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IV. c) Romanische Gedichtformen

 

 
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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 14.10.2009 15:44    Titel: IV. c) Romanische Gedichtformen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Romanische Gedichtformen

Es gibt eine Vielzahl von romanischen Gedichtformen. Sie sind zu allermeist italienischen, spanischen oder französischen Ursprungs. Alle können in diesem Rahmen nicht aufgeführt werden, zumal nur einige Eingang in die deutsche Literatur gefunden haben. Das Sonett als das mit Abstand wichtigste der romanischen Gedichtformen wird in einem eigenen Kapitel behandelt.



Die Romanze

Die Romanze ist gleich nach dem Sonett die zweitwichtigste romanische Gedichtform im deutschen Sprachraum. Sie kommt ursprünglich aus Spanien. Im Deutschen hat vor allem Heinrich Heine sehr viel damit gearbeitet.
Ursprünglich besteht eine Romanze aus nicht strophisch gegliederten vierhebigen Trochäen. Dabei wird nicht mit Reim, sondern mit Assonanz gearbeitet (was eine Assonanz genau ist, lässt sich im Kapitel „der Reim“ nachlesen). Wird die Assonanz gekonnt eingesetzt, wirkt sie beinahe schon reimartig.
Der folgende Teil einer Romanze stammt aus der Feder des Romantikers Clemens Brentano. Er verwendet hier am Ende von Zeile zwei und vier statt einer Assonanz einen Endreim. In Zeile eins und drei handelt es sich aber um eine echte Assonanz.

Er, der die Partheien hetzet,
Um sie künstlicher zu schlichten,
Als wenn ich ein Bein verrenke,
Um es wieder einzurichten.


Von einer Romanzenstrophe spricht man im Deutschen im Übrigen bei einer vierzeiligen Strophe im Stile einer Romanze. D.h.: Vierhebige Trochäen und Assonanzen.

Folgendes Gedicht von Heinrich Heine wird auch als Romanze bezeichnet, auch wenn die Versenden sich nicht mehr wirklich als Assonanzen deuten lassen. Und weil es gar so schön ist, soll es hier mal vorgestellt werden:


Täglich ging die wunderschöne
Sultanstochter auf und nieder
Um die Abendzeit am Springbrunn,
Wo die weißen Wasser plätschern.
 
Täglich stand der junge Sklave
Um die Abendzeit am Springbrunn,
Wo die weißen Wasser plätschern;
Täglich ward er bleich und bleicher.
 
Eines Abends trat die Fürstin
Auf ihn zu mit raschen Worten:
»Deinen Namen will ich wissen,
Deine Heimat, deine Sippschaft!«
 
Und der Sklave sprach: »Ich heiße
Mohamet, ich bin aus Yemmen,
Und mein Stamm sind jene Asra,
Welche sterben, wenn sie lieben.«




Rondeau

Im Deutschen selten benutzt, darum nur ganz kurz: Im Anfangs- im Mittel- und im Schlussteil wird stets ein Merkmal wiederholt. Das Rondeau besteht daher meist aus drei Strophen. Es muss allerdings mit zwei Endreimen auskommen. Ich denke, auf ein Beispiel können wir hier verzichten. Wer möchte, kann sich ja informieren. Nah verwandt mit dem Rondeau sind im Übrigen Rondel und Triolett.



Die Glosse

Auf ein vierzeiliges Gedicht eines anderen Dichters wird Stellung genommen, indem die letzten Zeilen der vier Strophen jeweils den Zeilen des Vierzeilers entsprechen. Die erste Zeile des Vierzeilers ist also die letzte Zeile der ersten Strophe der Glosse. Die zweite Zeile des Vierzeilers ist die letzte Zeile der zweiten Strophe. Usw. Vor allem in der Romantik wurde versucht, die ursprünglich spanische Glosse in das Deutsche einzubürgern.



Die Sestine

Die Sestine ist ein Gedicht mit sieben Strophen, wobei davon die ersten sechs jeweils sechs Zeilen haben. Die siebte Strophe besitzt drei Zeilen. Dabei gibt es im gesamten Gedicht nur sechs Wörter, die an einem Zeilenende stehen können. Jeder davon kommt einmal in jeder der sechszeiligen Strophen vor. Das funktioniert dann so (jeder Buchstabe steht hier für ein Wort am Ende eines Verses):

Strophe 1: a b c d e f
Strophe 2: b c d e f a
Strophe 3: c d e f a b
Strophe 4: d e f a b c
Strophe 5: e f a b c d
Strophe 6: f a b c d e

In der siebten, dreizeiligen Strophe kommen drei beliebige der Wörter aus den obigen sechs wieder am Versende zum Einsatz. Die anderen drei müssen innerhalb der drei Verse auch enthalten sein. Die Verse sind im fünfhebigen Jambus verfasst. Die Sestine ist wahrscheinlich die am schwersten umzusetzende Gedichtform im deutschen Sprachraum.



Die Stanze

Die Stanze ist ein nicht strophisch gegliedertes Gedicht aus acht Zeilen. Bei den Versen wird dabei nicht auf Hebungen oder Senkungen geachtet, jeder Vers muss einfach nur elf Silben aufweisen. Trotzdem wird im Deutschen auch bei der Stanze meist mit fünhebigen Jamben gearbeitet, wobei die letzte Silbe eines jeden Verses unbetont ist (sonst käme man auf zehn, statt auf elf Silben) Das Reimschema ist das Folgende: abababcc.
Ein Beispiel ist die weltberühmte „Zueignung“ aus Goethes „Faust I“

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch’ ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl’ ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! Nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.




Wer sich weiter über romanische Gedichtformen informieren möchte kann sich gerne selbst über weitere Gedichtformen informieren: Z.B.: Ritornell, Madrigal, Kanzone, franz. Ballade, …


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