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Sekundenzeiger


 

 
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501734
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 33
Beiträge: 115
Wohnort: Wald


BeitragVerfasst am: 17.07.2015 03:27    Titel: Sekundenzeiger eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sekundenzeiger

Es ist erstaunlich, wie sehr der Begriff »in Gedanken versinken« seinem Klang gerecht wird. Als würde man an einem Steg mit Beton an den Füßen in das kalte Nass aus Gedankenfetzen gestoßen werden. Man treibt mit monotoner Reisegeschwindigkeit in die Tiefen seiner Synapsenirrgärten und die aktive Wahrnehmung der Umwelt schrumpft zu einem weit entfernten Schauplatz verschwommener Intensionswellen und Reaktionswogen. Ich tauche durch das bunte Korallenriff meines Kopfes und ein Schwarm Rot-Töne zieht an mir vorbei.
Plötzlich durchfährt mich ein Gefühl, als würden sich die letzten Kanten und Zipfel meines Geistes zurück in meinen Körper quetschen. Augenblicklich rasen all meine Sinne in mein physisches Verständnis von Ich zurück.

Ich werfe einen verschwommenen Blick durch meine sensibilisierten und überreizten Augäpfel, welche durch fehlenden Schlaf von roten Äderchen durchzogen sind, wodurch meine Regenbogenhaut als blauer Ball inmitten dieses roten Käfigs gebleicht und verwaschen aussieht.
Die Form meiner fleischlichen Hülle scheint meinem Geist letzten Endes zu entsprechen und ein letzter erdachter Tentakel, gewoben aus Kindheitserinnerungen und Glücksgefühlen, verschwindet im Ärmel meines schwarzen Kapuzenpullovers.

Mein im Autopilot agierendes Äußerliches beugt sich nach vorn, um die Balkontür zu schließen, damit weder die mutwillig herbeigeführte Isolation des Raumes, noch die isolierte Zeit innerhalb dieses Raumes vom leicht dunstigen Tabaknebel verlassen werden. Diese scheinbar funktionierende, aber dennoch nur flüchtige, subjektiv reale Zeitzone, welche auf das Ticken der Uhren verzichtet legt eher ein zähes Fließverhalten an den Tag, Dalis Uhren gleich.

Beständigkeit der Erinnerung.

Eingebildete Laute einer humanoiden Dampfmaschinerie musizieren abseits anderer Geräusche im Innenraum meines Gehörganges, als ich meinen Kopf langsam hebe, um die Schriftzüge an der gegenüberliegenden Wand zu lesen. Die einzelnen Zeichen erscheinen durch den Streuwinkel der Spraydose, gepaart mit der erhabenen Struktur der Raufasertapete, wie schwarze Gebilde aus Lavagestein, gebogen, gezerrt, diffus verteilt vom Schleier der Welleninterferenzen. Nur eine Handbreit unter der Oberfläche wartend und vom hektischen Meer bedeckt; zum Flüstern gebracht.

Eine milde, einheitliche Grundstimmung schwängert den Raum. Sie hängt unter den hohen Decken, kriecht in die Fasern der Textilien, legt sich wie eine Staubschicht auf jedwede Oberfläche. Zirkulierend hinter dem Windschatten eines eben erst ausgeatmeten und freigelassenen Momentes. Gefangen in einer zwischen den Lidern herausgepressten Träne, als letztes Erbe eines weg geblinzelten Augenblickes. Still stehend. Umgeben vom Lauf der Dinge.

Als später das Tageslicht verschlafen unserer Welt und der Stadt vor unseren Füßen den Morgen schenkte, die Straßen und Fußgängerzonen auf der anderen Seite unserer eigenen, isolierten Wirklichkeit zu pulsieren begannen und sich aus der zeitlosen Nacht ein vermeintlich durch Stunden abgestufter Tagesbeginn erhob, welcher dem allgegenwärtigen Treiben einen fortwährenden Weg diktierte, prangte uneingeschüchtert das Raunen der stürmischen See - geboren aus dem Flüstern einer stürmischen Seele - an der Makellosigkeit der weißen Tapete:

»Deal with it«
Was so viel heißt wie:
»Komm' damit klar.«



_________________
ᴡᴇ'ʀᴇ ᴀʟʟ ғᴜᴄᴋᴇᴅ!
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Catalano
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 39
Beiträge: 139



BeitragVerfasst am: 17.07.2015 09:48    Titel: Antworten mit Zitat

Shocked Very Happy

oha, dein Text ist sehr poetisch. Du weißt mit Worten umzugehen und kannst auf jeden Fall schreiben.

Leider ist mir das zu viel des Guten. Du hast in die Sätze so viel Zeug hineingepackt, dass ich sie manchmal nicht so ganz verstanden habe. Ich musste Manches drei Mal lesen, um den Sinn zu begreifen, und habe ihn doch nicht begriffen.

Die Worte, die du benutzt, klingen sehr schön und interessant, aber ich habe das Gefühl, dass da teilweise die Logik hinter fehlt.
Es sei denn, ich war zu dumm es zu begreifen.

Was meinst du zum Beispiel mit humanoider Dampfmaschinerie?

Oder das habe ich nicht ganz nachvollziehen können:


 

Zitat:
Die Form meiner fleischlichen Hülle scheint meinem Geist letzten Endes zu entsprechen


Aber dennoch, schreiben kannst du.
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Rodge
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 822
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 17.07.2015 10:59    Titel: Lesegenuß Antworten mit Zitat

Moin, moin,

ich bin ein bildhafter Leser, d. h. beim Lesen versuche ich mir das Gelesene zu verbildlichen. Das gelang mir bei deinem Text nicht (vielleicht fehlt mir auch der Grips dafür), deswegen habe ich nach einigen Absätzen aufgehört.

Trotzdem (oder gerade deswegen) weiterhin viel Spaß damit!

Rodge
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Viktoriaschreibt
Gänsefüßchen


Beiträge: 37



BeitragVerfasst am: 17.07.2015 20:15    Titel: Antworten mit Zitat

...wow....
Dein Text ist sensationell!
Ich bin hin und wieder über ein paar einzelne Worte gestolpert, die für mich den Lesefluss gestört haben wie z.B. Gehirnsynapsenirrgarten. Vielleicht wäre nur Synapsen möglich? Aufgefallen ist mir auch, dass hin und wieder eine beschreibende Außensicht rein rutscht, was mich störte. Du beschreibst die Empfindungen des "Ich-Protagonisten", das was er denkt und fühlt, das kann ja wirklich so sein. Aber er kann nicht von außen sehen, dass seine Augen gerötet sind. Das hatte mich gestört, da brichst du aus dem Gefühl aus und beschreibst etwas, das nur ein Beobachter sehen könnte. Das würde ich weg lassen. Der ganze Text ist dahingehend zu prüfen. Dann ist das super.
Ich hoffe, das hilft dir weiter. Ein wunderbarer Text, wirklich, sehr gefühlvoll und wahrhaftigl
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nebenfluss
Geschlecht:männlichShow-don't-Tellefant


Beiträge: 5262
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
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BeitragVerfasst am: 18.07.2015 00:31    Titel: Antworten mit Zitat

501734 hat Folgendes geschrieben:

»Deal with it«
Was so viel heißt wie:
»Komm' damit klar.«

Tut mir leid, aber ich bin nicht damit klargekommen.

Für mich liest sich das als habe jemand vor lauter Formulier- und Satzbaulust vergessen, sich dem Leser mitzuteilen ... oder noch nicht erkannt, dass es sich dabei um zwei verschiedene Schuhe handelt.

Nichts gegen bildhafte Vergleiche, aber die Bilder sollten schon stimmen, und wenn sie so intensiv bemüht werden, ihre eigene metaphorische Geschichte erzählen.  
Vieles hier scheint mir schief oder viel zu umständlich formuliert: Was z. B. ist der Innenraum eines Gehörgangs - hat ein Gehörgang auch einen Außenraum? Wie kann etwas, dass sich "wie eine Staubschicht" auf die Gegenstände legt, gleichzeitig zirkulieren und wie (und wozu überhaupt) lässt sich ein so raumgreifender Vorgang hinter! einem Windschatten lokalisieren? Im nächsten Moment steht dieses Etwas dann wieder still (eben war es noch dabei, sich zu legen) - eine ganz schöne Aerobic, die deine milde, einheitliche Grundstimmung da veranstaltet.

Unglücklich konstruiert finde ich auch das Nebeneinander von Abstraktem und Konkretem, z. B. Korallenriff vs. Rot-Töne (statt etwa rote Fische), sowie sich auch Kapuzenpulli und Tabaknebel schlecht verstehen mit dem Geschwurbel über Intensions(Intentions?)wellen und Reaktionswogen, eine im Raum isolierte Zeit(?) und - puh! Kanten und Zipfel eines Geistes, die sich zurück in den Körper quetschen.
So elaboriert, wie das offensichtlich wirken soll, ist das keineswegs, wenn man mal hinter den Vorhang aus Adjektivlametta und Satzgirlanden lugt.

Nicht, dass du deshalb den Mut verlieren solltest. Du beherrschst die deutsche Sprache, hast offenbar einen brauchbaren Wortschatz und Spaß am Sätze bauen. Nur vermittelt mir der Text, da wolle ein Erzähler mehr beeindrucken als wirklich etwas aussagen.
Was soll denn der Leser nun am Ende mitnehmen aus dieser Geschichte (oder soll es der Anfang für etwas Längeres sein)? Eine Meditation rund um das Versinkens in Gedanken? Oder die magere Handlung (= jemand hat soeben etwas an eine Raufasertapete gesprüht)?


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Tjana
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 62
Beiträge: 1930
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 18.07.2015 01:10    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag es, wenn jemand mit Worten zu spielen weiß. Deshalb habe ich deine Geschichte gerne gelesen. Manchmal schien es mir zu viel des Guten, da würde weniger kraftvoller ankommen.
Für mich zeigte sich auch der Wechsel vom Versunkensein zum Alltag sehr deutlich.
Dies  gefiel mir besonders gut:
Zitat:
eines eben erst ausgeatmeten und freigelassenen Momentes

Im letzten Absatz bin ich über den Zeitsprung gestolpert und konnte dem Sinn auch nicht folgen.

Dein Text steht ja im Einstand, nicht in der Werkstatt. Deshalb gebe ich dir nur einen ersten Eindruck.
Würde gern mehr von deinen Geschichten lesen


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Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
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bibo50
Geschlecht:weiblichWortedrechsler

Alter: 61
Beiträge: 86
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BeitragVerfasst am: 18.07.2015 09:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hey du,

ich bin fasziniert davon, wie man so mit Worten spielen kann - ich kann das nicht.
Mir fällt es auch schwer, lange Sätze mit ungewohnten Worten zu lesen. Ich musste das Meiste mehrmals lesen.

Nichtsdestotrotz gefällt es mir.

Das Korrigieren überlasse ich anderen, dafür bin ich weniger geschaffen.

Sonnige Grüße
Birgit


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hija de sueños
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princess of night
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Alter: 59
Beiträge: 906
Wohnort: Planet Erde


BeitragVerfasst am: 18.07.2015 09:57    Titel: Antworten mit Zitat

Alltägliche Banalität in grosse Worte gepackt, hinterlässt bei mir den Eindruck, dass ein Mensch auf Speed oder ähnlichem Kraut extremste visuelle Eindrücke hat. Interessante Formulierungen. Zwangen mich weiter zu lesen. Ziel erreicht? Zumindest bei mir smile Es hat gefallen.....irgendwie.

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Das eine oder andere Gute steckt schon im Menschen.
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Constantine
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Goldener Sturmschaden Weltrettung in Bronze


BeitragVerfasst am: 18.07.2015 18:02    Titel: Re: Sekundenzeiger Antworten mit Zitat

Hallo 501734,

Willkommen im Forum und danke für deinen Text. Von der Rubrikkennzeichnung sehe ich ihn nicht als Kurzgeschichte, eher als eine Momentaufnahme einer (inneren) Situation, die dein Protagonist in Gedanken mit vielen Metaphern beschreibt.
Sprachlich blähst du eine Bilderflut auf, die mich am Ende aber unzufrieden zurücklässt. Hier dominiert mMn Stil über Inhalt und so entsteht keine richtige Einheit zwischen der gewählten bildhaften Sprache und den im Text beschriebenen Gedankengängen, die zum Ende hin dieses Bildhafte vermissen lassen und mir stattdessen eine Message/Essenz schlussfolgernd hinknallen, die verglichen mit dem gesamten Text vom Stil her anders ist und somit sehr heterogen zum Gesamtbild ist, aber mir vom Ton her besser gefällt, als die vorhergehenden Textabschnitte.

Zum Text selbst einige Anmerkungen:
501734 hat Folgendes geschrieben:
Sekundenzeiger

Es ist erstaunlich, wie sehr der Begriff <-- ein Begriff ist es nicht, sondern eher eine Redewendung. Ein Begriff ist ein Wort, "in Gedanken versinken" sind drei Wörter, drei Begriffe. Ich denke, mit der Wahl "Redewendung" würdest du hier treffender formulieren. »in Gedanken versinken« seinem Klang <-- für mich geht es hierbei nicht um den Klang, sondern um das Bildhafte, das diese Redewendung impliziert. Auch hier finde ich deine Wortwahl "Klang" unpassend. gerecht wird. Als würde man an von <-- MMN falsche Präposition. Man wird nicht "an " einem Steg ins kalte Nass gestoßen, sondern "von" einem Steg. mit Beton an den Füßen in das kalte Nass aus Gedankenfetzen gestoßen werden. Man treibt mit monotoner Reisegeschwindigkeit in die Tiefen seiner Synapsenirrgärten und die aktive Wahrnehmung der Umwelt schrumpft zu einem weit entfernten Schauplatz verschwommener Intensionswellen Intentionswellen und Reaktionswogen. Ich tauche durch das bunte Korallenriff meines Kopfes und ein Schwarm Rot-Töne <-- direktes Bild Korallenriff, aber ungenauer Schwarm "Rot-Töne". Warum? zieht an mir vorbei.
<-- Was mir am ersten Absatz missfällt ist dein sehr genereller Einstieg mit "Man" und im letzten Satz des Absatzes kommt ein "Ich", wodurch das ganze Beschriebene persönlicher wird. Warum fängst du nicht gleich persönlich an. Dein gesamter Text ist aus der personalen Ich-Perspektive. Warum nicht auch den Anfang auf den personalen Erzähler beziehen, statt distanzierte und verallgemeinernde "man" zu verwenden?
Plötzlich durchfährt mich ein Gefühl, als würden quetschen sich die letzten Kanten und Zipfel meines Geistes zurück in meinen Körper quetschen. Augenblicklich rasen all meine Sinne in mein physisches Verständnis von Ich zurück.

Ich werfe einen verschwommenen Blick durch meine sensibilisierten und überreizten <-- das ist mMn redundant und auf eines von beiden kannst du verzichten. Augäpfel, welche durch fehlenden Schlaf von roten Äderchen durchzogen sind, wodurch meine Regenbogenhaut Iris als blauer Ball inmitten dieses roten Käfigs gebleicht und verwaschen <-- für mich erneut redundant und auch hier kannst du auf eines davon verzichten. aussieht.
Die Form meiner fleischlichen Hülle scheint meinem Geist letzten Endes zu entsprechen und ein letzter erdachter Tentakel, gewoben aus Kindheitserinnerungen und Glücksgefühlen, verschwindet im Ärmel meines schwarzen Kapuzenpullovers.

Mein im Autopilot agierendes Äußerliches beugt sich nach vorn, um die Balkontür zu schließen, damit weder die mutwillig herbeigeführte Isolation des Raumes, <-- kein Komma. noch die isolierte Zeit innerhalb dieses Raumes vom leicht dunstigen Tabaknebel verlassen werden. Diese scheinbar funktionierende, aber dennoch nur flüchtige, subjektiv reale Zeitzone, welche auf das Ticken der Uhren verzichtet(Komma) legt eher ein zähes Fließverhalten an den Tag, Dalis Uhren gleich.

Beständigkeit der Erinnerung.

Eingebildete Laute einer humanoiden Dampfmaschinerie musizieren abseits anderer Geräusche inm Innenraum meinesm Gehörganges, als ich meinen Kopf langsam hebe, um die Schriftzüge an der gegenüberliegenden Wand zu lesen. Die einzelnen Zeichen erscheinen durch den Streuwinkel der Spraydose, gepaart mit der erhabenen Struktur der Raufasertapete, wie schwarze Gebilde aus Lavagestein, gebogen, gezerrt, diffus verteilt vom Schleier der Welleninterferenzen. Nur eine Handbreit unter der Oberfläche wartend und vom hektischen Meer bedeckt; zum Flüstern gebracht.
<-- ich würde hier völlig auf alles was mit "scheint", "erscheint" und "scheinbar" erklärt wird, verzichten. Generell sind mir die drei oberen Absätze zu erklärend verkopft. Anstelle, dass dein Protagonist richtig eingetaucht ist und seine Wahrnehmung auch als solche beschreibt, kommt er mir sehr abseits stehend als Beobachter und Analyst vor. Das passt für mich nicht. Entweder ist er mittendrin, dann erscheinen ihm seine Wahrnehmungen nicht so distanziert-erklärend, sondern es "ist", oder er ist ein Beobachter, ist getrennt von seiner Wahrnehmung, erlebt sie nicht hautnah, sondern abseits und kann Schein von Sein differenzieren.

Eine milde, einheitliche Grundstimmung schwängert den Raum. Sie hängt unter den hohen Decken, kriecht in die Fasern der Textilien, legt sich wie eine Staubschicht auf jedwede Oberfläche <-- ich tue mich etwas schwer damit, das Bild zusammenzubekommen und mich stört der empfundene Widerspruch. Einerseits kriecht hinein, andererseits legt sich auf. Da würde ich mich für eines entscheiden. . Zirkulierend hinter dem Windschatten eines eben erst ausgeatmeten und freigelassenen Momentes. Gefangen in einer zwischen den Lidern herausgepressten Träne, als letztes Erbe eines weg geblinzelten weggeblinzelten Augenblickes. Still stehend. Umgeben vom Lauf der Dinge.

Als später das Tageslicht verschlafen unserer Welt und der Stadt vor unseren Füßen den Morgen schenkte, die Straßen und Fußgängerzonen auf der anderen Seite unserer <-- in diesem Abschnitt plötzlich das Verlassen des Ichs und hin zu einem vereinenden "Uns", welches ich nicht nachvollziehen kann, mich aber auch nicht anspricht. Hier scheint dein Protagonist für uns alle reden zu wollen, was für mich nicht zutrifft, und ich finde, hier solltest du weiterhin personal beim Ich bleiben, denn es ist alles sein Empfinden und seine Wahrnehmung. . eigenen, isolierten Wirklichkeit zu pulsieren begannen und sich aus der zeitlosen Nacht ein vermeintlich durch Stunden abgestufter Tagesbeginn erhob, welcher dem allgegenwärtigen Treiben einen fortwährenden Weg diktierte, prangte uneingeschüchtert das Raunen der stürmischen See - geboren aus dem Flüstern einer stürmischen Seele <-- was genau ist hier die Verbindung der Wiederholung? - an der Makellosigkeit der weißen Tapete:

»Deal with it«
Was so viel heißt wie:
»Komm' damit klar.«


Dein Text krankt mMn an einigen Stellen und trifft in letzter Konsequenz mich als Leser nicht, sondern verpufft leider. Soweit meine Eindrücke.
Vielleicht ist etwas Hilfreiches dabei.

LG,
Constantine
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501734
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 33
Beiträge: 115
Wohnort: Wald


BeitragVerfasst am: 29.07.2015 18:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey ihr alle! Shocked

Danke erst einmal für die vielen Kritiken, war eben total überfahren. Da ist man mal ein paar Tage nicht da... Wink

Catalano hat Folgendes geschrieben:
Die Worte, die du benutzt, klingen sehr schön und interessant, aber ich habe das Gefühl, dass da teilweise die Logik hinter fehlt.
Es sei denn, ich war zu dumm es zu begreifen.

Was meinst du zum Beispiel mit humanoider Dampfmaschinerie?

Der Plan war im Grunde genommen, nicht nur die Beschreibung einer Szene sondern auch das grundsätzliche Schaffen dieses Gefühls, was dem Erzähler zu dem Zeitpunkt innewohnt, sowie durch bildliche Vergleiche, als auch durch den puren Klang der gewählten Worte. Das scheint mir wohl nicht so gut bzw. nur stellenweise zu gelungen zu sein Mr. Green

Zitat:
Die Form meiner fleischlichen Hülle scheint meinem Geist letzten Endes zu entsprechen

Damit war gemeint, dass sich das Bewusstsein das Erzählers wieder zurück in dessen Körper tritt, er selbst sozusagen aus seinem Tagtraum zurückkehrt und zu dem Zeitpunkt erneut - dieses Mal bewusster als davor - den Ort wahrnimmt, an welchem er sich befindet.

Viktoriaschreibt hat Folgendes geschrieben:
Aufgefallen ist mir auch, dass hin und wieder eine beschreibende Außensicht rein rutscht, was mich störte. Du beschreibst die Empfindungen des "Ich-Protagonisten", das was er denkt und fühlt, das kann ja wirklich so sein. Aber er kann nicht von außen sehen, dass seine Augen gerötet sind. Das hatte mich gestört, da brichst du aus dem Gefühl aus und beschreibst etwas, das nur ein Beobachter sehen könnte. Das würde ich weg lassen. Der ganze Text ist dahingehend zu prüfen. Dann ist das super.

Vielen Dank für den Hinweis lol2
Ich schätze, dass ist genau der Grund, weswegen ich hier her bin. So etwas wäre mir allein nie aufgefallen!

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Nur vermittelt mir der Text, da wolle ein Erzähler mehr beeindrucken als wirklich etwas aussagen.
Was soll denn der Leser nun am Ende mitnehmen aus dieser Geschichte (oder soll es der Anfang für etwas Längeres sein)? Eine Meditation rund um das Versinkens in Gedanken? Oder die magere Handlung (= jemand hat soeben etwas an eine Raufasertapete gesprüht)

Wie am Anfang schon erwähnt, habe ich versucht mehr ein Gefühl hervorzurufen, denn - da hast du recht - in dem Text selbst passiert eigentlich überhaupt gar nichts Mr. Green
Deswegen trifft das mit dem Zurückziehen in die innere Gedankensuppe wohl eher zu.

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Dein Text krankt mMn an einigen Stellen und trifft in letzter Konsequenz mich als Leser nicht, sondern verpufft leider. Soweit meine Eindrücke.
Vielleicht ist etwas Hilfreiches dabei.

Tausend Dank für deine Kritik! Ich muss zugeben, ich habe den Text hier mit einer gewissen Selbstsicherheit gepostet, da er schon das ein oder andere Mal als gut befunden wurde - von Freunden und Bekannten. Nicht das mir deren Meinung weniger wichtig wäre, als Deine oder die der Anderen. Ich bin sehr froh, dass du meinen Text so seziert hast, und dir die Zeit für deine Einschätzung genommen hast. smile

princess of night hat Folgendes geschrieben:
Alltägliche Banalität in grosse Worte gepackt, hinterlässt bei mir den Eindruck, dass ein Mensch auf Speed oder ähnlichem Kraut extremste visuelle Eindrücke hat. Interessante Formulierungen. Zwangen mich weiter zu lesen. Ziel erreicht? Zumindest bei mir smile Es hat gefallen.....irgendwie.

Den Text habe ich an einem Samstag Morgen nach der Disco bei einem Bekannten geschrieben. Man könnte sagen, es war eine Art Momentbeschreibung und ich glaube meine Verfassung zu diesem Zeitpunkt brachte auch eine gewisse Eitelkeit bezüglich der eigenen Ausdrucksweise mit sich Wink

Alles in Allem vielen Dank für die Antworten!
Bei euch ist schick, hier bleib' ich Razz

Cheers,
501734


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