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Kapitel 12 - Die Gilde innos


 

 
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kydu
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Der Fluch Von Arabien
BeitragVerfasst am: 05.12.2008 23:42    Titel: Kapitel 12 - Die Gilde innos eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Da die fremden Männer aber in der Überzahl waren, ich schätzte ihre Zahl vielleicht auf sieben bis acht, lachten sie nur über Golsirs Drohung. Dieser sah mich an, half mir auf und erkundigte sich, ob ich verletzt wäre.
„Danke“, antwortete ich ihm, „es geht mir gut.“ Aber angesichts der Krieger der Gilde Innos, die uns mittlerweile vollständig eingekreist hatten, befürchtete ich, dass das wohl nicht lange so bleiben würde.
Nachdem ich wieder sicher auf meinen Beinen stand, wandte sich Golsir wieder den Angreifern zu. „Wir sind nur auf der Durchreise und ich will keinen Ärger mit euch. Das Gastrecht gebietet euch, uns unbehelligt weiterziehen zu lassen!“  
„Du kannst gehen, du interessierst uns nicht“, grölte ein großer Kerl, der offensichtlich ihr Anführer war, „aber das Weib wirst du schön hier lassen. Mit der wollen wir nämlich noch unseren Spaß haben.“ Die Männer lachten so dreckig, dass ich noch größere Angst bekam und mich hinter Golsir versteckte. Dieser schien aber, wie immer wenn Gefahr drohte, ziemlich gelassen zu bleiben, denn er grinste und rief dem Anführer zu. „Wenn du sie haben willst, dann komm und hol sie dir!“
„Wie du willst!“ schrie der Anführer zurück und befahl seinen Männern, Golsir zu töten. Diese zogen sofort alle ihre Schwerter und stürmten auf uns zu. Golsir schubste mich leicht zur Seite, um mich so aus dem Kampfgetümmel rauszuhalten. Ich stolperte zu Boden und musste hilflos mit ansehen, was nun passieren würde.
Es waren sechs kräftige Männer, die alle gleichzeitig auf ihn losgingen. Doch anscheinend wussten sie nicht, mit welch großem Kämpfer sie sich gerade angelegt hatten. Mit den ersten beiden Angreifern machte Golsir auch kein langes Federlesen und schlug ihnen beiden mit nur einem Schwerthieb die Köpfe ab. Es entwickelte sich ein harter Kampf in dem mein Beschützer noch einen weiteren Gildenkrieger tötete und einen anderen schwer verwundete. Als der Anführer realisierte, dass seine Männer hilflos unterlegen waren, umging er seitlich das Kampfgeschehen, packte mich, hielt mir seinen Dolch an die Kehle und schrie in Golsirs Richtung: „Wirf dein Schwert weg Fremder, sonst schlitze ich ihr den Hals auf!“
Golsir stockte der Atem, als er diese feige Tat sah und an seinen dick geschwollenen  Adern konnte man erkennen, wie wütend er darüber war. „Wenn du sie auch nur anrührst, bringe ich dich um.“
„Nein, das sehe ich etwas anders“, antwortete der Anführer der Innos mit einem fiesen Grinsen im Gesicht, „denn wenn du nicht sofort deine Waffe vor dir auf den Boden legst, dann schneide ich deiner Kleinen ein hübsches Muster ins Gesicht.“
“Wir ja nicht dein Schwert weg!“ schrie ich Golsir zu, denn ich wusste, dass wir verloren waren, wenn wir uns den Innos völlig schutzlos ausgelieferten.
Einer der Männer, der noch am Leben war, beobachtete die Szene ziemlich amüsiert und lachte: „He Pess, komm schon, jetzt quäl den armen Jungen nicht so. Du siehst doch, wie er leidet.“
Pess fuchtelte mit seinem Messer wild vor meinen Augen herum, lachte dabei ebenfalls und stöhnte mir in einem widerlichen Ton ins Ohr: „Du hältst gefälligst den Mund meine Schöne, denn mit dem habe ich gleich etwas ganz Anderes vor …“
Golsir wurde durch diese Frechheiten immer grimmiger, aber da er keinen anderen Ausweg wusste, legte er schließlich doch sein Schwert langsam zu Boden. Einer der Feinde schlug ihm daraufhin so fest auf den Hinterkopf, dass er auf die Knie fiel.
Ich konnte das nicht mit ansehen und schrie: „Nein! Golsir … nein!“
Zwei Männer packten Golsir von hinten, stellten ihn wieder auf die Beine und hielten ihn fest.
„Jetzt werde ich euch mal zeigen, wie man richtig zuschlägt.“, grölte Pess, ließ mich los und stieß mich gegen eine Felswand. In dem Moment, als Pess auf Golsir losgehen wollte, befreite sich dieser aus der Umklammerung und schlug einen der Angreifer zu Boden. Doch ohne sein Schwert war Golsir gegen die Übermacht verloren, denn schon Sekunden später, richtete ihm ein anderer Krieger der Gilde seine Waffe auf die Brust, so dass Golsir sich erneut geschlagen geben musste.
Pess war sehr zufrieden mit seinen Leuten, lachte dreckig und kam zu mir zurück. „Na mein Vögelchen, jetzt kriegst du, was du brauchst“, und faste mir dabei ziemlich grob an die Brust.
„Hey Pess!“ protestierte einer seiner Kameraden, „du willst doch nicht etwa ohne uns anfangen.“
Der hauchte mir seinen widerlichen Atem ins Gesicht und machte sich mittlerweile mit seinen dreckigen Pfoten an meinem Po zu schaffen. „Sehe ich etwa so aus? Kommt her Jungs und bedient euch!“
Ich hatte mehr oder weniger schon mit meinem Leben abgeschlossen, denn ich würde es nicht überleben, wenn diese Schweine mich vergewaltigen würden. Doch plötzlich, als ich schon nicht mehr an eine Rettung glaubte, vernahm ich die Stimme eines Soldaten, der wohl eben erst zu uns gestoßen war. „Pess, Pess, du alte Sau. Wo hast du denn die Kleine wieder her?“
Pess war über diese Unterbrechung sichtlich wütend. „Was willst du! Siehst du denn nicht, dass ich beschäftigt bin?“
„Tja, da muss ich dich enttäuschen. Du sollst sofort mitkommen, Avered will dich sehen.“
Pess fluchte mit derart primitiven Worten, dass ich sie an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte. Dann sah er mich an und raunte mir ins Ohr: „Du hast großes Glück. Aber freu dich nicht zu früh, denn heute Abend stört uns niemand mehr und dann machen wir da weiter, wo wir gerade aufgehört haben.“
Die Männer fesselten Golsir und schleppten uns weiter in die Höhle hinein. Auf dem Weg zu König Avered gelang es Golsir zu fragen, wie es mir gehen würde. Ich nickte ihm zu. Obwohl ich natürlich Todesangst hatte, versuchte ich mir diese nicht anmerken zu lassen, weil ich mir sicher war, dass das meine Peiniger nur noch weiter aufgeilen würde.
Als wir unser Ziel erreicht hatten, sah ich eine regelrechte Stadt, die in Mitten der Höhle erbaut worden war. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Während sich an den Rändern der Höhle hauptsächlich aus Stein und Felsen gemauerte Häuser befanden, standen in der Mitte des Platzes dutzende von großen Zelten, die mich fast an ein Indianerdorf erinnerten.
Während wir von den Innos zu ihrem Lager geschleift wurden, gelang es mir immer wieder, kurz Blickkontakt mit Golsir aufzunehmen und seiner Mimik konnte ich entnehmen, dass es ihm nicht allzu gut ging.
Als wir in die Stadt einmarschierten, beobachteten uns viele neugierige Menschen, die anscheinend alle extra wegen uns aus ihren Zelten und Häusern hier her gekommen waren. Mir fiel auf, dass die meisten Bewohner Männer wären und sich nur sehr wenige Frauen unter den Innos befanden.
Wir wurden zum größten und prächtigsten Zelt, das sich direkt im Zentrum der Stadt befand, gebracht. Eine Wache ging hinein und etwas später kam ein äußerst kräftig gebauter, südländisch anmutender Mann heraus. Seine Haut hatte zwar einen gebräunten Teint, aber war etwas heller als bei den anderen Mitgliedern der Gilde.
Sein schulterlanges, dunkles Haar war leicht gelockt und umrahmte seine dunklen, geheimnisvollen Augen, in denen ich eine gewisse Kühle zu erkennen glaubte. Mir kam es auch so vor, als ob es sich bei diesem Mann nicht um einen reinrassigen Araber handeln konnte, er musste höchstwahrscheinlich auch Nordmänner in seiner Ahnenreihe gehabt haben.

Wer sind diese Beiden da?“ fragte er Pess und der erklärte ihm daraufhin, wo und wie sie uns gefangen genommen hatten. Den großen Mann schien die Geschichte aber nicht weiter zu beunruhigen, denn er befahl nur, dass ich in sein Zelt gebracht werden sollte!
Pess fragte, was mit Golsir geschehen sollte.
„Werft ihn in den Kerker, aber rührt ihn nicht an, verstanden?“, er warf Golsir einen verächtlichen Blick zu, „Auf diesen Augenblick habe ich lange gewartet. Dein Tod wird meine Auferstehung sein!“
Als ich das hörte, wurde mir schwindelig und ich flehte den Anführer an: „Nein, bitte tötet ihn nicht! Ich gebe auch Alles, wenn ihr ihn verschont …“
Der Anführer sah mich kurz an und lachte dann bitterböse. „Ihr könnt mir Nichts geben, was mir nicht schon ohnehin schon gehört und den Rest werde ich mir notfalls mit Gewalt nehmen.“
„Aber Golsir ist ein König, ihr dürft ihn nicht töten!“
„Oh, ist er das tatsächlich? Aber entschuldigt bitte meine schlechten Manieren, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Avered und ich bin ebenfalls ein König. Ich kann töten, wen immer ich will!“
Der Name Avered war mir gleich bekannt vorgekommen, als ihn vorhin einer der Männer der Gilde Innos erstmals erwähnt hatte. Ich überlegte, wo ich ihn schon mal gehört hatte und als es mir wieder einfiel, wäre ich vor Schreck fast ohnmächtig geworden:  „Im zweiten Krieg“, hatte Raihan mir berichtet, „hat König Avered Golsir getötet.“
„Aber“, überlegte ich weiter, „da ich durch meinen Erscheinen die Geschichte bereits verändert hatte, konnte es durchaus sein, dass Golsir schon hier und heute seinen Tod finden würde.

Doch vielleicht konnte ich das irgendwie verhindern! Schließlich kam ich aus der Zukunft und wusste somit so Einiges, das mir hier weiterhelfen konnte. Ich hatte dadurch sozusagen en Ass in der Hand, das ich aber nicht spielen konnte, weil ich leider noch immer herzlich wenig Ahnung von der arabischen Geschichte hatte. Ich war mir aber durchaus im Klaren darüber, dass Golsir und ich verloren waren, wenn ich nicht schleunigst eine gute Idee haben würde.

„Ich weiß, was ihr wollt“, schrie ich Avered deshalb an, ohne bereits über einen genauen Plan zu verfügen, „und wie ihr euer Ziel erreichen könnt, ohne dabei Golsir zu töten.“
Avered war überrascht. „Mmh, ihr denkt also, ihr wisst was ich will. Ich glaube, ihr irrt euch da gewaltig. Und außerdem werde ich, wenn ich Golsir töten lasse, nicht nur sicher mein Ziel erreichen, sondern ganz nebenbei auch noch eine Menge Spaß dabei haben.“ Er lachte so böse, dass es mir kalt den Rücken hinunter lief.
„Das mag sein, aber ihr könntet noch mehr bekommen, wenn ihr ihn verschont. Ich werde euch aber noch nicht sagen, was ihr dafür tun müsst.“
Er ging ein paar Schritte auf mich zu, packte mich am Kinn, zog meinen Kopf nach oben und starrte mir in die Augen. „Nun gut, mein Kind. Wenn ihr spielen wollt, dann spiele ich gerne mit. Ich lasse Golsir heute noch am Leben. Aber …“, Avered drückte mein Gesicht nach unten, „ …wenn ihr das Spiel verliert, dann sterbt ihr beide einen langen, qualvollen Tod. Habt ihr mich da verstanden, meine Schöne?“
„Ja, das habe ich.“  
Avered ließ mich los und wandte sich nun Golsir zu. „ Sie versucht euch das Leben zu retten. Sie hat euch wohl gerne.“
Golsir schaute zu mir und an seinem Blick konnte ich erkennen, dass ich jetzt ja nichts Falsches sagen durfte.
„So mein Kind“, Avered verneigte sich spöttisch vor mir und machte dabei eine Geste, die mir signalisieren sollte, dass ich nun in sein Zelt kommen sollte, „nun möchte ich aber noch ein wenig Spaß mit dir haben.“
„Und … und was wird aus Golsir?“ erkundigte ich mich.
„Ach der! Der wird bei meinen Männer bleiben. Die werden sich schon liebevoll um ihn kümmern.“ Die Männer lachten.
„Nein, dann werde ich bei ihm bleiben.“ versuchte ich zu protestieren.
„Vorsicht mein Vögelchen, du wirst langsam unverschämt. Hör mir gut zu! Ich bekomme immer was ich will und jetzt will ich nun mal dich. Und wenn du dich zu wehren versuchen solltest, ist dein Golsir ein toter Mann.“
Ich bemerkte an der Art und Weise wie er sprach, dass er diese Drohung ernst meinte. Golsir blickte mich mit großen, traurigen Augen an, gleich darauf sah er zu Avered und wurde wütend. „Wenn du sie anrührst, schwöre ich, dass du mir dafür büßen wirst!“
Avered grinste. „Ich glaube nicht Golsir, dass du in der Situation bist, um mir zu drohen.“ Dann packte er mich wieder am Kinn, küsste mich auf den Hals und zischelte wie eine Schlange: „Und? Hast du dich entschieden, meine Schöne?“
„Ich tue, was du verlangst.“
„Nein Kyra, tue das nicht!“ Golsir war der Verzweiflung nahe. „Verdammt! Ich will das nicht.“
Mir standen Tränen in den Augen. Golsir bemerkte das scheinbar, denn seine Stimme wurde schwächer, ganz so als ob er wusste, dass ich dennoch mit ihm gehen musste. „Bitte ... Kyra … tu das nicht …“
„Ich habe keine andere Wahl, Golsir. Ich muss es tun.“ sagte ich leise und ging in Avereds Zelt.



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Wenn die Liebenden fallen, die Liebe fällt nicht,
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
-Dylan Thomas-
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