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Vogel
Eselsohr

Beiträge: 435
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 25.10.2014 21:51 Schreiben beim Fahren, Diktieren im Auto von Vogel
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Bis vor Kurzem musste ich täglich zwei Stunden im Auto pendeln. Ich habe in der Zeit einiges ausprobiert, um während der Fahrt an meinen Texten zu arbeiten. Ich will meine Erfahrungen mit Euch teilen und (da ich auch im neuen Job viel unterwegs sein werde), Verbesserungsvorschläge sammeln.
Meine Erfahrungen beziehen sich auf das iPhone, aber ich vermute, dass es für andere Smartphones ungefähr gleich gilt.
Zunächst habe ich es mit Dragon Dictate versucht. Ich war überrascht, wie gut das Programm meine Sprache erkennt. ABER: nur im ruhigen Raum. Im Auto, mit Fahrgeräuschen, war das Ergebnis unbrauchbar. Mittlerweile gibt es Siri, das ebenfalls ziemlich gute Ergebnisse erzielt, wenn man das richtige Mikrophon benutzt (siehe unten). Beide Programme haben aber ein Problem: sie müssen zwischenzeitlich „nachladen“, wenn sie die aufgenommenen Worte verarbeiten und über das Internet schicken. Dies bedeutet, dass man immer ein Auge auf das Telephon haben muss und wiederholt die Aufnahmetaste drücken muss. Das ist beim Autofahren ziemlich blöd.
Aber selbst wenn man im Stau oder so steht, gibt es das Problem, dass die Programme jedes Geräusch, dass man macht, als Wort verstehen wollen. Wenn man „äh“ sagt oder sich verspricht, kommt irgendein Unsinn heraus. Das heißt, dass man sehr diszipliniert sein muss und sich nicht im Satz korrigieren kann. Das fiel selbst mir schwer, als jemandem, der beruflich viel diktiert. Außerdem muss man sowieso einen gewissen Prozentsatz von falschverstandenen Worten akzeptieren. Man kann zwar Punkt und Komma diktieren, nicht aber Anführungszeichen und ähnliches.
Alles in allem kann man mit den Diktierprogrammen also einen überraschend brauchbaren Text produzieren, muss aber auf jeden Fall später noch einiges korrigieren und beim diktieren sehr diszipliniert sein.
Die Diktierfunktion eignet sich allerdings wirklich gut für kurze Notizen, wenn man sich während der Fahrt einen Einfall aufschreiben und selbst mailen oder sonstwie zuschicken will (hierzu, nicht nur während der Fahrt, empfehle ich übrigens das Programm Quick Drafts, das beim Öffnen ohne Umschweife eine leere Notiz aufmacht und danach jede denkbare Möglichkeit sie zu verschicken anbietet).
Für längere Texte habe ich jedenfalls den Weg gewählt, eine Audiodatei aufzunehmen, die ich später (manchmal auch erst ein halbes Jahr später) am Computer selbst abtippe. Das ist zwar natürlich eine zweifache Arbeit, aber erstens kann man beim Abtippen schon wieder einen Überarbeitungsschritt einbauen und zweitens ist es für mich extrem viel Wert, den Text überhaupt schon mal zu haben. Abtippen ist auch eine mechanische Arbeit, für die nicht die Ausrede gilt, man sei nicht inspiriert.
Sehr gerne benutze ich diese Variante auch für Brainstorms, die ich dann noch nicht mal abtippen muss, sondern mir bei Bedarf einfach wieder anhöre.
Zum Mikrophon: Um die Umgebungsgeräusche beim Fahren zu minimieren, ist es sinnvoll, ein Mikrophon zu nehmen, das man mit Bügel direkt vor dem Mund positionieren kann, also die üblichen PC-Headsets, gibt es für 20-30 Euro. Das große Problem ist aber, dass die immer zwei Klinkenstecker haben, das iPhone aber einen Eingang der Line-in und Line-out verbindet. Das Schwierigste an der ganzen Angelegenheit war es, einen Adapter von zwei Klinken auf eine Klinke zu finden. Irgendwie gab es das nirgends. Habe es dann bei einem Geschäft namens „Adaptare“ im Internet gefunden, für wenige Euro.
Dann besorgt man sich am besten noch eine App, die mehr Funktionen bietet, als die hauseigene Sprachnotizen-App. Ich empfehle z.B. den „Pure Audio Live Recorder“ (aber es gibt bestimmt hunderte andere). Dies bietet nämlich noch zwei entscheidende Vorteile: 1. Man kann die Mikrophonempfindlichkeit einstellen. Dadurch kann man das Mikrophon sehr dicht an den Mund bringen und dann die Empfindlichkeit runter drehen (andernfalls übersteuert es). Das führt dazu, dass die ganzen Umgebungsgeräusche überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden, die Stimme aber laut und deutlich (aber nicht übersteuert) ist. Die Aufnahme ist sehr klar und gut verständlich. 2. Es gibt die „Voice only“ Funktion. Die pausiert die Aufnahme, wenn man nicht spricht. Das heißt, dass man in Ruhe überlegen kann, ohne hinterher nervende, minutenlange Pausen auf der Aufnahme zu haben. Hier muss man am Anfang ein wenig ausprobieren, wie man den „Threshhold“ einstellt, damit nicht entweder leise Silben verschluckt oder umgekehrt noch die leisesten Atemgeräusche als Text interpretiert werden.
Alles in Allem habe ich mit dieser Kombination recht zuverlässige Ergebnisse. Ungefähr zwei Drittel eines 400 Seiten-Romans habe ich so verfasst.
Nach dieser langen Beschreibung meine Frage: Habt Ihr Tipps, wie man die Autofahrt als Autor nutzen kann?
Gruß
Vogel
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Nr. 5
Lachfaltensammler
 Alter: 44 Beiträge: 1175 Wohnort: in meiner eigenen Welt
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 25.10.2014 22:34
von Nr. 5
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Also ich würde das ja schonmal gerne testen.
Aber ab dem Wort "Smart-phone" war ich raus. Ich bin mit den Dingern auf Kriegsfuß und mein Telefon ist noch der Nachfolger der tragbaren Telefonzelle.
_________________ "Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende." Oscar Wilde
"Gilt übrigens auch für Überarbeitungen." Die Fünf |
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G.T.
Klammeraffe
G Alter: 40 Beiträge: 673
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Vogel
Eselsohr

Beiträge: 435
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 25.10.2014 22:49
von Vogel
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Wahrscheinlich ist es sogar einfacher, ein Bügelmikrofon für ein klassisches Diktiergerät zu finden, als fürs iPhone. (Du willst das Ding während der Fahrt ja nicht in der Hand halten)
_________________
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suntime
Eselsohr
S
Beiträge: 439
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S 25.10.2014 23:05
von suntime
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Also ich handhabe das recht einfach und es funktioniert verdammt gut:
Ich will das Ende der Fahrt erleben. Ich will keinen Unfall bauen und ich will nicht möglicherweise irgendwelchen Eltern erklären müssen, dass ich ihr Kind überfahren habe, weil ich mit meinem iPhone beschäftigt war.
Deshalb lasse ich solche Sachen beim Autofahren und konzentriere mich zu 100 Prozent auf das Fahren. Das ist vielleicht schade um die Zeit, aber gut für mich und für andere.
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Vogel
Eselsohr

Beiträge: 435
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 25.10.2014 23:19
von Vogel
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Deswegen habe ich z.B. auch diese Diktier-Apps, bei denen man ständig wieder Start drücken muss, nicht länger verwendet. Mit der Voice-Only-Funtion muss ich nur einmal auf Start drücken und kann dann diktieren und die Augen auf der Straße lassen. Da ich mit mir selbst spreche, kann ich das Tempo auch selbst bestimmen und die Klappe halten, wenn der Verkehr anspruchsvoller wird. Ich halte das für weniger ablenkend, als mich mit einem Beifahrer zu unterhalten. Und die Bedienschritte nicht für komplexer, als das Radio zu bedienen.
_________________
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Einar Inperson
Reißwolf

Beiträge: 1670 Wohnort: Auf dem Narrenschiff
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 25.10.2014 23:19
von Einar Inperson
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| suntime hat Folgendes geschrieben: | Also ich handhabe das recht einfach und es funktioniert verdammt gut:
Ich will das Ende der Fahrt erleben. Ich will keinen Unfall bauen und ich will nicht möglicherweise irgendwelchen Eltern erklären müssen, dass ich ihr Kind überfahren habe, weil ich mit meinem iPhone beschäftigt war.
Deshalb lasse ich solche Sachen beim Autofahren und konzentriere mich zu 100 Prozent auf das Fahren. Das ist vielleicht schade um die Zeit, aber gut für mich und für andere. |
Ein sehr guter Text. Die Aussage klar und schlüssig herausgearbeitet. Die Sprache dem Thema absolut angemessen.
Gerne gelesen
_________________ Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch
Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis
si tu n'es pas là , je ne suis plus le même
"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer |
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Merlinor
Art & Brain
 Alter: 74 Beiträge: 9221 Wohnort: Bayern
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 26.10.2014 14:16
von Merlinor
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Hm ...
Ich sehe darin eigentlich kein Problem.
Ich war viele Jahre lang als Taxifahrer beruflich mit dem Auto unterwegs, musste mich während der Fahrt mit dem Funk befassen, mich mit unterschiedlichen, manchmal auch problematischen Fahrgästen unterhalten bzw. auseinandersetzen und durfte dennoch die Konzentration auf den Verkehr nicht verlieren.
Das geht, das kann man lernen. Berufsfahrer müssen das lernen.
Wenn man, wie offenbar Vogel, viel mit dem Auto unterwegs ist, bietet es sich an, die Zeit nebenbei sinnvoll zu nutzen.
@Vogel: An diese Diktier-Apps glaube ich auch nicht recht. Das wird noch dauern, bis die die nötige Reife haben.
Besser ein Diktiergerät, bzw. das Smartphone als solches verwenden.
Wenn die Klangqualität gut ist, kann man den Text dann auch am heimischen Computer über eine Diktiersoftware einlesen.
LG Merlinor
_________________ „Ich bin fromm geworden, weil ich zu Ende gedacht habe und nicht mehr weiter denken konnte.
Als Physiker sage ich Ihnen nach meinen Erforschungen des Atoms:
Es gibt keine Materie an sich, Geist ist der Urgrund der Materie.“
MAX PLANCK (1858-1947), Mailand, 1942 |
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Vogel
Eselsohr

Beiträge: 435
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 26.10.2014 22:20
von Vogel
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Ich kann übrigens auch noch Podcasts empfehlen, um die Zeit im Auto zu nutzen. Sowohl Autorenpodcasts wie Writing Excuses oder die Schreibdilettanten als auch alles mögliche zu Recherchethemen, die eben gerade interessant sind.
_________________
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Pütchen
Weltenbummler
 Moderatorin
Beiträge: 10311 NaNoWriMo: 40788 Wohnort: Im Ländle
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 27.10.2014 05:47
von Pütchen
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Interessantes Thema, Vogel, das ja nicht unbedingt nur aufs Autofahren anzuwenden ist. Ich bin keine Hausfrau und bügle nichts, aber ich stelle mir vor, das könnte man auch da gut anwenden
Oder bei sonstigen Tätigkeiten, die keine allzu großen Hintergrundgeräusche verursachen. Ich habe auch schon öfter über ein Diktiergerät nachgedacht, vielleicht sollte ich das Nachdenken intensivieren
Frage zum späteren Abtippen: Wie funktioniert das dann mit dem Abschreiben? Ich kenne nur die alten Abspielgeräte mit den Kassetten und Fußtaste - wie funktioniert das hier mit den Pausen, wenn man mit dem Tippen nicht mehr hinterherkommt? Muss man jedes mal das Gerät mit der Hand bedienen?
P.S. Übrigens bin ich nicht sicher, ob es wirklich besser ist, gar nichts neben dem Fahren her zu tun, weil es einfach sehr ermüdend ist, wenn man täglich viel fährt und routiniert ist. Ich denke, es mindert die Aufmerksamkeitsschwelle nicht, wenn man den Geist nebenher rege hält (solange man wirklich nicht an irgendwelchen Gerätschaften herumfingern muss und dies automatisch läuft).
_________________ ****************************************************************
"Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken."
(Isaac Newton, 1642-1726)
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Vogel
Eselsohr

Beiträge: 435
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 27.10.2014 10:02
von Vogel
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Bei einem klassischen Diktiergerät müsste man sich wahrscheinlich am Besten so ein Fußteil besorgen.
Ich mache es so: Audiodatei in iTunes importieren und dort abspielen. Dann kann ich die Wiedergabe mit der Start-Stopp-Taste oben an der Tastatur regeln, was mittlerweile ein genauso routinierter Fingertipp ist wie Zahlen oder Buchstaben.
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seitenlinie
Reißwolf

Beiträge: 1828
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 27.10.2014 11:53
von seitenlinie
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Ich nutze Dragon Naturally Speaking manchmal am Rechner.
Das geht schneller als Tippen, ist aber sehr anstrengend. Neben dem Inhalt muss ich mich darauf konzentrieren,
wie ich es dem Programm sage. Neue Wörter müssen buchstabiert oder trainiert werden, Probleme gibt es mit
Zahlen oder mit der Groß-/Kleinschreibung. Ich bin ständig am Korrigieren, das mache ich dann gleich per Tastatur.
Würde ich blind einsprechen, käme zu viel Blödsinn an. Es müsste komplett überarbeitet werden. Neu Einsprechen geht
aber schneller als Überarbeiten.
Deshalb hab ich alle Gedanken an direktes Diktieren im Auto verworfen.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass man ein Diktiergerät wie ein Notizbuch verwendet und wichtige Ideen festhält.
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