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LOONYS -Kapitel 2.2

 

 
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denLars
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Extrem Süßes!


LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 20.05.2007 08:33    Titel: LOONYS -Kapitel 2.2 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

2.2
Kay gelangte aus dem Dickicht und fand sich auf dem Gelände einer alten Fabrikanlage wieder, die bereits von der Natur zurückerobert wurde. Die Anlage bestand aus einem weitläufigen Hof, der von verrosteten Hallen und eingefallenen Werkstätten umgeben war. Efeu schlängelte sich um die roten Backsteinmauern, Schwalbennester klebten an den Dächern.
In der Mitte des Hofes war ein großer, durch Regenwasser entstandener Tümpel, dessen brackiges Wasser grün schimmerte.
Kay lief über den Hof auf eine der alten Fabrikruinen zu, denn er hoffte, dass er sich dort verstecken könnte. Hinter sich hörte er, wie die Skinheads aus den Büschen stoben, wütend und fluchend, zur Gewalt bereit.
Kay bot all seine Kräfte auf, nur damit ihn seine Beine schneller zur rettenden Ruine trugen. Sein Puls raste, immer wieder stolperte er kurz, da die Angst ihm die Beine erzittern ließ.
Es waren nur noch wenige Meter, bis er den Eingang zu der großen Ruine erreichen würde. Kay würde es schaffen, nun konnte ihm nichts mehr passieren, die Nazis waren zu weit entfernt.
Plötzlich durchzuckte ein lauter, hallender Schuss die unaufhörliche Monotonie des plätschernden Regens. Ein furchtbarer Schmerz durchzuckte Kay's Schulter,laut schrie er auf und fiel wimmernd zu Boden.
Der Schmerz weitete sich wie eine Woge in seinem Körper aus, stöhnend und röchelnd lag er auf dem matschigen Boden.
Fühlte sich so der Tod an? Hatten die Skinheads tatsächlich eine Pistole bei sich gehabt? Diese Fragen schossen Kay durch den Kopf, als er noch immer versuchte, auf dem Boden weiter auf die Ruine zuzukriechen. Er wollte ihnen nicht in die Hände fallen, ihnen nicht ausgeliefert sein.
Doch die Nazis hatten ihn bereits erreicht.
Zwei hievten ihn auf die Beine, während der dritte Skinhead, ein beleibter, grobschlächtiger Kerl mit einer unsauber genähten Narbe auf der Stirn, eine Schreckschusspistole wegsteckte. Der Schuss auf Kay's Schulter war also nicht tödlich, aber umso schmerzhafter.
Der Dicke sah Kay in die Augen, der von den beiden Anderen festgehalten wurde.
"Wieso treibt sich ein Kanacke wie du hier herum?",fragte das fette Narbengesicht. Kay antwortete nicht, es war sonst nicht seine Art und seine Stimmbänder schienen wie festgekleistert.
Das Narbengesicht deutete auf eine frische Wunde an seiner Hand, die wahrscheinlich von einem Dorn im Gebüsch herrührte.
"Ihr scheiß Ausländer kommt hierher, seit zu nichts zu gebrauchen und lasst uns auch noch durch die Büsche jagen!",rief der Fette wütend und spuckte Kay ins Gesicht.
Kay fühlte sich furchtbarer als je zuvor in seinem Leben. Ekel, Hass und Schmerz hielten seinen Körper gefangen, verzweifelt versuchte er sich aus dem Griff der Nazis zu wenden, die ihn darauf nur umso fester packten.
Das Narbengesicht blickte zu dem dreckigen Tümpel in der Mitte des Hofes.
"Kommt, Jungs!", rief er und lief auf den See zu, "Mal sehen ob unser Kanacken-Freund genau so gut tauchen, wie rennen kann!"
Die beiden Nazis zerrten Kay zu dem Tümpel, während der Fette Kay's Rucksack nahm.
Kay's Peiniger zwangen ihn vor dem Teich in die Knie, einer von ihnen packte ihm in den Nacken.
Kay's Kehle schnürte sich ihm zu, ein heißkalter Knoten der Panik verkrampfte sich schlagartig in seiner Bruste, würgender Brechreiz schlängelte sich seinen Rachen hinauf.
"Lasst ihn tauchen!",befahl der Fette und öffnete den Nike-Rucksack von Kay.
Der Nazi, der Kay im Nacken gepackt hatte, drückte Kay's Kopf nach unten, sodass dieser in das brackige, grüne Wasser des Tümpels gedrückt wurde.
Kay's Gesicht durchbrach die Wasseroberfläche, kaltes, bitter-schmeckendes Wasser drang in seine Nase und Mund, die Luft wurde ihm geraubt, krampfhafte Zuckungen der Panik und des Sauerstoffverlustes durchschüttelten Kay's Körper.
Ein komisches Gefühl breitete sich in Kay's Körper aus.
Ihm war plötzlich alles egal; ihm war egal, ob er hier, in diesem dreckigen See ertrinken würde. Ihm war egal, was aus dieser Welt wurde. Was hatte sie ihm schon gegeben? Liebe kannte er nur aus Filmen, ebenso wie Reichtum und Fröhlichkeit.
Wenn man Kay später, nach den Ereignissen dieser Geschichte, fragte, was er hier fühlte, als er am ersticken war, ohne Hoffnung und Ausweg, so würde er sagen, dass ihm seine Zukunft gezeigt wurde.
Bei manchen Menschen, die kurz vor dem Tod stehen, läuft vor dem inneren Auge ein Film ab, der die Stationen ihres Lebens zeigte.
Doch bei Kay zeigten sie nicht seine Vergangenheit, sondern sie schienen die Zukunft zu zeigen.
Er sah kurz zwei rehbraune Augen, ein sanftes Lächeln, eine rote Lockenflut. Er sah einen alten Greis, der alleine in seiner Wohnung saß. Er sah eine riesige Menschenmenge auf dem Potsdamer Platz, fast wie beim Public Viewing der WM. Und diese Menge schien ihm, Kay, zuzujubeln und zu applaudieren.
Als er diese Bilder sah, umspülte eine gewaltige Welle des Überlebenswillens Kay's Körper.
Er bäumte sich plötzlich gegen die Nazis auf, sein Körper spannte sich an und mit den überraschenden Kräften eines erwachsenen Mannes wand er sich aus den Händen der beiden Faschisten und er konnte endlich den Kopf aus dem Wasser heben, sodass er tief die regenfeuchte Luft einatmete.
Im Inneren von Kay's Kopf dröhnte und hämmerte es, der Schmerz in seiner Schulter pulsierte. Einer der Nazis stürzte sich auf ihn, doch Kay wich ihm geschickt aus, sodass dieser an ihm vorbeirannte und in den Tümpel stürzte.
Währenddessen hatte das fette Narbengesicht Kay's Rucksack geöffnet und steckte seine Wurstfinger hinein. Plötzlich schrie der Fette auf und zog seine Hand aus dem Rucksack, an der Orpheus hing, die Zähne in den Handrücken vergraben.
"Verdammt! Dieses Mistvieh!",schrie das Narbengesicht wütend.
Das Frettchen löste seine spitzen Zähne aus seiner Hand, krabbelte flink den Arm des dicken Nazis hinauf und kratzte ihm über die Wange.
Der Dicke schrie auf und schlug nach Orpheus, doch das Frettchen war viel zu flink für ihn und kletterte geschwind seinen Körper hinab.
Aufgebracht trat der Nazi nach dem Tier, doch Orpheus wich geschickt seinen Tritten aus und trippelte fiepsend zu Kay, der ihm eine Hand hin hielt, auf die es bereitwillig kletterte.
"Schnell weg hier!",sagte Kay zu Orpheus und lief unter schlimmen Schmerzen davon, das Fabrikgelände verlassend.
"Dich schnapp ich mir!",schnaufte das fette Narbengesicht und nahm abermals die Verfolgung auf, die diesmal tiefer in die Stadt führen sollte, in die Straßenlabyrinthe Neuköllns, dem ärmsten Stadtteil Berlins.



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