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Leben und der ganze Rest


 

 
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Miss Purple
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Beiträge: 130
Wohnort: In den öden Weiten des Rübenanbaus


BeitragVerfasst am: 17.08.2022 11:40    Titel: Leben und der ganze Rest eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Was ich gerne über den Einstieg und das erste Kapitel dieser biografische Erzählung wissen würde: Die Erzählperspektive wechselt in der gesamten Erzählung: Von der Ich-Erzählerin zur auktorialen, zur personalen oder neutralen Erzählerin. Ist das nachvollziehbar? Sind die Zeitformen korrekt?
Weckt das erste Kapitel Interesse, wie es weitergeht?
Mit oder ohne Fotos?









Eine Familiensaga

Prolog



Langsam verschwindet die Sonne am Horizont, während sich der Zug kontinuierlich immer weiter Richtung Südniedersachsen und meinem Geburtsort nähert. In der Reflexion der Fensterscheibe taucht das Gesicht einer älteren Frau auf. Erschreckenderweise vereint sie Züge meiner Mutter und Großmutter. Widerwillig realisiere ich, das ich in mein eigenes Spiegelbild schaue – und dass mein inneres Bild von mir und meine Empfindungen den äußeren Veränderungen nachhinken. Alt werden doch immer nur die anderen. Bisher bin ich möglichen Veränderungen stets ungeduldig entgegengeilt, heute frage ich mich: Wo sind das kleine Mädchen, die junge Frau, die ich einst war, geblieben?
Seufzend überprüfe ich, ob sämtliche Koffer und Taschen noch da sind - doch was mich beunruhigt, ist nicht nur die Verantwortung für mein physisches Gepäck. Aus den Schatten der hereinbrechenden Dämmerung treten nun auch jene Reisebegleiter, die man „Erinnerungen“ nennt.
Merkwürdig, dass es mir nicht gelingt, Reminiszenzen meines Lebens aus abgeklärter Distanz zu betrachten. Auch vor dem Hintergrund erworbener Erfahrungsvielfalt scheint die eigene Geschichte Macken zu haben, unschöne Makel, zuweilen sogar gravierende Fehler. Wozu diese mentale Wiederbelebung früheren Scheiterns? Ist es nicht Zeit, umzuschreiben, was ich "Vergangenheit" nenne - indem ich hier Schmeichelhaftes hinzudichte, dort etwas wegretuschiere? Erinnern als eine Geschichte, die wir uns selbst - und anderen – erzählen.
Als reflektierter Mensch ist mir Authentizität lieber. Doch kann Reflexion jemals eine getreue Abbildung der Realität sein? Im Prozess des Erinnerns bin ich Autorin, Protagonistin und Rezipientin zugleich, das scheint das Reizvolle daran zu sein. Erinnerung spiegelt meine (unbewusste) Einstellung: Bespiegele ich mich nur narzisstisch selbst oder bin ich bereit, mir wirklich zu begegnen: Hier eine Schwäche, dort ein spektakuläres Versäumnis … ? Wozu soll Erinnerung dienen? Glaube ich an die Richtigkeit meiner  Erinnerung, weil ich älter werde und nicht mitbekomme, wie ich die Vergangenheit verzerre? Ist mein früheres Selbst nur meine Persona, die soziale, geschlechtsspezifische, intellektuelle Maske - und kann es überhaupt gelingen, darunter mein damaliges, emotionales, psychisches Selbst frei zu assoziieren? Gibt es meine Geschichte tatsächlich – oder wird sie im Prozess des Erinnerns bereits eingefärbt durch meine heutigen Emotionen und Erfahrungen, die spezielle Situation dieses Augenblicks, entstellt durch Erinnerungslücken und romanhafte, erzählerische Ergänzungen, die ich, unbewusst mitgestaltend, hinzufüge und mir und anderen als „erinnerte Realität“ verkaufe, die so nie stattgefunden hat?
Und wie erinnere ich Menschen meiner Familie, die schon vor mir da waren und ihre Geschichte, in die meine verwoben und "eingearbeitet" ist wie kleine Quadrate in eine Patchwork-Decke? Wie und in welcher Haltung erinnere ich jene, die bereits gestorben waren, als ich geboren wurde?
Oder die, deren Leben und Sterben ich, mehr oder weniger bewusst, begleitet habe?
Kann man Menschen, von denen nur erzählt wurde oder an die man sich selbst erinnert, jemals gerecht werden?
Ich sollte das alles mal aufschreiben, denke ich matt; schon der Gedanke daran macht mich unsagbar müde ...



1. Kleine Verhältnisse


Ehe ich die Bühne des Lebens betrat, hatten meine Urgroßeltern, Großeltern und Eltern schwere Zeiten erlebt und überlebt: Das Kaiserreich, den ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, den zweiten Weltkrieg …  
Meine Familie väterlicherseits lebte in einem Vorort von Kiel, unser Nachname weist auf schwedische Vorfahren hin - von denen einer Kutscher im schwedischen Königshaus gewesen war, so weit hatte meine Patentante Toni das für den sogenannten „Ariernachweis“ recherchiert.  
Mein Großvater Erich - den ich nicht kennengelernt habe, weil er früh verstarb - war Kaufmann. Seine Zwillingsschwestern Toni und Anni absolvierten nach der Mittelschule ebenfalls eine kaufmännische Lehre. Während der zwanziger Jahre lebte Toni in Hamburg und Anni in Kiel, beide arbeiteten als Sekretärinnen. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, während der nachfolgenden Weltwirtschaftskrise zog es sie, wie viele junge Frauen, in die Großstadt, wo es leichter war, als Schreibkraft, Büro-Angestellte, Fabrikangestellte oder als Arbeiterin Geld zu verdienen.
Später, während des zweiten Weltkriegs arbeiteten sie, wie viele andere Frauen, anstelle der Männer, die an der Front waren, in Industrie und Wirtschaft, um ihre Familien zu ernähren.  
Als Erich verstarb, hinterließ er seinen einzigen Sohn Max, damals zehn Jahre alt - meinen Vater. Die noch unverheirateten Tanten, Toni und Anni, nahmen sich des Halbwaisen an, unterstützten seine Mutter finanziell und bezahlten das Schulgeld für Max, so dass er die mittlere Reife absolvieren und später eine Lehre als Bankkaufmann beginnen konnte.
Max hatte ein inniges Verhältnis zu seiner Mutter – zu seinem Leidwesen heiratete sie wieder brachte Edith, seine Halbschwester zur Welt. Von da an machte der Stiefvater Unterschiede zwischen „seinem“ Kind und dem Stiefsohn Max, den er streng maßregelte und abweisend behandelte. Beide Tanten gaben ihr Bestes, um die familiäre Schieflage auszugleichen. Sie waren es auch, die Max eine Lehrstelle bei einer Bank besorgten, damit er den Spannungen Zuhause entkommen und schnell vom Stiefvater finanziell unabhängig sein konnte. So war jedenfalls der Plan gewesen – bis der zweite Weltkrieg begann ...

Die Familie meiner Großmutter mütterlicherseits lebte in Südniedersachsen. Meine Oma Luise kam 1905 als zweitältestes Mädchen von dreizehn Geschwistern zur Welt. Drei Geschwister waren bereits früh gestorben, Lieschens sechs Schwestern: Auguste, Johanne, Anna, Minna, Lina und Alwine und ihre drei Brüder: Friedrich, Karl und Heinrich, überstanden unbeschadet zahlreiche Kinderkrankheiten, Mangelernährung, schwierige Lebensverhältnisse und eine strenge Zucht und Ordnung Zuhause. Zusammen bildeten sie eine lautstarke Gemeinschaft, die untereinander streiten konnte wie die Kesselflicker, doch bei der Arbeit im Haushalt, im Garten, in der Schule und in der Not hielten sie alle zusammen wie Pech und Schwefel.
Die zwölfköpfige Arbeiterfamilie lebte beengt und ärmlich untergebracht in ein paar kleinen Zimmern in einem alten Fachwerkhaus aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Ihre Wohnung lag in der dritten Etage, direkt unter dem Dach: Winzige Zimmer mit windschiefen Wänden und so niedrigen Decken, dass Großgewachsene sich bücken mussten, um nicht an einen der tragenden Holzbanken zu stoßen. Die kleinen Butzenfenster ließen nicht viel Tageslicht herein, so dass in den Räumen stets Dämmerlicht herrschte. Einen Ofen gab es nur in der Wohnküche, im Flur und den Schlafzimmern herrschten im Winter Eiseskälte – da weder Fenster noch Wände isoliert waren, bildeten sich Eiskristalle an den Fensterscheiben. Die Eltern teilten ihr Bett mit den jüngsten Kindern, während die älteren Geschwister zu zweit in einem Bett schliefen, was bei den Zwillingen Alwine und Lina oft zu Streit führte, beispielsweise darüber, wer sich die Füße wie lange am heißen Ziegelstein, den ihnen die Mutter ins kalte Bett gelegt hatte, wärmen durfte. Nach solchen Streitigkeiten drehten sie sich beleidigt den Hintern zu, so dass sie sich wenigstens nicht mehr ansehen mussten.
Ein Plumpsklo für sämtliche Mietparteien stand draußen, im Innenhof. Darunter lag eine Sickergrube, deshalb musste man nach jedem Toilettengang eine Handvoll Kalk auf die Fäkalien schütten. In heißen Sommern stank es bestialisch - und im Winter, wenn es früh dunkel wurde, brach man nur, wenn es sein musste, mit der Öllampe zum Toilettengang auf; erst durch das dunkle Treppenhaus und danach, schlotternd vor Kälte, quer durch den Innenhof. Deshalb hatten Erwachsene und Kinder für ihr kleines Geschäft einen Pinkelpott unter dem Bett stehen, der morgens ausgeleert werden musste – eine ungeliebte Strafarbeit für Kinder, die etwas ausgefressen hatten.
Mein Großvater Karl war Maurer und solange die Kinderschar noch klein war, einziger Verdiener in der Familie. Die soziale Situation der Arbeiter im Kaiserreich war denkbar schlecht: Die Löhne waren niedrig, die kinderreichen Familien waren bitterarm, viele lebten weit unter dem Existenzminimum. In Südniedersachsen gab es um 1900 einhundert Maurer – denen von den Mauermeistern sechzehn verschiedene Löhne ausgezahlt wurden: Dabei waren Stundenlöhne von zwanzig Pfennig - für die man gerade ein Brot bekam – bei einem Arbeitstag von über zehn Stunden die Regel, nicht die Ausnahme.
Trotz widriger finanzieller und sozialer Umstände in den Arbeiterfamilien hatte das wilhelminische Kaiserreich großes Interesse daran, dass die Geburtenzahlen hoch blieben: Aus kinderreichen Arbeiterfamilien ließen sich billige Arbeitskräfte und Soldaten rekrutieren. Wer Aufklärung und Informationen über Verhütung an die Bevölkerung weitergab, wurde strafrechtlich verfolgt, Abtreibungen standen unter Strafe. Armen Frauen blieb nur die Wahl, zu einer illegalen „Engelmacherin“ zu gehen und dort ihr Leben zu riskieren. So bekamen sie ein Kind nach dem anderen, viele Säuglinge starben bereits nach der Geburt und im Kleinkindalter an Unterernährung, Kinderkrankheiten und mangelnde ärztliche Versorgung.
Nur durch Schrebergärten und Kleinviehhaltung konnten sich kinderreiche Familien wie die Familie meiner Oma Luise ausreichend ernähren, für alles andere war kein Geld. Erste Arbeitervereine wie die Arbeiterwohlfahrt und Frauenvereine wurden in den Zwanziger Jahren gegründet, sie halfen tatkräftig mit Lebensmittel-Spenden, um die größte Not zu lindern.
Im Kaiserreich hatte das Großbürgertum die scharfen sozialen Gegensätze innerhalb der Gesellschaft zementiert, was später innerhalb der Arbeiterschaft zu einer sozialdemokratischen Massenbewegung führte, der die antisozialen, bürgerlichen Kräfte entgegenstanden. Wer offen sozialdemokratische Gesinnung zeigte, war stärksten Repressalien ausgesetzt. Die wilhelminische Gesellschaft tat alles, um die Proletarier auszugrenzen. Nach dem zweiten Weltkrieg führte das in der Weimarer Republik dazu, dass Arbeiter sich stärker in Gewerkschaften, Genossenschaften und Vereinen zusammentaten und Streiks für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen organisierten. Durch das kommunistische Gedankengut der KPD entwickelte die Arbeiterschaft ein neues, kämpferisches Bewusstsein: Wir gegen „die da oben“:
„... Mann der Arbeit, aufgewacht,
und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,
wenn dein starker Arm es will! ...
Lied der Arbeiterbewegung, von Georg Herwegh


Eine Arbeiterfamilie, die in der Weimarer Zeit etwas auf sich hielt, war im Konsum (Genossenschafts-Verein mit günstigen Lebensmitteln für seine Mitglieder), im Turnclub, im Fußballverein oder in der Gewerkschaft und in der SPD.
Die Klassenunterschiede machten sich in meiner Geburtsstadt auch örtlich sichtbar: Die „Sozis“ trafen sich im Rheinischen Hof, während sich die Fabrikbesitzer und Deutsch-Völkischen Verbände im Gasthof „Zur Traube“ trafen. Wenn man sich auf dem Nachhauseweg begegnete, kam es häufig zu heftigen Anfeindungen und Raufereien, die oft in Straßenkämpfen ausarteten.

Luise und ihre Geschwister besuchten acht Jahre lang die Volksschule, wo Frömmigkeit, vaterländische Gesinnung und Königstreue gelehrt wurde. Vor und nach der Schule mussten die ältesten Mädchen der Mutter bei der Hausarbeit zur Hand gehen, ihre jüngeren Geschwister beaufsichtigen und betreuen, damit ihre Mutter sich anderen Arbeiten widmen konnte. Die Jungen halfen dem Vater im Garten, fütterten Hasen, Hühner und das Hausschwein und waren auch beim Schlachten der Tiere mit dabei. Ob die Kinder das mochten oder nicht, wurde nicht gefragt.
Nach der Schulzeit gingen die Mädchen entweder in großbürgerliche Haushalten als Hausangestellte in Stellung oder arbeiteten bis zu ihrer Heirat als ungelernte Kräfte in einer ansässigen Fabrik, der Weberei oder Fahrradfabrik. Berufsausbildungen konnte sich nur leisten, wer das Lehrgeld zahlen konnte. Doch alle Geschwister trugen auf die eine oder andere Weise zum Familienunterhalt bei, gaben Zuhause Wirtschaftsgeld für Kost und Logis ab, bis sie heirateten und eigene Familien gründeten – was in der Regel früh geschah. Friedrich war der einzige von den Jungen, der unverheiratet blieb– was Gründe hatte, über die niemand sprach. Dass er sich kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges mit seinem Freund Albert freiwillig zur Fremdenlegion meldete und später mit ihm nach Mexiko auswanderte, gab in der Familie häufig Anlass zu Spekulationen, die jedoch nur im Flüsterton und hinter vorgehaltener Hand ausgetauscht wurden.




Meine Urgroßeltern waren fromme, arbeitsame Menschen, geprägt von  Grundsätzen protestantischer Arbeitsethik: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“
Meine Oma Luise musste als Zweitälteste früh im Haushalt und bei der Versorgung ihrer jüngeren Geschwister mithelfen: Morgens, noch vor der Schule, führte ihr Weg sie erst zur Villa des Fahrrad-Fabrikanten Stukenbrok, wo sie am Dienstboten-Eingang das Gemüse und die Eier aus dem Schrebergarten der Familie ablieferte, danach putzte sie die Schuhe der Fabrikantenfamilie, die man für sie in den Flur gestellt hatte. Dafür bekam sie ein wenig Klimpergeld: Milchgeld für die Schule.
Arbeiterkinder verrichteten häufig solche Boten- und Hausdienste in Großbürgerhäusern und trugen so mit zum Einkommen ihrer Familien bei. Wie sich die Kinder dabei gefühlt haben, stand auf einem anderen Blatt. Falls sie mehr als ein Trinkgeld bekamen, musste das Zuhause abgeliefert werden, wo jeder Groschen zählte: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“
An Fest- und Feiertagen und bei Nachbarschaftsfesten ging es ausnahmsweise fröhlich zu; Je älter die Geschwister waren und je mehr sie mitverdienten, um so üppiger konnte aufgetischt und gefeiert werden. Oft kamen auch die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter dazu und es wurde noch enger – aber gemütlicher. Im Winter saß man bei Familienfesten in zwei Schichten um den warmen Ofen in der Wohnstube: Eine Hälfte der Gäste kam am Nachmittag, die andere Abends. Im Sommer feierte man draußen, im Innenhof oder im Schrebergarten, wo man auch mit den Nachbarn zusammen saß und klönte.
Die ältesten Geschwister zogen bald in eigene Wohnungen; ein Enkelkind nach dem anderen kam zur Welt und wurde der Oma auf den Schoß gesetzt. Meine Urgroßeltern waren bereits mehrfache Großeltern, während Auguste, ihre jüngste Tochter und Nachzüglerin, gerade erst zehn Jahre alt geworden war und noch Zuhause wohnte.
So lange meine Urgroßeltern lebten, war für ihre Kinder das Elternhaus in der Tiedexerstraße immer der Treffpunkt: Morgens oder am Nachmittag kamen die Mädchen mit ihren Kindern, um ihre Mutter, die früh verbraucht und krank war, zu unterstützen oder mit ihr Kaffee zu trinken und zu plaudern. Die Enkelkinder wurden derweil auf den blankgeputzten Dielenboden gesetzt, damit sie dort spielten konnten. Abends, nach der Arbeit, kamen auch die Söhne und Schwiegersöhne vorbei, um ein Glas Bier mit dem Familienvorstand zu trinken.




Meine Oma Luise, die sich als Mädchen im Haushalt und im Garten geschickt und umsichtig angestellt hatte, ging als Hausmädchen bei der Fabrikanten-Familie Stukenbrok in Stellung, für die  sie bereits als Mädchen Botengänge gemacht hatte. Im großbürgerlichen Haushalt lernte sie eine andere Lebensart kennen und dort ganz anders Kochen und Hauswirtschaften, als sie es von Zuhause gewohnt war. So bekam sie exklusive Einblicke in die Welt wohlhabender Großbürger, die ihr bis dahin verwehrt geblieben waren. August Stukenbrok führte eines der ersten Versandhäuser für Fahrräder mit vierhundert Mitarbeitern. Für die junge Luise waren der Fabrikherr August, seine Frau und Tochter von nun an Maßstab für gute Umgangsformen und großbürgerliche, gediegene Haushaltsführung. Bei ihren Geschwistern kamen ihre neuen Manieren nicht gut an, sie fanden Luise sei „hochnäsig“ geworden - und wenn sie sie besonders ärgern wollten, nannten sie sie „Hertha Stukenbrock“, nach der hochnäsigen Tochter des Fabrikanten, die niemand leiden konnte.
1931 ging die Firma Stukenbrok in Konkurs und die ganze Familie wurde wegen Konkursverschleppung verhaftet, die vierhundert Arbeitsplätze gingen verloren, was für eine Kleinstadt einer Katastrophe gleichkam. Die politischen Verhältnisse änderten sich: Die ehemalige Hochburg der Sozialdemokraten verlor ihre Stimmen zugunsten der Nationalsozialisten, je mehr Arbeitslose es gab.1927 waren in meiner Geburtsstadt nur 58 Unterstützungsempfänger gemeldet, im Jahr 1932 waren es bereits 870 Menschen, die Arbeitssuchend waren. Diese prekäre soziale Situation leistete der NSDAP Vorschub, die mit Versprechen auf Arbeit und bessere Lebensbedingungen um Mitglieder warb.

Meine Oma Luise arbeite nun in der Weberei Salzmann als Spulerin; dort lernte sie ihren Mann Hermann, einen Weber kennen. Sie waren ein sehr unterschiedliches Paar, vom Gemüt und von der Konfession her: Hermann der Katholik, ein eher zurückhaltender, ruhiger Mann mit leicht gewelltem Haar und markanter Nase, der leicht nachgab. Als Weber war er ein überzeugter Sozialdemokrat, der in seiner Freizeit begeistert Fußball spielte oder Kegeln ging. Die patente, lebenspraktische Luise hingegen war nicht auf den Mund gefallen und machte den Eindruck, ganz genau zu wissen, was sie wollte – und was nicht. Sie war es von klein auf gewohnt, zu arbeiten und dabei eine Schar jüngerer Geschwister in Schach zu halten und zur Raison zu bringen. Die Schwestern fanden, Luise habe immer schon eine Führungsposition in der Rangfolge der Geschwister  und einen Hang „zu was Besserem“  gehabt – und auch in ihrer Ehe die Hosen an. Dieser unterschwellig schwelende Schwesterneid kam häufiger zum Ausdruck: Wenn in der Familie große Ereignisse wie Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen gefeiert wurden, rief man stets Lieschen zu Hilfe. Sie hatte den Ruf, die Tüchtigste von allen zu sein – was sie die eine andere Schwester, die sich allzu ungeschickt und hilflos anstellte, auch spüren ließ. In der Küche der jeweiligen Hausfrau übernahm Luise zu gerne das Ruder und organisierte, plante und kochte für vielköpfige Fest-Gesellschaften. Ob dies immer umsichtig oder übergriffig geschah, hing von Luises Laune und vom hauswirtschaftlichem Geschick der jeweiligen Hausfrau ab, der sie zur Seite stehen sollte.

Die erzkatholische Familie meines Großvaters war strikt gegen Hermanns Verbindung „mit der Evangelischen“ , doch Hermann hielt zu seiner Luise: Als sie von ihm schwanger war, heiratete er sie 1924 in der Marktkirche. Somit wurden Fakten geschaffen, die beide Familien akzeptieren mussten. Eine öffentliche Demütigung blieb den Brautleuten nicht erspart: Damals unterschied man noch zwischen Trauungen mit und ohne „kirchliche Ehren“: Einer Braut, die bei der Heirat schwanger war, wurden Kranz und Schleier und das Orgelspiel verweigert. Dass die beiden evangelisch heirateten, bedeutete für meinen Großvater die Exkommunikation aus der katholischen Kirche. 1925 kam ihr Sohn Kurt zur Welt, 1927 wurde meine Mutter Ingeborg geboren.


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wohe
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BeitragVerfasst am: 19.08.2022 09:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Miss Purple,

Du solltest den Text noch einmal Korrektur lesen.
Beispiele:
- und schnell vom Stiefvater finanziell unabhängig sein konnte (und finanziell schnell vom Stiefvater unabhängig sein konnte)
- für alles andere war kein Geld (... vorhanden, da)
- ... gab.1927 ... (... gab. 1927 ...)
- ... die Arbeitssuchend waren (... die arbeitssuchend waren)

Zu Deinen Fragen:

Den Perspektivwechsel kann ich nicht beurteilen, da er bisher nur beim Wechsel vom Prolog zum Inhalt vorkam und da ist er ok.

Die Zeitformen sind, soweit ich das bei einem Lesedurchgang mitbekommen habe, korrekt.

Ja, der Beginn weckt Interesse, weil er nicht nur die familiären Verhältnisse darstellt, sondern auch die Lebensumstände und den politisch-gesellschaftlichen Kontext beschreibt.
Ein Wermutstropfen ist allerdings die Ausführlichkeit. Ok, es ist halt eine Biographie, bei der die familiären Beziehungen relevant sein können, aber bezüglich des Leseflusses und Interesseweckens würde ich die Details reduzieren (z.B. namentliche Aufzählung aller Familienangehörigen und deren Einzelgeschichten).

Die Fotos sind ok, sollten aber kommentiert werden, um sie einordnen zu können.

Trotz des "Informationsoverkills" insgesamt lebendig und gekonnt geschrieben.

MfG Wohe
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 19.08.2022 10:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo @wohe, danke für Deinen Leseeindruck. Was die "Ausführlichkeit" betrifft, die Du beanstandest, halte ich diese für einen biografischen Roman für angemessen. Vielleicht macht das zweite Kapitel deutlich, warum ich bestimmte Hintergründe ausführlicher beleuchtet habe.
Die Fotos kommentieren - wie stellst Du Dir das vor?
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wohe
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BeitragVerfasst am: 19.08.2022 17:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Miss Purple,

ich dacht an wo was wie zum Beispiel

- für das Familienfoto:
   -- Luises Familie um 01.01.19nn
   oder
   -- Oma Luise = 1. von links oben
   oder
   -- Die gesamte Familie bei der Weihnachtsfeier
   oder so

- Für das 2. Foto einen ähnlichen Hinweis

- Für das 3. Foto:
   -- Meine Mutter bei der Konfírmation 19nn
   oder
   -- Mutter und ihre Eltern, fotographiert von meinem Onkel Kurt
  oder so

MfG Wohe
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 20.08.2022 07:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@wohe, danke für Deine Antwort, ich denke drüber nach.
Da ich es hier leider nicht mehr einfügen kann:
Auf dem ersten Familienfoto sitzt meine Großmutter ganz rechts, direkt neben ihrem Vater.
Auf dem zweiten Familienfoto steht sie dritte Reihe Mitte, im hellen Pullover, rechts daneben mein Großvater, links einen Schwager.
Auf dem dritten Foto Luise und Hermann, davor meine Mutter, etwa sieben Jahre alt.



Einen Fehler habe ich noch gefunden:
Zitat:
Mein Großvater Karl war Maurer und solange die Kinderschar noch klein war, einziger Verdiener in der Familie.


Es muss heißen: Mein Urgroßvater Karl ...[/quote]
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Miss Purple
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BeitragVerfasst am: 20.08.2022 10:57    Titel: Leben und der ganze Rest, Kapitel 2 und 3 pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich weiß leider nicht, wie ich das zweite und dritte Kapitel an das erste "dranhängen" kann (mit diesem Fenster: "Wie es weiterging"), kann mir das jemand erklären?
Auch bei den folgenden Kapiteln interessiert mich außer dem Leseeindruck das "handwerkliche": Erzähl-Struktur, Zeiten korrekt, Erzählweise ... stimmig? Möchte man weiterlesen?


Forstsetzung: Leben und der ganze Rest

2. Familienkrieg


In meiner Familie gab es drei Zeitzonen des Erinnerns und Erzählens: Vor dem Krieg, im Krieg und nach dem Krieg. Sechs Jahre Krieg und zwölf Jahre Diktatur hatten auch in der Familiengeschichte ihre Spuren hinterlassen. Nach dem Krieg tat man so, als sei davor alles „heil“ und „vollständig“ gewesen. Beide Familien, die in Norddeutschland, als auch in Niedersachsen, hatten auf unterschiedliche Weise einen festen Zusammenhalt - wenn auch nicht immer so friedlich, wie man vorgab. In Kriegszeiten rückte aber die Familie wieder eng zusammen, man half sich gegenseitig, vor allem, wenn Verluste von Angehörigen zu beklagen und zu betrauern waren.
Das erste Unglück traf meine Oma Luise und ihre Kinder Kurt und Ingeborg: Im ersten Kriegsjahr 1940 starb ihr Mann Hermann nach kurzem, schweren Leiden an Magenkrebs. Luise wurde mit fünfunddreißig Jahren Witwe, Ingeborg war damals dreizehn Jahre alt, ihr Bruder Kurt war fünfzehn und hatte gerade seine Lehre begonnen. Da die Rente zum Leben nicht reichte, musste er nun Miternährer der Familie sein und fühlte sich verantwortlich, die Rolle seines Vaters einzunehmen und Mutter und Schwester zu beschützen – eine Rolle, der er vom Alter her und in Kriegszeiten nicht gewachsen sein konnte.
Luise arbeite wieder in der Weberei. Ihre Ingeborg, genannt Inge kam, nachdem sie ihren Volksschulabschluss absolviert hatte, als Kindergartenhelferin im städtischen Kindergarten unter. Für alle brachen nun noch schwerere Zeiten an: Mitten im zweiten Weltkrieg waren sie auf sich gestellt. Ihr einziger Halt: Luises Geschwister. Ohne ihre Hilfe hätte sie ihre Kinder nicht gut durch die Wirren der Kriegszeiten durchbringen können.
Kurt suchte seit dem frühen Tod seines Vaters außerhalb der Familie männlichen Halt und Unterstützung und wurde begeistertes Mitglied der Hitlerjugend - wie die meisten Jungen seines Alters war er erst bei dem Pimpfen, dann im Jungvolk. Ab 1940 mussten alle Jungen zur HJ, wo sie paramilitärisch erzogen und für den Kriegsdienst gedrillt wurden. In Zeltlagern und Zusammenkünften lernten sie Befehl und Gehorsam. Kurt wurde später Mitglied im 1927 gegründeten Marineverein - bis 1937 war dieser von den Nazis infiltriert und im Sinne der NS-Propaganda umfunktioniert worden. Man nannte ihn in „Marine-Kameradschaft Admiral Bertram“ um, nach einem ortsansässigen Befehlshaber der deutschen Ostasienflotte. Mit Sechzehn trug Kurt mit Stolz seine Marine-Uniform und konnte es nicht erwarten, bis er in den Krieg ziehen „durfte“. Luise versuchte dies verzweifelt zu verhindern: Als Kurt sich zum ersten Mal freiwillig zur Kriegsmarine meldete, konnte sie das noch rückgängig machen, indem sie bei seinem Vorgesetzten geltend machte, dass ihr Sohn Miternährer der Familie war und deshalb nicht an die Front konnte. Als die allgemeine Wehrpflicht und vormilitärische Wehrausbildung für alle Männer von 18 bis 45 Jahren eingeführt wurde, meldete Kurt sich nochmals heimlich als Freiwilliger - und war eines Nachts mit Sack und Pack verschwunden. Auf dem Küchentisch lag ein Brief: „Meine liebste, beste Mutter - verzeih mir, aber ich musste es tun ... Dein Dich immer liebender Sohn Kurt. P.S.: Gib Inge einen Kuss von mir."
Es folgten viele weitere Briefe aus der Ferne, doch wo Kurt genau stationiert war und ausgebildet wurde, durfte er seiner Mutter nicht schreiben.
Nach seiner ersten Feindfahrt galt sein U-Boot als vermisst - und tauchte auch auf keiner der Abschusslisten der Alliierten auf.


Auf dem Bild: Links Luise, mit ihren Kindern Kurt und Ingeborg

Meine Mutter litt sehr darunter, dass sie nach ihrem Vater auch noch ihren Bruder, den letzten männlichen Beschützer der Familie, verloren hatte. Sie suchte Orientierung und Halt bei ihrer Mutter, doch Luise war damit beschäftigt, ihr gemeinsames Überleben zu sichern, ging wieder in der Weberei arbeiten und war vor Trauer um ihren Mann und Sorge um ihren geliebten, vermissten Sohn Kurt so mit sich selbst beschäftigt, dass sie das Leid ihrer Tochter Inge, die sich nach emotionalem Schutz sehnte, überging und statt dessen verlangte, dass sie - wie sie selbst - einfach "funktionierte". Das war nicht einfach für ein pubertierendes Mädchen, mitten im Krieg. In ihrer Schulzeit war Inge in den 1925 in  gegründeten Jungmädchenbund gegangen, später BDM, wo sogenannte „Mädelscharführerinnen“ sie auf die Ehe und Mutterschaft vorbereiteten: Die Frau als treue Helferin, Hausfrau und Mutter. Danach, als Kindergartenhelferin, war sie zwar beschäftigt und hatte dadurch eine Tagesstruktur, doch ihre Jugendzeit ging unter in Pflichten, Geboten und Einschränkungen. Auch Luises strenge Überwachung Zuhause ließ nur wenig Raum für Vergnügungen für ein junges Mädchen.
In der NS-Zeit war Bildung für Kinder und Jugendliche Nebensache geworden. Hitler wollte keine intellektuelle Jugend, sondern eine, die im Gleichschritt marschierte - Individualität war verpönt. In meiner Geburtsstadt gab es damals nur noch sieben Schüler, die die Reifeprüfung gemacht hatten: Ein Junge und sechs Mädchen. Alle anderen waren bereits eingezogen: Die Jugend musste zum Einsatz beim Reichsarbeitsdienst, RAD, in die Hitlerjugend, HJ und als Marinehelfer und Flakhelfer.
Die letzten Kriegsjahre war meine Mutter allein auf sich gestellt und musste früh erwachsen werden - vor allem, als sie auch zur Betreuung ausgebombter Flüchtlinge und Kinder in der „Kinderlandverschickung“ eingesetzt wurde, die für Tage oder Wochen in der Stadt Station machten und versorgt werden mussten. Dort wurde sie mit einem Elend konfrontiert, dass sie als junges Mädchen zutiefst schockierte: Verlauste, unterernährte Kriegswaisen, behinderte Kinder, traumatisierte Flüchtlinge ...
1943 meldete sich meine Oma Luise, vor Sorge und Angst um ihren vermissten Sohn freiwillig zur Ausbildung als Rotkreuzschwester. Ihre Motivation lag nicht in der Begeisterung für Führer, Volk und Vaterland, sondern entstammte aus sozialem Empfinden und der Verpflichtung, trotz allen Elends ihren Dienst zu tun, wie sie es in ihrem Elternhaus gelernt hatte: „Ein jeder an seinem Platz: Einer für alle und alle für einen!“
Als Angestellte des Roten Kreuzes erhoffte sie sich außerdem, nähere Auskünfte über den Einsatz und Verbleib ihres Sohnes zu bekommen. Dass das DRK von den Nationalsozialisten infiltriert und zu Kriegszwecken instrumentalisiert worden war, nahm sie dabei billigend in Kauf.
Doch gleich nach ihrer Ausbildung wurde sie sofort an die Ostfront abkommandiert, in ein Lazarett in Reichenberg, das während der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei 1939 Hauptstadt des Reichsgaues Sudetenland war. Seit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Tschechien war die Dichte an hohen Funktionären und NSDAP-Hitlertreuen in Reichenberg besonders hoch – und Luise hoffte, dort von Soldaten und Offizieren Näheres über den Verbleib ihres Sohnes erfahren zu können.
In diesem, zum Kriegslazarett umfunktionierten Krankenhaus mit 90 Betten lag auch mein Vater Max. 1942 war er, gerade achtzehn Jahre alt geworden, eingezogen und als einfacher Wehrmachtssoldat im Russlandfeldzug eingesetzt worden. An der Ostfront wurde er bei einem Gefecht am Fuß verwundet, ein glatter Durchschuss. Wegen der unhygienischen Zustände auf dem Transport und im Feldlazarett bekam er Wundbrand und sein Fuß musste amputiert werden. Doch die Wunde verheilte nicht, so amputierte man ihm in einer zweiten Operation erst den Unterschenkel bis zum Knie. Wieder bekam er eine lebensbedrohliche Infektion und so musste auch noch der Oberschenkel amputiert werden. So war er, mehr tot als lebendig, als Kriegsversehrter im Lazarett in Reichenberg gelandet, in dem seit 1943 meine Oma als „Schwester Luise“ arbeitete.
Die zwei mochten sich auf Anhieb, Luise nahm sich mütterlich des jungen Mannes an, der im gleichen Alter wie Sohn war und sie an ihn erinnerte: Vielleicht lag auch ihr Kurt irgendwo in einem Lazarett – außerstande, zu schreiben – so hoffte sie bis zuletzt. Durch Schicksalsschläge und Kriegsdienst traumatisiert und fern der Heimat, ohne ihre Familienangehörigen, sprachen beide viel miteinander, denn zu Familienangehörigen gab es nur sporadischen, brieflichen Kontakt. Durch die Kriegswirren konnte mein Vater keinen Besuch aus seiner Heimatstadt  Kiel bekommen: Seine Tante Toni war in Hamburg ausgebombt worden und Tante Anni, die ihren Chef, einen Oberregierungsrat und Parteifunktionär aus Stettin geheiratet hatte, musste als ehemalige BDM-Mädelscharführerin nun um ihr Leben bangen: Die russische Armee drang aus dem Osten immer weiter vor – daher rüstete Anni sich mit ihrem Mann zur heimlichen Flucht.
Mein Vater Max schien mit seinem bisherigen Leben abgeschlossen zu haben: Seine Verlobte meldete sich nicht mehr, nachdem sie die Nachricht von seiner Mutter bekommen hatte, dass man ihn zum "Krüppel“ geschossen hatte - so bezeichnete und fühlte er sich. Seine Mutter war zutiefst entsetzt und besorgt über seine schwere Amputation, konnte ihn aber nicht besuchen. Er war einsam, traumatisiert, hatte Heimweh und permanent Schmerzen und sein Leben schien vorüber, noch bevor es begonnen hatte. Wenn Luise nicht gewesen wäre, die sich seiner annahm und ihm durch ihre tapfere, praktische Art ein Vorbild war und ihn ermunterte, sein Schicksal anzunehmen und niemals aufzugeben, auch wenn die Umstände noch so hart waren, wäre es für ihn noch unerträglicher gewesen. Dafür bewunderte er sie und war ihr dankbar für ihre Pflege und Fürsorge und jedes gute, aufmunternde Wort.  

Auf dem Foto: Mein Vater Max, im Lazarett Reichenberg

Als Luise an Weihnachten Besuch von Ingeborg in Reichenberg bekam, schickte sie sie auch in das Zimmer des jungen Max – mit dem Auftrag, ihm das Essen zu bringen und dabei etwas Gesellschaft zu leisten. Meine Mutter war gerade siebzehn Jahre alt, hatte zwar ihren „unbekannten Soldaten“, dem sie regelmäßig an die Front schrieb und Pakete mit selbstgestrickten Socken und selbstgebasteltem Weihnachtsschmuck schickte - doch die vielen, zum Teil schwer verwundeten Männer im Lazarett waren für sie ein Schock.
Inge und Max begegneten sich zunächst scheu und verlegen und wussten beide wenig miteinander anzufangen. Der kriegsversehrte, junge Mann schämte sich vor dem jungen Mädchen, wie er da hilflos im Bett lag: Als „Krüppel“ im Schlafanzug – und sie war von der Situation völlig überfordert und hatte keine Ahnung, wie sie mit diesem jungen, traumatisierten und invaliden Mann umgehen sollte. Sie war nicht gewohnt, mit jungen Männern allein zu sein: Durch HJ und BDM waren Mädchen und Jungen getrennt voneinander erzogen und gedrillt worden, man hatte wenig Kontakt untereinander: Tanzveranstaltungen waren verboten, man hatte höchstens heimlich miteinander eine Zigaretten geraucht oder gemeinsam mit vielen anderen eine Kinovorstellungen besucht – wenn dies nicht durch Verdunklung und Fliegeralarm verhindert wurde. Vor dem Bombenbeschuss war man in ihrer Geburtsstadt, zwischen Harz und Solling, bisher verschont geblieben, durch die Landwirtschaft war die Versorgung mit Lebensmitteln auch im Krieg einigermaßen gewährleistet. Vom eigentlichen Krieg und seinem Grauen hatte meine Mutter in der Provinz wenig mitbekommen. Sie war ein junges Mädchen, das seine Mutter besuchen und etwas Schönes in Reichenberg erleben wollte – statt dessen sollte sie nun ihrer Mutter helfen, verwundete Soldaten zu betreuen. Doch die resolute Luise bestand darauf, dass ihre Tochter im Lazarett mithalf und sich mit ihr um die Verwundeten kümmerte.

Ingeborg war froh, wieder nach Hause zurückzukehren. Von da an schrieb sie dem jungen Mann Max ab und zu - erst widerwillig und mehr aus Mitleid, doch er antwortete ihr prompt und schrieb so ausführliche und herzliche Briefe zurück, dass sie ihn allmählich immer sympathischer fand – und seine schwere Verletzung erst einmal verdrängte:
„Max und ich, das war nicht Liebe auf den ersten Blick gewesen. Er hat sich in mein Herz hineingeschrieben. Anfangs hatte ich wohl Mitleid mit ihm – doch eine feste Beziehung mit einem Mann, noch dazu mit einem Kriegsversehrten, war für mich erst einmal undenkbar. Ich war ja noch ein ganz junges Mädchen, völlig unerfahren. Die meisten Jungs meines Alters waren ja im Krieg. Doch irgendwann hat Max es trotzdem geschafft, dass ich mich nach und nach in ihn verliebt habe: In seine charmante, höfliche und liebenswerte Art, vor allem seine Ausdrucksweise, sein Schreibstil ...“

Zeit und Lust zu schreiben hatte Max im Lazarett ausreichend – und er nutzte seine Chance, um so für sich zu werben. Durch den Briefwechsel mit seiner „Ingemaus“, wie er sie nannte, gewann er neuen Lebensmut und Zuversicht, so dass sich mit der Zeit aus einer schüchternen Begegnung eine Verliebtheit entwickelte – zu der Luise ihrerseits ihr Scherflein beitrug: Für sie war Max der ideale Schwiegersohn.
Luises Geschwister haben darüber oft getuschelt und vermutet, dass Max eigentlich in Luise verliebt gewesen sei – sie aber ihre Tochter Inge in diese Beziehung geschubst habe. Luise sei eine gewiefte Kupplerin in dieser Beziehung gewesen und habe dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die unsichere, unerfahrene Tochter unter die Haube gebracht - und sich selbst einen Schwiegersohn ausgesucht, den sie lebenslang betreuen und "betütschern" konnte. Warum Luise selbst nicht noch einmal geheiratet hat, war den Geschwistern suspekt: Als Witwe in den besten Jahren, gerade Ende Dreißig und weit weg von der Heimat und allen gesellschaftlichen Normen war Luise als Schwester bei den Soldaten und Offizieren sehr beliebt. Sie mochten ihre tapfere, zupackende, mütterliche Art. Anlässlich einer Feier im großen Festsaal des Lazaretts haben ihr alle Soldaten ein spontanes Geburtstagsständchen gesungen: „Oh, Luise, keine ist wie diese ...!“
Deswegen hatte sie gewaltigen Ärger mit der Oberschwester bekommen hatte:“ Schwester Luise, so geht das nicht! Halten sie unbedingt Abstand zu unseren Patienten!“
Es gab zwei ältere Offiziere, die um Luise gebuhlt haben, doch sie hat beiden hat einen Korb gegeben – vielleicht, weil solche Amouren nur fern der Heimat, in Reichenberg stattfinden konnten, jedoch nicht in ihrer Heimatstadt, wo dies als „unanständig“ für eine Witwe gegolten hätten.


Auf dem Foto: Meine Oma als „Schwester Luise", in Reichenberg, 1944


Seit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Stalingrad war die Lage in Reichenberg gefährlich geworden: Von Osten her drängte die Rote Armee immer weiter vorwärts und eroberte eine Stadt nach der anderen zurück, die Tschechen rüsteten sich zum Widerstand gegen ihre Besatzer. Die meisten hohen NS-Funktionäre hatten Reichenberg bereits verlassen – 1945 sollten auch alle transportfähigen Verletzten das Lazarett räumen: Die Tschechen hatten begonnen, die verhassten Deutschen systematisch zu tyrannisieren und machten auch vor den Krankenhäusern und Lazaretten machten nicht halt. Verwundete wurden auf die Straße gesetzt, wo man sie unversorgt verhungern und sterben ließ.
In einem der Verwundetentransporte, die auf der Flucht zurück nach Kiel waren, lag mein Vater Max – betreut und begleitet von der „Wehrmachtsschwester“ Luise. Es war eine Flucht bei Nacht und Nebel, in Kälte und Angst vor den Vergeltungsschlägen der Tschechen, tagsüber war man ständig unter Beschuss der Alliierten. Auf dieser Flucht hat Max seiner Luise versprochen: „Lieschen, falls wir beide hier heil herauskommen, werde ich dir mein Leben lang dankbar sein und für dich sorgen!“
Dieses Versprechen hat Max dann auch gehalten: Nachdem er nach Flintbek bei Kiel zurückgekehrt war, schien ihm nun, als Kriegsversehrter, alles fremd. Er konnte dort einfach nicht mehr Fuß fassen, durch den Krieg hatte man sich einander entfremdet, außerdem schien ihn niemand dort zu brauchen. Er fürchtete sich vor dem Mitleid seiner Angehörigen und musste sich völlig neu erfinden, deshalb zog er nach einigen Besuchen in Niedersachsen lieber zu Luise und Ingeborg, wo er gebraucht und sehr willkommen war. Beide Frauen bildeten ein versorgendes, liebevolles Sandwich um Max: Ein Arrangement, das nach dem Krieg wegen der Wohnungsnot nichts Ungewöhnliches war. Bezeichnend war jedoch, dass diese Dreier-Kombination: Mutter, Tochter, Schwiegersohn, noch beibehalten wurde, nachdem Max und Inge geheiratet hatten und ihr erstes Kind, meine Schwester zur Welt gekommen war.
Unklar blieb für die soziale Umgebung, ob meine Eltern weiter als „Kinder“ bei Luise lebten – oder ob Luise nun als Oma oder „Hausdame“ bei ihren Kindern lebte. Diese Familienkonstellation barg einiges an unterschwelligem Konfliktpotential, das die Beziehungen untereinander beeinflusste und verstrickte.

Auf dem Foto: Meine Eltern, Max und Ingeborg, bei ihrer Verlobung


3. Schatten der Vergangenheit

Wer aus meiner Familie den Krieg überlebt hatte, war entweder kriegsversehrt, traumatisiert, invalide, ausgebombt oder heimatvertrieben - man sah sich als „Verlierer“ des zweiten Weltkrieges, nicht als Befreite einer Unrechtsdiktatur. Der Dämon hatte einen Namen: Hitler.
Die meisten in der Familie, die vom Krieg erzählten, sahen und schilderten sich als verführte, unwissende Opfer des Regimes: Mein Vater, der als junger Wehrmachtssoldat mit zwanzig Jahren Kriegsversehrt wurde. Meine Mutter, die als Mädchen und junge Frau in der Schule, dem BdM, in der Ausbildung durch das Naziregime instrumentalisiert worden war. Meine Oma, die ihren Ehemann und Sohn verloren hatte und in ihrer Zeit als Rotkreuzschwester im Lazarett in Reichenberg vom Grauen des Krieges anhand der Verletzungen und Erzählungen der Soldaten mehr mitbekommen hatte, als sie manchmal ertragen konnte.
Luise erzählte oft und gerne von ihrer Zeit im Lazarett: Vom süßlichen Geruch der Erfrierungen, von schrecklichen Verwundungen und Amputationen, dem allgegenwärtigen Tod, der Traumatisierung, den Schmerzensschreien der Soldaten - aber seltsamerweise auch von „der schönen Zeit“, die sie in Reichenberg während der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei erlebt hatte: Als Rotkreuzschwester oder „Kriegsschwester“ sah sich Luise zum ersten Mal in ihrem Leben beruflich und sozial wertgeschätzt und angesehen, sie hatte endlich eine Berufung, verdiente gutes Geld und wurde komplett verpflegt, gekleidet und durfte in ihrer Freizeit viele Freizeit-Angebote in einer von Deutschen besetzten Stadt genießen ...

Es war vermutlich angenehmer, sich als Manipulierte und Opfer des zweiten Weltkrieges zu sehen - und zu behaupten, man habe vom Holocaust, den Deportationen, der Vertreibung und Verschmähung der Juden wenig mitbekommen. Den Holocaust leugnete man nicht, behauptete jedoch, niemand habe geahnt, welches Grauen in den KZs stattgefunden hatte. Doch selbst Kindern und Jugendlichen konnte es nicht entgangen sein, wenn ihre jüdischen Nachbarn verfolgt, gedemütigt, ihre Geschäfte boykottiert und viele von der SS abgeholt worden oder vorher lieber „freiwillig“ ausgewandert sind. In meiner Geburtsstadt waren 1933 noch sechzig jüdische Gemeindemitglieder gemeldet und wohnhaft, sie waren kleine und große Geschäftsleute, Lehrer und Ärzte, Fabrikanten, Arbeiter, Nachbarn. 1938 war meine Mutter elf Jahre alt, als die SS die Synagoge durch Brandstiftung zerstörte. Es hatte auf dem Marktplatz Fackelzüge und Aufmärsche der SS gegeben, Fahnenweihen und Ansprachen von Parteifunktionären. Auch in meiner Geburtsstadt gab es Kriegsgefangene, die in der Fabrikation oder auf dem Land arbeiten mussten. Im Harz. z.B. in Papenburg, gab es Konzentrations- und Arbeitslager …
Meine Eltern wollten ihre Kriegstraumen vermutlich aktiv vergessen und verdrängen. Das Trauma wurde zwar benannt, doch eine Bearbeitung und Bewältigung hat nie stattgefunden. Sie gehörten einer Generation an, die zumindest nach dem Krieg hätte reflektieren sollen und müssen – aber ohne die psychologische Unterstützung, wie wir sie heute kennen, war ihnen das wohl nicht möglich. Sie hatten ihre Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus verbracht: Eine Jugend unterm Hakenkreuz.
Sie waren zu jung gewesen, um zu verstehen und zu hinterfragen, wie das NS-Regime sie gedrillt und instrumentalisiert hatte - zu jung, um voll verantwortlich zu sein. Doch sie waren verstrickt und mitschuldig geworden: Man hatte sie seit frühester Kindheit der nationalsozialistischen Propaganda unterzogen.
Einige meiner engsten Familienangehörigen waren aus den Ostgebieten Pommern und Mecklenburg geflohen und hatten so schreckliche und traumatische Erinnerungen, dass sie darüber nicht sprechen konnten. Dazu gehörte meine Patentante Käthe, die Gutsbesitzerin in Pommern gewesen war und im Winter, bei Eiseskälte mit ihren drei Söhnen über das Haff flüchten musste - nachdem sie von Soldaten der Roten Armee vor den Augen ihrer Söhne und ihres Mannes mehrfach vergewaltigt wurde. Anschließend hatten die russischen Soldaten ihren Mann auf seinem Hof öffentlich gefoltert und erhängt.
Neben solchem Leid nahm sich manche Haltung meiner Verwandten aus der niedersächsischen Provinz, wo es kaum Bombenangriffe und wenig Hunger gegeben hatte, fast bizarr aus: Wenn man schon nichts ungeschehen machen konnte, so verleugnete man wenigstens jede Form der Mitschuld – auch jene durch vermeintliche Ahnungslosigkeit oder Verblendung und Wegschauen.
In meiner Familie gab es aktive und passive Parteimitglieder. Dienstgrade und Funktionen, die die Männer als Wehrmachtssoldaten im Krieg gehabt hatten, wurden nicht kommuniziert. Was zur Sprache kam, war das eigene Leid, das man im Krieg erfahren hatte – oder man erzählte sich auf Familienfeiern lustige Kriegs-Anekdoten, die zuweilen klangen, als seien die Männer auf „Männertour“ gewesen. Mancher Onkel geriet geradezu ins Schwärmen, wenn er von „fernen Ländern“ wie Italien, Frankreich, Griechenland, Jugoslawien, Tschechien … erzählte, die er als Soldat „entdeckt“ und „bereist“ hatte. Vom Russlandfeldzug schwärmte keiner. Wer dort gewesen war, winkte stumm ab und wies höchstens stumm auf einen beinamputierten Stumpf, auf abgefrorene Zehen, den amputierten Arm ...
Mein Lieblingsonkel Klaus, Ehemann der Halbschwester meines Vaters, war bei der Waffen-SS gewesen – und kein kleiner Wehrmachtssoldat, wie er stets beteuert hatte. Meine zweite Patentante Anni war Mädelschar-Führerin in Stettin und eine begeisterte Nazi-Anhängerin gewesen. Ihr Mann, ein Oberregierungsrat, war hochdekoriertes Parteimitglied.
So verdrängte, verschwieg, relativierte meine Familie entweder ihre eigene Geschichte oder servierte uns Nachgeborenen lieber eine geschönte Version des Krieges - angeblich, um uns "zu schonen" - vermutlich aber, um sich selbst vor traumatischen Erinnerungen, unbequemen Einsichten und Tatsachen zu schonen.
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