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Blut


 
 
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Heidi
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 41
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Wohnort: Hamburg
Der goldene Durchblick


Beitrag12.09.2022 19:49

von Heidi
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Minerva hat Folgendes geschrieben:
Hallo Heidi,

ich hoffe, du schreibst auch in Zukunft weiter und lässt dich nicht entmutigen, weil es dieses Mal nicht so geklappt hat, wie du dir es gewünscht hast.


Das hoffe ich auch, denke aber schon, dass ich das tun werde. Ich hab aktuell eine kleine Sinnkrise, was das Schreiben anbelangt. Das hat nicht explizit mit diesem Wettbewerb oder mit der Platzierung oder mit den Kommentaren zu tun, sondern einfach nur mit mir und meiner Entwicklung.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Der Nachteil an so einem Wettbewerb ist letztendlich, dass sicher einige die Zeit gebraucht haben, um überhaupt auf eine Geschichte zu kommen und diese umzusetzen. Was dann fehlt, ist der Abstand und die Überarbeitung, die Distanz.


Ja, der Abstand fehlt generell bei den Wettbwerben hier. Aber da sitzen wir alle im selben Boot, keiner ist im Vorteil, was das betrifft.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
So lange ich nicht weiß, wie du nun wirklich dir gewünscht hast, dass er gelesen wird bzw. wie er genau gemeint war; kann ich dir das nicht beantworten.


Ich werde nach und nach die Kommentare beantworten, dann wird sich sicher einiges klären. Allerdings ist es in meinem Schreiben so, dass ich keine konkreten Wünsche habe, wie der Text gelesen werden soll. Deshalb gestalte ich sie auch offen genug, damit die lesenden Personen genug eigene Fantasie hineinlegen können. Ich gebe eine Richtung vor, der Rest darf nach Bedarf mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen gefüllt werden. Was ich mir natürlich wünsche, ist, dass meine Texte einen Mehrwert liefern, dass Menschen sich berührt fühlen, egal in welche Richtung. Mir ist es lieber, wenn jemand krass über meine Texte schimpft, sich volle Kanne auslässt, sich provoziert fühlt, als wenn eine Geschichte die lesenden Menschen schlichtweg kalt lässt. Irgendeine Gefühlsregung möchte ich dann doch auslösen, wenn ich schreibe - wenn das nicht passiert, dann fühlt es sich an, als hätte ich versagt.
(Es gab natürlich auch Antworten unter diesem Text, die von Berührtheit sprachen, mein Kommentar diesbezüglich war etwas übertrieben (aufgrund der Sinnkrise) und natürlich muss die vernünftige Heidi in mir auch einsehen, dass sie nicht jeden erreichen kann, der trotzigen fällt das immer etwas schwer).

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Ich habe es als dysfunktionale Familie verstanden, das Blut, es vererbt sich ... Anspielung auf transgenerationales Trauma. Alkohol, Drogen, Sex als Bewältigungsstrategie. Familie als systemisches Gefüge, das aber nur durch zweitbeste Lösungen gehalten wird.
Manchmal habe ich mich auch gefragt, ob es vielleicht um Inzest gehen könnte, also dass der abwesende Opa von Jasper eigentlich sein Vater ist. Ich schloss das dann aber aus, weil ja die "Oma" (je nachdem, ob ich die Familienverhältnisse überhaupt verstanden habe), darüber nachdenkt, dass sie immer verlassen wurde und ihr Mann sie ja auch verlassen hat und vor Gericht ging es um das Haus etc. Zumindest wäre das dann nicht der Grund für die Trennung gewesen.


Damit liegst du sehr nah an meinen Gedanken zum Text, vor allem im ersten Abschnitt. Inzest hatte ich gar nicht im Kopf, das ist aber auf alle Fälle ein interessanter Leseansatz.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Ich habe mich auch mal kurz gefragt, ob Jasper und Jasmin eigentlich eine Person sind Laughing
Aber auch das verworfen.


 Laughing Witzigerweise ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, wie sehr sich die beiden Namen ähneln und dachte dann: Wow, das passt ja richtig gut. Für mich sind alle Figuren verletzlich und verletzt, aber Jasper und Jasmin haben eine äußerst ungnädige Rolle. Japser soll für Caroline die Entwicklung bringen, die sie selbst nicht in die Hand nehmen will. Jasper ist ihre Zukunft, sie erkennt aber nicht, dass sie selbst ein eigenständiger Mensch ist, der sich eigenständig entwickeln sollte, anstatt all ihr Dasein in ihren Sohn hineinzulegen. Sie ist verzweifelt. Jasper auch, er scheitert und schlittert selbst in die Sucht.
Jasmin wurde von ihrer Schwester großzogen und ist somit für sie auf einer Ebene wie Jasper. Caronline kann die Liebe, die sie den beiden gegenüber empfindet nicht zeigen.
Was ich hier geschrieben habe, ist mir aber auch erst nach dem Einreichen aufgefallen - die Namensähnlichkeit genauso wie die Ähnlichkeit der Rolle dieser Figuren.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Klar irritiert hat, dass der zweite Abschnitt so losging, dass man annahm, es spräche hier immer noch Jasper. Dadurch bekam ich auch das Gefühl, ganz ganz genau aufpassen zu müssen, wer hier wer ist und das hat mich verwirrt.


Das wurde ja mehrmals bemängelt; ich werde es beim Überarbeiten auf alle Fälle verbessern. Es sind ja meist nur Nuancen, die ausreichen, um Klarheit zu verschaffen.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Dazu hast du das Konzept mit dem Blut, den Mücken, den Vögeln, führst dann aber noch die abstrakte "Bürde" ein, was meiner Meinung nach das Ganze schon überlädt mit Reflexion, unabhängig von der Textlänge. Weniger ist mehr. Bürde ist auch abstrakt, das mit den Vögeln ist hingegen wunderschön geworden und hätte mir gereicht und den Text leichter gemacht.


Darüber werde ich nachdenken. Vielen Dank für die Hinweise, wie sich das für dich anfühlt beim Lesen.

Minerva hat Folgendes geschrieben:

Er verknüpft ja die Abschnitte. Im letzten vermisse ich da aber die Vögel, ein paar Federn am Pool, ein Schwarm am Himmel o.ä. Das hätte sich dann noch etwas runder und bedeutungsvoller angefühlt.


Okay, ja stimmt.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Nein. Ich kann jetzt nur versuchen, es aus meiner Sicht zu erklären, warum es möglicherweise so rüberkam. Dann kannst du es nächstes Mal ja anders probieren. smile Schreiben = Dranbleiben.
Jasper kommt recht unsympatisch daher. Andererseits ist auch Caroline nicht sympatisch, ich empfinde sie als "übergriffig". Oma ebenso. Sie geben sich keine Mühe, ihre Probleme zu lösen, sondern stecken immer mehr Leute damit an.


Genau, dieses Unsympathische ist durchaus gewollt. Ich dachte, wenn man sich die Umstände genauer anschaut, die diese Menschen verbindet, wird automatisch Empathie aufgebracht. Da ist ja ein gewisses Gefangensein in dem die Figuren stecken.
Ja, übergriffig trifft es und die mangelnde Problemlösungskompetenz trifft es auch. Es ist ja sehr häufig so, dass Suchtkranke ihr Dilemma an ihre Kinder weiter "vererben". Das sollte das Thema sein, genau dieses Feststecken, was du hier ansprichst.

Minerva hat Folgendes geschrieben:

Die Stimmung vom Text drückt schon alles sehr gut aus, das führt aber bei der Bewertung oft dazu, dass Leute keine Lust darauf haben. Sie suchen eher positive Emotionen oder ein bisschen Licht und Glitzer am Ende. Oder einfach etwas Menschelndes. Und Identifikation mit Hoffnung im Ergebnis.
Das hat also weniger mit deinen Fähigkeiten zu tun, als mit den Bedürfnissen von Lesenden, die Texte nicht rein nach dem Künstlerischen, Funktion und Wirkung betrachten, sondern bestimmte Gefühle suchen. Menschen lesen wegen Gefühlen, sie sind Gefühlswesen. Und wenn sie superanspruchsvolle Dinge lesen, dann suchen sie vielleicht immer noch das positive Gefühl, dass SIE den Text verstehen oder den Kick, sich in ein wundersames Gedankenkonstrukt entführen zu lassen.
Und wenn sie Negatives lesen, dann suchen sie immer noch das Gefühl von höherer Gerechtigkeit oder Hoffnung oder Güte oder Vergebung oder Verstehen oder "nie-wieder" (in letzten Fall mal auf schreckliche/traurige Episoden der Geschichte bezogen).


Spannend, was du da sagst. Aber sicher ist es genauso. Der Text ist von der Grundstimmung einfach niederschmetternd und gnadenlos. Das war mir zwar irgendwie klar, aber nun ist es noch mehr ins Bewusstsein gekommen. Ich dachte, er sei weniger niederschmetternd, sondern einfach nur traurig.
Ich denke halt immer, dass genau dieses Drama und Feststecken in Situationen doch Empathie auslösen muss. Klar ist es schwierig, Leid mitansehen zu müssen, aber als Menschen leben wir in einer Welt, die eben genauso roh ist, und in der weitaus Schlimmeres passiert als das, was Caroline, Jasper und Jasmin zu tragen haben (wobei ich das nicht werten will, weil das Schmerzempfinden eine individuelle Sache ist). Ich denke etwa auch an das Schicksal deiner Protagonistin deines Wettbewerbstextes.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Ich würde jetzt sagen, wenn du Jasper mehr Raum für Positives gegeben hättest, sodass wir mit ihm mitfühlen, wäre der Text anders rübergekommen. Wie er über sein Date denkt und wie er mit allem umgeht, ist da halt zu schwierig. Er scheint auf der Oberfläche keine Bedürfnisse zu haben, die z.B. in uns Mitgefühl wecken. Außerdem scheint er das Ganze viel zu sehr zu verstehen, anstatt nur ein Spielball zu sein. Er drückt für mich fast einen Ödipuskomplex aus, scheint aber nicht zu rebellieren.
Da reicht dann auch die nervige Übergriffigkeit durch Mutter und Oma nicht aus, die ganzen Erwartungen. Das stößt auch ab, weil man da gewisse Muster erkennt, die man im Entferntesten ähnlich erlebt hat. Da kriecht ein Schauer der Abscheu über den Rücken ...

So, also nach meiner Ansicht, wäre das so gewesen, dann hätte das Ende eine gewisse Befriedigung geboten, weil er nicht kommt. So ist es relativ egal.


Das fett Gedruckte finde ich äußerst spannend. Danke dafür, dass du das mit mir teilst. Das ist etwas, was ich durchaus auch ausdrücken wollte.
Alles andere werde ich gründlich durchdenken. Es gab ja viel Kritik, was das wenig Postive der Figuren, vor allem an Japser betrifft.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Ansonsten war vor allem der Mittelteil sehr schön, aber die Jasmin konnte man nicht ausreichend kennenlernen, um da die Identifikation draufzulegen.


Okay. Ja, platztechnisch war da nicht mehr viel drin für Jasmin.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Trau dich ruhig, bewusst die Gefühle der Lesys zu lenken. Du knüpfst beim Schreiben ja auch an deine an, dann bist du möglicherweise sogar enttäuscht, dass andere da nicht mitfühlen können oder wollen. Dazu musst du sie halt auf deine Spur führen und verführen.


Ich bin mir nicht sicher, ob es mein Ansatz ist, bewusst die Gefühle anderer zu lenken, werde aber auch darüber nachdenken. In diesem Text wollte ich möglichst neutral erzählen - ein kleines Experiment quasi. Ich durchlaufe gerade eine Phase, in der ich die neutrale Stimme in mir finden will, bin aber, was diese Perspektive betrifft, noch total unsicher.

Danke für deine ausführliche Antwort! Deinen ursprünglichen Kommentar nehme ich mir dann auch beizeiten vor, wie auch alle anderen.

Liebe Grüße
Heidi
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d.frank
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D
Beitrag12.09.2022 23:01

von d.frank
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Zitat:
Letzteres ist natürlich im Zuge eines DSFo-Wettbewerbs nicht möglich.


eben!


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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nebenfluss
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Beitrag12.09.2022 23:19

von nebenfluss
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Hallo Minerva,

möglicherweise bin ich auch hier noch "rechtzeitig" (Antworten deinerseits noch nicht abgeschlossen), um meine unfreiwillige Kommentarverweigerung zu reparieren. Geschrieben ward meinerseits hierzu Folgendes:

Selten lagen Bewunderung und „Och nee!“ in einem 10K-Beitrag bei mir so nah zusammen wie bei diesem. Da wäre auf der einen Seite der zweite Akt der Erzählung mit seiner wunderschönen Beschreibung des Vogelhabitats in einer eigentlich artfeindlichen Umwelt, die dennoch die Lebewesen nährt; auch gefällt mir der simple Titel, der dies mit der Vorstellung von Blutsverwandschaft verbindet, die hier allerdings deutlich schlechter funktioniert.
Dann aber wiederum sind da diese Stolpersteine, die mich bei jedem Lesen erneut die Stirn runzeln lassen – wie etwa die mütterliche Frage „Was ist es, das dich zögern lässt?“, die mir so gar nicht in den sonstigen Tonfall des Telefongesprächs passt. Der Zweifel, ob eine Alkoholikerin wirklich schon an Weihnachten ein Sommerfest terminiert hat, ohne dass irgendwas dazwischen kommt, und wie sie dies ihrem Sohn mitgeteilt hat, wenn der gar nicht da war. Und woher glaubt die Tante zu wissen, dass Caroline zu viel von Jasper erwartet? Der Text scheint mir etwas zu verheimlichen – vielleicht „den Schuss“, ein relevantes Ereignis, das keine der Figuren beachtet und deshalb auch mir verborgen bleiben muss?
Dass die Vorgabe „Sommergäste“ erfüllt ist, liegt auf der Hand; Begegnung/Abschied und schleichende Veränderung im Hintergrund fällt hier in eins – die Entfremdung zwischen Mutter und Sohn, die zarte Annäherung zwischen den Schwestern sowie die fortgeschrittene Entromantisierung von Dates per Tinder, in denen es nur noch ums „Ficken“ geht, obwohl einem (Jasper) die Gefühls- und Sinnleere einer solchen, offenbar nicht wenigstens besonders erotisch motivierten Triebbefriedigung klar vor Augen steht.
Gereicht hat dies am Ende für meinen siebten Platz.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Heidi
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Beitrag15.09.2022 20:02

von Heidi
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Hallo Schlomo,

Schlomo hat Folgendes geschrieben:
Das ist ja heftig, fast dystopisch. Eine Geschichte, bei der ich mich sofort unwohl gefült habe, was mit jedem Satz intensiver wurde.


dystopisch finde ich als Begriff im Zusammenhang mit dem Text ungewöhnlich passend.
Schön, dass du dich unwohl gefühlt hast. Ähnliche Gefühle haben mich beim Schreiben auch umgetrieben und es freut mich natürlich, wenn du als Leser mitgehen konntest mit den Figuren, und nachspüren konntest, dass da was Ungutes drinsteckt.

Dankeschön fürs Lesen, den Kommentar und den Punkt!

Viele Grüße
Heidi
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Heidi
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Beitrag15.09.2022 20:16

von Heidi
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Hallo d.frank,

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Verwirrend, die Namen und Ansprachen, wirkt ein bisschen so, als soll das verwirren, etwas hinzufügen, das gar nicht hinzugefügt werden müsste.


ein wenig will ich natürlich schon verwirren mit meinen Texten, oder vielmehr eine gewisse Aktivität im Denkprozess wecken durch mein Schreiben, aber es soll nicht so sein, dass es wirkt als wäre da jemand bewusst am Wirrwarr stiften.

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Der Teil mit den Vögeln und Nestern ufert aus. Eigentlich ist das etwas ganz Einfaches, das hier behandelt wird, was nicht heißt, dass es sich nicht lohnt darüber zu lesen / zu schreiben, und es hat einige gute und kräftige Stellen, aber insgesamt wirkt es auch verwässert und konstruiert.


Stimmt, es handelt sich thematisch um etwas recht Einfaches. So geht es mir immer mit den Themen, die mich umtreiben, sie müssen einfach sein.
Du findest den Vogel-Teil also ausufernd. Ich hatte das tatsächlich auch im Kopf; als ich überarbeitet habe, fragte ich mich, ob der Mittelteil nicht alles andere erschlägt. Aus Zeitmangel und zu wenig Abstand, habe ich mich aber dafür entschieden, den Teil in dieser Form zu lassen.

Witzig ist, dass in anderem Kommentaren genau dieser Teil als positiv aufgefasst wurde. Für mich ist das der Teil, der die Freiheit am deutlichsten ausspricht, den Wunsch danach, einfach die Arme ausbreiten zu können, Mensch zu sein, ohne Zwänge und Pflichten oder irgendeine Familiengeschichte die den Figuren aufgebürdet wird und dennoch ist da noch die mysteriöse Sache mit dem Blut.
Es freut mich, dass du kräftige Stellen im Text erkennst. Über deinen Kritikpunkt, der Text wirke konstruiert und verwässert werde ich noch genauer nachdenken und ihn bei einer eventuellen Überarbeitung im Kopf behalten.

Vielen Dank für Kommentar und den einen Punkt.

Liebe Grüße
Heidi
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Heidi
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Beitrag18.09.2022 19:42

von Heidi
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Hallo Veith,

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Deshalb drehe ich mir einen Joint und setze mich auf den Balkon.
Laughing Das wird bestimmt helfen. Daumen hoch


davon gehe ich aus. Very Happy
Zumindest bleibt ihm keine andere Möglichkeit. Um das Treffen mit der Mutter auszuhalten bzw. das Gespräch zu verarbeiten, greift er auf das Suchtmuster zurück. Jasper verdrängt lieber, anstatt sich mit seinen Familienabgründen auseinanderzusetzen. Genauso wie seine Mutter.

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Holla, das ist eine komplizierte Geschichte, die ich mehrmals lesen muss, um durchzusteigen. Der zweiter Anschnitt hat mich zuerst völlig verwirrt, bis ich nach Lesen des dritten Abschnitts zuordnen kann, dass es wohl Jasmins Perspektive ist. Happy dysfunctional family aus drei Sichten, die letzte (Caroline) aber personal statt erste Person.


Stimmt, es scheint komplizierter geschrieben zu sein, als von mir gedacht; es gab diesbezüglich auch von anderen Menschen Anmerkungen in den Kommentaren.
Mehrmals lesen ist zwar bei meinen Texten eher Voraussetzung, aber letztlich sollte es stimmig sein. Weiter unten siehst du diese Sache auch nicht als Kritikpunkt. Ich werde noch einmal darüber nachdenken, ob ich den Übergang von Japser zu Jasmin etwas konkreter gestalte.
Und ja, zwei Mal Ich-Perspektive ein Mal personal. Das fand ich aus Distanzgründen wichtig.

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Wie Jasmin sagt scheint das Blut sie zu verbinden, sich in Drogen zu flüchten. Carolines Mutter hat getrunken, sie selbst tut es auch und ihr Sohn haut sich einen Joint rein, wenn er sonst nicht mehr weiß, was er denken soll.


Genau, die Sucht vererbt sich in diesem Fall weiter. Das Blut verbindet sie, weil sie verwandt sind. Wie sich eine Sucht weitervererbt, also, ob das auch physisch passiert anhand des Blutes/der Gene, oder ob es sich einfach um eine Art Nachahmungseffekt handelt, bzw. um eine durch Umwelteinflüsse (Mutter, Großmutter) angeeignete Strategie, um mit Problemen umzugehen, weiß ich nicht, aber es passiert ja durchaus, dass die Sucht sozusagen auf das Kind 'übertragen' wird.

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Wirkliche Begegnungen finden nicht mehr statt, just carry on living, irgendwie durch den Tag kommen. Interessante Themenumsetzung auf jeden Fall.


Freut mich, dass  du die nicht-Begegnungen als interessant empfindest. Das war natürlich gewagt von mir, aber ich kann da auch oft nicht anders und muss meinen Kopf durchsetzen, indem ich das Thema eher weit gefasst betrachte.

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Unterm Strich:

E-Lit: Definitiv.
Sperrig: Geschickt gemachte Perspektivwechel, die einen rausreißen, nochmal zum Nachdenken bringen. Nicht aufgesetzt, finde ich, aber verstehen tut man es erst beim zweiten Lesen.
Thema Sommergäste: Caroline lädt ihre Schwester und ihren Sohn ein, letzterer kommt aber nicht, weil er die Einladung schlichtweg vergessen hat und zu einem Tinder-Date verabredet ist.
Begegnungen/Abschiede: Finden nicht wirklich statt. Caroline hofft auf ein Wiedersehen, nachdem sie wohl viele Jahre keinen Kontakt mehr zu ihren Familienmitgliedern hatte. Immerhin ist ihre Schwester bereit, zu kommen.
ungehörter Schuss: Schwierig, kann man metaphorisch sehen. Caroline scheint die Dysfunktionalität jedenfalls nicht bewusst zu sein. Jasmin aber schon, sonst würde sie ja nicht sagen, Caroline erwarte zu viel.
Hintergrund Veränderung: Hmm, die sehe ich nicht. Von den Vorgaben sollte eine Veränderung Hintergrundkulisse sein. Caroline erwartet sich zwar eine von einem Wiedersehen mit Jasper, aber die wird nicht kommen, oder anders, als sie erwartet. Sie wird verstehen müssen, dass der Zug wohl abgefahren ist.
Persönliches Gefallen: Eine Geschichte über kaputte zwischenmenschliche Beziehungen lese ich doch immer gerne, scheinen sie mir mittlerweile doch der Standard zu sein, der oftmals nur von einer anderen Außendarstellung überdeckt wird. Oder der Unfähigkeit, sie selbst zu erkennen, wenn man drinsteckt. Diese Geschichte deckt sie schonungslos auf, aber tut das unaufgeregt und undramatisch, also ohne in Seifenoper auszuarten. Gerne gelesen.

6 Punkte.


Vielen Dank für das umfangreiche Fazit, in dem du detailiert darstellst, wo es noch hakt und was dir gefallen hat. Du hast dir viel Mühe gegeben, auch Thema und Vorgaben genau zu analysieren, das freut mich, weil ich dadurch wieder einmal erkenne, was ich im Schreibflow schlichtweg übersehen habe.

Besonders freue ich mich über den letzten Satz, den ich hier blau und fett gemacht habe.

Und für die sechs Punkte bedanke ich mich natürlich auch ganz herzlich!

Liebe Grüße
Heidi
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Beitrag18.09.2022 19:49

von Heidi
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Hallo Kerem,

dürüm hat Folgendes geschrieben:
Hallo Inco,


eine traurige, desillusionierende Geschichte in drei Teilen.

Tinder Sex, Drogen, Hoffnungslosigkeit beim Sohn.

Scham und schlechtes Gewissen bei der Schwester.

Hoffnung und natürlich stark gestörtes Verhalten bei Caroline.

Die Charaktere sind gut gezeichnet.
Die Art der Geschichte ist nicht meins, aber  sie ist souverän erzählt.

3 Punkte

Gruß
Kerem


es freut mich sehr, dass du die Charaktere als gut gezeichnet empfindest. Die Figur an sich ist mir immer besonders wichtig, alles andere dann irgendwie nebensächlich.

Du schreibst in diesen Zeilen genau die Empfindungen auf, die auch ich hatte während es Schreibprozesses und von denen ich mir gewünscht habe, sie nach außen hin auszudrücken. Da ist in wenigen Worten sehr genau zusammengefasst, was der Text will. Danke dafür.

Ich kann verstehen, dass die Art der Geschichte nicht deins ist. Das ist ja doch sehr individuell, was einen anspricht und es ist natürlich klar, dass das auch in die Bewertung miteinfließt. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass der Text von dir drei Punkte abbekommen hat! Very Happy

Vielen Dank fürs Lesen, Kommenterien und die Punkte!

Liebe Grüße
Heidi
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Beitrag22.09.2022 19:17

von Heidi
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Lieber Constantine,

du hast einige Fragen zu Jasper formuliert, die dich beschäftigen. Ich habe sie hier nicht noch mal zitiert, sondern nehme lediglich dein Fazit zum Charakter hier mit auf:

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Es tut mir leid. Der gesamte Jasper-Part überzeugt mich nicht. Vieles ist künstlich verkompliziert, wie das Übel mit dem Treffen im Park. Warum hat sich Jasper nicht eine Frau seiner Generation gesucht, wie nicht spazieren gehen und reden möchte, sondern mehr auf seiner Wellenlänge ist? Und warum zückt er dann den Erklärbär während des Telefonats mit seiner Mutter raus, um mir dem Leser seine Motivation zu erläutern? Und dann die "Bürde eines Sohnes" und sich trotzdem mit der Frau treffen und zukiffen. Was erhofft er sich vom Treffen? Oder will er einfach nciht zu seiner Mutter? Was redet er dann von "Bürde eines Sohnes", wenn ihm seine Mutter egal ist?


Ich kann all deine Kritikpunkte verstehen, möchte aber dennoch anmerken, dass Menschen komplexe Wesen sind und deren Handeln oftmals auch ein Widerspruch in sich sein kann. Dir erscheint Jasper nicht als glaubwürdig gezeichnet; ich selbst denke schon, dass ein Mensch - gerade, wenn er unter einer psychischen Erkrankung leidet, wozu die Suchtkrankheit zählt - teils unglaubwürdige Verhaltensweisen und Gedanken haben kann. Es ist nicht so, dass ich Jasper als perfekt ausgearbeitete Figur wahrnehme (zum Beispiel reflektiert er etwas zu doll, was eher weiblich ist), gewisse Feinheiten würden ihn besser darstellen, eine gewisse Ambivalenz im Verhalten ist aber durchaus auch gewollt.

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Sorry, ich bleibe viel zu sehr bei den seltsamen Motivationen und Widersprüchen im Konstrukt der Situatuion und Szene hängen, als dass der Charakter und die Titel gebende Blutsbande mein Interesse halten.


Das ist natürlich schade und sicherlich nicht gewollt; dein Interesse hätte ich schon gerne, aber vermutlich lässt sich das in diesem Fall nicht ändern.

Constantine hat Folgendes geschrieben:

Zur Überraschung sind 2 und 3 gelungener, auch die Sache mit der "Bürde" überzeugt in den Abschnitten 2 und 3 deutlich besser als bei Jasper. Absschnitt 2 und 3 passen gut zusammen. Als seien die beiden Teile zuerst verfasst worden und dann kam nachträglich noch ein Abschnitt dazu, der an die erste Position gesetzt worden ist.
Der Jasper-Abschnitt fühlt sich drangeklatscht an und lässt den gesamten Beitrag leider qualitativ abfallen. Schade.


Der zweite Teil wurde zuerst verfasst (oder eigentlich nur die Hälfte davon), dann der erste (er war erst nach dem zweiten, passte da aber nicht so gut rein), also der Jasper-Teil und dann kam erst der Teil drei dazu.
Drangeklatscht klingt natürlich ungut.

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Im Vergleich mit allen Wettbewerbstexten und da zehn Texte bepunktet werden müssen, bekommt dieser hier: trois points.

Merci beaucoup
Constantine


Da hatte ich dann direkt Glück, dass zehn Texte bepunktet werden mussten.
Danke für dein Feedback, die intensive Lesezeit, den Kommentar und die Punkte.

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag22.09.2022 19:22

von Heidi
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Liebe Babella,

Babella hat Folgendes geschrieben:
Alkoholkranke Mutter, genervter Sohn und irgendwas mit Vögeln und Insekten und Blut, was irgendetwas bedeuten soll.


das hast du kurz und knackig zusammengefasst. Eine irgendwas-Bedeutung ist mir allerdings nicht so wichtig - ich meine, eine Botschaft, so eine gibt es in meinen Texten eigentlich nicht.

Was ich an diesem Satz von dir toll finde, ist, dass die Bedeutung von Vögeln, Insekten und Blut in einem Satz weggeschrieben wurde. So nebeneinander wirkt das richtig gut. Vielleicht sollte ich noch was Lyrisches daraus basteln.  

Babella hat Folgendes geschrieben:
Sorry, das ist nicht so meins.


Schade, dass ich deinen Geschmack nicht getroffen habe. Und dennoch vielen Dank für deinen Kommentar!

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag22.09.2022 19:29

von Heidi
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Liebe Reimeschreiberin,

Reimeschreiberin hat Folgendes geschrieben:
Drei kurze Einblicke in Alltagsszenen, aus drei verschiedenen Blickwinkeln. Zuerst der Sohn, dann die Schwester, dann Caroline selbst. Ein Familiendrama um Alkoholsucht, die von einer Generation auf die nächste übergeht und dabei die Familie entfremdet, zerstört. Das Motiv der Mücken zieht sich durch alle drei Teile. Ein Sinnbild dafür wie der Alkohol die Lebenskraft aussaugt?


vielen Dank für deine kleine Interpretation. Ich finde deine Leseart sehr spannend. Klar, die Mücken saugen Blut und somit auch ein Stückweit die Lebenskraft eines Menschen in sich auf und der Alkohol sicherlich auch.
Es freut mich immer sehr, wenn die Leser:innen bei meinen Texten mitgehen und aktiv werden im Leseprozess. So eine Reflexion sagt mir dann ganz viel, was ich vielleicht nicht bedacht habe, aber dann doch irgendwie schon. Sie erweitert meinen Text quasi und das ist ein schönes Gefühl. Da hat sich dann das Schreiben gelohnt.

Ich danke dir auch für die Punkte, die du für diesen Text übrig hattest.

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag24.09.2022 19:52

von Heidi
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Hallo Globo85,

Globo85 hat Folgendes geschrieben:
"Alkoholismus und Tindersex" oder Blut ist dicker als T…

Vorgaben:
  • Begegnungen und/oder Abschiede: Ja.
  • Anbahnende Veränderung: Ja, auch wenn (mir) nicht so richtig klar wird, welche.
  • Sommergäste/Nichtbeachteter Schuss: Hm. Nein?
  • Ist das E? Für mich ja.

Eindrücke:
Alkoholkranke Frau und ihr Familienschicksal in drei Akten. Irgendwie auf leisen Sohlen kommt die Geschichte für mich zunächst daher, aber wirkt dann doch (bei mir lange) nach. Rund geschrieben ist sie alle mal.

Lieblingsstelle:
Zitat:
Meinetwegen gehe ich auch mit ihr raus, obwohl mir Reden nicht liegt, das habe ich im Grunde vorweg klargestellt, denn genauso steht es in meinem Profil.


Fazit:
Mein zehnter Platz. Und damit ein Punkt.


besonders die Eindrücke, die du für dich herausnehmen konntest, freuen mich. Davon insbesondere die 'leisen Sohlen'. Es ist mir bisher schwer gefallen, 'leise' zu schreiben, das wurde oft an meinen Wettbewerbstexten kritisiert und mir war es dieses mal extrem wichtig, einen ruhigen Text zu schreiben, mal ganz anders als sonst.
Und dass dabei auch noch ein Punkt rumgekommen ist, freut mich auch. Dankeschön für deinen Kommentar und eben diesen Punkt.

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag24.09.2022 20:40

von Heidi
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Hallo sleepless_lives,

sleepless_lives hat Folgendes geschrieben:
Vorsicht. Hier muss man aufpassen, sonst wird Caroline von der Mutter plötzlich zur Schwester und alles sehr seltsam. Der Perspektivenwechsel in Teil II ist unvermittelt und unerwartet, weil der Anfang dieses Teils doch genau zum Ende von I zu passen scheint. Aber im Zehntausender sollte man sowieso immer genau lesen und nicht nur der direkten Verbindung zwischen zwei Punkten folgen.


ja, an dieser Stelle ist der Perspektivwechsel tatsächlich etwas unvermittelt und ich bin nicht sicher, ob ich das noch anders lösen soll oder es dabei belasse. Es freut mich jedenfalls, dass du, durch dein genaues Lesen, die Verbindung soweit erkannt und den Faden wiedergefunden hast. Ich bleibe dran.

sleepless_lives hat Folgendes geschrieben:
Ja nun, aber. Das ist eigentlich sehr schön erzählt, treffend, mit stimmigen Details (weitgehend, aber vielleicht weiß Jasmin ja auch wirklich nicht den Namen der Vogelart, die sie sonst in vielen Einzelheiten beschreibt und kümmert sich nicht um deren Aussehen, das nie erwähnt wird). Den übergreifenden Zusammenhang - über die Feder im Haar, dem Mückenstich, dem Vögeln und den Vögeln, dem Federkleid der Jungen, den Mücken, die gefressen werden, bis hin zu den Mücken, die die Beine zerstechen – den muss man sich erst einmal erarbeiten. Obwohl doch eigentlich alles so deutlich ist, es schon der (damit super gewählte) Titel von den Dächern pfeift: Das Blut. Mal Symbol für gemeinsame Gene, mal Symbol für weitergegebene Verhaltensweisen in der Familie, mal Symbol für mit sich herumgetragene Erwartungen.


Ich danke dir vielmals für die Gedanken, die du hier mit mir teilst, weil sie meinen Gedanken so nahe kommen und du die einzelnen Fäden schön miteinander verwebst und die Essenz zusammenfasst.

sleepless_lives hat Folgendes geschrieben:
Die Sprache gleicht sich den Personen an, deren Perspektiven eingenommen werden, ist routiniert und akkurat. Nur eine einzige Dialogzeile ist ein wenig verunglückt:  
Zitat:
Was ist es, das dich zögern lässt?

Das klingt zu sehr nach Schrift-Deutsch.


Oja, danke fürs Rauspicken, das wird verändert.

sleepless_lives hat Folgendes geschrieben:
Trotz all dieser Qualitäten kann der Text mich nicht mit sich nehmen. Er lässt mich leider kalt und ich weiß nicht so recht, warum. Vielleicht reichen für mich die 10.000-- Zeichen nicht, um drei Personen von innen kennenzulernen. Vielleicht fehlt mir aber auch etwas, das die Personen individuell macht, jenseits dessen, was man in journalistischen Artikeln liest, in Theaterstücken und Filmen/Fernsehen schon gesehen hat.


Du bist nicht der Einzige, der nach dem Lesen dieses Textes etwas unberührt zurückbleibt, schreibst hier aber mögliche Antworten nieder, was dahinter stecken könnte. Ich selbst frage mich letztlich am Dringlichsten, wo genau die Berührungspunkte fehlen und denke, dass ich vielleicht zu viel von den drei Figuren erwartet habe. Es war ein kleines Experiment, sie in halbwegs neutraler Erzählweise lebendig werden zu lassen - und dann eben auch nur wenig Raum zu haben, um sie auszugestalten. Es kann sein, dass ich, was Dialoge betrifft, noch nicht sicher genug bin, um die Figur als solche lebendig werden zu lassen, denn das ist in diesem Fall dann doch eher essenziell. Ich dachte aber auch, dass das Thema an sich vielleicht schon etwas abgedroschen ist. Mein Faible über kaputte Menschen zu schreiben, bringt mich immer wieder an diese Abgründe, die 'man' schon kennt und deshalb vielleicht auch nicht auf die Art reagieren wird, wie auf etwas eher Unbekanntes.

sleepless_lives hat Folgendes geschrieben:
Ah, und da ist sie wieder, die Vogelart. Die nicht benannt und nicht beschrieben wird. Austauschbar, einzig durch ihr Verhalten definiert. Wie die Personen. Das mag Absicht sein, um gerade das Allgemeine aufzuzeigen, aber mir geht der Text dadurch ein wenig verloren.


Was die Vogelart betrifft, hätte ich Jasmin sehr gern wissen lassen, dass es sich um Schwalben handelt und ich kann gut nachvollziehen, dass der allgemeine Charakter aufgrund der mangelnden Vogelbenennung da etwas verloren gehen lässt. Ich habe das Benennen der Schwalben verworfen, als im Small Talk-Faden genau sie als Sommergäste erwähnt wurden. Es war mir plötzlich unangenehm, sie direkt zu erwähnen; ich hätte deshalb beinah nicht weitergeschrieben am Text und darüber nachgedacht, nicht beim Wettbewerb mitzumachen. So schien es mir die einfachste Lösung, die Schwalben eben einfach nicht als solche zu erwähnen, wobei ich tatsächlich damit gerechnet habe (bzw. davon ausgegangen bin), dass sich fast jeder zusammenreimen wird, dass es sich um Schwalben handelt, weil ich die Nester an Stallungen erwähnt habe und die Mücken, die auf ihrem Speiseplan stehen. Letzteres trifft sicher auch auf andere Vögel zu, beim Stall, dachte ich, dass das vorherrschend Schwalbenart ist, sich dort einzunisten. Hierbei kann ich mich natürlich täuschen, so allumfassend ist mein Vogelwissen auch nicht.
Jetzt, nach so viel Abstand, denke ich, wie dumm von mir, wegen einer kleinen Erwähnung so am Text zu zweifeln. Es ist schon abstrus, wie ich mich selbst blockiert habe, wegen so einer Kleinigkeit, die vermutlich kein Mensch hinterfragt. Sicherlich ist es für mich wichtig, zu lernen, beim Text zu bleiben und beim Ausdruck, völlig unabhängig von dem, was von außen kommt.

sleepless_lives hat Folgendes geschrieben:
Dir sind 6 Punkte entgangen.


Ich freue mich sehr über die Punkte, die mir entgangen sind!
Danke für die intensive Auseinandersetzung mit dem Text. Dein Kommentar zeigt, wie du mit dem Inhalt gerungen hast, um ihm näher zu kommen und das ist weitaus mehr wert als irgendein realer Punkt.

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag24.09.2022 21:09

von Heidi
Antworten mit Zitat

Hallo nicolailevin,

nicolailevin hat Folgendes geschrieben:
Jasper ist des Lebens überdrüssig, nimmt Drogen und trifft Frauen im Internet, mit denen er Sex hat. Sein nächstes Treffen muss er allerdings canceln, weil Caroline, die sich als seine Mutter bezeichnet, ihn zu einer Feier einlädt. Dreißig Jahre hat er sie nicht mehr gesehen. Er sinniert über Schwalben, die Futter brauchen und so schnell flügge werden und blutsatte Insekten fressen, Caroline wird zur großen und zur jüngeren Schwester, ihr Alkoholproblem überträgt sich auf ihre Mutter, eine weitere Schwester, Jasmin kommt hinzu,


genau, so in etwa läuft es ab in der Geschichte.

nicolailevin hat Folgendes geschrieben:
und ich kenne mich gar nicht mehr aus.


Und so sollte es natürlich nicht ablaufen ...

nicolailevin hat Folgendes geschrieben:
Wo die Geschichte spielt, bleibt unklar. Die Namen leiten mich irgendwie in die USA: Die Namen der Familie könnten auch auf Englisch funktionieren, ein Pool, dazu ein Gärtner namens Miguel, auch wenn die Eisenbahn nicht recht dazu passen will …


In Kurzgeschichten mag ich es nicht so gern, den Handlungsort zu erwähnen - es ist für den Text schließlich nicht wichtig, wo sich der Inhalt abspielt. Selbst hatte ich Hamburg im Kopf, sicherlich, weil ich in Hamburg lebe. Die Eisenbahn war in meinen Gedanken eine S-Bahn, der Bahnhof sollte als Überbegriff für die S-Bahn-Station herhalten (wobei das ebenfalls nicht relevant ist für den Text und seinen Inhalt - die Eisenbahn tuts auch). Später laufen sie zur U-Bahn. Also Jasper und das Mädchen. Witzigerweise fahren sie - wenn ich meine Fantasie betätige - nicht zu ihm nach Hause, sondern zur Mutter. Er nimmt sie einfach mit. Aufgrund der ambivalenten Beziehung zu Caroline kann er nicht einfach nicht kommen - so waren meine Gedanken dazu. Das ist vielleicht unrealistisch oder eher, nicht naheliegend, weshalb ich es auch nicht erwähnt habe. Vor allem aber wollte ich diese Sache offen lassen, um den Leser:innen genug Spielraum für sich zu lassen und die Geschichte je nach Bedarf zu formen. Witzigerweise hat niemand meine Leseart verfolgt.
Dass die Namen auch allesamt im englischsprachigem Raum einsetzbar wären, ist mir gar nicht aufgefallen. Auch interessant.

nicolailevin hat Folgendes geschrieben:
Sprachlich finde ich den Text nicht schlecht.


Das freut mich.

nicolailevin hat Folgendes geschrieben:
Die Geheimnisse der Geschichte sind allerdings so heftig verwoben, dass ich sie nicht mehr entwirren kann. Ich entdecke hinter diesem schwalbenumschwebten Familiendrama auch keine Fabel, keine These, keine Geschichte hinter der Geschichte. Kein Punkt, kein Schuss, keine Veränderung, die ich ausmachen kann.


Schade, aber verständlich.

nicolailevin hat Folgendes geschrieben:
Am Ende keine Punkte von mir.


Ich danke dir fürs Lesen und Kommentieren!

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag24.09.2022 21:25

von Heidi
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Liebe silke-k-weiler,

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:
Lieber Text,

ein Großteil meiner Punkte gebührt Dir für den zweiten Abschnitt, der mich wirklich berührt hat. Wie die Beobachtung des Schwalbennestes sich mit den Gedanken von Carolines Schwester an die eigene Kindheit und die Alkholsucht der Mutter vermengen, dazu noch die Gedanken über das Blut, das letztlich alle Figuren, die in diesen Zeilen auftauchen, miteinander verbindet, ob sie wollen oder nicht.

Lieblingsstelle: Und mit dem Blut nehmen seine Jungen möglicherweise die Hirngespinste der Menschen auf; die Wahrhaftigkeit oder die Verlogenheit von denjenigen, die sich haben stechen lassen, trägt der erwachsene Vogel durch die Luft, und schenkt jenen Blutstropfen dadurch vielleicht ein Stück Freiheit, ehe sie mitsamt der Mücke verfüttert werden.


das freut mich natürlich sehr. Ich habe diesen Teil auch wirklich gern geschrieben und vielleicht wäre es gut gewesen, mich in diese Szenerie noch mehr reinzuvertiefen als drei Teile zu erschaffen. Es ist immer ein abwägen, was man weglässt und hinzufügt.
Besonders den eingefetteten Teil deiner Worte wollte ich hervorheben. Du gibst hier etwas eigenes wider, mit diesem wollen oder nicht, du erkennst die Verbindung und bleibst nicht unberührt. Das freut mich zu lesen.

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:
Die große Veränderung scheint mir allerdings nicht im Anmarsch zu sein, ich fürchte, sie bleibt eine Hoffnung, ein Wunschtraum und alle bleiben in ihren Rolen und Konstellationen verhaftet, in diesem Kreislauf aus Selbstbetrug und gegenseitiger, mehr oder minder subtiler Verletzung, so zuverlässig, wie die Schwalben wiederkehren.

Gern gelesen.

Silke


Vielen lieben Dank für deine Gedanken zum Text, die du hier ausformulierst. Es ist für mich ein großes Geschenk, wenn durch das Lesen meiner Texte, etwas bewegt wird in der lesenden Person. Und wenn das später noch in eine passende Form gebracht wird, durch eigene Worte und Formulierungen, dann ist die Freude umso größer.
Natürlich danke ich dir auch für großartige zehn Punkte!

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag26.09.2022 19:17

von Heidi
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Hallo Nachtvogel,

Nachtvogel hat Folgendes geschrieben:
Ich mag die Geschichte. Die Botschaft ist traurig-ernüchternd; die Charaktere gehen irgendwie abgestumpft durchs Leben, auf der Suche nach einem Sinn, gefangen in der Einsamkeit. Sprachlich überzeugend.

6 Punkte


die Einsamkeit spielt auch für mich eine große Rolle, wenn es um diese Figuren geht. Sie sind gefangen, dabei müssten sie es nicht sein.
Es freut mich, dass du die Geschichte magst und sie in dir Empfindungen (wie der traurig-ernüchternde Aspekt) auslöst. Genauso freut es mich, dass dich der Text in Sachen Sprache überzeugt und ich danke die für ganze sechs Punkte ebenso, wie für den knackigen Kommentar!

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag26.09.2022 20:12

von Heidi
Antworten mit Zitat

Liebe Minerva,

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Wilhelm Busch hat Folgendes geschrieben:
Noch sind sie ohne Tücken,
Rein kindlich ist ihr Sinn.
Bald aber sind sie Mücken
Und fliegen frei dahin.
Aus: „Die Mücken“


ich finde die Idee, dass du jedem Text noch ein themenbezogenes Zitat oder ein Gedicht vorangestellt hast, total schön. Dankeschön!

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Inhalt:
Jasper will gerade die heiße Studentin von der Datingapp treffen, obwohl die bestimmt zu viel labert (für die Aufregung und spätere Sex-Belohnung nimmt er das in Kauf), als Mutti Caroline anruft und ihn an das heutige Treffen erinnert. Jasper kann aber nicht kommen, im wahrsten Sinne des Wortes, denn nach der Erinnerung ist ihm auch die Lust aufs Date vergangen, und er verfällt in eine Existenzkrise. Mutti Caroline säuft dauernd. Das Mädel trifft er trotzdem, mit nem Joint hält er das aus. Nur die Vogelfeder auf ihrem Kopf ist irgendwie komisch.
Seine Tante(?) Jasmin hat da was mit Caroline, ihrer älteren Schwester, offen. Auf jeden Fall sind da Vögel und Mücken, und Mücken stechen Menschen, aber Vögel verfüttern das Pack. In der Natur läuft das mit den Familien, beim Menschen irgendwie nicht.
Mutter, in dem Fall dann Jaspers Oma, trinkt sich erst mal einen, als das Fest vorbereitet ist, säuft ebenso wie Tochter Caroline. Bei ihr liegt es daran, dass alle sie immer verlassen. Ihre Eltern, ihr Mann und nun die Kinder und Enkel Jasper. Nun sind alle da (außer Jasper), aber Caroline meint, der kommt noch, dann wird alles gut. Oma meint aber, das wäre zu viel verlangt.


Spannend zusammengefasst. Wobei die Oma im Text nur indirekt vorkommt. Die Schwester (Jasmin) ist es, die meint, es sei zuviel verlangt von Jasper, dass er dafür sorgen soll, Carolines Zukunft zu leben.  

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Wertung
Der Übersichtlichkeit halber habe ich die Details zu den Kategorien in den Fußnoten ausführlich aufgeführt. Die Wertung dient dazu, die Geschichte für den Wettbewerb ranken zu können, deswegen wird alles im Detail betrachtet, bitte nimm es nicht als zerpflückende Kritik wahr, sondern als eine intensive Auseinandersetzung.


Okay. Die intensive Auseinandersetzung nehme ich durchaus wahr und danke schon jetzt dafür. smile

Minerva hat Folgendes geschrieben:
1 Die Geschichte an sich 4/5
Vom Vögeln zu Vögeln. Dysfunktionale Familie, das erklärt auch das eher unsympathische Verhalten Jaspers am Anfang. Aber wer wird bei so viel Erwartungen und Sauferei nicht zum bindungsphobischen Kiffer mit Existenzkrise? Die Art, wie Caroline mit ihm redet (und Oma an ihn denkt), spricht für mich entweder dafür, dass sie sehr jung Mutter geworden ist und Jasper vielleicht wie das Kind von Oma aufgezogen wurde oder … ne, ich glaube, so könnte das sein.


Der von mir fett gemachte Satz, den finde ich einfach genial. Das war von mir gar nicht so beabsichtigt, aber klar, irgendwie passt es und fügt sich, als wäre es geplant gewesen.
Du hast es erfasst, Jaspers Existenz ist am Kippen, dabei ist er noch ein junger Mensch, darin liegt auch sein Drama.
Interessant, wie du die Geschichte in Gedanken weiterspinnst und dich fragst, wie alt Caroline war, als Jasper geboren wurde und von wem er großgezogen wurde. Das freut mich ungemein! Du gehst richtig mit dem Text mit.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Gut ausgearbeitet ist das Familiengebilde. Bedrückend. Alles vererbt sich weiter, wenn man es nicht aufarbeitet. Oma trinkt, Caro trinkt, möglicherweise auch Jasmin, Jasper versucht's mit Kiffen und Sex. Aber irgendwie hat er sich nicht abgenabelt, er kann ja nicht mal Spaß haben, wenn er dafür Mutters Erwartungen nicht erfüllt.
Man will das irgendwie wieder kitten mit der Familie, man hofft wohl, Jasper könnte es. Zwar wirft Oma Caroline die Erwartungen vor, aber selbst denkt sie ja auch an ihn als ihre Hoffnung. Das ist übrigens auch sehr bezeichnend, dass sie für ihre Töchter keine so positiv gefärbten Gedanken hat. Vielleicht projizierter Selbsthass? Man kann auf jeden Fall viel darüber nachdenken, was da schief läuft.


Danke für den eingefetteten Satz. Das freut mich natürlich, darum ging es mir.
Der Rest dieses Abschnitts fasst zusammen, was in mir vorging beim Schreiben. Die Erwartungen an das 'Kind' sind groß und Caro hat nichts anderes erlebt mit ihrer Mama.


Minerva hat Folgendes geschrieben:
Mir haben vor allem Jasmins Gedanken zu den Vögeln gefallen. Mir scheint auch, sie hat am meisten Potential, sich aus dem System zu befreien.
Weißt du, woran mich das denken lässt: „Alle glücklichen Familien sind gleich, aber jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich.“ (aus: "Anna Karenina" - Tolstoi)
Die Geschichte war einerseits interessant zu entschlüsseln, andererseits etwas ärgerlich, dazu weiter unten mehr. Wie die Figuren sich winden, die Bilder und Vergleiche mit den Vögeln … hab ich ja schon erwähnt. Hat durchaus Eindruck hinterlassen.


Ja, Jasmin ist sicherlich am besten dran und könnte neue Wege gehen; sie reflektiert, anstatt zu flüchten. Dass dich ihre Vogel-Gedanken angesprochen haben, finde ich schön, auch, dass der Text und die Figuren, Eindruck bei dir hinterlassen haben.
Ach, und das Tolstoi-Zitat: Wie schaffst du es, zur rechten Zeit, das richtige Zitat vor dir zu haben? Dieses Zitat ist gut gewählt und ausdrucksstark in dem Zusammenhang.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
2 Umsetzung der Themen 6/7
Die Gäste sind die Protas (Familie) bei der Mutter/Oma im elterlichen Haus. Begegnung sehe ich nur beim Date, das ist aber nicht tragend für die Geschichte, na gut, die Gäste begegnen sich.
Die sich anbahnende Veränderung sehe ich bei Jasmin. Ich stehe nur angesichts des Endes einer wirklichen Veränderung skeptisch gegenüber. Den Sommer braucht es für die Mücken und Vögel als Allegorie, so kann man auch durchaus sagen, dass das Thema den Text durchdringt.


Deinen Kritikpunkt bezüglich der mangelnden Veränderung kann ich verstehen, ich hatte beim Schreibprozess auch nicht mehr alle Aspekte im Kopf und mich relativ schnell wieder von den Vorgaben gelöst. Deshalb fehlt da doch auch mal was ...
Umso mehr freut es mich, dass deinem Empfinden nach der Text doch auf seine Art vom Thema durchdrungen ist. Mir ist es wichtig, dass das Thema spürbar und erlebbar wird. Ich habe diesbezüglich eine eher anschauliche Zielsetzung und die ist dann doch nicht einfach so erklärbar.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
3 E-Faktor 3/5
Die Vögel und Mücken verbinden das Thema, es sind ein paar interessante Gedanken dabei mit hübschen Sätzen und Allegorien. Die Bedrückung ist durch den Text spürbar, er ist fast schon unangenehm, da bin ich froh über Jasmin, sowohl ihren Mittelteil, als auch ihr (von mir herbeifantasiertes) Potential. Ernsthafte Themen kommen vor, allerdings finde ich manchmal zu erklärbärig (Scheidung, Haus, Vermögen). Und bei Jasper kommt die ganze Krise ein wenig plump. Das würde ich ihm ja für sein Alter noch nachsehen, da aber später im Text die 30 Jahre erwähnt werden, frag ich mich, wie alt er ist. Das geht aber davon aus, dass ich meine, die Oma hätte ihn mit großgezogen. Es hätte ein wenig mehr ungesagt bleiben können, an anderer Stelle etwas mehr gesagt werden.


Bei jetziger Betrachtung - es sind ja schon ein paar Wochen vergangen - kann ich immer besser erkennen, dass tatsächlich etwas zu viel erklärt wird und an anderer Stelle auch wieder etwas fehlt.
Das Unangenehme, das erzeugt wird im Leseprozess, nehme ich als Kompliment.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
4 Lesbarkeit und Handwerk 3/5
Gut lesbar war es. Ein wenig geschwächelt hat es bei der natürlichen Redeweise von Caroline:
Zitat:
„Was ist es, das dich zögern lässt?“
Nein, so redet man nicht.
Zitat:
… dirigiert durch die Bewegungen dieses Vogels und erlebe ein Stück …

Hier ist mir Ästhetik des Satzanfangs durchs Erklären wieder ein wenig genommen. Weniger hätte es intensiver wirken lassen können. Auch Teil 3 hat ein paar zu viele Erklärungen für meinen Geschmack, z.B. die Scheidung. Die kursiven Dialoge könnte man in Frage stellen, aber das nur am Rande.


Genau, der erste Satz hier, der ist unschön geworden; sehe ich inzwischen genauso. Über den zweiten denke ich noch mal nach, ob ich den verändern möchte, oder ob ich die Erklärung als solche stehen lasse.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
5 Logik 1/3
Ich habe es jetzt zum dritten Mal gelesen. Beim ersten mal habe ich nicht durchgeblickt, wer wer ist, beim zweiten Mal gefiel er mir sehr gut, beim dritten Mal war ich wieder verwirrt. Da kommen wir mal zum Punkt: Die Abschnitte hätte man vielleicht besser mit Namen überschrieben, zumindest die ersten beiden. Ich will jetzt gar nicht alle meine Familienkonstellationsentwürfe darlegen, bis ich das kapiert hatte (wenn ich das überhaupt habe). Ein wenig mehr Klarheit hätte der Geschichte gutgetan. I Jasper II Jasmin III Familie oder so. So lenkt es von der Geschichte ab.


Die Nummerierung der Abschnitte sehe ich mittlerweile auch kritisch, war schon kurz nach dem Abschicken des Textes unsicher deshalb, aber die Zeit (oder vielmehr der Prozess) für eine Lösung fehlte. Deine Idee mit den Namen ist gut, ich denke aber, dass es auch etwas ganz anderes sein könnte (etwas, von dem ich jetzt noch nicht weiß, was ich damit meine Laughing )

Minerva hat Folgendes geschrieben:
6 Sorgfalt 1/2
Da fehlten mindestens 5 Kommas.+1 Fehler.


Die Kommasetzung ... mein ewiger Mangel. Embarassed
Was den Schreibfehler betrifft, halte ich mich an Nam June Paik und sein Zitat-Kunstwerk: When too perfect, lieber Gott böse.

Minerva hat Folgendes geschrieben:
7 Sommerfrischequotient 5/5


Danke!

Minerva hat Folgendes geschrieben:
Gesamtpunkte: 23/32

PUNKTESPOILER * trommelwirbel *
3 Punkte

Meine liebsten Textstellen:
Zitat:
...und ich frage mich kurz, weshalb sie so etwas Absurdes macht. Sich eine Feder ins Haar stecken.
Zitat:
Es ist ein Konzert aus Flügelschlägen und dem Gleiten der ausgebreiteten Schwingen; es gibt sanfte Passagen und solche mit Regsamkeit, mit rhythmischer Steigerung.
Zitat:
Und mit dem Blut nehmen seine Jungen möglicherweise die Hirngespinste der Menschen auf; die Wahrhaftigkeit oder die Verlogenheit


Es war mir eine Freude, deinen tiefen Kommentar zu meinem Text zu lesen! Ich danke dir für die intensive Auseinandersetzung und auch dafür, dass du den Text, trotz der erkannten Mängel, in deine Top Ten mitaufgenommen hast.

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag30.09.2022 19:17

von Heidi
Antworten mit Zitat

Hallo holg,

holg hat Folgendes geschrieben:
Generationenkonflikt? Familiending?


weder noch. Vielmehr sehe ich im Text menschliches Versagen, mangelnde Selbstreflexion und die Unfähigkeit zu handeln, oder etwas zu verändern.
Wobei: als Familiending kann man es schon bezeichnen. Es sind familiäre Verstrickungen, die aufgelöst werden möchten, damit sie nicht mehr zu den genannten Defiziten führen müssen. Offenbar ist aber genau das kaum möglich.

holg hat Folgendes geschrieben:
Sohn kommt nicht wie versprochen zur Feier der Mutter, hat stattdessen lieber ein Sexdate.
Der Sohn führt ein eingebildetes Gespräch mit seiner Mutter. Später führt die Mutter eines (zumindest ein typografisch genau so gesetztes) mit Jasmin, ihrer Schwester.


Genau, so in etwa läuft es ab.

holg hat Folgendes geschrieben:
Dazwischen eine Meditation über Schwalben.


Meditation? Cool, so hab ich die Schwalbenszene bisher noch nicht gesehen; aber ja, das passt.

holg hat Folgendes geschrieben:
Habe ich in anderen Texten zu wenig Subtilität bemängelt, hat dieser entweder zu viel davon oder ist so hermetisch, dass ich ihn nicht geknackt kriege. Da schwelt irgend etwas im Hintergrund, ich kann darüber aber noch nicht einmal spekulieren, weil mir Hinweise fehlen.
Irgendwie kommt mir Visconti in den Sinn. Ich kann das aber  nicht begründen.


Subtilität ist mir wichtig, insofern freue ich mich über dieses Feedback, wobei ein Zuviel davon natürlich eher ungünstig ist, wie du ja auch beschreibst. Der Zugang wurde dir verwehrt und Spekulationen sind dann auch nicht unbedingt befriedigend. Das kann ich verstehen und ist sicher nicht mein Ansinnen, wenn ich einen Text verfasse.
Visconti musste ich googeln. Kannte ich noch nicht und mir geht es wie dir; ich könnte auch nicht begründen, wie die Viscontis im Zusammenhang mit der Geschichte stehen könnten. Aber ich habe den Wikipedia-Artikel auch nur im Ansatz gelesen. Vielleicht könnten die drei Figuren tatsächlich dar reinpassen, wenn ich eine tiefere Betrachtungsweise reinlegen würde.

holg hat Folgendes geschrieben:
Insgesamt lässt mich der Text kalt.


Das ging auch anderen Leser:innen so. Ich denke, es ist eher normal, dass nicht jeder von jedem Text erreicht wird. Erst mal freue ich mich einfach über so viel Feedback, alles andere ist zunächst nebensächlich und/oder wird sich gegebenenfalls weiterentwickeln.

Herzlichen Dank für die Beschäftigung mit dem Text und deinen Kommentar!

Viele Grüße
Heidi
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Beitrag30.09.2022 19:25

von Heidi
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Liebe MoL,

MoL hat Folgendes geschrieben:
Lieber Inko,

ich fürchte, ich habe Deine Geschichte nicht ganz verstanden:
Caroline ist die ältere Schwester von Jasmin. Ihre gemeinsame Mutter war Alkoholikerin. Caroline ist reich und auch Alkoholikerin und Sohn ist Jasper, der wiederum unter ihrer Alkoholsucht leidet?


du hast eigentlich doch auch was ganz gut verstanden im Text. Nur Jasper, der ist nicht alkoholsüchtig. Er kifft. Es wird im Text nicht deutlich, ob er süchtig ist, aber es ist sicherlich naheliegend.

MoL hat Folgendes geschrieben:
Mein größter Kritikpunkt ist sicherlich sehr objektiv: keiner der Protagonisten ist mir auch nur ansatzweise sympathisch. :-/


Diesen Kritikpunkt kann ich gut nachvollziehen. Es ist aber einer, an dem ich so gut wie nichts ändern kann. Die drei sind wie sie sind, und sie sind tatäschlich nicht dazu veranlagt, Everybody's Darling zu sein.

MoL hat Folgendes geschrieben:
Die Einbindung mit dem Blut finde ich von der Idee her super, aber die Umsetzung hat noch viel Potential nach oben. Das ist mir zu wenig eingebunden, wirkt aufgesetzt. Ich bin mir sicher, aus der Geschichte lässt sich noch viel mehr rausholen!


Natürlich, aus so einer Geschichte lässt sich immer noch mehr rausholen. Mal sehen, ob ich mich dazu aufraffe, um genau das zu tun. Jedenfalls freue ich mich darüber, dass du die Idee dem Blut als super emfpindest. smile

Vielen Dank fürs Lesen und den Kommentar!

Liebe Grüße
Heidi
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Beitrag30.09.2022 19:36

von Heidi
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Hallo nebenfluss,

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Hallo Minerva,

möglicherweise bin ich auch hier noch "rechtzeitig" (Antworten deinerseits noch nicht abgeschlossen), um meine unfreiwillige Kommentarverweigerung zu reparieren. Geschrieben ward meinerseits hierzu Folgendes:

Selten lagen Bewunderung und „Och nee!“ in einem 10K-Beitrag bei mir so nah zusammen wie bei diesem. Da wäre auf der einen Seite der zweite Akt der Erzählung mit seiner wunderschönen Beschreibung des Vogelhabitats in einer eigentlich artfeindlichen Umwelt, die dennoch die Lebewesen nährt; auch gefällt mir der simple Titel, der dies mit der Vorstellung von Blutsverwandschaft verbindet, die hier allerdings deutlich schlechter funktioniert.


dass der Text eine gewisse Zerrissenheit in dir ausgelöst hat, was das Ge- oder Missfallen betrifft, finde ich gleichermaßen spannend wie nachvollziehbar.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Dann aber wiederum sind da diese Stolpersteine, die mich bei jedem Lesen erneut die Stirn runzeln lassen – wie etwa die mütterliche Frage „Was ist es, das dich zögern lässt?“, die mir so gar nicht in den sonstigen Tonfall des Telefongesprächs passt. Der Zweifel, ob eine Alkoholikerin wirklich schon an Weihnachten ein Sommerfest terminiert hat, ohne dass irgendwas dazwischen kommt, und wie sie dies ihrem Sohn mitgeteilt hat, wenn der gar nicht da war. Und woher glaubt die Tante zu wissen, dass Caroline zu viel von Jasper erwartet? Der Text scheint mir etwas zu verheimlichen – vielleicht „den Schuss“, ein relevantes Ereignis, das keine der Figuren beachtet und deshalb auch mir verborgen bleiben muss?


Diese Kritikpunkte nehme ich als Verbesserungsvorschläge mit in die Überarbeitung, wenn es denn so eine in naher Zukunft gibt. Was du sagst, kann ich gut verstehen. Es sind Feinheiten, die ich aus Zeitmangel nicht mitbedacht habe, die aber durchaus relevant sind, für ein rundes Ergebnis.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Dass die Vorgabe „Sommergäste“ erfüllt ist, liegt auf der Hand; Begegnung/Abschied und schleichende Veränderung im Hintergrund fällt hier in eins – die Entfremdung zwischen Mutter und Sohn, die zarte Annäherung zwischen den Schwestern sowie die fortgeschrittene Entromantisierung von Dates per Tinder, in denen es nur noch ums „Ficken“ geht, obwohl einem (Jasper) die Gefühls- und Sinnleere einer solchen, offenbar nicht wenigstens besonders erotisch motivierten Triebbefriedigung klar vor Augen steht.
Gereicht hat dies am Ende für meinen siebten Platz.


Es freut mich, dass du die Vorgaben als erfüllt siehst und besonders auch, wie genau du diese 'Erfüllung' mit deinen Worten füllst. Danke dafür!

Ebenfalls vielen Dank für die Auseinandersetzung mit dem Text, den nachgereichten Kommentar und die vier Punkte!

Viele Grüße
Heidi
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