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Prolog und 1.Szene eines DarkRomance-Romans - Meinung?


 
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zwima
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 09:38    Titel: Prolog und 1.Szene eines DarkRomance-Romans - Meinung? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hi Allerseits,
es ist soweit. Um ein besseres Gefühl für die Geschichte zu bekommen, an der ich gerade arbeite, habe ich mich mal hingesetzt und die erste Szene + Prolog geschrieben. Ich bin auf eure Kritik und Anmerkungen gespannt. Die Fragen, die mich besonders beschäftigen:

1.) Würdet ihr weiterlesen wollen?
2.) Was für ein Bild bekommt ihr von Tatjana nach dieser ersten Szene?
3.) Um was denkt ihr, wird es gehen? (Motive, die ihr bereits herauslesen könnt)

Na dann viel Spaß! Ich freue mich über jede Rückmeldung.

LG
Zwima

***********************************************************

PROLOG

Vor dem Hungerturm der Prager Burg, 29. September 1427

Sie waren gekommen, um ihn zu hören. Während sie warteten schickte der Herbst dicke Regentropfen vom wolkenzerfressenen Himmel. Stiefel und Schuhe der Wartenden hatten den Boden im Burggarten zu schlammigem Brei werden lassen. Nässe kroch durch Kleider und Haut bis in die Knochen und ließ nicht wenige von ihnen zittern. Doch weder Regen noch Wind konnte sie vertreiben. Sie rückten aneinander, vereint in dem Wunsch dem Zauber seines Spiels erneut beizuwohnen. Seit zwei Monaten waren es täglich mehr geworden, die sich hier am Fuße des Turms versammelten, um auf die Klänge zu lauschen, die der Gefangene seiner Geige entlockte. Teufelswerk sagten die einen, ein Geschenk Gottes die anderen. Doch welche Macht auch immer ihm die Gabe seines Spiels geschenkt hatte, für sie alle war die Stunde der Morgendämmerung, in der er die Klänge seiner Geige durch die Mauern seines Verließ in die Welt schickte, zum Höhepunkt des Tages geworden. Seine Musik ließ sie erstarken und der Arbeit des kommenden Tages frohen Mutes entgegenblicken. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Kunde verbreitet, dass die Häscher der Krone ihn gefangen hatten. Mit blutigen Schwertern in der einen und dem Kreuz in der anderen Hand teilten die Ritter des Papstes das Land um die Böhmen vom Frevel der Reformmisten zu befreien. Er war einer von ihnen und es war nur eine Frage der Zeit, wann das Urteil der Mächtigen ihn für den Frevel seines Verrats büßen lassen würde. Auf Ketzerei stand der Tod, daran gab es keinen Zweifel. Kaum ein Tag verging, da nicht einer der Hussiten auf dem Scheiterhaufen den Weg in die Hölle antrat und die Rechtschaffenen daran erinnerte, was mit denen passierte, die sich gegen die Kirche stellten. Wann wäre der Tag gekommen, an dem das mahnende Feuer ihnen das Geschenk seines Spiels nehmen würde? Brave Christenmenschen waren sie allesamt und doch standen sie hier: Morgen für Morgen und flehten bei den Mächtigen um einen weiteren Tag, um ein weiteres Wunder.
Durch den Schleier des frühen Morgen kämpfte die Sonne sich an den Horizont, malte durch das graue Wolkendickicht funkelnde Streifen auf die Mauern des Turms. Atemlose Erwartung hing satt in der Luft. Gleich, gleich wäre es soweit und sein Spiel würde sie erneut verzaubern. Die Stadt zu ihren Füßen färbte sich Orange im Licht des anbrechenden Tages. Es hatte aufgehört zu regnen. Ein neuer Tag begann, doch seine Geige schwieg.
„Der Ketzer ist tot!“
Zuerst war es nur ein flüsterndes Gerücht.
„Der Ketzer ist tot!“
Raunen ergriff die wartende Menge.
„Der Ketzer ist tot!“
Entsetzen und Verlust lähmte die Wartenden. Diesmal war ihr Wunsch nicht erhört worden. Heute würde es kein Geigenspiel für sie geben. Tränen formten Bäche der Verzweiflung auf die Gesichter seiner Bewunderer.
„Der Ketzer ist tot!“
Sie hatten die Gabe seines Spiels verloren – für immer.  


1

Parizka Ulize, Prag 1, 1. Oktober 2010

Für die neunundzwanzigjährige Tatjana Huss begann jeder Tag mit einer Handyversion von „Let’s get loud“. Heute war nicht jeder Tag. Noch immer eingehüllt in Schlaf und Müdigkeit köderten sie die Töne einer Geige ins Bewusstsein. Zuerst war es nur eine Ahnung von Musik, die ihren Geist füllte. Ein sanfter Hauch, der sich langsam, unendlich langsam steigerte. Aus einzelnen Tönen wurden Akkorde, aus Akkorden Melodien, die opulent und satt im Raum hingen. Die Klänge, die der Spieler seinem Instrument entlockte, sangen auf ihrer Haut, ließen sie kribbeln. Erst träge und klagend streichelten sie ihre Sinne, steigerten dann die Intensität des Liedes in ein kraftvolles Crescendo, das durch ihre Haut ihr Innerstes berührte: lockend und begehrend. Obwohl sie die Melodie nicht kannte, konnte Tatjana jede Note bereits im Voraus erahnen. Sie war eins mit der Musik. Das Gewebe aus Tönen hielt sie fest, umhüllte sie in klanggewordener Emotion. Die Geigensaiten gaben ihr ein Zuhause, ließen sie erwachen, weckten mit ihrer Reinheit in Tatjana die Kraft für einen neuen Tag. Schön, so wunderschön. Sie fühlte sich wahrhaft erweckt und dennoch, als ob sie träumte.
Das Vibrieren ihres Handys ließ den Zauber verpuffen. Erst hörte sie das leise Klappern des Geräts auf ihrem Nachttisch, dann zwang sie die bekannte Aufzugversion von Anastasias Dauerpartybrenner endgültig in die Realität. Immer noch verschlafen rieb sich Tatjana über die Augen und wartete tapfer auf die Zipperlein, die ihr das Aufwachen bescheren würde. Die Schulter tat weh und ihre Beine fühlten sich trotz fünfeinhalb Stunden Schlaf immer noch schwer an. Lange Flüge waren einfach nichts für sie, aber auf Dampferfahren umzusteigen käme wohl auch nicht in Frage. Von dem Geigenspiel war nichts mehr zu hören. Wie schade, die Musik war so außergewöhnlich gewesen. Obwohl sie sich noch nicht einmal richtig in ihrer neuen Wohnung umgeschaut hatte, hatte dieses klagende Geigenlied es geschafft, dass sie das Gefühl gehabt hatte, nach Hause zu kommen. Wahrscheinlich hatte sie tatsächlich noch geträumt und ihr Unterbewusstsein wollte ihr einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, dass sie wirklich ein paar Tage in München bei ihrer Familie hätte einplanen sollen. Aber ihr Chef hatte ihr unmissverständlich klar gemacht, dass der Kunde sie spätestens am 01. Oktober erwartete, ansonsten würde der Pitch an eine andere Agentur gehen. Zuhause, das waren Mama, Papa und ihr altes Kinderzimmer mit pinker Vichy-Bettwäsche und unzähligen Kuscheltieren auf ihrem weißen Himmelbett. Ach Mist, es war so verdammt lange her, dass sie ihre Mutter mal richtig in den Arm hatte nehmen können. Wenn sie dieser Tage an Mama dachte, sah sie ein Pixeligels Bild vor sich, das von einer Webcamera stammen könnte. Trotzdem, dieser Traum war seltsam gewesen. Noch nie hatte sie von Musik geträumt, noch dazu von einer, die sie gar nicht kannte. Aber egal, sie hatte sich ihren Wecker trotz Jet-Lag, der sie die nächsten Tage zweifelsfrei plagen würde, nicht für 6:30 gestellt, um dann ihre Zeit mit Grübeleien über einen seltsamen Traum zu verbringen. Eine neue Stadt, ein neuer Job wartete auf sie und damit die Chance sich in der Riege der Hauptprojektleiter von „Rhode und Partner“ zu etablieren. Tatjana hatte oft genug neu angefangen, um für solche Gelegenheiten einen genauen Plan zu haben. Sie wurde im Büro des Agenturkunden um 9:30 Uhr erwartet. Ihr blieb also genug Zeit sich in dem Apartment einzurichten, das ihr Arbeitgeber, eine renommierte, international arbeitende Kommunikationsagentur, ihr für den Aufenthalt in Prag gestellt hatte. Gestern Abend war sie erst spät angekommen und hatte nur ihren Koffer vor dem großen Einbauschrank im Flur abgestellt, bevor sie ins bereits bezogene Bett geschlüpft war. Der Flug aus Rio war anstrengend: zwei Zwischenstopps, Verspätung, ein verpasster Anschlussflug. Jetzt, im Licht des Morgens riskierte sie einen genaueren Blick. Das Apartment war im fünften Stock eines der typischen Jugendstil-Gebäude, die die Prager Promeniermeile säumten, in der sie während ihres Projekts in Prag wohnen würde. Von ihrem Schlafzimmer hatte sie einen eindrucksvollen Blick auf die kupfernen Dächer der Stadt, doch ansonsten konnte sie nichts Anheimelndes an dem Zimmer entdecken. Die Einrichtung war teuer und unpersönlich. Schwarze Designerstücke mischten sich mit Glas und Chrom und wollten so überhaupt nicht zu den hohen mit Stuck verzierten Räumen passen. Beherzt schwang sie die Beine aus dem Bett und ging weiter auf Erkundungsreise. Auch die große Wohnküche mit kleiner Küchenzeile in der einen und einer schwarzen Lederkombination in der anderen Ecke strahlte nicht viel Gemütlichkeit aus. Hierher gehörten antike Mahagonimöbel und schwere Vorhänge, gerahmte Sepia-Fotos an den Wänden und seidene Kissen auf einem tiefen Sofa, nicht diese sterile Kargheit. Resigniert seufzte Tatjana. Was machte das schon, sie wäre ohnehin nicht lange genug in der Stadt, um sich wirklich heimisch zu fühlen. Was ihr wichtig war, war der große Schreibtisch, der ihrem Laptop ein zu Hause geben würde. Mit routinierten Griffen befreite sie ihren Computer aus seiner Tasche, stöpselte Netzkabel und Maus ein und erweckte ihren treuesten Begleiter mit einem Druck auf die „On“-Taste zum Leben. Facebook öffnete sich automatisch, sobald der Rechner hoch gefahren war. Während sich die Seite aufbaute, holte sie ihren Kosmetikkoffer aus dem Flur und stellte ihn ins Bad. Sie stellte die Dusche ein, damit das Wasser schon einmal warm laufen konnte, während sie ein kurzes Lebenszeichen on setzte.
„Prag ist toll! Habe zwischen Hermes und Armani Einzug gehalten. Kuss an euch alle!“
Eine Nachricht auf der Pinnwand ließ all ihre Freunde wissen lassen, wohin es sie diesmal verschlagen hatte. Tatjana hatte viele Freunde: in München, Passau, Budapest, Birmingham und Rio. Bald kämen neue Freunde dazu. Freunde aus Prag, wo sie ihr erstes eigenes Projekt leitete. Erwartung ließ ihr Herz schneller schlagen. Mit 29 Jahren die Chance auf eine Hauptprojektleitung bei Rohde und Partner, das war großes Kino, wirklich großes Kino und ein verdammt guter Grund, um auf sich stolz zu sein. Drei Nachrichten warteten in ihrem Postfach auf sie, doch die mussten sich bis nach der Dusche gedulden. Ohne besonders tief wühlen zu müssen, fand sie in ihrem Koffer die Klamotten, die sie schon in Rio für den heutigen Tag ausgewählt hatte. Enge dunkelblaue Jeans und eine blassrosa Rüschenbluse, kombiniert mit einem kurzen, taillierten Blazer aus dunkelblauem Baumwoll-Seide-Gemisch waren genau das Richtige. Förmlich genug, um nicht aufzufallen, wären die Mitarbeiter des Automobilkonzerns, der sie engagiert hatte, konservativ und lässig genug, wären sie es nicht. Mit den Kleidern unterm Arm trottete sie ins Bad. Irritiert merkte sie, dass sie gedankenverloren die Melodie vor sich hin summte, die sie heute Morgen so zauberhaft geweckt hatte. Woher kannte sie dieses Stück nur – sie hatte es nur dies eine mal gehört, unmöglich, dass sie sich die Tonfolge so schnell gemerkt hatte. Das Prasseln der Dusche mischte sich mit ihrem dissonanten Summen, während Dampf und  Wasser sich redlich bemühten, Leben in ihre müden Glieder zu bringen.
Ein Handtuch um ihren Körper geschlungen, ein anderes in einem Turban um ihr Haar gewickelt checkte sie nach der Dusche ihr Postfach.
Die erste Mail war von ihrer Mutter, die fragte, wie die Wohnung sei. Die zweite eine der üblichen Freundschaftsanfragen. Die dritte interessierte sie am meisten. Norman hatte ihr geschrieben. Norman aus München, ihr treuer Begleiter seit dem Gymnasium. Ihr erster Freund, ihre erste Liebe. Durch die zahllosen Ons- und Offs ihrer Beziehung war ihr Norman treu zur Seite gestanden, egal von wo auf der Welt sie ihre Beziehungsprobleme mit ihm über ihr Instant Messenger Programm bearbeitete. Ein warmer Knoten machte sich in ihrem Bauch breit. Es tat so gut zu wissen, dass es, egal wo sie war, in München Norman gab, der auf sie wartete. Welche Botschaft würde er ihr diesmal für den Start in ein neues Leben geben. Gespannt öffnete sie die Nachricht.
„Liebes!
Hoffentlich bist du gut in Prag angekommen. Ich hab versucht, Dich zu erreichen, aber dein Handy war ausgeschaltet.
Süße, ich wünsche dir, dass du dort, wo du jetzt bist, jemand findest, der dich erwartet, wenn du nach Hause kommst. Ich kann das nicht mehr sein. Immer habe ich gewartet und immer war es umsonst. Ganz ohne darauf gewartet zu haben kam plötzlich Andrea. Ich wollte es dir sagen, aber nie konnte ich dich erreichen. Aber jetzt musst du es wissen, alles andere wäre nicht fair. Komm bald mal nach Hause.
Norman“
Der Knoten in ihrem Bauch platzte und hinterließ schneidende Leere. Die Finger auf ihrer Maus zitterten, als sie den Zeiger auf Normans Bild in ihrer Freundesliste führte. Entfernen. Sie zögerte keinen Augenblick und doch brannte sich der Verlust in ihre Seele. Allein. Jetzt war sie wirklich ganz allein in der neuen Stadt. Ihr Blick huschte in die untere rechte Ecke des Bildschirms. 8:00 Uhr. Sie musste sich fertig machen, niemand wollte am ersten Arbeitstag zu spät kommen. Am ersten Arbeitstag als HAUPTPROJEKTLEITER. Auch sie nicht, auch dann nicht, wenn es keinen Norman Seintzinger mehr in ihrer Freundesliste gab.[/b]



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Vinter
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:14    Titel: Antworten mit Zitat

Erstmal nur zum Prolog:
Ich würde ganz am anfang das "Sie" durch "Die Bewohner Prags" oder ähnliches ersetzen. Durch das "Sie" erzeugst du unfreiwillig eine gewisse, ich nenn es mal, "Klischee-Spannung". Es wirkt so, als würdest du versuchen, deine Leser durch die unspezifische Wortwahl bewusst im Dunkeln zu lassen. Das willst du ja eigentlich gar nicht. Aber es erinnert so stark an einen Schreibstil, der versucht mit aller Gewalt Spannung zu erzeugen indem man alles nur andeutet. In Wirklichkeit langweilt es aber einen Leser, der schon mehr als 3 mittelmässige Fantasyromane gelesen hat wink

Ich mein das gar nicht so negativ wie es jetzt klingt: Ich denke es war gar keine Absicht von dir, sondern nur "Unaufmerksamkeit".
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Wirf den Prolog zunächst einmal auf den Müll.
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zwima
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vinter hat Folgendes geschrieben:
Erstmal nur zum Prolog:
Ich würde ganz am anfang das "Sie" durch "Die Bewohner Prags" oder ähnliches ersetzen.


Danke für den Hinweis. Ja, wahrscheinlich hast du recht. Ich werde mich mal an einer anderen Formulierung versuchen.

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Wirf den Prolog zunächst einmal auf den Müll.


Weil er so schlecht ist, oder weil du generell nichts von Prologen hältst, oder weil er zuviel/zuwenig Preis gibt, oder warum sonst noch? Du sprichst in Rätseln.

Grüße
Zwima


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:38    Titel: Antworten mit Zitat

Ich halte generell nichts von Prologen. Ich habe 30 Romane veröffentlicht, ohne einen einzigen Prolog zu schreiben. Fang mit dem 1. Kapitel an. Und dann die 5 W's beachten, wer, wie, wann, wo, warum. Du schreibst einen Roman, keine Einleitung. Entschuldige bitte meinen krassen Ton. Danke schön. Very Happy
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ach ja, und das mit den Bewohnern von Prag war schon ein guter Gedanke.
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ELsa
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Dieses "Sie" im Prolog sagt garnix. Ich würde unbedingt, wenn du einen Prolog haben willst, diese "Sie"-Figuren benennen.

Und das 1. Kapitel würde ich mit dem Vibrieren des Handy beginnen, dieser Exkurs davor ist überflüssig als EInstieg, das könnte man später immer Text immer noch als Reflexion und um die Prota besser kennenzulernen, einbauen, am Anfang langweilt es und ich würde dann nicht weiterlesen wollen.

Dann weiter: Vor der direkten Rede, also Facebook, empfinde ich die Beschreibungen viel zu lang. Das ist Info-Dumping, gar nicht gut, so im Block, in einem Aufwaschen die ganzen Infos dem Leser um die Ohren zu hauen. Diese Infos sollten nach und nach stattfinden.
Insgesamt finde ich zu viel behauptet, zu wenig gezeigt. Show don't tell würde ich empfehlen. Da ist so wahnsinng viel reingestopft, was Stoff für 4 Kapitel wäre, mM.

Auch gleich alles z.B. über Norman zu erzählen, ist einfach zu viel für den Anfang, würde ich nicht machen.

Der Text wirkt dadurch geschwätzig, das ist schade.

Du wirst vielleicht den Kopf schütteln, aber ich würde das 1. Kapitel so beginnen:
Zitat:
Der Knoten in ihrem Bauch platzte und hinterließ schneidende Leere. Die Finger auf ihrer Maus zitterten, als sie den Zeiger auf Normans Bild in ihrer Freundesliste führte. Entfernen. Sie zögerte keinen Augenblick und doch brannte sich der Verlust in ihre Seele. Allein. Jetzt war sie wirklich ganz allein in der neuen Stadt. Ihr Blick huschte in die untere rechte Ecke des Bildschirms. 8:00 Uhr. Sie musste sich fertig machen, niemand wollte am ersten Arbeitstag zu spät kommen. Am ersten Arbeitstag als HAUPTPROJEKTLEITER. Auch sie nicht, auch dann nicht, wenn es keinen Norman Seintzinger mehr in ihrer Freundesliste gab.


Dann wäre ich vom ersten Moment an bei der Prota und gespannt wie ein Flitzebogen, wer sie ist, was sie treibt u.s.w. All diese vielen Infos könnten nach und nach in Dialogen, Gedanken u.s.w. eingebaut werden.

Liebe Grüße
ELsa


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zwima
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Ich halte generell nichts von Prologen. Ich habe 30 Romane veröffentlicht, ohne einen einzigen Prolog zu schreiben. Fang mit dem 1. Kapitel an. Und dann die 5 W's beachten, wer, wie, wann, wo, warum. Du schreibst einen Roman, keine Einleitung. Entschuldige bitte meinen krassen Ton. Danke schön. Very Happy


Hey, da gibt's nichts zu entschuldigen. Ich bin ja hier im zu lernen  Idea Ich will's halt nur richtig verstehen. Okay, dann vergesse ich also den Prolog und komm direkt zum ersten Kapitel. Sind da für dich die 5 Ws nicht ziemlich schnell beantwortet?

Wo und Wann - direkt in der Überschrift
Wer - das dritte Wort im Fließtext beantwortet diese Frage
Warum - Der zweite Satz "Heute war nicht jeder Tag"soll den Konflikt andeuten, dass eben etwas anders war. Was? Das kommt diekt danach.

Trotzdem ist die Beantwortung der 5 Ws noch zu nebulös?

Zwima


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ELsa
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Oh, das hat sich jetzt mit meinem Komm. überschnitten ...

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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

Nun ja, Zwima, die 5 W's sind ein Pressegesetz.
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Roydarren73
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Mir gefällt der Prolog sehr gut.

Ich bin insgesamt begeistert von dem, was du da geschrieben hast.

Weiter so !


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Nehmen wir deinen Prolog. Du schreibst: "Sie waren gekommen ..." Wer sind "sie"? Die Gießkannen?
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Roydarren73
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Beiträge: 117



BeitragVerfasst am: 11.01.2011 12:10    Titel: Antworten mit Zitat

Da muss ich Ralphie zustimmen. Du solltest "Sie" ersetzen.

z.B. "die Bürger von Prag" ; " die Schaulustigen" etc.


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Vinter
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 12:15    Titel: Antworten mit Zitat

zwima hat Folgendes geschrieben:

Hey, da gibt's nichts zu entschuldigen. Ich bin ja hier im zu lernen  Idea Ich will's halt nur richtig verstehen. Okay, dann vergesse ich also den Prolog und komm direkt zum ersten Kapitel. Sind da für dich die 5 Ws nicht ziemlich schnell beantwortet?


Hey hey, nun mal langsam mit den jungen Pferden.
Man muss Ralphies Meinung respektieren. Aber man muss auch sagen, dass soetwas schlicht auch Geschmackssache ist. Prologe per se sind nicht schlecht.

Die Frage ist halt: Bringt es deine Geschichte weiter.
Ist es nur gekünstelte Spannungsmache, die man schon x-mal gelesen hat ?
Oder bringt es deine Geschichte weiter ? Ist sie vielleicht für das Verständnis unabdingbar ? Gibt es einen Twist am Ende, der den Prolog aufgreift, wenn ihn der Leser schon fast vergessen hat ?

Ein Prolog muss ja zunächsteinmal den Leser so fesseln, dass er gewillt ist, weiter zu lesen. Hier ist weniger oft mehr - nicht soviele Andeutungen machen. Wenn es tatsächlich nichts spannendes zu berichten gibt, dann sollte man den Prolog weglassen. Ein Prolog zum Selbstzweck ist nicht gut.

Ist natürlich auch immer eine Gratwanderung. Der Prolog im "Herrn der Ringe" ist für einen Erstleser unsagbar langweilig - was interessieren mich Hobbits, bevor ich Bilbo und Frodo kennen- und liebengelernt habe ? -  im nachhinein liefert er aber für den Fan interessante Informationen - auch ohne Twist. Auch der Prolog in Ken Follets "Pillars of the world" ist eher... durchschnittlich. Generell wäre die Story vermutlich auch ohne diesen Handlungsstrang ausgekommen und im Prolog schwingt für meinen Geschmack zuviel "Oh oh, der Schatten der Vergangenheit" mit wink

Um mal auf deinen Text zurück zu kommen: Mir sind da auch zuviele "Andeutungen" drin. Wenn ich den Prolog gelesen habe und den ersten Abschnitt vom ersten Kapitel weiß ich schon, was kommt. "Der Geist des Geigenspielers" oder "Der Geigenspieler war ihr Vorfahr" oder soetwas. Das muss nichtmal mehr stimmen, aber als Leser bin ich in diesem Moment schon etwas gelangweilt, weil ich den Eindruck habe das "große Geheimnis" schon zu kennen. Ich für meinen Geschmack bevorzuge es, wenn der Prolog erstmal in keinem (scheinbar) erkennbaren Zusammenhang zum Rest der Handlung steht. Die Andeutungen können sich da auf einen Nebensatz beschränken. Wenn dann nach 2/3 des Buches beim Leser der Groschen fällt, der Twist kommt und "plötzlich alles einen logischen Sinn ergibt" bin ich als Leser noch mehr gepackt als (hoffentlich) beim ersten Teil des Buches.

Ist natürlich alles leichter gesagt als getan und letztenendes kommt es auf die Story und den Geschmack an. Aber eine einzelne Kritik zu nehmen um zu sagen "Gut, streichen wir den Prolog" ist auch verkehrt. Du sollst ja deine eigene Geschichte schreiben und nicht nach Schema-F vorgehen.
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DasProjekt
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 12:19    Titel: Antworten mit Zitat

Eine echte Geschichte! Ich bin begeistert!

Und lass bitte den Prolog genau da, wo er ist. Den brauchst du. In diesem Falle brauchst du den, um deine Geschichte zu erzählen. Ich bin auch kein Freund von Prologen, und die meisten sind entbehrlich, aber es gibt Ausnahmen. Deins ist so eine.

Und ersetze "sie" bitte nicht durch "die Bewohner Prags". Das schafft sofort eine Distanz, die du so schnell nicht überbrücken kannst. Du sollst ja zeigen, nicht berichten. Mit "die Bewohner Prags" nimmst du deinem Leser sofort ein Rätsel. Er weiß gleich zuviel. Benenne "sie" gerne mit einem anderen, aber keinem konkreten Wort - "die Menschen", "die Menschenmenge", "die alten Frauen und die Kinder", "die Männer unter speckigen, breitkrempigen Hüten, die Frauen mit Marktkörben unter dem Arm" - aber um Himmels willen nicht den Ort, und um Himmels willen nicht "die Bewohner", das ist viel zu technisch. Und dass es sich um Prag handelt, kannst du anders einarbeiten - indem du irgendeine damals schon existente und heute noch bekannte Sehenswürdigkeit nach ein paar Absätzen einarbeitest.

Ich bin begeistert. Bei soviel Erzähltalent bin sogar ich, der Welt allergrößter Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehlerbemängeler, gewillt, über deine dahingehenden Ausrutscher hinwegzulesen. So völlig ohne das "Selbstbewusstsein des Künstlers", Kunst produzieren zu wollen, erzählst du einfach nur eine Geschichte. Hut ab. Das begegnet selten. Auch hier. Vor allem hier.

Wermutstropfen: Weiterlesen? Es ist leider so gar nicht mein Genre. (Ich habe selbst mal etwas ähnliches versucht, mit Sprüngen zwischen damals und heute, aber ich musste mich festlegen - das "Heute" liegt mir dabei nicht.) Würdest du bei der Historie bleiben, hättest du mich geködert. Aber die Aussicht auf einen DarkRomanceChickFlick (ich bin schon bei dem Weckruf-Musiktitel völlig überfordert) zieht mich leider nicht so wirklich an sich. Das tut mir leid, das finde ich persönlich wohl am "allerschadesten"!  Crying or Very sad


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25. Mai 2017 - Kim Henry "Be Mine Forever"
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Vinter
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 12:28    Titel: Antworten mit Zitat

DasProjekt hat Folgendes geschrieben:

Und ersetze "sie" bitte nicht durch "die Bewohner Prags". Das schafft sofort eine Distanz, die du so schnell nicht überbrücken kannst. Du sollst ja zeigen, nicht berichten. Mit "die Bewohner Prags" nimmst du deinem Leser sofort ein Rätsel. Er weiß gleich zuviel.


So unterschiedlich können Meinungen sein. Für mich klingt sowas immer zu sehr nach Nebelkerzen. Diese durchschaubare Undurchschaubarkeit ist für mich sehr abgenutzt. Vorallem, weil 2 oder 3 Sätze später ja auch deutlich wird, wer "Sie" sind.
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 12:34    Titel: Antworten mit Zitat

@projekt, ich würde mal gern einen Roman von dir lesen, mit Prolog, "Sie" am Anfang und in Gegenwartsform.
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Beka
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke mal ins Unreine:

1432 wird  in Prag ein begnadeter Musiker hingerichtet.
Ca 600 Jahre später hört eine junge Frau im Traum seine Musik.
Da sie mit Nachnamen Huss heißt, vermute ich mal, dass sie
in irgendeiner Beziehung zu ihm steht. Vielleicht eine Nachfahrin ?
Oder er sucht sie als Geist heim ?

In beiden Fällen finde ich den Prolog passend.
Sonst müsstest Du die Geschichte irgendwann "nachliefern."
"Vor 600 Jahren...." Ob das besser ist ?

Das 'Sie' am Anfang mag Klischee sein, aber "die Bewohner Prags" weckt bei mir die Vorstellung, dass alle Bewohner Prags sich dort versammeln.
Schaulustige sind es eigentlich auch nicht, die kommen ja, um sich an einer Hinrichtung zu ergötzen.
Diese Leute kommen, weil sie Trost in seiner Musik finden.
Ich kann mir bei der Beschreibung der Szene unter "Sie" schon genug vorstellen. Junge, Alte , Arme Reiche...
Vielleicht "Die Menschen waren gekommen, um ihn zu hören..."

LG
Beka

Edit : Bitte, bitte mach' mehr Absätze.
Ich kämpfe noch mit dem zweiten Teil Deines Textes,
weil ich wirklich Probleme habe,  so einen "Block" zu lesen.
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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 12:45    Titel: Re: Prolog und 1.Szene eines DarkRomance-Romans - Meinung? Antworten mit Zitat

Moin zwima!

zwima hat Folgendes geschrieben:
Sie waren gekommen, um ihn zu hören. Während sie warteten schickte der Herbst dicke Regentropfen vom wolkenzerfressenen Himmel.

Solange es gut gemacht ist und (s)einen Zweck erfüllt, sehe ich überhaupt kein Problem darin, Personen nicht gleich am Anfang beim Namen zu nennen. Es gibt viele Bücher, die zeigen, dass das keine Notwendigkeit ist, und ich glaube, bei den „Säulen der Erde“ war das auch so, oder? In diesem Fall jedoch dauert es zu lange, bis ich mich in der Szene zurechtfinde. Wer sind "sie"? "Sie" ist zu vage. Sprich von Menschen. Etwas Klarheit tritt erst dann ein, wenn du zumindest sagst, dass es sich bei der Person, auf die die Leute warten, um einen Gefangenen handelt. Bis dahin finde ich keinen Zugang und tappe ich im Dunkeln – und zwar nicht im positiven Sinne. Ich begann, das Interesse zu verlieren, obwohl dem Text eine nachfühlbare Atmosphäre nicht abzusprechen ist. Weitere Nadelstiche versetzen einige sprachliche Unschönheiten und Nachlässigkeiten, die das ansonsten vielversprechende Gesamtbild leider nachhaltig trüben:

zwima hat Folgendes geschrieben:
Stiefel und Schuhe der Wartenden hatten den Boden im Burggarten zu schlammigem Brei werden lassen.

„hatten werden lassen“ ist eine unschöne Formulierung. Ob der Brei schlammig sein muss, kann man auch überdenken (welche Beschaffenheit hat Brei sonst?). Ich würde den Satz so schreiben: „Die Stiefel und Schuhe der Wartenden hatte den Boden im Burggarten zu Schlamm zertreten.“ Wobei es einen Gedanken wert ist, sich zu überlegen, ob man hier wirklich den Plusquamperfekt benötigt, will sagen, ob man die Szene nicht lebhafter im Präteritum schildern könnte.

zwima hat Folgendes geschrieben:
Sie rückten aneinander, vereint in dem Wunsch dem Zauber seines Spiels erneut beizuwohnen.

Hier fehlt ein Komma hinter „Wunsch“.

zwima hat Folgendes geschrieben:
Seit zwei Monaten waren es täglich mehr geworden, die sich hier am Fuße des Turms versammelten, um auf die Klänge zu lauschen,

Auf Klänge lauschen? Der Klänge lauschen, würde ich sagen.

zwima hat Folgendes geschrieben:
Doch welche Macht auch immer ihm die Gabe seines Spiels geschenkt hatte, für sie alle war die Stunde der Morgendämmerung, in der er die Klänge seiner Geige durch die Mauern seines Verließ in die Welt schickte, zum Höhepunkt des Tages geworden.

1. „geschenkt haben mochte“ würde ich schreiben.

2. Beim Verließ hast du den Genitiv vergessen (seines Verließes).

zwima hat Folgendes geschrieben:
Mit blutigen Schwertern in der einen und dem Kreuz in der anderen Hand teilten die Ritter des Papstes das Land um die Böhmen vom Frevel der Reformmisten zu befreien.

Ein „m“ zuviel, und auch hier stimmt die Interpunktion nicht. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Diese orthografischen Patzer sind eigentlich Bagatellen. Aber verteilt auf diesen kurzen Text (ich spreche hier nur vom Prolog) hinterlassen sie doch einen faden Beigeschmack – als würde die letzte Sorgfalt fehlen.

zwima hat Folgendes geschrieben:
Auf Ketzerei stand der Tod, daran gab es keinen Zweifel.

Warum sollte es auch einen Zweifel daran geben?


Dann noch ein Gesamteindruck:

zwima hat Folgendes geschrieben:
Sie waren gekommen, um ihn zu hören. Während sie warteten schickte der Herbst dicke Regentropfen vom wolkenzerfressenen Himmel. Stiefel und Schuhe der Wartenden hatten den Boden im Burggarten zu schlammigem Brei werden lassen. Nässe kroch durch Kleider und Haut bis in die Knochen und ließ nicht wenige von ihnen zittern. Doch weder Regen noch Wind konnte sie vertreiben. Sie rückten aneinander, vereint in dem Wunsch dem Zauber seines Spiels erneut beizuwohnen. Seit zwei Monaten waren es täglich mehr geworden, die sich hier am Fuße des Turms versammelten, um auf die Klänge zu lauschen, die der Gefangene seiner Geige entlockte. Teufelswerk sagten die einen, ein Geschenk Gottes die anderen. Doch welche Macht auch immer ihm die Gabe seines Spiels geschenkt hatte, für sie alle war die Stunde der Morgendämmerung, in der er die Klänge seiner Geige durch die Mauern seines Verließ in die Welt schickte, zum Höhepunkt des Tages geworden. Seine Musik ließ sie erstarken und der Arbeit des kommenden Tages frohen Mutes entgegenblicken.
Wie ein Lauffeuer hatte sich die Kunde verbreitet, dass die Häscher der Krone ihn gefangen hatten. Mit blutigen Schwertern in der einen und dem Kreuz in der anderen Hand teilten die Ritter des Papstes das Land um die Böhmen vom Frevel der Reformmisten zu befreien. Er war einer von ihnen und es war nur eine Frage der Zeit, wann das Urteil der Mächtigen ihn für den Frevel seines Verrats büßen lassen würde. Auf Ketzerei stand der Tod, daran gab es keinen Zweifel. Kaum ein Tag verging, da nicht einer der Hussiten auf dem Scheiterhaufen den Weg in die Hölle antrat und die Rechtschaffenen daran erinnerte, was mit denen passierte, die sich gegen die Kirche stellten. Wann wäre der Tag gekommen, an dem das mahnende Feuer ihnen das Geschenk seines Spiels nehmen würde? Brave Christenmenschen waren sie allesamt und doch standen sie hier: Morgen für Morgen und flehten bei den Mächtigen um einen weiteren Tag, um ein weiteres Wunder.
Durch den Schleier des frühen Morgen kämpfte die Sonne sich an den Horizont, malte durch das graue Wolkendickicht funkelnde Streifen auf die Mauern des Turms. Atemlose Erwartung hing satt in der Luft. Gleich, gleich wäre es soweit und sein Spiel würde sie erneut verzaubern. Die Stadt zu ihren Füßen färbte sich Orange im Licht des anbrechenden Tages. Es hatte aufgehört zu regnen. Ein neuer Tag begann, doch seine Geige schwieg.
„Der Ketzer ist tot!“
Zuerst war es nur ein flüsterndes Gerücht.
„Der Ketzer ist tot!“
Raunen ergriff die wartende Menge.
„Der Ketzer ist tot!“
Entsetzen und Verlust lähmte die Wartenden. Diesmal war ihr Wunsch nicht erhört worden. Heute würde es kein Geigenspiel für sie geben. Tränen formten Bäche der Verzweiflung auf die Gesichter seiner Bewunderer.
„Der Ketzer ist tot!“
Sie hatten die Gabe seines Spiels verloren – für immer.

Der Anfang ist irritierend, weil es schwer ist, aufgrund der ganzen Verschleierungstaktik das Kopfkino anzuschmeißen. Weiterhin bleibt das Drumherum für mich zu vage. Es ist von einem Burggarten die Rede, später fallen die Sonnenstrahlen auf einen Turm. Zu diesem Burggarten fehlen mir ein paar beschreibende Worte: Wie soll die Umgebung auf den Leser wirken? Ein Satz, mehr ist dafür nicht erforderlich. Nur prägnant muss er sein, bildreich. Von dem fett markierten Teil habe ich irgendwie den Eindruck, dass er chronologisch geschickter platziert werden kann. Der Einschub dieser Passage reduziert das Tempo und lässt ein bisschen was von der Atmosphäre verdampfen. Der Schluss ist dann wieder richtig gut beschrieben. Der Leser wird mit einem dicken Fragezeichen zurückgelassen. Sauber!

Fazit: Meiner Meinung nach muss nur noch an der Feinjustierung gearbeitet werden. Mir fehlt die letzte Hingabe zum Text und vielleicht das Ablegen der Zurückhaltung. Etwas mehr Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kann nicht schaden, denn so gut der Prolog im Großen und Ganzen auch ist, habe ich den Eindruck, dass er noch selbstbewusster sein könnte. Dann würde ich auch weiterlesen. Zu den anderen Fragen sage ich lieber nichts. Ist nicht mein Genre.  Laughing

Beste Grüße,

Martin


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Das Leben geht weiter – das tut es immer.
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DasProjekt
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 12:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
@projekt, ich würde mal gern einen Roman von dir lesen, mit Prolog, "Sie" am Anfang und in Gegenwartsform.


Ralphie, es kommt immer auf die Stimmung an, die man erzeugen will, und nicht immer passt alles, was du dir wünschst, in einen Roman. Ich bezog mich auf DIESEN Text. Ich habe noch keinen Roman geschrieben, bei dem "sie" am Anfang gepasst hätte. Ich habe mehrere Prologe geschrieben, für das Manuskript, an dem ich gerade arbeite, ebenfalls wieder - in dem Prolog verwende ich aber von vornherein die Namen, weil ich nicht eine große Menschenmenge, sondern dreieinhalb Figuren im Prolog habe, deren Namen wichtig sind (die Namen der "Bewohner Prags" sind in hohem Maße unwichtig für zwimas Prolog).

Einen in Gegenwartsform geschriebenen Roman wirst du von mir niemals finden. Für mein Erzählverständnis ist das Präsenz die falsche Erzählform - man erzählt immer eine Begebenheit, die bereits stattfand, sei es gestern, sei es vor tausend Jahren. Wenn du einem Mann, dem du im Café begegnest, erzählst, was für ein Loser im Bus neben dir saß, tust du das auch in der Vergangenheit, nicht in der Gegenwart.
Es ist sicher jedem selbst überlassen. Für mich ist das Präsenz schlicht falsch zum Geschichtenerzählen. Und wenn das hundert andere Schreiber anders sehen, dann ändert das meine Meinung noch immer nicht. Und deswegen werde ich NIEMALS etwas im Präsenz schreiben. Mir rollen sich dabei die Fußnägel hoch.


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Beka
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 14:38    Titel: Antworten mit Zitat

Ich verstehe die Beziehung zu Norman nicht.
Ist er ihr Freund ( im Sinne "bester Freund") oder ihr Liebhaber?
Oder ist das so eine "Bella und Jacob" Geschichte ? ( sorry für den blöden Vergleich, was passenderes fällt mir jetzt nicht ein)

Jedenfalls finde ich diese Abschieds?mail merkwürdig:

Zitat:

„Liebes!
Hoffentlich bist du gut in Prag angekommen. Ich hab versucht, Dich zu erreichen, aber dein Handy war ausgeschaltet.
Süße, ich wünsche dir, dass du dort, wo du jetzt bist, jemand findest, der dich erwartet, wenn du nach Hause kommst. Ich kann das nicht mehr sein. Immer habe ich gewartet und immer war es umsonst. Ganz ohne darauf gewartet zu haben kam plötzlich Andrea. Ich wollte es dir sagen, aber nie konnte ich dich erreichen. Aber jetzt musst du es wissen, alles andere wäre nicht fair. Komm bald mal nach Hause.
Norman“


Passt nicht, wenn es ihr Liebhaber war. Jemanden den Laufpass geben klingt anders.
Passt aber auch nicht, wenn er ein Freund war. Was hindert ihn daran weiter mit ihr befreundet zu sein?


Liebes , Süße, ich habe jetzt eine neue Freundin. Komm bald mal nach Hause....
ohh

Ansonsten fühle ich mich auch ein wenig erschlagen von der Menge der Informationen im 1. Kapitel

LG Beka
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Hardy-Kern
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BeitragVerfasst am: 11.01.2011 15:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde nicht streiten über das Präsens oder Präteritum. Mir deucht, es wäre in der Vergangenheitsform geschrieben, der Prolog auf alle Fälle.
Ich sehe sowieso die Literaturschreibung ganz anders. Man müsste endlich von den eingefrorenen W's wegkommen. Neue Wege braucht die Feder und mir ist jede Abwechselung angenehm.

Mir ist es egal wie ein Roman beginnt, solange ich verstehe um was es geht und mich die Thematik anspricht.

@Ralph, mir scheint du wirst immer konventioneller. Vom Fortschrittlichen scheinst du dich leider zu entfernen. Lass doch auch mal ein Experiment zu, man wird doch sehen.

Mir scheint, der Prolog ist für den weiteren Verlauf der Geschichte äußerst wichtig. Wir sollten mal abwarten was so noch kommt.
Der Sprung von Jan Huss zur Neuzeit erscheint mir gewagt, aber nicht unmöglich. Jedenfalls, bis auf Kleinigkeiten, ein guter Stil, gefällt mir bisher.

Hardy
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