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(GED) Haltlos


 

 
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Autor Nachricht
SylviaB
Geschlecht:weiblichSchnupperhasi

Alter: 54
Beiträge: 6815
Wohnort: Köln
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BeitragVerfasst am: 08.09.2007 23:47    Titel: (GED) Haltlos eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Du hattest die Schulter zum anlehnen
sie bot mir Halt und Festigkeit
Sie war der Stier
der Wal
der tausendjährige Baum
mit Wurzeln so fest wie Stein

Unsere Liebe wurde stärker
meine Schulter bot dir Schutz
Sie war die Ruhe
die Insel
der warme Sommerregen
nach langer Dürre

Durch Lügen
kam Unruhe in die Ruhe
der Stier verlor seine Kraft
Die Insel versank langsam im Meer
der Wal verlor seine Orientierung
Der Sommerregen versiegte im Erdreich
unterspülte die Wurzel des Baumes

Fest miteinander verbunden verkümmern wir
Bieten keinen Halt und keinen Schutz
weil das Vertrauen fehlt
der Glaube erschüttert ist.
Suchend schauen wir uns um
finden

Trümmer
und losen
Sand




Vol.II

Du hattest die Schulter zum anlehnen
Sie war der Stier
der Wal
der tausendjährige Baum
mit Wurzeln so fest wie Stein

Unsere Liebe wurde stärker
meine Schulter war
die Ruhe
die Insel
der warme Sommerregen
nach langer Dürre

Durch Lügen
kam Unruhe in die Ruhe
der Stier verlor seine Kraft
Die Insel versank langsam im Meer
der Wal verlor seine Orientierung
Der Sommerregen versiegte im Erdreich
unterspülte die Wurzel des Baumes

Fest miteinander verbunden verkümmern wir
Bieten keinen Halt und keinen Schutz
weil das Vertrauen fehlt
der Glaube erschüttert ist.
Suchend schauen wir uns um
finden

Trümmer
und losen
Sand

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Brynhilda
Felix Aestheticus

Alter: 39
Beiträge: 9709
Wohnort: Oderint, dum probent.


Edgar Allan Poe (1809 bis 1849) - Zum 200. Geburtstag
BeitragVerfasst am: 09.09.2007 11:36    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Sylvia!

Das ist ein wundervolles Gedicht. Toll, wie du zwei Bilder einander gegenüber stellst. Der Anfang und das Ende - ein Bild und sein Negativ. Sehr gut, im zweiten Teil, dem Negativ-Teil, die Motive und Metaphern des ersten Teiles wieder aufzunehmen.
Das gibt dem Text Halt und Struktur.

Ich würde nur zwei winzige Veränderungen vornehmen, und zwar würde ich die Zeilen "sie bot mir Halt und Festigkeit" und "meine Schulter bot dir Schutz" ausstreichen. Zum einen, weil sie sehr allgemein gehaltene Formulierungen sind.
Und zum anderen deshalb, weil sie durch die folgenden Bilder jeweils erklärt und überflüssig gemacht werden.

Ansonsten ist das Gedicht wie eine schöne, traurige Erzählung. Schön ist auch, daß sich keine Bitternis in die Traurigkeit mischt. So rein ist das Bedauern über den Verlust.
Am Ende nur Trümmer und Sand, und irgendwie ist auch die Seele, wenn sie auch leidet, heil geblieben. Der Sand am Ende - man fällt weich, ohne sich zu verletzten.

Wunderbar.

Viele Grüße,
Ilka
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SylviaB
Geschlecht:weiblichSchnupperhasi

Alter: 54
Beiträge: 6815
Wohnort: Köln
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BeitragVerfasst am: 09.09.2007 14:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zunächst danke dass du dich meinem Text angenommen hast.
Mir ist gar nicht aufgefallen, dass ich mich "eigentlich" wiederholt habe.
Das nenne ich konstruktive Kritik. smile extra

Und wo du recht hast, hast du recht...
Wie schauts so aus?
------------------------------------------------

Du hattest die Schulter zum anlehnen
Sie war der Stier
der Wal
der tausendjährige Baum
mit Wurzeln so fest wie Stein

Unsere Liebe wurde stärker
meine Schulter war
die Ruhe
die Insel
der warme Sommerregen
nach langer Dürre

Durch Lügen
kam Unruhe in die Ruhe
der Stier verlor seine Kraft
Die Insel versank langsam im Meer
der Wal verlor seine Orientierung
Der Sommerregen versiegte im Erdreich
unterspülte die Wurzel des Baumes

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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 39
Beiträge: 20164

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 09.09.2007 14:42    Titel: Antworten mit Zitat

Klasse! Ich habe das Gedicht praktisch im freien Fall gelesen: Vom ersten Wort bis zum letzten, ohne zu stocken, ohne innezuhalten, ohne zu stoppen. Und jetzt, während ich meinen Kommentar schreibe, bin ich immer noch ganz berauscht.

Ein fabelhaftes Gedicht! Ausdrucksstark, wortgewaltig und mit einer herzlichen Traurigkeit, die man genießen muss. Ich behalte sie noch eine Weile bei mir, weil ich Spaß an ihr habe. Sie wärmt.

Beste Grüße,

Martin


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Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
(Sir Peter Ustinov)

Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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Egopus
Cholyriker

Alter: 56
Beiträge: 958
Wohnort: Duisburg


BeitragVerfasst am: 09.09.2007 19:48    Titel: Antworten mit Zitat

kein kommentar außer:

FANTASTISCH.


michael


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Brachial-Poet
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SylviaB
Geschlecht:weiblichSchnupperhasi

Alter: 54
Beiträge: 6815
Wohnort: Köln
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BeitragVerfasst am: 09.09.2007 20:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Embarassed
Danke! Das bedeutet mir sehr viel.
Ich weiß gar nicht was ich dazu schreiben soll.
Deshalb lasse ich es besser.

Lieben Gruß
Sylvia


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Chablis
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 63
Beiträge: 281
Wohnort: Leipzig


BeitragVerfasst am: 10.09.2007 09:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sylvia,
ich halte das Gedicht ebenfalls für vortrefflich gelungen. Ich störe mich allein an einer Winzigkeit:

Zitat:
Durch Lügen
kam Unruhe in die Ruhe


Unruhe in die Ruhe. Irgendetwas stört mich hier, ohne es genau bezeichnen zu können.

Chablis


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SylviaB
Geschlecht:weiblichSchnupperhasi

Alter: 54
Beiträge: 6815
Wohnort: Köln
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BeitragVerfasst am: 10.09.2007 11:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja, es ist die Verdoppelung. Unruhe - Ruhe
Ich habe es mit einem Synonym versucht aber es gefiel mir nicht.
Wenn du ein Synonym für Unruhe findest, das mir gefällt, ich bin für Vorschläge offen.

Es muß den gleichen fließend angenehmen u-Klang haben. Also keine (ich nenn sie immer spitze Artikel) a-e-i-ü-ö Worte. O ginge noch, wäre aber schon nicht mehr dieser angenehme Klang.

Es hat viel mit den Vokalen zu tun. *soifz*


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Seneca
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 54
Beiträge: 234



BeitragVerfasst am: 10.09.2007 11:48    Titel: Antworten mit Zitat

Wahrscheinlich ein blöder Vorschlag, aber wie wär es mit 'Unwucht'? Du weißt schon, wenn Räder nicht mehr ruhig laufen, sondern anfangen zu flattern.

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Nichts ist der Weisheit mehr verhaßt als übermäßiger Scharfsinn
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SylviaB
Geschlecht:weiblichSchnupperhasi

Alter: 54
Beiträge: 6815
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BeitragVerfasst am: 10.09.2007 11:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Seneca

Lieb von dir aber mal ehrlich ... Unwucht liest sich so nach ... wuchtbrummig. also riesig bärig groß breit... es liest sich auch nicht so ruhig - selbst wenn unruhig gemeint ist.  Embarassed

Ich finde (nach schon vorherigem ständigen ausprobieren und suchen) ganz ehrlich.. Unruhig paßt da am Besten hin.

Lieben Gruß
Sylvia


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