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Ang-Vels Requiem


 

 
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weizn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 21.09.2012 18:24    Titel: Ang-Vels Requiem eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hi Leute,

erstes Kapitel meines aktuellen Projektes.

Vielen Dank schon mal im Voraus für jede Kritik.


    Lysander zog die Farne zur Seite und fand, wonach er gesucht hatte. Wie ein Schnurvorhang hingen sie von der kalten Steindecke. Im verblassenden Schein seiner Fackel glichen sie grauen Algen, denn hier am Ende des Stollens waren Decke und Wände feucht geworden. In kleinen Rinnsalen lief das Wasser die grob gehauenen Wände herab und füllte die vielen Ritzen und Rillen des Bodens.
    Lysander streckte seinen Kopf durch den Vorhang und hielt die Fackel mit gestrecktem Arm in die Höhle dahinter. Der schwache Schein erreichte gerade noch die Wand neben ihm. Die Decke und der Raum selbst blieben verborgen, doch weiter hinten konnte er ein schwaches Glitzern erkennen. Wie ein Glühwürmchen schwebte es in der Finsternis.
    Seit Stunden irrten sie durch das Bergwerk – ein wahres Labyrinth – doch dieser Stollen hatte sie schließlich ans Ziel geführt. Dessen war er sich sicher.
    Klopf, klopf, klopf.
    "Lysander!", rief Cian von weiter hinten. "Habt Ihr das gehört?"
    Er bildete das Schlusslicht der kleinen Gruppe oder besser gesagt des kläglichen Rests, der von ihnen geblieben war. Mit über drei Dutzend Männern war Lysander von Atalya aufgebrochen. Fünf waren geblieben. Die meisten davon hatten sie allein in dieser Woche verloren, seit sie die Festung Caislott überwunden und das verruchte Sagenland betreten hatten.
    Natürlich hatte Lysander das Klopfen gehört. Es begleitete sie schon die ganze Zeit.
    "Beeilt euch ein bisschen da vorne. Ich glaube es wird lauter!", setzte Cian nach.
    Ein Hauch von Angst lag in seiner Stimme. Hinter seinem Rücken erstreckte sich gähnende, schwarze Leere.
    "Dein Geschrei macht unsere Situation auch nicht besser!", rief Lysander über seine Schulter. Mit dem lang ersehnten Ziel vor Augen konnte er nörgelnde Gefolgschaft gar nicht brauchen.
    "Und jetzt still da hinten. Ich marschiere nicht blindlings in eine dunkle Höhle nur weil du dir in die Hose machst."
    Cian verdrehte wütend die Augen. Immer wieder warf er einen schnellen Blick über die Schulter, doch konnte er das drohende Unheil nicht erkennen, das wenige Schritte außerhalb des Fackelscheins lauerte.
    "Ich habe gehört, sie sind nicht alle bösartig. Manche Klopfer führen Bergleute an interssante Stellen, wie Erz- oder Silberadern", sagte Finn an vorletzter Stelle. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
    "Ach ja? Und warum haben wir dann seit Stunden keinen einzigen Bergmann getroffen?", erwiderte Cian.
    "Nun... weil wir weder Gold- noch Silberadern gefunden haben. Vielleicht ist heute auch ein Feiertag und sie arbeiten nicht."
    Finn wusste, dass das Schwachsinn war.
    "Wir haben zwar noch niemanden getroffen, aber Leichen haben wir immerhin auch noch keine gefunden", fuhr Finn fort.
    Cian wollte sich nicht so einfach überzeugen lassen.
    "Vielleicht sollen wir ja genau das denken?"
    Ein Kribbeln trieb seine Nackenhaare in die Höhe und blitzartig wirbelte er herum.
    "Cian, was hast du?", fragte Finn.
    Cians Herz arbeitete schwer in seiner Brust, seine Fackel drohte ihm durch die schweißnasse Hand zu gleiten.
    "Ni ... nichts. Ich dachte nur, ich hätte etwas gespürt."
    "Beruhige dich. Das ist der Luftzug, den habe ich schon öfter gespürt heute. Außerdem steht in den Büchern nichts davon geschrieben, dass Klopfer ihre Opfer an geheime Orte bringen."
    "Pah! Du und deine Bücher – auf die pfeif' ich doch."
    Lysander tastete sich vorsichtig an der Wand entlang nach links, die Fackel weit nach vorn gestreckt. Feuchte, grobkörnige Erde und Steine warfen kurze Schatten. Eoin kam hinter ihm. Wie nasse Aale glitten die Farne durch seine Finger, als er sie Lysander abnahm.
    "Wartet einen Augenblick", sagte Lysander mit erhobener Hand.
    Wenige Schritte vor ihm, gerade noch im flackernden Licht zu erkennen, ragte etwas Metallenes aus der Erde.
    Cians Wimmern drang aus dem Stollen, als es wieder klopfte – satt und trocken. Diesmal kam es von unten, als bearbeitete jemand den Boden mit einem schweren Hammer.
    "Vielleicht haben sie ja einen der Arbeiter zurückgelassen. Oder es hat sich einer verirrt", sagte Finn.
    "Ich glaube, hier gibt es schon lange keine Arbeiter mehr", erwiderte Cathal, der vor Finn kauerte. "Und wenn, dann klopft er nicht mehr. Tote Menschen klopfen nicht. Sie liegen für gewöhnlich still herum und machen gar nichts."
    "Kannst du bitte aufhören, von toten Menschen zu reden?", sagte Cian.
    "Ist gut, es ist nur eine alte Schaufel", kam es von vorne. "Ihr könnt hereinkommen, ich denke es ist sicher."
    Erleichtert, den Stollen endlich zu verlassen, betraten sie einer nach dem anderen die schleimigen Farne weiterreichend die Höhle.
    Die glänzende Stelle war der klägliche Rest eines Schaufelblatts, den der Rost bisweilen ausgelassen hatte. Daneben lagen eine Spitzhacke und ein einfaches Beil mit zerfressenem Holzgriff und einem Blatt, das schon beim bloßen Anblick zu zerbröseln drohte. Eine grob gehauene Steintreppe führte sie tiefer. Dort fand Lysander einen Steinbrunnen. Er schien in einem Stück direkt aus dem Höhlenfels gehauen und war mit einer zähen Flüssigkeit gefüllt. Lysander hielt seine Fackel näher und erkannte, dass es sich um Öl handelte.
    Endlich ein bisschen Glück, dachte er und hielt die Fackel an die schwarze Oberfläche.
    Schützend hielten sie ihre Hände gegen das plötzliche grelle Licht. Von dem Brunnen führte eine Rinne zur Wand und weiter nach hinten zu dem Glitzern, das Lysander zu Beginn gesehen hatte.
    Sobald der Schmerz in ihren Augen nachgelassen hatte, offenbarte sich den Männern ein faszinierender Anblick. Entlang der brennenden Steinrinne funkelte ihnen eine Fülle an Edelsteinen von der Wand entgegen, wie ein Regenbogen nach einem heftigen Gewitter. Sie sahen Amethysten und glasklare Diamanten. Rubine, in deren tiefem Rot sich ihre Blicke verloren und Saphire, die so blau waren, als trügen sie einen klaren Sommertag in sich.
    "Nehmt, was ihr tragen könnt, Männer", sagte Lysander. "Und steckt auch für mich ein paar ein."
    Er war nicht wegen den Steinen gekommen. Sollten sich seine Männer daran bereichern und den Tod ihrer Mitstreiter rechtfertigen. Das Funkeln weiter hinten am Ende der Steinrinne zog seine Aufmerksamkeit an sich. Es drängte aus einer halbkreisförmigen Aussparung in der Wand. Goldene Adern durchzogen den Stein dort und bildeten wirre Muster. Lysander meinte, darin etwas zu erkennen. Eine primitive Zeichnung, wie eine alte Höhlenmalerei. Der Mann trat näher heran und studierte die Zeichnung eindringlich. Ein Teil sah aus wie eine Karte. Eine sanft nach oben gewölbte Linie zeigte die Nordküste des Kontinents und die vielen Buchten im Süden und Osten waren unverkennbar. Doch da war noch mehr. Eine Inschrift unter der Zeichnung aus alten Buchstaben, die er kaum zu verstehen vermochte. Er verstand gerade genug um seinen Lippen ein breites Lächeln abzuringen. Lysander strich mit den Fingerspitzen über den Stein. Und da spürte er es -  sie kamen näher. Das Klopfen ging im Freudenrausch und dem Lärm emsigen Steinesammelns unter, doch die Vibration im Stein schrie das nahende Unheil geradezu heraus. Von der  Decke rieselnder Staub schillerte wie Herbstnebel im Fackelschein. Einzig Eoin schien es zu bemerken. Um die anderen nicht zu verstören trat er nahe an Lysander heran.
    "Das Klopfen wird lauter. Ich denke, wir sollten von hier verschwinden. Steine haben wir genug, damit können wir die halbe Grafschaft kaufen."
    "Nein!", lautete Lysanders knappe Anwort.
    "Die Steine nützen uns nichts, wenn wir tot sind!"
    "Vergiss die Steine, wir gehen nirgendwo hin ohne dieser Inschrift – Finn!"
    Mit einem Satz stand Finn neben ihnen.
    "Schnell, mach eine Skizze von der Zeichnung, damit wir von diesem von allen Göttern verlassenen Ort verschwinden können!"
    Finn zögerte keinen Augenblick, kniete sich hin, zog Pergament und Feder und begann mit zitternder Hand die Karte und die Schriftzeilen abzuzeichnen. Lysander hielt ihm die Fackel hin, damit er kein Detail ausließ. Eoin nutzte die Zeit, um noch ein paar Steine einzusammeln und Finn war in seine Arbeit vertieft. So merkte keiner von ihnen die Veränderungen Lysanders nicht. Keine grundlegenden Veränderungen, doch so viel, dass man sich selbst im Zwielicht dieser Höhle hätte wundern müssen. Finn war fast fertig, als er zu Lysander aufsah. Der Schreck stieß ihn aus der Hocke zu Boden.
    "Lysander ... du ..."
    Ein gewaltiges Donnern erschütterte die Höhle, als würde der Berg selbst in sich zusammenstürzen. Cathal, der gerade auf Zehenspitzen nach einem besonders dicken Brocken langte, prallte hart gegen den Ölbrunnen und fast hätte sein langes Haar Feuer gefangen. Faustgroße Steine prasselten von der Decke. Scheppernd schlug einer gegen Eoins Helm. Lysander blickte zur Gallerie, über die sie die Höhle betreten hatten, als befürchtete er, sie könnte unter den Erschütterungen wegbrechen. Er fixierte den Eingang. Dunkel und bedrohlich nistete er in der Höhlenwand. Die Farne hingen herab wie ein Maulkorb am Kopf einer schwarzen Schlange.
    Ein schrilles Staccato aus Schreien drang aus dem Stollen.
    "Das sind nicht die Schreie eines Menschen", sagte Cian.
    Eoin bedachte ihn mit einem Lächeln.
    "Dann sind es wenigstens keine toten Menschen, die uns an den Kragen wollen."
    "Dein verdammter Galgenhumor wird dich eines Tages noch deinen Kopf kosten."
    Cian wollte sich gerade abwenden, als Lysander schrie: "Eoin! Cian! Zum Eingang!"
    Auch er schien beunruhigt.
    Die Schwerter ziehend rannten beide die Treppe hoch und bezogen Stellug neben dem Farnvorhang.
    "In diesen engen Gängen würde uns selbst die verrostete, kleine Axt mehr nützen als unsere Schwerter", sagte Eoin. Er musste aufpassen, seinen Kameraden nicht aufzuspießen, sobald er sich um die Ecke beugte.
    Er konnte nicht sagen, ob sie sich näherten. Die Schreie wurden mal leiser, mal lauter.
    "Wie lange braucht ihr da unten noch?", rief er schließlich durch den Raum.
    "Schrei doch nicht so. Willst du, dass uns das ganze Bergwerk hört?", erwiderte Lysander nicht minder leise.
    Über die Distanz erkannte Eoin die Veränderungen an Lysander nicht.
    "Bist du fertig?", fragte dieser an Finn gewandt.
    "Einen Moment noch."
    Eine mächtige Pranke, mit scharfen, dünnen Fingern wie die Zähne eines Rechens, packten Cians Arm und rissen ihn durch den Farnvorhang in die Finsternis. Er war tot, bevor er um Hilfe schreien konnte.
    "Cian...", hauchte Eoin fassungslos. "Lysander, wir müssen sofort von hier verschwinden!"
    "Ich habe gesagt, schrei nicht so herum, vielleicht haben sie uns noch nicht..."
    "Sie haben Cian, verdammt nochmal."
    Die letzten Linien auf Finns Pergament glichen denen eines Betrunkenen. So sehr zitterten seine Hände. Er rollte das Pergament zusammen und reichte es Lysander.
    "Lasst uns endlich verschwinden", sagte er.
    Bevor Finn Lysander auf sein Aussehen ansprechen konnte, stürmte dieser durch den Raum und die Treppe hoch. Finn und Cathal eilten ihm hinterher. Das Klingen ihrer Schwerter, als sie diese aus der Scheide zogen, begleitete sie dabei.
    Eoin verschwand in dem schwarzen Rachen. Sie hatten an jeder Abzweigung eine Markierung hinterlassen. Eoin hielt an der ersten Kreuzung so plötzlich inne, dass Lysander ihn fast umgerannt hätte.
    "Was ist?", fragte er barsch. "Warum bleibst du stehen?"
    "Ich bin mir sicher, dass wir bei der letzten Abzweigung nach links gegangen sind. Diese Markierung zeigt aber in die gegensätzliche Richtung.
    "Verdammt, Eoin, wir haben die Markierungen nicht gemacht, damit wir uns jetzt den Kopf darüber zerbrechen. Wir folgen ihr!"
    "Aber..."
    "Du kannst gerne alleine weiterlaufen."
    Eoin und Lysander sahen sich einen Moment eindringlich an. Lysander war wieder er selbst. Sie hätten Finn wohl für verrückt erklärt, hätte er jemals wieder das Tageslicht gesehen.
    "Sei kein Narr!"
    Eoin musste schreien, um das Poltern rundherum zu übertönen.
    "Du weißt, dass sie Markierungen ändern, um Bergleute in die Irre zu führen."
    "Ebensogut könnten sie uns das auch nur glauben machen – dann sind wir erst recht verloren. Wir folgen ihr. Ich folge ihr!"
    Lysander preschte in den Gang vor, Finn und Cathal folgten ihm nach kurzem Zögern. Eoin warf einen raschen Blick in den Gang hinter ihm, ehe er ihnen folgte. Wenn sie sich schon verliefen, dann wollte er keinesfalls alleine sein.
    "Manchmal führen sie Bergleute auch zu einer wertvollen Goldader", keuchte Lysander.
    "Und ich bin mir sicher, Cian wird uns dort mit offenen Armen empfangen!", entgegnete Finn, der ihm auf den Fersen war.
    Sie folgten den Markierungen und schon bald musste selbst Lysander eingestehen, dass sie immer tiefer in den Berg hineinflüchteten.

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Niinff
Abc-Schütze

Alter: 38
Beiträge: 2



BeitragVerfasst am: 29.09.2012 22:13    Titel: runde Sache Antworten mit Zitat

Ich finde, es lässt sich wunderbar flüssig lesen. Spannung wird gut aufgebaut und ich kann mich gut in die Situation versetzen. Für mich eine runde Sache. Wenn ich jetzt was kritisieren müsste, dann würde ich behaupten, die Helden sollten noch ein wenig mehr Charakter bekommen und Monster sollten sich auch in Fantasybücher an physikalische Gesetze halten (riesige Hände die sich extrem schnelle bewegen).
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UtherPendragon
Hobbyautor


Beiträge: 343



BeitragVerfasst am: 30.09.2012 20:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ein herzliches "Hallo" an dieser Stelle.

Ich habe mir soeben deinen Text hier durchgelesen und muss sagen, dass er mich positivs überrascht hat, sonst hätte ich wohl auch nicht halb so viel Spaß an folgender Kritik. Ich muss dich allerdings noch warnen, meine objektive Subjektivität ist extrem pingelig^^:

Mir gefällt sehr die bedrohliche Atmosphäre tief unter der Erde, genau wie die Handlung. Achja, die alten "Knocker", "Knucker" wink So etwas interessiert mich gleich doppelt.

Eher negativ aufgefallen ist mir in deinem Text an wenigen Stellen eine gewisse Orientierungslosigkeit.

Hier ein paar Punkte, an denen ich dies festmache:
Zitat:
Mit über drei Dutzend Männern war Lysander von Atalya aufgebrochen. Fünf waren geblieben. Die meisten davon hatten sie allein in dieser Woche verloren, seit sie die Festung Caislott überwunden und das verruchte Sagenland betreten hatten.

Das Problem mit den selbst erdachten Namen kenne ich nur zu gut, daher kann ich dir hier nur empfehlen, sie nicht einfach so stehen zu lassen, denn kein leser wird sie sich im einzelnen merken können. Diese nominellen Ortsangaben etwas zu präzisieren kann einfach sein, ein paar Adjektive, eine winzige Beschreibung zu Atalya, Auch Norden, Süden Westen, Osten-Konstrukte können Abhilfe schaffen oder Angaben über Art und länge des Weges, zum Bleistift "Gebirgspfade", "Händlerstraßen", "Waldland", "Wildnis"; Alles nur Vorschläge wink

Zitat:
Eine grob gehauene Steintreppe führte sie tiefer. Dort fand Lysander einen Steinbrunnen.
Dieser Teil steht so isoliert, dass die unterirdische Welt zu schnell an mir vorbeirast. Ich mache gern Vorschläge in der Hoffnung, dass niemand sie jemals an Anzweiflung seiner eigenen Fertigkeiten sieh, sondern vielmehr als Inspiration unter Leidensgenossen:
"Weiter vorn führte eine grob gehauene Steintreppe weiter in die Tiefe. An ihrem Fuß konnte Lysander die Umrisse eines Steinbrunnens ausmachen." ->irgendwie so wink

Zitat:
Von dem Brunnen führte eine Rinne zur Wand und weiter nach hinten zu dem Glitzern, das Lysander zu Beginn gesehen hatte.
Auch hier stolper ich ein bisschen. Wie konnte er das Glitzern schon zu Anfang wahrgenommen haben, wenn dazwischen doch die Treppe lag? Dann hatte die Treppe also schätzungsweise vier Stufen oder weniger? Das muss vorher deutlicher werden, indem du zum beispiel erwähnst, dass er sich über die Treppe dem Glitzern nähert.

Zitat:
Steine haben wir genug, damit können wir die halbe Grafschaft kaufen."
Eins noch zur Orientierung: Da wir Leser die Grafschaft nicht kennen, würde es reichen, ihren Namen hier zu erwähnen, auch wenn die Absichten deiner Protas für uns spannenderweise im Dunkeln bleiben wink
Die Orientierungslosigkeit wird auch davon getragen, dass ich kein Bild von den Protas habe, nur ihre Namen, dazu aber später! So verliert die Geschichte an Fassbarkeit, falls dieses Wort existiert

Mein nächster Kritikpunkt ist noch weniger schlimm, aber wie gesagt, ich bin ein Erbsenzähler. Es handelt sich um etwas unrealistische Dialoge.
Zitat:
"Dein Geschrei macht unsere Situation auch nicht besser!"

Ich glaube nicht, dass ein mensch spontan so sprechen würde.. Die Beobachtung menschlichen Sprachverhaltens könnte daher noch besser sein. Also ich hätte es so gesagt, auch wenn ich Hochwohlgeborener König von Aglaesia wär:
"Dein Geschrei macht es nicht besser!"
Zitat:
"Pah! Du und deine Bücher – auf die pfeif' ich doch."
Der Satz ist an sich schön, aber "Pah! Du und deine Bücher - ich pfeif auf dein Geschreibsel" <da>"sagte an vorletzter Stelle" klingt unlogisch. Ich schätze, er schreitet an vorletzter Stelle? Empfehlung/Vorschlag: Schreib, dass er mit Person X, dem Yer (Aufgabe), die Nachhut bildete!
Zitat:
"Kannst du bitte aufhören, von toten Menschen zu reden?", sagte Cian.

Sehr Böse wink und deshalb das "sagte" bitte durch ein "rief ängstlich" o.ä ersetzen!
Zitat:
Die glänzende Stelle war der klägliche Rest eines Schaufelblatts, den der Rost bisweilen ausgelassen hatte.
"Glänzende Stelle" Klingt unglücklich für ein Schaufelblatt.. bisweilen und ausgelassen->verschont
Zitat:
Schützend hielten sie ihre Hände gegen das plötzliche grelle Licht. Von dem Brunnen führte eine Rinne zur Wand und weiter nach hinten zu dem Glitzern, das Lysander zu Beginn gesehen hatte.
kommt viel zu plötzlich! Deshalb steht es dann so isoliert vom kontext. Beginne den Satz ruhig mit dem "Plötzlich" und dann ganz nach alter Fantasy Art: "Plötzlich blitzte ein grelles Licht von der Wand, vor dem sie ihre Augen..." usw.
Zitat:
Sie sahen Amethysten und glasklare Diamanten. Rubine, in deren tiefem Rot sich ihre Blicke verloren und Saphire, die so blau waren, als trügen sie einen klaren Sommertag in sich.
Wunderschöne Bilder! *snief*
Zitat:
Doch da war noch mehr. Eine Inschrift unter der Zeichnung aus alten Buchstaben, die er kaum zu verstehen vermochte. Er verstand gerade genug um seinen Lippen ein breites Lächeln abzuringen.
Du beschreibst eine inschrift, die Lysander ein wenig versteht.. Lebendiger für das Setting wäre es, wenn du dieser Schrift einen namen geben würdest, dann hätten wir mehr Bezug zu Lysanders wissen.
Ich finde übrigens alle Namen recht schön gewählt, die du benutzt smile
Zitat:
Lysander strich mit den Fingerspitzen über den Stein. Und da spürte er es - sie kamen näher. Das Klopfen ging im Freudenrausch und dem Lärm emsigen Steinesammelns unter, doch die Vibration im Stein schrie das nahende Unheil geradezu heraus. Von der Decke rieselnder Staub schillerte wie Herbstnebel im Fackelschein.
BÄÄM! Pure Spannung, die mich sofort fesselt! Du kannst es doch lol2
Zitat:
So merkte keiner von ihnen die Veränderungen Lysanders nicht. Keine grundlegenden Veränderungen, doch so viel, dass man sich selbst im Zwielicht dieser Höhle hätte wundern müssen
Die Veränderungen haben mich gestört, da ich wieder überhaupt nichts vor Augen hatte.. Die Andeutungen sollten wenigstens etwas näher ausgeführt werden, damit der leser neue Fragen in sich spürt und nicht bloß eine Leere, die nach Füllung mit Farbe schreit!
Zitat:
Scheppernd schlug einer gegen Eoins Helm
Hier weise ich noch mal auf das Problem mit den bildern hin: Ich erfahre erst jetzt etwas über die Ausrüstung der Männer.. Am Anfang hätte ich gern gelesen, ob sie eine Söldnertruppe sind zum Beispiel, dann hätte mich der Helm auf Eloins Kopf nicht überrascht. Davon einfach auszugehen, ist eine Gefahr, die in der Fantasy lauert, hungrig auf ahnungslose leser lol2
*HUST* Hohlbein*HUAAAST* ;D
Zitat:
Die Schwerter ziehend
DITO
Zitat:
"In diesen engen Gängen würde uns selbst die verrostete, kleine Axt mehr nützen als unsere Schwerter"
Die zweite Erwähnung der Axt verleiht ihr eine Wichtigkeit, die sie in meinen Augen nicht verdient hat. (Gemein zur Axt sei)
Zitat:
"Schrei doch nicht so. Willst du, dass uns das ganze Bergwerk hört?", erwiderte Lysander nicht minder leise.
Ich weise auf von der Decke herabfallende Gesteinsbrocken und eine daraus resultierende Geräuschkulisse hin, welche aufgrund ihres Nichtabbrechens das leise Sprechen überflüssig macht;)

Von wo kommen die Knucker eigentlich? Von der Stelle mit dem farn? Laufen die Helden dann nicht in die Falsche Richtung? Ich bitte um ausführliche erklärungen! lol2

Insgesamt:
Ich finde die Thematik deines Textes UNGEHEUER spannend und wegen eines mir teilweise bekannten Fabelwesens doppelt interessant.
Das ganze wird eben  nur ein wenig getrübt, allerdings bezieht sich meine Kritik fast ausschließlich auf Dinge, die leicht zu ändern sind, wenn du dich dafür entscheidest
Mir hat es viel Spaß gemacht, deinen Text zu lesen und würde mich beim nächsten Mal ganz einfach über präzisere Bilder freuen!
PS: Dies ist nur meine Meinung und du kannst sie natürlich auch einfach ablehnen, aber eine Antwort wär schön.
Liebe Grüße
Uther Pendragon!


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Scritoressa
Geschlecht:weiblichGraue Hexe

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Beiträge: 776



BeitragVerfasst am: 30.09.2012 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

hallo weizn

Dein Text lässt sich wirklich gut lesen. Du baust schön Spannung auf (auch wenn ich persönlich den letzten Satz nicht so toll finde...würde ich mit einem Dialog auflösen statt "und schon bald musste...". Das klingt für mich irgendwie zu leicht) und die Dialoge wirken lebendig und mehr oder weniger natürlich (ist etwas schwer zu sagen, da man die Verhältnisse zwischen den Figuren nicht genau kennt).
Probleme machen mir die Perspektivensprünge. Ich weiss nicht, ob du das bewusst machst, aber du wechselst mehrmals die Person, ohne klar zu trennen. Wäre es nicht besser, die ganze Szene nur aus einer Perspektive zu schreiben?
Ausserdem kann ich mir deine FIguren nicht genau vorstellen, genausowenig die Umgebung, das vor allem am Anfang. Bei Farn denke ich an Wald und dann hängt da was und ZACK! Perspektivensprung. Na was hängt denn da?
Die Figuren sind für mich momentan nur Namen, naja vielleicht ein Söldnertrupp...kommt auch hier draufan wo die Szene steht. Am Anfang oder mitten drin? Mitten drin wär's okay.
Letzter Punkt: der einzige Satz, der mich wirklich stört:

Zitat:
Die meisten davon hatten sie allein in dieser Woche verloren, seit sie die Festung Caislott überwunden und das verruchte Sagenland betreten hatten.


...vielleicht liegt das nur an meinen VOrlieben, aber das hier ist so...klischeehaft. Für mich unterbricht es die Geschichte, zerstört etwas die Atmosphäre, weil man da gleich an eine riesige Schlacht denkt mit riesigen Heeren (war die Gruppe wohl nie?) und dann das verruchte Sagenland...naja...was soll das sein?
(egal, nichts grosses eigentlich smile )

...zum Schluss noch ein Kompliment zu den Klopfern: die machen mich neugierig und du fügst sie ganz natürlich ein.

liebe Grüsse
Scrito


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weizn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 01.10.2012 20:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@niinff

Danke, dass es dir gefallen hat. Die Charakter sind noch nicht ganz ausgereift. Die Hände sollten so riesig eigentlich gar nicht sein, vielleicht formuliere ich das noch anders, wenn es falsch rüber kommt.

@UtherPendragon

Zitat:

Das Problem mit den selbst erdachten Namen kenne ich nur zu gut, daher kann ich dir hier nur empfehlen, sie nicht einfach so stehen zu lassen, denn kein leser wird sie sich im einzelnen merken können. Diese nominellen Ortsangaben etwas zu präzisieren kann einfach sein, ein paar Adjektive, eine winzige Beschreibung zu Atalya, Auch Norden, Süden Westen, Osten-Konstrukte können Abhilfe schaffen oder Angaben über Art und länge des Weges, zum Bleistift "Gebirgspfade", "Händlerstraßen", "Waldland", "Wildnis"; Alles nur Vorschläge



Ein anderes Problem ist dieses Info-Dumping zu Beginn, das ich unbedingt vermeiden möchte.  Allzu oft liest man ½ – 1 Seite am Anfang (am besten im Prolog) über Städte und Landschaften, Elfen da, garstige Orkse dort... da werd ich wohl noch einen Mittelweg finden müssen.

Zitat:

Zitat:
Von dem Brunnen führte eine Rinne zur Wand und weiter nach hinten zu dem Glitzern, das Lysander zu Beginn gesehen hatte.
Auch hier stolper ich ein bisschen. Wie konnte er das Glitzern schon zu Anfang wahrgenommen haben, wenn dazwischen doch die Treppe lag?


Am Anfang befinden sie sich auf einer Art Balkon oder Empore (ich habe "Galerie" benutzt, bin mir jetzt aber nicht mehr sicher, ob man das so verwenden kann..), als sie durch die "Farne" gehen. Sie folgen der Wand seitlich und gehen dann die Treppe hinunter (die tatsächlich nur ein paar Stufen hat). Darum kann er das Glitzern am Ende des Raums schon anfangs sehen.

Zitat:

Zitat:
Sie sahen Amethysten und glasklare Diamanten. Rubine, in deren tiefem Rot sich ihre Blicke verloren und Saphire, die so blau waren, als trügen sie einen klaren Sommertag in sich.
Wunderschöne Bilder! *snief*


Danke! smile


Zitat:

Zitat:
So merkte keiner von ihnen die Veränderungen Lysanders nicht. Keine grundlegenden Veränderungen, doch so viel, dass man sich selbst im Zwielicht dieser Höhle hätte wundern müssen
Die Veränderungen haben mich gestört, da ich wieder überhaupt nichts vor Augen hatte.. Die Andeutungen sollten wenigstens etwas näher ausgeführt werden, damit der leser neue Fragen in sich spürt und nicht bloß eine Leere, die nach Füllung mit Farbe schreit!


Mit dem bin ich selbst auch noch nicht ganz zufrieden.. wird auf jeden Fall überarbeitet.

Zitat:

*HUST* Hohlbein*HUAAAST* ;D
Zitat:
Die Schwerter ziehend
DITO


Aufpassen, wir wollen nichts sagen, was wir nicht wieder zurücknehmen können! *ggg*
Nein im Ernst, ich dachte einmal pro Buch kann ich so einen Satz bringen.. hach...
Das mit der Ausrüstung der Truppe habe ich aber tatsächlich übersehen... kommt gleich auf die Liste!

Zitat:

Zitat:
"In diesen engen Gängen würde uns selbst die verrostete, kleine Axt mehr nützen als unsere Schwerter"
Die zweite Erwähnung der Axt verleiht ihr eine Wichtigkeit, die sie in meinen Augen nicht verdient hat. (Gemein zur Axt sei)


Schon? Ich wollte damit eigentlich nur zeigen, dass die Männer wissen, dass sie in den engen Stollen denkbar schlecht bewaffnet sind. Sonst könnte kaum ein glaubwürdiger Kampftrupp aus ihnen werden - dafür muss ich aber sowieso noch was ändern..
Ich bin immer wieder erstaunt, dass so etwas überhaupt auffällt smile

Zitat:

Von wo kommen die Knucker eigentlich? Von der Stelle mit dem farn? Laufen die Helden dann nicht in die Falsche Richtung? Ich bitte um ausführliche erklärungen! lol2


Wieder etwas, auf das ich wohl nie von selbst gekommen wäre. Der Raum ist eine Sackgasse und sie müssen deswegen den Weg zurücknehmen. Sollte ich vielleicht irgendwo mal erwähnen. ^^ Also ja, die Klopfer kommen von den Farnen.

Danke auch für alle Hinweise, die ich jetzt nicht extra kommentiert habe - sie waren sehr aufschlussreich und werde sie fast alle umsetzen.

@Scritoressa

Zitat:

Letzter Punkt: der einzige Satz, der mich wirklich stört:

Zitat:
Die meisten davon hatten sie allein in dieser Woche verloren, seit sie die Festung Caislott überwunden und das verruchte Sagenland betreten hatten.


...vielleicht liegt das nur an meinen VOrlieben, aber das hier ist so...klischeehaft. Für mich unterbricht es die Geschichte, zerstört etwas die Atmosphäre, weil man da gleich an eine riesige Schlacht denkt mit riesigen Heeren (war die Gruppe wohl nie?) und dann das verruchte Sagenland...naja...was soll das sein?


Dann muss ich das ändern.. eine riesige Schlacht sollte es nicht sein (die wird's in dem Buch wohl gar nicht geben). Was das Sagenland ist kann ich natürlich nicht verraten, aber ich werde versuchen, das alles greifbarer zu machen.


lg
weizn
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UtherPendragon
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Beiträge: 343



BeitragVerfasst am: 01.10.2012 21:02    Titel: Antworten mit Zitat

Gern geschehen;)
Zitat:
Ich bin immer wieder erstaunt, dass so etwas überhaupt auffällt smile
Wahrscheinlich gehöre ich da zu einer Minderheit, wenn ich mir die Art der Kritiken vieler anderer Fantasyleser revue passieren lasse, ob das gut oder schlecht ist, musst DU entscheiden wink

Zitat:

Zitat:
Zitat:
Zitat:
Zitat:
"In diesen engen Gängen würde uns selbst die verrostete, kleine Axt mehr nützen als unsere Schwerter"

Die zweite Erwähnung der Axt verleiht ihr eine Wichtigkeit, die sie in meinen Augen nicht verdient hat. (Gemein zur Axt sei)



Schon? Ich wollte damit eigentlich nur zeigen, dass die Männer wissen, dass sie in den engen Stollen denkbar schlecht bewaffnet sind. Sonst könnte kaum ein glaubwürdiger Kampftrupp aus ihnen werden - dafür muss ich aber sowieso noch was ändern..
Das Problem ist für mich bloß der bestimmte Artikel, wodurch ich den Eindruck habe, dass alle dieser einen kleinen blöden Axt in der Höhle so viel beachtung geschenkt haben. Eine pingelige Kleinigkeit im Grunde, aber würdest du stattdessen "Eine Stollenpicke" oder "ein Holzfällerbeil" sagen, wäre ich voollends zufrieden. smile
Zitat:
Zitat:

Zitat:
*HUST* Hohlbein*HUAAAST* ;D
Zitat:
Die Schwerter ziehend
DITO



Aufpassen, wir wollen nichts sagen, was wir nicht wieder zurücknehmen können! *ggg*
Nein im Ernst, ich dachte einmal pro Buch kann ich so einen Satz bringen.. hach...
Das mit der Ausrüstung der Truppe habe ich aber tatsächlich übersehen... kommt gleich auf die Liste!
Haha, nein, besser nicht lol2
Das mit den Schwertern hat alles seine Ordnung, bloß kommt die Bewaffnung praktisch aus dem Nichts, da du die Gruppe vorher nicht als bewaffnet oder in irgendeiner Weise kriegerisch dargestellt hattest. Ich finde es schade, dass die Fantasy in vielen Romanen (Womit ich sicher nicht deinen meine) dieses stereotypisch/kriegerische Selbstverständnis innehat.
Zitat:
Am Anfang befinden sie sich auf einer Art Balkon oder Empore (ich habe "Galerie" benutzt, bin mir jetzt aber nicht mehr sicher, ob man das so verwenden kann..), als sie durch die "Farne" gehen. Sie folgen der Wand seitlich und gehen dann die Treppe hinunter (die tatsächlich nur ein paar Stufen hat). Darum kann er das Glitzern am Ende des Raums schon anfangs sehen.

Aaach, dass bekommst du noch super hin, wie ich dich einschätze! Wie gesagt, all diese meiner Anmerkungen wären (wenn du wolltest) mit wenigen Worten hinzugefügt, weil du es, wie ich finde, schaffst, eine einzigartige Atmosphäre herzustellen.
Liebe Grüße
UtherP


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Harald
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BeitragVerfasst am: 01.10.2012 21:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo weizn,

du bist auf einem sehr guten Weg ...

Nicht zu abhedroschen, gute Wortwahl, interessanter Einstieg

LG

Harald


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Harald

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weizn
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BeitragVerfasst am: 16.10.2012 20:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Leute,

hier eine neue Version des 1. Kapitels. Es ist deutlich länger als die erste, deswegen hab ich's auf zwei Teile aufgeteilt. Ich freue mich auch über Kritiken, die nur einen Teil betreffen. Vielleicht können die, die es nicht bis zum Ende schaffen kurz schreiben, wo und warum sie abgebrochen haben??

@UtherPendragon

Ich denke, das Problem mit den "nominellen Ortsangaben" habe ich behoben, wie fügt sich die Rückblende jetzt für dich ein? Nimmt sie zu viel Tempo raus?
Hohlbeine solltest auch keine mehr finden *g*

@Scrito

Die Szene spielt jetzt nur aus Lysanders Sicht, die Chars an sich haben jetzt hoffentlich etwas mehr "Fleisch". Kannst du dir jetzt mehr unter Caislott und dem Sagenland vorstellen?

lg weizn


Kapitel 1 (Teil 1/2)

Lysander spähte um die Ecke und fand, wonach er gesucht hatte. Hinter einem dichten Wurzelgeflecht erkannte er ein sanftes Glitzern. Wie ein Glühwürmchen in einer Neumondnacht schwebte es in der tiefen Finsternis des Berges. Im verblassenden Schein seiner Fackel schimmerten die Wurzeln, denn hier am Ende des Stollens war es feucht geworden. Wasser floss in kleinen Rinnsalen die grob gehauenen Steinwände hinab und füllte die kleinen Ritzen und Rillen des Bodens. Ab und an löste sich ein tränenförmiger Tropfen von einer Wurzelspitze und landete lautlos auf kaltem Stein.
Lysander strich die Wurzeln wie einen Scnurvorhang mit der linken Hand zur Seite, streckte seinen Kopf hindurch und hielt die Fackel mit gestrecktem Arm vor sich. Der schwache Schein erreichte gerade noch die Wand zu seiner Rechten – der Rest der Höhle blieb ihm verborgen.
"Was siehst du?", zischte Eoin, der gleich hinter ihm kauerte.
Zur Seite geneigt versuchte er einen Blick über Lysanders Schulter zu erhaschen.
"Ich..."
Dumpfes Pochen unterbrach ihn. Sie zählten vier Schläge. Seit sie das Tageslicht hinter sich gelassen hatten, war es ihnen ein treuer Begleiter gewesen – zunächst leise und weit entfernt, als bröckelten Steine von der Wand, dann näher und bedrohlicher.
"Wie ein Rammbock, der gegen ein Burgtor stößt", hatte Cian gehaucht.
Dann war es verschwunden und nach einer weiteren Stunde des Umherirrens hatten sie es fast vergessen gehabt.
Der fünfte Schlag löste ein kleines Erdbeben aus. Steine rieselten auf ihre Köpfe herab, Staub setzte sich in ihren Lungen fest und ließ sie laut husten. Unwillkürlich rückten sie – fünf stattliche Männer, gerüstet mit Leder und Eisen, und mit Schwertern, Dolchen und Streithämmern an ihren Seiten – etwas näher zusammen. Die meisten von ihnen hatten ihre Rüstungen in den letzten Tagen abgelegt. Zu anstrengend war die Reise geworden. Nur der mächtige Cathal steckte in einem Plattenpanzer. Er trug einen schweren Eisenhelm mit Nasenschutz. Eine Kettenbrünne schützte seinen Nacken. An seiner Seite steckte ein großer Streithammer mit Schlagdornen an der Spitze und der rechten Seite. Getrocknetes schwarzes Blut klebte an ihnen. Cathal war es müßig geworden, sie zu putzen. Außer ihm trug nur Lysander seinen Eisenharnisch noch, darunter ein abgewetztes Kettenhemd. Zahlreiche Dellen im Harnisch zeugten von den Kämpfen der vergangenen Woche – Zeugen, die sich ihm in den Rücken und die Seiten bohrten und schmerzhafte blaue Flecken hinterließen. Sein Schwert baumelte in einer hübsch verzierten Scheide am Gürtel. Eoin trug nur noch sein Kettenhemd und ein etwas kürzeres Schwert als Lysander. Finn und Cian bildeten die Nachhut der kleinen Truppe. Sie trugen eine mit Eisenschuppen verstärkte Lederrüstung, Finn trug zudem noch eine eiserne Armschiene am linken Arm. Beide trugen je einen langen Dolch am Gürtel.

Vor knapp einem Monat waren sie mit glänzenden Rüstungen, frisch geschärften Waffen und einer Gefolgschaft von drei Dutzend Leuten von Atalya, der Hauptstadt Falklands Richtung Süden aufgebrochen. Ihre Helme hatten bunte Federbuschen getragen, die sich aufgeregt im Wind bewegten. In ihren Herzen brannte die Lust auf Abenteuer. Ihr Reiseweg folgte zunächst der Hauptstraße, beschrieb dann einen großen Bogenführte sie schließlich nach Westen. Zu ihrer Rechten begleitete sie Amos Thran, der letzte Urwald von Thetis. Er bildete eine fast durchgehende natürliche Grenze und unterteilte den Kontinent in eine Nord- und eine größere Südhälfte. Für das einfache Volk und jene, die nicht gerne reisten, stellte er gewissermaßen das Ende der Welt dar. Am Ende der dritten Woche zeichneten sich langsam die Gebirgszüge blass am Morgenhimmel ab. Dahinter lag das Sagenland – das Ziel ihrer Reise. Vielen von ihnen wurde beim Anblick der Berge das Herz schwer, denn dunkle Geschichten sponnen sich um dieses Land. In den letzten bewohnten Dörfern betrachteten die Leute sie mit einem Blick, der ihnen den letzten Mut raubte. Zwei wagten es gar nicht, weiterzugehen und kehrten um. Sie schlichen sich in der Nacht vor dem Aufbruch zur letzten Etappe einfach davon, so groß war die Scham ob ihrer Feigheit. Ein Dritter rammte sich in jener Nacht seinen Dolch ins Herz. Die Besitzerin der Gaststätte fand den blutübströmten Leichnam in seinem Bett. Je ein Arm und ein Bein hingen schlaff über die Bettkante, die glasigen Augen stierten zur Decke.
Wie eine dunkle Wolke hingen die Vorfälle über ihnen. Es waren schweigsame Tage, ehe sie letzten Endes die einzig passierbare Stelle im Gebirge erreichten. Dort thronte die Festung Caislott. Wie ein weiterer Berg ragte sie zwischen den steilen, messerscharfen Gebirgsflanken auf, schmiegte sich an sie – ja schien mit ihnen verwachsen zu sein, als wäre sie einer gewaltigen Skulptur gleich aus dem Berg gehauen worden. Wie kleine Kinder reckten die Männer und Frauen ihre Hälser und folgten den Türmen zu ihrem Ende im Himmel. Es waren grobe, vierkantige Türme aus grauem Stein. Vielleicht war es die beeindruckende Größe der Festung, die manche von ihnen die Knie weich werden und zu Boden sacken ließen. Vielleicht war es aber auch die Tatsache, dass die Türme keine Fenster besaßen, was sie mehr wie riesige Grabsteine wirken ließ. In gewisser Weise waren sie das auch.
Die Ereignisse der folgenden Tage waren ihnen nur verschwommen in Erinnerung geblieben. Irgendwie hatten sie keinen Halt in ihren Köpfen gefunden, waren so unwirklich, als wäre alles nur ein böser Traum gewesen. Ein böser Traum, an dessen Ende fünf Männer verängstigt und erschöpft tief unter der Erde in einem engen Stollen kauerten, und deren Weg mit vielen Toten übersät war.

Lysanders Blick hatte sich in der kläglich dahinzüngelnden Flamme seiner Fackel verloren.
"Beeil dich ein bisschen, Lysander! Ich glaube es kommt wieder näher!", schrie Cian über ihre Köpfe hinweg. Sie konnten die Angst in seiner Stimme – nicht mehr als ein leichtes Zittern – hören, und es ging ihnen nicht anders. Sie waren alle froh, nicht Letzter zu sein. Hinter Cians Rücken erstreckte sich gähnende, schwarze Leere, denn auch seine Fackel hatte schon zu lange gebrannt. Sie hatten nur diese beiden übrig.
"Dein Geschrei hilft uns jetzt auch nicht weiter!", rief Lysander über seine Schulter. Mit dem lang ersehnten Ziel vor Augen konnte er nörgelnde Gefolgschaft gar nicht brauchen.
"Und jetzt still da hinten! Ich marschiere nicht blindlings in eine dunkle Höhle nur weil du dir in die Hosen machst."
Doch wusste auch Lysander um die drohende Gefahr und dass Eile geboten war.
"Ich glaube, es ist hinter mir", hörte er Cian zischen.
Lysander blickte zurück. Mit weit aufgerissenen, wachsamen Augen warf Cian immer wieder einen Blick zurück über die Schulter. Die Fackel hielt er in der linken Hand, die rechte ruhte auf dem Griff des Dolches. Das Leder seiner Rüstung wirkte matt und schäbig. Frische graue Strähnen durchzogen sein schwarzes Haar, das ihm fettig und kraftlos ins Gesicht hing, als wären auch sie der Reise überdrüssig.
Sie alle hatten die Schrecken der Reise um Jahre altern lassen.

Auch Lysander konnte das drohende Unheil nicht erkennen, das wenige Schritte außerhalb des schwachen Fackelscheins lauerte.
"Ich habe gehört, sie sind nicht alle bösartig. Manche Klopfer führen Bergleute an interssante Stellen, wie Erz- oder Silberadern", sagte Finn zu Cian, um ihn ein bisschen zu beruhigen. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
"Ach ja? Und warum haben wir dann seit Stunden keinen einzigen Bergmann getroffen?", erwiderte Cian.
"Nun... weil wir weder Erz- noch Silberadern gefunden haben. Vielleicht haben sie auch ihren freien Tag heute und sie arbeiten nicht."
Finn schien zu wissen, dass das Schwachsinn war und fügte schnell hinzu:
"Wir haben zwar noch niemanden getroffen, aber Leichen haben wir immerhin auch noch keine gefunden."
Cian wollte sich nicht so einfach überzeugen lassen.
"Vielleicht sollen wir ja genau das denken?"
Ein Kribbeln trieb seine Nackenhaare in die Höhe und blitzartig wirbelte er herum.
"Cian, was hast du?", fragte Finn.
Cians Fackel drohte ihm durch die schweißnasse Hand zu gleiten.
"Ni ... nichts. Ich dachte nur, ich hätte etwas gespürt."
"Beruhige dich. Das ist der Luftzug, den habe ich schon öfter gespürt heute. Außerdem steht in den Büchern nichts davon geschrieben, dass Klopfer ihre Opfer an geheime Orte bringen."
"Pah! Du und deine Bücher – auf die pfeif' ich doch."
Cian trat mit dem Stiefel gegen die Stollenwand.
"Das macht alles keinen Sinn", schluchzte Cian, jedes Wort begleitet von einem heftigen Fußtritt.
"Warum sollte hier überhaupt jemand arbeiten? Zwei ganze Tage lang sind wir über staubtrockenen Boden marschiert, ohne jemanden zu treffen. Und wo hat es uns hingeführt? In ein Tal, das noch trockener und giftiger war. Wer soll denn hier bitte arbeiten und vor allem warum und für wen? In einer Woche haben wir kein einziges Dorf gesehen, oder Menschen... normale Menschen. Seit wir diese verdammte Festung hinter uns gelassen haben, macht einfach nichts mehr einen Sinn."
Funken sprangen von den eisenbewehrten Stiefeln, als Cian ein weiteres Mal gegen die Wand trat. Erschöpft sackte er zusammen, lehnte sich mit dem Rücken gegen den kalten Stein. Finn kniete sich neben ihm und klopfte ihm auf die Schulter.
"Wir haben alle Angst", sagte er in einem betont ruhigem Tonfall. "Aber wir dürfen uns von diesem Land nicht verrückt werden lassen. Lysander meint, wir stehen ganz knapp vor unserem Ziel, und dann können wir nach Hause gehen."
Finn schüttelte den Kopf und legte ihn in seine Hände.
"Sie sind alle tot, Finn. Eine Woche... und sie sind alle tot. Wie sollen wir es zu fünft zurück schaffen? Erschöpft... mutlos."
Bei dem Gespräch wurde Lysander das Herz schwer. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie es überhaupt so weit geschafft hatten. Wie genau ihr Rückweg aussehen sollte, darüber mochte er nicht nachdenken. Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Höhle vor sich zu. Sie mussten sich beeilen. Nicht nur von den Klopfern drohte Gefahr. Seine Männer waren überfordert, drohten durchzudrehen. Zumindest der arme Cian.
Vorsichtig tastete er sich die Wand entlang nach links, die Fackel weit nach vorn gestreckt. Feuchte, grobkörnige Erde und Steine warfen kurze Schatten. Eoin kam hinter ihm. Wie nasse Aale glitten die Wurzeln durch seine Finger, als er sie Lysander abnahm.
"Wartet einen Augenblick", sagte Lysander mit erhobener Hand.
Wenige Schritte vor ihm, gerade noch im flackernden Licht zu erkennen, ragte etwas Metallenes aus der Erde.
Cians Wimmern drang aus dem Stollen, als es wieder klopfte – satt und trocken. Diesmal kam es von unten, als bearbeitete jemand den Boden mit einem schweren Hammer.
"Vielleicht haben sie ja einen der Arbeiter zurückgelassen. Oder es hat sich einer verirrt", sagte Finn.
"Ich glaube, hier gibt es schon lange keine Arbeiter mehr", erwiderte Cathal. Aufrecht stehend wirkte er in seiner Rüstung wie ein Riese neben den anderen. "Und wenn noch einer da ist, dann klopft er nicht mehr. Tote Menschen klopfen nicht. Sie liegen für gewöhnlich still herum und machen gar nichts."
"Kannst du bitte aufhören, von toten Menschen zu reden?", zischte Cian durch zusammengepresste Zähne.
"Ist gut, es ist nur eine alte Schaufel", kam es von vorne. "Ihr könnt hereinkommen. Ich denke, es ist sicher."
Erleichtert, den Stollen endlich zu verlassen, betraten sie einer nach dem anderen die Wurzeln weiterreichend die Höhle.Wie verholzte Spinnenbeine streckten sie sich ihnen entgegen und zerkratzten ihnen das Gesicht.
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weizn
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BeitragVerfasst am: 16.10.2012 20:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kapitel 1 (Teil 2/2)

Die glänzende Stelle war der klägliche Rest eines Schaufelblatts, den der Rost verschont hatte. Daneben lagen eine Spitzhacke und ein einfaches Beil mit zerfressenem Holzgriff und einem Blatt, das schon beim bloßen Anblick zu zerbröseln drohte. Sie schenkten dem keine weitere Beachtung. Gleich daneben führte eine Treppe in die Tiefe. Ihre Stufen waren nur grob aus dem Stein gearbeitet und wirkten viel zu groß. Sie lag frei im Raum und Lysander vermutete, dass sie sich auf einer Empore befanden. Einer nach dem anderen stiegen sie hinab. Jeder hatte eine Stufe für sich, nur Cian drängelte, sodass er fast über Finn gestolpert und sie alle wie Dominosteine nach unten gepurzelt wären. Lysander hielt die Fackel in die Richtung, in der er die Raummitte vermutete. Schon nach ein paar Schritten fand er einen zylinderförmigen Stein. Es war ein Brunnen, gefüllt mit...
"Öl", japste Lysander.
Endlich ein bisschen Glück, fügte er in Gedanken hinzu.
Wie alles hier, schien auch der Brunnen eins mit der Höhle zu sein.
Lysander hielt seine Fackel an die schwarze Oberfläche. Ein glühender blauer Ring entzündete das Öl. Die Flamme folgte in einer Rinne zur Wand gegenüber und weiter nach hinten zu der glitzernden Stelle. Schützend hielten sie ihre Hände gegen das grelle Licht. Sobald der Schmerz in ihren Augen nachgelassen hatte, offenbarte sich den Männern ein faszinierender Anblick. Entlang der brennenden Steinrinne funkelte ihnen eine Fülle an Edelsteinen von der Wand entgegen, wie ein Regenbogen nach einem heftigen Gewitter. Sie sahen Amethysten und glasklare Diamanten. Rubine, in deren tiefem Rot sich ihre Blicke verloren und Saphire, die so blau waren, als trügen sie einen klaren Sommertag in sich.
Lysander lachte laut auf.
"Nehmt, was ihr tragen könnt, Männer – und steckt auch für mich ein paar ein."
Er war nicht wegen den Steinen gekommen. Sollten sich seine Männer daran bereichern und den Tod ihrer Mitstreiter rechtfertigen. Das Funkeln weiter hinten am Ende der Steinrinne zog seine Aufmerksamkeit an sich. Es drängte aus einer halbkreisförmigen Aussparung in der Wand. Goldene Adern durchzogen den Stein dort und bildeten wirre Muster. Lysander starrte darauf. Tiefe Falten überzogen seine Stirn, während sein Verstand die scheinbar willkürlichen Linien zu einem sinnhaften Gebilde zu ordnen versuchte.
Er strich mit dem Zeigefinger über die goldene Gravur, kombinierte, verwarf, kombinierte erneut.
Lysander rutschte mit dem Finger ab, als der Stein unter der Wucht eines weiteren Schlages erbebte und verlor den Faden.
Wenn ich nicht gleich die Lösung finde, sind wir alle verloren, schoss es Lysander durch den Kopf.
Lass dir ruhig Zeit, erwiderte sein Überlebensinstinkt resigniert, es ist sowieso schon zu spät. Die Lösung liegt vor deinen Augen, aber du wirst sie mit ins Grab nehmen.
Lysander ohrfeigte sich selbst und schüttelte den Kopf. Er runzelte die Stirn, so sehr, dass es weh tat, kniff die Augen zusammen und strich mit gespreizten Fingern über das Relief. Da war eine gewölbte waagrechte Linie mit zwei Spitzen, die wie Hornansätze aussahen. Vom rechten Ansatz verlief eine sanft nach außen gewölbte Linie nach unten, von deren Mitte nach rechts ein Gebilde abstand, das mit etwas Fantasie ein Knochenstumpf sein konnte. Lysander erkannte darin die markante Form von Telesto, einer riesigen Halbinsel im Osten von Thetis. Die gehörnte Linie stellte die Nordküste dar. Und dann ergab plötzlich alles einen Sinn. Der Rest der Karte zeichnete sich vor seinem geistigen Auge von selbst. Die goldenen Linien schienen förmlich zu leuchten. Da war das spitz zulaufende Reich der Minotauren ganz im Süden, daneben die vielen Buchten und Inseln – es war so offensichtlich, wenn man es erst gesehen hatte. Lysanders Blick folgte der Südküste nach Westen. Da war noch etwas... etwas, das auf keiner Karte...
Ein harter Schlag traf Lysander über der rechten Schläfe und riss ihn aus der Hocke zur Seite. Lysander schrie überrascht auf, stützte sich am linken Arm ab und rappelte sich wieder auf. Ein Stein lag blutverschmiert vor ihm. Lysander hielt sich die Hand an die schmerzende Stelle. Sie war voller Blut. Wahrscheinlich nur eine Platzwunde, doch sein Schädel dröhnte und vernebelte seinen Verstand. Er fürchtete, das Bild wieder verloren zu haben, doch er fand es gleich wieder. Und da war noch mehr – eine Inschrift. Alte Buchstaben, die er kaum verstand. Es war eine Sprache, die nur bruchstückhaft von einzelnen Fundstücken bekannt war. Sie schien sich über zwei Zeilen zu erstrecken. Lysander war sich nicht sicher, wieviel aus dem Muster Zeichen bildete, die er nicht kannte. Lysander strich erneut mit den Fingerspitzen über den Stein. Und da spürte er es -  sie kamen rasch näher. Das Klopfen ging im Freudenrausch und dem Lärm emsigen Steinesammelns unter, doch die Vibration im Stein schrie das nahende Unheil geradezu heraus. Von der  Decke rieselnder Staub schillerte wie Herbstnebel im Fackelschein. Einzig Eoin schien es zu bemerken. Um die anderen nicht zu verstören trat er nahe an Lysander heran.
"Das Klopfen wird lauter. Ich denke, wir sollten von hier verschwinden. Steine haben wir genug, damit könnten wir das halbe Falkland kaufen."
"Nein."
"Lysander, sei kein Narr! Der Raum ist eine Sackgasse. Was immer da draußen auf uns lauert, wir müssen daran vorbei. Die Steine nützen uns nichts, wenn wir tot sind!"
"Vergiss die Steine, wir gehen nirgendwo hin ohne dieser Inschrift – Finn!"
Mit einem Satz stand Finn neben ihnen.
"Schnell, mach eine Skizze von der Zeichnung, damit wir von diesem von allen Göttern verlassenen Ort verschwinden können!"
Finn zögerte keinen Augenblick, kniete sich hin, zog Pergament und Feder und begann mit zitternder Hand die Karte und die Schriftzeilen abzuzeichnen. Lysander hielt ihm die Fackel hin, damit er kein Detail ausließ. Er zeigte ihm die Stelle, an der die Inschrift vermutlich endete. Eoin nutzte die Zeit, um noch ein paar Steine einzusammeln und Finn war in seine Arbeit vertieft. So merkte keiner von ihnen die Veränderungen Lysanders. Sein Haar schien gewachsen zu sein. Hätte  jemand die Fackel an sein Gesicht gehalten, so hätten ihn die tiefen Furchen und die eingefallen Augen vor Schreck zurückweichen lassen. Lysander schien um Jahre gealtert.
Finn war fast fertig, als er zu Lysander aufsah. Der Schreck stieß ihn aus der Hocke zu Boden.
"Lysander ... du ..."
Ein gewaltiges Donnern erschütterte die Höhle, als würde der Berg selbst in sich zusammenstürzen. Cathal, der gerade auf Zehenspitzen nach einem besonders dicken Brocken langte, prallte hart gegen den Ölbrunnen und sein Haar stünde lichterloh in Flammen, wären sie nicht unter der Kettenbrünne seines Helmes verborgen. Faustgroße Steine prasselten von der Decke. Scheppernd schlug einer gegen Cathals Helm und fiel in die Flammen des Ölbeckens.
Lysander blickte zur Empore, über die sie die Höhle betreten hatten, als befürchtete er, sie könnte unter den Erschütterungen wegbrechen. Er fixierte den Eingang. Dunkel und bedrohlich nistete er in der Höhlenwand. Die Wurzeln hingen herab wie ein Maulkorb am Kopf einer schwarzen Schlange.
Ein schrilles Stakkato aus Schreien drang aus dem Stollen.
"Das sind nicht die Schreie eines Menschen", sagte Cian.
Eoin bedachte ihn mit einem Lächeln.
"Dann sind es wenigstens keine toten Menschen, die uns an den Kragen wollen."
"Dein verdammter Galgenhumor wird dich eines Tages noch deinen Kopf kosten."
Cian wollte sich gerade abwenden, als Lysander schrie: "Eoin! Cian! Zum Eingang!"
Die beiden Männer stürmten die Treppe hoch und bezogen Stellung neben dem Wurzelgeflecht. Cians Finger umklammerten den Griff seines Dolches, dass seine Fingerkuppen rot anschwollen. Wahrscheinlich, um das Zittern seiner Hand zu verbergen. Eoin stand mit gezogenem Schwert und dem Rücken zur Wand gepresst. Er musste aufpassen, seinen Kameraden nicht aufzuspießen, sobald er sich um die Ecke beugte. Kamen sie näher? Sie konnten es nicht mit Sicherheit sagen – die Schreie wurden mal leiser und mal lauter.
"Wie lange braucht ihr da unten noch?", rief Eoin schließlich durch den Raum. Er musste aus vollen Lungen schreien, um sich gegen den dröhnenden Lärm der abbröckelnden Decke und das Donnern aus den Gängen durchzusetzen.
"Wir sind fast soweit!", rief Lysander zurück, ohne sich umzudrehen. Eoin konnte so die Veränderungen an ihm nicht erkennen.
"Bist du fertig?", fragte Lysander an Finn gewandt.
"Einen Moment noch."
Cians panischer Aufschrei ließ Lysander herumwirbeln.
"Eoin, was ist da oben los?"
"Sie haben Cian! Er ist..."
Cians Fackel lag brennend am Boden. Eoin lugte noch einmal um die Ecke – nur um sicherzugehen, bevor er das Endgültige aussprach. Wie ein Armbrustbolzen schoss Cians Dolch aus dem Stollen hervor und verfehlte nur um Haaresbreite Eoins Kopf. Eoin zuckte zurück und presste sich schwer atmend gegen die Wand.
"Lysander... Cian ist tot! Verdammt noch mal, wir müssen sofort von hier verschwinden!"
"Fertig?", fragte Lysander an Finn gewandt.
"G-g-gleich", stotterte Finn.
"Lysander, ich habe es selbst gesehen", sagte Cathal.
Über seiner Schulter hing ein praller, mit Edelsteinen gefüllter Sack.
"Da war eine mächtige Klaue. Sie schoss aus dem Dunkel hervor und riss Cian einfach mit."
Lysander wandte sich Cathal zu. Sein Gesicht sah wieder so aus wie vorher, das Haar hing wieder kurz und kräftig in die Stirn.
"Eine mächtige Klaue sagst du? Das hört sich aber gar nicht nach Klopfern an."
"Vielleicht haben sie uns die ganze Zeit über gewarnt? Aber vor was?", sagte Cathal.
"Ich weiß es nicht und wahrscheinlich wollen wir es auch gar nicht wissen."
Wieder erbebte der Berg.
"Verdammt Finn!"
"F-Fertig!"
Die letzten Linien auf Finns Pergament glichen denen eines Betrunkenen, so sehr zitterten seine Hände. Er rollte das Pergament zusammen und reichte es Lysander.
"Lasst uns endlich verschwinden", sagte er.
Lysander stürmte durch den Raum und die Treppe hoch, mit Finn und Cathal dicht an den Fersen.
Eoin wartete nicht länger auf sie und verschwand in dem schwarzen Rachen, nicht ohne vorher Cians Fackel aufzuheben. Der Stollen führte leicht bergauf. Nasse Wurzeln peitschten ihnen ins Gesicht und hinterließen tiefe Kratzer an den Wangen.
Waren die vorhin auch schon hier?, dachte Lysander.
Eoin stoppte so abrupt, dass Lysanders Harnisch um ein Haar eine Delle reicher gworden wäre.
"Was ist?", fragte Lysander barsch. "Bist du blind geworden? Da geht's weiter."
Lysander deutete auf eine weiße Kreidemarkierung an der rechten Mauerkante. Sie hatten an jeder Abzweigung welche hinterlassen. Mehr als einmal waren sie in dem stockdunklen Irrgarten aus Gängen und Schächten im Kreis gelaufen.
Der Fackelschein spielte mit den Schatten in Eoins nachdenklichem Gesicht.
"Ich bin mir sicher, dass wir bei der letzten Abzweigung von links gekommen sind."
Lysander schnaubte wütend.
"Wir haben die Markierungen nicht gemacht, damit wir uns jetzt den Kopf darüber zerbrechen, wohin wir gehen."
"Aber..."
Knochenzermürbendes Geschrei verschluckte seine Stimme.
"Das kam von rechts", sagte Finn.
Wie eine Antwort auf den Schrei drang aus dem Stollen geradeaus heftiges Klopfen. Links lauerte schweigende Finsternis.
"Was, wenn es wirklich eine Warnung ist?", bemerkte Cathal. "Vielleicht hat jemand die Markierung geändert und sie wollen uns davor warnen."
"Es ist eine Falle", beharrte Eoin, "wer außer ihnen sollte es sonst getan haben? Sie haben die Markierung geändert und wollen uns mit dem Geklopfe verwirren."
Wieder dröhnte eine Salve abgehackter, schriller Schreie aus dem markierten Tunnel. Lysander stellte sich etwas Großes vor. Etwas Schnelles. Etwas, das Cian einfach so gepackt und verschleppt und getötet hatte. Etwas, das mit seinen großen Pranken nicht in der Lage war, eine kleine von Menschenhand gemalte Markierung zu ändern – ja sie überhaupt wahrzunehmen. Wie auch immer, sie mussten sich schnell entscheiden.
Inzwischen diskutierten Eoin und Cathal heftig weiter. Finn starrte mit blassem Gesicht nach links in die schweigende Dunkelheit.
"Wir sind uns einig", unterbrach Lysander die beiden, "dass wir bei der letzten Kreuzung abgebogen sind. Der Weg geradeaus, den uns die Klopfer vorschlagen, ist also mit Sicherheit falsch."
Lysander blickte streng in die Runde, dann fuhr er fort.
"Egal was Finns schlaue Bücher sagen, ich halte sie für unseren Feind. Und was immer diese grässlichen Schreie von sich gibt, davor werden sie uns sowieso nicht beschützen können."
"Lieber ein offener Kampf als ein Katz- und Maus-Spiel in der Dunkelheit", warf Cathal ein. Er klopfte liebevoll auf den Streithammer, der an seiner Seite baumelte."
Lysander würdigte ihn mit keiner Antwort, sondern wandte sich an Eoin.
"Wenn wir Glück haben, halten unsere Fackeln noch ein paar Minuten. Wenn wir auf das Ding treffen, werden wir im Dunkeln kämpfen müssen. Eoin, du bist dir sicher, dass wir von links gekommen sind?"
"Ja."
"Ich hoffe, du irrst dich nicht – wir nehmen Eoins Weg", sagte er an alle gewandt.
Erneutes Geschrei erfüllte die Gänge, schmerzte in ihren Ohren. Vor Eoins geistigem Auge erschien jene mächtige Pranke, die seinen Freund Cian in den Tod gerissen hatte.
"Schnell jetzt!", schrie Lysander.
Die vier Männer rannten los, Lysander und Eoin als erste, danach Finn. Cathal blieb etwas zurück. Schweiß lief in kleinen Bächen unter seinem Helm hervor über seine Stirn. Die Rüstung und der schwere Sack über seiner Schulter zehrten an seinen Kräften.
"Wisst ihr, vielleicht hätten wir doch dem Klopfen folgen sollen", keuchte Finn. "Manchmal führen sie Bergleute auch zu einer wertvollen Goldader."
"Und ich bin mir sicher, Cian wird uns dort mit offenen Armen empfangen", entgegnete Eoin schnippisch.
Sie erreichten die nächste Kreuzung und fanden eine weitere Markierung. Lysander betrachtete den weißen Kreidestrich wie einen Berg aus Gold. Lysander klopfte Eoin anerkennend auf die Schulter und alle drei mussten sie unwillkürlich lachen. Cathal schloss gerade erst zu ihnen auf. Doch dann gefror Finn das Lachen auf den Lippen.
"Was, wenn diese Narren von Klopfern nicht nur diese eine Markierung geändert haben?"
Ein kalter Luftzug hauchte Finns kläglich dahinflackernder Fackel das Leben aus, ein unheimlicher Zufall. Lysanders Finger verkrampften sich um die seine – die letzte.
"Wir haben keine Wahl", sagte er und lief weiter.
Sie erreichten die nächste Abzweigung Sekunden bevor Lysanders Fackel erlosch und undurchdringliche Schwärze sie umgab.
Die Markierung war verschwunden.
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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 22.10.2012 23:32    Titel: Antworten mit Zitat

Wunderbar!! So sollte das sein! Die Rückblende gelingt dir stimmig, ich habe sofort eine ganze Karte vor Augen! Auch ansonsten ist dein Text erfüllt von spannender Faszination.
Einige Auffälligkeiten habe ich noch für dich, wobei ich hoffe, dass es dir nicht pressiert, wenn ich über ein paar Rechtschreib- oder Grammatikfehler hinwegsehe, die findet Word nämlich auch, denke ich wink

Zitat:
Die Szene spielt jetzt nur aus Lysanders Sicht
An manchen Stellen gelingt dir Lysanders Perspektive zu emotionslos und auktorial. zum Beispiel:
Zitat:

Mit weit aufgerissenen, wachsamen Augen warf Cian immer wieder einen Blick zurück über die Schulter.
kinkerlitzchen, doch Lysander kann nicht sehen, ob er wirklich die Augen in die andere Richtung aufreißt wink
Zitat:
Finn kniete sich neben ihm und klopfte ihm auf die Schulter.
Das hier lese ich eher aus Finns Perspektive. Hier könntest du es so schreiben: "Lysander sah Finn sich neben ihn knien"
Zitat:
Bei dem Gespräch wurde Lysander das Herz schwer. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie es überhaupt so weit geschafft hatten. Wie genau ihr Rückweg aussehen sollte, darüber mochte er nicht nachdenken. Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Höhle vor sich zu. Sie mussten sich beeilen. Nicht nur von den Klopfern drohte Gefahr. Seine Männer waren überfordert, drohten durchzudrehen. Zumindest der arme Cian.
hier wiederum spielt das ganze sehr schön deutlich aus Lysanders Sicht wink
Zitat:

"Ist gut, es ist nur eine alte Schaufel", kam es von vorne. "Ihr könnt hereinkommen. Ich denke, es ist sicher."
"kam es von vorne" dito. "rief Lysander ihnen zu" oder so.
Zitat:
Erleichtert, den Stollen endlich zu verlassen,
Lysander könnte nur ihre erleichterten Gesichter sehen, allwissend jedoch ist er nicht!
Zitat:

Endlich ein bisschen Glück, fügte er in Gedanken hinzu.
hier wieder gut!
Zitat:
Lysander schien um Jahre gealtert.
Für einen Außenstehenden. Aber wie fühlt es sich für den Expeditionsleiter selbst an?!
Zitat:
Vor Eoins geistigem Auge erschien jene mächtige Pranke
Das hast du wohl nur übersehen wink
Soviel zur Perspektive, da musst du hier und da noch etwas ändern! Ansonsten sehr gut gemacht!

Jetzt die weiteren Kritikpunkte!
Zitat:
Lysander spähte um die Ecke und fand, wonach er gesucht hatte. Hinter einem dichten Wurzelgeflecht erkannte er ein sanftes Glitzern. Wie ein Glühwürmchen in einer Neumondnacht schwebte es in der tiefen Finsternis des Berges. Im verblassenden Schein seiner Fackel schimmerten die Wurzeln, denn hier am Ende des Stollens war es feucht geworden. Wasser floss in kleinen Rinnsalen die grob gehauenen Steinwände hinab und füllte die kleinen Ritzen und Rillen des Bodens. Ab und an löste sich ein tränenförmiger Tropfen von einer Wurzelspitze und landete lautlos auf kaltem Stein.
Das ist dir sehr gut gelungen.
Zitat:
Seit sie das Tageslicht hinter sich gelassen hatten, war es ihnen ein treuer Begleiter gewesen – zunächst leise und weit entfernt
Was denn? Das Tageslicht? Nein die Schläge!!
Zitat:
hatten sie es fast vergessen gehabt.

Zitat:
fünf stattliche Männer, gerüstet mit Leder und Eisen, und mit Schwertern, Dolchen und Streithämmern an ihren Seiten – etwas näher zusammen. Die meisten von ihnen hatten ihre Rüstungen in den letzten Tagen abgelegt.
Da muss ich noch was zu sagen. Die Klassifizierung der Truppe ist UNBEDINGT nötig, aber im folgenden etwas zu sehr auf die Waffen beschränkt. Dass du hier ein sehr faszinierendes Thema anschneiden willst, verstehe ich seeehr gut aber es ist auch wichtig, dass du die einzelnen Truppmitglieder ein wenig voneinader unterscheidbar machst. Lysander ist der Protagonist und wird auch ein wenig beschrieben, dann gabs da noch den Riesen und den Gebildeten aber ansonsten hängen die Namen noch etwas freischwebend in der Luft. Du solltest diese Stereotypen noch ein ganz klein wenig bekämpfen, kürze das Waffenarsenal ein ganz klein wenig und füge an anderen Stellen im Show-don't tell-Stil Körperbeschreibungen etc. ein, das wäre toll wink Zur Vollendung fehlen mir persönlich im Moment noch die äußerlichen Archetypen der Personen.
Ich bin mir in diesem Punkt persönlich noch unsicher ob ich den Aspekt, der mich nachhaltig im Lesefluss stört hier wirklich an der Wurzel packe, daher solltest du dir eventuell bitte noch eine zweite Meinung dazu einholen. Ich sage: Die Infos sollten sich auch auf das menschliche ausdehnen und die Beschreibungen des Waffenarsenals etwas mehr über den Text verteilt sein. Ob das so "stimmt" kann ich dir nicht garantieren.
War das verständlich? Ich hoffe lol2
Zitat:
Ihre Helme hatten bunte Federbuschen getragen, die sich aufgeregt im Wind bewegten
Nee, das können sie nicht "aufgeregt" tun^^
Zitat:
Bogenführte
+und
Zitat:
Dahinter lag das Sagenland – das Ziel ihrer Reise. Vielen von ihnen wurde beim Anblick der Berge das Herz schwer, denn dunkle Geschichten sponnen sich um dieses Land. In den letzten bewohnten Dörfern betrachteten die Leute sie mit einem Blick, der ihnen den letzten Mut raubte. Zwei wagten es gar nicht, weiterzugehen und kehrten um. Sie schlichen sich in der Nacht vor dem Aufbruch zur letzten Etappe einfach davon, so groß war die Scham ob ihrer Feigheit. Ein Dritter rammte sich in jener Nacht seinen Dolch ins Herz. Die Besitzerin der Gaststätte fand den blutübströmten Leichnam in seinem Bett. Je ein Arm und ein Bein hingen schlaff über die Bettkante, die glasigen Augen stierten zur Decke.
Wie gesagt, stimmige Rückblende; Endlich habe ich eine äußerliche und inhaltliche Vorstellung von diesem Ort!
Allerdings wäre die Blende ohne die Absätze verwirrend, die müssen also auf JEDEN FALL beibehalten werden.
Zitat:
und es ging ihnen nicht anders. Sie waren alle froh, nicht Letzter zu sein
Wieder zu auktorial.
Zitat:
denn auch seine Fackel hatte schon zu lange gebrannt.
einfach "erloschen".
Zitat:
Frische graue Strähnen durchzogen sein schwarzes Haar, das ihm fettig und kraftlos ins Gesicht hing, als wären auch sie der Reise überdrüssig.
Das Wort "Frische" passt nicht ins Wortfeld.
Zitat:
Auch Lysander konnte das drohende Unheil nicht erkennen
LOgisch. Besser: "nur erahnen"?
Zitat:
Ein Kribbeln trieb seine Nackenhaare in die Höhe und blitzartig wirbelte er herum.
Auch zu auktorial.
Zitat:
Finn kniete sich neben ihm und klopfte ihm auf die Schulter.
"Wir haben alle Angst", sagte er in einem betont ruhigem Tonfall. "Aber wir dürfen uns von diesem Land nicht verrückt werden lassen. Lysander meint, wir stehen ganz knapp vor unserem Ziel, und dann können wir nach Hause gehen."
Finn schüttelte den Kopf und legte ihn in seine Hände.
ich glaube, das letzte "Finn" sollte "Cian" sein lol2
Zitat:
Und wenn noch einer da ist, dann klopft er nicht mehr. Tote Menschen klopfen nicht. Sie liegen für gewöhnlich still herum und machen gar nichts
haha! Sehr gut^^
Zitat:
Lysander hielt seine Fackel an die schwarze Oberfläche. Ein glühender blauer Ring entzündete das Öl. Die Flamme folgte in einer Rinne zur Wand gegenüber und weiter nach hinten zu der glitzernden Stelle.
Die durch das verbrennende Öl zwingend entstehenden, ungemein unangenehm beißenden Rauchschwaden sollten vllt Erwähnung finden wink
Zitat:
Lass dir ruhig Zeit, erwiderte sein Überlebensinstinkt resigniert, es ist sowieso schon zu spät.
ich persönlich glaube, dass der Überlebensinstinkt der definitiv falsche Ansprechpartner für tiefergehende und vor allem hoffnungslose Gedanken ist, denn wie du sagst, ist er nur ein Instinkt. Du kannst also höchstens von einer "Stimme in ihm" o.ä. sprechen, vllt fällt dir ja noch was ein.
Zitat:
doch sein Schädel dröhnte und vernebelte seinen Verstand.
"Doch das Dröhnen in seinem Schädel vernebelte seinen Verstand" mimimi smile

Nebenbei gefallen mir deine Dialoge jetzt viiieeeel besser!
Der Zusammenbruch der Höhle ist sehr spannend und bildhaft beschrieben! Lesespaß PUR!
Zitat:
Sein Gesicht sah wieder so aus wie vorher, das Haar hing wieder kurz und kräftig in die Stirn.
Mir gefiele es eher, würdest du seine Gefühle etwas mehr mit einbringen.
Ich habe inzwischen noch einen Vorschlag zur UNterscheidung der Personen, momentan könnten einige noch mehr durch Feigheit oder Tapferkeit hervorstechen auch rauhe oder hohe oder Sängerstimmen wären Balsam in meinem Lesezentrum! lol2
Zitat:
Die Markierung war verschwunden.
Jetzt will ich weiterlesen, erfahren, wie es dem Männern ergeht, dass hast du auf jeden Fall geschafft! Wann kommen weitere Teile? lol2

Soo alles in allem muss ich zurückgeben, dass auch dein Schreibstil mir gefällt, ich glaube, man werkelt gern an fremden Texten herum, die den eigenen ähneln.
Hiermit einen Schönen Abend!
Der erwartungsvoll dreinblickende
Uther Pendragon!


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