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LOONYS -Kapitel 1.2

 

 
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denLars
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Beiträge: 611
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Extrem Süßes!


LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 02.05.2007 11:56    Titel: LOONYS -Kapitel 1.2 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

1.2
Zwei 14-jährige Jungen, die redend über den Sandkasten in einer Ecke des Hofes streiften und dabei den dreckigen, von Zigarettenkippen übersähten Sand aufwirbelten, stachen aus dieser nach Coolness süchtigen Menge heraus.
Einer von ihnen hatte geschmeidiges, schwarzes Haar, das so lang war, das er es mit einem Pferdeschwanz bändigen musste. Er trug ein oranges T-Shirt, das sich im warmen Wind des Sommers aufbauschte und eine abgetragene Blue-Jeans. Sein Teint war zwar nicht besonders braun, allerdings war er auch nicht so blass, als dass man ihn für einen Computer-Freak oder eine Leseratte hätte halten können, der den ganzen Tag vor dem PC oder irgendeinem Buch sitzt.
Er bückte sich und hob ein einzelnes, winziges Sandkorn auf. Eines zwischen Milliarden anderen. Und doch war es anders als die anderen. Sie alle waren verschieden, sie alle. Keines glich dem anderen.
"Hey, Adrian! Guck mal!", sagte er zu dem anderen Jungen.
Der Andere, der auf den Namen Adrian hörte, wendete sich um. Durch seine Glatze, sein ausgemergeltes, blasses Gesicht, das graue, durchgeschwitzte T-Shirt und seine von den großen, schwarzen Pupillen dominierten Augen wirkte er wie ein Gespenst, das sich in die Welt der Lebenden verirrt hatte.
"Was gibt's, Flo?", seine schwarzen Augen musterten den anderen Jungen mit den langen schwarzen Haaren und dem orangenen T-Shirt. Seine Stimme war monoton und von einem traurigen, unendlich traurigen Ton untermalt.
Flo konnte seinen Freund Adrian nur zu gut verstehen. Der Junge musste in seinem kurzen Leben schon so viel Leid spüren, wie manche es in ihrem ganzen Leben nicht ertragen mussten.
Früh erkrankte Adrian an Krebs, allerdings wusste man seit zwei Monaten nun, dass er die Metastasen, die sich in seinem Darm ausgebreitet hatten, besiegt hatte. Doch in der langen Zeit, in der Adrian von seiner Krankheit ans Bett gefesselt worden war, hatte er oft genug mit dem Tod gerungen und hatte einen langen, bergigen Weg hinter sich, auf dem sich Hoffnung, Verzweiflung und Todesangst ständig die Hand gereicht hatten.
Flo, oder auch Florian, der ihn stets auf seiner Gratwanderung zwischen Leben und Tod begleitet hatte, musste feststellen, dass Adrians Charakter sich in der Zeit der Krankheit stark verändert hatte. Bevor er Krebs hatte, war er lebensfroh, lustig und von Freunden umgeben gewesen. Ein normaler Junge, der gern Fußball spielte und Computerspiele zockte.
Aber während der Krankheit war er immer nachdenklicher und schweigsamer geworden, stellte Fragen über das Leben nach den Tod und über das Universum. Die anderen mieden ihn, so als ob Krebs eine ansteckende Krankheit wäre. Nur Florian war ihm geblieben.
Florian zeigte ihm das Sandkorn, worauf ihn Adrian verwirrt musterte. "Und? Das ist ein normales Sandkorn, oder?"
"Nicht ganz, Adrian, nicht ganz! ", erwiderte Florian, der sich schon immer für die Natur, das Universum und ihre Beschaffenheit interessiert hatte und gerne einmal Naturforscher werden würde, "Ich hab letztens etwas interessantes gelesen...", er rieb das Sandkorn zwischen zwei Fingern; er hatte keine Ahnung, wie sie bei ihrem Gespräch auf dieses Thema gekommen waren.
"Stell dir einmal vor, dass der Sand dieses Sandkastens, den wir durchquert haben, und stelle dir eine Billionen Universen vor -nicht Welten, Universen- , die sich in jedem einzelnen Sandkorn in diesem Sandkasten befinden. In jedem einzelnen, genau wie in dem, das ich in Händen halte, und in jedem Universum eine Unendlichkeit anderer Universen. Eine Kette, die nie vervollständigt wird.
 Jetzt stell dir vor, dass unsere eigene Welt auch nur in einer kleinen Galaxis in einem riesigen Universum liegt, das wiederum eines von weiteren Milliarden Universen in einem winzigen Sandkorn einer viel größeren Welt ist..."
"Warte....Jetzt bin ich verwirrt!", Adrian lächelte schwach. Aber immerhin, er lächelte. Und das zum ersten Mal seit vielen, ungezählten und tristen Tagen.
"Wieso erzählst du mir so was, du kleines Genie!", sagte Adrian zum Klassenbesten Florian, der darauf mit den Schultern zuckte.
"Ich wollte einfach mal, dass du auf andere Gedanken kommst. Außerdem schwirrt der ganze Quatsch schon seit Tagen in meinem Hirn rum und irgendwann muss so etwas einfach raus. So wie eine Teekanne. Wenn der Tee heiß ist, pfeift es und er muss raus. In etwa so ist es auch mit meinen Gedanken!"
"Na, auf andere Gedanken hast du mich immerhin gebracht!", Adrian lachte. Flo konnte es kaum glauben. Tatsächlich, sein Freund lachte. Seine Mundwinkel waren in die Höhe gerissen, sein Mund geöffnet, er hatte die Hände in die Seiten gestemmt und die tränenden Augen geschlossen.
In diesem Moment durchschoss Flo ein warmes, angenehmes Gefühl und plötzlich drängte sich ihm ein unangenehmer Gedanke auf, der ihn wie ein Pfeil durchbohrte. Das, was er gegenüber Adrian empfand, war mehr als Freundschaft. Es war Liebe, es konnte nur Liebe sein.
Florian war von seinen eigenen Gedanken peinlich berührt und erschrocken. Schnell verdrängte er sie, schob sie in irgendeine dunkle Kammer im hintersten, verwinkelsten Teil seines Gehirns. Doch sie waren imer noch da und Flo wusste, dass sie immer dort bleiben würden. In der Dunkelheit seiner Träume und Gedanken, Dämonen gleich,...Engeln gleich.
Sie hatten den Sandkasten verlassen und schlenderten nun über den eigentlich weitläufigen Schulhof, der durch die vielen Menschen, die über ihn streiften, auf Florian trotzdem eng und klaustrophobisch wirkte.
In der Mitte des Hofes war die von Vogelkot und Kaugummis verunstaltete Statue des ersten Schuldirektors, von hohen, wunderbar grünen Eichen umgeben, deren Blätter sanft im Wind raschelten. Florian schloss kurz die Augen und genoss den sommerlichen Wind, der warm und angenehm auf seinen nackten Unterarmen prickelte und durch seine Haare streifte. Sein Gehör vergaß für einige Momente das Geschrei der anderen Schüler und das nahe Rauschen der Straßen und ließ nur noch das Rascheln der Eichen und den Gesang der auf ihnen sitzenden Vögel an sein Gehirn dringen. Und diese sanfte Sinfonie, die ihm die Natur für so wenige Sekunden schenkte, war so viel schöner als alle 50Cent's, Beethoven's und Grönemeyer's dieser Welt. Sie war vollendet, so vollendet wie die Natur selbst. Man brauchte nur die Augen zu schließen und schon hörte man sie. Doch seine Mitschüler schienen vergessen zu haben, sie zu hören.
Florian liebte die Natur, schon seit er ein Kind gewesen war. Seine Eltern besaßen ein Haus weit abseits Hamburgs. Es lag direkt an einem wunderschönen See, der von Trauerweiden umgeben war, die im Sommer blühten und im Winter mit ihren Ästen die Oberfläche des Sees berührten. Dort hatte er gespielt, Mücken gefangen und Libellen bewundert. Und wie viele Sommerstunden hatte er damit verbracht, einfach nur im warmen Ufersand zu liegen und der Sinfonie der Natur zu lauschen.
Er wollte Naturforscher werden. Dies war sein Traum, dies war sein Ziel - , und manchmal glaubte er sogar, dies sei seine Bestimmung.
Die Schulglocke ertönte und beendet gleichsam die Pause und Florians kurze Gedankenversunkenheit.
"Komm schon!", Adrian zog ihn am Oberarm mit sich, "Nur noch eine Stunde Mathe, dann können wir endlich nach Hause!"
Und nun, nun ließen sich der krebskranke Philosoph und der leicht homosexuelle Naturforscher also doch von dem Strom aus mit Gangsterklamotten verkleideten Kindern mitreißen und drängten zusammen mit ihnen ins Schulgebäude.



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