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LOONYS -Kapitel 2.1

 

 
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denLars
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Extrem Süßes!


LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 20.05.2007 08:32    Titel: LOONYS -Kapitel 2.1 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Unsere Welt, Berlin
2. Kay wird von Nazis überrascht, muss fliehen und begegnet Garnett, dem Meisterdieb


2.1
Manche Menschen leben, um ihrem Lebens einen Sinn zu geben, andere jedoch sitzen nur ihre Zeit auf der Erde ab, auf den Tod wartend und nichtstuend.
Kay lebte, um Theater zu spielen.
Dies wurde ihm erst spät bewusst, doch es wurde ihm früher bewusst als den anderen Menschen, die meist erst auf dem Totenbett den Sinn in ihrem Leben erkannten, wenn es da überhaupt einen gab.
An dem regnerischen, wolkenverhangenen Tag, an dem das begann, was sein Leben verändern sollte, wusste er jedoch noch nicht, dass er je Theater spielen würde.
Kay saß auf einer niedrigen, von Moos überwucherten Mauer, die zu einigen Ruinen gehörte, die sich auf dem alten Gleisgelände, südlich von Berlin-Neukölln, wie Mahnmäler in den Himmel reckten.
Erste Regentropfen plätscherten von den dunklen Wolkenbergen hinab, wie Warnungen an all die Menschen dort unten, sich vor einem drohenden Gewitter in ihren Häusern zu verstecken.
Doch Kay hatte kein Zuhause, in das er fliehen konnte, um dem Wolkenbruch zu entgehen.
Er könnte zu seiner Mutter gehen, die mit den zwei kleinen Schwestern in einem Plattenbau am alten Bahnhof lebte, doch seine arbeitslose Mutter würde sich nur über ein weiteres Maul, das sie stopfen müsste, ärgern und seine Schwestern würden ihn mit ihrer Hektik in den Wahnsinn treiben.
Bei dem Gedanken, zu seinem Vater zu gehen, huschte ein sarkastisches, düsteres Lächeln über seine Lippen. Lieber würde er zu seiner Mutter gehen, als mit seinem trinkenden, agressiven Vater unter einem Dach zu sein.
Er blieb lieber noch etwas hier, an den alten Gleisen, auf denen Efeu und Gräser neu gediehen und blauer Hyazinth und gelber Löwenzahn im Kies wuchsen.
Kay liebte diese unbeschreibliche Stille, so weit jenseits allen Alltags.
Keine nervigen Schwestern, kein grummelnder Vater und keine quengelnde, jammernde Mutter.
Nur die Natur, er und die Stille, die vom Plätschern des Regens und dem fernen Rauschen von Zügen unterbrochen wurde.
Kay war ein ruhiger Junge, fast schon verschlossen, und stets in sich gekehrt.
Meist sprach er nur in abgehackten Sätzen oder gab Laute des Verneines oder Bejahens von sich, um sich seiner Umwelt mitzuteilen.
Kay öffnete seinen schwarzen, abgenutzten Nike-Rucksack, den er neben sich auf die Mauer gestellt hatte und holte eine kleine Flasche Cola daraus hervor.
Während er den Verschluss aufdrehte, huschte ein schlankes, schwarz-weißes Frettchen aus dem Rucksack, trippelte über die Mauer auf ihn zu und kratzte verlangend mit den Krallen an Kay's Oberschenkel.
Kay nippte an seiner Coke und blickte lächelnd zu Orpheus, seinem besten Freund und ständigen Begleiter, hinab, dem im selben Moment ein dicker Regentropfen mitten auf die Nase platschte, worauf das Frettchen empört in den grauen Himmel blickte.
"Mistwetter,oder Orpheus?!",meinte Kay mit sanfter Stimme und holte eine kleine Tüte, gefüllt mit Vollkornkeksen aus seiner Hosentasche.
Das Frettchen sprang auf seinen Oberschenkel und schnupperte gierig an der Tüte.
"Du kriegst ja etwas, mein Guter!",lachte Kay und reichte Orpheus einen Keks, den dieser zwischen die Vorderpfoten nahm und herzhaft zubiss.
In der Schule wurde er oft wegen seines ungewöhnlichen Begleiters ausgelacht, doch dies hinderte Kay nicht daran, Orpheus immer bei sich zu haben.
Vor etwa fünf Jahren, damals musste er neun gewesen sein, hatte Kay das Freddchen mitten im Winter an einer Autobahn gefunden, als er mit seinen Eltern dort entlanggefahren war.
Damals, als die Welt noch in Ordnung war. Damals, als sie sich noch nicht geschieden hatten.
Orpheus war wohl ein niedliches, unüberlegtes Weihnachtgeschenk an irgendeine Göre gewesen, der das Tier wohl nicht gefallen hatte und es kurzerhand mit einem Halsband an der Leitplanke einer Autobahn befestigt hatte, wahrscheinlich geradewegs auf den Weg zum Winterurlaub, bei dem man das Tier nicht dabei haben wollte.
Zitternd und mit verängstigten Augen hatte sich Orpheus in Kay's Schoß geschmiegt, als dieser ihn aus der eisigen Kälte geholt hatte, und so Kay's Herz im Sturm erobert.
Der leichte Schauer entwickelte sich langsam in einen hochsommerlichen Wolkenbruch und durchnässte Kay's Jacke sowie das Fell von Orpeus.
"Komm, Orpheus! Wir suchen uns einen trockenen Ort!",sagte Kay während er das Frettchen hochhob und in den Rucksack steckte.
Kay wollte gerade die Colaflasche mit einem letzten Schluck leeren, als er hinter sich gedämpfte Stimmen und knirschende Schritte im Schotter vernahm.
Er schwang sich den Nike-Rucksack auf die Schultern und blickte hinter sich, um zu erkennen, wer sich dort näherte.
Die drei Gestalten, die das Bahngleis entlang auf ihn zuliefen, waren durch die grauen Regenvorhänge nur schwer zu erkennen.
Kay sprang von der Mauer und lief gemessenen Schrittes in entgegengesetzte Richtung davon.
Die Drei waren ihm nicht geheuer, denn wer lief schon bei diesem Wetter an den alten Gleisen entlang, von ihm einmal abgesehen?
"Hey, du!",ertönte eine rauhe, tiefe Stimme hinter Kay, der so tat, als hätte er sie nicht gehört und unbeirrt weiterlief.
Er warf einen flüchtigen Blick über seine Schulter und erschrak, denn die Gestalten hatten sich ihm bis auf wenige Meter genähert, wodurch er sie nun auch besser erkennen konnte.
Sie hatten allesamt Glatzen, trugen weite, schwarze Jacken und schwarze Fallschirmspringer-Stiefel. Es waren Skinheads.
Kay senkte seinen Blick, damit sein leicht dunkelhäutgies Gesicht mit den geschwungenen schwarzen Augenbrauen und den rabenschwarzen, lockigen Haaren nicht seine bosnische Herkunft verrat, die von seiner Mutter herrührte, die aus Sarajewo stammte.
"Bleib doch mal stehen, Junge!",rief wieder einer der Skinheads.
Kay dachte nicht einmal daran, sondern begann von den Gleisen zu rennen, um sich in die weitläufige, dichte Fauna zu schlagen, die sich um die alten Gleisanlagen erstreckte.
Die Schritte hinter ihm wurden ebenfalls schneller, die Skinheads begannen  auch zu rennen.
Kay duckte sich unter den Zweigen eines Holunderstrauches hinweg und bahnte sich einen Weg durch das dornige Gestrüpp, das seine Jacke zerriss und sich in seine Haut bohrte.
Die Skinheads folgten ihm weiterhin, immer wieder ertönte kurzes Fluchen, wenn sich einer der Drei an einem Strauch geschnitten hatte oder über eine Wurzel stolperte.



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