musik immerhin so leise, dass man sich halbwegs angenehm unterhalten kann.
Sofort überkommt mich ein heimisches Gefühl als ich den Club betrete. Alles ist wie immer:
Michelle steht an seiner Wand und beobachtet das Geschehen, die Türsteher tragen gerade eine Alkoholleiche in Richtung Ausgang und auf der einzigen Couch des Clubs sitzen dieselben Loser wie immer, die traurig irgendwelchen Frauen hinterherschauen und sich fragen, wann sie wohl endlich angesprochen werden. Die Quote ist heute ganz passabel. Mehr Frauen als Männer und einige davon, die meinem Beuteschema entsprechen.
Ich bestelle mir ein Bier an Bar und beschließe meinen Körper auf der überfüllten Tanzfläche hin und her zu bewegen um erst einmal warm zu werden. Nach einer knappen Viertelstunde entdecke ich sie dann: Eine Blondine mit bauchfreiem Top, welche alleine an der Wand steht und gelangweilt in die Ferne starrt. Typ Eisprinzessin.
Sie ist schön, aber eigentlich nicht schön genug um die Arroganz zu rechtfertigen, die sie ausstrahlt, Dieser Widerspruch ist es wahscheinlich auch, was sie so interessant für mich macht. Ich vermute,dass sie sich viel auf ihren Charakter einbildet. Na, mal sehen.
“Guten Abend, hübsche Frau.”, sage ich als ich bei ihr ankommen. Sie schaut mich kurz prüfend von oben bis unten an und nickt mir dann gelangweilt zu. “Geht´s dir gut? Du stehst so alleine da. Ich mache mir Sorgen, dass du geklaut wirst.” “Nee, ich komm klar”, sagt sie leicht genervt, ohne mich anzuschauen. Sie will also spielen. In Ordnung. Erst einmal beschließe ich sie von ihrem hohen Ross zu holen.
“Na, ein Glück.  Aber das hätte ich mir auch denken können. So böse wie du guckst, würde sich ja gar keiner trauen, dich zu stehlen. Du bist nicht so eine Spaßkanone, oder?”
Jetzt schaut sie mich an. Geht doch. “Was willst du eigentlich?”, fragt sie mit hoch gezogenen Augenbrauen. Ich setze mein breitestets Lächeln auf und zwinkere ihr zu, während ich antworte “Na, Spaß. Was denn sonst? Komm, ich lade dich auf einen Tanz ein und zeige dir wie man sich amüsiert.”
Bevor sie antworten kann greife ich schon nach ihrer Hand um sie auf die Tanzfläche zu führen. Leider zieht die Hand aber sofort zurück. Hätte ich mir ja denken können. “Was ist denn?”, frage ich leicht genervt. “Ich tanze nicht. Aber du kannst mir ein Getränk ausgeben, wenn du magst. Mehr aber echt nicht.”
Die Kleine ist wirklich unfassbar. So weit kommt es noch, dass sie hier die Regeln macht. “Ich kann dir ein Getränk ausgeben, wenn ich mag?”, mache ich sie spielerisch nach. “Mehr aber echt nicht? Warum sollte ich das denn tun?”
Kurz sieht die Arme ein wenig verwirrt aus. Offenbar bekommt sie öfter Getränke spendiert, als ich angenommen habe. “Na, dann lass es halt.”, entgegnet sie und schaut wieder an mir vorbei. “ Mir doch egal.”
Jetzt stelle ich mich direkt vor sie, sodass sie keine andere Wahl hat als mich anzusehen. “Jetzt schmoll doch nicht. So war das überhaupt nicht gemeint.”, erkläre ich ihr. “Natürlich möchte ich dir gerne ein Getränk ausgeben. Du bist wunderschön. Ich kann nur nicht jeder hübschen Frau hier was ausgeben. Dann bin ich ja pleite. Das verstehst du doch? Also, warum sollte ich ausgerechnet dir ein Getränk ausgeben? Was unterscheidet dich von den anderen Frauen? Überzeug mich. Du hast mich doch schon fast so weit.” Jetzt lächelt sie endlich verlegen. Jackpot! “Du bist ein komischer Vogel.”, sagt sie. Ich gehe nicht auf ihre Pseudobeleidigung ein, die ich viel mehr als Flirteinladung deute.
“Lächelst du etwa gerade?” Ich starre sie geschockt an. “Mein Gott, ich wusste gar nicht, dass du das kannst. Steht dir richtig gut. Jetzt sag aber nicht, du hast gerade Spaß. Denn dann müsstest DU nämlich eigentlich MIR was zu trinken spendieren.” Ihr Lächeln wird noch ein wenig breiter. “Ich hab aber gar kein Geld dabei.”, erwidert sie und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie lügt.
Dann lehnt sie sich nach vorne und sagt mir schelmisch ins Ohr: “Aber dafür hab ich was zu rauchen dabei. Gib mir ein Bier aus und ich drehe uns dafür im Anschluss ne Tüte. Ist das Grund genug für dich, mir was zu spendieren?”
Jetzt bin ich es, dessen Grinsen breiter wird. Mir wäre alles Grund genug gewesen, ihr was auszugeben. Es ging nur darum, sie ein bisschen in Zugzwang zu bringen um meinen Marktwert zu steigern. Aber ein Johnny ist schon wirklich ein wahnsinnig gutes Argument.
“Ja.”, sage ich also und hebe ihr meinen Arm hin. “Nicht ganz das, was ich erwartet habe, aber schon in Ordnung.” Sie hakt sich bei mir ein und wir gehen zur Theke.


Nach einem relativ ereignislosen Bier stehen wir vor dem Club und ziehen uns das Gras der Blondine in die Birne. Viel erfahren habe ich bisher nicht über die Unbekannte. Eigentlich nur, dass sie Jojo heißt und ein Kunststudium geschmissen hat. Zeit ein Wenig mehr aus ihr heraus zu bekommen.
"Und?", frage ich also. "Wo kommst du her? Hab dich hier noch nie gesehn." Die Eisprinzessin reicht mir den Joint während sie antwortet. "Kann ich mir vorstellen. Bin erst seit kurzem  wieder auf der Piste. Ich war viel unterwegs. Und dann eine Weile von der Bildfläche. Aber frag bitte nicht wo ich war. Ich will eigentlich nicht drüber reden, okay?"
"Wo warst du?", frage ich und atme räuspernd den Qualm meines ersten Zuges aus. Scheint guter Stoff zu sein (nicht, dass ich erfahren genug wäre um das zu beurteilen).
 Sie schlägt mir genervt auf die Schulter. Ein Wenig zu fest, um es als spaßig zu interpretieren. "Du bist unmöglich. Kannst du eigentlich überhaupt mal ein Nein akzeptieren?"
"Nein. Eigentlich nicht. Komm schon. Wenn dus dem wildfremden Adonis, den du nie wieder sehen wirst nicht erzählen kannst, wem dann?" Kurz zögert sie und schaut nachdenklich auf ihre Füße. "In Ordnung. Wenn du´s unbedingt wissen willst. Ich war in Therapie. Wegen Drogen. Bin etwas von der Bahn gerutscht und hab mich enweisen lassen um wieder auf die Spur zu kommen."
"Hat ja super geklappt", sage ich und nehme einen demonstrativ tiefen Zug an der Tüte. Der coole Move geht allerdings nach hinten los. Das Zeug is so stark, dass ich ins Husten komme. Die Eisprinzessin grinst mich an wie einen kleinen Jungen, der das erste Mal Rad fährt und nimmt mir den Joint wieder ab. Schade... "Ich rede doch nicht von Gras. Du Nase, ich rede von Drogen. Richtigen Drogen."  
“Ach so. RICHTIGE Drogen.”, antworte ich und schlage mir auf die Stirn. “Klar, so ´n Johnny ist natürlich zu harmlos für das Fräulein, was?” “So ist es.”, sagt Jojo und zieht dabei so heftig an der Tüte, dass ich neidisch werde. Wie macht die das nur? “Der Club ist scheiße. Kommst du mit zu Moe- Joe?” Ohne meine Antwort abzuwarten läuft die Eisprinzessin los. “Wer ist Moe- Joe?”, Jojo dreht sich nicht einmal mehr um während sie sagt: “Eine Katze. Los komm jetzt.” Kurz bin ich hin- und hergerrissen. Sie will mich mit zu ihrer Katze nehmen? Klingt auf den ersten Blick ganz gut. Mich nervt nur, dass sie das Tempo angibt. Nach zwei Sekunden Bedenkzeit setze ich mich aber doch in Bewegung und folge ihr wie ein kleiner Schuljunge.
“Was soll´s?”, denke ich. “Scheiß auf´s Ego. Sex ist am Ende schließlich immer noch Sex.”


Nach einem 30- minütigem Fußmarsch kommen wie schließlich an einem abbgewrackten Altbau an. Einige Fenster sind mit Brettern zugenagelt, andere komplett eingeschlagen. Eine richtige Pennerabsteige. Ich werde skeptisch als Jojo an der Tür klingelt.
“Hast du keinen Schlüssel?”, frage ich verwirrt. “Nein.”, sagt Jojo ganz gelassen. “Warum sollte ich einen Schlüssel haben? Ist ja nicht meine Wohnung?”
“Das ist nicht deine Wohnung? Ich dachte, wir gehen zu deiner Katze, Slomo?” “Moe- Joe.”, korrigiert mich Jojo. “Und das ist nicht meine Katze, sondern die meines Dealers.” “Deines Dealers? Komm schon, im Ernst?”
Bevor die Eisprinzessin antworten kann, schiebt sich die Haustür einen Spalt auf und ein hagerer Kerl schaut vorsichtig heraus. Er hat eine von diesen unnötigen, schwarzen Schlumpfmützen auf, die Hipster immer tragen. Seinem Gesicht nach zu urteilen schätze ich ihn auf Ende vierzig. Da er aber schon so aussieht, als würde er sich regelmäßig Zeug einschmeißen, lässt ihn der Drogenmissbrauch wahrschienlich älter aussehen.
“Hey, Jojo.”, grüßt er mit kratziger Stimme und wirft mir einen argwöhnischen Blick zu. “Wer ist das? Ist der cool?” “Ja, alles gut, Dennis. Der ist cool”, beruhigt ihn Jojo. Genervt schalte ich mich ein: “Und ob ich cool bin. Ich bin sogar sau cool. Alles klar?”
Dennis starrt mich ein paar Sekunden lang wortlos an. Gerade, als ich denke, dass er mich nicht reinlassen wird nickt er kaum merklich und öffnet uns die Tür komplett. Jojo und ich folgen ihm in den zweiten Stock und begleiten ihn von dort ins Wohzimmer. Alles hängt voll mit kitschigen  Traumfängern und behinderten Postern von irgendwelchen Bands. Ein kleiner, schäbiger Holztisch wird von einer abgeranzten Eckcouch umrahmt, auf welcher sich vier erbärmliche Typen an einer Bong vergnügen.
Aber Hauptsache ein neuer Flachbildschirm steht am anderem Ende des Raumes auf dem Boden. Gereizt setze ich mich neben Jojo auf die Couch.
“Im Ernst”, zische ich ihr wütend zu. “Was soll diese Scheiße? Hier sieht´s aus wie bei nem Setting von Breaking Bad!” Jojo tritt mir unauffällig ans Schienbein.
“Nicht so laut, Mann. Dennis ist ziemlich empfindlich wenn man sein Eigentum beleidigt.” Schmollend zucke ich mit den Achseln und lehene mich zurück. “Drecksladen”, denke ich und überlege, mich vom Acker zu machen. So tief gesunken bin selbst ich noch nicht, dass ich für die wage Hoffnung auf Sex in ner Drogendealerhöhle abhänge. Die Nacht ist jung. Wenn ich mich beeile, kann ich vielleicht noch eine andere Frau im Logo kennen lernen.
Gerade will ich mich von Jojo verabschieden, als Dennis uns beiden je ein Beck´s reicht. Scheiß drauf. Wenn ich schon hier bin, kann ich auch noch schnell ein Bier trinken, bevor ich mich vom Acker mache.
Dennis und die Eisprinzessin kommen ziemlich schnell ins Gespräch, während ich mich vergeblich nach einem Flaschenöffner für meine Bierflasche umsehe. Nach ein paar Sekunden beschließe ich meine Flasche an der Ecke des Tisches zu öffnen. Dennis rastet sofort aus, als er das Zischen hört. “Sag mal, was soll das? Bist du behindert?”, fragt er gereizt. “Du kannst deine Flasche nicht einfach an meinem Tisch öffnen, Alter.!” “Sau uncool.”, bestätigt einer der Kiffer neben mir. Ich hebe beschwichtigend meine Hände. “Ganz ruhig, Dude. Hat der Tisch halt einen Kratzer mehr. Wen bockt das?” “Du Spast!”, ruft Dennis und untersucht seinen abgeranzten Tisch nach einem neuen Kratzer. Ich frage mich, woher er eine neue Schramme von den vielen Alten unterschieden will... “Der Tisch ist ein Erbstück von meinem Opa. Der ist letztes Jahr gestorben, Mann. Das ist alles was ich von ihm habe.”
Ich nehme grinsend einen Schluck aus meiner Flasche, bevor ich antworte. “Das ist alles? Echt? Deine Familie hat nicht unbedingt viel Geld, oder?” Scheinbar war das nicht die Antwort, die Dennis hören wollte. Er bläht sich vor mir auf wie ein angriffslustiger Kugelfisch und brüllt mich hysterisch an. “Du dumme Missgeburt! Das hat was mit Respekt zu tun, okay? Das ist mein Haus. Wenn du hier rein kommst verhalte dich auch entsprechend, Mann. Respektier meine Regeln und hör auf mich zu beleidigen, kleiner Wichser.” “Es tut ihm Leid, Dennis”, mischt sich Jojo ein und starrt mich dabei streng an. “Er wollte dich nicht beleidigen. Stimmt doch, oder? Los, entschuldige dich bei ihm. Das war echt daneben.”
“Schon gut, schon gut”, sage ich und verdrehe genervt die Augen. “Tut mir Leid. Ich respektiere dich doch. Alles wieder gut, Mister Miyagi?” Dennis setzt sich wieder auf seinen Platz, aber richtig entspannt sieht er nicht aus. “Alter, hast du eine Fresse. Pass ja auf.” Grinsend trinke ich einen weiteren Schluck. Könnte doch noch ein lustiger Abend werden.
Nach ein paar Minuten Dennis ein silbernes Tablett raus und verschwindet kurz in einen Nebenraum. Wenige Augenblicke später kommt er mit einem einem kleinem Palstiktütchen zurück. Darin befindet sich weißes Pulver. Ich muss unwillkürlich an Mehl denken, bin mir aber ziemlich sicher, dass sich etwas anderes in der Tüte befindet. Der gierige Blick meiner Kiffernachbarn bestätigt die Vermutung.
“Ich hab euch doch gesagt, dass ich was neues habe”, sagt Dennis stolz und kippt die Tüte auf dem Tablett aus. Mit Hilfe einer Spielkarte unterteilt er den Pulverhaufen in sechs Linien.  Ich schaue ihm gebannt zu. So was habe ich noch nie live mit angesehen.“Ich schwör´s. Das Zeug fetzt euch die Birne weg.”, prahlt Dennis. Ich denke kurz an Nietzsche, als er noch irgendwas von Überkoks erzählt. Dann geht´s los.
Dennis zieht sich mit einem kleinem Papierröllchen die erste Line durch die Nase. Dann schüttelt er sich kurz und gibt das Tablett weiter an Jojo, welche ebenfalls direkt ansetzt. “Meinst du echt, dass das cool ist, dir das Zeug jetzt zu geben?”, frage ich vorsichtig. “Du weißt schon. Wegen deiner Therapie und so.” “Meinst du echt, dass das cool ist, jetzt einen auf Papa zu machen?”, fragt Jojo gereizt. “Du weißt schon. Weil du mich damit stresst und so.”
Ohne eine Anwort abzuwarten zieht sie ihre Line durch und gibt mir danach das Tablett. “Hier. Reich das mal bitte an Jules weiter.” Der verpeilte Typ neben mir grinst wie ein kleines Kind ein Weihnachten. Scheinbar ist das Jules. “Im Ernst?”, frage ich. “Und was ist mit mir?” Dennis winkt spöttisch ab. “Das ist zu hart für dich. Und Stänkerer bekommen bei nix. Vielleicht nächstes mal.” Genervt setze ich das Papierröllchen an. Ich habe bis dahin noch nie was härteres als Gras zu mir genommen. Aber ich lass mich doch nicht einfach übergehen. Außerdem lebe ich nach der Philosophie, dass man jede Erfahrung mal gemacht haben sollte, so lange sie einen nicht ins Grab bringt. Zu hart für mich? Na, mal sehen.
Voller Elan ziehe ich mir eine Line durch die Nase. “Alter!”, brüllt Dennis. Bevor jemand reagieren kann, schnupfe ich auch die Zweite durch. Klappt erstaunlich gut. Ich höre Dennis aufspringen und beginne schnell, eine weitere Line zu ziehen. Bevor ich sie ganz schaffe, reißt der Hausherr mir das Tablett vom Schoß. “Du gieriges Stück Scheiße!”, brüllt er wütend. “Weißt du, was du da gerade gemacht hast? Du hast dir drei Lines rein gezogen, du Behinderter!”
“Nein, wirklich?”, entgegne ich sarkastisch. Und was ist das genau? Zucker? Im Ernst, du verarschst uns doch. Ich merke gar nichts.” Dennis reibt sich genervt die Schläfe. “Du Bastard. Schafft diesen Hurensohn aus meiner Wohnung, bevor ich komplett ausraste.” Ich schaue jeden einzelnen im Raum grinsend an. ”Kommt schon, Leute. Mal ohne Scheiß. Dreht der euch immer so eine Scheiße an? Ich mein, ihr bezahlt doch dafür, oder? Und dann? Dann tut ihr alle so, als wärt ihr völlig drauf und erfreut euch an ner kolleigialem Placebosession?” Jojo schubst mich gereizt von sich weg.  “Wie bist du denn drauf, ey? Was soll das?” Gerade will ich darüber witzeln, dass mir nicht klar war, dass Jojo von einer Zuckersucht sprach, als sie die Drogentherapie erwähnte, da passiert es.
Es schüttelt mich am ganzen Körper. Mit einem Mal habe ich das Gefühl tausend Ameisen krabbeln in meiner Blutbahn umher. Ich bekomme schlagartig Lust mich zu bewegen. Alles wirkt plötzlich so simpel. Die Linien um mich herum werden seltsam klar und der Raum erscheint mir viel größer als zuvor. Dennis brüllt irgendwas und zwei seiner Drogenkumpels packen mich um mich nach draußen zu zerren. Ich wehre mich nicht. Alles ist so unwirklich. Wie ein Traum. Vor der Haustür werfen mich die Hobbyraussschmeißer achtlos auf den Boden und gehen wieder rein. Ich stehe sofort auf und schaue mich um. Mein Puls rast. Ich bin voller Tatendrang. Die Nacht ist jung. Alles ist möglich. Ohne zu zögern renne ich los.  


Nach einer Weile bekomme ich das Gefühl, meine Lungen würden explodieren. Trotzdem renne ich immer weiter. Ich bin mir sicher,  dass mein Herz den Geist aufgibt, wenn ich stehen bleibe. Mein Körper weigert sich die Befehle meines Gehirns sauber auszuführen, weshalb ich ständig ins Straucheln komme und keine zehn Schritte schaffe ohne hinzufallen. Dennoch renne ich weiter. Es geht schließlich um Leben und Tod. Rennen. Hinfallen. Aufstehen. Rennen. Hinfallen. Aufstehen. So geht das unzählige Male, bis ich irgendwann zusammenbreche und nicht mehr die Kraft finde weiter zu machen. Schnaufend und am Ende meiner Kräfte bleibe ich liegen. Mit unruhigem Blick beoabachte ich die lila Wolken am Himmel.
Lila Wolken? Bedeutet das die Sonne geht auf? Bin ich die ganze Nacht gerannt?. Mein Herz rast noch immer. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Panik überfällt mich. Die Panik, dass ich hier am Straßenrand einfach sterben werde, wenn ich keine Hilfe rufe. Hektisch zerre ich mein Handy aus der Tasche und wähle die erste und einzige Nummer, die mir einfällt.
Es tutet eine Weile. “Nimm schon ab!”, brülle ich dem Hörer entgegen. “Komm schon! Nimm ab!” Nach einer gefühlten Ewigkeite passiert es endlich. “Ja?”, fragt die Füchsin am anderen Ende der Leitung. Mein erster Impuls  lautet: Sofort wieder auflegen! “Hi, Füchsin.”, höre ich mich dann aber stattdesen sagen. “Wie geht es dir?”, “Wie es mir geht?”, fragt die Füchsin. “Hast du mal auf die Uhr geschaut? Was ist los?” Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Für Sekunden, die sich wie ein Ewigkeit ziehen herrscht Schweigen zwischen uns beiden. Mit einem Mal werde ich ruhiger. Die Todesangst verschwindet langsam und mein Herz beendet seinen Aufstand. Stattdessen wird die Welt langsam verschwommen und Tränen suchen sich ihren Weg in die Freiheit.
Zum ersten Mal seit langem fühle ich mich geborgen und nicht mehr einsam. Die Füchsin und ich. Verbunden durch unsere Mobiltelefone. Wenn es etwas wie Glück noch gibt, muss es sich so ähnlich anfühlen. “Hey”, sagt die Füchsin einfühlsam, nachdem sie wahrscheinlich mein schwaches Schluchzen gehört hat. Ich bin so ein Idiot. “Geht´s dir nicht gut? Was ist los?” Ich ziehe kurz die Nase hoch und reibe meine Augen trocken.
“Nein, alles klar. Tut mir Leid. Ich hätte nicht anrufen sollen.” “Schon in Ordnung. Ich mache mir Sorgen. Ist wirklich alles klar?”
“Natürlich”, antworte ich und suche die rote Hörertase. “Entschuldige. Schlaf bitte weiter.” Dann lege ich auf.

Chatverlauf zwischen mir und der Füchsin - Teil 2
 
Füchsin: Hallo
 
Ich: Hi
 
Füchsin: Tut mir Leid, ich weiß, dass ich dich nicht anschreiben soll
 
Ich: Nein, schon okay. Schön, dass du dich meldest. Ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich war letztes Mal total bescheuert. Wollte dich anschreiben, aber habe es irgendiwe nicht über mich gebracht.
 
Füchsin: Wirklich, das ist kein Ding. Du musst dich nicht entschuldigen.
 
Füchsin: Wie geht es dir?
 
Füchsin: Und sag bitte nicht wieder fantastisch. Das überlebe ich nicht -_-
 
Ich: Nein. Heute fühle ich mich nicht fantastisch. Aber es geht mir inzwischen schon besser.
 
Füchsin: Schön. Das freut mich zu hören.
 
Ich: Wie geht es dir?
 
Füchsin: Auch besser. Aber es ist kompliziert. Mit Daniel ist es nicht so einfach. Die Dinge sind viel komplizierter als damals. Nach jedem Streit habe ich Angst, dass die Beziehung in die Brüche geht. Du hast mal zu mir gesagt, dass mich nie wieder jemand so bedingungslos lieben wird wie du. Und das stimmte.
 
Ich: Das tut mir Leid für dich.
 
Ich: Aber findest du, dass ich derjenige bin mit dem du über so etwas reden solltest?
 
Füchsin: Wahrschienlich nicht. Du hast recht. Ist nur komisch für mich, nicht mehr mit dir über Dinge reden zu können, die mich beschäftigern. Daran muss ich mich erst gewöhnen.
 
Ich: Das geht mir auch so. Aber das müssen wir nun halt irgendwie hin bekommen. Wenn du magst können wir uns ja mal treffen? Daniel kann gerne auch mitkommen.
 
Füchsin: Das würde ich gerne, aber Daniel wäre das nicht recht. Es ist für ihn sicher komisch, wenn wir uns sehen.

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Wenn der scheiß Berg nicht zum Propheten kommt, fahr ich halt ans Meer.
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Uibui
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BeitragVerfasst am: 18.08.2015 18:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Vincent Vice.

Also mir hat der erste Teil richtig gut gefallen... Witzig, authentisch, gut zu lesen. Die Fortsetzungen haben mich dann leider rausgehauen... Mir gings da ähnlich wie Katharina. Sorry...

Aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden, daher wirst du definitiv ne Menge begeisterte Leser finden Smile

Viele Grüße,

Uibui


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It had flaws, but what does that matter when it comes to matters of the heart? We love what we love. Reason does not enter into it. In many ways, unwise love is the truest love. Anyone can love a thing because. That's as easy as putting a penny in your pocket. But to love something despite. To know the flaws and love them too. That is rare and pure and perfect.

Patrick Rothfuss
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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 19.08.2015 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Vincent,

Da fehlen einige Kommas, die mir das Lesen erleichtert hätten. Wink

Der Charakter deiner Geschichte hat sich sehr verändert. Anfangs war sie amüsant und dein Prota trotz seines Frauenverschleißes sympathisch.
Dass ich ihn am Ende des von dir zweiten eingestellten Teils nicht mehr wirklich sympathisch fand, habe ich bereits erwähnt.
Ich sag jetzt mal, das ist aber nicht mein Problem. Ich muss ihn nicht liebhaben, um die Geschichte für mich selbst zu beurteilen. Fakt ist aber, dass es sich schöner liest, wenn ich den Prota gern mag.

Seine selbstzerstörerische Ader hat wohl beinahe ihren Höhepunkt erreicht. Oder hat ihn schon erreicht. Und im Raum steht für mich die ganze Zeit die Frage Warum?
Ich weiß nicht mehr, als dass er die Füchsin liebt oder geliebt hat. Finanziell geht es ihm gut und dann auch wieder nicht. Ich weiß jetzt nicht, ob sein Musikerdasein vor oder nach der Begegnung mit der Füchsin stattfand. Keine Ahnung, ob es nur mir so geht, aber ich verliere ein wenig den Überblick. Embarassed
Vielleicht sind es ja doch zwei!

Die Szene Victoria hat durchaus noch einen gewissen Charme, wenn man sich vorstellt, dass das ein Ratgeber für Männer wird, wie man richtig flirtet und eine Frau abschleppt.
In der Mitte verliert sich dieser "Ratgeber-Mit-sich-selbst-reden-Ich-schreibe-ein-Buch-Charakter" und endet dann ganz gewöhnlich. Das hat mich irritiert. Der Übergang ist dir gelungen, man bemerkt ihn kaum. Ich habe erst im Nachhinein darüber nachgedacht. smile

Die Drogenfrau war dann durchwachsen für mich.
Es war angenehm, dass es kurz mal nicht um Frauen ging. Kurz. Immerhin gab es die SMS zwischendurch.

Die Szene mit Jojo hat mir nur aus dem Grund gefallen, dass ich es mag, wie du schreibst. Wie gesagt, ich kann deinen Prota nicht mehr leiden, versuche aber trotzdem hinter sein ständiges Bettgehüpferl zu blicken und ihn zu verstehen. Soweit hast du mich.
Es wird aber allmählich anstrengend und dieses permanente Verlangen und das Thema Sex sind irgendwann zu viel des Guten. Auch wenn es kaum etwas anderes in seinem Leben zu geben scheint, würde ich mir Abwechslung wünschen.
Ich möchte auch kein Buch lesen, indem beschrieben wird, wie jemand die ganze Zeit über rennt. Ich möchte wissen, was nebenbei passiert, was ihm begegnet und wo er hinläuft.

Was die Szene mit Jojo angeht, wird für mich wieder deutlich, dass dein Prota eigentlich gar nicht mehr will. Vielleicht weiß er es nur noch nicht wirklich. Oder er weiß es und denkt, er hätte keine Wahl.
Wer keine Angst hat, hat für mich auch nichts zu verlieren. So scheint er mir mittlerweile durchs Leben zu gehen. Angst hat er nur davor alleine einzuschlafen/aufzuwachen.

Die Beziehung zu der Füchsin scheint mir gar nicht so kompliziert zu sein.
Das ist natürlich nur meine persönliche Interpretation. Wenn ich mir das so ansehe, haben sie sich geliebt. Und sie wollte Stabilität und Sicherheit in ihrem Leben, was der Prota ihr nicht bieten konnte.
Also ging die Beziehung, falls es eine war, in die Brüche und sie hing sich an jemanden, der ihr das geben konnte, was sie wollte. Sie ist nicht glücklich, aber gibt sich zufrieden. Traurig.

Vom Stil her bin ich nach wie vor begeistert. Ich lese das gerne. smile
Jetzt wäre aber für mich der Punkt, an dem mal Tacheless geredet werden muss. Oder es müsste Abwechslung folgen.
Noch mehr Gedanken darüber, wann er die nächste flachlegt, würde ich nur noch mit Augenrollen über mich ergehen lassen und anfangen quer zu lesen, bis etwas Interessantes passiert.
Und natürlich möchte ich wissen, warum er so kaputt ist. Für mich persönlich kann das nicht nur an der "verlorenen Liebe" liegen. Ich meine klar, es gibt Menschen, die dadurch sich selbst verlieren, aber bei seinem Maß der Selbstzerstörung und des möglichen Selbsthasses, müsste sie ihm schon das Herz herausgerissen, draufgespuckt, es als Aschenbecher missbraucht und ihm dann wieder eingepflanzt haben, so dass nur noch dieser kleine kümmerliche Klumpen übrig ist und ihn von einem Bett ins nächste treibt.

ABER alles nur meine Interpretation!

Noch immer gerne gelesen! smile


LG,
Seraiya


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Einen Dummkopf erkennt man daran, dass er alles abtut, was er anhand seiner eigenen Erfahrungen nicht erklären kann.
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Yachen
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BeitragVerfasst am: 19.08.2015 11:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe Teil 3 auch gelesen. Kann nicht sagen, warum. Irgendwie wollte ich wissen, wie es weiter geht. Vielleicht ist es das, was ein gutes Buch ausmacht. Die Unvorhersehbarkeit.

Das wäre eine Geschichte, die ich bis zum Ende lesen würde, ohne sagen zu können, ob sie mir gefällt oder nicht. Deshalb kann ich dir keine Meinung dazu geben.

Aber ich wollte, dass du weißt, dass zumindest ich weiterlesen musste. Ich bin mir sicher, dass es anderen auch so geht. Also lass dich nicht beirren und vollende es.

LG
Yachen
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Vincent Vice.
Geschlecht:männlichHobbyautor

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BeitragVerfasst am: 19.08.2015 13:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

hmmm... Das sind wirklich interessante Kommentare, die ich hier von euch bekomme, danke dafür. Gerade bin ich irgendwo zwischen bestärkt und zweifelnd. ^^

Ich weiß, dass diese Art einen Roman zu schreiben aufgrund der wirren Chronologie und dem merkwürdigem Spannungsbogen, sehr unkonventionell ist. Das ist Absicht. Die Chronologie soll den Leser verwirren, aber am Ende ist es möglich, jedes Kapitel zeitlich ungefähr einzuordnen, versprochen. Ich weiß nur nicht, ob es jemanden außer mir gibt, dem das wirklich über ein ganzes Buch gefällt.
Auch, dass man die Lebensabschnitte des Protas lesen kann, als wären es zwei Charaktere ist mehr oder weniger gewollt, da ich seine Zerrissenheit bzw. Veränderung dadurch darstellen will (in "Victoria" ist er zum Beispiel noch viel unsicherer, in "die Drogenfrau" ist er viel kaputter und so weiter).
Ich frage mich natürlich immer noch, ob diese Idee von Außenstehenden so erkannt wird und ob die, die es verstehen, es dann auch gut finden...
Schließlich entscheide natürlich nicht ich, ob meine Geschichte was taugt, sondern ihr.

Am roten Faden des Buches kann ich nichts ändern, weil es mir so gefällt (vor allem, weil ich ja das Ende schon kenne lol2).

Allerdings könnte ich das Buch in verschiedene Teile eingliedern, die andere Schwerpunkte haben. So kann ich Abwechslung rein bringen.
(Teil eins- Die Frauen, Teil 2- Die Drogen, Teil 3- Die Musik, Teil 4 - Die Füchsin).

Was haltet ihr davon?

Okay, jetzt zu euren Kommentaren:

@ Uibui:

Okay, schade, dass Dich die Fortsetzung nicht halten konnte. Danke für Dein Kommentar und dass Du bis hierhin dabei warst!

@ Seraiya:

Danke auch dieses Mal für dein mühevolles Kommentar. Mir sind natürlich alle Kommentare wichtig, aber ich lege besonderen Wert auf Deine Meinung, da ich glaube, dass Du am Ehesten etwas mit meiner Idee anfangen kannst und mit Deinen Verbesserungsvorschlägen ziemlich genau meine Zielgruppe vertrittst (achte auf die Neunen!!). Deine Analyse meines Protas im Kapitel Drogenfrau fand ich übrigens großartig!

Ja, sorry. Kommas und ich mögen uns nicht so gerne...

Mein Prota muss kein Sympathieträger sein. Vielleicht liest es sich schöner, aber ich weiß nicht, wie ich jemanden sympathisch verkaufen soll, der solche Dinge tut. Das will ich aber auch eigentlich gar nicht. Wichtig ist, dass man am Ende erkennt, warum er tut, was er tut und ihn nicht einfach als Arsch abstempelt. Das wäre mir zu einfach. Ein Held werde ich aber wohl nicht mehr aus ihm machen können. wink

Seine selbstzerstörerische Ader hat ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht (aber klasse, dass Du "selbstzerstörerisch" sagst, denn das wird in wenigen Kapiteln thematisiert). Der wäre ja erst dann erreicht, wenn er sich selbst zerstört hat. Und, das "Warum" ist die Hauptfrage, das stimmt. Deshalb will ich es nicht jetzt schon aufdecken. Ein Wenig komplizierter ist das mit der Füchsin schon.

Ich habe es ja, oben schon geschrieben: Die Chronologie wird sich entwirren, nämlich dann, wenn der Charakter die entscheidenden Änderungen in seinem Leben trifft (Wenn man super aufmerksam ist, könnte man jetzt schon herauslesen, dass das Straßenmusikerleben nach seiner Arbeit als Personaler kommt aber das entwirrt sich später wie gesagt noch. Genauso wie die Frage wann er denn nun die Füchsin überhaupt getroffen hat).

Ich verstehe, dass das mit Jojo für Dich den selben Trott wie immer annahm, aber Dennis und Jojo sollen später noch wichtig werden. Deshalb kann ich das Kapitel nicht streichen. Vielleicht stattdessen ein anderes? Ich weiß nur nicht, welches... Eigentlich brauche ich für die Chronologie, die Charakterentwicklung und die Einführung späterer Charaktere jedes Kapitel...

Ich habe mir viele Gedanken über Deinen Wunsch nach Abwechslung gemacht. Deshalb die Idee mit den Teilen. Was denkst Du darüber (siehe oben)?

Natürlich, ich möchte Dir ja sagen, was ihn so kaputt gemacht hat.
Das ist aber erst das Ende des Buches.

@ Yachen:

Dankeschön! smile Freut mich total, dass es immerhin etwas an meiner Geschichte gibt, was Dein Interesse halten konnte. Das bedeutet mir viel, auch wenn Du nicht weißt, ob Dir das Ganze nun überhaupt gefällt oder was es genau ist, was Dich am Ball hält.

Vielleicht wird es ja in folgenden Absätzen greifbarer...

danke an alle und einen tollen Tag!

LG

W


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