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IV. a) Antike Gedichtformen

 

 
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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 24.09.2009 21:16    Titel: IV. a) Antike Gedichtformen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Antike Gedichtformen

Sprechen wir von antiken Gedichtformen, so meinen wir in der Regel im alten Griechenland entstandene Formen. Wichtig sind für uns erstmal freilich nur die Gedichtformen, die auch in die deutsche Sprache Eingang gefunden haben. Allerdings ist dabei immer zu beachten, dass sich die deutsche Sprache vom Altgriechisch grundlegend unterscheidet. Unsere Sprache besteht aus Hebungen und Senkungen, d.h. aus betonten und unbetonten Silben. Im alten Griechenland gab es weder Hebung, noch Senkung. Die Sprache war viel eher aus langen und kurzen Vokalen aufgebaut. Daher lassen sich deutschsprachige Werke kaum vergleichen mit den Werken aus der Antike. Nichtsdestotrotz haben wir einige Gedichtformen aus der Antike in unser Sprachsystem übernommen. Allerdings haben wir sie stets unserer eigenen Sprache angepasst, dass bedeutet auch: verändert. Im Folgenden sollen die wichtigsten davon aufgeführt werden.



Die antiken Odenstrophen

Eine antike Ode hat nichts mit dem gemein, was wir heute gemeinhin unter einer Ode verstehen. Heute bezeichnen wir jedes feierliche Gedicht, indem ein Adressat (Person, Stadt, Fluss, …) angesprochen wird, bereits als Ode. Eine Ode im antiken Sinne ist ein einstrophiges, ungereimtes Gedicht, indem Hebungen und Senkungen (bzw. in der Antike lange und kurze Silben) ganz genau vorgegeben sind. Im Deutschen werden auch mehrstrohige, in Odenstrophen verfasste Gedicht als Ode bezeichnet. Es gibt verschiedene Typen davon. Die wichtigsten beiden, die nun auch kurz vorgestellt werden sollen, sind die alkäische Ode und die asklpiadeische Ode. Benannt sind die Oden im Übrigen nach deren Erfinder. Die berühmte griechische Dichterin Sapho ist für die so genannte saphische Ode verantwortlich.


Die alkäische Ode

Die alkäische Ode ist immer folgendermaßen aufgebaut:

v – v – v – v v – v –
v – v – v – v v – v –
v – v – v – v – v
– v v – v v – v – v

Sieht kompliziert aus. Ist es auch. Goethe hat (obwohl er über 3000 Gedichte verfasst hat) keine einzige antike Ode geschrieben. Dies zeugt von der Schwierigkeit dieser Disziplin. Im Deutschen sind vor allem Klopstock und Hölderlin bekannt für ihre Oden. Auch Martin Opitz sollte dabei nicht unerwähnt bleiben.
Als Beispiel einer alkäischen Ode:

Der kühne Reichstag Galliens dämmert schon;
Der Morgenschauer dringet den Wartenden
Durch Mark und Bein: o komm, du neue,
Labende, selbst nicht geträumte Sonne

(Quelle: Friedrich Gottlieb Klopstock. Aus: Deutsche Lyrik vom Barock bis zur Gegenwart. dtv Verlag. München 2007)



Die asklepiadeische Ode

Diese Ode besitzt im Gegensatz zu der Vorangegangenen zwei Zäsuren. Im ersten und im zweiten Vers:

– v – v v – / – v v – v –       
– v – v v – / – v v – v –       
– v – v v – v
– v – v v – v –

Beispiel:

Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht,
Auf die Fluhren verstreut; schöner ein froh Gesichte
Das den großen Gedanken
Deiner Schöpfung noch einmahl denkt.   

(Quelle: Friedrich Gottlieb Klopstock. Aus: Deutsche Lyrik vom Barock bis zur Gegenwart. dtv Verlag. München 2007)




Die Elegie

Eine Elegie ist ein in Distichen verfasstes Gedicht. Was ist ein Distichon? Ein Distichon ist ein Zweizeiler, der aus einem Hexameter und aus einem Pentameter besteht. Und was das ist, haben wir in einem der vorangegangenen Kapitel schon erfahren. Ein Distichon alleine wird oft zu einem Pentagramm, wobei mehrer Distichen eine Elegie bilden. Als zusätzliches Merkmal kommt häufig noch ein klagender Ton des ganzen hinzu. Auch wenn dies nicht zwingend ist. So waren Goethes „römische Elegien“ großteils sehr fröhliche Gedichte. In der Moderne wird diese Gedichtform allerdings kaum mehr verwendet, die letzten wirklich bekannten Elegien stammen aus der Feder Rilkes. (Im Übrigen ist folgender Anfang der ersten Elegie für mich das größte, was in dieser Gedichtform jemals hervorgebracht wurde)


Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.

(Quelle: Rainer Maria Rilke. Die Gedichte. Insel Verlag. Frankfurt am Main und Leipzig. 2006)




Die Hymne

Die Hymne geht zwar auf einen antiken Vorläufer zurück, allerdings hat sie im deutschen ihr verbindliches Formmodell verloren. Das bedeutet, metrisch ist das Aussehen einer Hymne heute nicht mehr festgelegt. Woran denken wir heute, wenn wir von einer Hymne sprechen? Wohl erst einmal an Goethes Prometheus oder an Ganymed. Was aber ist nun das Charakteristikum einer Hymne? Man spricht dabei gern vom hymnischen Grundton. Damit ist ein feierlicher, fast schon ekstatischer Ton gemeint, der sich vom feierlichen Ton der Ode hauptsächlich durch sein schnelleres Tempo unterscheidet. Der Text entspricht einer „aufgewühlten“ Stimmung, die sich in den Zeilen entlädt. Heute werden kaum mehr Hymnen geschrieben. Eines der wenigen Gegenbeispiele ist eine Hymne aus der Feder von Ingeborg Bachmann.
Ein Beispiel: der Anfang von Goethes Prometheus:


Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
[usw.]

(Quelle: Johann Wolfgang Goethe. Gedichte. Stuttgart 2008)


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Nihil
{ }

Moderator
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Beiträge: 7558



BeitragVerfasst am: 27.09.2010 14:13    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ihr die antiken Gedichtformen üben wollt, solltet ihr im Übungsbereich vorbeischauen. Dies ist eine Übung speziell für die Ode, aber natürlich könnt ihr auch andere Gedichtformen schreiben:

Lyrik -> Gedichtgattungen -> Die Ode
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