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barhändig - in Fortsetzungen


 

 
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Autor Nachricht
Binturong
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 33
Beiträge: 24
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 06.08.2013 19:38    Titel: barhändig - in Fortsetzungen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Einleitung zu meiner Geschichte barhändig, die der erste Band meiner ODEM-Reihe werden soll. Eigentlich hätte sie hier in Leipziger Fraktur stehen sollen, doch leider sind wir da einwenig limitiert. Ich werde die Original-Version bei Gelegenheit in meinem Blog posten.

Das Lied des Adels
Gottes Boten wandeln auf Erden, als Herr über Tier und Mensch
Ihr Wesen ist Macht, ihr Wissen Geschichte und ihr Wort Gesetz
Von Anfang an waren da die Herzöge, sie alle hörten Gottes Wort, doch ein jeder verstand es anders
Sie führten ihre Familien und Stämme und wurden mit Dankbarkeit und Ehrfurcht entlohnt

Untereinander lagen sie jedoch im Streit; Wo endete das Land der Einen, wer war Gott und was sein Wille? Wer hatte Recht, wer Unrecht?
Und dann, vor langer Zeit, erhoben sich die Stärksten unter den Herzögen zu Fürsten und begannen sich im Kampf zu messen
Pest und Krieg überzogen die Welt, bis Hunger Herr in jedem Haus ward, ob klein oder groß
Leiber zerfielen zu Asche, Äcker wurden zu Sand, Luft zu Rauch und Wasser zu Blut

Zwischen all der Zerstörung dieser finsteren Jahre erhob sich schließlich ein Junge aus dem Meer der Toten
Seine Macht, in Körper und Geist, war die seiner Familie
Genährt vom Blut des gefallenen Vaters und dem Fleisch der gemeuchelten Geschwister
Als Mann ein Herzog, zwang er ein jeden Fürsten in die Knechtschaft oder den Tod

 

Und war sein Weg der Kampf, so war der Frieden sein Ziel, eine geeinte Welt in seinen Händen
So kennen wir den Jungen von einst heut' als Allfürst, den Mächtigsten unter den Mächtigen
Ein vorbildliches Wesen mit heiliger Macht und dem Recht zu sagen, sein Befehl wär' Gottes Wort
In einer strahlenden Rüstung, gefertigt von den Händen seiner treusten Diener

Viel Zeit verging und nach dem Tod des Allfürsts zweiter Frau verlor das Diesseits seinen Reiz für ihn
Er sah, dass alles gut war in seinem Reich und doch sehnte er sich nach dem Glanz der nächsten Welt
Er legte seine Rüstung ab und nahm ein letztes Mahl
Ein letztes Mal sah er, wie die Sonne am Ende der Welt erlosch, bevor die Sehnsucht seinen Körper zerfraß

Im Tod teilte sein letztes Wort das Reich, nach so kurzer Zeit der Einigkeit
Nord und Süd, West und Ost von einer Familie beherrscht, von Brüdern gelenkt, sie alle als Fürsten im eigenen Land
Kein Schuss vom Bogen, kein Hieb mit dem Schwert sollt je einer gegen die anderen führen
Das war ihr letzter Schwur im Angesicht des Allfürsten und ein jeden Lohn war ein Teil des mächtigen Vaters Rüstung

 

Dem Ältesten gab er den Helm, um damit so weise zu herrschen, wie sein es Vater zuvor tat
Dessen Bruder bekam die Armschienen, ein Schutz vor jeder Bedrohung die ihm harren mochte
Eine aufgenommene Waise, erzogen wie die eigenen Söhne, erhielt den Harnisch, auf dass sein Schicksal dem seiner Eltern nicht folgen mochte
Und der Jüngste, Sohn einer anderen Mutter, missachtet von den ältesten Zweien, erbte die Beinschienen, um sich aus allen Streit heraus halten zu können

Doch vom Vater geeint, unter den Kindern getrennt, im Frieden weich, war das Reich zu schwach als sich der Boden dem Bösen auftat
Der Allfürst war vergangen und seine unbezwingbare Rüstung geteilt unter Jenen die ihren Wert nicht kannten
Die Brüder und die letzten der Mächtigen hatten verlernt Gottes Wort zu hören, so verhallten die Warnungen und Zeichen ungehört
Die Wesen aus der Tiefe ergriffen die Gelegenheit und rissen die Nächte an sich

Nichts mochte die Teufel schrecken, denn da waren kaum mehr Herzöge in der Welt, ihr Großteil verloren in den Kriegen
So stürzte der älteste Sitz noch zur ersten Stunde und seine Geschwister stießen ins Horn
Einer fiel mit seinen Getreuen, als ihn der Mut ohne seine Macht verließ
Einer wurde von der Erde verschluckt und nie mehr gesehen

 

Der Letzte behielt sein Leben und von einem Traum geleitet, zog er mit allen, die ihm folgten, zum Schoß der Welt
Welcher einst der Ursprung seines Geschlechts, den Herzögen, den verlorenen Boten Gottes, gewesen war
Die Quelle des Reiches, im Herzen eines grünen Tales, umringt von hohen Zinnen und voll himmlischen Anmuts
So heilig, dass die Teufel ihn mieden und dort die einzige Antwort verborgen lag, mit der man die Menschheit zu retten vermochte

Und dort, im Schoß der Welt, fielen sie neben einander auf die Knie und schworen ihrem alten Leben der Selbstsucht ab
Denn trotz des Friedens in der Welt, herrschte keine Ruhe in den Herzen der Menschen
Gott nahm ihre Reue an und verriet ihnen die Geheimnisse der Himmelsdornen, deren Macht diesen Ort all die Zeit verteidigt hatte
Zuletzt segnete er die Reinsten von ihnen mit den Gaben der Welt und ernannte sie zum Adel der Schöpfung, sie sollten tun, wozu die Herzöge allein nicht mehr fähig waren

Der Adel und der Letzte der vier Söhne des Allfürsten warfen die Angriffe der Teufel zurück und nahmen ihr altes Land wieder in Besitz
Gau und Mark, Stadt und Wald erneut vereint in mächtigen Händen
Doch der Krieg war nicht vorüber, denn der Krieg gegen die Unterwelt ist der letzte Krieg
Solange die Sünden in den Herzen ruhen, so lang kämpft der Mensch gegen die Teufel an

123Wie es weitergeht »


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anuphti
Geschlecht:weiblichTrostkeks

Alter: 54
Beiträge: 3701
Wohnort: Isarstrand
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BeitragVerfasst am: 06.08.2013 20:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Binturong,

Ersteinmal herzlich willkommen im DSFo!

Leider überzeugt mich Dein Text nicht.
Nicht in dem angegebenen Genre (für Jugendliche ab 14) und auch außerhalb dessen nicht.
Die Angabe, dass Du ihn gerne in Fraktur geschrieben hättest, macht es für 14jährige noch ungeeigneter.

Soll das hier eine Art auf "alt" getrimmter Prolog sein?

Es kommt mir so vor, als ob Du eine Art Scrabble geschrieben hast, Wörter, die wuchtig klingen, einfach aneinander gereiht hast.

Beispiel:
Leiber zerfielen zu Asche, Äcker wurden zu Sand, Luft zu Rauch und Wasser zu Blut.

Mir ist schon klar, was Du damit sagen willst, aber so funktioniert es nicht.

Körper zerfallen nicht zu Asche, sondern verbrennen maximal zu Asche.
Äcker werden nicht einfach so zu Sand, Du kannst aus Ackerboden oder Lehmboden nicht einfach Sand machen.
Luft braucht Feuer, damit Rauch entsteht, und damit ist die Luft immer noch Luft, vielleicht raucherfüllt, aber Luft ist immer etwas anderes als Rauch.

Wasser und Blut ist eh klar, das spare ich mir jetzt.
Worauf ich hinaus will ist, Deine Sprache ist in ihren Bezügen völlig unklar, Du versuchst, besonders geheimnisvoll, altertümlich und pathetisch zu schreiben aber durch die verschobenen Bezüge wirkt es unfreiwillig komisch.

Tut mir leid, aber ein Buch mit dem Anfang würde ich nach der ersten Strophe wieder weg legen.

LG
Nuff


_________________
Learn from the mistakes of others. You don´t live long enough to make all of them yourself. (Eleanor Roosevelt)

You don´t have to fight to live as you wish; live as you wish and pay whatever price is required. (Richard Bach)
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Noir de Bla
Abc-Schütze


Beiträge: 8



BeitragVerfasst am: 06.08.2013 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann deinem Text leider nicht so ganz folgen.

Es gibt da so einige Wortverbindungen, die nicht so recht passen wollen, wie z.B.

Zitat:
Die Quelle des Reiches, im Herzen eines grünen Tales, umringt von hohen Zinnen und voll himmlischen Anmuts


Ich weiß nicht, was man sich unter einer "Quelle des Reiches" vorstellen soll. Einen Mittelpunkt von einem Gebiet kann ich mir z.B. vorstellen, aber die "Quelle"  ergibt in territorialer Hinsicht in meinen Augen nicht so viel Sinn.

Geht denn der ganze Roman in diesem Stil weiter, oder ist dieser "Frakturschrift" auf den Anfang beschränkt? Denn als Prolog mag sie noch interessant sein, aber ich stelle es mir schwer vor, sie über mehrere Seiten hinweg zu lesen, da es einfach schwierig ist, dieser zu folgen.
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Binturong
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 33
Beiträge: 24
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 07.08.2013 11:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@anuphti es braucht dir nicht Leid zu tun, du sagst deine Meinung und das ist in Ordnung. Ihr seid nicht die ersten die das zu lesen bekommen und gerade der Prolog ist schwierig und zwar nicht wirklich unabsichtlich. Er ist hart, wuchtig und in der Tat übertrieben pathetisch. Im Übrigen ist es eine Bildsprache, Metaphern wenn man so will, schwierig zu verstehen, wenn man sich nicht hinein versetzen will. Tatsächlich ist nichts von all dem so geschehen wie beschrieben.
Das Buch ist fertig und es haben schon einige gegen gelesen, dadurch weiß ich mittlerweile, dass du unter Umständen nicht zu der geeigneten Zielgruppe dieses Buches gehörst, da es keine Frau bisher zu Ende gelesen hat. Es spricht in erster Linie Männer an, die im Verlauf der Geschichte immer mehr davon gefesselt werden.

@Noir de Bla an dieser Stelle bedeutet Quelle einfach Ursprung und hat keine geographische Bedeutung. Zinnen deuten natürlich auf ein Gebirge hin, was bedeutet, dass das Tal abgeschirmt ist.
Davon abgesehen geht der Roman nicht in diesem Stil weiter, um vorweg zugreifen es ist eine Geschichte in einem Sagenband, welchen der Protagonist mit dem Beginn schließt und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass ihr nicht die Einzigen seid, die mit dieser Geschichte ihre Probleme haben, allerdings ist die Einleitung durchaus nicht unrelevant, weil er der Geschichte durch den Bezug mit den Teufeln und dem Krieg gegen sie eine klare Richtung vorgibt.


_________________
Hi, vielleicht besucht ihr mal meinen Blog. Viel Spaß.
reikoberlin.wordpress.com/
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Binturong
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 33
Beiträge: 24
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 11.08.2013 13:36    Titel: eins pdf-Datei Antworten mit Zitat

So liebe Leser, bekanntlich gelangt man nach der Einleitung einer Geschichte zu ihrem ersten Kapitel - so auch bei mir. Viel Spaß.

eins

Mylan schloss das Buch und gähnte. Er hatte gehofft, dass ihn die eine oder andere Geschichte von dem unangenehmen Brennen in seinem Bauch ablenken würde, welches ihn schon am frühen Morgen unsanft aus seinen Träumen geweckt hatte. Doch das leise Brodeln in seinem Inneren hatte ihn nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.
Langsam drehte er das alte Buch in den Händen und besah sich den abgenutzten roten Deckel, auf dem ein goldener Schriftzug prangte, der bereits an einigen Stellen abgeblättert war.
Sagen aus dem gesamten Fürstenreich
Er seufzte. Seine Schwester hatte ihm das Buch in der Hoffnung geliehen, dass er ihm etwas abgewinnen konnte. Doch über die erste Geschichte war er nicht hinauskommen. Sie hatte ihn gelangweilt und nach seinem Dafürhalten wurde eindeutig zu oft Bezug auf Gott genommen. In der Sage wurde er fast so oft und ebenso oberflächlich erwähnt, wie in Unterhaltungen mit seiner Mutter. Bei diesem Gedanken kicherte er ein wenig, aber nicht ohne gleich mit einem brennenden Schmerz im Bauch dafür bestraft zu werden. Selbstverständlich glaubte er an eine lenkende Macht, nur nicht ganz so sehr wie sie es gern gehabt hätte.
Mylan beschloss aus seinem Bett aufzustehen. Es lohnte sich nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, da er zu der Überzeugung gelangt war, dass sich seine Bauchschmerzen, wenn sie es bisher nicht getan hatten, nicht mehr bessern würden. Er legte das Buch neben sich und warf die Decke zurück. Doch er musste schnell feststellen, dass jeder seiner Schritte auf dem kalten Zimmerboden mit unzähligen kleinen Stichen in seinen Gedärmen bestraft wurde.
Vorsichtig zog er den ausgeblichenen Vorhang von seinem Fenster zurück, welcher die morgendliche Sommersonne bisher zurück gehalten hatte. Nun tränkten ihre Strahlen das Zimmer in ein goldenes Licht und blendeten den Jungen kurzzeitig. Da draußen erstreckten sich die Gärten ihrer Nachbarn im Schatten der alles überragenden Stadtmauer, in denen sich der weiß blühende Himmelsdorn an Gerüsten entlang rankte und sicher bald anfangen würde die ersten kleinen Früchte zu tragen. Alles war so wie es sich gehörte und doch ließ Mylan das Gefühl nicht los, dass etwas nicht so war wie es hätte sein sollen. Als wäre der Himmel grün statt blau; was nicht zutraf, wie er sich mit einem prüfenden Blick nach Oben versicherte.
Es klopfte an der Zimmertür und Mylan schreckte aus seinen Gedanken auf. »Ja?«
Langsam wurde die Tür geöffnet und dann trat seine Schwester ein. Sie lächelte ihn einen Augenblick lang an, bevor sie sich verwundert im Zimmer umsah. »Hast du hier irgendetwas verändert?« Erst folgte er ihrem Blick, offensichtlich beschlich sie dasselbe Gefühl wie ihn, doch soweit er sehen konnte war in seinem Zimmer alles beim Alten. Was hätte auch groß anders sein sollen? Er besaß das kahlste Zimmer, das er selbst kannte. Auf einem Brett an der Wand schmiegten sich eine Handvoll Bücher aneinander, die er schon einige Zeit nicht mehr angerührt hatte; neben einer alten Truhe befand sich sein schmaler Schreibtisch, der ein wenig mit dem Öl aus der Leuchte beschmiert war, die auf ihm stand, und davor befand sich ein knarzender Stuhl, der schon seinem Vater gehört hatte. Abgesehen von dem Kleiderschrank gab es in dem Zimmer nur noch einen kleinen Wecker, der auf dem Boden neben seinem Bett stand, auf welchem gerade die zerwühlte Decke von der Sonne aufgewärmt wurde.
»Nein«, stellte er fest und wandte sich wieder seiner Schwester zu. Syry und er sahen sich unfassbar ähnlich, beide hatten sie die grasgrünen Augen ihres Vaters und die weizenblonden Haare ihrer Mutter. Nur war er drei Jahre älter als sie.
»Aber irgendetwas ist seltsam.« Sie ließ ihren Blick ein letztes Mal durch das Zimmer schweifen, doch plötzlich verzog sie das Gesicht und legte sich eine Hand auf den Bauch.
Besorgt streckte er einen Arm nach ihr aus. »Was ist mit dir?«
»Ach, nichts«, winkte Syry ab, bemüht sich nichts anmerken zu lassen und rieb sich unbewusst die Augen, unter denen sich dunkle Schatten gebildet hatten.
»Weißt du«, versuchte er ihr ein Stück entgegen zu kommen, »ich habe schon seit Stunden ein wenig Bauchschmerzen. Ob das vielleicht von dem Abendbrot gestern sein kann?«
Aufmerksam betrachtete er ihr Gesicht, ob sie ihm vielleicht ein Zeichen geben würde, dass es ihr ähnlich ging, doch Syry runzelte nicht einmal die Stirn. »Könnte sein …«, meinte sie abwesend und rieb sich versonnen den Bauch, als ob das Eine unmöglich etwas mit dem anderen zu tun haben konnte.
Mylan versuchte den Gedanken an ihre seltsamen Beschwerden zu verdrängen, als sein Blick auf den roten Einband fiel, der sich zwischen den Falten seiner Bettdecke zu verstecken schien. Mit einer betont lässigen Geste, als hätte er nicht mitbekommen, wie es ihr ging, zog er den Sagenband hervor und reichte ihn ihr. »Hier hast du dein Buch zurück.«
Sie nahm es ihm mit einem erschöpften, aber ehrlichen Lächeln ab und tätschelte dessen Rücken wie den eines alten Freundes. »Hat es dir gefallen?«
»Nicht so richtig …«, gestand ihr Bruder. »Es ist einfach nichts für mich und ich möchte auch kein ganzes Buch in dieser seltsamen Schrift lesen, bei der ich immer unsicher bin, ob das jetzt ein kleines S oder ein F sein soll.«
Seufzend ließ Syry ihren Blick über den goldenen Aufdruck des Buches gleiten. »Weißt du noch, von wem ich das habe?«
»Ich dachte das wäre von Opa«, meinte Mylan, der sich daran erinnerte, dass ihr verstorbener Großvater eine umfangreiche Büchersammlung besessen hatte. Wenigstens hatte er immer angenommen, dass Opa Grave die Bücher gehörten, die in seinem Arbeitszimmer gestanden hatten, in dem er als kleiner Junge immer gespielt hatte.
Kopfschüttelnd meinte Syry: »Nein, das hat mir Donar damals gegeben, bevor er fortgegangen ist.«
Nickend erinnerte er sich an den Jungen mit dem breiten Lachen im Gesicht, der sie vor Jahren ein Mal besucht hatte. Er war gemeinsam mit seinem … ja, was war der Mann eigentlich gewesen? Sein Vater? Nein, Mylan war sich ziemlich sicher, dass der Mann Donars Lehrer gewesen war, auch wenn sie sich, mit den kurz geschorenen Haaren, sehr ähnlich gesehen hatten.
»Ach so! Mama sagt, es ist egal, ob du das Frühstück verschlafen hast«, riss Syry sich selbst und ihn erneut aus den Gedanken, »dann musst du eben darauf verzichten. Du sollst dich fertig machen. Wir wollen bald los.«
»So früh?« Ihre Blicke kreuzten sich.
»Du kennst doch Mama.«
»Lieber wär' es mir, wenn nicht …« Er seufzte laut auf und verdrängte den Gedanken an das, was er gerade sagen wollte. Hoffentlich hatte seine Schwester es nicht verstanden. »Es ist doch nur wieder so eine langweilige Rede.«
»Vielleicht nehme ich das Buch mit?«, fragte Syry sich selbst und betrachtete abwägend den Sagenband in ihrer Hand. Mit einem Mal sah sie strahlend auf und zwinkerte ihrem Bruder zu, als wäre nichts gewesen und ihre Bauchschmerzen verflogen. »Ja, das werde ich einfach tun«, beschloss sie. »Vielleicht kann ich unauffällig darin lesen, während der Alte vor sich hin schwafelt.«
»Gut, tu was du willst. Ich mache mich jetzt besser fertig. Sonst beschwört Mutter noch das Ende der Welt herauf«, schloss Mylan und wartete, bis seine Schwester aus dem Zimmer war.
 
Johst Solms, der Vertreter des Adels in Keths, stand mit ausgestreckten Armen auf der hohen Bühne, die man in der Mitte des Marktes von Keths errichtet hatte. Nur für diesen Tag hatte man die Wagen und Buden der Händler aus den umliegenden Orten verbannt, die hier für gewöhnlich in dichten Reihen vor dem Rathaus des Ortes beisammen standen. Hinter dem Mann, der seine moosgrüne Kundgebungsrobe und die dazu gehörende schlichte Stoffkappe trug, hingen die blaugrüne Flagge Zwischenbergens und die schwarzweiße des Reiches ohne Wind schlaff an ihren Mästen. Solms war gerade dabei, eine seiner zahlreichen Reden zuhalten, mit denen er versuchte den Dorfbewohnern, die sich zu seinen Füßen versammelt hatten, den Grund für seine Anwesenheit ins Gedächtnis zurück zurufen.
»Bewohner von Keths, in den vergangenen Tagen haben sich wieder einige der schlimmsten Ereignisse in der Geschichte unseres Reiches gejährt. Vor neun Jahren und zwölf Tagen erhob sich der scharlachrote Riese, der größte Teufel, der je unsere Welt mit seinen abscheulichen Füßen betreten hat und durchzog das Fürstenreich mit Schrecken, Zerstörung, Verderben und Tod. Auf seinem Weg löschte er fast zehntausend Seelen aus. Er zerstörte die Stadt Frydnsbarg und zwölf Dörfer. Dabei durchbrach er ein ums andere Mal jeglichen Widerstand, den wir Menschen gegen ihn aufzubauen versuchten.« Solms holte tief Luft und ließ einen seiner schweren Blicke über die Menschenmenge vor sich schweifen. Seine Worte entfalteten ihre Wirkung langsam und er wartete eine Weile, bis er glaubte, dass sich alle vorstellen konnten, was sie zu bedeuten hatten: Das unvorstellbare Grauen, von dem sie selbst, Gott sei's gedankt, verschont geblieben waren. Der Adelsvertreter genoss ihre Aufmerksamkeit und die Stille, die um ihn herum herrschte.
»Viele Menschen ließen ihre Hoffnung auf Rettung fahren und flohen aus ihren Heimaten in die Hauptstädte Yngwersheim und Kyl, wobei sie vor Angst die Gefahren verdrängten, die stets noch von den gewöhnlichsten Teufeln ausgehen, die plötzlich und jederzeit in der halb gezähmten Welt da draußen auftauchen können.« Er zeigte mit einem Arm über die Stadtmauer hinweg, die alle Häuser überragte und Keths völlig umschloss. »So fanden schließlich auch viele der Flüchtlinge den Tod, die gar nicht in Bedrängnis geraten wären, nur weil sie ihr Gottvertrauen verloren hatten. Doch dann stemmten sich, genau heute vor neun Jahren, Herzogin Mathilda von den Witmunts, Freiherr Klyng und einige andere der stärksten Männer unseres Reiches dem scharlachroten Riesen entgegen. Dieser Gruppe gelang, wofür wir gebetet hatten: Mit aller Macht die sie aufwenden konnten bezwangen sie den Riesen. Bekanntermaßen überlebte von diesen großen Gestalten unserer Geschichte nur ein damaliger Adelsvertreter, den wir heute als Suntrager kennen, die Schlacht. Die anderen Helden opferten in selbstloser Weise ihr Leben für uns und unser Reich. Herzogin Mathilda ließ sogar ihren erst acht Jahre alten Sohn Herzog Mael zurück, dessen trauriges Schicksal uns allen ebenso bekannt ist wie das seiner Mutter. Und nun ist es unsere Aufgabe …«
Mylan versuchte standhaft wach zu bleiben und nicht im Stehen einzuschlafen, während er in der ersten Reihe der Menschenmenge neben seiner Mutter und Schwester stand. Das Schauspiel des Alten kannte er nur zu gut, immerhin lud seine Mutter ihn mehrmals im Jahr zum Essen zu ihnen nach Hause ein. Zu diesen Anlässen verhielt er sich nicht viel anders als jetzt. Immer lief er mit gesenktem Kopf herum, als ob seine Gedanken zu gewaltig für dieses kleine Dorf wären und ihn hier sowieso niemand verstehen würde. Wenn ihn dann doch jemand danach fragte grunzte er nur und winkte ab. 'Wie sollte mich jemand wie ihr denn verstehen?', fragte er dann stets.
Der alte Mann war ein langweiliger und hochmütiger Kauz, dem seine Macht wohl zu Kopf gestiegen war und nicht verstand, warum man ihn hierher abgeschoben hatte, wobei er doch zuvor eine ach so wichtige Stelle im Geflecht des Adels eingenommen hatte. In einem so kleinen Ort wie Keths gab es doch eigentlich nichts für ihn zu tun. Früher war er für Herzog Mael verantwortlich gewesen. Vielleicht hatte man ihn deswegen hierher versetzt, nahe der Stelle an welcher der Junge sein Leben verloren hatte, um Solms für immer an sein Versagen zu erinnern.
Eigentlich wollte Mylan gar nicht hier bei der Rede sein, doch seine Mutter war der hartnäckigen Überzeugung, ihre Familie würde etwas Besonderes in diesem Dorf darstellen und so mussten sie immer als Erste anwesend sein und in der vordersten Reihe stehen, dort wo man sie gut sehen konnte.
Auf dem erhöhten Bretterboden hinter Solms standen, Mylans Meinung nach, die wirklich wichtigen Menschen in Keths. Links von ihm befanden sich der gewählte Bürgermeister des Ortes und sein Vertreter, die für sich allein schon ein eigenartiges Bild abgaben. Der stark beleibte Bürgermeister hatte sein Amt nun schon seit zwölf Jahren inne und an jedem Tag, der seit dem vergangen war umspielte ein freundliches Lächeln seinen Mund – wenn er nicht gerade von einem anstrengenden Weg verschnaufte und sich den Schweiß aus dem Gesicht und von seiner Halbglatze wischte; bei seinem Gewicht war allerdings fast jeder Gang eine Belastung für ihn.
Sein Vertreter hingegen war schlank und drahtig, vielleicht sogar ein wenig mager. Das blonde Haar trug er streng nach hinten gekämmt und seine Miene war, im Gegensatz zu der seines Vorgesetzten, immer sehr ernst. Er lächelte höchstens mal, wenn er mit seinen Kindern zusammen war; doch selbst dann wirkte es oft angestrengt, als ob er nur lachte, weil er wusste, dass man es von ihm erwartete. Dieser Mann war Yarek Dappert, Mylans und Syrys Vater. Nach jahrelanger Ausbildung beim Heer des Reiches, den Beschützern, stand er ebenso gerade und stramm wie die beiden Menschen auf der anderen Seite der Bühne. Bei ihnen handelte es sich um den Hauptmann der Beschützer im Ort und seine Vertreterin, Frau Fähnrich Ragna Grave, Mylans Tante. Sie war sieben Jahre jünger als seine Mutter. Beide Schwestern hatten den Ehrgeiz ihres Vaters geerbt, aber während sich Saskya darauf verlegt hatte ebenjenen auch in ihren Kindern zu erwecken, konnte ihn Ragna, als kinderlose Frau in dieser Gesellschaft, sehr gut für sich selbst einsetzen.
Mylan stöhnte, als ihm einfiel, dass nach Solms auch noch der Bürgermeister und dann der Hauptmann an der Reihe waren, zum Dorf zu sprechen. Dabei hatte der alte Adelsvertreter noch immer nicht geendet und schien auch kein Ende finden zu wollen. Der Junge hätte seiner Mutter lieber von den Bauchschmerzen erzählen sollen, befand er, auch wenn sie sich in der Zwischenzeit schon fast gelegt hatten. So hätte er diesen Tag vielleicht noch genießen können, weil sie sicher Angst davor gehabt hätte, dass er sie oder Syry anstecke … allerdings hatte seine Schwester ihr scheinbar auch nichts davon gesagt. Jedenfalls musste er zugeben, dass er hier, an der frischen Luft, und nach ein wenig Bewegung schon viel weniger Beschwerden hatte und als er zu Syry sah, schien es ihr genauso zu gehen. Er würde das schon durchhalten, entschied Mylan, immerhin waren es nur noch wenige Tage, bis er Keths verlassen und zu den Beschützern gehen würde.
Wegen der Verpflichtung zu den Reichsdienstjahren, wurden alle Sechzehnjährigen männlichen Geschlechts für sechs Jahre zum Volksdienst eingezogen. Entweder wurden sie zu landwirtschaftlicher Arbeit eingesetzt, oder aber sie bewarben sich beim Heer der Beschützer und hofften in ihren Reihen aufgenommen zu werden. Man konnte darüber streiten – und das tat man auch – was besser für die Jungen war. Jedoch bedeutete es einen gewissen Ruhm in der Heimat, einer der wenigen Bewerber zu sein, welche von den Beschützern angenommen wurden. Selbstverständlich hatte sich auch Mylan bei ihnen beworben und folgte damit dem Familienerbe, das ihm sein Vater, sein Großvater, seine Onkel und seine Tante, die sich freiwillig gemeldet hatte, vermacht hatten. So war er, nach einer erfolgreichen Eignungsprüfung, auch recht zuversichtlich bald einen Waffenrock überstreifen zu dürfen.
Plötzlich tippte jemand Mylan von hinten auf die Schulter. Überrascht sah er sich um und blickte in das gerötete Gesicht seines besten Freundes, Ulbert Swartz. Kurzzeitig brachte Mylan der Gedanke zum Grinsen, dass sein Freund vielleicht etwas vom Honigtau aus dem Wirtshaus seines Großvaters getrunken hatte, um die Rede des Adelsvertreters ertragen zu können und deswegen so ausgelaugt aussah. Doch bevor Mylan ihn begrüßen konnte, brach es Ulbert heraus: »Ich hab ihn heute Morgen bekommen.«
»Was hast du?«, fragte er überrumpelt und bekam dafür sofort den Ellenbogen seiner Mutter in die Seite.
»Sei still!«, zischte sie ihm so leise zu, dass es nur die beiden Jungen gerade noch verstehen konnten. Doch ihr brennender Blick wirkte auf Mylan, als hätte sie ihm ins Gesicht geschrien. Er wusste, dass dieser Blick nichts Gutes zu bedeuten hatte. Ulbert griff nach seinem Hemd, er hatte selbst den ein oder anderen Anfall Saskya Dapperts miterlebt, und zog seinen Freund durch die Zuschauer einige Reihen nach hinten, fort von ihr. Dort holte er einen zerknitterten Briefumschlag aus seiner Hosentasche hervor und hielt ihn Mylan vor die Nase. »Das ist der Antwortbrief von den Beschützern.«
In Keths gab es, sie hinzugezählt, nur fünf Jungen in ihrem Alter und sie alle hatten sich beim Heer beworben, um der mühseligen und mitunter langweiligen Landarbeit zu entgehen. Doch nur sie beide und vielleicht noch Ludram hatten wohl Aussichten darauf angenommen zu werden. Die anderen verfügten eindeutig nicht über die körperlichen Voraussetzungen, die dafür erforderlich waren. Helmo, der Sohn des Schlachters, war mehr als nur ein wenig zu dick und der dürre Rutlyb hatte seit seiner Kindheit mit einer Atemkrankheit zu kämpfen, die es ihm verwehrte in der Schule an ausgiebigen Turnübungen teilzunehmen. Mit ein wenig Glück würde man ihn vielleicht ganz vom Volksdienst befreien, wie es bei ganzzeitlich Kranken üblich war.
»Und?«, fragte Mylan seinen Freund. »Was steht drin?«
Ulbert lief noch ein wenig röter an. »Ich habe ihn noch nicht geöffnet«, gestand er zögerlich und ließ unruhig den Brief durch seine Finger wandern. »Immerhin entscheidet er über die nächsten sechs Jahre meines Lebens.«
»Lass uns dorthin gehen«, schlug Mylan vor und deutete mit einem Nicken auf einen kleinen Seitenweg, gleich am Rande des Marktes. Es war eine Gasse die sie gut kannten, gleich neben Leuts Allerlei gelegen, wo alle Kinder von Keths ihr Taschengeld hin trugen, um davon Süßigkeiten zu kaufen. Aber da ihr Vater sämtliche Geldangelegenheiten ihrer Mutter überließ, bekamen Syry und er kein Taschengeld, weil sie es eh nur für sinnlosen Kram wie Süßigkeiten raus werfen würden. Die Einzige, welche den beiden hin und wieder etwas zusteckte, war ihre Tante Ragna. Doch wann immer Ulbert sich etwas leisten konnte und Mylan nicht, gab er seinem Freund etwas ab. Dann teilten sie es dort in der kleinen Gasse auf, wo sie unauffällig beisammen stehen konnten.
Nun drängten sie sich zielsicher durch die Menschen dorthin, wo sie genug Platz und die gewisse Abgeschiedenheit fanden, welche sie jetzt brauchten. Egal ob sein Freund eine gute oder schlechte Nachricht erhalten würde, wäre hier ein wesentlich besserer Ort, um sich damit auseinander zu setzen, dessen war sich Mylan sicher. »Los mach ihn auf«, forderte er Ulbert stichelnd auf.
Zögernd schob dieser einen Finger in den Umschlag und hielt dann inne. »Hast du deinen schon bekommen?«, fragte er unruhig, als ihm plötzlich in den Sinn kam, dass es ihn und seinen besten Freund auseinander reißen würde, falls er abgelehnt, Mylan aber bei den Beschützern aufgenommen werden würde.
»Nein, aber lenke nicht ab. Wenn du es nicht machst …«, meinte Mylan und tat so, als wolle er nach dem Brief greifen. Doch dann holte Ulbert hastig Luft und riss den Umschlag mit einem Ruck auf. Mit zitternder Hand zog er das amtliche Schriftstück heraus und starrte eine Weile unschlüssig darauf, bevor er es an Mylan weiter reichte. »Tut mir leid. Ich zittere zu stark und kann nichts erkennen«, gab er zu und schien vor Aufregung fast zusammenzubrechen. »Könntest du bitte?« Angespannt rieb er sich über seine Stirn.
Lächelnd schüttelte Mylan den Kopf und nahm ihm trotzdem den Zettel ab. Schnell überflog er die schmucklosen und recht klein geratenen Wörter. Dann legte seine Hand in einer Kraft spendenden Geste auf Ulberts Schulter. Knapp und so nüchtern er konnte offenbarte er seinem Freund: »Sie nehmen dich auf, Anwärter.«
Erschrocken sah ihn Ulbert, der fest mit einer anderen Antwort gerechnet hatte, an. »Wahnsinn, ich werde ein Beschützer«, schrie er plötzlich erleichtert auf und reckte ausgelassen die Fäuste zum Himmel, während er erleichtert durch die Gasse tänzelte. Dann fiel er seinem Freund lachend um die Brust und drückte ihn so fest, als wollte er mit ihm ringen und zu Boden werfen.
Sein lautes und auffälliges Verhalten brachte die Leute auf dem Markt dazu sich nach ihnen umzudrehen und darüber zu wundern, was in der Gasse eigentlich vor sich ging. Mylan bemerkte ihre missbilligen Blicke und versuchte Ulbert zu beruhigen. »Pst, wir trauern doch und sind andächtig«, zischte er halb spöttisch, um seinen Freund auf die Umstände aufmerksam zu machen, in denen sie sich nach wie vor befanden. Sofort ließ der ihn erschrocken los und schlug sich eine Hand vor den Mund. Für einen Augenblick reiner Freude hatte er das Alles tatsächlich vergessen.
»Gut. Dann kann ich dir sagen, was hier noch drin steht.« Mylan wedelte mit dem Brief in seiner Hand. »Übernächsten Donnerstag werden alle neuen Dienstleistenden mit einem Kraftwagen abgeholt und nach Metnitz gebracht. Dort wird man uns dann den Beschützern oder den Höfen zuteilen.«
Ulberts Augen waren groß geworden. »Ein Kraftwagen?«, fragte er ungläubig. »Das wäre doch das erste Mal, oder?« Scheinbar war das der einzige Gedanke, welcher für ihn jetzt noch von Bedeutung war –  nun da er endlich die Zusage der Beschützer in den Händen hatte.
»Steht so hier drin«, antwortete Mylan und hielt ihm den Zettel hin.
Sein Freund lachte auf. »Hast du schon mal einen gesehen?«
Darüber musste Mylan nicht lange nachdenken und schüttelte den Kopf. Kraftwagen waren in einer abgelegenen Gegend wie Zwischenbergen einfach zu selten, als dass man sie einfach durch das kleine Keths fahren sehen würde. Es waren große Fahrzeuge aus Eisen, die nicht von Ochsen oder Riesenläufern, ausgesprochen großen Laufvögeln, gezogen werden mussten, sondern aus eigenem Antrieb fuhren und viel mehr, viel schneller befördern konnten als herkömmliche Wagen. Man sagte, dass sie von den Wissenschaftlern des Adels erfunden worden waren und durch Handarbeit nur in geringer Stückzahl hergestellt werden konnten. Vor ein paar Monaten hatten die Nachrichten verkündet, dass es jetzt im gesamten Reich siebenhundertfünfzig Stück davon gäbe und lobten darauf hin den Adel und seine Errungenschaften in den Himmel; der Fortschritt erreiche auch bald den letzten Teil des Reiches – und offensichtlich war es nun so weit.
Lachend bemerkte Ulbert: »Stell dir das mal vor, wir in einem Kraftwagen, als künftige Beschützer auf dem Weg zur Ausbildung.«
»Mich haben die Beschützer noch nicht angenommen«, wehrte Mylan mit einem schmalen Lächeln ab.
»Bei deinem Vater?« Sein Freund schüttelte grinsend den Kopf und wiederholte, mit dem feinen Spott des Unglaubens: »Bei deinem Vater? Die Geschichte Yareks von Keths wird doch wohl auch in der Kreisstadt noch bekannt genug sein, damit er nicht mal selbst ein gutes Wort für dich einlegen muss.«
»Ach, egal.« Mylan schüttelte den Gedanken ab und sah sich um. Auch für ihn war diese Angelegenheit nicht mehr als ein Scherz, obwohl er wusste, dass einige Menschen seinem Vater zwiespältig gegenüberstanden. Selbst ohne den Ruf seines Vaters, war er der Beste bei der Eignungsprüfung gewesen, die sie in der kleinen Turnhalle der Schule durchgeführt hatten. Das wusste er ganz sicher. Im Unterricht war er fast so gut wie Ulbert, dem klügsten Schüler im Ort, außerdem war er stärker und schneller als jeder andere hier. Wenn sie also seinen Freund genommen hatten, war auch Mylan sicher dabei. Der Brief mit der guten Nachricht an ihn war bestimmt schon auf dem Weg zu ihm, Ulberts war einfach nur früher dran gewesen, beruhigte er sich.
»Hör mal, ich muss wieder zu meiner Mutter. Die dreht sonst durch«, meinte Mylan unruhig, der ihre wechselnden Launen fürchtete, selbst wenn er fast erwachsen war. Ulbert nickte und sah seinem Freund nach, als dieser wieder zurück auf die Kundgebung ging. »Wir sehen uns nachher bei der Arbeit«, rief er Mylan hinterher, während der in der Menge verschwand. Für sich beschloss er die Rede gleich zu verlassen. Er war viel zu unruhig, um jetzt auch nur noch eine halbe Stunde still zu stehen und zuzuhören, wie andere redeten. Lieber ging er gleich zum Stadttor und unterhielt sich mit den Wachen dort, seinen baldigen Gefährten.
Der Adelsvertreter hatte mittlerweile seine Rede beendet und tauschte nun seine Stelle mit der des Hauptmannes, der zu ihm heran trat. Sie reichten sich die Hände und raunten einander ein paar Wörter zu. Es wirkte sonderbar, wie sich der großgewachsene und stämmige Hauptmann schließlich vor dem schmächtigen und alten Adligen verneigte.
»Bewohner von Keths«, begann der Kämpe, als der Alte in die Reihe hinter ihm getreten war, »wie ihr wisst, wird unser Reich dank Gottes Gnade und dem Adel immer mächtiger. Dennoch werden wir seit mehr als hundert Jahren noch immer von der gleichen Geißel heimgesucht. Deswegen müssen wir auch in diesem Sommer unsere Pflicht erfüllen und werden vier Söhne aus dem Schoß unseres Dorfes in den Dienst des Reiches überstellen.«
Aha, dachte sich Mylan, dann haben sie Rutlyb also tatsächlich befreit.
»Ich kann nicht oft genug betonen …«, fuhr der Hauptmann fort, doch obwohl Mylan ihn achtete, hörte er ihm nicht weiter zu, weil auch er nie etwas Neues zu erzählen hatte. Stattdessen schob und drängte er sich zurück zu seiner Familie. Als er sie endlich erreichte, war der Hauptmann auf der Bühne bereits dabei mit dem dicken Bürgermeister die Plätze zu tauschen. Sie nickten sich freundschaftlich und ohne ein Wort zu wechseln zu, während sie an einander vorüber gingen.
»Meine Freunde«, hob der Bürgermeister an, als er sich so bequem wie möglich vor ihnen aufgestellt hatte. »Ich weiß, dass ihr all die Worte leid seid. Doch lasst uns darüber nicht ihre Bedeutung vergessen, das was wichtig ist wird wichtig bleiben und ein wahres Wort ist auf ewig ein wahres Wort. Wir leben weil wir gemeinsam arbeiten, kämpfen und einen unbezwingbaren Willen haben. Und nun wollen wir alle wieder unseren Leben nachgehen, für die wir den Toten danken.«
Sofort brandete anerkennender und erleichterter Beifall, über das rasche Ende seiner Rede, und dann verlief sich die Menschenmenge mit einer überraschenden Geschwindigkeit in dem Dorf. Nur Familie Dappert verharrte standhaft auf ihren Plätzen in der vordersten Reihe. Neben der Bühne trafen sich gerade Mylans Vater und seine Tante, um ein paar Worte zu wechseln, als sich seine Mutter zu ihm wandte. »Wo warst du solange?«, fragte sie ihn mit einer unterdrückten Schrille in der Stimme und wurde puterrot im Gesicht. Ihr fiel es merklich schwer ruhig zu bleiben, obwohl sie darauf bedacht war allzu viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
»Ulbert hat den Antwortbrief der Beschützer auf sein Aufnahmegesuch bekommen«, brachte er verschüchtert, zum Glück jedoch ohne ein Stottern heraus, aber er spürte, wie sein Mund schlagartig austrocknete.
»Und?«, forschte seine Mutter mit zornigem Blick nach.
»Sie haben ihn angenommen«, sagte Mylan, verwundert dass sie sich danach erkundigte.
»Oh, schön für ihn«, warf Syry ehrlich erfreut ein, wofür sie von ihrer Mutter einen bösen Seitenblick erhielt. »Das wollte ich aber nicht wissen«, meinte sie. »Ich wollte wissen, ob du denkst, dass das wirklich ein ausreichender Grund ist, eine bedeutsame Kundgebung zu verlassen?«
»Ich war nicht weg, nur zwischen dem Bäcker und Leuts Allerlei.« Mylan zeigte auf die Gasse an der Seite des Marktes, welche seine Mutter selbstverständlich kannte und die man nun, da all die Leute fort waren, gut sehen konnte.
Grob umfasste Saskya sein Kinn und zwang ihn auf diese Weise ihr ins Gesicht zu sehen. »Du warst mit deinen Gedanken woanders und das ist viel schlimmer. Ihr habt euch undankbar gegenüber dem Helden Klyng, Herzogin Mathilda und zehntausend anderen erwiesen, denen nur einmal im Jahr gedacht und für ihren Opfermut gedankt wird. Was, bitte, kann an einem Brief wichtiger sein?« Zorn und sogar aufrichtige Abscheu blitzten in ihren Augen auf. »Du weißt wohl noch immer nicht, was Ehrerbietung ist!«
Zumindest war Mylan sich recht sicher, dass er ihr keine schuldig war. Doch es schien, als könnte seine Mutter seine Gedanken lesen. Sie ließ sein Kinn los und packte ihn fest am Handgelenk. »Du bist ganz der Sohn deines Vaters. Sei verflucht, dass ich dir das in all den Jahren nicht austreiben konnte.« Sie überlegte kurz und fuhr dann bestimmt fort: »Du bekommst Ausgehverbot, bis du eingezogen wirst. Deine Pflichten wirst du erfüllen, aber deine Freizeit ist gestrichen.«
Mylan erschrak und stand ihr mit offenem Mund gegenüber, bis sie ihn grob mit ihrer anderen Hand schloss. Sollte er wirklich seine letzten Tage damit verbringen in seinem Zimmer zu hocken und auf die Abfahrt zur Kreisstadt zu warten, während er eigentlich seinen Abschied feiern sollte? Mehr als acht Jahre lang hatte er ihr Verhalten erdulden müssen, seit er und Syry damals schwer erkrankt gewesen waren. Doch jetzt begann ein neuer Lebensabschnitt für ihn. Nicht erst wenn er zu den Beschützern gehen würde, sondern genau an diesem Tag und er entschloss sich den Schlussstrich gleich hier und jetzt zu ziehen. Er riss sich von seiner Mutter los.
»Du weißt doch gar nichts Kya«, begann er und benutzte bewusst die Verniedlichung ihres Namen, die auch sein Vater immer verwendete. »Du bist nur …«
Er stockte, als er bemerkte, wie sie ihre Hand hob. Noch in diesem Augenblick glaubte er nicht daran, dass sie tatsächlich tun würde wonach es aussah. Syry, die ebenso schockiert feststellte, was gerade vor ihren Augen geschah, wollte ihre Mutter noch mit ausgestreckten Armen zurückhalten, doch es war bereits zu spät.
Mit einem wuchtigen Knall wurde Mylans Kopf zur Seite geschleudert. Die Ohrfeige schallte über den ganzen Platz und die paar Leute, die noch anwesend waren, starrten entsetzt zu ihnen herüber. Sein Blick war nun genau auf seinen Vater und seine Tante gerichtet, die ihn fassungslos, im Falle seines Vaters, und beklommen, seine Tante, erwiderten.
»So redest du nicht mit mir!«, fuhr Saskya ihn an und packte seinen Hemdkragen. »Du bist immer noch mein Kind, ob wir beide es wollen oder nicht. Also bin ich deine Mutter und so wirst du mich auch behandeln!«
Mylan drehte langsam seinen Kopf und sah ihr kalt in die Augen. Sie zuckte ein Stück zurück und ihr Griff erweichte. Grob schob er erst ihre Hand von sich, dann wandte er sich, ohne ein weiteres Wort von ihr, und allen anderen ab. Syry berührte ihn leicht an der Schulter. Nicht um ihn zurück zu halten, sondern nur damit er sie ansah und vielleicht verzieh, dass sie es nicht mehr hatte verhindern können. Doch er entwich ihr und ging einfach davon. Er verließ den Markt in Richtung der Gasse, in der er zuvor mit seinem Freund gestanden hatte, und würdigte niemanden um sich herum eines Blickes mehr.

« Was vorher geschah123Wie es weitergeht »



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BeitragVerfasst am: 13.08.2013 00:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Binturong

dann stürze ich mich mal auf deine Geschichte. Wie immer kann ich nur als subjektive Leser und ein bisschen Kollege hier meinen Senf dazu geben. So ehrlich und ausführlich ich kann. Ich hoffe, du kannst mit dem ein oder anderen etwas anfangen.
Ich fange immer gleich zu Kommentieren an, verlangsame also quasi mein erstes Lesen, denn ich finde, ein Text sollte von Anfang an laufen können, also dass er sich in mir von Anfang an aufbaut, ohne, dass ich Teile von weiter hinten wissen müsste, damit ich ihn verstehen kann, was nicht bedeutet, dass er keine Geheimnisse kennt und sich nicht im laufe des Lesens noch mal neu bewerten lässt.
Dann lese ich noch mal rückwärts und überlege, wie man dem Text meiner Meinung nach helfen könnte noch ein wenig runder zu werden, mit den Informationen die ich dann habe.
Dann springe ich nochmal zurück und markiere solche nachträglichen Dinge dann in blau.

Und fange gleich mal in blau an. Ich zerre ziemlich viel an deinem Text rum. Also vorn angestellt: Ich mag die Idee. Sowohl der anfang mit der Legende aus einem Buch, das ein gewisses Risiko darstellt, langweilst du den Leser, so wie deinen Protag, könntest du ihn daran verlieren, aber eigentlich sind Fantasyleser an so etwas gewöhnt und wissen schon, dass der Prolog ganz anders als das 1 Kapitel geschrieben sien kann und meist eine weit entfernte Vergangenheit behandelt (ist schließlich die Hauptfunktion von Prologen, wage ich mal zu behaupten)
Dann hast du sehr klassische Elemente angehäuft, aber auch das ist kein Fehler in meinen Augen, es gibt nur drei Themen schrieb mal jemand schlaues, den ich peinlicherweise vergessen habe, die Liebe, den Krieg und den Tod. Und es wird immer die Selbe wichtige Geschichte erzählt. Das Paradies, Einssein mit Gott oder den Göttern, der Verlust dieser Einheit, meist durch eigene Schuld, aber auch als notwendiges Schicksal und der Kampf, um diesen Zustand wiederzuerlangen (Kampf Gut gegen Böse, in der Figur selbst, in der Welt)
Magische Gegenstände sind zwar etwas aus der Mode (bis auf Exkalibur vielleicht) Gaben der Figur selbst, werden hervorgehoben, aber auch das ist ein klassisches Thema. Es wachsen immer wieder Generationen nach, die diese Geschichte brauchen und man selbst kann auch gut immer wieder eine neue Variation hören. Und mir gefällt das Augenzwinkern, durch den Blick deines Protagonisten auf diese Geschichte. Also ich freue mich schon auf das erste Kapitel in das ich schon mal ein paar Sätze gepikt habe.



Zitat:
[quote="Binturong"]Die Einleitung zu meiner Geschichte barhändig, die der erste Band meiner ODEM-Reihe werden soll. Eigentlich hätte sie hier in Leipziger Fraktur stehen sollen, doch leider sind wir da einwenig limitiert. Ich werde die Original-Version bei Gelegenheit in meinem Blog posten.

Barhändig als Abwandlung des Barfüßig ... spontan ergreift mich das nicht. Barfüßig hat eine tiefere Bedeutung, jemand ohne Fußbekleidung ist in unseren Breiten arm, und ist auch ein Zeichen von Demut.
barhändig ist jeder, außer im Winter. Also kein tieferer Zusammenhang als Ohne Handschuh ... Hände ohne Waffen, oder der Welt offen zugewandt ... oder ... erreichst du jedenfalls bei mir nicht, obwohl ich das Wort bar sehr liebe. Ich würde mich auf die Suche nach einem ähnlich alten, erhabenen Wort machen, das seinen Bedeutungszusammenhang mitbringt und die Kraft von Jahrhunderten.

Odem im Gegensatz dazu gefällt mir ausnehmend gut. Odem des Lebens, das Alte und doch nicht vergessene Wort für das allgegenwärtige Wunder ...

Und eingedenk der Reaktion der Figur auf diesen Text, finde ich es auch wichtig, dem Text ein anderes Gewand zu verpassen, damit der Leser gleich einen gewissen Abstand gewinnt, zum Buch im Buch, das quasi nicht Geschichte ist, doch in ihr vorkommt (Obwohl ich denke, dass die Informationen, die der Text zur Welt bereithält, und die der Protagonist (?) bislang verschmäht, wahrscheinlich durchaus noch wichtig werden.)

Zitat:
Das Lied des Adels

Lied, daher also keine Punkte. Aber ich sehe da kein Versmaß, du erzählst deine Geschichte in abgebrochenen Zeilen, das macht es aber noch nicht zum Lied. Das macht eine Menge mehr Arbeit. Nenn es nicht Lied und mach Punkte und du hast kein Problem mehr.
Dennoch musst du, meiner Meinung nach, bedenken, dass solche Geschichten ihren Urspung im mündlich weitergetragenen Wort haben, da sind Versmaße und auch Reime lebenswichtig für den armen Kerl, der sie auswendig vortragen muss, neben festen Elementen, die Wiederkehren. Das bedingt eine gewisse Form, die allen diesen Geschichten irgendwie zu eigen sind und sie eben zu genau diesen Geschichten machen. Es hilft sich daran zu erinnern, um es wirklich echt klingen zu lassen, finde ich ...

Und Lied des Adels führt dadurch, dass du unten einen neuen Adel, als neue Gruppe erschaffst, mich lange in eine Falsche Richtung. Warum sind sie nicht die neuen Boten Gottes?

Zitat:
Gottes Boten wandeln auf Erden, als Herr über Tier und Mensch
Ihr Wesen ist Macht, ihr Wissen Geschichte und ihr Wort Gesetz
Von Anfang an waren da die Herzöge, sie alle hörten Gottes Wort, doch ein jeder verstand es anders
Sie führten ihre Familien und Stämme und wurden mit Dankbarkeit und Ehrfurcht entlohnt

Also, da ist ein Bruch drin, oder eine Ungenauigkeit.
Sind die Herzöge Gottes Boten? Eher nicht. Ihr Wesen mag macht sein, aber ihr Wissen Geschichte? Wo sie alle Gottes Wort anders verstehen? Ihr Wort Gesetz, auch für die Tiere?
Tiere spielen im weiteren Null Rolle, also ist es nur eine Erinnerung an die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel und dient dir gar nicht.
Herzog ... ich denke heutzutage ist beim Begriff Herzog nicht mehr der Stammesführer präsent, sondern eher der eitle Geck, der tun und lassen kann was er will und eher Reichtümer anhäuft, aber auch vom König abhängig ist. Auch scheinen die Worte sich nicht auf den ursprünglichen Kriegsherzog zu beziehen, die vom Stamm gewählt wurden. Sie Führen ihr Familien nur in den Krieg ... Wobei das Wort sich ja auch geändert hat. Also eher das althochdeutsche herizogo ... Der vor dem Heer herzog ... (wie Wiki erklärt)
Da entsteht ein merkwürdiges Bild, dass es von Anfang an Herzöge gab, weil dieses Wort so eine lange Geschichte hat und nun eher mit Perückenträgern in Zusammenhang steht. Damit machst du mir zumindest das Bild einer Art Schöpfungsgeschichte schwer.

Also wie konnten sie von Anfang an da sein? Ich würde keine alten Hierarchien benutzen, die nicht ganz passen, sondern mit etwas neueres oder neutraleres, ursprünglicheres ausdenken, wie es ja das Wort Stamm macht.

Zitat:
Untereinander lagen sie jedoch im Streit; Wo endete das Land der Einen, wer war Gott und was sein Wille? Wer hatte Recht, wer Unrecht?

Warum ein Semikolon?
Sind die Einen ein Volk, oder einfach nur die einen und die anderen? Wieso bekommt Wer war Gott und was sein Wille? keinen eigenen Satz?
Zitat:
Und dann, vor langer Zeit, erhoben sich die Stärksten unter den Herzögen zu Fürsten und begannen sich im Kampf zu messen

Fürsten, da benutzt du wieder jüngerzeitliches. Sich zu einem Fürsten aufschwingen war später, als zu Zeiten der Stämme ... Fürst aufschwingen impliziert eine noch höhere Hierarchie, Könige, die nie auftauchen.
Zitat:
Pest und Krieg überzogen die Welt,

Wieso Pest zuerst, Pest ist eine Krankheit. Auch wieder bedeutungsschwer duch die menschliche Geschichte hier in unserer Welt, aber zu leicht gemacht. Warum sollte der Kampf denn nun Pest auslösen? Erst Krieg, Verschlechterung der Lebensumstände, dann die Seuchen. Wieso gibt es in deiner Welt auch die Pest? einerseits zapfst du so viele Bilder an, die der Leser schon hat, andererseits sind es aber nicht deine Bilder ... ein zweischneidiges Schwert. Der Mittelweg wäre, der Seuche einen eigenen Namen zu geben, aber durch die Verwendung werden im Leser, die Bilder der Pest erweckt, er ist jedoch weiter offen für die eigenen Varianten des Autoren.
Zitat:
bis Hunger Herr in jedem Haus ward, ob klein oder groß

Das ist sehr schön, es ist bildlich, als und doch erzählend, wie so eine Saga von der Welt sein kann. Du personifizierst den Hunger, machst ihn zum Herr im Haus, hier klappt es eine Redewendung für dich einzunehmen, und das ob klein ob Groß, gibt ihm deine Note.

Zitat:
Leiber zerfielen zu Asche, Äcker wurden zu Sand, Luft zu Rauch und Wasser zu Blut

Hier willst du Zeit verstreichen lassen und die Verheerung des Landes darstellen.
Aber Leiber, die zu Asche zerfielen (lange Zeit) das tun sie, auch ohne Krieg. Asche zu Asche, Staub zu Staub. Eine Anlehnung an das Christentum, das dir im Wege steht.
Äcker wurden zu Sand ... Ja, Äcker können nicht zu Sand werden, die Bodenerosion könnte Sandschichten freilegen. Aber das ist nicht das Problem. Das wirkt im Film gut, man sieht einen Acker und dann blendet es in etwas wüstenartiges über. Aber bei den Worten, knallen die beiden Wörter aufeinander und wenn man nur ein bisschen nachdenkt, kommt ein Nö ...
Luft zu Rauch .. auch wieder. Im Film würde man vielleicht rauchende Ruinen sehen, wo vorher noch ein Bauernhof im Licht stand. Das funktioniert, passende Musik und fertig ist das eindringliche Bild. Der Roman braucht anderes. Wenn es aber kein magisches Ereignis war, ergibt es keinen Sinn. Rauch wird schon bald nach der Verheerung nicht mehr geben. Da Äcker werden zu Sand laaange Zeiträume suggerieren, ist Luft zu Rauch wiederum nur ein sehr kurzer Zeitraum und nichts bleibendes. Das ist kein Paar zur Beschreibung der Wandlung einer Welt. Wenn es am Anfang stehen würde, von schnell zu langen Ereignissen, dann eher, aber elegant wird es, meiner Meinung nach so nie.
Und Wasser zu Blut?
Erstmal kommt einem da das Sprichwort in den Weg, gerade weil du eben noch von Familien und Stämmen sprichst. Blut ist dicker als Wasser heißt es. Also ist Wasser zu Blut, dichteres zusammenrücken. Passt natürlich nicht. Dann Flüsse, die in Schlachten sich rot vom Blut tausender Gefallener röten (hab ich auch schon benutzt smile extra. Vielleicht auch rot von der Spiegelung der Flammen ... Auch das ist wieder ein Zustand, der nur kurz anhält, sich in einem Film gut machen würde, aber hier keinen Sinn ergibt. Das Wasser wird nicht Blut bleiben, es wird vergammeln, ist es stehend, oder der Fluss eben wieder normal aussehen. Das ist wieder kein Paar um eine Wandlung der Welt zu beschreiben. Sie wirken stark, weil sie in unserer Welt auch sprichwörtlich sind, aber ungenau verpufft die Wirkung.
durch Leiber wurden zu Asche, wie lang dauert das? Acker zu Sand ...
Wie gesagt, sie passen alle nicht zusammen (für mich) und das haut mich raus aus dem Text.
Zitat:

Zwischen all der Zerstörung dieser finsteren Jahre erhob sich schließlich ein Junge aus dem Meer der Toten

Ach seutz, der Junge, klar, Das Fantasyklischee ... Aber naja, muss wohl so sein. Frauen lesen auch über Jungs, aber Jungs eher nicht über junge Mädchen als Identifikations oder Heldenfigur... Aber du schriest, du verlierst die Frauen, liegt aber vielleicht nicht am Thema, sondern an der Umsetzung. Man sagt uns Weibern ja mehr Pingeligkeit nach  Embarassed  Laughing  erhob sich aus dem Meer der Toten, ist  ein starkes Bild und es klingt auch sehr gut
Zitat:
Seine Macht, in Körper und Geist, war die seiner Familie

hmm, ich kenne die Familie nicht, deshalb ist das sehr leer
Bezug auf die ersten Boten wäre Kraftvoller und würde die Geschichte dichter verweben
Zitat:
Genährt vom Blut des gefallenen Vaters und dem Fleisch der gemeuchelten Geschwister

Vampir? Starke Worte, ungemein, doch leicht in die Irre führend, in heutigen twilightigen Zeiten.
Zitat:
Als Mann ein Herzog,

Als Mann ein Herzog ... so schnell, wie, wie gibt es noch Herzöge in diesem Meer von Toten, mit Hunger in jedem Haus? Da fehlt ein wenig Fleisch an der Geschichte, die den starken Worten untergeordnet wird. In richtigen (guten) Sagen, ist dies jedoch nicht so.
Zitat:
zwang er ein jeden Fürsten in die Knechtschaft oder den Tod
Klasse! Erhaben, super Ende , toller Klang und keine Missverständlichkeiten. (bis auf den Fürsten als Begriff)
 
Zitat:

Und war sein Weg der Kampf, so war der Frieden sein Ziel, eine geeinte Welt in seinen Händen

Kampf ist schwächer als Krieg und Krieg und Frieden gehören zusammen ... sonst schön
Zitat:
So kennen wir den Jungen von einst(komma) heut' als Allfürst, den Mächtigsten unter den Mächtigen
Auch schön. Allfürst ist nicht so gebräuchlich und wirkt somit mehr deins ...
Zitat:
Ein vorbildliches Wesen mit heiliger Macht und dem Recht zu sagen, sein Befehl wär' Gottes Wort

wär? Zweifel? Darf das sein? Und Wesen, wie nichtmenschlich?
Zitat:
In einer strahlenden Rüstung, gefertigt von den Händen seiner treusten Diener

Der Frieden ist doch schon da, also ist die Rüstung hier fehl am Platz, die müsste, wenn man denn möchte, nach oben zum Kampf.
Aber auch hier, Ebenenwechsel vom heftigsten. Rüstung und Frieden. Das eine ist ein Detail, das nur sinnvoll ist zu erwähnen, wenn es um diese Rüstung eine Legende gäbe, diese entscheidend wäre für den Sieg. sonst platzt sie nur hinein, wie ein nachträglicher Einfall.
Oh, weitergelesen, die Rüstung scheint wieder ein Hinweis auf Vampire zu sein, wegen dem ablegen und der Sonne ....?
Zitat:

Viel Zeit verging und nach dem Tod des Allfürsts zweiter Frau verlor das Diesseits seinen Reiz für ihn

Die erste war nicht so wichtig?! Wenn das nicht in der Geschichte wichtig ist, würde ich das nicht so erwähnen.
Zitat:
Er sah, dass alles gut war in seinem Reich und doch sehnte er sich nach dem Glanz der nächsten Welt

Sehr göttlich formuliert (und er sah, dass es gut war) und schön geschrieben. Der Glanz der nächsten Welt ist nicht ganz so geläufig und macht es doch wieder zu deinem Satz.
Zitat:
Er legte seine Rüstung ab und nahm ein letztes Mahl
Ein letztes Mal sah er, wie die Sonne am Ende der Welt erlosch, bevor die Sehnsucht seinen Körper zerfraß

ein letztes Mahl und ein Letztes Mal, wirkt unfreiwillig komisch, stell dir das mal vorgelesen vor ....
Körper zerfressen klingt nach Vampir, der in der sonne vergeht, aber das die Sonne vorher erlischt ist natürlich meiner Theorie abträglich ... *grübel *

Dass er Söhne hat, sollte schon vorher in den guten Zeiten erwähnt werden und von welcher Frau und welche Frau aus welchem Geschlecht er nimmt, das wird in solchen Geschichten als wichtig Festgehalten. (wie das Niebelungenlied, das du dir auch mal als Vorbild ansehen könntest.

Zitat:
Im Tod teilte sein letztes Wort das Reich, nach so kurzer Zeit der Einigkeit
Nord und Süd, West und Ost von einer Familie beherrscht, von Brüdern gelenkt, sie alle als Fürsten im eigenen Land

Er spricht im Tod? Umschreibung für Testament? Lässt mich aber daran denken, wie er es sagt und das lenkt ab, Kann er tot sprechen? Ich kenne deine Welt noch nicht, das macht mich als Leser unsicher, ich muss alles in der Welt zusammenraten, also besser nach seinem Tode, wenn er es nicht selbst sagt.
Zitat:
Kein Schuss vom Bogen, kein Hieb mit dem Schwert sollt je einer gegen die anderen führen

Kein Schuss eines Bogens oder Kein Pfeil eines Bogens, parallel zu kein Hieb mit dem Schwert.
Und was ist mir Messern, Gift und sonstigem? lol2 Ich finde den Schwur ziemlich löchrig. Absicht? Und magisch sind eher immer drei Dinge, es wirkt einfach runder ...
Zitat:
Das war ihr letzter Schwur im Angesicht des Allfürsten und ein jeden Lohn war ein Teil des mächtigen Vaters Rüstung

Jetzt klingt es als sei er wirklich noch am leben, dann meinst du nicht Tod sondern Sterben. Sonst ist er für mich erst zerfressen und dann muss ich rückwärts wieder aufbauen, dass er doch noch lebt.

Zitat:
Dem Ältesten gab er den Helm, um damit so weise zu herrschen, wie sein es Vater zuvor tat
Dessen Bruder bekam die Armschienen, ein Schutz vor jeder Bedrohung die ihm harren mochte

Da jeder über einen Teil als Fürst herrscht ist das ziemlich unklug, so kann es sein, wenn das Land in einer Hand bleibt und die andren Söhne andere Positionen einnehmen, aber so, der eine soll weise herrschen, nur der andere sich verteidigen können? Die einzelnen Stücke sind dem Untergang geweiht. Das könnte die Entscheidung der Söhne sein, weil sie nicht gemeinsam Herrschen können und damit den Untergang herbeiführen, weil das eben nicht klappt, sich und die Fähigkeiten aufzuteilen
Würde eben auch zu der Gruppe, die du unten einbringst passen, die zusammenbleiben und der Selbstsucht abschwören
Zitat:
Eine aufgenommene Waise, erzogen wie die eigenen Söhne, erhielt den Harnisch, auf dass sein Schicksal dem seiner Eltern nicht folgen mochte
Und der Jüngste, Sohn einer anderen Mutter, missachtet von den ältesten Zweien, erbte die Beinschienen, um sich aus allen Streit heraus halten zu können

Öh ... Sich aus Streit heraushalten, wo sie sich doch ncihts tun sollen ... Passt nicht wirklich zu einem aufgeteilten Land und Arm und Beinschienen sind nicht wirklich symbolträchtig ...

Zitat:
Doch vom Vater geeint, unter den Kindern getrennt, im Frieden weich, war das Reich zu schwach als sich der Boden dem Bösen auftat

O.k. Satan? Es klang nciht so, als hätte der allfürst sich gegen das böse aufgemacht, sondern gegen alle Fürsten, da müsste das Böse schon oben auftauchen, damit die Rüstung hier ihren Wert hat.
Zitat:
Der Allfürst war vergangen und seine unbezwingbare Rüstung geteilt unter Jenen die ihren Wert nicht kannten

Ne, ich auch nicht, das ist aber bei einem allwissenden Erzähler, wie es sagen haben, die Schuld des Erzählers. Der bezieht kraft daraus, das der Leser das Unglück erkennt, im Gegensatz zu den Figuren. Das macht sie auch aus heutiger Sicht oft recht langweilig

Zitat:
Die Brüder und die letzten der Mächtigen hatten verlernt Gottes Wort zu hören, so verhallten die Warnungen und Zeichen ungehört

War schon vorher ein Problem, dass es keiner richtig konnte, also kein Unterschied zu vorher. Da fehlt oben wieder etwas.
Zitat:
Die Wesen aus der Tiefe ergriffen die Gelegenheit und rissen die Nächte an sich

Warum nun die Nächte? Wieso ist das die Gelegenheit, man könnte doch alles nehmen ... Auch hier ist der Text nicht rätselhaft, sondern für mich nicht gut konstruiert.

Zitat:
Nichts mochte die Teufel schrecken, denn da waren kaum mehr Herzöge in der Welt, ihr Großteil verloren in den Kriegen

Die sich gegenseitig bekriegten udn das Land verheerten? Ihr Auftrag vorher ist weder Klar noch wahrscheinlich.
Zitat:
So stürzte der älteste Sitz noch zur ersten Stunde und seine Geschwister stießen ins Horn

Ins Horn stoßen ist wieder so eine ungünstige Verknüpfung zu Sprichwörtern ... Und was ist der Älteste Sitz, nicht eher der älteste Sohn, denn das Land wurde zur Gleichen Stunde aufgeteilt (laut diesem Text)
Zitat:
Einer fiel mit seinen Getreuen, als ihn der Mut ohne seine Macht verließ

? Wie hat er die Macht denn verloren? Wo er doch seine Getreuen um sich hat. Das ist die Macht oder nicht? Wenn also wenigen Getreuen?
Zitat:
Einer wurde von der Erde verschluckt und nie mehr gesehen

Aha. Das geht mir alles zu unsortiert und zu schnell. und vom Erdboden Verschluckt, ist wieder so in der Nähe eines Sprichworts, das macht es humorig angehaucht, das einer wirklichen Legende nicht gut steht
 

Zitat:
Der Letzte behielt sein Leben und von einem Traum geleitet, zog er mit allen, die ihm folgten, zum Schoß der Welt
Welcher einst der Ursprung seines Geschlechts, den Herzögen, den verlorenen Boten Gottes, gewesen war

Das ist oben ganz unklar, dass das die selben sind, und wie das mit dem Fall vor sich ging. Das müsste, meiner Meinung nach, oben viel genauer sein. Auch warum er noch davon weiß, warum es im ersten Krieg keine Rolle spielte ect ... Also in Richtung das verlorene Wissen ward ihm im Traum offenbart, Erbe seiner Vorfahren  ...
Zitat:
Die Quelle des Reiches, im Herzen eines grünen Tales, umringt von hohen Zinnen und voll himmlischen Anmuts

Hmm, zuviel, oben bist du pathetisch, hier wirds schlimmer und voll himmlischen Anmuts, Anmut und Gott spielte schon "ewig keine Rolle mehr. Anmut ist etwas ... für etwas lebendiges. Ein anmutiger Ort, kommt mir nicht richtig durchdacht vor und ein wenig Herr der Ringe elfisch vor. Klar, dass es dort grün ist, ein Tal, auch klar, Zinnen, eine Burg, irgendwie auch ... normal ... Vielleicht ist es wirklich der Herr der Ringe, der dieses Bild so arg über strapaziert hat, dass ich mir da eine persönlichere Symbolik wünschen würde.
Ich hab gespikt. Die Zinnen sollen Berge sein, dann so schreiben, dass das Tal von Zinnen umgeben ist.
Zitat:
So heilig, dass die Teufel ihn mieden und dort die einzige Antwort verborgen lag, mit der man die Menschheit zu retten vermochte

Hmmm. Die Teufel mieden ihn, wie praktisch ... spannender wäre es, wenn sie ihn nur entdecken müssten, um dieses Geheimnis zu zerstören

Zitat:
Und dort, im Schoß der Welt, fielen sie neben einander auf die Knie und schworen ihrem alten Leben der Selbstsucht ab

Zitat:

Denn trotz des Friedens in der Welt, herrschte keine Ruhe in den Herzen der Menschen

Wo kommt denn jetzt auf einmal der Frieden in der Welt her? das böse besiegt, nur indem sie den Ort betreten?
Zitat:
Gott nahm ihre Reue an und verriet ihnen die Geheimnisse der Himmelsdornen, deren Macht diesen Ort all die Zeit verteidigt hatte

Also doch verteidigt, nicht wegen der Heiligkeit gemieden.
Und auf einmal taucht Gott selbst auf? Schön, wenn er es mal in einer Geschichte tut Very Happy
Zitat:
Zuletzt segnete er die Reinsten von ihnen mit den Gaben der Welt und ernannte sie zum Adel der Schöpfung, sie sollten tun, wozu die Herzöge allein nicht mehr fähig waren

Zum Adel der Schöpfung, das ist wieder knapp daneben, neben einem geflügelten Wort, der Mensch als Krönung der Schöpfung.

Zitat:
Der Adel und der Letzte der vier Söhne des Allfürsten warfen die Angriffe der Teufel zurück und nahmen ihr altes Land wieder in Besitz

Es war schon Frieden in den Zeilen oben und Adel ist echt ein ungünstiger Begriff. Adel bezeichnet nunmal alle Adelstitel und keine Speziellen. Der Sohn des Allfürsten ist auch Adel. Da strapazierst du Begriffe, die schon sehr fest im Sprachgebrauch verankert sind, knapp an der Bedeutung vorbei neu. Das wirkt ungeschickt.
Zitat:
Gau und Mark, Stadt und Wald erneut vereint in mächtigen Händen

Gau musste ich nachschlagen, man denkt doch eher an Supergau und wieso sind Gau und Mark Widersprüche, die geeint werden müssen? wo war Stadt und Wald entzweit? Das spielte zuvor keine Rolle. Solche Mythen verwenden weniger Wörter von großer Symbolkraft. Etwas wird geschenkt, verloren, wiedergefunden. du magst Paare, aber durch die Beliebigkeit der Anwendung haben sie keine Mythische Kraft entwickelt
Zitat:
Doch der Krieg war nicht vorüber, denn der Krieg gegen die Unterwelt ist der letzte Krieg

Wenn es der letzte Krieg ist, ist der gewonnen, laut Text oben. Der Satz allein klingt gut und endgültigkeit und muss ja als ultimativer Abschluss genommen werden (Amargeddon eben). Aber es muss zum Text voeher passen.
Zitat:
Solange die Sünden in den Herzen ruhen, so lang kämpft der Mensch gegen die Teufel an

Um Sünden ging es bisher gar nicht, das Wort wurde nicht erwähnt, so klingt es wieder, als fiele dir dieses Wort eben jetzt ein. Bette es ein und setze es als zentrales Thema in Szene, dann hat es auch Kraft.
Teufel ... was interessiert es sie, wo kommen sie auf einmal her?
Schöpfungsmythen wissen das, (Luzifers Fall z.B.)
Teufel ist auch speziell, speziell christlicher als zum Beispiel Dämon. So rückst du insgesamt mit Sünde zusammen sehr ins Christliche. Himmel und Hölle. Ja, "mittelalterliche" Fantasy behandelt meist christliche Themen (von Arthur angefangen), das ist auch richtig und wichtig so, denn der christliche Glaube hat unsere Kultur geprägt und unser Denken über Gut und Böse und den Kampf zwischen ihnen. Ob wir wollen oder nicht. (Ich komme zum Beispiel selten an dem fahlen Pferd vorbei ... kann aber auch daran liegen, dass ich ein Mädchen bin Rolling Eyes  Laughing )
Aber ich finde, es wirkt nicht so als ob du diese Versatzstücke genommen, blank poliert und für deine Zwecke geformt hast, sondern als ob sie einfach Fundstücke sind, die man halt so nimmt. Wie das Wort Herzöge, soviel anderen Ballast mitschleppt, das deine höchst eigene Konstruktion nicht dagegen ankommt. Noch nicht, finde ich.
Ich würde mir den Wortschatz nochmal ansehen und die Schöpfungsgeschichte deiner Welt nochmal für dich durchgehen. Sehen, ob man das Allgemeingültige mit dem dir eigenen noch besser verschmelzen kann, damit diese alte Urgeschichte der Menschen in ihrem neuen Glanz, den du ihr verleihst, erstrahlen kann.

Ich hoffe, bei all dem Herumgezerre ist doch etwas für dich dabei. Vielleicht, wenn du nicht über alles reden möchtest pickst du dir ein paar diskussionswürdige Punkte heraus, wenn du magst. Ich diskutiere jedenfalls gerne oder rede über alles mögliche ... (wie man sieht Embarassed )
Vor allem wünsche ich dir aber viel Spaß beim Überarbeiten, beim neue Leser entdecken und vielleicht schon viele schöne neue Ideen für eine Fortsetzung oder ein neues Werk entdecken, denn ich las gerade, dieses ist schon zuende geschrieben.  Ach Ende, so ein schönes Wort. Unter einem Roman, hier nicht. Hat Spaß gemacht mich mit deinem Text zu beschäftigen! Danke fürs lesen lassen!

Und Liebe Grüße
Wolfsspur
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Binturong
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BeitragVerfasst am: 13.08.2013 10:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Wolfsspur, du hast dir sehr viel Mühe gegeben, aber ich kann jetzt nicht sofort im vollen Umfang antworten. Auf dem ersten Blick ist mir einiges aufgefallen, wo du voll und ganz Recht hast, an anderen Stellen habe ich Dinge bewusst so geschrieben, wie sie da stehen.
Der Text an sich sollte auch weniger an ein Märchen oder Volkssage erinnern (wohl gemerkt erinnern und nicht genau so sein), als an Werke aus dem deutschen Spielmann oder die des Börries Freiherr von Münchhausen, daher keine Reime, weil sie zum Ende des 19. und Anfang des 20. recht unüblich waren (jedenfalls in den mir vorliegenden Büchern).
Später mehr.
Ach so, was das Versmaß angeht, ich hatte mich beim Schreiben mehr an einem Silbenmaß orientiert, das wechselnd anschwillt oder abflaut, aber das kann durch Überarbeitungen schon etwas verwässert worden sein.


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BeitragVerfasst am: 13.08.2013 19:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ok, auch wenn die Sortieranlage neben mir etwas anderes sagt, habe ich gerade etwas Zeit. Aber es könnte sein, dass die Antwort etwas unstrukturiert wirkt.
@Wolfsspur noch mals vielen Dank für deine Mühe und Kritik (die ausgedruckt immerhin zehn A4-Seiten lang war), es war die beste und ausfürlichste, die ich bisher bekommen habe. Auf Grund selbstauferlegter Regeln, kann ich für die Geschichte leider nicht meinen gesamten Wortschatz abrufen, dazu gehören auch Magie oder Dämon (tatsächlich sollte mal der Begriff Daevon vorkommen). Natürlich haben meine Herzöge magische Fähigkeiten, die Mächte, dass hat sie dazu bemächtig sich ihren Platz in den Stämmen zu erkämpfen. Daher sehen sie sich, ebenso wie die späteren Adligen, den gewöhnlichen Menschen überlegen. Sie sind in ihren Augen übermenschlich.
Ihr Name, Herzöge, in der Tat erst später auf, früher waren sie die Weisen oder Schamanen ihrer Stämme, bevor sich ihre Fähigkeiten weiter entwickelten. Sie werden eben zur Zeit des Autors so genannt.
Und um noch mal die Geschichte ins richtige Licht zu rücken, auch in meiner Welt ist es nur eine Kunstgeschichte, die Geschehnisse der Vergangenheit mehr heroisieren, als wahrheitsgemäß wieder geben soll und zum Ende hin betont, dass diese Zeiten vorrüber sind und die des Adels gekommen ist, um dessen Macht und Privelegien zu rechtfertigen. Sie sind auch nicht wirklich von Gott gesandt, noch tratt er jemals persönlich in Erscheinung, aber es klingt nach einer guten Legitimation. Die Wahrheit über diese Vergangenheit kommt in meiner Geschichte nur nach und nach ans Licht. Vor allem ist es ein Problem, dass die "alte Zeit" noch gar nicht so lang zurück liegt, der Beginn des Krieges etwa 111 Jahre in meiner Geschichte, und noch immer einige Leute an ihr festhalten.
Zitat:
Und eingedenk der Reaktion der Figur auf diesen Text, finde ich es auch wichtig, dem Text ein anderes Gewand zu verpassen, damit der Leser gleich einen gewissen Abstand gewinnt, zum Buch im Buch, das quasi nicht Geschichte ist, doch in ihr vorkommt.

Ich schrieb tatsächlich ganz oben, dass ich das Lied in Fraktur geschrieben habe, auf meinem Blog kannst du es dir mal im Original ansehen (auch wenn ich, dank dir, jetzt noch einige Stellen ändern werde).
Zitat:
Tiere spielen im weiteren Null Rolle, also ist es nur eine Erinnerung an die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel und dient dir gar nicht.
Ich gebe dir recht, dass sie es im Lied nicht tun, aber es steht drin, um dem Adel gegenüber einer anderen Magiergruppe höher zu stellen, die zum Zeitpunkt, als die Geschichte geschrieben wurde, erst einige Jahre bekannt war. Sie kommen im Verlauf der Geschichte natürlich auch noch vor.
Mit Pest und Krieg hast du ebenfalls Recht, das werde ich noch umstellen und Pest durch Seuchen ersetzen. Die Pest ist zu speziell und schwirrte sicherlich eh nur durch Münchhausens "Die Pest in Eliant" in meinem Gehirnwindungen.
Zitat:
Aber naja, muss wohl so sein. Frauen lesen auch über Jungs, aber Jungs eher nicht über junge Mädchen als Identifikations oder Heldenfigur
Das Ding ist auch, dass ich mir nicht anmaße, zu denken, dass ich mich wirklich in eine Frau hinein versetzen kann, in Jungen schon - ich war mal einer. Allerdings habe ich auch -mMn- starke Frauenrollen, auch wenn sie nicht gleich zu anfang auftauchen.
Zitat:
Vampir?
Nein, eher Kannibale. Aus der Not heraus tagelang unter den Leichen seiner Familie und denen der Hausbediensteten begraben zu sein, trank er ihr Blut, um nicht zu verdursten, bis er sich frei gekämpft hatte.
Zitat:
ist die Rüstung hier fehl am Platz
. Jeder Frieden ist brüchig, außerdem ist die Rüstung ein Ehrenzeichen, ihre Teile sind die Reichsinsignien und jedes einzelne Stück hat seine eigene magische Fähigkeit. Davon abgesehen, hat sie noch eine wichtige Aufgabe in der gesamten Geschichte zu erfüllen.
Zitat:
Da jeder über einen Teil als Fürst herrscht ist das ziemlich unklug, so kann es sein, wenn das Land in einer Hand bleibt und die andren Söhne andere Positionen einnehmen, aber so, der eine soll weise herrschen, nur der andere sich verteidigen können? Die einzelnen Stücke sind dem Untergang geweiht. Das könnte die Entscheidung der Söhne sein, weil sie nicht gemeinsam Herrschen können und damit den Untergang herbeiführen, weil das eben nicht klappt, sich und die Fähigkeiten aufzuteilen
Früher wurden Reiche unter Erben oft aufgeteilt, meist hatte das politische Gründe und ich habe hier eigentlich Karl den Großen im Kopf.
Zitat:
Kein Schuss vom Bogen, kein Hieb mit dem Schwert sollt je einer gegen die anderen führen

Wie wäre denn: "Kein Schuss vom Bogen, kein Hieb mit dem Schwert und kein scharfes Wort sollt je einer gegen die anderen führen." Als Bedeutung, dass sie einander nicht kritisieren sollen und jeder in seinem Land Souverän ist?
Zitat:
O.k. Satan? Es klang nciht so, als hätte der allfürst sich gegen das böse aufgemacht, sondern gegen alle Fürsten, da müsste das Böse schon oben auftauchen, damit die Rüstung hier ihren Wert hat.

Es geht nicht um Satan und auch "Teufel" ist nur eine Bezeichnung. Ihr wahrer Ursprung soll seit jeher vor dem Volk des Fürstenreiches vberschleiert werden. Sie sind Wesen deren Physionomie es für sie schwer macht bei Tag zu kämpfen, weil sie das Licht blendet (auch sie sind keine Vampire).
... so um es jetzt mal abzukürzen (ich sitze jetzt schon drei Stunden an der Nachricht), ich werde es noch mal durcharbeiten. Du hast mir einige gute Punkte genannt, wo ich dir völlig recht geben kann, aber schlußendlich werden dir die Veränferungen wohl nicht weit genug gehen.
Mal schauen.


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Wolfsspur
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BeitragVerfasst am: 14.08.2013 09:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Binturong

Tut mir leid, war mir nicht klar, wie lang es werden würde Embarassed Aber danke für das Kompliment.

Zitat:
Auf Grund selbstauferlegter Regeln, kann ich für die Geschichte leider nicht meinen gesamten Wortschatz abrufen, dazu gehören auch Magie oder Dämon (tatsächlich sollte mal der Begriff Daevon vorkommen).

Das sind ja spannende Regeln, Teufel ja, Dämon nein? Deavon finde ich eine gute Schöpfung für einen Fantasyroman, nahe genug um es anklingen zu lassen, wirkt aber nicht weltlich. Aber ich verstehe nur allzu gut, dass du deine Wortwahl nicht ändern kannst, ich könnte viele Begriffe auch nicht austauschen, weil ich den Kontakt zur Geschichte im Kopf verlieren würde. Jede Wortwahl hat ihre Untiefen ...

Zitat:
Natürlich haben meine Herzöge magische Fähigkeiten, die Mächte, dass hat sie dazu bemächtig sich ihren Platz in den Stämmen zu erkämpfen. Daher sehen sie sich, ebenso wie die späteren Adligen, den gewöhnlichen Menschen überlegen. Sie sind in ihren Augen übermenschlich.

Sind sie dann ja auch, die moralische Frage, ob sie dann auch mehr wert sind, müssten sie bescheiden mit nein beantworten.

Zitat:
Ihr Name, Herzöge, in der Tat erst später auf, früher waren sie die Weisen oder Schamanen ihrer Stämme, bevor sich ihre Fähigkeiten weiter entwickelten. Sie werden eben zur Zeit des Autors so genannt.
Und um noch mal die Geschichte ins richtige Licht zu rücken, auch in meiner Welt ist es nur eine Kunstgeschichte, die Geschehnisse der Vergangenheit mehr heroisieren, als wahrheitsgemäß wieder geben soll und zum Ende hin betont, dass diese Zeiten vorrüber sind und die des Adels gekommen ist, um dessen Macht und Privelegien zu rechtfertigen.

Die Privilegien haben sie immer gehabt, nur wird ihnen mit dem Gang zur Quelle ja eine neue moralische göttliche Legitimation gegeben, die sie von den Sünden der Vorhergehenden Herzöge reinwaschen soll. Sie legten ja ihre Selbstsucht ab. Was bedeuten würde, in deiner Gesellschaft hat der Adel sich moralisch zu geben (ob er es ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt)
Die Frage ist, ob ein Leser erkennen kann, dass da nur ein in deiner Welt moderner Begriff für etwas älteres verwendet wird von einem Autoren deiner Welt, oder ob man es dir gleich anlastet, und ob es den Leser stört.
Irgendwie so als würde in einer biblischen Erzählung stehen, Admiral Noah ging an Bord seines Schiffes ... Das ist leider ein recht typischer "Fehler" in Fantasy Hobbyschreiberkreisen. Es geht darum die Geschichte aus dem Kopf zu kriegen und um die Welt und die innere Kohärenz wurde sich wenig Gedanken gemacht. Ich als Kritiker finde es dann einfach schade, dass ein wahrscheinlich sehr durchdachtes Projekt mit diesem ersten Eindruck startet.

Zitat:
Sie sind auch nicht wirklich von Gott gesandt, noch tratt er jemals persönlich in Erscheinung, aber es klingt nach einer guten Legitimation. Die Wahrheit über diese Vergangenheit kommt in meiner Geschichte nur nach und nach ans Licht. Vor allem ist es ein Problem, dass die "alte Zeit" noch gar nicht so lang zurück liegt, der Beginn des Krieges etwa 111 Jahre in meiner Geschichte, und noch immer einige Leute an ihr festhalten.

Da muss deine Geschichte viel leisten für einen Fantasyroman, einiges soll wahr sein, anderes verzerrt, wiederum Dinge nie geschehen. Dann auch noch in einer Sprache, die in der Augenblicklichen Zeit zeitgemäß ist.
Da sind die Ecken und Kanten und Fragen, die sich mir stellten, dann in vielerlei Hinsicht eher die Puzzelstücke, die mich zweifeln lassen sollen. Ein Text der "reinrassig" verfasst wäre, wäre einfacher zu gestalten. Aber wer erzählt schon einfache Geschichten?  Smile
Dennoch würde ich mir vielleicht den Verfasser des Textes und seine Intention als er sie schrieb und woher er seine Informationen hat, nochmal genau vor Augen führen. Die Legitimation des Adels aus seiner Zeit? Eine Auftragsarbeit? Ist er einverstanden damit? Diese Neue Gruppe der Adeligen spielt keine so große Rolle, im Gegensatz zum Allfürsten. Müsste die Gewichtung auf die Taten des Adels nicht ein wenig verstärkt werden. Im Grunde laufen sie nur in ein grünes Tal und Peng, während ich bei dem Jungen, der Allfürst wurde, sehr eindringliche Bilder im Kopf habe. Die würde ich natürlich nicht streichen, aber eben den Adel noch etwas glorreicher darstellen und in Verbindung mit dem Allfürsten setzen, so als Die wahren Erben des Allfürsten. Eben wenn die Legitimation für den Autoren dieser Geschichte in deiner Geschichte das wichtigste war.
Zitat:
Und eingedenk der Reaktion der Figur auf diesen Text, finde ich es auch wichtig, dem Text ein anderes Gewand zu verpassen, damit der Leser gleich einen gewissen Abstand gewinnt, zum Buch im Buch, das quasi nicht Geschichte ist, doch in ihr vorkommt.

I
Zitat:
ch schrieb tatsächlich ganz oben, dass ich das Lied in Fraktur geschrieben habe, auf meinem Blog kannst du es dir mal im Original ansehen (auch wenn ich, dank dir, jetzt noch einige Stellen ändern werde).

Genau, deshalb schrieb ich das, das ich verstehe, warum es dich gestört hat, es hier nicht so einzustellen. Weil die Form eine wichtige Information für den Leser bereitstellt. (Hatte eine Kritik daran gespickt und wollte dir beipflichten)
Zitat:
Tiere spielen im weiteren Null Rolle, also ist es nur eine Erinnerung an die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel und dient dir gar nicht.
Zitat:
Ich gebe dir recht, dass sie es im Lied nicht tun, aber es steht drin, um dem Adel gegenüber einer anderen Magiergruppe höher zu stellen, die zum Zeitpunkt, als die Geschichte geschrieben wurde, erst einige Jahre bekannt war. Sie kommen im Verlauf der Geschichte natürlich auch noch vor.
Dann sollten sie diese Fähigkeit wenigstens einmal in dem Grünen Tal demonstrieren, damit das in der Geschichte einen Sinn hat und sich auch im Leserhirn festigen kann. Sonst verschwindet das meiner Meinung nach so hinter dem Bibelspruch, der einem so geläufig ist und könnte vergessen werden.
Außerdem liegt die Legitimation dieses Teil dann nicht in der Geschichte, sondern in deinem Plot, der sollte aber dem Verfasser der Sage egal sein, der kann ihn nicht gekannt haben, also braucht er einen Grund das so zu schreiben. (Meiner Meinung nach natürlich)

Zitat:
Mit Pest und Krieg hast du ebenfalls Recht, das werde ich noch umstellen und Pest durch Seuchen ersetzen. Die Pest ist zu speziell und schwirrte sicherlich eh nur durch Münchhausens "Die Pest in Eliant" in meinem Gehirnwindungen.

Der schwarze Tod ist ja auch die Seuche schlechthin
Zitat:
Aber naja, muss wohl so sein. Frauen lesen auch über Jungs, aber Jungs eher nicht über junge Mädchen als Identifikations oder Heldenfigur

Zitat:
Das Ding ist auch, dass ich mir nicht anmaße, zu denken, dass ich mich wirklich in eine Frau hinein versetzen kann, in Jungen schon - ich war mal einer. Allerdings habe ich auch -mMn- starke Frauenrollen, auch wenn sie nicht gleich zu anfang auftauchen.

War auch nur ein allgemeines aufseuftzen, der den Mangel an weiblichen Figuren aus weiblicher Lesersicht meinerseits beklagt. Konnte ich mir nicht verkneifen. Sollte aber auch deine Marktchancen gleich mal bestätigen smile
Zitat:
Vampir?
Zitat:
Nein, eher Kannibale. Aus der Not heraus tagelang unter den Leichen seiner Familie und denen der Hausbediensteten begraben zu sein, trank er ihr Blut, um nicht zu verdursten, bis er sich frei gekämpft hatte.

Kann man so lesen, auch wenn das Blut zu schnell gerinnt um tagelang davon zu trinken, von der Verwesung gar nicht zu reden ... Da müsste er sich als Kind schnell für den Hunger entscheiden ...
Zitat:
ist die Rüstung hier fehl am Platz
.
Zitat:
Jeder Frieden ist brüchig, außerdem ist die Rüstung ein Ehrenzeichen, ihre Teile sind die Reichsinsignien und jedes einzelne Stück hat seine eigene magische Fähigkeit. Davon abgesehen, hat sie noch eine wichtige Aufgabe in der gesamten Geschichte zu erfüllen.

Also diese Magie ist echt. Wenn die Rüstung wirklich magisch ist und ihm beim kämpfen geholfen hat, wie gesagt, dann müsste sie bei seinen Siegen auftauchen, nicht erst danach. Das wäre so als ob Exkalibur erwähnt werden würde nachdem Arthur die Tafelrunde gegründet hat
Zitat:
Da jeder über einen Teil als Fürst herrscht ist das ziemlich unklug, so kann es sein, wenn das Land in einer Hand bleibt und die andren Söhne andere Positionen einnehmen, aber so, der eine soll weise herrschen, nur der andere sich verteidigen können? Die einzelnen Stücke sind dem Untergang geweiht. Das könnte die Entscheidung der Söhne sein, weil sie nicht gemeinsam Herrschen können und damit den Untergang herbeiführen, weil das eben nicht klappt, sich und die Fähigkeiten aufzuteilen
Zitat:
Früher wurden Reiche unter Erben oft aufgeteilt, meist hatte das politische Gründe und ich habe hier eigentlich Karl den Großen im Kopf.

Hatte der nicht nur einen lebenden Sohn, der auch noch ziemlich missraten war, zu anständig? Und er hat auch wichtige Eigenschaften aufgeteilt? Wie gesagt, mich stört daran, dass eine Aufteilung eine Schwächung bedeutet. Was vorher der Arm war, muss nun auch Kopf und Beine haben, um selbstständig zu sein. Einen Politischen Grund? Ein Großes Reich zu zerhacken? Zumindest keinen Klugen. Die deutsche Kleinstaaterei zum Beispiel war ein Hickhack ohne ende, das eben durch die Machtansprüche vieler ausgelöst wurde. Es passiert eben aus dem Grund, jeder Will Herr im eigenen Reich sein, dass aber jemand absichtlich das so möchte für sein Reich, das erscheint mir unsinnig. Dass ein Großreich sich nach dem Tod eines übermächtigen Herrschers nicht halten kann, ist eine andere Sache (da denk ich an Alexander den Großen)
Zitat:
Kein Schuss vom Bogen, kein Hieb mit dem Schwert sollt je einer gegen die anderen führen

Zitat:
Wie wäre denn: "Kein Schuss vom Bogen, kein Hieb mit dem Schwert und kein scharfes Wort sollt je einer gegen die anderen führen." Als Bedeutung, dass sie einander nicht kritisieren sollen und jeder in seinem Land Souverän ist?

Klingt gut, aber für einen Mann, der erlebt hat, was er erlebte, recht naiv. Er muss dann seine Kinder sehr geliebt und als sehr edel erlebt haben, oder er war durch Krankheit nicht mehr bei Sinnen.
Aber das kann ich mir dann ja als Leser so denken, mit dem kein scharfes Wort ist klar, dass er nicht mehr realistisch denken konnte.
Zitat:
O.k. Satan? Es klang nciht so, als hätte der allfürst sich gegen das böse aufgemacht, sondern gegen alle Fürsten, da müsste das Böse schon oben auftauchen, damit die Rüstung hier ihren Wert hat.

Zitat:
Es geht nicht um Satan und auch "Teufel" ist nur eine Bezeichnung. Ihr wahrer Ursprung soll seit jeher vor dem Volk des Fürstenreiches vberschleiert werden. Sie sind Wesen deren Physionomie es für sie schwer macht bei Tag zu kämpfen, weil sie das Licht blendet (auch sie sind keine Vampire).

O.k. also das ist das Feindbild. Das ist immer so das Problem in der Fantasy, wo ja nicht klar ist, dass Gott und Teufel nicht erschienen sein können. Aber das wird, wo ich nun das erste Kapitel angelesen habe, sich der Leser wohl gleich denken können, dass es zumindest in der Zeit, wo dein Protagonist das liest, kein Gott und kein Teufel blicken ließ.
Zitat:
... so um es jetzt mal abzukürzen (ich sitze jetzt schon drei Stunden an der Nachricht), ich werde es noch mal durcharbeiten. Du hast mir einige gute Punkte genannt, wo ich dir völlig recht geben kann, aber schlußendlich werden dir die Veränferungen wohl nicht weit genug gehen.
Mal schauen.

Ich schreibe immer sehr viel, deshalb wirkt es leider oft so, als würde ich alles über den Haufen schmeißen wollen, aber in der Regel bin ich eigentlich mit kleinen Änderungen schon zufriedener als man glaubt.
Zum Beispiel ein Satz wie, in Alter Zeit, als die Herzöge noch den Namen Boten Gottes trugen ... würde für mich viel klären. Wie hoch der Autor die Herzöge schätzt und wie lang es her ist ...
Und letztendlich kann ich nur schreiben was ich denke, wenn dabei herauskommt, dass du trotz meiner Argumente zufrieden mit deinem Text bist, habe ich genauso viel gewonnen, eher mehr. Mein Ziel ist es als fremdes Hirn zu helfen einen anderen Blick auf den Text zu bekommen, hält er dem Blick stand in deinen Augen, solltest du zufriedener und sicherer mit deinem Text sein, dass er so ist, wie er für dich sein soll. Ob er mir als einzelnem Leser gefällt, der zufällig nun in einem Forum über den Text gestolpert bin, ist überhaupt kein Kriterium. Tut er es, wundervoll, Zielgruppe gefunden, aber wenn nicht, dann nicht. Es ist deine Geschichte, würdest du die nach mir von dir weg verbiegen, wäre das die wirkliche Katastrophe. Nur wenn sich Argumente von dir, mit deinem Ziel verbinden und du es so wirklich wie eine Verbesserung deiner! Geschichte empfindest, dann freue ich mich auch dahingehend ein wenig geholfen zu haben. Himmel ...Wiedermal kompliziert für: Nimm, was du brauchen kannst, vergiss den Rest!

Liebe Grüße
Wolfsspur
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Binturong
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BeitragVerfasst am: 14.08.2013 13:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Wolfsspur und gleich das Letzte vorweg:
Zitat:
Mein Ziel ist es als fremdes Hirn zu helfen einen anderen Blick auf den Text zu bekommen, hält er dem Blick stand in deinen Augen, solltest du zufriedener und sicherer mit deinem Text sein, dass er so ist, wie er für dich sein soll. ... Es ist deine Geschichte, würdest du die nach mir von dir weg verbiegen, wäre das die wirkliche Katastrophe. Nur wenn sich Argumente von dir, mit deinem Ziel verbinden und du es so wirklich wie eine Verbesserung deiner! Geschichte empfindest, dann freue ich mich auch dahingehend ein wenig geholfen zu haben.

Ja, das ist ganz klar und vernünftig, anders sehe ich es auch nicht und würde es auch nicht anders tun. Dennoch gibt es in jeder Geschichte -selbst wenn man schon sechs Jahre daran sitzt und ihn für fertig hält- Stellen mit denen man nie richtig zufrieden ist und gar nicht richtig weiß warum. Da kommt ein wenig wohl gemeinte Kritik von einem Dritten gerade recht. Also noch einmal Danke dafür.
Daevon - wäre eigentlich nur ein Mischwort aus lat. Daemon und dem indischen Deva/Devi gewesen, nicht einmal besonders geschickt, und hätte in der ersten Version meiner Geschichte den Adel bezeichnet, um deren zwiespältige Art zu verdreutlichen, aber ich hielt das irgendwann nicht mehr für passend.
Zitat:
Zitat:
Natürlich haben meine Herzöge magische Fähigkeiten, die Mächte, dass hat sie dazu bemächtig sich ihren Platz in den Stämmen zu erkämpfen. Daher sehen sie sich, ebenso wie die späteren Adligen, den gewöhnlichen Menschen überlegen. Sie sind in ihren Augen übermenschlich.

Sind sie dann ja auch, die moralische Frage, ob sie dann auch mehr wert sind, müssten sie bescheiden mit nein beantworten.

Bescheidenheit würde sie doch viel zu langweilig machen -es gibt ja auch normale Menschen, ohne besondere Fähigkeiten, die sich für besser als alle anderen halten- außerdem ist dieser Zwiespalt ein Kernthema der Geschichte.
Zitat:
Irgendwie so als würde in einer biblischen Erzählung stehen, Admiral Noah ging an Bord seines Schiffes ... Das ist leider ein recht typischer "Fehler" in Fantasy Hobbyschreiberkreisen. Es geht darum die Geschichte aus dem Kopf zu kriegen und um die Welt und die innere Kohärenz wurde sich wenig Gedanken gemacht. Ich als Kritiker finde es dann einfach schade, dass ein wahrscheinlich sehr durchdachtes Projekt mit diesem ersten Eindruck startet.

Ich kann den Punkt nicht ganz nach vollziehen, da du von der vorbiblischen Zeit sprichst und ich von einer Welt ähnlich unserer zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts (Zeit der Schreibers) bzw. ähnlich dem sechszehnten Jahrhundert. Wahrscheinlich ist weniger das Wort Herzog, als einige andere, wie "Stämme" und vor allem die Formulierung "Von Anfang an", das Problem, wodurch die Leser annehmen, dass es länger zurück liegt, als ich es meine. Auch wenn der Auslöser für die Auslöschung der Familie des kleinen Allfürsten, die Abkehr seines Vaters von einem polytheistischen Glauben zu einem monotheistischen war - ein Koflikt der in unserer Welt bereits im alten Ägypten entflammte.
Zitat:
Aber wer erzählt schon einfache Geschichten?

Man kann einfache Geschichten erzählen und Geschichten einfach erzählen ... leider muss ich zugeben, dass ich mit beidem Probleme habe.
Zitat:
Kann man so lesen, auch wenn das Blut zu schnell gerinnt um tagelang davon zu trinken, von der Verwesung gar nicht zu reden.

Du machst es mir nicht einfach, hm? ... so, machen wir es ganz theatralisch: Es hat tagelang geregnet und der Regen hat sich mit dem Blut vermischt, und dass er von ihnen gegessen hat, war nur eine Übertreibung des Schreibers.
Was die Rüstung anbelangt ... ich bringe sie nicht früher, sondern später ins Spiel! Am Sterbebett überträgt er seine Mächte, die ihn so groß gemacht haben, auf die einzelnen Teile seiner alten Rüstung und gibt sie weiter, auf das seine Macht seine Söhne immer schützen soll - passt zu seinem Charakter. Wodurch wir wieder auf ihn kommen, nur weil er ein mächtiger Krieger und gütiger Herrscher war, heißt ja nicht, dass er auch ein schlauer Herrscher war, der nicht von seinen Söhnen, Mätressen und Beratern übervorteilt wurde. Möglicherweise war er wirklich im Alter naiv, nachdem er seine Eltern und Geschwister schon als Kind verloren hat, dass er mit einem verklärten Bild an seinen Frauen und Kindern gehangen hat. Und vielleicht sah ihn auch sein ältester Sohn genau so, nachdem er nicht das ganze Reich für sich bekam.
Zitat:
Zum Beispiel ein Satz wie, in Alter Zeit, als die Herzöge noch den Namen Boten Gottes trugen ... würde für mich viel klären. Wie hoch der Autor die Herzöge schätzt und wie lang es her ist ...

Ehrlich gesagt ist das verdammt gut ... ich würde mir meinen Text noch mal vornehmen und wenn es dich nicht stört, würde ich die Einleitung vielleicht so übernehmen, wie du sie formuliert hast. Ich muss sagen, ich wünschte, ich hätte schon zuvor einen Leser mit einem solch lektorischen Talent gehabt, dann hätte ich mehr davon gehabt, es ihnen zum Lesen zu geben.
Noch einmal Danke, ich hoffe du wirst meiner Geschichte nicht überdrüßig und liest weiter. Bis bald.


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BeitragVerfasst am: 15.08.2013 11:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Binturong

Schon wieder eine Antwort. Danke!

Zitat:
Ja, das ist ganz klar und vernünftig, anders sehe ich es auch nicht und würde es auch nicht anders tun. Dennoch gibt es in jeder Geschichte -selbst wenn man schon sechs Jahre daran sitzt und ihn für fertig hält- Stellen mit denen man nie richtig zufrieden ist und gar nicht richtig weiß warum. Da kommt ein wenig wohl gemeinte Kritik von einem Dritten gerade recht. Also noch einmal Danke dafür.

Schön zu hören, dann kommentiere ich mal weiter und hoffe ich finde die Stellen und kann ein wenig nützlich sein.

Zitat:
Daevon - wäre eigentlich nur ein Mischwort aus lat. Daemon und dem indischen Deva/Devi gewesen, nicht einmal besonders geschickt, und hätte in der ersten Version meiner Geschichte den Adel bezeichnet, um deren zwiespältige Art zu verdreutlichen, aber ich hielt das irgendwann nicht mehr für passend.

Ich hätte nun Daemon und Devil vermutet. In jedem Fall Dämonisch genug. Und ja, für den Adel das Wort, wäre zu entlarvend gewesen, ich hatte eben eher an einen Ersatz der Teufel in der Sage gedacht.
Zitat:
Zitat:
Natürlich haben meine Herzöge magische Fähigkeiten, die Mächte, dass hat sie dazu bemächtig sich ihren Platz in den Stämmen zu erkämpfen. Daher sehen sie sich, ebenso wie die späteren Adligen, den gewöhnlichen Menschen überlegen. Sie sind in ihren Augen übermenschlich.

Sind sie dann ja auch, die moralische Frage, ob sie dann auch mehr wert sind, müssten sie bescheiden mit nein beantworten.

Zitat:
Bescheidenheit würde sie doch viel zu langweilig machen -es gibt ja auch normale Menschen, ohne besondere Fähigkeiten, die sich für besser als alle anderen halten- außerdem ist dieser Zwiespalt ein Kernthema der Geschichte.

Das war nur ein Gedanke dazu, dass sie sich gewöhnlichen Menschen überlegen sehen, das sind sie ja auch, insofern nichts ungewöhnliches. Ich bin schneller als du. Problematisch wird es erst, wenn der Stärkere sich dann auch als mehr wert erachtet, was nun leicht passiert, statt sich den Schwächeren gegenüber verpflichtet zu fühlen, was den Adel dann im Übertragenen Sinne ausmacht, Eine Edle Gesinnung haben. So sieht sie ja der Autor der Sage, der Folgerichtig in seiner Geschichte berichtet

Zitat:
Und dort, im Schoß der Welt, fielen sie neben einander auf die Knie und schworen ihrem alten Leben der Selbstsucht ab
Denn trotz des Friedens in der Welt, herrschte keine Ruhe in den Herzen der Menschen
Gott nahm ihre Reue an und verriet ihnen die Geheimnisse der Himmelsdornen, deren Macht diesen Ort all die Zeit verteidigt hatte
Zuletzt segnete er die Reinsten von ihnen mit den Gaben der Welt und ernannte sie zum Adel der Schöpfung, sie sollten tun, wozu die Herzöge allein nicht mehr fähig waren

Das ist auch noch so ein "Problem" Herzöge gehören zum Adel, nun aber ist der Adel eher eine religiöse Kaste zusätzlich zu den Herzögen. Du machst es einem nicht leicht als Leser.

Zitat:
Irgendwie so als würde in einer biblischen Erzählung stehen, Admiral Noah ging an Bord seines Schiffes ... Das ist leider ein recht typischer "Fehler" in Fantasy Hobbyschreiberkreisen. Es geht darum die Geschichte aus dem Kopf zu kriegen und um die Welt und die innere Kohärenz wurde sich wenig Gedanken gemacht. Ich als Kritiker finde es dann einfach schade, dass ein wahrscheinlich sehr durchdachtes Projekt mit diesem ersten Eindruck startet.

Zitat:
Ich kann den Punkt nicht ganz nach vollziehen, da du von der vorbiblischen Zeit sprichst und ich von einer Welt ähnlich unserer zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts (Zeit der Schreibers) bzw. ähnlich dem sechszehnten Jahrhundert. Wahrscheinlich ist weniger das Wort Herzog, als einige andere, wie "Stämme" und vor allem die Formulierung "Von Anfang an", das Problem, wodurch die Leser annehmen, dass es länger zurück liegt, als ich es meine.

Ja, sorum kann man es auch sehen. Stämme macht es im Sprachgefühl sehr als und die Herzöge wirken dagegen zu modern. Wenn die Stämme ersetzt werden wird die Welt Jünger. Allerdings ist die Zeit, wo die Menschen mit den Göttern noch per du waren, auch gefühlt immer ewig her, eben die Welt vor dem Sündenfall. Das macht es (für mich) eben zu einer Art biblischen Geschichte. Im Text müsste man die Vergangene Zeit einfach etwas deutlicher machen.
 
Zitat:
Auch wenn der Auslöser für die Auslöschung der Familie des kleinen Allfürsten, die Abkehr seines Vaters von einem polytheistischen Glauben zu einem monotheistischen war - ein Koflikt der in unserer Welt bereits im alten Ägypten entflammte.

Für uns ist aber die Christianisierung das Thema und das ist auch schon recht lange her, jünger in unsere Welt eingegriffen hat die Spaltung der Katholischen Kirche, maßgeblich angetrieben durch adelige, denen die Repressalien der Katholischen Kirche auf den Wecker gingen. Zusammen  mit dem Unten, dass du 19. und 16. Jahrhundert "kreuzt" wäre der dreißigjährige Krieg interessant für dich zu plündern.
Zitat:
Aber wer erzählt schon einfache Geschichten?

Zitat:
Man kann einfache Geschichten erzählen und Geschichten einfach erzählen ... leider muss ich zugeben, dass ich mit beidem Probleme habe.

Wieso leider. Beides kann man Menschen überlassen, die das wollen und ... Kinderbücher schreiben. Ich mag den aktuellen Trend in der Schreibe nicht, immer alles möglichst einfach machen zu wollen, als ob der Leser nicht auch mal was zu kauen bräuchte. Für mich ist die Frage also immer eher nötig kompliziert oder unnötig ...
Zitat:
Kann man so lesen, auch wenn das Blut zu schnell gerinnt um tagelang davon zu trinken, von der Verwesung gar nicht zu reden.

Zitat:
Du machst es mir nicht einfach, hm? ... so, machen wir es ganz theatralisch: Es hat tagelang geregnet und der Regen hat sich mit dem Blut vermischt, und dass er von ihnen gegessen hat, war nur eine Übertreibung des Schreibers.

Nein, leicht mache ich es wohl keinem Mr. Green Ist mir schon klar, dass das eine Übertreibung des Autors der Geschichte ist, nur weiß ich ja nicht, welche Dinge du dann als "ist aber tatsächlich so passiert" später einführst, da baue ich schonmal vor
Zitat:
Was die Rüstung anbelangt ... ich bringe sie nicht früher, sondern später ins Spiel! Am Sterbebett überträgt er seine Mächte, die ihn so groß gemacht haben, auf die einzelnen Teile seiner alten Rüstung und gibt sie weiter, auf das seine Macht seine Söhne immer schützen soll - passt zu seinem Charakter.

Schön, dass du da deine eigene Lösung gefunden hast. Auch wenn ich die Rüstung in Aktion immer noch für eine große Versuchung für den Autor halte, der eine Legende erzählt und es der Szene ja keinen Abbruch tun würde. Jaaa ich weiß, ich bin stur.Rolling EyesMr. Green
Zitat:
Wodurch wir wieder auf ihn kommen, nur weil er ein mächtiger Krieger und gütiger Herrscher war, heißt ja nicht, dass er auch ein schlauer Herrscher war, der nicht von seinen Söhnen, Mätressen und Beratern übervorteilt wurde.

Jedenfalls im Alter, ein großes Reich beherrschen, dass man nach dem Krieg zusammenhalten muss, das erfordert schon eine gewisse Klugheit. Aber das schützt in der Tat wohl nicht vor der Beeinflussung durch Gefühle für die Familie.
Zitat:
Möglicherweise war er wirklich im Alter naiv, nachdem er seine Eltern und Geschwister schon als Kind verloren hat, dass er mit einem verklärten Bild an seinen Frauen und Kindern gehangen hat. Und vielleicht sah ihn auch sein ältester Sohn genau so, nachdem er nicht das ganze Reich für sich bekam.

Ja, das ist eine gute Geschichte hinter der Geschichte. Das meine ich mit Stolpersteinen, die da hingehören, wenn es so war. Als Leser denke ich, wie Mylan, wie unklug und unrealistisch es sich liest und werde vielleicht später dann aufgeklärt. Wenn beides passt, sowohl die erste Version in der Sage auf seine Art und die Geschichte dahinter dann auf eine Andere, ist es perfekt!
Zitat:
Zum Beispiel ein Satz wie, in Alter Zeit, als die Herzöge noch den Namen Boten Gottes trugen ... würde für mich viel klären. Wie hoch der Autor die Herzöge schätzt und wie lang es her ist ...

Zitat:
Ehrlich gesagt ist das verdammt gut ... ich würde mir meinen Text noch mal vornehmen und wenn es dich nicht stört, würde ich die Einleitung vielleicht so übernehmen, wie du sie formuliert hast.

Wenn sie dir dann noch gefällt, ist es natürlich eine besondere Ehre für mich, dass mir etwas einfiel, was zu deiner Geschichte und deinem Schreibstil passt.
Zitat:
Ich muss sagen, ich wünschte, ich hätte schon zuvor einen Leser mit einem solch lektorischen Talent gehabt, dann hätte ich mehr davon gehabt, es ihnen zum Lesen zu geben.

Danke! Das würde ich aber nicht mischen, jeder Beta hat seine besonderen Talente und bringt einen voran. Und die pure Begeisterung, die manche einem schenken, das sind die wahren Leser, für die man schreibt, die aufsaugen und nicht kritisieren. Sie sind die Sonne, ohne die ein Autor nicht wachsen kann, da ist Kritik eher der Kompost, der eben auch zum Teil aus Sch... besteht.
Zitat:
Noch einmal Danke, ich hoffe du wirst meiner Geschichte nicht überdrüßig und liest weiter. Bis bald.  

Vielleicht wirst du ja eher meiner Meckerei überdrüssig, dann musst du es sagen. Aber ich würde mich wirklich über eine Zusammenarbeit freuen, besonders da mein immer noch nicht beendeter FantasyRoman deinem ein wenig ähnelt, was die Probleme angeht (Auch bei mir, erwartet der Leser eine mittelalterlichere Welt, obwohl meine auch näher an der Neuzeit sind und haben so ihre Probleme damit. Auch ich habe die Abkehr von einem polytheistischen Glauben zu einer monotheistischen Religion als eines der Hauptthemen und ein wenig Magie). Sich da reinzudenken, macht mir wieder Lust meine Weiterschreibprobleme anzugehen.

Also Danke fürs Lesen lassen!

Liebe Grüße
Wolfsspur
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BeitragVerfasst am: 15.08.2013 11:53    Titel: Antworten mit Zitat

Oh, Mist. Da fehlt ein Teil ...

Ich denke, er ist so lang, da stelle ich ihn mal als neuen Beitrag ein ...

Ich war natürlich schon mal in K1 unterwegs
Hier ein erster Teil

Hallo Binturong

Ich bin nicht so der Rechtschreibexperte, deshalb merke ich nur an, von dem ich ziemlich sicher bin und was mir so auffällt, suche aber nicht speziell danach.
Ansonsten Kommentiere ich mal so durch, meine Lesergedanken, was ich anders machen würde ... Natürlich wieder mit: nimm, was du brauchen kannst und vergiss den Rest.

Zitat:
Mylan schloss das Buch und gähnte.

Super Einstieg! Setzt das Gelesene, was man zuvor vielleicht als Prolog wahrnahm in ein anderes Licht. Auch wenn man natürlich nicht hofft, dass es dem LEser ganz so schlimm erging, wie Mylan

Zitat:
Er hatte gehofft, dass ihn die eine oder andere Geschichte von dem unangenehmen Brennen in seinem Bauch ablenken würde, welches ihn schon am frühen Morgen unsanft aus seinen Träumen geweckt hatte. Doch das leise Brodeln in seinem Inneren hatte ihn nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.

Er hat Sodbrennen? Oder doch hoffentlich etwas schlimmeres ... Aber gut, mal sehen. Die Worte unangenehm und unsanft lassen ihn ein wenig Weicheimäßig rüberkommen. unangenehm ist eben nur unangenehm. Streich das mal und schaue, was das ausmacht. Nur Brennen lässt mehr Spielraum ,wie schlimm es denn ist.
Zitat:
Langsam drehte er das alte Buch in den Händen und besah sich den abgenutzten roten Deckel, auf dem ein goldener Schriftzug prangte, der bereits an einigen Stellen abgeblättert war.
Sagen aus dem gesamten Fürstenreich

Es ist also ein sehr altes Buch und er denkt viel moderner, schön gemacht!
Zitat:
Er seufzte. Seine Schwester hatte ihm das Buch in der Hoffnung geliehen, dass er ihm etwas abgewinnen konnte.

Man fragt sich gleich, was seine Schwester wohl damit bezweckt hat, gut! Es leuchtet den Charakter an und nicht nur, dass sie ihm das Buch gegeben hat, das er sich wohl selbst nie genommen hätte.
 
Zitat:
Doch über die erste Geschichte war er nicht hinauskommen. Sie hatte ihn gelangweilt und nach seinem Dafürhalten wurde eindeutig zu oft Bezug auf Gott genommen.

Man darf also zweifeln, macht ihn modern.
Zitat:
In der Sage wurde er fast so oft und ebenso oberflächlich erwähnt, wie in Unterhaltungen mit seiner Mutter.

Das ist eigentlich nicht so oft in der einen Sage. Also eher "in den Sagen"
Klasse! gleich die Mutter eingebracht und man denkt sich, die Schwester kommt mehr nach der Mutter. Klassische Konstellation, aber nicht ohne Reiz
Zitat:
Bei diesem Gedanken kicherte er ein wenig, aber nicht ohne gleich mit einem brennenden Schmerz im Bauch dafür bestraft zu werden.

kichern? Das Wort macht ihn jung und albern. Ich würde lachte verwenden, wenn er deine Identifikationsfigur für den Leser ist und ich auf seiner Seite sein soll
Zitat:
Selbstverständlich glaubte er an eine lenkende Macht, nur nicht ganz so sehr wie sie es gern gehabt hätte.

Oh, gleich mein Eindruck, er glaubt gar nicht an Gott relativiert. gut!
Zitat:
Mylan beschloss aus seinem Bett aufzustehen. Es lohnte sich nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, da er zu der Überzeugung gelangt war, dass sich seine Bauchschmerzen, wenn sie es bisher nicht getan hatten, nicht mehr bessern würden. Er legte das Buch neben sich und warf die Decke zurück. Doch er musste schnell feststellen, dass jeder seiner Schritte auf dem kalten Zimmerboden mit unzähligen kleinen Stichen in seinen Gedärmen bestraft wurde.

Mysteriöse Krankheit. Bin neugierig. kalter Zimmerboden, was für ein Boden wäre plastischer und würde gleich ein wenig Setting lebendig werden lassen
Zitat:
Vorsichtig zog er den ausgeblichenen Vorhang von seinem Fenster zurück, welcher die morgendliche Sommersonne bisher zurück gehalten hatte.

Oh, arme Verhältnisse, aber immerhin hat er einen Vorhang
Zitat:
Nun tränkten ihre Strahlen das Zimmer in ein goldenes Licht und blendeten den Jungen kurzzeitig.

Wumm, raus aus der Perspektive. War ich bisher in Mylans Kopf, hörte seine Gedanken, erzählt mir nun eine Stimme von außen, dass der Junge geblendet wurde. Ein ihn wäre besser, oder eben, wenn du einen Erzähler hast, nutze ihn auch und lass ihn ein bisschen mehr über den Jungen erzählen, damit er auch einen Grund hat, da zu sein und ich mich als Leser an ihn gewöhnen kann.
Zitat:
Da draußen erstreckten sich die Gärten ihrer Nachbarn im Schatten der alles überragenden Stadtmauer, in denen sich der weiß blühende Himmelsdorn an Gerüsten entlang rankte und sicher bald anfangen würde die ersten kleinen Früchte zu tragen.


Gärten? Wie entstand diese Siedlung außerhalb der Stadtmauer. Meist entwickelt sich das auf Landflüchtlingen, die Arbeit brauchen, sich aber nichts innerhalb der Mauer leisten können, die Behausungen sind dann eher notdürftig und wenn später mehr Wohlstand erreicht wird, bleiben die Grundstücke jedoch winzig. Die Bebauungsdichte ist also hoch, dass sich dort Gärten erstrecken können, zeigt, dass die Entwicklung deiner Welt ungewöhnlich ist.
Von wo scheint die Sonne, dass die Mauer Schatten wirft und wieso scheint sie dann dennoch in sein Zimmer. Ist ihr Haus das erste außerhalb des Schattens?
Natürlich pingelig, das Bild soll sicher nicht nur den Schatten der Mauer zeigen, sondern dass sie im Schatten der Stadt leben, nicht darin. Der Himmelsdorn ist auch ein schönes Bild. Es wirkt nun etwas eingebildet, da der Himmeldorn auch die Quelle beschützte. Aber zeigt eben auch, dass die Bilder aus der Sage irgendwie noch lebendig sind, weil man eben diese Pflanze an die Mauen pflanzte. Dorn wehrhaft, wie die Mauer, aber es blüht und verdeckt die kalte Mauer und Früchte trägt es auch, ein friedliches Bild mit leichter unterschwelliger Bedrohung
 
Zitat:
Alles war so(,) wie es sich gehörte und doch ließ Mylan das Gefühl nicht los, dass etwas nicht so war(,) wie es hätte sein sollen.

Bin keine Kommafee, glaube aber die sollten sein
Zitat:
Als wäre der Himmel grün statt blau; was nicht zutraf, wie er sich mit einem prüfenden Blick nach Oben versicherte.

Interessanter Vergleich, den Mylan da wählt. Grüner Himmel wäre absolut eine Sensation, aber noch nicht per se bedrohlich, nur anders.
Zitat:
Es klopfte an der Zimmertür und Mylan schreckte aus seinen Gedanken auf. »Ja?«
Langsam wurde die Tür geöffnet und dann trat seine Schwester ein. Sie lächelte ihn einen Augenblick lang an, bevor sie sich verwundert im Zimmer umsah.

Es ist ihr erster Auftritt, fällt ihm nicht irgendwas auf, er dürfte noch in seinen Schlafklamotten sein, ist sie angezogen, frisiert, ist sie immer früher wach als er? So ein Blick gibt dem Leser etwas bildliches an die Hand, nur ein bisschen mehr als Schwester. Ist sie zum Beispiel seine große Schwester?
Zitat:
»Hast du hier irgendetwas verändert?«

Ich würde hier einen Absatz machen, sie spricht und dann ist man wieder bei ihm
 
Zitat:
Erst folgte er ihrem Blick, offensichtlich beschlich sie dasselbe Gefühl wie ihn, doch soweit er sehen konnte war in seinem Zimmer alles beim Alten.

Spannend, was es nun mit diesem Gefühl auf sich hat.
Zitat:
Was hätte auch groß anders sein sollen? Er besaß das kahlste Zimmer, das er selbst kannte. Auf einem Brett an der Wand schmiegten sich eine Handvoll Bücher aneinander, die er schon einige Zeit nicht mehr angerührt hatte; neben einer alten Truhe befand sich sein schmaler Schreibtisch, der ein wenig mit dem Öl aus der Leuchte beschmiert war, die auf ihm stand, und davor befand sich ein knarzender Stuhl, der schon seinem Vater gehört hatte. Abgesehen von dem Kleiderschrank gab es in dem Zimmer nur noch einen kleinen Wecker, der auf dem Boden neben seinem Bett stand, auf welchem gerade die zerwühlte Decke von der Sonne aufgewärmt wurde.

Zu viel auf einmal. du gibst für die Zimmerbeschreibung zwar einen Grund, dennoch ist das ganze statisch. Und zeigt großen Reichtum. Eine Handvoll Bücher, die einem Kind! gehören. Alleine, dass er ein eigenes Zimmer hat. Ein Stuhl der schon seinem Vater gehört hat - sehr modern, dass als ärmlich zu empfinden. Das man ständig neue Möbel kauft ist ein Zeichen unser Zeit. Vor 50/60 Jahren bei uns noch mehr als normal. Dann eine Ölleuchte. Zentrale Energieversorgung gibts also noch nicht. Aber das auffälligste ist der kleine! Wecker, der auf dem Boden steht und achtlos von einer Decke bedeckt sein darf. Je kleiner eine Uhr, um so aufwendiger das Handwerk dahinter, um so mehr Arbeitsstunden. Dann gehört der wiederum einem Kind. Ein Zeichen von Ärmlichkeit ist das erst seit in unserer industriellen Arbeitsteilung mit maschineller Hilfe, wo so etwas wie ein kleiner Wecker, ein billiges Wegwerfprodukt ist. Ich glaube kaum, dass das in einer "Öllampengesellschaft" schon soweit ist.
Du schriebst, du lehnst dich an das 19.Jahrhundert an, dann recherchiere ein wenig in der Kindheit in dem Jahrhundert und zwar in Mylans Einkommensschicht. Oder du gehst anders vor, und machst deinen eigenen Zeitstrahl grober Entwicklungen und überlegst was machbar ist für die verschiedenen Gesellschaftsschichten.

Zitat:
»Nein«, stellte er fest und wandte sich wieder seiner Schwester zu. Syry und er sahen sich unfassbar ähnlich, beide hatten sie die grasgrünen Augen ihres Vaters und die weizenblonden Haare ihrer Mutter. Nur war er drei Jahre älter als sie.

Es gibt keinen Grund für ihn gerade jetzt festzustellen, dass sie sich unfassbar ähnlich sahen.
An den Namen muss ich mich noch gewöhnen, sieht aus wie ein verunglücktes Sorry ...
Zitat:
»Aber irgendetwas ist seltsam.« Sie ließ ihren Blick ein letztes Mal durch das Zimmer schweifen, doch plötzlich verzog sie das Gesicht und legte sich eine Hand auf den Bauch.

Sie auch, spannend, aber er scheint seine Schmerzen vergessen zu haben.
Zitat:
Besorgt streckte er einen Arm nach ihr aus. »Was ist mit dir?«
»Ach, nichts«, winkte Syry ab, bemüht sich nichts anmerken zu lassen und rieb sich unbewusst die Augen, unter denen sich dunkle Schatten gebildet hatten.

Die Schatten haben sich erst gerade gebildet?
Hier wäre dann übrigens der Platz, wo man die grasgrünen Augen erwähnen könnte, die sie wie er vom Vater hatte.
Zitat:
»Weißt du«, versuchte er ihr ein Stück entgegen zu kommen, »ich habe schon seit Stunden ein wenig Bauchschmerzen. Ob das vielleicht von dem Abendbrot gestern sein kann?«

Ein einfache Erklärung, ich als Leser bin trotzdem gespannt, ob da mehr dahinter steckt.
Zitat:
Aufmerksam betrachtete er ihr Gesicht, ob sie ihm vielleicht ein Zeichen geben würde, dass es ihr ähnlich ging, doch Syry runzelte nicht einmal die Stirn.

Zu mächtig formuliert, ein Zeichen geben. Hat sie doch schon, sie beide haben Bauchschmerzen. Das ist für Kinder doch nicht ungewöhnlich.
Zitat:
»Könnte sein …«, meinte sie abwesend und rieb sich versonnen den Bauch, als ob das Eine unmöglich etwas mit dem anderen zu tun haben konnte.

Sich versonnen den Bauch reiben, also wenn sie nicht schwanger sein soll, würde ich das versonnen ersetzen, denn das ist ein Wort der Freude und besonderen Zufriedenheit.
Anderen auch groß
Zitat:
Mylan versuchte den Gedanken an ihre seltsamen Beschwerden zu verdrängen, als sein Blick auf den roten Einband fiel, der sich zwischen den Falten seiner Bettdecke zu verstecken schien. Mit einer betont lässigen Geste, als hätte er nicht mitbekommen, wie es ihr ging, zog er den Sagenband hervor und reichte ihn ihr. »Hier hast du dein Buch zurück.«

Dass die Bauchschmerzen seltsam sind hast du oben gut angedeutet, aber hier übertreibst du. Denn Bauschmerzen, die auch noch beide haben. Bedeutet einfach, dass sie wohl krank werden oder etwas ungutes gegessen haben, dass Kinder so ein Drama drum machen, glaub ich nicht.
Jedenfalls nicht bei dem Jungen, wenn sie schwanger ist (oder ihre erste Regel hat)und er es empathisch mitfühlt, dann würde ich das seltsame Verhalten bei der Schwester lassen, aber ihn die Erklärung mit dem Abendessen glauben lassen und fertig für ihn. Obwohl das versonnen auch bei der Regel weg sollte, es sei denn dieses Ereignis ist in deiner Welt ein freudiges.
Zitat:
Sie nahm es ihm mit einem erschöpften, aber ehrlichen Lächeln ab und tätschelte dessen Rücken wie den eines alten Freundes. »Hat es dir gefallen?«

Sie ist die Bücher, oder die Geschichtsnärrin
Zitat:
»Nicht so richtig …«, gestand ihr Bruder. »Es ist einfach nichts für mich und ich möchte auch kein ganzes Buch in dieser seltsamen Schrift lesen, bei der ich immer unsicher bin, ob das jetzt ein kleines S oder ein F sein soll.«

Typisch Junge Very Happy
Seufzend ließ Syry ihren Blick über den goldenen Aufdruck des Buches gleiten. »Weißt du noch, von wem ich das habe?«
Zitat:
»Ich dachte (,)das wäre von Opa«, meinte Mylan, der sich daran erinnerte, dass ihr verstorbener Großvater eine umfangreiche Büchersammlung besessen hatte. Wenigstens hatte er immer angenommen, dass Opa Grave die Bücher gehörten, die in seinem Arbeitszimmer gestanden hatten, in dem er als kleiner Junge immer gespielt hatte.

Zu umständlich, das erste mit erinnerte klingt, als ob wieder jemand über ihn erzählt und dann wiederholst du es fast, aber besser durch eine Erinnerung. Ich würde nur die Erinnerung an das Arbeitszimmer nehmen
Zitat:
Kopfschüttelnd meinte Syry: »Nein, das hat mir Donar damals gegeben, bevor er fortgegangen ist.«

Kopfschüttelnd hat so eine Doppeldeutigkeit. Kopfschüttelnd nimmt man Unsinn zur Kenntnis. Sie verneint eher nur seine Annahme, also würd ich es umformulieren.
Schön, dass dieses Buch eine persönliche Bedeutung für sie hat, das führt tiefer in die Geschichte hinein und zeigt, wie gut dieses Buch als Einstieg gewählt ist, finde ich. Denn ich denke mir Donar wird eine wichtige Rolle spielen.
Zitat:
Nickend erinnerte er sich an den Jungen mit dem breiten Lachen im Gesicht, der sie vor Jahren ein Mal besucht hatte.

Kopfschütteln, nickend ... der Telegrammstil tut der Szene nicht gut finde ich. Und wieso sagt er nichts und nickt nur?
Zitat:
Er war gemeinsam mit seinem … ja, was war der Mann eigentlich gewesen? Sein Vater? Nein, Mylan war sich ziemlich sicher, dass der Mann Donars Lehrer gewesen war, auch wenn sie sich, mit den kurz geschorenen Haaren, sehr ähnlich gesehen hatten.

Schönes Detail, gute Erinnerung. Wirfst fragen auf, wer das gewesen war und lässt auf Adel schließen, wegen dem Lehrer.
Zitat:
»Ach so! Mama sagt, es ist egal, ob du das Frühstück verschlafen hast«, riss Syry sich selbst und ihn erneut aus den Gedanken, »dann musst du eben darauf verzichten. Du sollst dich fertig machen. Wir wollen bald los.«

Man ruft sein Kind nicht zum Frühstück? Find ich merkwürdig ...
Und Mylan überlegt nciht, warum der Junge seiner Schwester das Buch geschenkt hat? Ein großes Geschenk zu Zeiten, wo Bücherherstellung noch wesentlich teurer war. Bei den Bauschmerzen war er sdehr aufmerksam, hier nicht. Zumindest sich zu versuchen zu erinnern, wie seine Schwester und der Junge zueinander gestanden haben würde ich einfließen lassen
Zitat:
»So früh?« Ihre Blicke kreuzten sich.
»Du kennst doch Mama.«
»Lieber wär' es mir, wenn nicht …« Er seufzte laut auf und verdrängte den Gedanken an das, was er gerade sagen wollte. Hoffentlich hatte seine Schwester es nicht verstanden. »Es ist doch nur wieder so eine langweilige Rede.«

Ja, er hat Probleme mit seiner Mutter und deren Religiosität ... Gut teenagerhaft gezeigt.
Zitat:
»Vielleicht nehme ich das Buch mit?«, fragte Syry sich selbst und betrachtete abwägend den Sagenband in ihrer Hand. Mit einem Mal sah sie strahlend auf und zwinkerte ihrem Bruder zu, als wäre nichts gewesen und ihre Bauchschmerzen verflogen. »Ja, das werde ich einfach tun«, beschloss sie. »Vielleicht kann ich unauffällig darin lesen, während der Alte vor sich hin schwafelt.«

Oh, sie hat sich von der Mutter auch nicht anstecken lassen.
Was ist eigentlich mit seinen Bauchschmerzen? Hier zum Beispiel könntest du erwähnen, dass er sie nicht mehr hat.
Zitat:
»Gut, tu was du willst. Ich mache mich jetzt besser fertig. Sonst beschwört Mutter noch das Ende der Welt herauf«, schloss Mylan und wartete, bis seine Schwester aus dem Zimmer war.

Auf die Mutter bin ich mal gespannt.

Also mal ein Fazit, dieses ersten Abschnitts.
Der Einstieg mit dem Buch und den Kindern gefällt mir gut. Die Bauchschmerzen geben Grund zu Spekulationen. Donar als Figur, die noch interessant sein könnte. Ein guter "Ruhe vor dem Sturm" Anfang!


Liebe Grüße
Wolfsspur
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BeitragVerfasst am: 16.08.2013 17:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Binturong K1b

Dann mal weiter smile

Zitat:

Johst Solms, der Vertreter des Adels in Keths, stand mit ausgestreckten Armen auf der hohen Bühne, die man in der Mitte des Marktes von Keths errichtet hatte. Nur für diesen Tag hatte man die Wagen und Buden der Händler aus den umliegenden Orten verbannt, die hier für gewöhnlich in dichten Reihen vor dem Rathaus des Ortes beisammen standen.

des Ortes kann weg, weil du die Szene ja schon auf den Marktplatz gestellt hast, also sicher kein Rathaus eines anderen Ortes.
Der Adel ist ja nun eigentlich der Klerus, oder? Warum ziehst du das Wort Adel vor?
Dass da schon etwas verbannt wurde, das normale leben, bietet einen schönen Hintergrund der mitschwingt.

Zitat:
Hinter dem Mann, der seine moosgrüne Kundgebungsrobe und die dazu gehörende schlichte Stoffkappe trug, hingen die blaugrüne Flagge Zwischenbergens und die schwarzweiße des Reiches ohne Wind schlaff an ihren Mästen.

Ein Priester. Und wieder schön, dass die Flaggen schlaff hängen. Zeigt wie Kraftlos diese "Religion" ist, jedenfalls in ihrem Einfluss auf Mylan

Zitat:
Solms war gerade dabei, eine seiner zahlreichen Reden zuhalten, mit denen er versuchte den Dorfbewohnern, die sich zu seinen Füßen versammelt hatten, den Grund für seine Anwesenheit ins Gedächtnis zurück zurufen.

Es ist bei allen schwach, jedenfalls in Mylans Augen ... sehe ich überhaupt durch Mylan? Aber sie kommen noch.
Und Dorf? Dörfer mit Stadt!mauer sind selten. Also wenn auch ein Dorf, dann das vor der Stadt, in jedem Fall entscheide dich. Dörfer sind anders aufgebaut als Städte.
Zitat:
»Bewohner von Keths, in den vergangenen Tagen haben sich wieder einige der schlimmsten Ereignisse in der Geschichte unseres Reiches gejährt. Vor neun Jahren und zwölf Tagen erhob sich der scharlachrote Riese, der größte Teufel, der je unsere Welt mit seinen abscheulichen Füßen betreten hat und durchzog das Fürstenreich mit Schrecken, Zerstörung, Verderben und Tod. Auf seinem Weg löschte er fast zehntausend Seelen aus.

warum hat er 12 Tage gewartet, bis er diesen Jahrestag begeht? Eigentlich ist das dann doch ein festes Datum ... Anzeichen dafür ,dass die richtigen Herrscher, den Tag nicht so hochhalten?

Zitat:
Er zerstörte die Stadt Frydnsbarg und zwölf Dörfer. Dabei durchbrach er ein ums andere Mal jeglichen Widerstand, den wir Menschen gegen ihn aufzubauen versuchten.« Solms holte tief Luft und ließ einen seiner schweren Blicke über die Menschenmenge vor sich schweifen.

Der schwere blick, große Klasse! Man kann sich den Prediger wichtig gut vorstellen mit dem albernen Hut und dann den Blicken des schräääckens. Kein Wunder, dass er einen Teenie damit nicht schrecken kann.
Zitat:
Seine Worte entfalteten ihre Wirkung langsam und er wartete eine Weile, bis er glaubte, dass sich alle vorstellen konnten, was sie zu bedeuten hatten: Das unvorstellbare Grauen, von dem sie selbst, Gott sei's gedankt, verschont geblieben waren. Der Adelsvertreter genoss ihre Aufmerksamkeit und die Stille, die um ihn herum herrschte.

Hmm, seine letzten Worte sind aufzubauen versuchen, die entfalten irgendwie nix. Da muss noch ein Wenig Tod und Leichen und Brandgeruch hinein. Ist gerade Keths auch betroffen gewesen, oder eines in der Nähe, das die Menschen kennen?
Zitat:
»Viele Menschen ließen ihre Hoffnung auf Rettung fahren und flohen aus ihren Heimaten in die Hauptstädte Yngwersheim und Kyl,

ihrer Heimat, das gibts nicht in Mehrzahl, jeder flieht aus seiner
Zitat:
wobei sie vor Angst die Gefahren verdrängten, die stets noch von den gewöhnlichsten Teufeln ausgehen, die plötzlich und jederzeit in der halb gezähmten Welt da draußen auftauchen können.«

die halb gezähmte Welt gefällt mir besonders gut!
Zitat:
Er zeigte mit einem Arm über die Stadtmauer hinweg, die alle Häuser überragte und Keths völlig umschloss. »So fanden schließlich auch viele der Flüchtlinge den Tod, die gar nicht in Bedrängnis geraten wären, nur weil sie ihr Gottvertrauen verloren hatten.

Ohne schließlich mehr Kraft
und hatten ist auch nicht sooo stark. Versuche den Verlust des Gottvertrauens mehr in Szene zu setzen.

 
Zitat:
Doch dann stemmten sich, genau heute vor neun Jahren, Herzogin Mathilda von den Witmunts, Freiherr Klyng und einige andere der stärksten Männer unseres Reiches dem scharlachroten Riesen entgegen.

Ah, das ist der Ehrentag
Zitat:
Dieser Gruppe gelang, wofür wir gebetet hatten: Mit aller Macht(,) die sie aufwenden konnten(,) bezwangen sie den Riesen. Bekanntermaßen überlebte von diesen großen Gestalten unserer Geschichte nur ein damaliger Adelsvertreter, den wir heute als Suntrager kennen, die Schlacht.

Suntrager ... Sonnenträger, ich nehme an eine gewollte Assoziation
Zitat:
Die anderen Helden opferten in selbstloser Weise ihr Leben für uns und unser Reich. Herzogin Mathilda ließ sogar ihren erst acht Jahre alten Sohn Herzog Mael zurück, dessen trauriges Schicksal uns allen ebenso bekannt ist(,) wie das seiner Mutter. Und nun ist es unsere Aufgabe …«
Zitat:

Mylan versuchte standhaft wach zu bleiben und nicht im Stehen einzuschlafen, während er in der ersten Reihe der Menschenmenge neben seiner Mutter und Schwester stand.

Ich wollte gerade anmerken, dass die wörtliche Rede zu lang ist, so hast du den Leser in die Selbe Situation gebracht, wie Mylan. Gut!
Unsicher bin ich mir, ob ich Mylan hier hinten erst auftauchen lassen würde.
 
Zitat:
Das Schauspiel des Alten kannte er nur zu gut, immerhin lud seine Mutter ihn mehrmals im Jahr zum Essen zu ihnen nach Hause ein. Zu diesen Anlässen verhielt er sich nicht viel anders als jetzt. Immer lief er mit gesenktem Kopf herum, als ob seine Gedanken zu gewaltig für dieses kleine Dorf wären und ihn hier sowieso niemand verstehen würde.

Super Charakterisierung!
Zitat:

 Wenn ihn dann doch jemand danach fragte(,) grunzte er nur und winkte ab. 'Wie sollte mich jemand wie ihr denn verstehen?', fragte er dann stets.

irgendwie fehlt mir da noch ein Teil, also was er nach der Frage macht. Oder irgendein Satz über Gott
Zitat:
Der alte Mann war ein langweiliger und hochmütiger Kauz, dem seine Macht wohl zu Kopf gestiegen war und nicht verstand, warum man ihn hierher abgeschoben hatte, wobei er doch zuvor eine ach so wichtige Stelle im Geflecht des Adels eingenommen hatte. In einem so kleinen Ort wie Keths gab es doch eigentlich nichts für ihn zu tun.

Kleiner Ort und gewaltige Stadtmauer beißen sich als Beschreibung. ein kleienr unbedeutender Ort hat keine gewaltige Stadtmauer. Oder man muss es so erklären das Keths durch irgendetwas an Bedeutung verloren hat.
Zitat:
Früher war er für Herzog Mael verantwortlich gewesen. Vielleicht hatte man ihn deswegen hierher versetzt, nahe der Stelle an welcher der Junge sein Leben verloren hatte, um Solms für immer an sein Versagen zu erinnern.

Klasse die Vergangenheit eingeflochten und einen Haken nach dem Leser geworfen.
Zitat:
Eigentlich wollte Mylan gar nicht hier bei der Rede sein, doch seine Mutter war der hartnäckigen Überzeugung, ihre Familie würde etwas Besonderes in diesem Dorf darstellen und so mussten sie immer als Erste anwesend sein und in der vordersten Reihe stehen, dort wo man sie gut sehen konnte.

Schön formuliert.
Zitat:
Auf dem erhöhten Bretterboden hinter Solms standen, Mylans Meinung nach, die wirklich wichtigen Menschen in Keths. Links von ihm befanden sich der gewählte Bürgermeister des Ortes und sein Vertreter, die für sich allein schon ein eigenartiges Bild abgaben. Der stark beleibte Bürgermeister hatte sein Amt nun schon seit zwölf Jahren inne und an jedem Tag, der seit dem vergangen war umspielte ein freundliches Lächeln seinen Mund – wenn er nicht gerade von einem anstrengenden Weg verschnaufte und sich den Schweiß aus dem Gesicht und von seiner Halbglatze wischte; bei seinem Gewicht war allerdings fast jeder Gang eine Belastung für ihn.

Ist etwas lang geraten, der letzte Teil könnte gestrichen werden, da das vorherige das schon impliziert
Zitat:
Sein Vertreter hingegen war schlank und drahtig, vielleicht sogar ein wenig mager. Das blonde Haar trug er streng nach hinten gekämmt und seine Miene war, im Gegensatz zu der seines Vorgesetzten, immer sehr ernst. Er lächelte höchstens mal, wenn er mit seinen Kindern zusammen war; doch selbst dann wirkte es oft angestrengt, als ob er nur lachte, weil er wusste, dass man es von ihm erwartete. Dieser Mann war Yarek Dappert, Mylans und Syrys Vater.

Klasse Effekt. Man denkt sich, wieso das mit den Kindern? Dann ist es sein eigens Kind, das das beobachtet. Doch stellt sich die frage welche Perspektive du hier wirklich einnimmst. So formuliert, ist es ein Erzähler, nicht Mylan selbst. Ich würde Syrys rauslassen und velleicht noch eine persönliche Note reinbringen. Dieser Mann, der ihm so fremd vorkam, Yarek Dappert, war Mylans Vater.
Zitat:
Nach jahrelanger Ausbildung beim Heer des Reiches, den Beschützern, stand er ebenso gerade und stramm wie die beiden Menschen auf der anderen Seite der Bühne. Bei ihnen handelte es sich um den Hauptmann der Beschützer im Ort und seine Vertreterin, Frau Fähnrich Ragna Grave,

Sein Vertreter ist nur Fähnrich? Da gibts nichts dazwischen? Auch in einem kleinen Ort, sollte, wenn es mehr als zwei Soldaten gibt, sich ein höherer Dienstrang als Vertreter finden als der ... Azubi ...
Zitat:
Mylans Tante. Sie war sieben Jahre jünger als seine Mutter. Beide Schwestern hatten den Ehrgeiz ihres Vaters geerbt, aber während sich Saskya darauf verlegt hatte ebenjenen (getrennt)auch in ihren Kindern zu erwecken, konnte ihn Ragna, als kinderlose Frau in dieser Gesellschaft, sehr gut für sich selbst einsetzen.

Würde Mylan das wirklich so sehen, dass sie beide den Ehrgeiz des Vaters geerbt hatten und so weiter. Also eher der Erzähler, der gut erzählt, aber ist es sinnvoll die Nähe zu Mylan dafür aufzugeben?
Zitat:
Mylan stöhnte, als ihm einfiel, dass nach Solms auch noch der Bürgermeister und dann der Hauptmann an der Reihe waren, zum Dorf zu sprechen. Dabei hatte der alte Adelsvertreter noch immer nicht geendet und schien auch kein Ende finden zu wollen.

Das ist wieder Mylan und wieso fällt es ihm ein, seine Mutter schleppt ihn ständig zu diesen Anlässen, er weiß es also
 
Zitat:
Der Junge hätte seiner Mutter lieber von den Bauchschmerzen erzählen sollen, befand er, auch wenn sie sich in der Zwischenzeit schon fast gelegt hatten.

Der Junge ist wieder von außen. Unnötig, wie ich finde
Und wenn sie oben noch präsent waren, sollten oben noch einfügt werden, dass er sie immer noch hat
 
Zitat:
So hätte er diesen Tag vielleicht noch Zuhause genießen können, weil sie sicher Angst davor gehabt hätte, dass er sie oder Syry anstecke (ansteckte) … allerdings hatte seine Schwester ihr scheinbar auch nichts davon gesagt.

Nicht eher, weil ein krankes Kind nach Hause gehört?
 
Zitat:
Jedenfalls musste er zugeben, dass er hier, an der frischen Luft, und nach ein wenig Bewegung schon viel weniger Beschwerden hatte und als er zu Syry sah, schien es ihr genauso zu gehen. Er würde das schon durchhalten, entschied Mylan, immerhin waren es nur noch wenige Tage, bis er Keths verlassen und zu den Beschützern gehen würde.

Er würde das schon durchhalten, ich denke die Reden sind das Problem, nicht die Bauchschmerzen.
Zitat:
Wegen der Verpflichtung zu den Reichsdienstjahren, wurden alle Sechzehnjährigen männlichen Geschlechts für sechs Jahre zum Volksdienst eingezogen. Entweder wurden sie zu landwirtschaftlicher Arbeit eingesetzt, oder aber sie bewarben sich beim Heer der Beschützer und hofften in ihren Reihen aufgenommen zu werden.

Also auf mich wirkte er jünger als 16 in einer Welt, wo in dem Alter der Ernst des Lebens anfängt. Ich mag nicht lesen, die Bauchschmerzen ... ich hätte 12/13 geschätzt ...

 
Zitat:
Man konnte darüber streiten – und das tat man auch – was besser für die Jungen war. Jedoch bedeutete es einen gewissen Ruhm in der Heimat, einer der wenigen Bewerber zu sein, welche von den Beschützern angenommen wurden.

Wenige? Sie unterhalten also kein größeres Heer und es herrscht Frieden ... Und hier ist es wieder ein Erzähler, den ich dozieren höre.
Zitat:
Selbstverständlich hatte sich auch Mylan bei ihnen beworben und folgte damit dem Familienerbe, das ihm sein Vater, sein Großvater, seine Onkel und seine Tante, die sich freiwillig gemeldet hatte, vermacht hatten. So war er, nach einer erfolgreichen Eignungsprüfung, auch recht zuversichtlich bald einen Waffenrock überstreifen zu dürfen.

Eignungsprüfung ... das beißt sich mit den Bauschmerzen, denen er doch recht viel Bedeutung beimisst. Und wenn es so schwierig ist von den Beschützern angenommen zu werden, wieso hat es seine ganze Familie geschafft und wieso versauern sie hier? Wenn also jedes Dorf eine Anzahl Beschützer hat, ist es doch nicht sooo schwer angenommen zu werden ....
Zitat:
Plötzlich tippte jemand Mylan von hinten auf die Schulter. Überrascht sah er sich um und blickte in das gerötete Gesicht seines besten Freundes, Ulbert Swartz. Kurzzeitig brachte Mylan der Gedanke zum Grinsen, dass sein Freund vielleicht etwas vom Honigtau aus dem Wirtshaus seines Großvaters getrunken hatte, um die Rede des Adelsvertreters ertragen zu können und deswegen so ausgelaugt aussah.

Schön formuliert, aber Alkohol gestohlen, sie kommen in den Kriegsdienst, aber Alkohol gibts nicht?
 
Zitat:
Doch bevor Mylan ihn begrüßen konnte, brach es Ulbert heraus: »Ich hab ihn heute Morgen bekommen.«
»Was hast du?«, fragte er überrumpelt und bekam dafür sofort den Ellenbogen seiner Mutter in die Seite.
»Sei still!«, zischte sie ihm so leise zu, dass es nur die beiden Jungen gerade noch verstehen konnten. Doch ihr brennender Blick wirkte auf Mylan, als hätte sie ihm ins Gesicht geschrien. Er wusste, dass dieser Blick nichts Gutes zu bedeuten hatte.

Brauchst du nicht, die Beschreibung vorher sagt das viel besser

Zitat:
Ulbert griff nach seinem Hemd, er hatte selbst den ein oder anderen Anfall Saskya Dapperts miterlebt, und zog seinen Freund durch die Zuschauer einige Reihen nach hinten, fort von ihr. Dort holte er einen zerknitterten Briefumschlag aus seiner Hosentasche hervor und hielt ihn Mylan vor die Nase. »Das ist der Antwortbrief von den Beschützern.«
In Keths gab es, sie hinzugezählt, nur fünf Jungen in ihrem Alter und sie alle hatten sich beim Heer beworben, um der mühseligen und mitunter langweiligen Landarbeit zu entgehen.

o.k. weit und breit kein Krieg in Sicht, doch was tun die Beschützer noch? Übernehmen sie polizeiliche Aufgaben? Nicht, dass das hier beantwortet werden müsste, aber es klingt nach Wehrdienst ganz früher. Trinken, ein bisschen im Schlamm robben und fertig. Keinerlei Verantwortung dabei ... Dabei schreibt er doch, dass die Ausbildung hart ist, also wahrscheinlich mühseliger als Landarbeit. Dann gehts doch eher um Träumereien, dass es eben bewunderndswerter und spannender ist

 
Zitat:
Doch nur sie beide und vielleicht noch Ludram hatten wohl Aussichten darauf angenommen zu werden. Die anderen verfügten eindeutig nicht über die körperlichen Voraussetzungen, die dafür erforderlich waren. Helmo, der Sohn des Schlachters, war mehr als nur ein wenig zu dick und der dürre Rutlyb hatte seit seiner Kindheit mit einer Atemkrankheit zu kämpfen, die es ihm verwehrte in der Schule an ausgiebigen Turnübungen teilzunehmen. Mit ein wenig Glück würde man ihn vielleicht ganz vom Volksdienst befreien, wie es bei ganzzeitlich Kranken üblich war.

dick und dürr hattest du schon beim Bürgermeister/Vertreter.
Zitat:
»Und?«, fragte Mylan seinen Freund. »Was steht drin?«
Ulbert lief noch ein wenig röter an. »Ich habe ihn noch nicht geöffnet«, gestand er zögerlich und ließ unruhig den Brief durch seine Finger wandern. »Immerhin entscheidet er über die nächsten sechs Jahre meines Lebens.«

Motzen da vielleicht noch andere Zuhörer, dass sie in die Seitenstraße gehen müssen?
Zitat:
»Lass uns dorthin gehen«, schlug Mylan vor und deutete mit einem Nicken auf einen kleinen Seitenweg, gleich am Rande des Marktes. Es war eine Gasse die sie gut kannten, gleich neben Leuts Allerlei gelegen, wo alle Kinder von Keths ihr Taschengeld hin trugen, um davon Süßigkeiten zu kaufen.

ein Seitenweg ist keine Gasse. Also bei Gasse bleiben ... sonst bin ich erst schon fast im Feld und dann wieder Städtisch.
Und als 16 jähriger ist er kein Kind mehr, das Süßigkeiten kaufen möchte. Der Einschub ist nett und bietet Lokalkolorit, macht ihn aber wieder viel jünger
 
Zitat:
Aber da ihr Vater sämtliche Geldangelegenheiten ihrer Mutter überließ, bekamen Syry und er kein Taschengeld, weil sie es eh nur für sinnlosen Kram wie Süßigkeiten raus werfen würden. Die Einzige, welche den beiden hin und wieder etwas zusteckte, war ihre Tante Ragna. Doch wann immer Ulbert sich etwas leisten konnte und Mylan nicht, gab er seinem Freund etwas ab. Dann teilten sie es dort in der kleinen Gasse auf, wo sie unauffällig beisammen stehen konnten.

Ein groooßer Bogen, beleuchtet die Freundschaft, aber eben eine jüngere. also würde ich, wenn du daran hängst, ein "früher" einbauen.
Zitat:
Nun drängten sie sich zielsicher durch die Menschen dorthin, wo sie genug Platz und die gewisse Abgeschiedenheit fanden, welche sie jetzt brauchten. Egal ob sein Freund eine gute oder schlechte Nachricht erhalten würde, wäre hier ein wesentlich besserer Ort, um sich damit auseinander zu setzen, dessen war sich Mylan sicher.

damit auseinander setzen klingt arg Psychologisierend. Sicher, dass das Mylan ist, der ungern liest oder doch der Autor, der sich das denkt? So einfach gestrickt, wie er rüberkommt, wollen sie doch einfach wissen was drinsteht und für gute Freunde. Wissen, ob sie vielleicht getrennt werden oder gemeinsam hingehen und Mylan sollte sich fragen, warum er noch keinen Brief hat, ob das bedeutet, dass er nicht genommen wurde. Solche Fragen.
Edit: Du schreibst all diese Fragen ja unten. Ich würde das hier trotzdem etwas eindampfen mit dem auseinandersetzen, sondern eher in Richtung, was steht drin. Wenn du noch eine Andeutung machen willst, was später auf sie zukommt, könntest du hier auch noch ein Fragment aus der Rede des Redners einbauen, das ihr Schicksal andeutet, dann würde der Brief mehr Bedrohung in sich tragen und sie würden dann davon abrücken, wie sie sich ja auch nicht mit den Folgen eines solchen Dienstes auf Leben und Tod beschäftigen.
Und die Gasse wirkte oben, wie in schrittweite und hier, als wäre sie weiter weg..
Zitat:
»Los mach ihn auf«, forderte er Ulbert stichelnd auf.

sticheln ist fies sein, jemanden mit etwas schmerzhaften immer wieder piesacken, wieso also hier sticheln?
Zitat:
Zögernd schob dieser einen Finger in den Umschlag und hielt dann inne. »Hast du deinen schon bekommen?«, fragte er unruhig, als ihm plötzlich in den Sinn kam, dass es ihn und seinen besten Freund auseinander reißen würde, falls er abgelehnt, Mylan aber bei den Beschützern aufgenommen werden würde.

Genau das meinte ich. Hier springst du in Ulbert. Wieder Kennzeichen eines Erzählers. Nichts gegen viele Stimmen, ich versuche ohne Erzähler auszukommen, schreibe dafür aber Multiperspektivisch, was so manchen nervt. Aber hier ist die Frage, ob es nötig ist, dass Uldart sich diese Frage stellt oder ob das nicht genausogut Mylan sein könnte. Der Vorteil von Mylan ist, dass man dann eine Reflektionsfigur hat, eine Hülle, in die der Leser schlüpft und deine Welt erlebt.
Ich schreibe Multiperspektivisch, weil es bei mir oft darum geht, dass die Beziehungen und das einander verstehen schwierig sind oder unmöglich. Das scheint bei dir aber bisher nicht Thema zu sein, sondern eben dieser Junge.
Zitat:
»Nein, aber lenke nicht ab. Wenn du es nicht machst …«, meinte Mylan und tat so, als wolle er nach dem Brief greifen. Doch dann holte Ulbert hastig Luft und riss den Umschlag mit einem Ruck auf. Mit zitternder Hand zog er das amtliche Schriftstück heraus und starrte eine Weile unschlüssig darauf, bevor er es an Mylan weiter reichte. »Tut mir leid. Ich zittere zu stark und kann nichts erkennen«, gab er zu und schien vor Aufregung fast zusammenzubrechen. »Könntest du bitte?« Angespannt rieb er sich über seine Stirn.

Kann er nicht richtig lesen, wenn nicht, dann ist das doch arg unrealistisch.
Edit Ich würde hier das schon mit dem klügsten erwähnen, sonst könnte sich wie bei mir ein falsches Bild festsetzen
Zitat:
Lächelnd schüttelte Mylan den Kopf und nahm ihm trotzdem den Zettel ab. Schnell überflog er die schmucklosen und recht klein geratenen Wörter. Dann legte seine Hand in einer Kraft spendenden Geste auf Ulberts Schulter. Knapp und so nüchtern er konnte offenbarte er seinem Freund: »Sie nehmen dich auf, Anwärter.«
Erschrocken sah ihn Ulbert, der fest mit einer anderen Antwort gerechnet hatte, an. »Wahnsinn, ich werde ein Beschützer«, schrie er plötzlich erleichtert auf und reckte ausgelassen die Fäuste zum Himmel, während er erleichtert durch die Gasse tänzelte. Dann fiel er seinem Freund lachend um die Brust und drückte ihn so fest, als wollte er mit ihm ringen und zu Boden werfen.

Schön geschrieben, allein das tänzelte ist mir etwas zu ... balletthaft
Zitat:
Sein lautes und auffälliges Verhalten brachte die Leute auf dem Markt dazu sich nach ihnen umzudrehen und darüber zu wundern, was in der Gasse eigentlich vor sich ging. Mylan bemerkte ihre missbilligen Blicke und versuchte Ulbert zu beruhigen. »Pst, wir trauern doch und sind andächtig«, zischte er halb spöttisch, um seinen Freund auf die Umstände aufmerksam zu machen, in denen sie sich nach wie vor befanden. Sofort ließ der ihn erschrocken los und schlug sich eine Hand vor den Mund. Für einen Augenblick reiner Freude hatte er das Alles tatsächlich vergessen.
»Gut. Dann kann ich dir sagen, was hier noch drin steht.« Mylan wedelte mit dem Brief in seiner Hand. »Übernächsten Donnerstag werden alle neuen Dienstleistenden mit einem Kraftwagen abgeholt und nach Metnitz gebracht. Dort wird man uns dann den Beschützern oder den Höfen zuteilen.«

Sein Freund scheint sehr naiv. Dein Stil ist flüssig, wenn auch weiterhin etwas unscharf. Erzähler, Mylan?
Und Kraftwagen ist natürlich ein Riesen Klopfer. Ein verdammt modernes Wort und Ding in der mittelalterlich immer noch anmutenden Welt. Was du auch gleich aufnimmst
Zitat:
Ulberts Augen waren groß geworden. »Ein Kraftwagen?«, fragte er ungläubig. »Das wäre doch das erste Mal, oder?« Scheinbar war das der einzige Gedanke, welcher für ihn jetzt noch von Bedeutung war –  nun da er endlich die Zusage der Beschützer in den Händen hatte.
»Steht so hier drin«, antwortete Mylan und hielt ihm den Zettel hin.
Sein Freund lachte auf. »Hast du schon mal einen gesehen?«
Darüber musste Mylan nicht lange nachdenken und schüttelte den Kopf. Kraftwagen waren in einer abgelegenen Gegend wie Zwischenbergen einfach zu selten, als dass man sie einfach durch das kleine Keths fahren sehen würde. Es waren große Fahrzeuge aus Eisen, die nicht von Ochsen oder Riesenläufern, ausgesprochen großen Laufvögeln, gezogen werden mussten, sondern aus eigenem Antrieb fuhren und viel mehr, viel schneller befördern konnten als herkömmliche Wagen.

eleganter ist es einen Riesenläufer zu zeigen, statt es einfach so zu erklären als Autor, genauso wie alles unterstrichene. Der Junge könnte fragen, wie sie funktionieren und wenn er noch nie einen gesehen hat, woher weiß er das. Aus der schule? Dann weiß es auch sein Freund. Von seinem Vater?

Zitat:
Man sagte, dass sie von den Wissenschaftlern des Adels erfunden worden waren und durch Handarbeit nur in geringer Stückzahl hergestellt werden konnten.

Es gibt also schon industrielle Fertigung als Gegensatz zur Handarbeit?
Zitat:
Vor ein paar Monaten hatten die Nachrichten verkündet, dass es jetzt im gesamten Reich siebenhundertfünfzig Stück davon gäbe und lobten darauf hin den Adel und seine Errungenschaften in den Himmel; der Fortschritt erreiche auch bald den letzten Teil des Reiches – und offensichtlich war es nun so weit.

siebenhundertfünfzig und dann kommt eines hierher, kleines Land
So wie du Nachrichten benutzt, klingt es wie Fernsehen oder Radio ... weil die Nachrichten selbst verkünden ...
Zitat:
Lachend bemerkte Ulbert: »Stell dir das mal vor, wir in einem Kraftwagen, als künftige Beschützer auf dem Weg zur Ausbildung.«
»Mich haben die Beschützer noch nicht angenommen«, wehrte Mylan mit einem schmalen Lächeln ab.
»Bei deinem Vater?« Sein Freund schüttelte grinsend den Kopf und wiederholte, mit dem feinen Spott des Unglaubens: »Bei deinem Vater? Die Geschichte Yareks von Keths wird doch wohl auch in der Kreisstadt noch bekannt genug sein, damit er nicht mal selbst ein gutes Wort für dich einlegen muss.«

Wieder ein Haken für den Leser. Was hat sein Vater wohl geleistet?
Zitat:
»Ach, egal.« Mylan schüttelte den Gedanken ab und sah sich um. Auch für ihn war diese Angelegenheit nicht mehr als ein Scherz, obwohl er wusste, dass einige Menschen seinem Vater zwiespältig gegenüberstanden.

Den Satz verstehe ich nicht. Was ist diese Angelegenheit, die nicht mehr als ein Scherz war. Auch? Auch wie für seinen Vater und dann zwiespältig?
Würde ich nochmal entwirren und deutlicher formulieren.
Zitat:
Selbst ohne den Ruf seines Vaters, war er der Beste bei der Eignungsprüfung gewesen, die sie in der kleinen Turnhalle der Schule durchgeführt hatten. Das wusste er ganz sicher. Im Unterricht war er fast so gut wie Ulbert, dem klügsten Schüler im Ort,

Ulbert? Also klug oder gar wie der Klügste wirkt er wirklich nicht ...
Zitat:
außerdem war er stärker und schneller als jeder andere hier. Wenn sie also seinen Freund genommen hatten, war auch Mylan sicher dabei. Der Brief mit der guten Nachricht an ihn war bestimmt schon auf dem Weg zu ihm, Ulberts war einfach nur früher dran gewesen, beruhigte er sich.

Also schwant ihm doch etwas böses. Vielleicht wollte sien Vater, dass er gerade nicht in den Dienst kommt, geht mir durch den Kopf
Zitat:
»Hör mal, ich muss wieder zu meiner Mutter. Die dreht sonst durch«, meinte Mylan unruhig, der ihre wechselnden Launen fürchtete, selbst wenn er fast erwachsen war.

brauchst du nicht, weil jedem Leser das auch so klar ist und sie bisher nur so charakterisiert wurde. Und das fast erwachsen klingt fast so als fiele dir selbst auf, dass er etwas kindlich rüberkommt.
Wenn seine Schwester ihm oben sagt, dass er sich noch rasieren musst, kannst du das etwas abpuffern.

 
Zitat:
Ulbert nickte und sah seinem Freund nach, als dieser wieder zurück auf die Kundgebung ging. »Wir sehen uns nachher bei der Arbeit«, rief er Mylan hinterher, während der in der Menge verschwand. Für sich beschloss er die Rede gleich zu verlassen. Er war viel zu unruhig, um jetzt auch nur noch eine halbe Stunde still zu stehen und zuzuhören, wie andere redeten. Lieber ging er gleich zum Stadttor und unterhielt sich mit den Wachen dort, seinen baldigen Gefährten.

Das Stadttor wird bewacht? Wieso? Und wieso wechselst du jetzt zu Ulbert?
Zitat:
Der Adelsvertreter hatte mittlerweile seine Rede beendet und tauschte nun seine Stelle mit der des Hauptmannes, der zu ihm heran trat. Sie reichten sich die Hände und raunten einander ein paar Wörter zu. Es wirkte sonderbar, wie sich der großgewachsene und stämmige Hauptmann schließlich vor dem schmächtigen und alten Adligen verneigte.
»Bewohner von Keths«, begann der Kämpe, als der Alte in die Reihe hinter ihm getreten war, »wie ihr wisst, wird unser Reich dank Gottes Gnade und dem Adel immer mächtiger. Dennoch werden wir seit mehr als hundert Jahren noch immer von der gleichen Geißel heimgesucht. Deswegen müssen wir auch in diesem Sommer unsere Pflicht erfüllen und werden vier Söhne aus dem Schoß unseres Dorfes in den Dienst des Reiches überstellen.«

Geißel? Davon ist nichts in den Gedanken der Jungen zu sehen. Es wirkt als gäbe es keinerlei Bedrohung und immer mächtiger? Gegenüber wem? Gibt es Konflikte mit Nachbarstaaten? Auch das sollte in einem Land mit Schulbildung und solchen Reden dann für die Jungen bekannt sein.
Zitat:
Aha, dachte sich Mylan, dann haben sie Rutlyb also tatsächlich befreit.

Wann sind wir denn wieder in Mylan gesprungen? Eben noch war ich mit Ulbert zu den Wachen unterwegs ...
Zitat:
»Ich kann nicht oft genug betonen …«, fuhr der Hauptmann fort, doch obwohl Mylan ihn achtete, hörte er ihm nicht weiter zu, weil auch er nie etwas Neues zu erzählen hatte. Stattdessen schob und drängte er sich zurück zu seiner Familie. Als er sie endlich erreichte, war der Hauptmann auf der Bühne bereits dabei mit dem dicken Bürgermeister die Plätze zu tauschen. Sie nickten sich freundschaftlich und ohne ein Wort zu wechseln zu, während sie an einander vorüber gingen.
»Meine Freunde«, hob der Bürgermeister an, als er sich so bequem wie möglich vor ihnen aufgestellt hatte. »Ich weiß, dass ihr all die Worte leid seid. Doch lasst uns darüber nicht ihre Bedeutung vergessen, das was wichtig ist wird wichtig bleiben und ein wahres Wort ist auf ewig ein wahres Wort. Wir leben weil wir gemeinsam arbeiten, kämpfen und einen unbezwingbaren Willen haben. Und nun wollen wir alle wieder unseren Leben nachgehen, für die wir den Toten danken.«

kämpfen? Ich frage mich, was das bedeutet ...
Zitat:
Sofort brandete anerkennender und erleichterter Beifall, über das rasche Ende seiner Rede, und dann verlief sich die Menschenmenge mit einer überraschenden Geschwindigkeit in dem Dorf. Nur Familie Dappert verharrte standhaft auf ihren Plätzen in der vordersten Reihe. Neben der Bühne trafen sich gerade Mylans Vater und seine Tante, um ein paar Worte zu wechseln, als sich seine Mutter zu ihm wandte. »Wo warst du solange?«, fragte sie ihn mit einer unterdrückten Schrille in der Stimme und wurde puterrot im Gesicht. Ihr fiel es merklich schwer ruhig zu bleiben, obwohl sie darauf bedacht war nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Fehlt da das nicht?
Und sie ist so klischeehaft immer gleich, ich hoffe das bleibt nicht so. Das puterrot finde ich übertrieben, wenn es ihr so wichtig wäre, hätte sie ihn nicht verschwinden lassen.
Zitat:
»Ulbert hat den Antwortbrief der Beschützer auf sein Aufnahmegesuch bekommen«, brachte er verschüchtert, zum Glück jedoch ohne ein Stottern heraus, aber er spürte, wie sein Mund schlagartig austrocknete.

Er ist seiner Mutter gegenüber so ängstlich? Dann wagt er es zu verschlafen und bei der Rede zu verschwinden. Klingt als ob du die Szene aufpeppen wolltest. Realistisch nicht.
»Und?«, forschte seine Mutter mit zornigem Blick nach.
»Sie haben ihn angenommen«, sagte Mylan, verwundert dass sie sich danach erkundigte.
Zitat:
»Oh, schön für ihn«, warf Syry ehrlich erfreut ein, wofür sie von ihrer Mutter einen bösen Seitenblick erhielt. »Das wollte ich aber nicht wissen«, meinte sie. »Ich wollte wissen, ob du denkst, dass das wirklich ein ausreichender Grund ist, eine bedeutsame Kundgebung zu verlassen?«
»Ich war nicht weg, nur zwischen dem Bäcker und Leuts Allerlei.« Mylan zeigte auf die Gasse an der Seite des Marktes, welche seine Mutter selbstverständlich kannte und die man nun, da all die Leute fort waren, gut sehen konnte.
Grob umfasste Saskya sein Kinn und zwang ihn auf diese Weise ihr ins Gesicht zu sehen. »Du warst mit deinen Gedanken woanders und das ist viel schlimmer. Ihr habt euch undankbar gegenüber dem Helden Klyng, Herzogin Mathilda und zehntausend anderen erwiesen, denen nur einmal im Jahr gedacht und für ihren Opfermut gedankt wird. Was, bitte, kann an einem Brief wichtiger sein?« Zorn und sogar aufrichtige Abscheu blitzten in ihren Augen auf. »Du weißt wohl noch immer nicht, was Ehrerbietung ist!«

nennt er sie in Gedanken nun beim Vornamen?
Zitat:
Zumindest war Mylan sich recht sicher, dass er ihr keine schuldig war. Doch es schien, als könnte seine Mutter seine Gedanken lesen. Sie ließ sein Kinn los und packte ihn fest am Handgelenk. »Du bist ganz der Sohn deines Vaters. Sei verflucht, dass ich dir das in all den Jahren nicht austreiben konnte.« Sie überlegte kurz und fuhr dann bestimmt fort: »Du bekommst Ausgehverbot, bis du eingezogen wirst. Deine Pflichten wirst du erfüllen, aber deine Freizeit ist gestrichen.«
Mylan erschrak und stand ihr mit offenem Mund gegenüber, bis sie ihn grob mit ihrer anderen Hand schloss.

Das mit dem Mund schließen wirkt unfreiwillig komisch und seine Überraschung zeigt wieder, dass sie sonst nicht so streng ist. Aslo würde ich der Mutter zumindest einen Grund geben jetzt so streng zu sein, etwa, dass eine andere Frau sie anspricht, wo ihr Sohn geblieben ist ...
Zitat:
Sollte er wirklich seine letzten Tage damit verbringen in seinem Zimmer zu hocken und auf die Abfahrt zur Kreisstadt zu warten, während er eigentlich seinen Abschied feiern sollte? Mehr als acht Jahre lang hatte er ihr Verhalten erdulden müssen, seit er und Syry damals schwer erkrankt gewesen waren.

Nach schwerer Krankheit ist sie besonders heftig zu ihren Kindern????
Zitat:
Doch jetzt begann ein neuer Lebensabschnitt für ihn. Nicht erst wenn er zu den Beschützern gehen würde, sondern genau an diesem Tag und er entschloss sich den Schlussstrich gleich hier und jetzt zu ziehen. Er riss sich von seiner Mutter los.

Lebensabschnitt, sehr modern, nenn es doch einfach neues Leben ...
Zitat:
»Du weißt doch gar nichts Kya«, begann er und benutzte bewusst die Verniedlichung ihres Namen, die auch sein Vater immer verwendete. »Du bist nur …«

Es benutzt einen Kosenamen??? Den meint sein Vater hoffentlich liebevoll. Sie beim Vornamen nennen ist für eine Trennung besser.
Zitat:
Er stockte, als er bemerkte, wie sie ihre Hand hob. Noch in diesem Augenblick glaubte er nicht daran, dass sie tatsächlich tun würde(,) wonach es aussah. Syry, die ebenso schockiert feststellte, was gerade vor ihren Augen geschah, wollte ihre Mutter noch mit ausgestreckten Armen zurückhalten, doch es war bereits zu spät.

du springst in Syry bzw raus.
Zitat:
Mit einem wuchtigen Knall wurde Mylans Kopf zur Seite geschleudert. Die Ohrfeige schallte über den ganzen Platz und die paar Leute, die noch anwesend waren, starrten entsetzt zu ihnen herüber.

Also die Gesellschaft ist so modern, dass eine Ohrfeige für ein Kind entsetzen auslöst. Was in deutschland erst seit dem Jahr 2000! gesetzlich verboten ist. Die Szene hat also weitreichende Konsequenzen für den Aufbau deiner Gesellschaft. Was gegen Wehrdienst schon mit 16 Spricht.
Zitat:
Sein Blick war nun genau auf seinen Vater und seine Tante gerichtet, die ihn fassungslos, im Falle seines Vaters, und beklommen, seine Tante, erwiderten.

Wer nimmt das so wahr, Mylan?
Zitat:
»So redest du nicht mit mir!«, fuhr Saskya ihn an und packte seinen Hemdkragen. »Du bist immer noch mein Kind, ob wir beide es wollen oder nicht. Also bin ich deine Mutter und so wirst du mich auch behandeln!«

Aha. Also will sie nicht seine Mutter sein? Interessant, allerdings fehlt mir hier immer noch der richtige Auslöser, bin gespannt, ob der noch aufgedeckt wird.
Zitat:
Mylan drehte langsam seinen Kopf und sah ihr kalt in die Augen. Sie zuckte ein Stück zurück und ihr Griff erweichte.

ihr Griff erweichte ... unschöne Formulierung. ihr Griff wurde weich, schlaff, ließ nach ...
Zitat:
Grob schob er erst ihre Hand von sich, dann wandte er sich, ohne ein weiteres Wort von ihr, und allen anderen ab. Syry berührte ihn leicht an der Schulter. Nicht um ihn zurück zu halten, sondern nur damit er sie ansah und vielleicht verzieh, dass sie es nicht mehr hatte verhindern können.

Schwubb kurz bei Syry
Schön, aber warum sollte sie ihren drei Jahre älteren Bruder beschützen sollen.
Zitat:
Doch er entwich ihr und ging einfach davon.

entweichen wird in anderen Zusammenhängen benutzt doch er wich ihr aus
 
Zitat:
Er verließ den Markt in Richtung der Gasse, in der er zuvor mit seinem Freund gestanden hatte, und würdigte niemanden um sich herum eines Blickes mehr.

Hmm ...
Gut Geschrieben fürs Kopfkino. Aber ... Der angriff der Mutter ist recht unmotiviert und wegen Hausarrest nun auszubüchsen ... wieder eine Handlung eines Jüngeren ...
Total witzig, ich habe auch so eine Szene, ausrastende Bösewichtin in Gestalt einer Tante und ein Kind das geschlagen werden soll, allerdings mit einer Reitgerte und das Kind ist 5.
Ich weiß nicht, warum ich so eine Abwehrhaltung entwickle. Wahrscheinlich, weil der Einsatz so gering ist, nur ein paar Tage ...
Wie gesagt, ich würde die Mutter mehr motivieren und ihm auch etwas frecheres in den Mund legen als einen Kosenamen. ... und die Mutter könnte drohen, seine Bewerbung für die Beschützer zurückzunehmen, damit man ihm auf dem Land Demut lehren kann, oder ihn in ein Kloster Schicken wollen, also da wo die Adeligen ausgebildet werden (oder wird der Status geerbt?)
Also etwas heftiges bedeutenderes ... Es ist der Höhepunkt deines ersten Kapitels. Es ist kein Winter, die Welt ist friedlich, also ist der Einsatz ein paar Tage mit Kumpels zu feiern und draußen zu schlafen nichts, was mich unbedingt ins nächste Kapitel zieht ... Andererseits mag ich es durchaus, kleine Dramen erstmal in den Mittelpunkt zu stellen ... wäre er nicht so verdammt jung im Kopf für 16 ...
Dazu kommt das Springen der Perspektive bzw dieser dezente Erzähler. Jeder schlenker zeigt etwas nettes und ist auch nicht schlecht geschrieben, doch einen Mehrwert ergibt das für mich jetzt nicht, es wirkt einfach etwas nach, ich mach halt, was ich möchte. Vielleicht wird das später ja noch deutlicher, warum du ihn verwendest und nicht bei Mylan bleibst.

Insgesamt aber ein solides Junge am Anfang Kapitel! Das mit den Kraftwagen ist interessant und ich bin gespannt auf die Großstadt, wo sich der Fortschritt deiner Welt noch heftiger Zeigen wird. Magie gibts ja bisher nicht. Die Bauchschmerzen sind auch noch ein Thema, wo ich hoffe, das ergibt noch etwas ... du zeichnest Figuren schnell und sicher, mir aber manchmal zu extrem ... Der Text fließt gut, keine großen Stolpersteine ...
Aber bis auf den Kraftwagen, hast du da kein Element, dass dich heraushebt aus den gefühlten Hunderten von Junge rettet die Welt Geschichten. Ich würde deine Fans fragen, was ihnen besonders gefallen hat, was das Einzigartige war und versuchen da einen hauch von in das erste Kapitel zu hieven. Wie Blut, dass man ins Meer schüttet, um die Haie anzulocken. Klar, die Geschichte ist ein ... Archetypus, immer gerne gelesen und wichtig und es wachsen immer neue Leser nach, die noch nicht alle Bücher dieses Themas gelesen haben ...
Ich weiß ja nicht, was du anstrebst, ob nur für Freunde, Verlag, Selbstverlag oder oder ... Ich weiß natürlich auch nicht, was die Lektoren im Land so denken, aber spontan würde ich sagen, dass dem Kapitel ein Hauch mehr Besonderheit fehlt, um aus den vielen Geschichten herauszustechen. Wie gesagt, ich würde überlegen, ob ich etwas Foreschadowing reinbringen kann oder eben die Besonderheit deiner Welt noch mehr rausheben ... damit man eben ins nächste Kapitel fliegt ...
Auch Mylan. Er ist fast der Klügste, der beste in Sport, sein Vater ist Vizebürgermeister ... er hat einen besten Freund ... eine liebe Schwester eine Böse Mutter ... einen passiv gequälten Vater Das, was seine Mutter gesagt hat, dass sie beide nicht wollen, dass er ihr Sohn ist. Da ist für mich ein Hebel ihn etwas besonderer und etwas tiefergehend zu gestalten. nur ein paar Andeutungen mehr, weniger Leichtigkeit am Anfang mit dem ausgefallenen Frühstück ... Hmm ... Wie gesagt ich bin unschlüssig. 'Ich würde erstmal weiterlesen um zusehen, wie sich das entwickelt, aber ob das für "den Leser" reicht ...
Der Anfang eines Romans ist wie ein Versprechen an den Leser, was er bekommt. Durch den Prolog versprichst du Krieg (wenn der Leser dem Text glaubt), durch Mylan eine Teenager muss in die Welt raus Geschichte. Das Setting ist immer noch unklar ...
Also ich schließe unschlüssig ... Aber immer noch neugierig wie es weitergeht und wie deine Welt aussieht!

Liebe Grüße
Wolfsspur
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BeitragVerfasst am: 19.08.2013 19:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ok, während ich an der Antwort auf die zwanzig Seiten und einer Korrektur arbeite, schon mal die Fortsetzung für alle, die sie sich wünschen.
Eigentlich ist es ein Zwischenkapitel und nicht direkt die Fortsetzung, aber trotzdem viel Spaß damit.

Annan
Die Nacht hielt gemächlich Einzug und der schimmernd klare Himmel hatte nichts mit dem zu tun, was auf der Erde unter ihm vor sich ging, wo von Ruhe keine Spur war. Vögel stoben ziellos davon, nur von dem Wunsch getrieben dem unbestimmbaren Unheil zu entkommen, das nahte. Durch die Bäume hallte ein gleichmäßiger Warnruf, nahm ab und schwoll wieder an. Zwischen den Häusern der Stadt war er fast unerträglich laut gewesen, doch hier im Wäldchen, fernab der Lautsprecher, war er auf ein erträgliches, aber unheimliches Maß gedämpft.
Ein Junge rannte mit einem Mädchen an der Hand über einen Hügel, sprang über Wurzeln und wich Ästen aus. Das Mädchen wurde von ihm mitgezogen und kam kaum hinterher. Ihre Züge waren von hoffnungsloser Angst erfüllt. Atemlos fragte sie ihren Begleiter: »Dyter, wo willst du hin?«
»Zum nächsten Verkehrsknoten. Dort gibt es einen anderen –« Es schnitt ihm das Wort ab, als er plötzlich über einen Mülleimer stürzte, der zwischen den Bäumen wie aus dem Nichts aufgetaucht war, und fiel vornüber auf einen befestigten Weg, der vor fliehenden Menschen fast überquoll. Die Vorübereilenden wichen ihm aus, aber keiner nahm sich, unter dem dringenden Dröhnen des Warnrufes, die Zeit ihm zu helfen.
»Wollen die alle zum Schutzkeller?« Das Mädchen stützte ihn unbeholfen, während sich der Junge wackelig aufrichtete und ratlos die Menschen anstarrte, die an ihnen vorbei liefen. »Tut mir leid … Ich dachte der Weg durch den Stadtgarten wäre eine Abkürzung.«
»Na ja, offensichtlich bist du nicht der Einziger, der das –«
»Tante Gunde!«, rief eine schrille Stimme über alle anderen hinweg. Die beiden sahen überrascht zu einem Mann auf, der sich, mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm, einen Weg durch die flüchtende Menge auf sie zu bahnte. »Gundela?«
Das Mädchen sah die beiden fassungslos an. »Oskar? Was machst du … Wo ist meine Schwester?«
Der Mann warf ihr einen entschuldigenden Blick zu. »Helga ist heut' arbeiten und mit Waldemar konnte ich doch nicht auf sie warten. Ich nehme an, dass sie gleich von dort –«
»Gunde, ich bin auch da!«, beschwerte sich der Junge. Er versuchte nach seiner Tante zu greifen und streckte seine kleinen Hände nach ihr aus.
»Ja, Waldi. Ich weiß.« Sie nahm seine Hand und wandte sich wieder an ihren Schwager. »Warum seid ihr hier draußen?«
»Die Beschützer haben uns gesagt –«
»Sind die Schutzkeller voll?«, unterbrach ihn der Freund seiner Schwägerin bestürzt. »Wohin sollen wir dann?« Er sah sich hoffnungslos zwischen all den Menschen um, als erwarte er eine plötzliche Eingebung.
Oskar schüttelte den Kopf und rückte sich seinem Sohn zurecht, der fast von seinem Arm zu rutschen drohte. »Nein! Alle verlassen die Keller.«
Die beiden Jugendlichen starrten ihn bestürzt an. »Was? Wieso?«
»Habt ihr nicht bemerkt, dass sich der Ruf verändert hat?«, fragte er sie unruhig. Es behagte ihm nicht, so lang an einer Stelle zu verharren, während die Bedrohung, die noch keiner von ihnen gesehen hatte, näher zu rücken drohte. Allmählich gewann er auch den Eindruck, dass immer weniger Menschen um sie herum unterwegs waren. »Die Beschützer haben gesagt, dass es bedeutet, dass alle die Stadt verlassen sollen!«
»Raus in die Wildnis? Ist es so schlimm?«, fuhr der Junge auf. Langsam breitete sich ein Zittern in seinen Beinen aus. »Was geschieht hier nur?« Verzweifelt sah er sich um und bemerkte, dass auch alle anderen um sie herum stehen geblieben waren und sich erschrocken umblickten. Es waren nicht seine Beine die bebten, sondern die Erde. »Wartet hier«, bat er die anderen aufgeregt und rannte den Weg entlang. Er lief entgegen der Richtung in die alle flohen und in seinem Bauch breitete sich eine widerwärtige Übelkeit aus. Sich durch die Menge schlängelnd erreichte er eine Bank, die an einem kleinen Ausguck errichtet worden war, an dem sich das Wäldchen teilte und einen Blick von dem Hügel auf die Stadt um sie herum zuließ. Doch hier hatte sich bereits eine Menschentraube versammelt. Es waren so viele, dass er nicht über sie hinweg oder an ihnen vorbei sehen konnte, also sprang er auf die Bank. Das Beben wurde immer stärker und er musste sich an dem Mann vor ihm festhalten, um nicht wieder herunter zu fallen.
Die Stadt sah in der Dämmerung ganz ruhig aus, nicht als würde gerade ihr Untergang über sie herein brechen. Nur einzelne Menschen, die noch eilig Sachen gepackt hatten, liefen jetzt als Letzte mit ihren Koffern durch die Häuserschluchten.
»Oh, mein Gott«, stöhnte jemand und deutete auf einen Wohnblock, der sich unheilvoll zu neigen begann. Eine Ecke des Dachs brach ab und stürzte zu Boden, wo sie eine fahle Schuttwolke aufsteigen ließ. Nun sahen sie alle gebannt dorthin und beobachteten, wie schließlich der ganze Wohnblock nachgab. Er stürzte in sich zusammen und wurde von einem Loch verschlungen, das immer größer wurde, während sich eine unfassbar große Staubwolke darüber legte. Die Menschen schrien schockiert durcheinander, sodass kein Wort mehr, nur eine Stimmung verstehen konnte; Angst.
»Was ist das?«, raunte jemand fassungslos, als er wieder ruhiger wurde.
Die Wolke legte sich langsam und durch die Dunkelheit konnten sie verschwommen erkennen, wie sich in der Grube etwas regte und ganz langsam an die Oberfläche kam. Eine riesige Gestalt mit fünf Auswüchsen, die sich beugten und streckten, erhob sich.
Dem Jungen gaben die Beine nach und er rutschte von der Bank, als sich eine schwere Erkenntnis aus seinen Eindrücken zusammensetzte. Die Menschen um ihn begannen in unbeherrschter Angst zu fliehen, während er wie betäubt auf dem Boden saß. Es konnte einfach nicht sein. Was er gesehen hatte, war eine riesige Hand gewesen. Da traf ihn ein Knie am Kopf und alles um ihn herum wurde schwarz, während sich der schrille Warnruf in ein kräftiges Wummern wandelte.

Senan schrak aus seinem Schlaf auf, während irgendjemand wild gegen die Tür seines Zimmers trommelte. »Ja? Was ist?«, stöhnte er und sprang überstürzt aus dem Bett, als ihm die Bilder seines Traumes wieder in den Sinn kamen.
Eine schiefe Stimme, von der anderen Seite, verkündete ihm nur ein Wort: »Einsatz!«

Kurz danach stand Senan, mit vor der Brust verschränkten Armen, unter einem gelben Schild an einer Straße und wartete. Seine dunklen Haare hatte er sich auf seinem Hinterkopf zu einem kurzen Zopf gebunden, der sich buschig gen Himmel reckte. Ihn umhüllte ein locker gebundenes schwarzes Leinengewand, das noch keine Zeichen von Verschleiß zeigte. Der Leibrock wurde von einem einfachen Gürtel ohne Schnalle zusammen gehalten, der aus demselben Stoff wie der Rest seiner Kleidung gefertigt war. Der Junge war müde und sein Kopf schmerzte, aber er wusste, dass das der Lohn für die Bilder, die er gesehen hatte, war und mit der Zeit schon vorbei gehen würde.
Frydnsbarg, dachte er. Er hatte Frydnsbarg gesehen und wie sich der Riese erhoben hatte. Wieso nur? Nach all den Geschichten war er aus dem Nichts aufgetaucht, so wie Senan es gesehen hatte.
Nun stand er hier, an der Straße und wartete, dass ihn die Adligen aufsammeln würden, damit er sich einmal mehr mit den unglückseligen Gestalten messen sollte, die das Land heimsuchten. Gähnend riss er den Mund auf und hätte dabei fast das Stück Wurzel aus dem Mund verloren, auf dem er herum gekaut hatte. Eigentlich bevorzugte er die Zahnbürste, wie sie im Reich gebräuchlich war, aber es hatte ja schnell gehen müssen und das kleine holzige Ding würde auch bewirken, dass er etwas wacher wurde. Um ihre Zähne zu reinigen machten das alle in seinem Haus auf diese Weise. Es war ein Brauch den sie aus ihrer Heimat mitgebracht hatten, älter als der Adel oder das Reich.
Er fuhr sich unruhig über die glatten Haare. Frydnsbarg und der Riese. Das war das letzte Mal, dass er sich etwas von der Mischung getrunken hatte, beschloss er. Er hatte sich Antworten von der Traumreise erhofft, das Ende des Riesen. Stattdessen hatte er nur gesehen, was er sowieso schon wusste, wie es begonnen hatte. Wenn er von diesem Einsatz zurück kehrte, würde er es irgendeinem Draoidh geben, einem Weisen, der damit etwas anfangen konnte. Am Besten er würde seine ganze Sammlung aufgeben. Seit er sich in Yngwer befand hatte er sowieso andere Dinge zu tun.
Ein großer vierachsiger Wagen bog in die Straße ein, auf deren Bürgersteig er stand. Schnell zog Senan noch einmal seine Sachen zu Recht und straffte seinen Gürtel, bevor der Kraftwagen neben ihm zum Stehen kam. Er öffnete die Beifahrertür und stieg eilig ein. »Guten Morgen, mein Herr«, begrüßte er den Fahrer, welcher ihm nur zunickte, und wandte sich nach hinten, um zu sehen wer noch im Wagen saß. Überrascht stellte er fest, dass nur eine Frau hinter ihnen saß, wo eigentlich Raum für mehr als sechs gewesen wäre. »Seid gegrüßt, Herrin.«
»Guten Morgen, Senan.« Ihr halbes Gesicht war unter den Schleier langer brauner Haare verborgen. Doch unter dem Auge, dass Senan erkennen konnte, zeichnete sich deutlich ein dunkler Ring ab. Er hoffte nur, dass er selbst nicht genauso erschöpft wirkte wie sie. Doch der Fahrer beschied ihm genau das: »Du siehst müde aus.«
»Hab' auch nicht mit einem Einsatz gerechnet«, gab Senan zu. Er kannte die beiden Adligen und wusste, dass er bei ihnen nicht so sehr auf seine Zunge zu achten hatte, wie es bei anderen der Fall gewesen wäre. »Ist heute nicht Reichstrauertag?«
»Tja, das Böse schläft nie«, meinte die Adlige und lehnte sich auf der Rückbank zurück.
Der Fahrer grunzte und startete den Wagen. »Ebenso wenig wie wir, oder? Immerhin haben wir einen langen Weg vor uns.«
»Wohin geht es denn?«, fragte der Junge neugierig und versuchte es sich auf seinem Sitz ebenso gemütlich zu machen wie die Frau hinter ihm auf ihrem.
»Keths«, verriet sie ihm.
Senan stutzte und sah sich zu ihr um. »Das sagt mir irgendwas. Hatten wir dort schon mal zu tun?«
»Nein, aber du könntest davon im Zusammenhang mit der jüngeren Geschichte des Reichs gehört haben«, erklärte der Mann neben ihm. »Nahe Keths wurde der Wagen entdeckt mit dem Herzog Mael von den Witmunts entführt worden war und in dem er sicher auch umgekommen ist.«
Der Junge räusperte sich und rutschte unruhig auf seinem Sitz herum. »Wenn ich mich nicht irre ist das doch außerhalb unseres eigentlichen Einsatzgebietes. Sollten sich nicht die Verantwortlichen aus der entsprechenden Kreisstadt darum kümmern?«
Die Adlige seufzte und meinte: »Das wäre Metnitz und die würden's auch tun, wenn sie die Zeit dazu hätten.«

« Was vorher geschah123



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BeitragVerfasst am: 22.08.2013 15:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Wolfsspur,

Jetzt endlich meine Antwort auf deine Kritik zum ersten Kapitel.
Am meisten hat dich wohl die Erzählperspektive aufgeregt und ich hab gerade mal gegoogelt, es geht anscheinend vielen so. Die Leser möchten feste Regeln in einer Szene, aber ich komm da noch nicht ganz hinterher, warum das so ist. Aber jeder hat seine eignen Präferenzen. Ich als Leser mag die Ich-Perspektive in längeren Werken einfach nicht, obwohl andere Leser sie sehr wohl mögen und sie natürlich sehr aktuell ist. Kommt dann noch der Präsenz dazu, flipp ich aus.
Allerdings hatte ich die Ursprungsgeschichte damals tatsächlich auch im Ich verfasst, aber nachdem ich sie ein, zwei Mal laut vorlesen musste, entschied ich mich dazu, das zu ändern.
Hat dich denn die Perspektive des außenstehenden Erzählers, der den Charakteren abwechselnd über die Schulter blickt, wirklich so sehr gestört, wie es den Eindruck macht? Zugegeben, ist es nur aus meiner Unerfahrenheit dazu gekommen, aber ich finde es auch ganz gut so, weil ich so den Lesern die Möglichkeit gebe, Dinge zu sehen, die dem Protagonisten entgehen oder anders wahr nimmt.

Und ja, er ist jung für seine sechzehn Jahre, weil er, trotz seiner Eltern, immer noch ein behütetes Umfeld in Keths hat – seine Tante liebt ihn und für die meisten anderen ist er nicht nur der Enkel des ehemaligen Hauptmanns, sondern auch der Sohn des Helden von Keths – auch wenn sie versuchen, es ihm nicht direkt zu zeigen. Aber sie alle erwarten von ihm, dass er in die Fußstapfen seines Vaters tritt und, was ihn genauso kindisch erscheinen lässt, das ist auch sein eigenes Lebensziel. Mylan will einfach nur ein Held werden, wie sein Vater, mehr nicht, und er kann nur erahnen, was für so etwas der Preis ist. Doch was ist jeder Jugendliche in seinen eigenen Augen (das warst du wahrscheinlich für dich auch)? So ziemlich perfekt und auf alle Fälle unsterblich. Außer aus Geschichten kennt Mylan die Bedrohung der Teufel nicht, obwohl sie seinen Onkel getötet haben, aber das ist immerhin schon fast neun Jahre her.
Letztendlich ist er aber nur so naiv und unbedarft, damit genau dieser Teil von Ihm Stück für Stück zerstört werden kann. Denn die Jugend und „Naivität“ verkörpern auch seine Träume und Hoffnungen, und bekanntlich muss ein Protagonist erst ganz unten ankommen, bevor er wieder zum Finale der Geschichte aufsteigen kann … oder er bleibt da unten und die Geschichte nimmt überraschend einen ganz untypischen Verlauf.

Ach ja, um das noch mal zu erklären, die Welt zur Zeit der Haupthandlung in der Geschichte ähnelt unseren 1930-Jahren, aber die Legende, welche Mylan zu Beginn liest, wurde dem entsprechend, so zu einer ungefähr 1860-Zeit geschrieben. Es gibt aufziehbare Wecker (das werde ich ergänzen), Gewehre, eine Art von Granaten, Telefon, Radio, alten Autos und natürlich Strom, alles natürlich durch die Magie der Adligen erzeugt (womit meine Geschichte wohl so etwas wie Steam-Fantasy wäre). Nur gibt es all diese Dinge noch nicht überall im Reich und schon gar nicht in jedem Haushalt auf dem Land oder in jedem Zimmer, aber wir werden einigen davon noch begegnen, bevor wir an Mylans Seite Keths verlassen.
Ich denke, dass waren deinen großen Punkten … wenn nicht, weißt du, wie du mich erreichst.

Die Nachbarsgärten, die Mylan von seinem Zimmer aus sieht, sind, wie die Wohnhäuser, im Inneren der Mauer. Diese Gärten würden während einer Belagerung wichtig werden, aber natürlich sind die großen Gärten und Felder vor der Stadtmauer. Auch bei mir geht die Sonne im Osten auf und da Mylan im Nordosten von Keths wohnt, fällt morgens noch ein Schatten auf die Häuser und Gärten, die noch weiter östlich stehen, während die Sonnenstrahlen bereits in sein Zimmer fallen. (Hier habe ich grad gestöhnt, weil es ne Ewigkeit her ist, dass ich mir Keths in Kartenform vorgestellt habe.)

Und ja, da haben wir ein begriffliches Problem, die Mauer um Keths ist natürlich keine Stadtmauer, da der Ort keine Stadt ist. Nur ist Stadtmauer ein fester, bekannter Begriff, der sich schlecht durch Orts- oder Dorfmauer ersetzen lässt. Vor allem, weil sie in Stabilität und Höhe anderen Stadtmauern ebenbürtig ist – sie beschützt die Einwohner vor den wiederkehrenden, nächtlichen Angriffen der Teufel. Als der Krieg ungefähr hundertfünfzehn Jahre zuvor begann, hatte die meisten Orte keine Mauer und wurden daraufhin nachts überrannt und ihre Bevölkerung niedergeschlachtet. Selbst viele Städte mit Mauer konnten die Angreifer nicht ewig draußen halten, deswegen wird heutzutage in jedem noch so kleinen Kaff des Reich Himmelsdorn angebaut, den man essen kann, aber noch viel wichtiger ist, dass es der Hauptbestandteil des Himmelsblut ist, das die Teufel fernhält und man daher auf die Außenseite der Mauern schmiert. Schlüssige Erklärung?

„Eine Handvoll Bücher, die einem Kind! gehören.“ Wieso sollen das Kinderbücher sein? Nur weil sie alt sind? Er hat sie halt lange nicht mehr gelesen, weil er sie schon kannte und mit etwas anderem begonnen hat, was auch später erklärt wird.

„Zitat:
Alles war so(,) wie es sich gehörte und doch ließ Mylan das Gefühl nicht los, dass etwas nicht so war(,) wie es hätte sein sollen.
Bin keine Kommafee, glaube aber die sollten sein“ Richtig! Eigentlich bin ich mal den ganzen Text nach Wörtern durchgegangen, die Kommas implizieren (mehr als sechstausend! Das hat mich Tage gekostet), aber das (und sicher noch einige andere) ist mir wohl durchgerutscht.

„Zitat:
»Hast du hier irgendetwas verändert?«
Ich würde hier einen Absatz machen, sie spricht und dann ist man wieder bei ihm“ Darüber würde ich gern mit dir diskutieren, gibt es eine Regelung dazu? Ich habe nur dann einen Absatz gemacht, wenn jemand anderes sprach, als derjenige auf den sich der vorangegangene Satz bezieht (Perspektive und so …).
Übrigens geht dieses Gefühl, dass sich etwas verändert mit den Bauchschmerzen einher.
„Zitat:
»Könnte sein …«, meinte sie abwesend und rieb sich versonnen den Bauch, als ob das Eine unmöglich etwas mit dem anderen zu tun haben konnte.

Sich versonnen den Bauch reiben, also wenn sie nicht schwanger sein soll, würde ich das versonnen ersetzen, denn das ist ein Wort der Freude und besonderen Zufriedenheit.
Anderen auch groß“
Jetzt gleich zwei Dinge – ich hab den Wortstamm von Anderen anfangs immer, bei wirklich jeder Gelegenheit, großgeschrieben, weil ich es einheitlich haben wollte. Dann habe  ich noch mal im Duden geblättert und feststellen musste, dass ich mir die Regelung falsch gemerkt hatte. (laut K77) Großschreibung ist bei Substantivierung  möglich. Aber ich wollte nun aber für jedes Wort dieses Wortstammes eine einheitliche Schreibweise und ersetzte alle durch die kleinen Varianten.
Und nun zum Wörtchen „versonnen“. Offensichtlich haben wir davon verschiedene Auffassungen, für mich kommt es von „nachsinnen“, also in Gedanken abgelenkt und mit etwas anderem beschäftigt sein. Das bringe ich auch mit nichts anderem, als genau diesem Ursprung, in Verbindung.

Oh… hierbei hatte ich selbst meinen Spaß. „ihrer Heimat, das gibts nicht in Mehrzahl, jeder flieht aus seiner“ Ich habe ursprünglich auch Heimat geschrieben, aber beim Korrigieren bin ich immer wieder über diese Stelle gestolpert, weil es in meinen Ohren etwas seltsam klang. Und ich habe mich gefragt, wie viele urdeutsche Wörter besitzen kein Plural? Dann habe ich es nachgeschlagen (wieder im berühmten Duden). Nun ja, dachte ich mir, beim Nachlesen, vielleicht gibt es welche, aber Heimat gehört nicht dazu. Dieser Plural ist einfach nur ausgesprochen selten, daher gefällt er mir auch. Aber ich weiß auch, dass ich eigentlich nicht so viel Spaß daran haben sollte, meine Leser zu irritieren, da es sie abschrecken könnte  – nur ist die Arbeit an dem Buch einfach zu oft in wirkliche anstrengende und langwierige Feinarbeit ausgeartet, dass ich mir denke, ein, zwei dieser Scherze sind schon drin – das macht mir die Arbeit wieder ein Stück leichter.
Mal ein kurzer Vergleich (wahrscheinlich glaubst du mir jetzt auch so, aber ich halt manchmal ein Klugscheißer … was wohl auch bei dem ein oder anderen Charakter durchkommt):
Heimat – Wohnung
Richtig: jeder flieht aus seiner Heimat – jeder flieht aus seiner Wohnung
Auch Richtig: flohen aus ihren Heimaten – flohen aus ihren Wohnungen
Vielleicht meinst du, dass der Vergleich hinkt oder nicht aufschlussreich ist, kannst du es ja selber noch mal nachschlagen und bis in den Genitiv verfolgen, ich wollte das nicht auch noch einbringen.

Mal so zwischen durch, es freut mich, dass du auch ab und zu mal Dinge/Floskeln bemerkt hast, die dir gefallen. Das macht mich bei der ganzen Kritik kurzzeitig doch ein bisschen stolz auf meine Arbeit. Leider werden solche Feinheiten, von den Leuten viel zu selten bemerkt, aber es gibt da noch Stellen zu denen jeder mir etwas gesagt hat, der bis dahin gekommen ist. Und jeder sieht es halt anders.

Kommen wir zu Frau Fähnrich Ragna Grave
„Sein Vertreter ist nur Fähnrich? Da gibts nichts dazwischen? Auch in einem kleinen Ort, sollte, wenn es mehr als zwei Soldaten gibt, sich ein höherer Dienstrang als Vertreter finden als der ... Azubi ...“ Kurze Frage meinerseits, hast du den Fähnrich mit dem Junker, bzw. Fahnenjunker verwechselt? Der Fähnrich befindet sich bei den Dienstgraden ungefähr im Mittelfeld, bei mir über dem Feldwebel. Und da der Hauptmann natürlich nicht der höchste Grad der Beschützer sein kann, es kommen zwei Grade über ihm, und da der Hptm und der Fähnr nur durch den Marschall voneinander getrennt sind, passt das schon.

„Schön formuliert, aber Alkohol gestohlen, sie kommen in den Kriegsdienst, aber Alkohol gibts nicht?“ Frag mal die Amerikaner, die Jungs dort müssen für einen Präsidenten in den Krieg ziehen, den sie noch nicht mal wählen dürfen.

„etwas ... du zeichnest Figuren schnell und sicher, mir aber manchmal zu extrem ...“
Zu extrem? Damit meinst du klischeehaft, oder?

Bis dann erst einmal, Reiko


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BeitragVerfasst am: 22.08.2013 23:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Reiko
Zitat:

Jetzt endlich meine Antwort auf deine Kritik zum ersten Kapitel.
Am meisten hat dich wohl die Erzählperspektive aufgeregt und ich hab gerade mal gegoogelt, es geht anscheinend vielen so. Die Leser möchten feste Regeln in einer Szene, aber ich komm da noch nicht ganz hinterher, warum das so ist.

Ich glaube nicht, dass es da "den Leser" gibt. Es gibt "den Leser", der sich in den Schreibforen so herausgeformt hat, der bevorzugt eine "reinrassige" Perspektive. Show dont tell, ect.
Wenn ich mir aber so die Veröffentlichungen ansehe, ist das weder Lektoren, noch "nur Lesern" (nicht Schreibern, die in Schreibforen unterwegs sind) wirklich wichtig.
Merkwürdig, dass ich das trotzdem kritisiere? Ich bin durchaus kritisch eingestellt, was die Perspektive angeht. Sie sollte der Geschichte dienen und eine gewisse innere Kohärenz aufweisen.

Zitat:
Aber jeder hat seine eignen Präferenzen. Ich als Leser mag die Ich-Perspektive in längeren Werken einfach nicht, obwohl andere Leser sie sehr wohl mögen und sie natürlich sehr aktuell ist. Kommt dann noch der Präsenz dazu, flipp ich aus.

Ich hasse die Ich-Perspektive in der Regel. Ich habe das Gefühl, dass das Ich sich so wichtig nimmt, dass jeder Pups mitgeteilt wird und solche Charaktere mag ich nur in Ausnahmen. Das hat aber mit der Personalen Perspektive, die sich an eine Reflektorfigur hält nicht wirklich etwas zu tun. Natürlich sind die beiden Perspektiven verwandter, als etwa mit dem Allwissenden Erzähler oder der Kamera, aber dennoch etwas anderes.
Und Präsens ist wieder etwas anderes, auch da die Konvention zu missachten, sollte einen guten Grund haben und nicht nur so stattfinden.

Zitat:
Allerdings hatte ich die Ursprungsgeschichte damals tatsächlich auch im Ich verfasst, aber nachdem ich sie ein, zwei Mal laut vorlesen musste, entschied ich mich dazu, das zu ändern.

Ja, das wusste ich zwar nicht, aber ich hatte so das Gefühl, dass dir dieser Junge eben wichtig ist, er die Geschichte trägt, weshalb ich eben Einspruch erhoben habe, gegen gewisse Teile deines Textes, die mich als Leser von dem Charakter entfernen oder trennen
Zitat:
Hat dich denn die Perspektive des außenstehenden Erzählers, der den Charakteren abwechselnd über die Schulter blickt, wirklich so sehr gestört, wie es den Eindruck macht? Zugegeben, ist es nur aus meiner Unerfahrenheit dazu gekommen, aber ich finde es auch ganz gut so, weil ich so den Lesern die Möglichkeit gebe, Dinge zu sehen, die dem Protagonisten entgehen oder anders wahr nimmt.

Grundsätzlich stört mich ein Erzähler nicht, ich finde ihn auch zu unrecht so verurteilt in Schreibforen. Harry Potter, der Anfang zum Beispiel, Erzähler pur, ein riesen Erfolg.
Ich selbst schreibe zumindest in meinem einen Roman sogar Multiperspektivisch, also wechsele innerhalb der Szene, manchmal sogar Zeilenweise die Perspektive und das möglichst ohne Erzähler, ein absolutes Foren NoGo und wahrscheinlich auch ein Markt NoGo (?), aber die Geschichte erzählte sich mir im Kopf so und so habe ich mich auch bei der Überarbeitung entschieden, das zu versuchen zu perfektionieren und nicht auf normale Standardperspektive umzuarbeiten.
Das ist das "Problem" für mich bei deinem Text, es wirkt wie einfach so eingefallen, was ich auch gut und wichtig finde, dass man auf seine Intuition hört. Aber auf mich wirkte es eben auch beliebig, ohne Grund in der Geschichte. Dem Leser Dinge zu zeigen, die er sonst nicht erfahren würde, ist nett und wenn es die Geschichte erfordert auch wichtig. Allerdings ist es eben der leichte Weg. und jedes Mal, wenn du die Perspektive verlässt, ist da ein Loch, in diesem Loch kannst du den Leser für deinen Protagonisten verlieren, schwächst du die Bindung an ihn. Gerade am Anfang, kann das eben dazu führen, dass der Leser nicht richtig "reinkommt" in die Geschichte, oder eben an solchen Stellen aufhört zu lesen, oder sie überspringt. Kann, muss nicht.
Wenn die Geschichte sich nicht um eine sehr persönliche Geschcihte handelt, sondern eher das große ganze im Blick hat, eine Familie, ein Dorf, ein Freundesgespann, ein Staat. Auch dann würde ich schon am Anfang die Perspektive auffächern, damit der Leser weiß, was er bekommt und eben eingestimmt wird. Das sehe ich bisher bei dir nicht, sondern die überwiegenden Passagen zeigen genau das. Das er dir am wichtigsten ist. Der Leser sich für ihn interessieren muss, um die Geschichte zu mögen.

Zitat:
Und ja, er ist jung für seine sechzehn Jahre, weil er, trotz seiner Eltern, immer noch ein behütetes Umfeld in Keths hat – seine Tante liebt ihn und für die meisten anderen ist er nicht nur der Enkel des ehemaligen Hauptmanns, sondern auch der Sohn des Helden von Keths – auch wenn sie versuchen, es ihm nicht direkt zu zeigen.

Genau das müsste Kriegsgeschichten für ihn relevant sein lassen. Nach meinem Gefühl müsste er erwachsener sein als andere.
Zitat:
Aber sie alle erwarten von ihm, dass er in die Fußstapfen seines Vaters tritt und, was ihn genauso kindisch erscheinen lässt, das ist auch sein eigenes Lebensziel. Mylan will einfach nur ein Held werden, wie sein Vater, mehr nicht, und er kann nur erahnen, was für so etwas der Preis ist.

Das klappt für mich nur in einer perfekten Welt, wo es kein Mobbing gibt, keine Armut, keine Gewaltverbrechen. Klar, kann "Held" werden auch das Ziel eines 16jährigen sein, auch unrealistisch. Aber dennoch auf einer anderen Ebene als hier im Text. Durch die Süßigkeitengeschichten, das mit seiner Schwester, den Bauchschmerzen ... Das wirkt alles viel jünger, eben auf mich. Künstlich jung.
Zitat:
Doch was ist jeder Jugendliche in seinen eigenen Augen (das warst du wahrscheinlich für dich auch)? So ziemlich perfekt und auf alle Fälle unsterblich.

Nein, ganz sicher nicht und ich kenne auch ehrlich gesagt keinen Jugentlichen, der so war oder ist. Aber viele, die es von anderen Jugentlichen annehmen, dass diese sich für perfekt halten... Aber ich freue mich für jeden Jugendlichen bei dem das wirklich so ist. Klingt glücklich. und ein bisschen so, wie Zweiklässler noch sein können. Mein jüngerer Sohn hat sich in dem Alter noch gnadenlos selbst überschätzt und sicher nicht an seine Sterblichkeit gedacht (jedenfalls solange man seine Höhenangst nicht ausgelöst hat). Aber dann hat die Realität zugeschlagen mit Schulnoten zum Beispiel
Zitat:
Außer aus Geschichten kennt Mylan die Bedrohung der Teufel nicht, obwohl sie seinen Onkel getötet haben, aber das ist immerhin schon fast neun Jahre her.

Aber der Verlust ist in der Familie greifbar und er hat es ja auch selbst gesagt, in der Art, wie er seinen Vater beschrieben hat. Wie kann ein Kind mit so einem Vater, der ihm so ein Gefühl gibt, so naiv aufwachsen? Ich denke, da zeigst du selbst in deinem Text, dass das eigentlich nicht so ist.
Zitat:
Letztendlich ist er aber nur so naiv und unbedarft, damit genau dieser Teil von Ihm Stück für Stück zerstört werden kann. Denn die Jugend und „Naivität“ verkörpern auch seine Träume und Hoffnungen, und bekanntlich muss ein Protagonist erst ganz unten ankommen, bevor er wieder zum Finale der Geschichte aufsteigen kann … oder er bleibt da unten und die Geschichte nimmt überraschend einen ganz untypischen Verlauf.

Genau das. Es wirkt so, als ob er so sein muss, weil das eben in Geschichten so ist. Aber er muss so sein, damit ich die Naivität zerstören kann, reicht nicht als Argument, wenn du aber die Umstände ganz anders gestaltest. Seine Einstellung zu Gott mit der du anfängst ist schon ein wenig älter, die Art wie seine Mutter ist, stellt ein Kind vor Herausforderungen, die Geschichten ... Katholische Kinder sind auf eine ganz andere Art gläubig als Protestanten. Sie wachsen mit härteren Geschichten auf, düstereren Regeln. Dein Held wächst mit den Geschichten von den Teufeln auf und hat eine Mutter, die daran glaubt, einen Vater, der gebrochen ist. Sie müssen sich früh darauf vorbereiten entweder in den Landwirtschaftsdienst oder den Kriegsdienst zu gehen, es gibt Eignungstests ... Das ist ein anderes Setting, als wenn die Welt ganz rosarot wäre, er am Fluss sitzt und träumt, irgendwann geh ich zur Fremdenlegion und werd ein Held. Der Krieg ist nicht so lange her, es gibt Veteranen, Familien fehlen Mitglieder. neun Jahre, er war dann also 7 als der Krieg war, Dörfer abgeschlachtet wurden, Männer eingezogen und das soll er vergessen haben? Mit 7 vergisst man das nicht, es ist eine sehr eindringliche Zeit, wo Kinder schon alles verstehen und absolut hilflos sind.
Das wäre für mich der Ausgangspunkt für einen Jungen, der unbedingt Krieger werden will, um nie wieder mitansehen zu müssen, wie seine Mutter verrückt wird vor Angst, dass der Vater nicht wiederkommt, oder die Teufel in die Stadt kommen. Um so weniger kann ich diese Naivität verstehen.

Zitat:
Ach ja, um das noch mal zu erklären, die Welt zur Zeit der Haupthandlung in der Geschichte ähnelt unseren 1930-Jahren, aber die Legende, welche Mylan zu Beginn liest, wurde dem entsprechend, so zu einer ungefähr 1860-Zeit geschrieben.

Ja, dann baue das aus und zeige das. Das kannst du ja auch Locker durch den Erzähler machen zum Beispiel. Aber wenn ich nicht rechtzeitig als Leser dieses Setting bekomme, dann arbeitet dein Text immer gegen "Mittelalter" Vorstellungen an, die nunmal üblich sind in der Fantasy.
und dennoch ist es nicht wahrscheinlich, dass in den dreißigern ein Kind einen eigenen Wecker hat. Kann in deiner Welt ja so sein, dann ist aber die Industrialisierung weit fortgeschritten, was nicht zum Landarbeitsdienst passt. Dann werden die Jugendlichen in den Fabriken gebraucht und nicht alle können im Wehrdienst oder in der Landwirtschaft verschwinden. Das ist ein Luxus der Automatisierung.
Zitat:
Es gibt aufziehbare Wecker (das werde ich ergänzen), Gewehre, eine Art von Granaten, Telefon, Radio, alten Autos und natürlich Strom, alles natürlich durch die Magie der Adligen erzeugt (womit meine Geschichte wohl so etwas wie Steam-Fantasy wäre).

Auch das würde ich an den Anfang stellen. Er könnte jedenfalls daran denken, was die Adeligen jetzt tun, wo er gerade von ihnen gelesen hat. auch ist Magie schon anders als Steam Punk, aber deine Mischung klingt etwas seltener. Zeig dem Leser das von Anfang an, beispielsweise auch über die Kleidung und es ist immer noch die Frage, warum er einen eigenen Wecker braucht und wieviel so ein Ding in deiner Welt kostet, dass er so nachlässig damit umgeht.
Zitat:
Nur gibt es all diese Dinge noch nicht überall im Reich und schon gar nicht in jedem Haushalt auf dem Land oder in jedem Zimmer, aber wir werden einigen davon noch begegnen, bevor wir an Mylans Seite Keths verlassen.

Warum nicht? Es gibt einen Adeligen im Ort, welche Adelige können also Strom erzeugen und wie, wenn es nicht überall verfügbar ist. Bei seiner anspreche, gibt es zeichen seiner Tätigkeit, wenn dann doch beim Rathaus ...

Zitat:

Ich denke, dass waren deinen großen Punkten … wenn nicht, weißt du, wie du mich erreichst.
smile

Zitat:
Die Nachbarsgärten, die Mylan von seinem Zimmer aus sieht, sind, wie die Wohnhäuser, im Inneren der Mauer. Diese Gärten würden während einer Belagerung wichtig werden, aber natürlich sind die großen Gärten und Felder vor der Stadtmauer. Auch bei mir geht die Sonne im Osten auf und da Mylan im Nordosten von Keths wohnt, fällt morgens noch ein Schatten auf die Häuser und Gärten, die noch weiter östlich stehen, während die Sonnenstrahlen bereits in sein Zimmer fallen. (Hier habe ich grad gestöhnt, weil es ne Ewigkeit her ist, dass ich mir Keths in Kartenform vorgestellt habe.)
Durch die Gärten hatte ich den Eindruck vor der Stadtmauer zu sein, nicht darin. Kannst ja mal sehen, ob das mehr Leuten so geht.

Zitat:
Und ja, da haben wir ein begriffliches Problem, die Mauer um Keths ist natürlich keine Stadtmauer, da der Ort keine Stadt ist. Nur ist Stadtmauer ein fester, bekannter Begriff, der sich schlecht durch Orts- oder Dorfmauer ersetzen lässt. Vor allem, weil sie in Stabilität und Höhe anderen Stadtmauern ebenbürtig ist – sie beschützt die Einwohner vor den wiederkehrenden, nächtlichen Angriffen der Teufel. Als der Krieg ungefähr hundertfünfzehn Jahre zuvor begann, hatte die meisten Orte keine Mauer und wurden daraufhin nachts überrannt und ihre Bevölkerung niedergeschlachtet. Selbst viele Städte mit Mauer konnten die Angreifer nicht ewig draußen halten, deswegen wird heutzutage in jedem noch so kleinen Kaff des Reich Himmelsdorn angebaut, den man essen kann, aber noch viel wichtiger ist, dass es der Hauptbestandteil des Himmelsblut ist, das die Teufel fernhält und man daher auf die Außenseite der Mauern schmiert. Schlüssige Erklärung?

Dann musst du aber einen anderen Begriff finden und es ein wenig erklären. Man könnte es Wehrmauer nennen und er daran denken, wie groß sie ist für den kleinen Ort. (Wieso haben sie eine, wie konnte ein kleines Dorf die Kosten für so ein Bauwerk stemmen?)
Und wer schmiert sie immer noch auf die Wände, gibts dafür einen Arbeitsdienst? Einen Beauftragten?

Zitat:
„Eine Handvoll Bücher, die einem Kind! gehören.“ Wieso sollen das Kinderbücher sein? Nur weil sie alt sind? Er hat sie halt lange nicht mehr gelesen, weil er sie schon kannte und mit etwas anderem begonnen hat, was auch später erklärt wird.

Bücher sind recht wertvoll in einer zumindest vorindustriellen welt, von der ich am Anfang ausging. Dass sie bei einem unordentlichen Kind im Zimmer verbleiben ist unwahrscheinlich, für mich und macht die Familie reich. Noch bei meiner Mutter war es so, dass die Bücher in der Stube standen und nicht im Zimmer blieben und es waren wenige ...

Zitat:
„Zitat:
Alles war so(,) wie es sich gehörte und doch ließ Mylan das Gefühl nicht los, dass etwas nicht so war(,) wie es hätte sein sollen.
Bin keine Kommafee, glaube aber die sollten sein“ Richtig! Eigentlich bin ich mal den ganzen Text nach Wörtern durchgegangen, die Kommas implizieren (mehr als sechstausend! Das hat mich Tage gekostet), aber das (und sicher noch einige andere) ist mir wohl durchgerutscht.

Ja, es gibt Millionen von den Biestern und nur einige Regeln gehen langsam in mein Hirn über. Ich werde auch oft korrigiert und bin immer noch nicht sicher ...

Zitat:
„Zitat:
»Hast du hier irgendetwas verändert?«
Ich würde hier einen Absatz machen, sie spricht und dann ist man wieder bei ihm“ Darüber würde ich gern mit dir diskutieren, gibt es eine Regelung dazu? Ich habe nur dann einen Absatz gemacht, wenn jemand anderes sprach, als derjenige auf den sich der vorangegangene Satz bezieht (Perspektive und so …).

Zitat:
Ein bisschen mehr Zitat *such*

Sie Spricht:»Hast du hier irgendetwas verändert?«

Er tut etwas: Erst folgte er ihrem Blick, offensichtlich beschlich sie dasselbe Gefühl wie ihn, doch soweit er sehen konnte war in seinem Zimmer alles beim Alten.

Das was direkt hinter einem gesprochenen Satz steht, kann und wird in der Regel dem Sprecher zugeordnet. also wechsele ich auch die Zeile, wenn einer spricht und dann der andere etwas tut. Einfach der Ordnung halber ... Ob es da eine Regel gibt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. auch nicht, ob die Regel beim Sprecherwechsel in Dialogen die Zeile zu wechseln, eine Regel ist. Also eine wie Kommaregeln ...


Zitat:
Übrigens geht dieses Gefühl, dass sich etwas verändert mit den Bauchschmerzen einher.

Das hab ich schon verstanden. Nur nicht, warum die Kinder nicht einfach auf Bauchschmerzen kommen im sinne von krank.
Zitat:
Zitat:
»Könnte sein …«, meinte sie abwesend und rieb sich versonnen den Bauch, als ob das Eine unmöglich etwas mit dem anderen zu tun haben konnte.

Sich versonnen den Bauch reiben, also wenn sie nicht schwanger sein soll, würde ich das versonnen ersetzen, denn das ist ein Wort der Freude und besonderen Zufriedenheit.
Anderen auch groß“

Zitat:
Jetzt gleich zwei Dinge – ich hab den Wortstamm von Anderen anfangs immer, bei wirklich jeder Gelegenheit, großgeschrieben, weil ich es einheitlich haben wollte. Dann habe  ich noch mal im Duden geblättert und feststellen musste, dass ich mir die Regelung falsch gemerkt hatte. (laut K77) Großschreibung ist bei Substantivierung  möglich. Aber ich wollte nun aber für jedes Wort dieses Wortstammes eine einheitliche Schreibweise und ersetzte alle durch die kleinen Varianten.
Und nun zum Wörtchen „versonnen“. Offensichtlich haben wir davon verschiedene Auffassungen, für mich kommt es von „nachsinnen“, also in Gedanken abgelenkt und mit etwas anderem beschäftigt sein. Das bringe ich auch mit nichts anderem, als genau diesem Ursprung, in Verbindung.

Ich glaube ich meine das, weil du die Einen groß geschrieben hast und die einen und die Anderen so eine Art ... Redewendung ist, wo beide großgeschrieben werden ... stören tut mich Kleinschreibung nicht

versonnen, träumerisch, für mich ist es eben nachdenklich mit einer positiven sonnigen Note, die für mich nicht zu Bauchschmerzen passt.
Genau die gleiche Bedeutung werden die Worte für unterschiedliche Menschen wohl nie haben. Was "der Leser" denkt ... Gibt es hier einen Thread, wo man Wörter einstellen kann und auf ihre Wirkung testen?
Wäre witzig, aber natürlich kann ich dich nicht überreden, es so wie ich zu sehen.


Zitat:
Oh… hierbei hatte ich selbst meinen Spaß. „ihrer Heimat, das gibts nicht in Mehrzahl, jeder flieht aus seiner“ Ich habe ursprünglich auch Heimat geschrieben, aber beim Korrigieren bin ich immer wieder über diese Stelle gestolpert, weil es in meinen Ohren etwas seltsam klang. Und ich habe mich gefragt, wie viele urdeutsche Wörter besitzen kein Plural? Dann habe ich es nachgeschlagen (wieder im berühmten Duden). Nun ja, dachte ich mir, beim Nachlesen, vielleicht gibt es welche, aber Heimat gehört nicht dazu. Dieser Plural ist einfach nur ausgesprochen selten, daher gefällt er mir auch. Aber ich weiß auch, dass ich eigentlich nicht so viel Spaß daran haben sollte, meine Leser zu irritieren, da es sie abschrecken könnte  – nur ist die Arbeit an dem Buch einfach zu oft in wirkliche anstrengende und langwierige Feinarbeit ausgeartet, dass ich mir denke, ein, zwei dieser Scherze sind schon drin – das macht mir die Arbeit wieder ein Stück leichter.
Mal ein kurzer Vergleich (wahrscheinlich glaubst du mir jetzt auch so, aber ich halt manchmal ein Klugscheißer … was wohl auch bei dem ein oder anderen Charakter durchkommt):
Heimat – Wohnung
Richtig: jeder flieht aus seiner Heimat – jeder flieht aus seiner Wohnung
Auch Richtig: flohen aus ihren Heimaten – flohen aus ihren Wohnungen
Vielleicht meinst du, dass der Vergleich hinkt oder nicht aufschlussreich ist, kannst du es ja selber noch mal nachschlagen und bis in den Genitiv verfolgen, ich wollte das nicht auch noch einbringen.

Wie man an der Masse meienr Bemerkungen sieht, kann man mich auch wohl als Klugscheißer sehen, also beantrage ich mal eine Mitgliedschaft in deinem Club smile extra
Und ich habe nicht nachgeschlagen, es ist nur mein Gefühl
Eine Wohnung ist ein Ort. Heimat mehr als ein Ort, etwas ideelles. Wie Zuhause
man schreib auch nicht, sie flohen aus ihren Zuhausen, deshalb würde ich halt nicht Heimaten schreiben. Wieviele dabei denken, öh, das ist aber verkehrt weiß ich nicht. So einen Stolperstein find ich nicht schlimm, aber auch unnötig an der Stelle, jedenfalls sehe ich da keinen Mehrwert. Obwohl der Mehrwert, dass es für dich gut klingt für mich vollkommen reicht, um es so zu lassen. Man selbst ist schließlich der wichtigste Leser. man selbst sollte zufrieden sein.

Zitat:
Mal so zwischen durch, es freut mich, dass du auch ab und zu mal Dinge/Floskeln bemerkt hast, die dir gefallen. Das macht mich bei der ganzen Kritik kurzzeitig doch ein bisschen stolz auf meine Arbeit. Leider werden solche Feinheiten, von den Leuten viel zu selten bemerkt, aber es gibt da noch Stellen zu denen jeder mir etwas gesagt hat, der bis dahin gekommen ist. Und jeder sieht es halt anders.

Ja, ich weiß, ich lobe zu selten. Ich lese in Foren schon eher so im Fehlermodus ... schließlich will man Gedankenanstöße geben. Als nur Leser, sähe das anders aus. Ich muss mir aber wieder angewöhnen, nochmal explizit durchzugehen und zu loben. Ich mag deine Figurenkonstellation, die Freunde, die Schwester, die Beschreibung des Vaters berührt mich immer noch ... Die Autos, auch jetzt, dass mit den Himmelsdornen als Detail ... viel hat Eindruck auf mich gemacht!

Zitat:
Kommen wir zu Frau Fähnrich Ragna Grave
„Sein Vertreter ist nur Fähnrich? Da gibts nichts dazwischen? Auch in einem kleinen Ort, sollte, wenn es mehr als zwei Soldaten gibt, sich ein höherer Dienstrang als Vertreter finden als der ... Azubi ...“
Kurze Frage meinerseits, hast du den Fähnrich mit dem Junker, bzw. Fahnenjunker verwechselt? Der Fähnrich befindet sich bei den Dienstgraden ungefähr im Mittelfeld, bei mir über dem Feldwebel. Und da der Hauptmann natürlich nicht der höchste Grad der Beschützer sein kann, es kommen zwei Grade über ihm, und da der Hptm und der Fähnr nur durch den Marschall voneinander getrennt sind, passt das schon.

hmm. Vielleicht bin ich auch Star Trek versaut, wo die Fähnriche immer das junge Gemüse waren?
Wiki
Fähnrich (ahd. faneri, mhd. venre, Frühneuhochdeutsch venrich; in der Kavallerie früher auch „Kornett“, span. corneta ‚Reiterfahne‘, ‚Standarte‘, daraus frz. cornette; engl. ensign) ist ein militärischer Dienstgrad, der – national unterschiedlich – entweder einen Offiziersanwärter oder dienstjüngsten Offizierdienstgrad bezeichnet.

dienstjüngster klingt für mich nicht nach Stellvertreter ...
Aber es geht um die Wirkung bei mir, die ich rückmelden Kann Fähnrich klingt für mich klein, jung, unerfahren ... wieder wie das andere Sehen, kann ich nicht wirklich sagen ... und ich bin ja auch dafür, dass man in ienem Buch ruhig etwas lesen und dann nachschlagen kann, oder eben warten bis das Buch es erklärt. Hier fiel es mir einfach auf
Zitat:

„Schön formuliert, aber Alkohol gestohlen, sie kommen in den Kriegsdienst, aber Alkohol gibts nicht?“ Frag mal die Amerikaner, die Jungs dort müssen für einen Präsidenten in den Krieg ziehen, den sie noch nicht mal wählen dürfen.

Naja, aber siehe Springbreak hält sie das nicht vom saufen ab

Zitat:
„etwas ... du zeichnest Figuren schnell und sicher, mir aber manchmal zu extrem ...“
Zu extrem? Damit meinst du klischeehaft, oder?

Ja, was das dick dünn angeht, so als Gegensatzpaare, und dann gleich darauf die Jungen, könnte man klischeehaft nennen (der dicke liebe Bürgermeister z.B.) oder eben ein wenig überzeichnet. Ist für Nebenfiguren nicht sooo schlecht, war mir aber einfach zuviel, dann glaube ich die Figuren nicht mehr so leicht, sondern höre den Autor. Andere lieben das sicherlich und wenn es zu deinem Stil gehört, dann gehört sich das so.

Ich wünsche dir vorallem Spaß beim Überarbeiten und Leser finden!
und Liebe Grüße!
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