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Der Kräutersammler


 

 
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ChrisPhoenix
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 35
Beiträge: 24



BeitragVerfasst am: 22.09.2022 11:10    Titel: Der Kräutersammler eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Forenmitglieder! Hier eine kleine Kurzgeschichte, die ganz spontan entstanden ist. Der Titel ist nicht besonders gut und dient lediglich dazu dem Pferd hier im Forum einen Namen zu geben. Ich hoffe euch gefällt der Text:

Kräutersammler
Chris Phoenix



Seit dem Morgengrauen streifte Devon nun schon durch die Wälder. Lautlos, wie ein Insekt, das im Unterholz herum kriecht, schritt er dahin, den Blick stets auf den Waldboden fixiert, auf der Suche nach brauchbaren Kräutern und Pilzen. Seine heilsamen Tinkturen, Tränke und Salben hatten schon so mancherlei Leiden gelindert und die Menschen im Dorf baten nahezu täglich um seine Dienste oder seinen Rat.
Gedankenverloren wandelte er durch das sonnenbeschienene Blättermeer, genoss den Gesang der Vögel und ließ seine -trotz seiner Jugend- bereits geschulten Augen ihre Arbeit verrichten, ohne dass sein Geist das Gesehene mit großer Mühe analysieren musste.
Und so erfüllte ihn mit einem Male ganz unterbewusst die Euphorie, als er unter dem breiten Stamm einer alten Eiche einen Pilz von beachtlicher Größe und Schönheit entdeckte. „Eine Knochenkappe!“ Für einen Trank zur Fiebersenkung hätte Devon sich keinen besseren Fund erhoffen können. Gerade wollte seine ungestüme Hand nach vorn schnellen, um das Objekt seiner Begierde zu ergreifen, da gebot ihm ein kurzer Moment der Besonnenheit Einhalt. In seiner Freude hätte er ihn beinahe übersehen, den Fackelröhrling der direkt dahinter gewachsen war. Diese kleinen roten Teufel hatten es in sich. Die kleinste Erschütterung in ihrer Nähe hätte eine Explosion zur Folge, die schwerste Verbrennungen der Haut verursachen könnte. Oder gar schlimmere Verletzungen, wenn das Unglück es so wollte…
Die aufsteigende Anspannung in Devons Inneren sandte ein unangenehmes Kribbeln von der Magengegend aus bis in die Spitzen seiner Glieder.  Mit angehaltenem Atem trat er vorsichtig näher und beugte sich hinunter. Seiner Ausbildung und Erfahrung zum Dank jedoch, gelang es ihm, die Klinge, die er nun zog, mit ruhiger Hand zu führen. Behutsam und präzise setzte er einen Schnitt am untersten Ende des Stieles an und nahm die Knochenkappe an sich, bevor er eilends einen Schritt zurück trat und schnappend nach Luft rang. Die Erleichterung, die ihn nun erfüllte, sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein…
Denn in jenem Augenblick, da er die Gefahr für überstanden glaubte, raschelte es hinter ihm in den Büschen. Erschrocken fuhr Devon herum und sah, wie Gräser und Geäst wackelten und vor einer im Verborgenen wandelnden Kreatur zur Seite wichen. Jetzt, da seine ureigenen Instinkte ihn vor dem drohenden Unheil warnten, begannen auch seine Hände zu zittern. Keinen Laut brachte Devon mehr heraus. Sein Mund wurde ihm trocken, als hätte er seit Wochen eine brennend heiße Wüste durchquert.
Augenblicke später starrten ihn gelbe Augen mit stechenden, mordlüsternen Blicken an, als das Ungeheuer aus dem Buschwerk heraus trat und sich zu voller Größe aufrichtete. Ein Düsterwolf! Selbst auf seinen vier Beinen stehend, erreichte die Bestie die Größe eines ausgewachsenen Mannes. Seine Zähne – beinahe so lang wie Devons Unterarm-, bleckend und mit grollendem Knurren trat der Wolf näher…und setzte schließlich zum Sprung an, um sich auf seine hilflose Beute zu stürzen. Devon blieb keine Zeit zur Reaktion. Wie gelähmt stand er da und musste mit ansehen, wie das Monster auf ihn zu schnellte. Krachend landete er auf dem Rücken und sah wie die riesigen Zähne des Düsterwolfes – auf seine Kehle fixiert-, näher und näher kamen. Devon schloss die Augen. In diesem Moment hatte er seinen Frieden geschlossen mit sich und all den Göttern, die ihm bekannt waren und war bereit sein Schicksal zu akzeptieren…als plötzlich ein Donnern die Luft erfüllte und eine gewaltige Explosion den Waldboden zum Beben brachte. Ein Winseln in der Dunkelheit. Die Luft war schwarz, erfüllt von Rauch und Staub. Benommen und hustend kämpfte Devon sich wieder auf die Beine. Seine Arme und sein Gesicht schmerzten beinahe unerträglich von den zahlreichen Verbrennungen, die sie nun zierten, doch wie es schien, wollten ihn die Götter noch nicht in ihren Reichen bei sich aufnehmen.
Schnaubend wie ein wilder Stier begann sich neben ihm die Bestie zu regen. Noch hatte es der Düsterwolf nicht wieder zurück auf die Beine geschafft, doch wie viel Zeit Devon noch bleiben sollte, wollte er unter keinen Umständen heraus finden. Verstand triumphierte über lähmende Angst, Adrenalin fegte die Schmerzen in seinen Gliedern hinfort und er nahm die Beine in die Hand und rannte, so schnell ihn seine Füße trugen.
Bereits einen kurzen Augenblick später hörte er das Bellen und wuterfüllte Knurren seines Häschers direkt hinter ihm. Devon hetzte durch den Wald hindurch, stolperte über Wurzeln, schlug Astwerk und Gebüsch zur Seite, ungeachtet weiterer Verletzungen, die er sich zuzog, während sein Verfolger mit jedem Atemzug mehr und mehr zu ihm aufschloss. Jegliche Orientierung hatte Devon längst verloren, doch die Richtung, in die seine Flucht ihn führte, war ihm auch ganz egal, solange er nur irgendwie einen Weg aus diesem Alptraum finden konnte.
Jedoch sollte schon bald alle Hoffnung, die ihm noch geblieben war vergehen. So endete die Hetzjagd abrupt und ohne jedwede Vorwarnung, als die letzten beiseite geschlagenen Blätter den Blick auf einen breiten, tosenden Fluss freigaben, dessen ungebändigte Strömung Devon nun den Weg abschnitt. Er saß in der Falle! Vor ihm rauschten die urgewaltigen Fluten des Wassers dahin, während hinter seinem Rücken die geifernde, zähnefletschende Bestie heran nahte. Noch ein letzter Atemzug, bevor der Düsterwolf zwischen den Bäumen hervor trat.
Es gab keinen anderen Ausweg mehr. Verzweiflung ist nicht selten die Mutter des Wahnsinns. Und so stürzte sich Devon ohne zu zögern bereitwillig in den eiskalten Strom hinein. Ein Schock, eines Blitzschlages gleich, schoss durch seinen gesamten Körper, schnürte ihm die Kehle zu und unterdrückte jeden Versuch eines Aufschreis. Alles um ihn herum begann sich zu drehen. Jeder klare Gedanke war weit fort. Es gab nur noch Devon und seinen aussichtslosen Kampf gegen die geballte Kraft der Natur.  Sein Körper schmetterte gegen Felsen, Wasser füllte seine Lungen und die unerträgliche Kälte ließ seine Glieder erstarren. Und schließlich umfing ihn die Dunkelheit…

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Miné
Geschlecht:weiblichLeseratte

Alter: 36
Beiträge: 118
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 23.09.2022 08:15    Titel: Antworten mit Zitat

Liest sich zwar ganz gut, aber irgendwie ein bisschen lahm. Vielleicht könnte man den Text mit ein wenig Dialog aufpeppen.
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realo
Gänsefüßchen


Beiträge: 43



BeitragVerfasst am: 23.09.2022 17:30    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde, die skandalöse Dramatik mit den vielen Bedrohungen nutzt sich schnell ab und dann lese ich nicht mehr weiter. Wir wissen doch, nicht das Unheil selbst schafft den Schauder, sondern die bange Erwartung zu wissen, dass das Unheil kommt, aber nicht wann. Hier ist das Unheil schon da, bevor man richtig in die Geschichte kommt.
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Phenolphthalein
Geschlecht:männlichReißwolf


Beiträge: 1382

DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 25.09.2022 16:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hi ChrisPhoenix,

In der Szene steckt als solche durchaus Potenzial.
Doch zu nutzt einen recht distanzieren, rein erzählenden »Singsang«, der trotz der eigentlichen Spannung vor sich hin dümpelt.
Die Erzählstimme am Anfang ist dabei nicht zwangsläufig verkehrt und vermittelt einen kurzen Augenblick sogar eine Atmosphäre, wie bei einem Märchen. Das verfliegt jedoch genau so schnell, wie du es aufbaust.
Die Beschreibungen sind recht minimalistisch [und grenzwertig für eine KG].
Wie der Prota »tickt« lässt sich kaum (jedoch viel zu wenig) herauslesen. Die erzählende Instanz berichtet [nur] darüber, wie euphorisch der Prota in dem einen Moment und dann erschrocken im anderen ist. Es lässt sich noch ein Schockzustand herauslesen, der jedoch nicht gut hergeleitet wird.
Lange, teils überlange Sätze, eigenen sich kaum in einer Spannungsszenerie.
Mit solchen Sätzen: »Jedoch sollte schon bald alle Hoffnung, die ihm noch geblieben war vergehen«, magst du einen künstlerischen Ansatz verfolgen, aber der ist in der Szene viel zu »hochtrabend« (als Beispiel).
Wenn eine auktoriale Stimme noch hinzu die Leserschaft »vorinformiert« was passiert (egal ob sie es benennt oder nur andeutet), ist das für die Spannung auch eher hinderlich.
Alles in allem ist das zwar sprachlich nicht schlecht (wenngleich nicht mein Stil), aber du hast dir meines Erachtens keine Gedanken darüber gemacht, welche Wirkung zu erzielen willst oder aber die Prioritäten falsch gesetzt.


Liebe Grüße,
Pheno


_________________
Nichts ist leichter, als so zu schreiben, dass kein Mensch es versteht; wie hingegen nichts schwerer, als bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass jeder sie verstehen muss.

-Arthur Schopenhauer
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