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Das Monster an meiner Seite


 
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Smokowski
Wortedrechsler

Alter: 40
Beiträge: 85
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 26.05.2022 01:02    Titel: Das Monster an meiner Seite eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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„Die Polizei kann nichts dagegen machen“. Die Stimme von Georgs Mutter knackte aus seinem Smartphone, als würde jeden Moment das Signal abbrechen.
„Aber Mama, die Polizei hilft doch immer!“
„In diesem Fall nicht. Ich gelte als psychisch krank und bin somit unglaubwürdig.“
Georg war entsetzt.
"Und du rufst mich jetzt an, weil du das Krankenhaus nicht verlassen kannst?"
"Ja. Bist du schon da?"
Georg sah aus dem Fenster der Straßenbahn und las den Namen der Haltestelle „Ev. Krankenhaus Herzberge“. Er stieg aus, sah sich um und erblickte einen Altbau aus roten Ziegeln im Grünen.
„Kannst du jetzt nicht nach Hause, weil du psychisch krank bist?"
„Nicht nur das. Ich gelte als eigen- und fremdgefährdend, was eine Einweisung gegen meinen Willen legalisiert hatte.“
Die Stimme seiner Mutter wurde durch lautes Knacken unterbrochen und verstummte ganz.
Auweia. Was hatte seine Mutter nur getan? Georg wusste, dass sie den Frust über ihre harte Arbeit hin und wieder an ihn ausließ – war ihr das nun auf Arbeit passiert?
Georg stand in einem Funkloch und konnte nicht nachfragen, wo genau Silvia war. Er stolperte über die unebenen Gehweg-Betonplatten des parkähnlichen Geländes, um wieder Empfang zu bekommen.
Obwohl er im Berliner Bezirk Lichtenberg war, welcher an den zentralen S-Bahn-Ring grenzte, hörte Georg nur Vogelgezwitscher. Der Duft aus vielen Lila Blüten an den Wegrändern wirkte beruhigend. Große Bäume lieferten Schatten. Der Ort schien nicht mal so übel zu sein. Trotzdem wollte seine Mutter dort nicht bleiben und Georg sollte sie befreien.
Georgs Telefon klingelte, es war seine Mutter. Er nahm ab. "Mein Schatz, du hast noch die 100 Euro dabei, oder?"
"Ja"
"Auf Station Vier ist gerade die Leasingfachkraft aus Asien da. Die lässt sich bestechen. Sie kriegt nur 1400 Euro Brutto im Monat. Öffnet dir alle Türen dann.“
„Was, so schlecht geht es der?“
„Pass´ auf die arrogante Psychiaterin auf, Smeraldina heißt die. Heute Mittag lief die mir über den Weg und sagte, dass ich Mitarbeiter als Schildkröten beschimpft hätte."
"Schildkrötenmenschen?“
„Ja, so etwas in der Art!“
„Von so etwas sprichst du nie! Bist du dann ausgerastet und eingewiesen worden?"
Silvia seufzte. „Ich wurde eingewiesen, weil ich sie an die Hand nahm, um ihr das Schildkrötendingsda zu zeigen . . .“. Wieder brach die Verbindung ab.
An die Hand nehmen. Das galt schon als Eigen-und Fremdgefährdung?
„Station Vier, da ist es“. Als er den Kopf hob und die ca. zehn Meter hohe Klinkermauer betrachtete, mehrere Ziegelreihen stark, wo über die Jahrzehnte hin und wieder Steine herausgebrochen waren, erschrak er. Nun verstand er, warum seine Mutter nicht bleiben wollte. Sie wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt.
Er sah den Eingang zur Station Vier. Eine große vergitterte Holzflügeltür trennte ihn von seiner Mutter. Videokameras. Ordentlich gekleidete Menschen liefen ein und aus.
Georg sah auf seinen dürren Körper runter und inspizierte seine abgenutzten Stiefel, wo sich an manchen Stellen bereits die Sohle ablöste. Er sah seine kaputten Netzstrumpfhosen, aber auch das verwaschene Shirt, auf welchem „Eat the rich“ stand. Seine roten Haare waren auch wieder fettig.
Bis heute hatte er sich nie Gedanken über sein Erscheinungsbild gemacht, doch nun fürchtete er, dass allein deswegen die Angestellten der Psychiatrie das Jugendamt anrufen könnten. Aus „Sorge“ würden die ihn auch einweisen, gegen seinen Willen; weil er durch das zerrüttete Elternhaus sicher schwer gestört wäre. Das Jugendamt und seine empirischen Sturkopf-Psychologen!
Moment!
Wenn er schwer gestört wäre, könnte er bestimmt nicht gute Noten schreiben. Er schrieb gute Noten. So wollte er sich verteidigen. Hoffentlich funktioniert das.

Georg ging auf eine junge Frau zu, welche über eine vergitterte Holztür die Station betrat. Sie war ganz in Weiß gekleidet. Womöglich arbeitete sie dort.
"Guten Tag, ich möchte meine Mutter sehen", sagte Georg.
"Wer bist du überhaupt, kleener?“
Georg nahm in ihrer Stimme einen aggressiven Unterton wahr, was ihn etwas einschüchterte. Auch ihr kühler Blick bereitete ihm Unbehagen. Er stellte sich vor: „Ich bin Georg Smokowski, der Sohn von Silvia, die heute Nachmittag . . .“
Sie unterbrach ihn: „Ähhh, bist du denn schon Achtzehn?“
„Was soll diese Frage?“
Die Frau stieß genervt die Luft aus: „Du darfst ohne deinen Erziehungsberechtigten hier nicht erscheinen.“
„Meine Erziehungsberechtigte ist in diesem Haus!“, sagte Georg schüchtern, weil er sich nicht ganz sicher war, ob es eine gute Idee wäre, das zu sagen.
Die Mitarbeiterin sah ihn ernst an.
Etwas nervös zupfte er an seinem Netzhandschuh. Hoffentlich nahm sie seinen Look nicht als Anlass, um das Jugendamt anzurufen. Zerrüttetes Elternhaus, wissenschon.
„Und? Wer hat dir Bescheid gesagt, dass deine Mutter hier ist?“
Georg blickte auf seine Hand mit dem Telefon herunter.
"Hat deine Mutter dich angerufen?"
Wieso war es ihr so wichtig, woher er das weiß?
Die Schwester drehte sich zu einem nebenstehenden Pfleger und sagte ihm, er möge Frau Smokowskis Zimmer nach einem Handy absuchen.
Georg fauchte verärgert: „Warum macht ihr das?“
„Sie darf nicht mit außerhalb kommunizieren, es wäre nur Ablenkung, weil sie absolute Ruhe braucht!“
Georg sah auf die 100 Euro in seiner anderen Hand. Dieses Geld soll er dieser Schreckschraube geben?
„Willst du mir Geld geben?“
Ein gutes Argument musste her. Ein wirklich gutes Argument!
„Ich habe übermorgen meine erste Abiturprüfung und wenn meine Mutter mir nicht beisteht könnte ich durchfallen!“
Die Pflegerin klang empört. „Ich bin während meines Abi´s arbeiten gegangen. Jetzt verdiene ich gut. Das Leben ist hart. Du bekommst keine Extrawurst!“ Georg stemmte seinen Arm mit seiner geöffneten Hand gegen die sich schließende Tür. Die Mitarbeiterin öffnete sie wieder.
„Sehr geehrte Frau, Sie können meine Mutter nicht gegen ihren Willen festhalten!“
„Komm´morgen früh um Acht wieder. Psychiaterin Smeraldina wird dir alles Weitere erläutern.“
Die Tür knallte und er fror – bei fünfundzwanzig Grad, die untergehenden Sonne schien über die Baumwipfel. Wehte ein unmerklich kaltes Lüftchen, oder war es ein Gefühl, welches in Fernsehdokumentationen gerne als „soziale Kälte“ beschrieben wurde? Musste er jetzt leiden, weil diese Mitarbeiterin leiden musste, ihre Jugend vor Arbeit nicht leben durfte?

Georg sah sich um. Er war alleine. Ganz alleine. Da war kein Vater, kein Bruder, oder Onkel. Georg fühlte Zorn in sich. Als Einzelkind hatte man es schwerer, dachte er sich – das stresste voll! Wie schwach er und seine Mutter doch war. Eine falsche Behauptung über seine Mutter und Georg seine ganze Zukunft war in Gefahr.
Dies reichte schon aus, um in einem Staat, der als demokratisch und gerecht galt, eingesperrt zu werden.
Sich darüber aufzuregen machte aber keinen Sinn. Erstmal tief durchatmen. Wie aufgewühlt Georg doch war. Dies war wieder so eine Situation, wo ein kühler Kopf wichtig war, wo Georg sich entspannen musste, um seine Gedanken in Meditation zu ordnen, um seine Wut zu bändigen. Seine Mutter wurde von ihrer überschäumenden Wut gesteuert und es hatte sie ins Verderben geführt, was Georg auch ein Stück weit von ihr unbewusst übernommen hatte.
Woher ihre Wut kam, hatte sie ihm bislang nicht erzählt und Georg suchte nach Antworten. Er beschäftigte sich mit den Lehren von Buddha und dem Ursprung des Leidens. Vieles in seinem Leben hatte sich durch seine ausschweifende Wut verschlimmert. Durch die Bändigung von Wut aber bestünde die Chance, aus dem Kreislauf vom Leiden und Verderben zu entkommen.
Georg wollte kein neues Leiden erzeugen. Was man selber nicht will, soll man auch anderen nicht antun. Aus diesem Grund wurde Georg sogar Veganer. Er aß nicht einmal Fleisch, wollte Tieren kein Leid zuzufügen. Seit er damit begann, fühlte er, dass er irgendwie leichter wurde. Ein angenehmes Gefühl.
Ob er mit diesem Wutbändigungs-Beispiel voran im morgigen Gespräch gegenüber Psychiaterin Smeraldina punkten konnte, als Zeichen eines Wandels im festgefahrenen Konflikt mit seiner Mutter, wird sich zeigen.
Wenigstens hatte der Teenager den Wohnungsschlüssel. Zu Hause legte er sich früh schlafen, um für das Gespräch ausgeruht zu sein.


Die Sonne strahlte fröhlich in Georg sein Jugendzimmer und weckte ihn. Dann erschrak er – es war doch kein schlechter Traum. Es stand kein Essen auf dem Tisch. Seine Hausaufgaben waren auch noch nicht gemacht und es wirkte noch surrealer, weil die Sonne auf die Arbeitsblätter schien. Von der Straße hörte Georg das Lachen der Klassenkameraden auf ihren Schulweg. Sie machten eine Wasserschlacht. Die Schule aber war Georg gerade nicht wichtig – ein Tag fehlen war nicht so schlimm, wenn es darum ging, die eigene Mutter aus der Psychiatrie zu befreien.
Sein Vater? Thomas. Mit ihm würde er gerne über das Geschehene telefonieren. Nein. In New York hatte man nie Zeit. Auch, wenn die Ex in Berlin in der Klappe ist. So ein Arschloch kann einem gestohlen bleiben. Sollte er doch mit seinen Freunden aus der Schule reden? Nein. Die interessierten sich eh' nur für Dinge, die in Georgs Augen Belanglosigkeiten waren. Er lernte sie nicht wirklich kennen.
Die befreundeten Nachbarn? Auch diese lernten die Smokowskis nur oberflächlich kennen.
So ernste Themen wie er sie hatte schien niemand mit ihm besprechen zu wollen. Eine unbeschreibliche Wut wühlte in Georg seinen Bauch und er merkte, dass er wieder nichts dran ändern konnte. Sollte er wenigstens versuchen, etwas zu ändern? Es blieb ihm nun nichts anderes übrig. So wie er bislang lebte, konnte es nicht weitergehen. Er blickte auf die Uhr. In einer Stunde hatte er seinen großen Auftritt vor der Psychiaterin. Es ging um seine Mutter. Er wollte nichts vermasseln und wollte frisch gewaschen und in gepflegter Kleidung, sogar mit Anzugjacke, hin. Seinem blassen Teint wollte er mit etwas Rouge Farbe geben, aber es sah albern aus und er machte es wieder weg. Der Iro wurde nach vorne gekämmt und gab dem Look einen erfrischenden Farbspritzer.

Um kurz vor acht stand Georg vor Haus Eins – dem zentralen Verwaltungsgebäude des Krankenhauses, wo sich das Büro von Dr. Dipl. Psych. Smeraldina de Dragescu befand. Er klopfte und ein knappes „Herein“ ertönte hinter der Tür. Es klang mehr wie ein tiefes Zischen. Georg war überrascht von Smeraldinas Erscheinung. Er erwartete eine konservative Person im zweiten Lebensabschnitt mit einem Kruzifix im Raum, wie er es vom Jugendamt kannte. Smeraldina hingegen war jung und ausgesprochen hübsch, wie Georg fand. Ihre langen Haare waren zu einem Zopf verflochten, der ihr über der Schulter hing. Ihr Gesicht mit den osteuropäischen Zügen war gebräunt und wirkte gesund. Der ernste Blick ihrer smaragdgrünen Augen hingegen schien Georg zu durchbohren. Ihre schwarze Kleidung unterstrich diese Strenge. Die Stimme aber war der reinste Trigger. Sie klang erotisch, schmerzte aber auch, weil das Böse auch so schön sein konnte. Georg spulte in seinem Kopf wieder ab, was er gestern dachte, um sich gedanklich auf das Gespräch vorzubereiten. Genau: Er hoffte, mit dem Bändigen seiner eigenen Gefühle den Schlüssel zum Lösen dieses Konfliktes zu finden. Seine Verunsicherung konnte er dennoch nicht unterdrücken und er rieb sich nachdenklich die Hände.

Smeraldina stand hinter ihrem großen Schreibtisch auf, leckte ihre Lippen und zischte: „Sie wünschen?“
Georg stammelte: „Meine . . . Meine Mutter wurde gestern auf Station Vier eingewiesen!“
„Mit wem habe ich die Ehre?“
„Mit Georg Smokowski!“
Smeraldina nahm einen tiefen Atemzug. Sie legte die Hände in ihren Rücken, beugte sich leicht nach vorne und sah auf den Boden. Sie lief auf Georg zu, wonach sie um ihren Besucher herum lief und ihn von allen Seiten aufmerksam betrachtete. Ihr schnaubender Atem war deutlich zu hören. Dauernd leckte sie sich die Lippen. War das nun gut oder schlecht? Weil sie nicht freundlich gesinnt war, könnte man es eher als Bedrohung ansehen. Georg wollte schon einen Schritt zurückmachen, da ließ sie sich wieder in ihren Chefsessel sinken: „Mein lieber Georg. Deine Mutter war am falschen Ort zur falschen Zeit, woraus sich eine sehr negative Dynamik entwickelt hatte!“
„Was . . . was heißt das konkret?“
„Deine Mutter kam gestern Nachmittag, um sechzehn Uhr, in mein Büro und behauptete wortwörtlich einen Schildkrötenmenschen gesehen zu haben!“
„Hatte meine Mutter damit irgendjemanden beschimpft?“
„Nun ja, was würdest du davon halten, wenn eine reife Frau wie deine Ma sich vor dir hinstellt und sagt, du seist ein Schildkrötenmensch, wie es gestern meinem Kollegen Markus widerfahren war?“
„Das war sicher ein Missverständnis!“
„Ach, dass diese reife Frau dann meine Hand ergriffen hatte, um mich zu den Ort zu zerren, wo sie diesen Schildkrötenmenschen gesehen hatte, soll auch ein Missverständnis gewesen sein?“
„Aber . . .“ Georg rang nach Wörtern: „ . . . das war doch jetzt kein Ausrasten, oder?“
Smeraldina schlug mit ihrer Faust auf den Tisch und Georg zuckte zusammen, da erhob sie wieder ihre tiefe Stimme. „Das Verhalten deiner Mutter war übergriffig, was mich berechtigt hat, sie im Rahmen von vierundzwanzig Stunden festzusetzen!“
Georg sah auf die Uhr. Bis sechzehn Uhr ohne Hilfe und übermorgen war Georgs erste Abiprüfung. Das könnte nicht gut gehen.
Dann wurde noch von Schildkrötenmenschen gesprochen, was seine Mutter zu einer dieser schwachsinnigen Verschwörungstheoretikerinnen abstempelte, die von Reptilienmenschen sprachen. Georg wollte nicht, dass man damit weitere Gründe fand, ihnen Psychiatrieaufenthalt zu verlängern.
„Meine Mutter mag sich manchmal nicht adäquat verhalten, was mir auch leid tut für Sie. Aber glauben Sie mir, sie hat mit diesen Verschwörungstheorien über Reptilienmenschen nichts am Hut! Zumindest hatte sie nie mit mir drüber gesprochen!“

Smeraldina schien nachzudenken und womöglich war sie innerlich aufgewühlt.
„Du hast deine Emotionen gut im Griff, im Gegensatz zu deiner Mutter! Das ist beachtlich“, zischelte sie leise. Sie stand wieder auf, lief um Georg herum und leckte wieder ihre Lippen. Georg ging einen Schritt zurück, da flüsterte sie: „Keine Angst. Ich bin auf deiner Seite?“
„Was?“
„Pssst!“
Pssst? Warum hob sie nicht den Finger, wie es sonst jeder zu dieser Geste machte?
„Hier wird alles überwacht!“
Georg sah ihr überrascht in die Augen. Sie bewegte ihre Augäpfel in eine Richtung, ohne ihren Kopf zu bewegen. Georg folgte ihrem Blick und sah eine Kamera. Beinahe hätte er seinen Kopf bewegt, doch das wäre eine blöde Idee gewesen und er verstand, worum es ging.
Smeraldina wollte ihn helfen. Warum jetzt auf einmal?
Seine Gegenüber hielt ihre beiden Hände auf den Bauch. Ihre Augen fielen zu, als müsste sie sich wie er in Meditation beherrschen. Doch sie schlug ihre Augen auf und drehte ihr Gesicht von der Kamera weg. Er folgte ihren Blick, der die Bodenleiste und einen Aktenschrank ins Visier nahm.  
Was wollte sie ihm zeigen? Wollte sie ihm überhaupt was zeigen?
Wie von der Tarantel gestochen sprang Smeraldina in Richtung der Bodenleiste und zog hinter dem Aktenschrank etwas Quiekendes hervor, welches sie, mit den Schultern von den Kameras schützend, schnell in ihrem Mund führte und verschluckte. Georg wurde leicht übel bei dem Anblick. Ein Schauer lief über seinen Rücken.
Die Frau schüttelte ihren Kopf und meinte entkräftet: „Ich konnte es nicht unterdrücken! Nun weißt du es. Reptiloide gibt es wirklich!“
Georg zuckte zusammen. Diese Frau widersprach sich nun komplett. Weil sie zudem eine psychiatrische Ärztin war, wirkte ihr kleines Schauspiel noch unglaubwürdiger, weil solche Menschen nur im Sinne der Lehrmeinung handelten und bei Äußerungen über Verschwörungstheorien ihre Profession verlieren konnten. Was sollte das alles?
„Wenn Sie der Meinung sind, dass es Reptilienmenschen gibt, warum sind Sie dann meiner Mutter nicht gefolgt, als sie es sagte?“
„Weil ich deiner Mutter vorgegaukelt hatte, dass ich glaube, dass es keine Reptiloide gibt!“ Smeraldina setzte sich zurück in ihren Sessel.
„Warum taten Sie das meiner Mutter an?“
Smeraldina schien zu versuchen, ihrem sonst starren Gesicht ein Lächeln abzuringen und sie zischelte leise, aber klar verständlich: „Ich provozierte sie, um einen Einweisungsgrund zu haben!“
Georg war verärgert.
„Was ich tat folgte einer Systematik. Offiziell gibt es ja keine Reptiloide. Dieser Glaube der Menschen aber schützt die Reptiloiden. Nun haben wir deine Mutter aus dem Verkehr gezogen, indem ich sie mit der Einweisung unglaubwürdig gemacht hatte!“
„Wenn Sie, Smeraldina, diesen Reptilienmenschen helfen, unerkannt zu bleiben, warum wollen Sie mir plötzlich helfen?“
„Ich hatte gerade gemerkt, dass du ein guter Mensch bist!“
„Weil ich so entspannt bin und für meine Mutter ein Vorbild sein könnte?“
„Nun ja, dass du so entspannt bist, kommt ja aus deinem Inneren.“ Smeraldina blickte auf Georgs zittrige Hände: „Du bist noch ein wenig nervös, aber ich merke, dass du an dir arbeitest, deine Gefühle unter Kontrolle halten möchtest. Was ich an dir aber besonders schätze ist, dass du sogar ein Veganer geworden bist!“
Er konnte sich nicht erinnern, ihr etwas über das Vegan-Sein erzählt zu haben. „Hatte meine Mutter Ihnen davon erzählt?“
Smeraldina ging wieder an Georg heran, leckte ihre Zunge und klang erregt: „Du bist tatsächlich Veganer! Ich kann es riechen!“
„Riechen? Kein Mensch kann das riechen!“
Sie zog ihre Schultern hoch. „Mensch? Du denkst immer noch, dass ich ein Mensch bin, wo ich doch vor deiner Nase eine Ratte verschlungen hatte??“
Der Jugendliche kippte fast nach hinten, als er einen Schritt zurückging, um diese Frau komplett zu sehen. Sie sah nicht wie eine Reptiloidin aus – wie sollte überhaupt eine Reptiloidin aussehen? Wie Godzilla? Georg hatte keine Ahnung.
Georg fand es seltsam, als er Smeraldina sah, wie sie ihre Schultern sinken ließ und ihren Rücken betrachtete, Hintern, Hände und Beine, als sei ein Insekt unter ihre Kleidung gefahren. Sie strich prüfend mit ihren Händen darüber. Verblüffend, wie sie dabei ihren Kopf verdrehen konnte.
„Fällt dir echt nichts Sonderbares auf?“  
Georg sah sie sich genauer an. Er bekam einen Scheck, als er sah, dass ihre Zunge schmal und spitz war. Warum war ihm das nicht früher aufgefallen?
Smeraldina wirkte zufrieden, zumindest schien in ihren Lippen tatsächlich ein leichtes Lächeln zu liegen: "Dass du es jetzt endlich merkst . . . meine Verkleidung ist perfekt!"
Georg wusste nicht, was er sagen sollte. Er war sonst so im logischen Denken verhaftet – das kann nicht stimmen!
Für eine Weile saßen sie sich schweigend gegenüber. Smeraldina sagte ehrfürchtig anmutend: „Wenn Hekate will, dass du so extrem geblendet bist – phantastisch! Heute Abend werde ich wieder für sie beten.“
„OK, Sie sind eine Reptiloidin. . . “
„Du kannst mich duzen!“
„ . . . warum ist das Vegan-Sein für dich so wichtig? Reptilien sind Fleischfresser, oder?“
"Wir jagen Beute in den Wäldern, ohne Bäume zu fällen und haben somit keine Viehwirtschaft auf Kahlschlagflächen. Mit dieser Art von Fleischkonsum haben wir auch keine Massentierhaltung. Wir sind im Endeffekt so umweltfreundlich wie ein Mensch, der sich vegan ernährt. Wir kommen von weit her und möchten eure Welt befreien, damit jede Lebensform in Respekt mit der Natur lebt und nicht alles stiehlt, als sei die Natur dessen Eigentum."
Diese Weltbefreiung, wie sieht die aus? Kommen sie mit Raumschiffen an und Smeraldina sondiert die Lage vorher? Und werden die dann alle Menschen töten?
„Aber ihr mögt keine Menschen, weil sie Kahlschlag und Massentierhaltung betreiben?“
„Menschen sind auch nur Tiere – Tiere, die dressiert wurden. Wir mögen den Dompteur nicht. Mit seinem Tiger hingegen haben wir Mitleid, weil er dressiert wurde, etwas zu tun, was seinem Naturell nicht entspricht!"
„Aber . .  meine Mutter  . . . die ist nicht so ein Dompteur, oder?“
„Nein!“
„Du sagtest mir, du willst mir helfen. Dann hilf´ mir, bitte!“
„Ich helfe dir gerne, nur für deine Mutter kann ich nichts tun!“  
Georg erschrak. Er hatte sich so große Hoffnungen gemacht.
Smeraldina rieb mit den Fingern ihrer rechten Hand an ihrem Mund, was wirkte, als ob sie nachdachte. Dann sagte sie: „Mein Chef holt deine Mutter nicht raus. Er würde heute sogar extra einen Anwalt bestellen, um ihren Aufenthalt auf Wochen zu verlängern. Ich kenne ihn. Es wäre besser, wenn ich dich adoptiere. Meine Vereinigung hat ein Grundstück am Stadtrand mit sehr viel Wald, es gibt etliche Pflanzen dort, die für eine vegane Ernährung wichtig sind. Dir könnte das gefallen.“
Frechheit! Georg knurrte: „Mich adoptieren? Niemals! Ich will mit dem Chefarzt reden, um meine Mutter zu befreien!“
„Psst!“
„Was soll diese Geheimnistuerei?“
„Mein Chef darf nicht erfahren, dass ich dir hier erzähle, dass ich eine Reptiloidin bin, sonst leistest du deiner Mutter Gesellschaft!“
Georg machte mit der Hand eine Geste, als würde er seinen Mund wie einen Reißverschluss zumachen wollen.
Smeraldina schielte zur Kamera: „Lass´ bitte solche Gesten sein!“
Georg kniff seine Lippen zusammen und er wollte so tun, als ob nichts wäre, was womöglich nicht überzeugend wirkte, weil er seine eigene Anspannung spürte.
"Als Reptiloid wird der Chef mich hoffentlich auch mögen und mir auch einen Gefallen tun.“
Sie hob verzweifelt die Hände und machte eine Kopfbewegung Richtung Wand: „Er ist ein ganz normaler Mensch!“
Ein normaler Mensch. Wie enttäuschend.
„Du bist ein Wesen, welches sich verkleiden kann, also in der Lage bist, die Gestalt zu wechseln. Warum lässt du dich von einem Menschen kontrollieren?“
Smeraldina verdrehte ihre Augen. Nach kurzer Überlegung schaute sie genervt auf ihre Smartwatch: „Ich werde mit Dr. Barr reden und wir werden sehen, ob er eine Zeugin entlassen möchte - komm!“
Georg musste sich auf das Monster an seiner Seite verlassen, um seine Mutter zu befreien.

Fortsetzung folgt.



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BeitragVerfasst am: 26.05.2022 19:36    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
„Die Polizei kann nichts dagegen machen“. Die Stimme von Georgs Mutter knackte aus seinem Smartphone, als würde jeden Moment das Signal abbrechen.
„Aber Mama, die Polizei hilft doch immer!“
„In diesem Fall nicht. Ich gelte als psychisch krank und bin somit unglaubwürdig.“  sehr erklärbärig
Georg war entsetzt.
"Und du rufst mich jetzt an, weil du das Krankenhaus nicht verlassen kannst?"
"Ja. Bist du schon da?"
Georg sah aus dem Fenster der Straßenbahn und las den Namen der Haltestelle „Ev. Krankenhaus Herzberge“. Er stieg aus, sah sich um und erblickte einen Altbau aus roten Ziegeln im Grünen.
„Kannst du jetzt nicht nach Hause, weil du psychisch krank bist?"
„Nicht nur das. Ich gelte als eigen- und fremdgefährdend, was eine Einweisung gegen meinen Willen legalisiert hatte.“ again: klingt eher nach Erklärung des Autors als nach Dialog.
Die Stimme seiner Mutter wurde durch lautes Knacken unterbrochen und verstummte ganz.
Auweia. Was hatte seine Mutter nur getan? Georg wusste, dass sie den Frust über ihre harte Arbeit hin und wieder an ihn  ihm ausließ – war ihr das nun auf Arbeit passiert?  genau genommen bedeutet dass, dass sie uf Arbeit ihren Frust an ihm (dem Sohn) auslässt, du meinst aber an anderen Leuten im Allgemeinen
Georg stand in einem Funkloch und konnte nicht nachfragen, wo genau Silvia war. könnte man streichen, da hinreichend geshowed Er stolperte über die unebenen Gehweg-Betonplatten des parkähnlichen Geländes, um wieder Empfang zu bekommen.
Obwohl er im Berliner Bezirk Lichtenberg war, welcher an den zentralen S-Bahn-Ring grenzte, hörte Georg nur Vogelgezwitscher. Der Duft aus vielen Lila Blüten an den Wegrändern wirkte beruhigend. Große Bäume lieferten Schatten. Der Ort schien nicht mal so übel zu sein. Trotzdem wollte seine Mutter dort nicht bleiben und Georg sollte sie befreien.
Georgs Telefon klingelte, es war seine Mutter. Er nahm ab. "Mein Schatz, du hast noch die 100 Euro dabei, oder?"
"Ja"
"Auf Station Vier ist gerade die Leasingfachkraft aus Asien da. Die lässt sich bestechen. Sie kriegt nur 1400 Euro Brutto im Monat. Öffnet dir alle Türen dann.“  ich bin mir als Leser nicht sicher, ob der Dialog so hölzern klingt oder die Mutter tatsächlich so hölzern spricht
„Was, so schlecht geht es der?“  Ich versteh die Reaktion nicht, es wird nicht erwähnt, dass es ihr schlecht geht
„Pass´ auf die arrogante Psychiaterin auf, Smeraldina heißt die. Heute Mittag lief die mir über den Weg und sagte, dass ich Mitarbeiter als Schildkröten beschimpft hätte."  ich bin verwiirrt beim Lesen. Die Mutter scheitn zwangseingewiesen worden zu sein, kennt aber das Krankenhauspersonal bereits, ist also schon länger da. Der Sohn versucht sich jetzt auf die Station zu schleichen oder wie?
"Schildkrötenmenschen?“
„Ja, so etwas in der Art!“
„Von so etwas sprichst du nie! Bist du dann ausgerastet und eingewiesen worden?"
Silvia seufzte. „Ich wurde eingewiesen, weil ich sie an die Hand nahm, um ihr das Schildkrötendingsda zu zeigen . . .“. Wieder brach die Verbindung ab.
An die Hand nehmen. Das galt schon als Eigen-und Fremdgefährdung?
„Station Vier, da ist es“. Als er den Kopf hob und die ca. zehn Meter hohe Klinkermauer betrachtete, mehrere Ziegelreihen stark, wo über die Jahrzehnte hin und wieder Steine herausgebrochen waren, erschrak er.  er kent die Mauer mit Namen und kennt ihre Geschichte, aber ist überrascht, als er sie sieht? Nun verstand er, warum seine Mutter nicht bleiben wollte. Sie wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt.
 kurzes Zwischenfazit: Der "Einbruch in das Krankenhaus ist an sich spannend, aber die Umstände sind sehr verwirrend. Ich würde näher am Sohn bleiben, vielleicht seine Gedanken bzw. Schlussfolgerungen aus dem verwirrenden Gespräch kurz darstellen, damit man mitkommt"
Er sah den Eingang zur Station Vier. Eine große vergitterte Holzflügeltür trennte ihn von seiner Mutter. Videokameras. Ordentlich gekleidete Menschen liefen ein und aus.
Georg sah auf seinen dürren Körper runter und inspizierte seine abgenutzten Stiefel, wo sich an manchen Stellen bereits die Sohle ablöste. Er sah seine kaputten Netzstrumpfhosen, aber auch das verwaschene Shirt, auf welchem „Eat the rich“ stand. Seine roten Haare waren auch wieder fettig.
Bis heute hatte er sich nie Gedanken über sein Erscheinungsbild gemacht, doch nun fürchtete er, dass allein deswegen die Angestellten der Psychiatrie das Jugendamt anrufen könnten. Aus „Sorge“ würden die ihn auch einweisen, gegen seinen Willen; weil er durch das zerrüttete Elternhaus sicher schwer gestört wäre. Das Jugendamt und seine empirischen Sturkopf-Psychologen!
Moment!
Wenn er schwer gestört wäre, könnte er bestimmt nicht gute Noten schreiben. Er schrieb gute Noten. So wollte er sich verteidigen. Hoffentlich funktioniert das.

Georg ging auf eine junge Frau zu, welche über eine vergitterte Holztür die Station betrat. Sie war ganz in Weiß gekleidet. Womöglich arbeitete sie dort.
"Guten Tag, ich möchte meine Mutter sehen", sagte Georg.
"Wer bist du überhaupt, kleener?“
Georg nahm in ihrer Stimme einen aggressiven Unterton wahr, was ihn etwas einschüchterte. sehr distanziert, sehr passiv Auch ihr kühler Blick bereitete ihm Unbehagen. Er stellte sich vor: „Ich bin Georg Smokowski, der Sohn von Silvia, die heute Nachmittag . . .“
Sie unterbrach ihn: „Ähhh, bist du denn schon Achtzehn?“
„Was soll diese Frage?“
Die Frau stieß genervt die Luft aus: „Du darfst ohne deinen Erziehungsberechtigten hier nicht erscheinen.“
„Meine Erziehungsberechtigte ist in diesem Haus!“, sagte Georg schüchtern, weil er sich nicht ganz sicher war, ob es eine gute Idee wäre, das zu sagen.
Die Mitarbeiterin sah ihn ernst an.
Etwas nervös zupfte er an seinem Netzhandschuh. Hoffentlich nahm sie seinen Look nicht als Anlass, um das Jugendamt anzurufen. Zerrüttetes Elternhaus, wissenschon.
„Und? Wer hat dir Bescheid gesagt, dass deine Mutter hier ist?“
Georg blickte auf seine Hand mit dem Telefon herunter.
"Hat deine Mutter dich angerufen?"
Wieso war es ihr so wichtig, woher er das weiß?
Die Schwester drehte sich zu einem nebenstehenden Pfleger und sagte ihm, er möge Frau Smokowskis Zimmer nach einem Handy absuchen.
Georg fauchte verärgert doppelt gemoppelt: „Warum macht ihr das?“
„Sie darf nicht mit außerhalb kommunizieren, es wäre nur Ablenkung, weil sie absolute Ruhe braucht!“
Georg sah auf die 100 Euro in seiner anderen Hand. Dieses Geld soll er dieser Schreckschraube geben?
„Willst du mir Geld geben?“
Ein gutes Argument musste her. Ein wirklich gutes Argument!
„Ich habe übermorgen meine erste Abiturprüfung und wenn meine Mutter mir nicht beisteht könnte ich durchfallen!“
Die Pflegerin klang empört. „Ich bin während meines Abi´s arbeiten gegangen. Jetzt verdiene ich gut. Das Leben ist hart. Du bekommst keine Extrawurst!“ Georg stemmte seinen Arm mit seiner geöffneten Hand gegen die sich schließende Tür. Die Mitarbeiterin öffnete sie wieder.
„Sehr geehrte Frau, Sie können meine Mutter nicht gegen ihren Willen festhalten!“
„Komm´morgen früh um Acht wieder. Psychiaterin Smeraldina wird dir alles Weitere erläutern.“
Die Tür knallte und er fror – bei fünfundzwanzig Grad, die untergehenden Sonne schien über die Baumwipfel. Wehte ein unmerklich kaltes Lüftchen, oder war es ein Gefühl, welches in Fernsehdokumentationen gerne als „soziale Kälte“ beschrieben wurde? Musste er jetzt leiden, weil diese Mitarbeiterin leiden musste, ihre Jugend vor Arbeit nicht leben durfte?

Georg sah sich um. Er war alleine. Ganz alleine. Da war kein Vater, kein Bruder, oder Onkel. Georg fühlte Zorn in sich. Als Einzelkind hatte man es schwerer, dachte er sich – das stresste voll! du vermeidest erst explizit deep-pov mit dem "dachte er sich", aber dann schreibst du doch explizit seine Gedanken "das stresste voll"  Wie schwach er und seine Mutter doch war. Eine falsche Behauptung über seine Mutter und Georg seine ganze Zukunft war in Gefahr.
Dies reichte schon aus, um in einem Staat, der als demokratisch und gerecht galt, eingesperrt zu werden. Es ist wichtig, dass du die Perspektive klarer machst. Da du vorher zu Deep-POV geswitched bist, nehme ich an, das sind Georgs Gedanken hier? Falls das so ist, finde ich es nachvollziehbar, das ist sicher etwas, das ein Jugendlicher denken würde.
Sich darüber aufzuregen machte aber keinen Sinn. Erstmal tief durchatmen. Wie aufgewühlt Georg doch war. das ist zB wieder distanziert, fast schon auktorial Dies war wieder so eine Situation, wo ein kühler Kopf wichtig war, wo Georg sich entspannen musste, um seine Gedanken in Meditation zu ordnen, um seine Wut zu bändigen.und hier sind wir wieder in Georgs Kopf Seine Mutter wurde von ihrer überschäumenden Wut gesteuert und es hatte sie ins Verderben geführt, was Georg auch ein Stück weit von ihr unbewusst übernommen hatte.und hier wieder explizit auktorial, denn es ist "unbewusst"
Woher ihre Wut kam, hatte sie ihm bislang nicht erzählt und Georg suchte nach Antworten. Er beschäftigte sich mit den Lehren von Buddha und dem Ursprung des Leidens. Vieles in seinem Leben hatte sich durch seine ausschweifende Wut verschlimmert. Durch die Bändigung von Wut aber bestünde die Chance, aus dem Kreislauf vom Leiden und Verderben zu entkommen.
Georg wollte kein neues Leiden erzeugen. Was man selber nicht will, soll man auch anderen nicht antun. Aus diesem Grund wurde Georg sogar Veganer. Er aß nicht einmal Fleisch, wollte Tieren kein Leid zuzufügen. Seit er damit begann, fühlte er, dass er irgendwie leichter wurde. Ein angenehmes Gefühl. Georg ist irgendwie in die Handlung des sich Umschauens eingefroren.
Ob er mit diesem Wutbändigungs-Beispiel voran im morgigen Gespräch gegenüber Psychiaterin Smeraldina punkten konnte, als Zeichen eines Wandels im festgefahrenen Konflikt mit seiner Mutter, wird sich zeigen.
Wenigstens hatte der Teenager distanziertden Wohnungsschlüssel. Zu Hause legte er sich früh schlafen, um für das Gespräch ausgeruht zu sein.


Ich habe jetzt erstmal bis hierhin gelesen, da der Text doch recht lang ist. Der Anfang ist noch etwas verwirrend, man könnte klarer machen, was denn eigentlich passiert ist. Es wird spannend, sobald angeteasert wird, dass er "einbricht" bzw. sich auf die Station mogeln soll. Allerdings passiert dann gar nichts in die Richtung, ok, vielleicht später. Am meisten fällt die Perspektive auf, du springst sehr viel, mal auktorial, mal bist du in seinem Kopf. Ich würde mich auf eine Perspektive (zumindest pro Abschnitt) festlegen und dabei bleiben, bzw. beim Schreiben mal drauf achten.


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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 26.05.2022 22:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Grim,

danke für deine Hinweise. Ich will aus der Sichtweise von Georg schreiben, also personal sein. Nirgendwo in meiner Geschichte soll das Auktoriale auftauchen, weil es die Spannung zerstören würde. Ich finde es auch schön, mit den Augen des Protagonisten die Geschichte zu erleben.

Ich habe die von dir mit Korrekturhinweisen versehenen Abschnitte überarbeitet. Hier gezeigt die mit den relevantesten Änderungen.
Wie klingt es jetzt?

"
Auweia. Was hatte seine Mutter nur getan? Georg wusste, dass die Krankenpflegerin oft gefrustet von der Arbeit nach Hause kam. War auf Arbeit nun ein Konflikt eskaliert?
"

und

"
Georgs Telefon klingelte, es war seine Mutter."Mein Schatz, du hast noch die 100 Euro dabei, oder?"
"Ja"
"Geh auf Station Vier. Ich bin im Zimmer 105. Gerade arbeitet diese Leasingfachkraft aus Asien hier. Sage ihr, sie soll mich gehen lassen. Wenn sie nicht will, gebe ihr das Geld.“
Georg sah sich um. Er fand einen Wegweiser, der auf Station 4 hinwies und folgte ihn.
„Was, wenn sie nicht drauf eingeht?“
„Lass´ dich nicht von Psychiaterin Smeraldina erwischen. Sie trägt so einen langen Zopf. Die sagte mir heute Mittag, dass ich Mitarbeiter als Schildkröten beschimpft hätte."
"Schildkrötenmenschen?“
„Ja, so etwas in der Art!“
„Von so etwas sprichst du nie! Bist du deswegen eingewiesen worden?"
Silvia seufzte. „Ich wurde eingewiesen, weil ich sie an die Hand nahm, um ihr das Schildkrötendingsda zu zeigen . . .“. Wieder brach die Verbindung ab.
An die Hand nehmen. Das galt schon als Eigen-und Fremdgefährdung?
„Ah, ich bin da . . .“. Georg hob den Kopf und betrachtete die ca. zehn Meter hohe Mauer, aus der hin und wieder Steine herausgebrochen waren, was den Blick auf darunterliegende Ziegelreihen freilegte. Er schluckte. Es schien ihm, dass seine Mutter wie eine Schwerverbrecherin behandelt wurde. Er fand es schlimm, dass die Psychiaterin sie einfach so einweisen konnte, sie sogar vor der Polizei unglaubwürdig machte, nur weil sie die Psychiaterin an die Hand nehmen wollte, wegen einem banalen, fast schon lustigen Grund . . . sogenannten „Schildkrötenmenschen“. Da müssten auch kleine Jungen eingesperrt werden, wenn sie an der Hand ihrer Mutter ziehen, um ihr im Schaufenster Figuren der Mutant Ninja Turtles zu zeigen . . . oder?
Seine Mutter musste aus dieser Klinik befreit werden!
"

und

"
Wie konnte Georg seine Mutter nun befreien? Er sah sich um. Er war alleine. Ganz alleine. Da war kein Vater, kein Bruder, oder Onkel. Georg fühlte Zorn in sich. Als Einzelkind hatte man es schwerer – das stresste voll! Wie schwach er und seine Mutter doch waren. Eine falsche Bewegung seiner Mutter und seine ganze Zukunft befand sich in Gefahr. Verdammt, es war so leicht, in einem Staat, der als demokratisch und gerecht galt, eingesperrt zu werden. Machte es noch Sinn sich darüber aufzuregen? Erstmal tief durchatmen.
Er setzte sich auf eine Bank, um nachzudenken. Der Duft der lila Blüten lag in seiner Nase. Er gefiel ihm, doch Georg kam nicht zur Ruhe. Er brauchte einen kühlen Kopf, wollte seine Gedanken ordnen, die Wut bändigen. Georg merkte in der Stille aber, wie sehr er von seiner Mutter geprägt wurde. Auch sie reagierte auf viele Probleme in ihrem Leben überschäumend wütend. Es hatte sie nun ins Verderben geführt. Georg sollte nicht dasselbe passieren.
Warum sie nicht einfach den Job wechselte hatte sie ihm bislang nicht erzählt und Georg suchte nach Antworten. Er beschäftigte sich mit den Lehren von Buddha und dem Ursprung des Leidens, wo es unter Anderem hieß, dass durch die Bändigung von Wut die Chance bestünde, aus dem Kreislauf vom Leiden und Verderben zu entkommen.
Georg wollte kein neues Leiden erzeugen. Was man selber nicht will soll man auch anderen nicht antun. Aus diesem Grund wurde Georg sogar Veganer. Er aß nicht einmal Fleisch, wollte Tieren kein Leid zuzufügen. Seit er vor einigen Wochen damit begann fühlte er sich irgendwie leichter. Ein angenehmes Gefühl.
Ob er mit diesem Wutbändigungs-Beispiel voran im morgigen Gespräch gegenüber Psychiaterin Smeraldina punkten konnte, als Zeichen eines Wandels im festgefahrenen Konflikt mit seiner Mutter, wird sich zeigen.
Er griff in seine Tasche und spürte den Wohnungsschlüssel, stand auf und fuhr mit der Straßenbahn nach Hause. Georg legte er sich früh schlafen, um für das Gespräch ausgeruht zu sein.
"

LG, Max


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Grim
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BeitragVerfasst am: 27.05.2022 16:24    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Auweia. Was hatte seine Mutter nur getan? Georg wusste, dass die Krankenpflegerin oft gefrustet von der Arbeit nach Hause kam. War auf Arbeit nun ein Konflikt eskaliert?

Wir sind in Georgs Kopf, aber Georg denkt an seine Mutter als Mutter oder Mama, aber nicht als "die Krankenpflegerin". Hier fliegst du aus der Perspektive. Stell dir vor, du redest mit deinem Bruder/ Schwester über deine Mutter. Dann sagst du ja auch nicht: "Mutter ging die Treppe hinunter. Dann sah die Bürokauffrau meine dreckigen Socken, und wies mich darauf hin, die gefälligst wegzuräumen".  (Manche Leute schreiben so, und zwar um Wortwiederholungen zu vermeiden. Das nur als kleine Info. Meiner Meinung nach ist die Perspektive wichtiger, und über die Wiederholung ließt man einfach hinweg.) Aber die Info, dass die Mutter Krankenpflegerin ist, ist wichtig, das habe ich beim ersten Lesen nicht gewusst.

Zitat:
Georgs Telefon klingelte, es war seine Mutter."Mein Schatz, du hast noch die 100 Euro dabei, oder?"
"Ja"
"Geh auf Station Vier. Ich bin im Zimmer 105. Gerade arbeitet diese Leasingfachkraft aus Asien hier. Sage ihr, sie soll mich gehen lassen. Wenn sie nicht will, gebe ihr das Geld.“  sage und gebe klingt sehr alt und förmlich, ganz im Gegensatz zu "Lass'" ein paar Zeilen später
Georg sah sich um. Er fand einen Wegweiser, der auf Station 4 hinwies und folgte ihn.
„Was, wenn sie nicht drauf eingeht?“
„Lass´ dich nicht von Psychiaterin Smeraldina erwischen. Sie trägt so einen langen Zopf. Die sagte mir heute Mittag, dass ich Mitarbeiter als Schildkröten beschimpft hätte."
"Schildkrötenmenschen?“
„Ja, so etwas in der Art!“
„Von so etwas sprichst du nie! Bist du deswegen eingewiesen worden?"
Silvia  again. Ich würde sie einfach durchgehend  Mama/ Mutter nennen. seufzte. „Ich wurde eingewiesen, weil ich sie an die Hand nahm, um ihr das Schildkrötendingsda zu zeigen . . .“. Wieder brach die Verbindung ab.
An die Hand nehmen. Das galt schon als Eigen-und Fremdgefährdung?
„Ah, ich bin da . . .“. Georg hob den Kopf und betrachtete die ca. zehn Meter hohe Mauer, aus der hin und wieder Steine herausgebrochen waren, was den Blick auf darunterliegende Ziegelreihen freilegte. Er schluckte. Es schien ihm, dass seine Mutter wie eine Schwerverbrecherin behandelt wurde Seine Mutter wurde hier wie eine Schwerverbrecherin behandelt! . Er fand es schlimm Das ist eine Wertung von außerhalb. Es reicht, wenn du sagst, was er fühlt, nämlich dass die Psychiaterin sie einfach so eingewiesen hat. Das das schlimm ist, wird aus dem Kontext klar, oder aus den Worten "einfach so", "sogar", "nur weil"., dass die Psychiaterin sie einfach so einweisen konnte, sie sogar vor der Polizei unglaubwürdig machte, nur weil sie die Psychiaterin an die Hand nehmen wollte, wegen einem banalen, fast schon lustigen Grund . . . sogenannten „Schildkrötenmenschen“. Da müssten auch kleine Jungen eingesperrt werden, wenn sie an der Hand ihrer Mutter ziehen, um ihr im Schaufenster Figuren der Mutant Ninja Turtles zu zeigen . . . oder?
Seine Mutter musste aus dieser Klinik befreit werden!


Liest sich viel besser, ein paar Perspektivbrüche waren noch drin.

Ich habe (bei meinem ersten Kommentar zu dem Post)auch nicht alle angemerkt, die mir im Text begegnet sind, also solltest du nochmal ganz drüber schauen.[/quote]


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 27.05.2022 16:38    Titel: Antworten mit Zitat

Auweia. Was hatte seine Mutter nur getan? Georg wusste, dass die Krankenpflegerin oft gefrustet von der Arbeit nach Hause kam. War auf Arbeit nun ein Konflikt eskaliert?

ändern in

Auweia, was hatte seine Mutter nur getan? Mama war Krankenpflegerin und kam oft frustriert von der Arbeit nach Hause. War im Sankt-Vinzent-Krankenhaus ein Konflikt eskaliert?
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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 29.05.2022 19:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So. Ich habe meine Geschichte überarbeitet und ich habe einen teaser vorne angehangen, damit man an Anfang nicht gelangweilt ist von der Einführung. Ich habe den selben langen Text reingetan. Gibt's die Chance, dass jemand das liest?.
Wie liest es sich jetzt? Folgendes:

Georg erwachte mit geschlossenen Augen. Es fühlte sich an, als ob er auf Watte lag, die Gliedmaßen von sich gestreckt. Eigentlich ganz bequem. Moment! Er konnte sich nicht bewegen. Er machte die Augen auf und kniff sie gleich wieder zu, weil gleißendes Licht ihn blendete.
Nachdem seine Augen sich langsam an das Licht gewöhnt hatten, sah Georg, dass eine glatzköpfige Silhouette über ihm gebeugt war. Wegen dem hellen Hintergrund war die Person nicht zu erkennen. Sie verschwand wieder aus Georg seinen Sichtfeld. Warte. Sie hatte keine sichtbaren Ohrmuscheln. Gruselig! Wurden sie abgeschnitten?
Er schrie, doch der Knebel in seinem Mund dämpfte seinen Schrei auf ein maximales Minimum.
Könnte es sein . . . sein prüfenden Blick schweifte über seine Brust und dem Bauch. Nein. Man hatte ihm nicht seine Organe entfernt, oder sonstige schweinige Sachen mit ihm angestellt. Oder noch nicht. Er inspizierte die Welt um dem Strahler herum, soweit er etwas bis in die hintersten Augenwinkel erkennen konnte.
Alles war dunkel. Moment. Die Gestalt! Sie stand am Rande des Tischs, auf dem Georg lag. Die weiße Gebissreihe hob sich aus dem Dunkel heraus. Verdammt. Mit wem hatte es Georg zu tun. Mit einem Untoten?
Die Kreatur kam näher. Eine große, grüne Iris mit einer geweiteten Pupille blitzte Georg entgegen, schlitzartig eingerahmt in blassgrüner Haut. Die nüsternartige Nase schnaubte. Zwischen den Zähnen schnellte eine schmale Zunge hervor, die wieder verschwand.
Das konnte nicht wahr sein!
Georg schloss seine Augen und atmete tief durch. Wie hatte das alles angefangen? Gestern. Georg telefonierte mit seiner Mutter.

„Die Polizei kann nichts dagegen machen“. Die Stimme von Georgs Mutter knackte aus seinem Smartphone, als würde jeden Moment das Signal abbrechen.
„Aber Mama, die Polizei hilft doch immer!“
„Mein Sohn, ich gelte als psychisch krank. Man glaubt mir nicht mehr.“
Georg war entsetzt.
"Und du rufst mich jetzt an, weil du das Krankenhaus nicht verlassen kannst?"
"Ja. Bist du schon da?"
Georg sah aus dem Fenster der Straßenbahn und las den Namen der Haltestelle „Ev. Krankenhaus Herzberge“. Er stieg aus, sah sich um und erblickte einen Altbau aus roten Ziegeln im Grünen.
„Mama, warum kannst du denn nicht raus?“
„Die Psychiaterin sagte mir, dass ich als eigen- und fremdgefährdend gelte. Das reicht aus, mich gegen meinen Willen einzuweisen.“
Die Stimme von Mama wurde durch lautes Knacken unterbrochen und verstummte ganz.
Auweia. Was hatte sie nur getan? Mama war Krankenpflegerin und kam oft frustriert von der Arbeit nach Hause. War im Krankenhaus Herzberge nun ein Konflikt eskaliert?
Er stolperte über die unebenen Gehweg-Betonplatten des parkähnlichen Geländes, um wieder Empfang zu bekommen.
Obwohl er im Berliner Bezirk Lichtenberg war, welcher an den zentralen S-Bahn-Ring grenzte, hörte Georg nur Vogelgezwitscher. Der Duft aus den vielen Lila Blüten an den Wegrändern wirkte beruhigend. Der Ort schien nicht mal so übel zu sein. Trotzdem wollte Mama dort nicht bleiben. Sie musste befreit werden.
Das Telefon klingelte, es war Mama."Mein Schatz, du hast noch die 100 Euro dabei, oder?"
"Ja"
"Geh auf Station Vier. Ich bin im Zimmer 105. Gerade arbeitet diese Leasingfachkraft aus Asien hier. Sag' ihr, sie soll mich gehen lassen. Wenn sie nicht will, gib' ihr das Geld.“
Georg sah sich um. Er fand einen Wegweiser, der auf Station Vier hinwies und folgte ihm.
„Was, wenn sie nicht drauf eingeht?“
„Lass´ dich nicht von Psychiaterin Smeraldina erwischen. Sie hat dunkle Haare und trägt einen langen Zopf. Die sagte mir heute Mittag, dass ich Mitarbeiter als Schildkröten beschimpft hätte."
"Schildkrötenmenschen?“
„Ja, so etwas in der Art!“
„Crazy! Von so etwas sprichst du nie! Bist du deswegen eingewiesen worden?"
Mama seufzte. „Ich wurde eingewiesen, weil ich sie an die Hand nahm, um ihr das Schildkrötendingsda zu zeigen . . .“. Wieder brach die Verbindung ab.
An die Hand nehmen. Das galt schon als Eigen-und Fremdgefährdung?
„Ah, ich bin da . . .“. Georg hob den Kopf und betrachtete die ca. zehn Meter hohe Mauer, aus der hin und wieder Steine herausgebrochen waren, was den Blick auf darunterliegende Ziegelreihen freilegte. Er schluckte. Mama wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt. Die Psychiaterin konnte sie einfach so einweisen, sie sogar vor der Polizei unglaubwürdig machen, nur wegen einem banalen, fast schon lustigen Grund . . . sogenannten „Schildkrötenmenschen“. Da müssten auch kleine Jungen eingesperrt werden, wenn sie an der Hand ihrer Mutter ziehen, um Figuren der Mutant Ninja Turtles im Schaufenster zu zeigen . . . oder?

Eine große vergitterte Holzflügeltür trennte ihn von Mama. Videokameras. Ordentlich gekleidete Menschen liefen ein und aus.
Georg sah auf seinen dürren Körper runter und sah so crazy aus. Zum Beispiel seine abgenutzten Stiefel, wo sich an manchen Stellen bereits die Sohle ablöste. Er sah seine kaputten Netzstrumpfhosen, aber auch das verwaschene Shirt, auf welchem „Eat the rich“ stand. Er spürte seine roten Haare - auch wieder fettig.
Bis heute hatte er sich nie Gedanken über sein Erscheinungsbild gemacht, doch nun fürchtete er, dass allein deswegen die Angestellten der Psychiatrie das Jugendamt anrufen könnten. Aus „Sorge“ würden die ihn auch einweisen, gegen seinen Willen; weil er durch das crazy Elternhaus  schwer gestört wäre. Das Jugendamt und seine empirischen Sturkopf-Psychologen!
Moment!
Wenn er schwer gestört wäre, könnte er bestimmt nicht gute Noten schreiben. Er schrieb gute Noten. Etwas, zu was ihm seine Mutter gedrillt hatte. So wollte er sich verteidigen. Hoffentlich funktioniert das.
Georg ging auf eine junge Frau zu, welche über eine vergitterte Holztür die Station betrat. Sie war ganz in Weiß gekleidet. Womöglich arbeitete sie dort.
"Guten Tag, ich möchte meine Mutter sehen", sagte Georg.
"Wer bist du überhaupt, kleener?“
Georg spürte in ihrer Stimme einen aggressiven Unterton. Auch ihr kühler Blick bereitete ihm Unbehagen. „Ich bin Georg Smokowski, der Sohn von Silvia, die heute Nachmittag . . .“
Sie unterbrach ihn: „Ähhh, bist du denn schon Achtzehn?“
„Was soll diese Frage?“
Die Frau stieß genervt die Luft aus: „Du darfst ohne deinen Erziehungsberechtigten hier nicht erscheinen.“
„Meine Erziehungsberechtigte ist in diesem Haus!“, sagte Georg schüchtern, weil er sich nicht ganz sicher war, ob es eine gute Idee wäre, das zu sagen.
Die Mitarbeiterin sah ihn ernst an.
Etwas nervös zupfte er an seinem Netzhandschuh. Hoffentlich nahm sie seinen Look nicht als Anlass, um das Jugendamt anzurufen. Zerrüttetes Elternhaus, wissenschon.
„Und? Wer hat dir Bescheid gesagt, dass deine Mutter hier ist?“
Georg blickte auf seine Hand mit dem Telefon.
"Hat deine Mutter dich angerufen?"
Wieso war es ihr so wichtig, woher er das weiß?
Die Schwester drehte sich zu einem nebenstehenden Pfleger und sagte ihm, er möge Frau Smokowskis Zimmer nach einem Handy absuchen.
WhatTheFuck? „Warum macht ihr das?“
„Sie darf nicht mit außerhalb kommunizieren, es wäre nur Ablenkung, weil sie absolute Ruhe braucht!“
Georg sah auf die 100 Euro in seiner anderen Hand. Dieses Geld soll er dieser Schreckschraube geben?
„Willst du mir Geld geben?“
Ein gutes Argument musste her. Ein wirklich gutes Argument!
„Ich habe übermorgen meine erste Abiturprüfung und wenn meine Mutter mir nicht beisteht könnte ich durchfallen!“
Die Pflegerin klang empört. „Ich bin während meines Abi´s arbeiten gegangen. Jetzt verdiene ich gut. Das Leben ist hart. Du bekommst keine Extrawurst!“ Georg stemmte seinen Arm mit seiner geöffneten Hand gegen die sich schließende Tür. Die Mitarbeiterin öffnete sie wieder.
„Sehr geehrte Frau, Sie können meine Mutter nicht gegen ihren Willen festhalten!“
„Komm´morgen früh um Acht wieder. Psychiaterin Smeraldina wird dir alles Weitere erläutern.“
Die Tür knallte und er fror – bei fünfundzwanzig Grad, die untergehende Sonne schien über die Baumwipfel. Wehte ein unmerklich kaltes Lüftchen, oder war es ein Gefühl, welches in Fernsehdokumentationen gerne als „soziale Kälte“ beschrieben wurde? Musste er jetzt leiden, weil diese Mitarbeiterin leiden musste, ihre Jugend vor Arbeit nicht leben durfte?

Wie konnte Mama nun befreit werden? Er sah sich um. Shit! Er war alleine. Ganz alleine. Da war kein Vater, kein Bruder, oder Onkel. Georg fühlte Zorn in sich. Als Einzelkind hatte man es schwerer – das stresste voll! Hinzu kam, dass er und seine Mutter oft unterschiedlicher Meinung waren, insbesondere in letzter Zeit. Sie drillte ihn, damit er gute Noten schrieb, er reagierte mit Punkrock. Diese Streits waren aber nicht gut, weil im Endeffekt das Leben schon schwer genug war. Eine falsche Bewegung von Mama und das ganze Leben war versaut! Es war überraschend einfach, in einem Staat, der als demokratisch und gerecht galt, eingesperrt zu werden. Machte es überhaupt noch Sinn sich darüber aufzuregen? Erstmal tief durchatmen.
Er ließ sich auf eine Parkbank fallen, um nachzudenken. Der Duft der lila Blüten lag in seiner Nase. Er gefiel ihm, doch Georg kam nicht zur Ruhe. Er brauchte einen kühlen Kopf, wollte seine Gedanken ordnen, die Wut bändigen. Mama hatte ihre Prägungen hinterlassen. Auch sie reagierte auf viele Probleme in ihrem Leben überschäumend wütend. Es hatte sie nun ins Verderben geführt. Georg sollte nicht dasselbe passieren.
Warum sie nicht einfach den Job wechselte hatte sie ihm bislang nicht erzählt und Georg suchte nach Antworten. Er beschäftigte sich mit den Lehren von Buddha und dem Ursprung des Leidens, wo es unter Anderem hieß, dass durch die Bändigung von Wut die Chance bestünde, aus dem Kreislauf vom Leiden und Verderben zu entkommen.
Leiden. Die Lebewesen auf der Erde litten schon genug. Was man selber nicht will soll man auch anderen nicht antun. Auch die Tiere hatten Leid nicht verdient. Ganz ehrlich: Vegansein fetzte voll. Fleischlose Ernährung war gut, weil seit den Wochen, wo Georg damit begann, er sich damit leichter fühlte.  
Wird es gegenüber Psychiaterin Smeraldina helfen, zu sagen, dass Georg über Meditation seine Wut bändigen konnte? Ein gutes Zeichen im  Konflikt mit seiner Mutter war es allemal.
Er griff in seine Tasche und spürte den Wohnungsschlüssel, stand auf und fuhr mit der Straßenbahn nach Hause. Georg legte er sich früh schlafen, um für das Gespräch ausgeruht zu sein.


Die Sonne strahlte fröhlich in Georg sein Jugendzimmer und weckte ihn. Er hatte schlecht geschlafen. Doch dann erschrak er – es war doch kein schlechter Traum. Es stand kein Essen auf dem Tisch. Seine Hausaufgaben waren auch noch nicht gemacht und es wirkte noch surrealer, weil die Sonne auf die Arbeitsblätter schien. Von der Straße hörte Georg das Lachen der Klassenkameraden auf ihren Schulweg. Sie machten eine Wasserschlacht. Die Schule aber war Georg gerade nicht wichtig – ein Tag fehlen war nicht so schlimm, wenn es darum ging, die eigene Mutter aus der Psychiatrie zu befreien.
Sein Vater? Thomas. Mit ihm würde er gerne über das Geschehene telefonieren. Nein. In New York hatte man nie Zeit. Auch, wenn die Ex in Berlin in der Klappe ist. So ein Arschloch konnte einem gestohlen bleiben. Sollte er doch mit seinen Freunden aus der Schule reden? Nein. Die interessierten sich eh' nur für Dinge, die in Georgs Augen Belanglosigkeiten waren. Er lernte sie nicht wirklich kennen.  
So ernste Themen wie er sie hatte schien niemand mit ihm besprechen zu wollen. Eine unbeschreibliche Wut wühlte in Georg seinen Bauch und er merkte, dass er wieder nichts dran ändern konnte. Sollte er wenigstens versuchen, etwas zu ändern? Es blieb ihm nun nichts anderes übrig. So wie er bislang lebte, konnte es nicht weitergehen. Er blickte auf die Uhr. In einer Stunde hatte er seinen großen Auftritt vor der Psychiaterin. Es ging um Mama. Er wollte nichts vermasseln und wusch sich. Auch gepflegte Kleidung, sogar eine Anzugjacke, wurde zugelassen. Auf seinem blassen Teint trug er etwas Rouge auf, aber es sah albern aus und er machte es wieder weg. Der Iro wurde nach vorne gekämmt und gab dem Look einen erfrischenden Farbspritzer.

Um kurz vor acht stand Georg vor Haus Eins – dem zentralen Verwaltungsgebäude des Krankenhauses, wo sich das Büro von Dr. Dipl. Psych. Smeraldina de Dragescu befand. Er klopfte und ein knappes „Herein“ ertönte hinter der Tür. Es klang mehr wie ein tiefes Zischen. Georg war überrascht von Smeraldinas Erscheinung. Er erwartete eine konservative Person im zweiten Lebensabschnitt mit einem Kruzifix im Raum, wie er es vom Jugendamt kannte. Smeraldina hingegen war jung und ausgesprochen hübsch, wie Georg fand. Der von Mama erwähnte Zopf hing Smeraldina lässig über der Schulter. Ihr Gesicht mit den osteuropäischen Zügen war gebräunt und wirkte gesund. Der strenge Blick ihrer smaragdgrünen Augen hingegen schien Georg zu durchbohren. Ihre schwarze Kleidung unterstrich diese Strenge. Ihr hölzerner Schreibtisch glänzte vor Sauberkeit.
Die Stimme Smeraldinas aber war der reinste Trigger. Sie klang erotisch, schmerzte aber auch, weil das Böse auch so schön sein konnte. Georg spulte in seinem Kopf wieder ab, was er gestern dachte, um sich gedanklich auf das Gespräch vorzubereiten. Genau: Er hoffte, mit dem Bändigen seiner eigenen Wut den Schlüssel zum Lösen dieses Konfliktes zu finden. Seine Verunsicherung konnte er dennoch nicht unterdrücken und er rieb sich nachdenklich die Hände.

Smeraldina stand hinter ihrem großen Schreibtisch auf, leckte ihre Lippen und zischte: „Sie wünschen?“
Georg stammelte: „Meine . . . Meine Mutter wurde gestern auf Station Vier eingewiesen!“
„Mit wem habe ich die Ehre?“
„Mit Georg Smokowski!“
Smeraldina nahm einen tiefen Atemzug. Sie legte die Hände in ihren Rücken, beugte sich leicht nach vorne und sah ihren Besucher mit ernster Miene an. Sie lief auf Georg zu, wonach sie um ihn herum lief und ihn von allen Seiten aufmerksam betrachtete. Ihr schnaubender Atem war deutlich zu hören. Dauernd leckte sie sich die Lippen. War das nun gut oder schlecht? Weil sie nicht freundlich gesinnt war, könnte man es eher als Bedrohung ansehen. Georg wollte schon einen Schritt zurückmachen, da ließ sie sich wieder in ihren Chefsessel sinken: „Mein lieber Georg. Deine Mutter war am falschen Ort zur falschen Zeit, woraus sich eine sehr negative Dynamik entwickelt hatte!“
„Was . . . was heißt das konkret?“
„Deine Mutter kam gestern Nachmittag um sechzehn Uhr in mein Büro und behauptete wortwörtlich einen Schildkrötenmenschen gesehen zu haben!“
„Hatte meine Mutter damit irgendjemanden beschimpft?“
„Nun ja, was würdest du davon halten, wenn eine reife Frau wie deine Ma sich vor dir hinstellt und sagt, du seist ein Schildkrötenmensch, wie es gestern meinem Kollegen Markus widerfahren war?“
„Das war sicher ein Missverständnis!“
„Ach, dass diese reife Frau dann meine Hand ergriffen hatte, um mich zu den Ort zu zerren, wo sie diesen Schildkrötenmenschen gesehen hatte, soll auch ein Missverständnis gewesen sein?“
„Aber . . .“ Georg rang nach Wörtern: „ . . . das war doch jetzt kein Ausrasten, oder?“
Smeraldina schlug mit ihrer Faust auf den Tisch und Georg zuckte zusammen, da erhob sie wieder ihre tiefe Stimme. „Das Verhalten deiner Mutter war übergriffig, was mich berechtigt hat, sie im Rahmen von vierundzwanzig Stunden festzusetzen!“
Georg sah auf die Uhr. Bis sechzehn Uhr war Mama noch eingesperrt, wenn er jetzt nichts tat.
Schlimm war, dass Mama zu einer dieser schwachsinnigen Verschwörungstheoretikerinnen abgestempelt wurde, die von Reptilienmenschen sprachen. Georg wollte nicht, dass man damit weitere Gründe fand, ihnen Psychiatrieaufenthalt zu verlängern. Abiprüfungen ohne vorherige Nachhilfe von Mama. Kein schöner Gedanke.
Georg räusperte sich, bevor er sprach und stammelte: „Meine . . . Meine Mutter mag sich manchmal nicht adäquat verhalten, was mir auch leid tut für Sie. Aber glauben Sie mir, sie . . . sie hat mit diesen Verschwörungstheorien über Schildkröten . . . äh,  Reptilienmenschen nichts am Hut! Zumindest hatte sie nie mit mir drüber gesprochen!“

Smeraldina schien nachzudenken und womöglich war sie innerlich aufgewühlt.
„Du hast deine Emotionen gut im Griff, im Gegensatz zu deiner Mutter! Das ist beachtlich“, zischelte sie leise. Sie stand wieder auf, lief um Georg herum und leckte ihre Lippen. Er hörte, wie sie leise lachte. Georg ging einen Schritt zurück, da flüsterte sie: „Keine Angst. Ich bin auf deiner Seite?“
„Was?“
„Pssst!“
Pssst? Warum hob sie nicht den Finger, wie es sonst jeder zu dieser Geste machte?
„Hier wird alles überwacht“, flüsterte sie.
Georg sah ihr überrascht in die Augen. Sie bewegte ihre Augäpfel in eine Richtung, ohne ihren Kopf zu bewegen. Georg folgte ihrem Blick und sah eine Kamera. Beinahe hätte er automatisch seinen Kopf bewegt, doch das wäre eine blöde Idee gewesen, weil er verstand, worum es ging.
"Warum helfen Sie mir jetzt auf einmal?"
„Ich hatte gerade gemerkt, dass du ein guter Mensch bist!“
"Ein guter Mensch? Was ist für Sie ein guter Mensch?"
„Es ist, wie ich es dir schon sagte: Du hast dich gut im Griff.“ Smeraldina blickte auf Georgs zittrige Hände: „Du bist nur noch ein wenig nervös, aber das geht vorbei, wenn du an dir arbeitest. Was ich an dir besonders schätze ist aber, dass du sogar ein Veganer geworden bist!“
Er konnte sich nicht erinnern, ihr etwas über das Vegan-Sein erzählt zu haben. „Hat meine Mutter Ihnen davon erzählt?“
Smeraldina ging wieder an Georg heran, fast bis an seinen Mund, sie leckte ihre Lippen und klang erregt: „Du bist tatsächlich Veganer!"
"Woher wissen Sie das?"
"Ich kann es riechen."
"Riechen? Kein Mensch kann das riechen!"
Seine Gegenüber hielt ihre rechte Hand auf ihren Mund. Sie hob überrascht die Augenbrauen.
Ihre linke fasste auf ihren Bauch. Er knurrte. Ihre Augen fielen zu, als müsste sie sich wie er in Meditation beherrschen. Doch sie schlug ihre Augen auf und drehte ihr Gesicht nach links von der Kamera weg. Er folgte ihren Blick, der die Bodenleiste und einen Aktenschrank ins Visier nahm.   
Was wollte sie ihm zeigen? Wollte sie ihm überhaupt was zeigen?
Wie von der Tarantel gestochen sprang Smeraldina in Richtung der Bodenleiste und zog hinter dem Aktenschrank, in ihrer Hand verborgen, etwas Quiekendes hervor, welches sie, mit den Schultern von der Kamera schützend, in ihrem Mund führte und verschluckte. Georg wurde leicht übel bei dem Anblick.
Smeraldina stand auf und strich prüfend mit ihren Händen über ihren Rücken, den Hintern und Beine, als sei ein Insekt unter ihre Kleidung gefahren. Ihre Bewegungen wirkten unüblich, aber nicht sonderbar. Die Frau schüttelte kurz ihren Kopf, dann zischte sie: „Ich konnte es nicht unterdrücken! Nun weißt du es. Reptiloide gibt es wirklich!“
Ein Schauer lief über seinen Rücken. Das konnte nicht wahr sein. Diese Frau, dazu eine psychiatrische Ärztin, widersprach sich nun komplett. So eben hatte sie noch die Existenz von Reptilienmenschen bestritten. Was sollte das alles?
„Wenn Sie mir vorspielen, ein Reptilienmensch zu sein und den Thema allen Anschein nach aufgeschlossen sind, warum sind Sie dann meiner Mutter nicht gefolgt? Sie sagte doch, dass sie einen Schildkrötenmenschen gesehen hatte.“
Smeraldina zischelte leise, aber klar verständlich: "Ich hatte deiner Mutter vorgegaukelt, dass ich glaube, dass es keine Reptiloide gibt."
„Warum taten Sie das meiner Mutter an?“
„Ich provozierte sie, um einen Einweisungsgrund zu haben!“ In ihrem Gesicht lag ein laszives Grinsen.
Verdammte Hexe! "Warum hatten Sie meine Mutter eingewiesen?"
„Offiziell gibt es ja keine Reptiloide. Dieser Glaube der Menschen aber schützt die Reptiloiden. Nun haben wir deine Mutter aus dem Verkehr gezogen, indem ich sie mit der Einweisung unglaubwürdig gemacht hatte!“
Das was sie sagte klang tatsächlich so, als wollte sie ein großes Geheimnis verbergen. Er ging einen Schritt nach hinten, um diese Frau komplett zu sehen. Sie sah nicht wie eine Reptiloidin aus – wie sollte überhaupt eine Reptiloidin aussehen? Wie Godzilla? Georg hatte keine Ahnung.  
Smeraldina grübelte: "Du sagtest, wenn ich mich recht erinnere, dass ich dir vorgespielt hätte, ein Reptilienmensch zu sein. War es nicht offensichtlich, dass es nicht gespielt war?"
Georg sah sie sich genauer an. Er bekam einen Schreck, als er sah, dass ihre Zunge schmal und spitz war. Das konnte man nicht faken und alle Restskepsis war weg. Warum war ihm das nicht schon früher aufgefallen?
Smeraldina wirkte zufrieden, zumindest schien in ihren Lippen tatsächlich ein leichtes Lächeln zu liegen: "Dass du es jetzt endlich merkst . . . meine Verkleidung ist perfekt!"
Georg wusste nicht, was er sagen sollte. Er war immer noch im logischen Denken verhaftet – Reptiloide. Das konnte es nicht geben!
Für eine Weile saßen sie sich noch schweigend gegenüber. Smeraldina betrachtete ehrfürchtig  ihre Arme und Hände, sah auf sich runter und dann wieder auf Georg. "Du scheinst immer noch Verständnisprobleme zu haben . . . Wow."
"OK, Sie sind eine Reptiloidin. . . “
„Du kannst mich duzen!“
„ . . . warum ist das Vegan-Sein für dich so wichtig? Reptilien sind Fleischfresser, oder?“
"Wir jagen Beute in den Wäldern, ohne Bäume zu fällen und haben somit keine Viehwirtschaft auf Kahlschlagflächen. Mit dieser Art von Fleischkonsum haben wir auch keine Massentierhaltung. Wir sind im Endeffekt so umweltfreundlich wie ein Mensch, der sich vegan ernährt. Wir kommen von weit her und möchten die Erde befreien, damit jede Lebensform in Respekt mit der Natur lebt und nicht alles stiehlt, als sei die Natur dessen Eigentum."
Diese Weltbefreiung, wie sieht die aus? Kommen sie mit Raumschiffen an und Smeraldina sondiert die Lage vorher? Und werden die dann alle Menschen töten - oder die meisten?
„Also, ihr mögt keine Menschen, weil sie Kahlschlag und Massentierhaltung betreiben?“
„Menschen sind auch nur Tiere – Tiere, die dressiert wurden. Wir mögen den Dompteur nicht. Mit seinem Tiger hingegen haben wir Mitleid, weil er dressiert wurde, etwas zu tun, was seinem Naturell nicht entspricht!"
„Aber . . meine Mutter . . . die ist nicht so ein Dompteur, oder?“
„Nein!“
"Dann lass' sie bitte wieder frei!"
"Dass geht nicht!"
Georg erschrak. „Du sagtest mir, du willst mir helfen. Dann hilf´ mir, bitte!“
„Ich helfe dir gerne, nur für deine Mutter kann ich nichts tun!“   
Georg hatte sich so große Hoffnungen gemacht.
Smeraldina rieb mit den Fingern ihrer rechten Hand an ihrem Mund, was wirkte, als ob sie nachdachte. Dann sagte sie: „Mein Chef holt deine Mutter nicht raus. Es wäre besser, wenn ich dich adoptiere. Meine Vereinigung hat ein Grundstück am Stadtrand mit sehr viel Wald, es gibt etliche Pflanzen dort, die für eine vegane Ernährung wichtig sind. Dir könnte das gefallen.“
Frechheit! Georg knurrte: „Mich adoptieren? Niemals! Ich will mit dem Chefarzt reden, um meine Mutter zu befreien! Du kannst ihm ja sagen, dass es nicht so schlimm war, wie sie dich angefasst hatte. . .“
„Psst!“
„Was soll diese Geheimnistuerei?“
„Mein Chef darf nicht erfahren, dass ich dir hier erzähle, dass ich eine Reptiloidin bin, sonst leistest du deiner Mutter Gesellschaft!“
Georg machte mit der Hand eine Geste, als würde er seinen Mund wie einen Reißverschluss zumachen wollen.
Smeraldina schielte zur Kamera, dann wieder auf Georg: „Lass´ bitte solche Gesten sein!“
Georg kniff seine Lippen zusammen und er wollte so tun, als ob nichts wäre, was womöglich nicht überzeugend wirkte, weil er seine eigene Anspannung spürte.
"Ich habe verstanden", brachte er bedächtlich über seine Lippen: "Aber, aber meine Mutter muss nach 24 Stunden doch wieder entlassen werden, oder?"
Smeraldina schüttelte den Kopf. Sie zischelte:
"Deine Ma hat einen Reptiloiden gesehen. Deshalb wird alles getan, um ihren Aufenthalt zu verlängern, bis irgendwann ein fingierter Selbstmord geschieht. Mein Chef wird deswegen heute einen Anwalt bestellen, um die Zeit zu verlängern. Das hatte er mit anderen Zeugen auch so gemacht!"
Georg wurde wütend, doch er atmete tief durch und flüsterte: "Als Reptiloid wird der Chef mich auch mögen und mir auch einen Gefallen tun, oder?“
Sie hob verzweifelt die Hände und machte eine Kopfbewegung Richtung Wand: „Er ist ein ganz normaler Mensch!“
Ein normaler Mensch? „Moment! Du bist ein Wesen, welches sich verkleiden kann, also in der Lage ist, die Gestalt zu wechseln. Warum lässt du dich von einem Menschen kontrollieren?“
Nach kurzer Überlegung schaute sie auf ihre Smartwatch: "Ich werde mit Dr. Barr reden um deine Ma zu befreien - auf meine Art - du wirst sehen, was passiert. Komm!“


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Neues Mini-Drama: "Der Naturkreislauf",
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Grim
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BeitragVerfasst am: 30.05.2022 19:24    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wie konnte Mama nun befreit werden? Er sah sich um. Shit! Er war alleine. Ganz alleine. Da war kein Vater, kein Bruder, oder Onkel. wieso sieht er sich um? Das klingt, als ob er einen Onkel oder Vater erwartet, aber keinen vorfindetGeorg fühlte Zorn in sich. das könnte man einfach und schöner showen, bzw. wird das durch das "das stresste voll" im nächsten Satz sowieso klar. Show oder Tell, aber beides zusammen ist doppelt gemoppelt Als Einzelkind hatte man es schwerer – das stresste voll! der Ausruf gefällt mir (subjektiv) nicht. Ich glaube, das liegt daran, dass sich seine Gedankenstimme hier stark von der Erzählstimme unterscheidet. Dadurch distanzierst du dich im weiteren Erzählen als Erzähler von ihm.Hinzu kam, dass er und seine Mutter oft unterschiedlicher Meinung waren, insbesondere in letzter Zeit. Sie drillte ihn, damit er gute Noten schrieb, er reagierte mit Punkrock. Das hier sind ja Georgs Gedanken, aber es klingt sehr objektiv betrachtet und nüchtern, als ob jemand anderes das so sehen würde. Ist er so reflektiert, dass er sein Verhalten auf die Weise beurteilen kann, also als Trotzreaktion auf die Mutter? Diese Streits waren aber nicht gut Das ist kein Widerspruch, und wirkt überflüssig, denn Streits sind doch nie gut?, weil im Endeffekt das Leben schon schwer genug war. Hier ist ein großer Gedankensprung von den Streits zu Mamas aktuellem Problem ohne sichtbare Verknüpfung Eine falsche Bewegung von Mama und das ganze Leben war versaut! Es war überraschend einfach, in einem Staat, der als demokratisch und gerecht galt, eingesperrt zu werden. Das klingt sehr neutral und distanziert. Ärgert ihn das. belustigt ihn das? Könnte man deutlicher machen.Machte es überhaupt noch Sinn sich darüber aufzuregen? Erstmal tief durchatmen. An sich passt der Gedankengang: Er ist überfordert, er wünscht sich jemanden herbei, der das für ihn regelt (Vater, Onkel), ärgert sich über die Familiensituation, dann fehlt die Verbindung zur Einweisung der Mutter. der letzte Schritt, vom Ärgern über die Einweisung auf die Schuldzuweisung auf den Staat finde ich gerade für einen Teenager glaubhaft.  
Er ließ sich auf eine Parkbank evtl. kleinlich, aber ich bin an der Stelle hängen geblieben und musste zurückblättern, den von einem Park war nie die Rede. Evtl. ist Bank besser, denn er ist doch noch beim Krankenhaus? fallen, um nachzudenken. Der Duft der lila Blüten "der" impliziert, dass sie vorher schon erwähnt wurden oder Georg sie kennt lag in seiner Nase. das ist zu wenig, falls du hier eine Atmosphäre erzeugen willst, bzw. wirkt es seltsam, weil er ausschließlich diesen Geruch wahrnimmt, aber nichts hört oder sieht. Du musst dir imer denken: Wir sind in Georgs Kopf, was würde ihm besonders auffallen, oder was würde er für erwähnenswert halten? Er gefiel ihm, doch Georg du verwendest oft den Namen, obwohl klar ist, von wem die Rede ist. Immer wenn du ihn so ansprichst entsteht ein wenig Distanz, über "er" ließt man häufig einfach hinweg.kam nicht zur Ruhe. Er brauchte einen kühlen Kopf, wollte seine Gedanken ordnen, die Wut bändigen. Mama hatte ihre Prägungen hinterlassen. Auch sie reagierte auf viele Probleme in ihrem Leben überschäumend wütend. Es hatte sie nun ins Verderben geführt. Georg sollte nicht dasselbe passieren. das sind sehr viele verschiedene Gedanken direkt hintereinander. Ok, falls du damit seine Verwirrung zeigen willst, aber eben auch, nun, verwirrend für den Leser
Warum sie nicht einfach den Job wechselte hatte sie ihm bislang nicht erzählt und Georg suchte nach Antworten. aber doch nicht jetzt, jetzt wird er wohl darüber nachdenken, wie er sie da rausholen kann Er beschäftigte sich mit den Lehren von Buddha und dem Ursprung des Leidens, wo es unter Anderem hieß, dass durch die Bändigung von Wut die Chance bestünde, aus dem Kreislauf vom Leiden und Verderben zu entkommen. wieso denkt er da jetzt dran? Will er mit irgendeinem Mantra seinen Kopf klar bekommen? Falls ja, erwähnen, sonst ließt es sich nur wie eien Aneinanderreihung seltsamer Gedanken ohne Zusammenhang
Leiden. Die Lebewesen auf der Erde litten schon genug. Was man selber nicht will soll man auch anderen nicht antun. Auch die Tiere hatten Leid nicht verdient. Ganz ehrlich: Vegansein fetzte voll. Fleischlose Ernährung war gut, weil seit den Wochen, wo Georg damit begann, er sich damit leichter fühlte.  das würde ich fast streichen bzw. irgendwann später erwähnen, aktuell ist man als Leser schon an der Belastungsgrenze, was verschiedene Ängste und Sorgen Georgs angeht. Es unterbricht auch den Gedankengang.
Wird es gegenüber Psychiaterin Smeraldina helfen, zu sagen, dass Georg über Meditation seine Wut bändigen konnte? Verstehe ich nicht. Um ihn geht es doch gar nicht. Ein gutes Zeichen im  Konflikt mit seiner Mutter war es allemal.
Er griff in seine Tasche und spürte den Wohnungsschlüssel, stand auf und fuhr mit der Straßenbahn nach Hause. streichen?Georg legte er sich früh schlafen, um für das Gespräch ausgeruht zu sein. klingt wie überflüssige Info, würde ich streichen, falls dieses gewissenhafte Schlafengehen nicht eine Charaktereigenschaft von Georg ist, die du entwickeln möchtest


Die Sonne strahlte fröhlich in Georg sein Genitiv:Georgs Jugendzimmer und weckte ihn. Du fliegst aus der POV, denn wir sehen die Sonne, bevor er aufwacht. Distanziert Er hatte schlecht geschlafen. ok, das schneidet sich mit der fröhlichen SonneDoch dann erschrak er – es war doch kein schlechter Traum. es war von keinem Traum die Rede Es stand kein Essen auf dem Tisch. das gefällt mir, wir sehen aus Gerogs Perspektive, dass die Mutter nicht da ist, und fühlen gleichzeitig mitSeine Hausaufgaben waren auch noch nicht gemacht Wieso erwartet er, dass jemand anderes seine Hausaufgaben macht? In dem Kontext klingt es fast, als wäre das aus seiner Sicht die Schuld der Mutterund es was ist es?wirkte noch surrealer, weil die Sonne auf die Arbeitsblätter schien. Verstehe ich nicht. Was wirkt surrealer? Dass die Hausaufgaben nicht gemacht sind? Und warum macht das Licht diese Tatsache surreal? Ich glaube, hier fehlt irgendwie ein Satz oder so. Von der Straße hörte Georg das Lachen der Klassenkameraden auf ihren Schulweg Bruch der POV, er kann nicht wissen, dass das seine Klassenkameraden sind, erstmal hört er nur Lachen, und dann kann er vermuten. Sie machten eine Wasserschlacht. schaut er aus dem Fenster? (es ist hilfreich, sozusagen die Kamerafahrt auch hinzuschreiben, wenn man nahe an der Person schreibt. Damit kann man den Leser in der Szene herumführen und bleibt ganz nahe am Prota. Also im Sine von: Er sah aus dem Fenster. Spielende Kinder, Sonnenschein, ect. Wie langweilig. Er wandte sich ab, öffnete den Rucksack. Ein alter Block, und ein paar Stifte.)Die Schule aber war Georg gerade nicht wichtig – ein Tag fehlen war nicht so schlimm, wenn es darum ging, die eigene Mutter aus der Psychiatrie zu befreien. du sagst hier zweimal dieselbe Sache, eine davon könnte man streichen
Sein Vater? Thomas.what? Wir sind gedanklich bei der Mutter in der Psychiatrie. Was soll die Frage: "Sein Vater?" in dem Kontext bedeuten? Und wieso ist Zhomas die Antwort auf diese Frage? Mit ihm würde er gerne über das Geschehene telefonieren. Nein.  In New York hatte man nie Zeit.  Auch, wenn die Ex in Berlin in der Klappe ist. So ein Arschloch konnte einem gestohlen bleiben. nachvollziehbar, allerdings verwirrt mich, dass er gerne mit dem Vater reden würde Sollte er doch mit seinen Freunden aus der Schule reden? Nein. Die interessierten sich eh' nur für Dinge, die in Georgs Augen  Paradebeispiel für POV- Bruch. Du bist gerade in Georgs Augen bzw. Kopf, insofern kannst du einfach schreiben: "Die interessierten sich eh' nur für belanglose Dinge"Belanglosigkeiten waren. Er lernte sie nicht wirklich kennen. Plusquamperfekt
So ernste Themen wie er sie hatte schien niemand mit ihm besprechen zu wollen.Dann lass ihn doch auch wütend und frustriert klingen, dann musst du es im nächsten Satz nicht hinschreiben. Eine unbeschreibliche Wut wühlte in Georg seinen Genitiv: GeorgsBauch und er merkte, dass er wieder nichts dran ändern konnte. Sollte er wenigstens versuchen, etwas zu ändern? Es blieb ihm nun nichts anderes übrig. So wie er bislang lebte, konnte es nicht weitergehen. ich verstehe die Gedanken nicht recht. Es geht doch gerade darum, seine Mutter zu befreien, nicht darum, seine Frustrationstherapie hier und heute abzuschließenEr blickte auf die Uhr. In einer Stunde hatte er seinen großen Auftritt vor der Psychiaterin. Es ging um Mama. Er wollte nichts vermasseln und wusch sich sorry, aber ich musste lachen (über Georg, nicht über dich). So ala: Ich bin gewaschen, dann kann ja nichts schief gehen. Sollte er sich nicht einen Plan überlegen? Oder was er sagen will? Aber ja, waschen ist wohl auch ein guter Anfang ^^. Auch gepflegte Kleidung, sogar eine Anzugjacke, wurde zugelassen. Von wem zugelassen? Das klingt extrem distanziert Auf seinem blassen Teint trug er etwas Rouge auf, aber es sah albern aus und er machte es wieder weg. Der Iro wurde nach vorne gekämmt und gab dem Look einen erfrischenden Farbspritzer. der Teil gefällt mir, er versucht, normal auszusehen, und damit zeigst du gerade, wie nicht-normal er für gewöhnlich so rumläuft. Allerdings solltest du erwähnen, dass der Iro eine Farbe hat, sonst macht das mit dem Farbspritzer keinen Sinn

Um kurz vor acht stand Georg vor Haus Eins – dem zentralen Verwaltungsgebäude des Krankenhauses, wo sich das Büro von Dr. Dipl. Psych. Smeraldina de Dragescu befand. Er steht noch immer vor Haus Eins, du teleportierst ihn vor das Büro Er klopfte und ein knappes „Herein“ ertönte hinter der Tür. Es klang mehr wie ein tiefes Zischen. Georg war überrascht von Smeraldinas Erscheinung. das wäre ich auch, schließlich steht Georg noch hinter der geschlossenen Tür Er erwartete eine konservative Person im zweiten Lebensabschnitt die Erzählstimme klingt nicht wie nach Georg mit einem Kruzifix im Raum, wie er es vom Jugendamt kannte.  Smeraldina hingegen war jung und ausgesprochen hübsch, wie Georg fand. Der von Mama erwähnte Zopf hing Smeraldina lässig über der Schulter. Ihr Gesicht mit den osteuropäischen Zügen war gebräunt und wirkte gesund. Der strenge Blick ihrer smaragdgrünen Augen hingegen schien Georg zu durchbohren. Ihre schwarze Kleidung unterstrich diese Strenge. Ihr hölzerner Schreibtisch glänzte vor Sauberkeit.
Die Stimme Smeraldinas aber war der reinste Trigger Trigger für was?. Sie klang erotisch, schmerzte aber auch, weil das Böse auch so schön sein konnte. Georg spulte in seinem Kopf wieder ab, was er gestern dachte, um sich gedanklich auf das Gespräch vorzubereiten. Genau: Er hoffte, mit dem Bändigen seiner eigenen Wut den Schlüssel zum Lösen dieses Konfliktes zu finden. ok, ich verstehe noch immer nicht, wie das klappen soll, aber das erklärt, warum er auch zuhause ständig zwischen der Mutter und seinem Zorn hin und hergedacht hat Seine Verunsicherung konnte er dennoch nicht unterdrücken und er rieb sich nachdenklich die Hände eine Geste der Nachdenklichkeit, nicht der Verunsicherung.

Smeraldina stand hinter ihrem großen Schreibtisch auf, leckte ihre Lippen und zischte: „Sie wünschen?“
Georg stammelte: „Meine . . . Meine Mutter wurde gestern auf Station Vier eingewiesen!“
„Mit wem habe ich die Ehre?“
„Mit Georg Smokowski!“
Smeraldina nahm einen tiefen Atemzug. Sie legte die Hände in ihren Rücken, beugte sich leicht nach vorne und sah ihren Besucher mit ernster Miene an. Sie lief auf Georg zu, wonach sie um ihn herum lief das klingt seltsam und ihn von allen Seiten aufmerksam betrachtete. Ihr schnaubender Atem war deutlich zu hören. Dauernd leckte sie sich die Lippen. War das nun gut oder schlecht? Weil sie nicht freundlich gesinnt war, könnte man es eher als Bedrohung ansehen. Georg wollte schon einen Schritt zurückmachen, da ließ sie sich wieder in ihren Chefsessel sinken: „Mein lieber Georg. Deine Mutter war am falschen Ort zur falschen Zeit, woraus sich eine sehr negative Dynamik entwickelt hatte Perfekt/Präteritum statt Plusquamperfekt, gilt für den gesamten Dialog!“
„Was . . . was heißt das konkret?“
„Deine Mutter kam gestern Nachmittag um sechzehn Uhr in mein Büro und behauptete wortwörtlich einen Schildkrötenmenschen gesehen zu haben!“
„Hatte hat, wir sind nicht in der 2. Vergangenheit meine Mutter damit irgendjemanden beschimpft?“
„Nun ja, was würdest du davon halten, wenn eine reife Frau wie deine Ma sich vor dir hinstellt und sagt, du seist ein Schildkrötenmensch, wie es gestern meinem Kollegen Markus widerfahren war?“
„Das war sicher ein Missverständnis!“
„Ach, dass diese reife Frau dann meine Hand ergriffen hatte, um mich zu den Ort zu zerren, wo sie diesen Schildkrötenmenschen gesehen hatte, soll auch ein Missverständnis gewesen sein? Da musst du grammatikalisch nochmal drübergehen
„Aber . . .“ Georg rang nach Wörtern: „ . . . das war doch jetzt kein Ausrasten, oder?“
Smeraldina schlug mit ihrer Faust auf den Tisch und Georg zuckte zusammen, da erhob sie wieder ihre tiefe Stimme. „Das Verhalten deiner Mutter war übergriffig, was mich berechtigt hat, sie im Rahmen von "im Rahmen von" passt hier nichtvierundzwanzig Stunden festzusetzen!“
Georg sah auf die Uhr. Bis sechzehn Uhr war Mama noch eingesperrt, wenn er jetzt nichts tat.
Schlimm war, dass Mama abgestempelt als, nicht zuzu einer dieser schwachsinnigen Verschwörungstheoretikerinnen abgestempelt wurde, die von Reptilienmenschen sprachen. Georg wollte nicht, dass man damit weitere Gründe fand, ihnen Psychiatrieaufenthalt zu verlängern. Abiprüfungen ohne vorherige Nachhilfe von Mama. Ah, jetzt wird die Sache mit den Hausaufgaben klarer Kein schöner Gedanke.
Georg räusperte sich, bevor er sprach und stammelte: „Meine . . . Meine Mutter mag sich manchmal nicht adäquat verhalten, was mir auch leid tut für Sie. Aber glauben Sie mir, sie . . . sie hat mit diesen Verschwörungstheorien über Schildkröten . . . äh,  Reptilienmenschen nichts am Hut! Zumindest hatte sie nie mit mir drüber gesprochen!“

Smeraldina schien nachzudenken und womöglich war sie innerlich aufgewühlt.was veranlasst Georg zu dem gedanken?
„Du hast deine Emotionen gut im Griff, im Gegensatz zu deiner Mutter! Das ist beachtlich“, zischelte sie leise. so wie sie zischt habe ich langsam das Gefühl, sie ist wirklich ein Reptilienmensch Sie stand wieder auf, lief um Georg herum und leckte ihre Lippen. Ok, spätestens hier macht es Klick. Interessant, macht den Text auf einmal um einiges spannender. Er hörte, wie sie leise lachte. Georg ging einen Schritt zurück, da flüsterte sie: „Keine Angst. Ich bin auf deiner Seite?“
„Was?“
„Pssst!“
Pssst? Warum hob sie nicht den Finger, wie es sonst jeder zu dieser Geste machte?
„Hier wird alles überwacht“, flüsterte sie.
Georg sah ihr überrascht in die Augen. Sie bewegte ihre Augäpfel in eine Richtung, ohne ihren Kopf zu bewegen. Georg folgte ihrem Blick und sah eine Kamera. Beinahe hätte er automatisch seinen Kopf bewegt, doch das wäre eine blöde Idee gewesen, weil er verstand, worum es ging. Das versteht man als Leser auch so. Du musst nicht immer alles explizit erklären
"Warum helfen Sie mir jetzt auf einmal?"
„Ich hatte gerade gemerkt, dass du ein guter Mensch bist!“
"Ein guter Mensch? Was ist für Sie ein guter Mensch?"
„Es ist, wie ich es dir schon sagte: Du hast dich gut im Griff.“ Smeraldina blickte auf Georgs zittrige Hände: „Du bist nur noch ein wenig nervös, aber das geht vorbei, wenn du an dir arbeitest. Was ich an dir besonders schätze ist aber, dass du sogar ein Veganer geworden bist!“
Er konnte sich nicht erinnern, ihr etwas über das Vegan-Sein erzählt zu haben. „Hat meine Mutter Ihnen davon erzählt?“
Smeraldina ging wieder an Georg heran, fast bis an seinen Mund, sie leckte ihre Lippen und klang erregt: „Du bist tatsächlich Veganer!"
"Woher wissen Sie das?"
"Ich kann es riechen."
"Riechen? Kein Mensch kann das riechen!"
Seine Gegenüber hielt ihre rechte Hand auf ihren Mund. Sie hob überrascht die Augenbrauen. Überrascht über ihre eigene Geste?
Ihre linke fasste auf ihren Bauch. Er knurrte. Ihre Augen fielen zu, als müsste sie sich wie er in Meditation beherrschen. Doch kein Widerspruchsie schlug ihre Augen wieder auf  und drehte ihr Gesicht nach links von der Kamera weg. Er folgte ihren Blick, der die Bodenleiste und einen Aktenschrank ins Visier nahm.   
Was wollte sie ihm zeigen? Wollte sie ihm überhaupt was zeigen?
Wie von der Tarantel gestochen sprang Smeraldina in Richtung der Bodenleiste und zog hinter dem Aktenschrank, in ihrer Hand verborgen, etwas Quiekendes hervor, welches sie, mit den Schultern von der Kamera schützend, in ihrem Mund führte und verschluckte. Georg wurde leicht übel bei dem Anblick.
Smeraldina stand auf und strich prüfend mit ihren Händen über ihren Rücken, den Hintern und Beine, als sei ein Insekt unter ihre Kleidung gefahren. Ihre Bewegungen wirkten unüblich, aber nicht sonderbar. das klingt aber ziemlich sonderbarDie Frau schüttelte kurz ihren Kopf, dann zischte sie: „Ich konnte es nicht unterdrücken! Nun weißt du es. Reptiloide gibt es wirklich!“
Ein Schauer lief über seinen Rücken. Das konnte nicht wahr sein. Diese Frau, dazu eine psychiatrische Ärztin, widersprach sich nun komplett. So eben hatte sie noch die Existenz von Reptilienmenschen bestritten. ist es wirklich das, das ihn wundert? Dass sie es vorher abgestritten hat? Nicht, dass eine Ärztin sich als Reptilienmensch outet und ein Tierchen vernascht?Was sollte das alles?
„Wenn Sie mir vorspielen, ein Reptilienmensch zu sein und den Thema allen Anschein nach aufgeschlossen sind, warum sind Sie dann meiner Mutter nicht gefolgt? Sie sagte doch, dass sie einen Schildkrötenmenschen gesehen hatte.“
Smeraldina zischelte leise, aber klar verständlich: "Ich hatte deiner Mutter vorgegaukelt, dass ich glaube, dass es keine Reptiloide gibt."
„Warum taten Präteritum klingt formal, so redet niemand, insbesondere nicht GeorgSie das meiner Mutter an?“
„Ich provozierte sie, um einen Einweisungsgrund zu haben!“ In ihrem Gesicht lag ein laszives Grinsen.
Verdammte Hexe! "Warum hatten Sie meine Mutter eingewiesen?"
„Offiziell gibt es ja keine Reptiloide. Dieser Glaube der Menschen aber schützt die Reptiloiden. Nun haben wir deine Mutter aus dem Verkehr gezogen, indem ich sie mit der Einweisung unglaubwürdig gemacht hatte!“
Das was sie sagte klang tatsächlich so, als wollte sie ein großes Geheimnis verbergen. Er ging einen Schritt nach hinten, um diese Frau komplett zu sehen. Sie sah nicht wie eine Reptiloidin aus – wie sollte überhaupt eine Reptiloidin aussehen? Wie Godzilla? Georg hatte keine Ahnung.  
Smeraldina grübelte: "Du sagtest, wenn ich mich recht erinnere, dass ich dir vorgespielt hätte, ein Reptilienmensch zu sein. War es nicht offensichtlich, dass es nicht gespielt war?"
Georg sah sie sich genauer an. Er bekam einen Schreck, als er sah, dass ihre Zunge schmal und spitz war. Das konnte man nicht faken und alle Restskepsis war weg. Warum war ihm das nicht schon früher aufgefallen?
Smeraldina wirkte zufrieden, zumindest schien in ihren Lippen tatsächlich ein leichtes Lächeln zu liegen: "Dass du es jetzt endlich merkst . . . meine Verkleidung ist perfekt!"
Georg wusste nicht, was er sagen sollte. Er war immer noch im logischen Denken verhaftet – Reptiloide. Das konnte es nicht geben!
Für eine Weile saßen sie sich noch schweigend gegenüber. Smeraldina betrachtete ehrfürchtig  ihre Arme und Hände, sah auf sich runter und dann wieder auf Georg. "Du scheinst immer noch Verständnisprobleme zu haben . . . Wow."
"OK, Sie sind eine Reptiloidin. . . “
„Du kannst mich duzen!“
„ . . . warum ist das Vegan-Sein für dich so wichtig? Reptilien sind Fleischfresser, oder?“ evtl ist Georg einfach nur sehr geschockt, aber sollte der erste Gedankenschritt nicht sein: Die Reptiloiden haben seine Mutter mundtot gemacht, jetzt ist er als nächster dran?
"Wir jagen Beute in den Wäldern, ohne Bäume zu fällen und haben somit keine Viehwirtschaft auf Kahlschlagflächen. Mit dieser Art von Fleischkonsum haben wir auch keine Massentierhaltung. Wir sind im Endeffekt so umweltfreundlich wie ein Mensch, der sich vegan ernährt. Wir kommen von weit her und möchten die Erde befreien, damit jede Lebensform in Respekt mit der Natur lebt und nicht alles stiehlt, als sei die Natur dessen Eigentum."
Diese Weltbefreiung, wie sieht die aus? Kommen sie mit Raumschiffen an und Smeraldina sondiert die Lage vorher? Und werden die dann alle Menschen töten - oder die meisten?
„Also, ihr mögt keine Menschen, weil sie Kahlschlag und Massentierhaltung betreiben?“ Du musst auf Spannung aufpassen. Momentan klingt es wie ein entspanntes Gespräch bei Kaffee und Kuchen. Wie genau das mit den Reptiloiden funktioniert, sollte Georg gerade egal sein. Wenn er schon nicht so weit denkt, dass er selbst in Gefahr ist, sollte er zumindest an seine gefangene Mutter denken. An der Stelle hätte ich erwartet, dass Georg sich nach einer Waffe umsieht, oder einem Fluchtweg.
„Menschen sind auch nur Tiere – Tiere, die dressiert wurden. Wir mögen den Dompteur nicht. Mit seinem Tiger hingegen haben wir Mitleid, weil er dressiert wurde, etwas zu tun, was seinem Naturell nicht entspricht!"
„Aber . . meine Mutter . . . die ist nicht so ein Dompteur, oder?“
„Nein!“
"Dann lass' sie bitte wieder frei!"
"Dass das geht nicht!"
Georg erschrak. „Du sagtest mir, du willst mir helfen. Dann hilf´ mir, bitte!“
„Ich helfe dir gerne, nur für deine Mutter kann ich nichts tun!“   
Georg hatte sich so große Hoffnungen gemacht. was, wieso? Wieso sollte er davon ausgehen, der Reptilienmensch, der seine Mutter gefangen hält (und den er vorher als sexy, aber böse wahrnimmt) würde ihm helfen?
Smeraldina rieb mit den Fingern ihrer rechten Hand an ihrem Mund, was wirkte, als ob sie nachdachte. Dann sagte sie: „Mein Chef holt deine Mutter nicht raus. Es wäre besser, wenn ich dich adoptiere. Meine Vereinigung hat ein Grundstück am Stadtrand mit sehr viel Wald, es gibt etliche Pflanzen dort, die für eine vegane Ernährung wichtig sind. Dir könnte das gefallen.“
Frechheit! klingt nicht nach Teenager und nicht nach Georg, eher nach einem Pauschaltouristen-Rentner, der sich über das kleine Hotelzimmer beschwertGeorg knurrte: „Mich adoptieren? Niemals! Ich will mit dem Chefarzt reden, um meine Mutter zu befreien! Du kannst ihm ja sagen, dass es nicht so schlimm war, wie sie dich angefasst hatte. . .“ es ging doch nicht um das Anfassen, sondern darum, dass die Mutter zu viel wusste
„Psst!“
„Was soll diese Geheimnistuerei?“
„Mein Chef darf nicht erfahren, dass ich dir hier erzähle, dass ich eine Reptiloidin bin, sonst leistest du deiner Mutter Gesellschaft!“
Georg machte mit der Hand eine Geste, als würde er seinen Mund wie einen Reißverschluss zumachen wollen.
Smeraldina schielte zur Kamera, dann wieder auf Georg: „Lass´ bitte solche Gesten sein!“
Georg kniff seine Lippen zusammen und er wollte so tun, als ob nichts wäre, was womöglich nicht überzeugend wirkte, weil er seine eigene Anspannung spürte.
"Ich habe verstanden", brachte er bedächtlich über seine Lippen: "Aber, aber meine Mutter muss nach 24 Stunden doch wieder entlassen werden, oder?" Georg verhält sich hier schon extrem einfältig, das macht ihn leider wesentlich uninteressanter bzw. man distanziert sich als Leser von ihm
Smeraldina schüttelte den Kopf. Sie zischelte:
"Deine Ma hat einen Reptiloiden gesehen. Deshalb wird alles getan, um ihren Aufenthalt zu verlängern, bis irgendwann ein fingierter Selbstmord geschieht. Mein Chef wird deswegen heute einen Anwalt bestellen, um die Zeit zu verlängern. Das hatte er mit anderen Zeugen auch so gemacht!"
Georg wurde wütend, doch er atmete tief durch und flüsterte: "Als Reptiloid wird der Chef mich auch mögen und mir auch einen Gefallen tun, oder?“ Sie hat doch gesagt, dass der Chef ihn einweisen wird.
Sie hob verzweifelt die Hände und machte eine Kopfbewegung Richtung Wand: „Er ist ein ganz normaler Mensch!“
Ein normaler Mensch? „Moment! Du bist ein Wesen, welches sich verkleiden kann, also in der Lage ist, die Gestalt zu wechseln. Warum lässt du dich von einem Menschen kontrollieren?“
Nach kurzer Überlegung schaute sie auf ihre Smartwatch: "Ich werde mit Dr. Barr reden um deine Ma zu befreien - auf meine Art - du wirst sehen, was passiert. Komm!“


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bonk
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SannyB
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BeitragVerfasst am: 02.06.2022 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Smokowski,

Deine Geschichte ist interessant, man erkennt schnell den Konflikt des Protagonisten.

Die wörtliche Rede finde ich an einigen Stellen nicht ganz natürlich und würde teilweise auch andere Zeitformen verwenden:
„Ich hatte habe gerade gemerkt, dass du ein guter Mensch bist!“
„Warum taten tun Sie das meiner Mutter an?“ (es dauert ja noch an)
Ich provozierte sie, Ganze einfach: um einen Einweisungsgrund zu haben!“ In ihrem Gesicht lag ein laszives Grinsen.
Verdammte Hexe! "Warum hatten haben Sie meine Mutter eingewiesen?" oder einfach nur: "Aber warum?"

Die viele Ausführungszeichen (57) und Fragen (74) sollen wahrscheinlich den Aufruhr und die Unsicherheit von Georg vermitteln. Versuch da doch etwas subtiler vorzugehen.
Ein wenig irritierend ist die Verwendung unterschiedlicher Anführungszeichen („“ / "").



Beispiele hier in Deinem ersten Abschnitt:

Smokowski hat Folgendes geschrieben:

Georg erwachte mit geschlossenen Augen (das klingt gestelzt). Es fühlte sich an, als ob er auf Watte lag, die Gliedmaßen von sich gestreckt. Eigentlich ganz bequem. Moment! Er konnte sich nicht bewegen. Er machte die Augen auf und kniff sie gleich wieder zu, weil gleißendes Licht ihn blendete.
Ich würde es etwas weicher formulieren, weniger Staccato-kurze Phrasen, damit man das aufwachen mitfühlt. Z.B.:
Als Georg aufwachte, fühlte er sich wie auf Watte gebettet. Doch seine Arme und Beine prickelten unangenehm, so langgesteckt, wie er dalag. Im Dämmerzustand wollte er sich auf die Seite drehen und zusammenrollen. Aber... er konnte sich nicht bewegen. Er riss die Augen auf, doch gleißendes Licht blendete ihn so sehr, dass er sie sofort wieder zukneifen musste.

Nachdem seine Augen sich langsam an das Licht gewöhnt hatten, sah Georg, dass eine glatzköpfige Silhouette über ihmn gebeugt war. Wegen dem hellen Hintergrund der blendenden Beleuchtung war die Person nicht zu erkennen. Sie verschwand wieder aus Georg seinen Georgs Sichtfeld. Warte. Sie hatte keine sichtbaren Ohrmuscheln. Gruselig! Wurden sie abgeschnitten? hier würde ich auch keine ein-Wort-Sätze verwenden, sondern zusammenfassen, was Georg gesehen hat. zB.: Doch eine gruselige Einzelheit hatte er deutlich erkannt: Sie hatte keine Ohren!
Er schrie, doch der Knebel in seinem Mund dämpfte seinen Schrei auf ein maximales Minimum.
Könnte es sein . . . sein prüfenden Blick schweifte über seine Brust und dem Bauch. Nein. Man hatte ihm nicht seine Organe entfernt, oder sonstige schweinige Sachen mit ihm angestellt. Oder noch nicht. Er inspizierte die Welt um dem Strahler herum, soweit er etwas bis in die hintersten Augenwinkel erkennen konnte.
Alles war dunkel. Moment. (In diesem kurzen Text verwendest Du vier Mal "Moment" als ein-Wort-Satz.) Die Gestalt! Sie stand am Rande des Tischs, auf dem Georg lag. Die weiße Gebissreihe hob sich aus dem Dunkel heraus. Verdammt. Mit wem hatte es Georg zu tun. Mit einem Untoten? Verzweifelt fragte sich George, was für ein Wesen das war. Sie sah aus wie ein Untoter oder ein Alien.
Die Kreatur kam näher. Eine große, grüne Iris mit einer geweiteten Pupille blitzte Georg entgegen, schlitzartig eingerahmt in blassgrüner Haut. Die nüsternartige Nase schnaubte. Zwischen den Zähnen schnellte eine schmale Zunge hervor, die wieder verschwand.
Das konnte nicht wahr sein!
Georg schloss seine Augen und atmete tief durch. Wie hatte das alles angefangen? Gestern. Georg telefonierte mit seiner Mutter.


Viele Grüße,
Sanny
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Smokowski
Wortedrechsler

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Beiträge: 85
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BeitragVerfasst am: 02.06.2022 20:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Grim und Sanny,

sehr gut. Danke für eure Mühe.

Ich bin den Text jetzt gründlich durchgegangen und mich bemüht, den Leser noch näher an Georg zu bringen.
Den Part mit Smeraldina habe ich ein wenig umgeschrieben. Sie versucht Georg mit Machtgeilheit anzustecken und für einen Moment findet er die Pläne der Reptiloiden gut, bis er erfährt, dass seine Mutter doch nicht freigelassen wird.

Das mit den Zeiten, mit der Grammatik, fällt mir manchmal schwer. Es sind sicher noch ein paar Fehler drin, wo ich im Partizip schrieb, weil mir nichts besseres einfiel. Sonst versuche ich, das Problem mit einer anderen Ausdrucksweise zu umschiffen. Ich hoffe, es wird gelöst.


Hier die überarbeitete Version:


Als Georg aufwachte, fühlte er sich wie auf Watte gebettet. Doch seine Arme und Beine prickelten unangenehm, so langgesteckt, wie er dalag. Im Dämmerzustand wollte er sich auf die Seite drehen und zusammenrollen. Aber... er konnte sich nicht bewegen. Er riss die Augen auf, doch gleißendes Licht blendete ihn so sehr, dass er sie sofort wieder zukneifen musste.
Nachdem seine Augen sich langsam an das Licht gewöhnt hatten, sah Georg, dass eine glatzköpfige Silhouette über ihm gebeugt war. Wegen der blendenden Beleuchtung war die Person nicht zu erkennen. Sie verschwand wieder aus Georgs Sichtfeld. Eine gruselige Einzelheit aber hatte er deutlich erkannt: Sie hatte keine Ohren!
Er schrie, doch der Knebel in seinem Mund dämpfte seinen Schrei.
Könnte es sein . . . sein prüfenden Blick schweifte über seine Brust und dem Bauch. Nein. Man hatte ihm nicht seine Organe entfernt, oder sonstige schweinige Sachen mit ihm angestellt. Oder noch nicht. Er inspizierte die Welt um dem Strahler herum, soweit er etwas erkennen konnte. Alles war dunkel. Die Gestalt stand am Rande des Tischs, auf dem Georg lag. Die weiße Gebissreihe hob sich aus dem Dunkel heraus. Verzweifelt fragte sich George, was für ein Wesen das war. Es sah aus wie ein Untoter. Die blassgrüne Kreatur kam näher. Sie hatte schlitzartige Augen. Eine große, grüne Iris mit einer geweiteten Pupille blitzte Georg entgegen. Die nüsternartige Nase schnaubte. Zwischen den Zähnen schnellte eine schmale Zunge hervor, die wieder verschwand. Was war das? Das konnte nicht wahr sein!
Georg schloss seine Augen und atmete tief durch. Wie hatte das alles angefangen? Gestern. Georg telefonierte mit seiner Mutter.

„Die Polizei kann nichts dagegen machen“. Die Stimme von Georgs Mutter knackte aus seinem Smartphone, als würde jeden Moment das Signal abbrechen.
„Aber Mama, die Polizei hilft doch immer!“
„Mein Sohn, ich gelte als psychisch krank. Man glaubt mir nicht mehr.“
Georg war entsetzt.
"Und du rufst mich jetzt an, weil du das Krankenhaus nicht verlassen kannst?"
"Ja. Bist du schon da?"
Georg sah aus dem Fenster der Straßenbahn und las den Namen der Haltestelle „Ev. Krankenhaus Herzberge“. Er stieg aus, sah sich um und erblickte einen Altbau aus roten Ziegeln im Grünen.
„Mama, warum kannst du denn nicht raus?“
„Die Psychiaterin sagte mir, dass ich als eigen- und fremdgefährdend gelte. Das reicht aus, mich gegen meinen Willen einzuweisen.“
Die Stimme von Mama wurde durch lautes Knacken unterbrochen und verstummte ganz.
Auweia. Was hatte sie nur getan? Mama war Krankenpflegerin und kam oft frustriert von der Arbeit nach Hause. War im Krankenhaus Herzberge nun ein Konflikt eskaliert?
Er stolperte über die unebenen Gehweg-Betonplatten des parkähnlichen Geländes, um wieder Empfang zu bekommen.  Der Duft aus den vielen Lila Blüten an den Wegrändern wirkte beruhigend. Der Ort schien nicht mal so übel zu sein. Trotzdem wollte Mama dort nicht bleiben. Sie musste befreit werden.
Das Telefon klingelte, es war Mama."Mein Schatz,  hast du noch die 100 Euro dabei?"
"Ja"
"Geh auf Station Vier. Ich bin im Zimmer 105. Gerade arbeitet diese Leasingfachkraft aus Asien hier. Sag' ihr, sie soll mich gehen lassen. Wenn sie nicht will, gib' ihr das Geld.“
Georg sah sich um. Er fand einen Wegweiser und folgte ihm.
„Lass´ dich nicht von Psychiaterin Smeraldina erwischen. Sie hat dunkle Haare und trägt einen langen Zopf. Die sagte mir heute Mittag, dass ich Mitarbeiter als Schildkröten beschimpft hätte."
"Schildkrötenmenschen?“
„Ja, so etwas in der Art!“
„Crazy! Von so etwas sprichst du nie! Bist du deswegen eingewiesen worden?"
Mama seufzte. „Ich wurde eingewiesen, weil ich sie an die Hand nahm, um ihr das Schildkrötendingsda zu zeigen . . .“. Wieder brach die Verbindung ab.
An die Hand nehmen. Das galt schon als Eigen-und Fremdgefährdung?
„Ah, ich bin da . . .“. Georg hob den Kopf und betrachtete die ca. zehn Meter hohe Mauer, aus der hin und wieder Steine herausgebrochen waren, was den Blick auf darunterliegende Ziegelreihen freilegte. Er schluckte. Mama wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt. Die Psychiaterin konnte sie einfach so einweisen, sie sogar vor der Polizei unglaubwürdig machen, nur wegen einem banalen, fast schon lustigen Grund . . . sogenannten „Schildkrötenmenschen“.

Eine große vergitterte Holzflügeltür trennte ihn von Mama. Videokameras. Ordentlich gekleidete Menschen liefen ein und aus.
Georg sah auf seinen dürren Körper runter, seine abgenutzten Stiefel, wo sich an manchen Stellen bereits die Sohle ablöste. Er sah seine kaputten Netzstrumpfhosen, aber auch das verwaschene Shirt, auf welchem „Eat the rich“ stand. Mit seiner rechten Hand fasste er in seine roten Haare - auch wieder fettig.
Bis heute hatte er sich nie Gedanken über sein Erscheinungsbild gemacht, doch nun fürchtete er, dass allein deswegen die Angestellten der Psychiatrie das Jugendamt anrufen könnten. Aus „Sorge“ würden die ihn auch einweisen, weil er durch das Elternhaus schwer gestört wäre. Das Jugendamt und seine empirischen Sturkopf-Psychologen!
Moment!
Wenn er schwer gestört wäre, könnte er bestimmt keine gute Noten schreiben. Er schrieb gute Noten. So wollte er sich verteidigen. Hoffentlich funktionierte das.
Georg ging auf eine junge Frau zu, welche über eine vergitterte Holztür die Station betrat. Sie war ganz in Weiß gekleidet. Womöglich arbeitete sie dort.
"Guten Tag, ich möchte meine Mutter sehen", sagte Georg.
"Wer bist du überhaupt, kleener?“
Georg spürte in ihrer Stimme einen aggressiven Unterton. Auch ihr kühler Blick bereitete ihm Unbehagen. „Ich bin Georg Smokowski, der Sohn von Silvia, die heute Nachmittag . . .“
Sie unterbrach ihn: „Ähhh, bist du denn schon Achtzehn?“
„Was soll diese Frage?“
Die Frau stieß genervt die Luft aus: „Du darfst ohne deinen Erziehungsberechtigten hier nicht erscheinen.“
„Meine Erziehungsberechtigte ist in diesem Haus!“, sagte Georg schüchtern, weil er sich nicht ganz sicher war, ob es eine gute Idee wäre, das zu sagen.
Die Mitarbeiterin sah ihn ernst an.
Etwas nervös zupfte er an seinem Netzhandschuh.   
„Und? Wer hat dir Bescheid gesagt, dass deine Mutter hier ist?“
Georg blickte auf seine Hand mit dem Telefon.
"Hat deine Mutter dich angerufen?"
Wieso war es ihr so wichtig, woher er das weiß?
Die Schwester drehte sich zu einem nebenstehenden Pfleger und sagte ihm, er möge Frau Smokowskis Zimmer nach einem Handy absuchen.
WhatTheFuck. „Warum macht ihr das?“
„Sie darf nicht mit außerhalb kommunizieren, es wäre nur Ablenkung, weil sie absolute Ruhe braucht!“
Georg sah auf die 100 Euro in seiner anderen Hand. Dieses Geld soll er dieser Schreckschraube geben?
„Willst du mir Geld geben?“
Ein gutes Argument musste her. Ein wirklich gutes Argument!
„Ich habe übermorgen meine erste Abiturprüfung und wenn meine Mutter nicht beisteht könnte ich durchfallen!“
Die Pflegerin klang empört. „Ich bin während meines Abi´s arbeiten gegangen. Das Leben ist hart. Du bekommst keine Extrawurst!“ Georg stemmte seinen Arm mit seiner geöffneten Hand gegen die sich schließende Tür. Die Mitarbeiterin öffnete sie wieder.
„Sehr geehrte Frau, Sie können meine Mutter nicht gegen ihren Willen festhalten!“
„Komm´morgen früh um Acht wieder. Psychiaterin Smeraldina wird dir alles Weitere erläutern.“
Die Tür knallte. Er trat dagegen, die Frau öffnete wieder: "Wenn du das nochmal machst rufe ich sie Polizei!"
Georg nahm sich zusammen. Er fror – bei fünfundzwanzig Grad, die untergehende Sonne schien über die Baumwipfel. Wehte ein unmerklich kaltes Lüftchen, oder war es ein Gefühl, welches in Fernsehdokumentationen gerne als „soziale Kälte“ beschrieben wurde?  

Wie konnte Mama nun befreit werden? Andere konnten sich bei ihren Problemen, erst recht bei großen Problemen, wie das jetzige, auf Verwandte und Geschwister verlassen. Georg aber fühlte Zorn in sich, weil er es als Einzelkind schwerer hatte. Mama konnte es nachvollziehen und sie trieb ihn an, für die Zukunft gute Noten zu schreiben. Aber Essen vorzuenthalten, damit gelernt wurde, war auch Scheisse. Moment. Warum sollte er sich über sie ärgern? Viel besser war es, dass Mama erst einmal wieder raus kam. Es war schon erstaunlich, wie schnell es ging, in einem Staat, der als demokratisch und gerecht galt, eingesperrt zu werden. Scheisse! Wie man doch beschissen wurde! Schöne neue Welt. Machte es überhaupt noch Sinn sich darüber aufzuregen?
Erstmal tief durchatmen.
Er ließ sich auf eine Bank fallen, um nachzudenken. Georg kam nicht zur Ruhe. Er wollte seine Gedanken ordnen. Also, in die Klinik mit brachialer Gewalt einbrechen und Mama rausholen ging schonmal gar nicht. Er suchte nach Antworten. Einer Idee. Oder erst einmal einem Werkzeug, um einen klaren Kopf zu bekommen. Er beschäftigte sich vor einer Weile mit den Lehren des Buddha. Brachiale Gewalt würde immer zu Leiden und Verderben führen, hieß es da.
Leiden. Was man selber nicht will sollte man auch anderen nicht antun. Na, wer weiß, ob Mama die Psychiaterin wirklich nur an die Hand genommen hatte. Mama konnte durchaus sehr aggressiv sein. Er war auch oft zu aggressiv. Das wollte er nicht. Er fand in veganer Ernährung eine Lösung seiner Probleme. Seit den Wochen, wo er verzichtete, Fleisch zu essen, konnte seine Wut abgemildert werden. Kein Ausrasten. konstruktiv sein. Mit so einer Vorstellung wollte er am nächsten Tag einfach die Meinung von Psychiaterin Smeraldina über seine Mutter anhören und eine Lösung des Konfliktes erarbeiten.
Er griff in seine Tasche und spürte den Wohnungsschlüssel, stand auf und fuhr mit der Straßenbahn nach Hause. Dort nahm er eines der Hausaufgaben in die Hände. Na gut, versuchte er es ohne Mutter. Alles konnte er nicht lösen und im Internet gab es auch keine erhellenden Antworten. Statt einem Eintopf musste er Kartoffelchips essen, bevor er schlafen ging.


Georg wachte auf, da blendete ihn die Sonne. Er hatte schlecht geschlafen. Als er sich aber in seinem Zimmer umsah, erschrak er – es war kein schlechter Traum. Auf dem Tisch lagen noch die Kartoffelchips von gestern. Die Sonne schien sogar noch drauf, als würde Gott ihm sagen wollen, dass er nun nur noch Kartoffelchips essen sollte. Hoffentlich drohte ihm das nicht für den Rest seines Lebens.
Von der Straße hörte Georg ein Lachen. Er sah aus den Fenster, Kinder spielten. Wie belanglos! Die Schule war wichtiger. Moment, Mama war in der Psychiatrie! Er blickte auf die Uhr. In einer Stunde hatte er seinen großen Auftritt vor der Psychiaterin. Er wollte nichts vermasseln. So wie er bislang lebte, konnte es nicht weitergehen.
Deshalb wusch er sich. Auch gepflegte Kleidung, sogar eine Anzugjacke, wurde zugelassen. Auf seinem blassen Teint trug er etwas Rouge auf, aber es sah albern aus und er machte es wieder weg. Der rote Iro wurde nach vorne gekämmt und gab dem Look einen erfrischenden Farbspritzer.

Um kurz vor acht Uhr stand Georg vor Haus Eins – dem zentralen Verwaltungsgebäude des Krankenhauses. Dort sollte sich das Büro von Dr. Dipl. Psych. Smeraldina de Dragescu befinden. Er trat in das Gebäude ein, fand das Büro und klopfte. Ein knappes „Herein“ ertönte hinter der Tür. Es klang mehr wie ein erotisches Zischen. Es war ungewöhnlich, weshalb er nur zögernd Smeraldinas Büro betrat. Ihre Erscheinung überraschte ihn. Er erwartete eine mausgraue alte Dame mit einem Kruzifix im Raum, wie es im Jugendamt üblich war. Smeraldina hingegen war jung und ausgesprochen hübsch. Der von Mama erwähnte Zopf hing Smeraldina lässig über der Schulter. Der strenge Blick ihrer smaragdgrünen Augen hingegen schien Georg zu durchbohren. Ihre schwarze Kleidung unterstrich diese Strenge. Ihr hölzerner Schreibtisch glänzte vor Sauberkeit.
Georg spulte in seinem Kopf wieder ab, was er gestern dachte, um sich gedanklich auf das Gespräch vorzubereiten. Genau: Er wollte nicht ausrasten, konstruktiv bleiben. Seine Nachdenklichkeit konnte er dennoch nicht unterdrücken und er rieb sich seine Hände.
Smeraldina stand hinter ihrem großen Schreibtisch auf, leckte ihre Lippen und zischte: „Sie wünschen?“
"Meine . . . Meine Mutter, Silvia Lonokombinativska, wurde gestern auf Station Vier eingewiesen!“
„Mit wem habe ich die Ehre?“
„Mit Georg Smokowski!“
Smeraldina nahm einen tiefen Atemzug. Sie legte die Hände in ihren Rücken und sah ihren Besucher mit ernster Miene an, während sie durch den Raum lief. Sie betrachtete ihn von allen Seiten aufmerksam. Ihr schnaubender Atem war deutlich zu hören. Dauernd leckte sie sich die Lippen. War das nun gut oder schlecht? Georg machte fast einen Schritt zurück, da ließ sie sich wieder in ihren Chefsessel sinken: „Mein lieber Georg. Deine Mutter kam gestern Nachmittag um sechzehn Uhr in mein Büro und behauptete wortwörtlich einen Schildkrötenmenschen gesehen zu haben!“
„Hatte meine Mutter damit irgendjemanden beschimpft?“
„Nun ja, was würdest du davon halten, wenn eine reife Frau wie deine Ma sich vor dir hinstellt und sagt, du seist ein Schildkrötenmensch, wie es gestern meinem Kollegen Markus widerfahren war?“
„Das ist sicher ein Missverständnis!“
„Ach, dass diese reife Frau dann meine Hand packte, um mich zu den Ort zu zerren, wo dieser Schildkrötenmenschen sein sollte, soll auch ein Missverständnis gewesen sein?“
„Aber . . .“ Georg rang nach Wörtern: „ . . . das war doch jetzt kein Ausrasten, oder?“
Smeraldina schlug mit ihrer Faust auf den Tisch und Georg zuckte zusammen, da erhob sie wieder ihre tiefe Stimme. „Das Verhalten deiner Mutter war übergriffig, was mich berechtigt hatte, sie im Rahmen von vierundzwanzig Stunden festzusetzen!“
Jetzt übertrieb' Smeraldina aber! Moment, er war kurz davor, auch auf den Tisch zu hauen. Wollte er sich nicht zusammenreißen? Er tat es und sah lieber auf seine Uhr. Bis sechzehn Uhr war Mama noch eingesperrt, wenn er nichts tat.
Mama wurde zu einer dieser schwachsinnigen Verschwörungstheoretikerinnen abgestempelt, die von Reptilienmenschen sprachen. Völlig zu Unrecht. Smeraldina sollte keine weitere Gründe finden, den Psychiatrieaufenthalt von Mama zu verlängern.
Georg räusperte sich, bevor er sprach und stammelte: „Meine . . . Meine Mutter mag sich manchmal nicht adäquat verhalten, was mir auch leid tut für Sie. Aber glauben Sie mir, sie . . . sie hat mit diesen Verschwörungstheorien über Schildkröten . . . äh, Reptilienmenschen nichts am Hut! Zumindest hatte sie nie mit mir drüber gesprochen!“

Smeraldina hob überrascht ihr Augenbrauen und zischelte leise, aber deutlich: „Du hast deine Emotionen gut im Griff, im Gegensatz zu deiner Mutter! Das ist beachtlich“. Sie stand wieder auf, lief um Georg herum und leckte ihre Lippen. Georg ging einen Schritt zurück, da flüsterte sie: „Keine Angst. Ich bin auf deiner Seite?“
An seiner Seite? Jetzt auf einmal, nachdem sie Mama so viel Ärger bereitet hatte?
„Pssst!“
Warum auf einmal Pssst und warum hob sie den Finger nicht, wie es jeder zu dieser Geste machte?
„Hier wird alles überwacht“, flüsterte sie.
Georg sah ihr überrascht in die Augen. Sie bewegte ihre Augäpfel in eine Richtung, ohne ihren Kopf zu bewegen. Georg folgte ihrem Blick und sah eine Kamera. Beinahe hätte er automatisch seinen Kopf bewegt.
"Warum helfen Sie mir jetzt auf einmal?"
„Es ist, wie ich es dir schon sagte: Du hast dich gut im Griff.“ Smeraldina blickte auf Georgs zittrige Hände: „Du bist nur noch ein wenig nervös, aber das geht vorbei, wenn du an dir arbeitest. Was ich an dir besonders schätze ist aber, dass du sogar ein Veganer geworden bist!“
Er konnte sich nicht erinnern, ihr etwas über das Vegan-Sein erzählt zu haben. „Hat meine Mutter Ihnen davon erzählt?“
Smeraldina ging wieder an Georg heran, fast bis an seinen Mund. Alle Ängste waren verschwunden und ein angenehmes Gefühl spürte Georg in der Magengrube, als ihr Gesicht so dicht an seinem war. Sie aber leckte nur ihre Lippen und zischte erregt: „Du bist tatsächlich Veganer!"
"Woher wissen Sie das?"
"Ich kann es riechen."
"Riechen? Kein Mensch kann das riechen!"
Seine Gegenüber hielt ihre rechte Hand auf ihren Mund. Es wirkte, als hätte sie was Falsches gesagt.
Sie fasste sich anschließend auf ihren Bauch, welcher knurrte. Sie kniff ihre Augen zu und schnaubte. War sie gerade innerlich aufgewühlt? Sie drehte ihr Gesicht von der Kamera weg und öffnete zaghaft ihre Augen. Er folgte ihren Blick, der die Bodenleiste und einen Aktenschrank ins Visier nahm.   
Was wollte sie ihm zeigen? Wollte sie ihm überhaupt was zeigen?
Wie von der Tarantel gestochen sprang Smeraldina in Richtung der Bodenleiste und zog mit ihrer Hand hinter dem Aktenschrank etwas Quiekendes hervor. Mit den Schultern von der Kamera schützend führte sie das quiekende Etwas in ihrem Mund und schluckte. Georg wurde leicht übel bei dem Anblick.
Smeraldina stand auf und strich prüfend mit ihren Händen über ihren Rücken, den Hintern und Beine, als sei ein Insekt unter ihre Kleidung gefahren. Die Frau schüttelte kurz ihren Kopf, sah Georg an und zischte: „Ich konnte es nicht unterdrücken! Nun ist meine Verkleidung aufgeflogen. Reptiloide gibt es wirklich!“
Ein Schauer lief über seinen Rücken. Das konnte nicht wahr sein. Er ging einen Schritt nach hinten, um diese Frau komplett zu sehen. Nichts von ihrem wahren Aussehen war nach außen erkennbar – wie sollte überhaupt eine Reptiloidin aussehen? Wie Godzilla? Georg hatte keine Ahnung. Vielleicht spielte sie auch nur mit ihm, imitierte das Quieken, machte sich über ihn lustig.
Georg versuchte trotzdem, sachlich zu bleiben: „Wenn Sie wirklich ein Reptilienmensch sind und dem Thema allen Anschein nach aufgeschlossen sind, warum sind Sie dann meiner Mutter nicht zum Schildkrötenmenschen gefolgt?“
Smeraldina zischelte leise, aber klar verständlich: "Ich hatte deine Mutter provoziert, indem ich sagte, dass es keine Reptiloide gibt."
„Warum tun Sie das meiner Mutter an?“
„Ganz einfach, um einen Einweisungsgrund zu haben!“
"Also wollen Sie meine Mutter beseitigen, um den Reptiloiden zu schützen?"
"Jetzt nicht mehr, seit ich erkenne, dass du ein Veganer bist!"
„Ohne Scheiß?"
Smeraldina nickte.
"Warum ist es für Sie so wichtig, dass ich Veganer bin?“
„Du bist die Jugend, du bist die Zukunft und wir brauchen Veganer wie dich, wenn wir die Erde neu aufbauen werden!“
Georg erschrak. „Wollt ihr die Erde erobern?“
"Wir kommen von weit her und stellen mit Bestürzung fest, dass die Menschen, hauptsächlich für Massentierhaltung, Bäume fällen und damit diesen Planeten zerstören." Sie schielte zur Leiste und kicherte leise: "Wir sind im Endeffekt so umweltfreundlich wie ein Mensch, der sich vegan ernährt, obwohl wir nur Fleisch essen. Wenn wir euch beherrschen, müsst ihr auch kein Rattenvernichtungsmittel mehr verschwenden – das ist  ein Win-Win für uns alle!"
Oh, es klang gar nicht so übel, was die Reptiloiden vorhatten. Hoffentlich sterben nicht zu viele Menschen, oder besser, wenn überhaupt keine Menschen sterben würden. Hoffentlich wird er nicht gezwungen, etwas zu tun, was er nicht wollte. Sie könnte ihn erpressen, seiner Mutter in Gefangenschaft etwas antun.
Er fragte also frei raus: „Also, sie brauchen mich?“
Smeraldina nickte.
„Ich brauche aber noch meine Mutter, weil ich noch jung bin. Bitte, entlassen Sie meine Mutter?“
Smeraldina überlegte. Dann schaute sie auf etwas, was wie eine Smartwatch aussah. Sie sagte mit einem Lächeln: „Wir werden die Menschen eh´ besiegen, also muss ich deine Mutter nicht festhalten. Deine Mutter und du, ihr seid die Zukunft."
Georg war überrascht: „Also lassen Sie meine Mutter frei? Ohne wenn und aber?“
"Es gibt nur einen Haken!"
Georg erschrak. „Welchen?“
Smeraldina rieb mit den Fingern ihrer rechten Hand an ihrem Mund, was wirkte, als ob sie nachdachte. Dann sagte sie: „Die Chancen stehen schlecht, dass mein Chef deine Mutter gehen lässt. Es wäre besser, wenn ich dich adoptiere. Meine Vereinigung hat ein Grundstück am Stadtrand mit sehr viel Wald, es gibt etliche Pflanzen dort, die für eine vegane Ernährung wichtig sind. Dir könnte das gefallen.“
Er wusste es. Es wäre zu schön gewesen, wenn seine Mutter auch zur Erbauerin der neuen Welt gekürt worden wäre.
„Ich lass´ mich nicht adoptieren. Ich will meine Mutter wieder haben. Sie können dem Chefarzt ja sagen, dass es nicht so schlimm war, wie sie dich angefasst hatte. . .“
„Psst!“
„Was soll diese Geheimnistuerei?“
„Ich weiß nicht, wie mein Chef reagieren wird, wenn er mitbekommt, was wir hier besprechen. Die Chancen stehen schon schlecht, eine Zeugin der Reptiloiden zu befreien."
Georg machte mit der Hand eine Geste, als würde er seinen Mund wie einen Reißverschluss zumachen wollen.
Smeraldina schielte zur Kamera, dann wieder auf Georg: „Lass´ bitte solche Gesten sein!“
Georg kniff seine Lippen zusammen und er wollte so tun, als ob nichts wäre, was womöglich nicht überzeugend wirkte, weil er seine eigene Anspannung spürte.
"Mein Chef wird heute einen Anwalt bestellen, um die Aufenthaltszeit zu verlängern. Das hatte er mit anderen Zeugen auch so gemacht!"
Er atmete tief durch und flüsterte: "Was können wir dagegen tun?“
Nach kurzer Überlegung schaute sie auf ihre Smartwatch: "Ich könnte versuchen, das Problem auf meine Art zu lösen. Komm!“
Oh! Das kam überraschend. "Ich soll einfach so mit in die Höhle des Drachens gehen? Was wollen Sie dann machen? Mit meiner Hilfe Dr. Barr töten?"
Smeraldina ignorierte ihn und Georg machte sich Sorgen.


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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 03.06.2022 08:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile

Smokowski hat Folgendes geschrieben:

Als Georg aufwachte, fühlte er sich wie auf Watte gebettet. Doch seine Arme und Beine prickelten unangenehm, so langgesteckt, wie er dalag. Im Dämmerzustand wollte er sich auf die Seite drehen und zusammenrollen. Aber Leerzeichen... er konnte sich nicht bewegen. Er riss die Augen auf, doch gleißendes Licht blendete ihn so sehr, dass er sie sofort wieder zukneifen musste. Das gleißende Licht muss er aber durch die Lider schon vorher wahrgenommen haben.
Nachdem seine Augen sich langsam an das Licht gewöhnt hatten, sah Georg, dass eine glatzköpfige Silhouette über ihn gebeugt war. Wegen der blendenden Beleuchtung war die Person nicht zu erkennen. Sie verschwand wieder aus Georgs Sichtfeld. Eine gruselige Einzelheit aber hatte er deutlich erkanntbrannte sich in sein Gedächtnis ein o.ä. : Sie hatte keine Ohren!
Er schrie, doch der Knebel in seinem Mund dämpfte seinen Schrei.
Könnte es sein . . . sein prüfenden Blick schweifte über seine Brust und dem Bauch. Nein. Man hatte ihm nicht seine Organe entfernt, oder sonstige schweinische Sachen mit ihm angestellt. Oder noch nicht. Er inspizierte falsche Wortbedeutung in diesem Zusammenhang die Welt um dem Strahler herum, soweit er etwas erkennen konnte. Alles war dunkel. Eine Gestalt stand am Rande des Tischs, auf dem Georg lag. Die weiße Gebissreihe hob sich aus dem Dunkel heraus. Verzweifelt fragte sich George, was für ein Wesen das war. Es sah aus wie ein Untoter. Die blassgrüne Kreatur kam näher. Sie steht neben ihm ! Sie hatte schlitzartige Augen. Eine große, grüne Iris mit einer geweiteten Pupille blitzte Georg ihm entgegen. Die nüsternartige Nase schnaubte. Zwischen den Zähnen schnellte eine schmale Zunge hervor, die wieder verschwand. Was war das? Das konnte nicht wahr sein!
Georg schloss seine die Augen und atmete tief durch. Wie hatte Wann das alles angefangen? Gestern ! o. ? Georg telefonierte hatte mit seiner Mutter telefoniert.

Die Polizei kann nichts dagegen machen tun“. Die Stimme von Georgs Mutter knackte aus seinem Smartphone, als würde jeden Moment das Signal abbrechen.
„Aber Mama, die Polizei hilft doch immer!“ Danach würde ich Georg max. als Jugendlichen oder als Muttersöhnchen, der noch zu Hause wohnt, einordnen.
Mein Sohn, Ich gelte als psychisch krank. Man glaubt mir nicht mehr.“
Georg war entsetzt. Georg schnappte nach Luft.
"Und du rufst mich jetzt an, weil du das Krankenhaus nicht verlassen kannst?" Wenn sie dort wegkönnte, wäre kein Telefonat erforderlich.
"Ja. Bist du schon da?", fragte sie.
Georg sah aus dem Fenster der Straßenbahn und las den Namen der Haltestelle „Ev. Krankenhaus Herzberge“. Er stieg aus, sah sich um und erblickte einen Altbau aus roten Ziegeln im Grünen.
„Mama, warum kannst du denn nicht raus?“
„Die Psychiaterin sagte mir, dass ich als eigen- und fremdgefährdend gelte. Das reicht aus, mich gegen meinen Willen einzuweisen.“
Die Ihre Stimme von Mama wurde durch lautes Knacken unterbrochen und verstummte ganz.
Auweia. Was hatte sie nur getan? Mama Sie war Krankenpflegerin und kam oft frustriert von der Arbeit nach Hause. War im Krankenhaus Herzberge nun ein Konflikt eskaliert?  Das klingt sehr gestelzt. Was war passiert?
Er stolperte über die unebenen Gehweg-Betonplatten des parkähnlichen Geländes, um wieder Empfang zu bekommen.  Der Duft aus den vielen Lila Blüten an den Wegrändern wirkte beruhigend. Der Ort schien nicht mal so übel zu sein. In Bezug auf was? Trotzdem wollte Mama dort nicht bleiben. Sie musste befreit werden. Niemand will gern in der Psychiatrie sein. Befreit werden? Der Grund und ihr Wille dafür gehen aus dem vorherigen Gespräch nicht hervor.
Das Telefon klingelte, es war Mama."Mein Schatz,  hast du noch die 100 Euro dabei?"
"Ja"
"Geh auf Station Vier. Ich bin im Zimmer 105. Gerade arbeitet diese Leasingfachkraft aus Asien hier. Sag' ihr, sie soll mich gehen lassen. Wenn sie nicht will, gib' ihr das Geld.“
Georg sah sich um. Er fand einen Wegweiser und folgte ihm.
„Lass´ dich nicht von Psychiaterin Smeraldina erwischen. Sie hat dunkle Haare und trägt einen langen Zopf. Die sagte mir heute Mittag, dass ich Mitarbeiter als Schildkröten beschimpft hätte." ??? Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht.
"Schildkrötenmenschen?“
„Ja, so etwas in der Art!“
„Crazy! Von so etwas sprichst du nie! Bist du deswegen eingewiesen worden?" Hier versuchst Du mit der Brechstange die Kurve zu den Repitloiden zu bekommen.
Mama Sie seufzte. „Ich wurde eingewiesen, weil ich sie an die Hand nahm, um ihr das Schildkrötendingsda zu zeigen . . .“. Wieder brach die Verbindung ab.
An die Hand nehmen. Das galt schon als Eigen-und Fremdgefährdung? Hier genauso.
„Ah, ich bin da . . .“. Georg hob den Kopf und betrachtete die ca. zehn Meter hohe Mauer, aus der hin und wieder Steine herausgebrochen waren, was den Blick auf darunterliegende Ziegelreihen freilegte. Er schluckte. Mama wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt. Die Psychiaterin konnte sie einfach so einweisen, sie sogar vor der Polizei unglaubwürdig machen, nur wegen einem banalen, fast schon lustigen Grund . . . sogenannten „Schildkrötenmenschen“. Das empfinde ich als Humbug und viel zu kurz gegriffen. Man merkt, dass Du unbedingt auf die Repitloiden hinaus willst.

Eine große vergitterte Holzflügeltür trennte ihn von Mama. Wieso? Sitzt sie direkt dahinter? Videokameras. Ordentlich gekleidete Menschen liefen ein und aus.
Georg sah auf an seinem dürren Körper herunter, seine abgenutzten Stiefel, wo sich an manchen Stellen bereits die Sohle ablöste. Er sah seine kaputten Netzstrumpfhosen, aber auch das verwaschene Shirt, auf welchem „Eat the rich“ stand. Mit seiner rechten Hand fasste er in seine roten Haare - auch wieder fettig.
Bis heute hatte er sich nie Gedanken über sein Erscheinungsbild gemacht, doch nun fürchtete er, dass allein deswegen die Angestellten der Psychiatrie das Jugendamt anrufen könnten. Aus „Sorge“ würden die ihn auch einweisen, weil er durch das Elternhaus schwer gestört wäre. Das Jugendamt und seine empirischen Sturkopf-Psychologen! Sorry, jetzt wird er als Mama-Punk beschrieben, hat Angst, dass irgendjemand das Jugendamt ruft? Woher weiß er von den "empirischen Sturkopf-Psychologen? Was soll das sein? Erscheint mir alles unglaubwürdig und zusammengewürfelt.
Moment!
Wenn er schwer gestört wäre, könnte er bestimmt keine gute Noten schreiben. Er schrieb gute Noten. So wollte er sich verteidigen. Hoffentlich funktionierte das. Sein Zeugnis wird ihn sicherlich vor der Psychiatrie bewahren! Er hat es hoffentlich dabei.
Georg ging auf eine junge Frau zu, welche über durch eine vergitterte Holztür die Station betrat. Ist er draußen oder drinnen? Wenn drinnen, gibt es irgendwelche Eindrücke? Gerüche? Geräusche? Farben? Die gleiche vergitterte Holztür wie am Eingang? Sie war ganz in Weiß gekleidet. Womöglich arbeitete sie dort.
"Guten Tag, ich möchte meine Mutter sehen", sagte Georg. "Guten Tag, mein Name ist XY, ich möchte gern meine Mutter sehen."
"Wer bist du überhaupt, kleener?“
Georg spürte hörte in ihrer Stimme einen aggressiven Unterton. Auch ihr kühler Blick bereitete ihm Unbehagen.
„Ich bin Georg Smokowski, der Sohn von Silvia, die heute Nachmittag . . .“
Sie unterbrach ihn: „Ähhh, bist du denn schon Achtzehn?“
„Was soll diese Frage?“
Die Frau stieß genervt die Luft aus: „Du darfst ohne deinen Erziehungsberechtigten hier nicht erscheinen.“ Völliger Quatsch.
„Meine Erziehungsberechtigte ist in diesem Haus!“, sagte Georg schüchtern, weil er sich nicht ganz sicher war, ob es eine gute Idee wäre, das zu sagen.
Die Mitarbeiterin sah ihn ernst an.
Etwas nervös zupfte er an seinem Netzhandschuh.   
„Und? Wer hat dir Bescheid gesagt, dass deine Mutter hier ist?“
Georg blickte auf seine Hand mit dem Telefon.
"Hat deine Mutter dich angerufen?"
Wieso war es ihr so wichtig, woher er das weiß?
Die Schwester drehte sich zu einem nebenstehenden Pfleger und sagte ihm, er möge Frau Smokowskis Zimmer nach einem Handy absuchen. Ebenfalls völliger Quatsch, wenn die Reptiloiden unendeckt bleiben wollen.
WhatTheFuck. „Warum macht ihr das?“
„Sie darf nicht mit außerhalb kommunizieren, es wäre nur Ablenkung, weil sie absolute Ruhe braucht!“
Georg sah auf die 100 Euro in seiner anderen Hand. Dieses Geld soll er dieser Schreckschraube geben? Es wird nirgendwo erwähnt, dass sie die Asiatin ist!
„Willst du mir Geld geben?“
Ein gutes Argument musste her. Ein wirklich gutes Argument!

„Ich habe übermorgen meine erste Abiturprüfung und Komma wenn meine Mutter nicht beisteht Komma könnte ich durchfallen!“ Ein sehr kindliches Argument.
Die Pflegerin klang empört. „Ich bin während meines Abi´s arbeiten gegangen. Das Leben ist hart. Du bekommst keine Extrawurst!“ Soll damit angedeutet werden, dass sie unbestechlich ist?
Georg stemmte seinen den Arm mit seiner geöffneten Hand gegen die sich schließende Tür. Die Mitarbeiterin öffnete sie wieder. ??? Da ich nicht weiß, ob er drinnen oder draußen steht, verstehe ich diesen Moment nicht.
„Sehr geehrte Frau, Sie können meine Mutter nicht gegen ihren Willen festhalten!“ Behauptet wer?
„Komm´morgen früh um Acht wieder. Psychiaterin Smeraldina wird dir alles Weitere erläutern.“
Die Tür knallte. Er trat dagegen, die Frau öffnete wieder: "Wenn du das nochmal machst Komma rufe ich die Polizei!"
Georg nahm sich zusammen. Er fror – bei fünfundzwanzig Grad, die untergehende Sonne schien über die Baumwipfel. Wehte ein unmerklich kaltes Lüftchen, oder war es ein Gefühl, welches in Fernsehdokumentationen gerne als „soziale Kälte“ beschrieben wurde?  WTF? Er stand gerade noch in/an einer Tür? Und "soziale Kälte" ist etwas anderes.

Wie konnte Mama nun befreit werden? Andere konnten sich bei ihren Problemen, erst recht bei großen Problemen, wie das jetzige, auf Verwandte und Geschwister verlassen. Georg aber fühlte Zorn in sich, weil er es als Einzelkind schwerer hatte. Quatsch! Er kennt es als Einzelkind nicht anders. Mama konnte es nachvollziehen und sie trieb ihn an, für die Zukunft gute Noten zu schreiben. Aber Essen vorzuenthalten, damit gelernt wurde, war auch Scheisse.??? Moment. Warum sollte er sich über sie ärgern? Viel besser war es, dass Mama erst einmal wieder raus kam. Es war schon erstaunlich, wie schnell es ging, in einem Staat, der als demokratisch und gerecht galt, eingesperrt zu werden. Scheisse! Wie man doch beschissen wurde! Schöne neue Welt. Machte es überhaupt noch Sinn sich darüber aufzuregen? Was schurbelst Du hier zusammen? Es sind nicht wirklich Zusammenhänge erkennbar.
Erstmal tief durchatmen.
Er ließ sich auf eine Bank fallen, um nachzudenken. Georg kam nicht zur Ruhe. Er wollte seine Gedanken ordnen. Also, in die Klinik mit brachialer Gewalt einbrechen und Mama rausholen ging schonmal gar nicht. Er suchte nach Antworten. Einer Idee. Oder erst einmal einem Werkzeug, um einen klaren Kopf zu bekommen. Welches Werkzeug macht einen klaren Kopf? Er beschäftigte sich vor einer Weile mit den Lehren des Buddha. Brachiale Gewalt würde immer zu Leiden und Verderben führen, hieß es da. Naja, da ist wohl jemand nicht über die ersten fünf Seiten der Lehren hinausgekommen.
Leiden. Was man selber nicht will sollte man auch anderen nicht antun. Na, wer weiß, ob Mama die Psychiaterin wirklich nur an die Hand genommen hatte. Mama konnte durchaus sehr aggressiv sein. Er war auch oft zu aggressiv. Das wollte er nicht. Er fand in veganer Ernährung eine Lösung seiner Probleme. Seit den Wochen, wo er verzichtete, Fleisch zu essen, konnte seine Wut abgemildert werden. Kein Ausrasten. konstruktiv sein. Mit so einer Vorstellung wollte er am nächsten Tag einfach die Meinung von Psychiaterin Smeraldina über seine Mutter anhören und eine Lösung des Konfliktes erarbeiten. Ein Sammelsurium an Zeug.
Er griff in seine Tasche und spürte den Wohnungsschlüssel, stand auf und fuhr mit der Straßenbahn nach Hause. Dort nahm er eines der Hausaufgaben in die Hände. Na gut, versuchte er es ohne Mutter. Alles konnte er nicht lösen und im Internet gab es auch keine erhellenden Antworten. Statt einem Eintopf musste er Kartoffelchips essen, bevor er schlafen ging.


Georg wachte auf, da blendete ihn die Sonne weil ihn die Sonne blendete. Er hatte schlecht geschlafen. Als er sich aber in seinem Zimmer umsah, erschrak er – es war kein schlechter Traum.??? Auf dem Tisch lagen noch die Kartoffelchips von gestern. Die Sonne schien sogar noch drauf, als würde Gott ihm sagen wollen, dass er nun nur noch Kartoffelchips essen sollte. Hoffentlich drohte ihm das nicht für den Rest seines Lebens.
Von der Straße hörte Georg ein Lachen. Er sah aus dem Fenster, Kinder spielten. Wie belanglos! Die Schule war wichtiger. Moment, Mama war in der Psychiatrie! Er blickte auf die Uhr. In einer Stunde hatte er seinen großen Auftritt vor der Psychiaterin. WTF? Er wollte nichts vermasseln. So wie er bislang lebte, konnte es nicht weitergehen. WTF?
Deshalb wusch er sich. Sonst nicht? Auch gepflegte Kleidung, sogar eine Anzugjacke, wurde zugelassen. Auf seinem blassen Teint trug er etwas Rouge auf, aber es sah albern aus und er machte es wieder weg. Der rote Iro wurde nach vorne gekämmt und gab dem Look einen erfrischenden Farbspritzer.

Um kurz vor acht Uhr stand Georg vor Haus Eins – dem zentralen Verwaltungsgebäude des Krankenhauses. Dort sollte sich das Büro von Dr. Dipl. Psych. Smeraldina de Dragescu befinden. Er trat in das Gebäude ein, fand das Büro und klopfte. Ein knappes „Herein“ ertönte hinter der Tür. Es klang mehr wie ein erotisches Zischen. Es war ungewöhnlich, weshalb er nur zögernd Smeraldinas das Büro betrat. Ihre Erscheinung überraschte ihn. Er erwartete eine mausgraue alte Dame mit einem Kruzifix im Raum, wie es im Jugendamt üblich war. Smeraldina hingegen war jung und ausgesprochen hübsch. Der von Mama erwähnte Zopf hing Smeraldina lässig über der Schulter. Der strenge Blick ihrer smaragdgrünen Augen hingegen schien Georg zu durchbohren. Ihre schwarze Kleidung unterstrich diese Strenge. Ihr hölzerner Schreibtisch glänzte vor Sauberkeit. Wieso trägt sie schwarz im Krankehaus?
Georg spulte die Gedanken in seinem Kopf wieder ab, was er gestern dachte, um sich gedanklich auf das Gespräch vorzubereiten. Genau: Er wollte nicht ausrasten, konstruktiv bleiben. Seine Nachdenklichkeit konnte er dennoch nicht unterdrücken und er rieb sich seine Hände. Wieso ausrasten? Er ist ein Mamasöhnchen.
Smeraldina stand hinter ihrem großen Schreibtisch auf, leckte ihre Lippen und zischte: „Sie wünschen?“
"Meine . . . Meine Mutter, Silvia Lonokombinativska, wurde gestern auf Station Vier eingewiesen!“
„Mit wem habe ich die Ehre?“ Ähm, wie ist er ohne Anmeldung und Termin bis zu ihr gekommen? Sie muss ihn nach seinem Namen fragen?
Mit Georg Smokowski!“ Wo steckt der Sinn, dass beide verschiedene Nachnamen haben?
Smeraldina nahm einen tiefen Atemzug. Sie legte die Hände in ihren Rücken und sah ihren Besucher mit ernster Miene an, während sie durch den Raum lief. Sie betrachtete ihn von allen Seiten aufmerksam. Ihr schnaubender Atem war deutlich zu hören. Dauernd leckte sie sich die Lippen. War das nun gut oder schlecht? Georg machte fast einen Schritt zurück, da ließ sie sich wieder in ihren Chefsessel sinken Punkt
„Mein lieber Georg. Deine Mutter kam gestern Nachmittag um sechzehn Uhr in mein Büro und behauptete wortwörtlich einen Schildkrötenmenschen gesehen zu haben!“
„Hatte meine Mutter sie damit irgendjemanden beschimpft?“
„Nun ja, was würdest du davon halten, wenn eine reife Frau wie deine Ma sich vor dir hinstellt und sagt, du seist ein Schildkrötenmensch, wie es gestern meinem Kollegen Markus widerfahren istwar?“
„Das ist sicher ein Missverständnis!“
„Ach, dass diese reife Frau dann meine Hand packte, um mich zu den Ort zu zerren, wo dieser Schildkrötenmenschen sein sollte, soll auch ein Missverständnis gewesen sein?“
„Aber . . .“ Komma Georg rang nach Wörtern: „ . . . das war doch jetzt kein Ausrasten, oder?“
Smeraldina schlug mit ihrer Faust auf den Tisch und Georg zuckte zusammen, da erhob sie wieder ihre tiefe Stimme. „Das Verhalten deiner Mutter war übergriffig, was mich berechtigt hatte, sie im Rahmen von vierundzwanzig Stunden festzusetzen!“
Jetzt übertrieb' Smeraldina aber! Moment, er war kurz davor, auch auf den Tisch zu hauen. Wollte er sich nicht zusammenreißen? Er tat es riss sich zusammen und sah lieber auf seine Uhr. Bis sechzehn Uhr war Mama noch eingesperrt, wenn er nichts tat.
Mama wurde zu einer dieser schwachsinnigen Verschwörungstheoretikerinnen abgestempelt, die von Reptilienmenschen sprachen. Woher kommen plötzlich die Verschwörung und die Reptilienmenschen?
Völlig zu Unrecht. Smeraldina sollte keine weitere Gründe finden, den Psychiatrieaufenthalt von Mama zu verlängern.
Georg räusperte sich, bevor er sprach und stammelte: „Meine . . . Meine Mutter mag sich manchmal nicht adäquat verhalten, was mir auch leid tut für Sie. Aber glauben Sie mir, sie . . . sie hat mit diesen Verschwörungstheorien über Schildkröten . . . äh, Reptilienmenschen nichts am Hut! Zumindest hatte sie nie mit mir drüber gesprochen!“ Diesen Satz hätte er auch schon am Tag davor bringen können, denn offenbar weiß er, worum es geht. Gleichzeitig hat er sich damit verraten, denn er hat ungefragt geantwortet!

Smeraldina hob überrascht ihr Augenbrauen und zischelte leise, aber deutlich: „Du hast deine Emotionen gut im Griff, im Gegensatz zu deiner Mutter! Das ist beachtlich“. Sie stand wieder auf, lief um Georg herum und leckte ihre Lippen. Georg ging einen Schritt zurück, da flüsterte sie: „Keine Angst. Ich bin auf deiner Seite?“ Wieso ein ?
An seiner Seite? Jetzt auf einmal, nachdem sie Mama so viel Ärger bereitet hatte?
„Pssst!“
Warum auf einmal Pssst und warum hob sie den Finger nicht, wie es jeder zu dieser Geste machte?
„Hier wird alles überwacht“, flüsterte sie.
Georg sah ihr überrascht in die Augen. Sie bewegte ihre Augäpfel in eine Richtung, ohne ihren Kopf zu bewegen. Georg folgte ihrem Blick und sah eine Kamera. Beinahe hätte er automatisch seinen Kopf bewegt.
"Warum helfen Sie mir jetzt auf einmal?"
„Es ist, wie ich es dir schon sagte: Du hast dich gut im Griff.“ Smeraldina blickte auf Georgs zittrige Hände: „Du bist nur noch ein wenig nervös, aber das geht vorbei, wenn du an dir arbeitest. Was ich an dir besonders schätze ist aber, dass du sogar ein Veganer geworden bist!“
Er konnte sich nicht erinnern, ihr etwas über das Vegan-Sein erzählt zu haben. „Hat meine Mutter Ihnen davon erzählt?“
Smeraldina ging wieder an Georg heran, fast bis an seinen Mund. Alle Ängste waren verschwunden und ein angenehmes Gefühl spürte Georg in der Magengrube, als ihr Gesicht so dicht an seinem war. Sie aber leckte nur ihre Lippen und zischte erregt: „Du bist tatsächlich Veganer!"
"Woher wissen Sie das?"
"Ich kann es riechen."
"Riechen? Kein Mensch kann das riechen!"
Seine Gegenüber hielt ihre rechte Hand auf ihren Mund. Es wirkte, als hätte sie was Falsches gesagt.
Sie fasste sich anschließend auf ihren Bauch, welcher knurrte. Sie kniff ihre Augen zu und schnaubte. War sie gerade innerlich aufgewühlt? Sie drehte ihr Gesicht von der Kamera weg und öffnete zaghaft ihre Augen. Er folgte ihren Blick, der die Bodenleiste und einen Aktenschrank ins Visier nahm.   
Was wollte sie ihm zeigen? Wollte sie ihm überhaupt was zeigen?
Wie von der Tarantel gestochen sprang Smeraldina in Richtung der Bodenleiste und zog mit ihrer Hand hinter dem Aktenschrank etwas Quiekendes hervor. Mit den Schultern von der Kamera schützend führte sie das quiekende Etwas in ihrem Mund und schluckte. Georg wurde leicht übel bei dem Anblick.
Smeraldina stand auf und strich prüfend mit ihren Händen über ihren Rücken, den Hintern und Beine, als sei ein Insekt unter ihre Kleidung gefahren. Die Frau schüttelte kurz ihren Kopf, sah Georg an und zischte: „Ich konnte es nicht unterdrücken! Nun ist meine Verkleidung aufgeflogen. Reptiloide gibt es wirklich!“
Ein Schauer lief über seinen Rücken. Das konnte nicht wahr sein. Er ging einen Schritt nach hinten, um diese Frau komplett zu sehen. Nichts von ihrem wahren Aussehen war nach außen erkennbar – wie sollte überhaupt eine Reptiloidin aussehen? Wie Godzilla? Georg hatte keine Ahnung. Vielleicht spielte sie auch nur mit ihm, imitierte das Quieken, machte sich über ihn lustig.
Georg versuchte trotzdem, sachlich zu bleiben: „Wenn Sie wirklich ein Reptilienmensch sind und dem Thema allen Anschein nach aufgeschlossen sind, warum sind Sie dann meiner Mutter nicht zum Schildkrötenmenschen gefolgt?“
Smeraldina zischelte leise, aber klar verständlich: "Ich hatte deine Mutter provoziert, indem ich sagte, dass es keine Reptiloide gibt."
„Warum tun Sie das meiner Mutter an?“
„Ganz einfach, um einen Einweisungsgrund zu haben!“
"Also wollen Sie meine Mutter beseitigen, um den Reptiloiden zu schützen?"
"Jetzt nicht mehr, seit ich erkenne, dass du ein Veganer bist!"
„Ohne Scheiß?"
Smeraldina nickte.
"Warum ist es für Sie so wichtig, dass ich Veganer bin?“
„Du bist die Jugend, du bist die Zukunft und wir brauchen Veganer wie dich, wenn wir die Erde neu aufbauen werden!“
Georg erschrak. „Wollt ihr die Erde erobern?“
"Wir kommen von weit her und stellen mit Bestürzung fest, dass die Menschen, hauptsächlich für Massentierhaltung, Bäume fällen und damit diesen Planeten zerstören." Sie schielte zur Leiste und kicherte leise: "Wir sind im Endeffekt so umweltfreundlich wie ein Mensch, der sich vegan ernährt, obwohl wir nur Fleisch essen. Wenn wir euch beherrschen, müsst ihr auch kein Rattenvernichtungsmittel mehr verschwenden – das ist  ein Win-Win für uns alle!"
Oh, es klang gar nicht so übel, was die Reptiloiden vorhatten. Hoffentlich sterben nicht zu viele Menschen, oder besser, wenn überhaupt keine Menschen sterben würden. Hoffentlich wird er nicht gezwungen, etwas zu tun, was er nicht wollte. Sie könnte ihn erpressen, seiner Mutter in Gefangenschaft etwas antun.
Er fragte also frei raus: „Also, sie brauchen mich?“
Smeraldina nickte.
„Ich brauche aber noch meine Mutter, weil ich noch jung bin. Bitte, entlassen Sie meine Mutter?“
Smeraldina überlegte. Dann schaute sie auf etwas, was wie eine Smartwatch aussah. Sie sagte mit einem Lächeln: „Wir werden die Menschen eh´ besiegen, also muss ich deine Mutter nicht festhalten. Deine Mutter und du, ihr seid die Zukunft."
Georg war überrascht: „Also lassen Sie meine Mutter frei? Ohne wenn und aber?“
"Es gibt nur einen Haken!"
Georg erschrak. „Welchen?“
Smeraldina rieb mit den Fingern ihrer rechten Hand an ihrem Mund, was wirkte, als ob sie nachdachte. Dann sagte sie: „Die Chancen stehen schlecht, dass mein Chef deine Mutter gehen lässt. Es wäre besser, wenn ich dich adoptiere. Meine Vereinigung hat ein Grundstück am Stadtrand mit sehr viel Wald, es gibt etliche Pflanzen dort, die für eine vegane Ernährung wichtig sind. Dir könnte das gefallen.“
Er wusste es. Es wäre zu schön gewesen, wenn seine Mutter auch zur Erbauerin der neuen Welt gekürt worden wäre.
„Ich lass´ mich nicht adoptieren. Ich will meine Mutter wieder haben. Sie können dem Chefarzt ja sagen, dass es nicht so schlimm war, wie sie dich angefasst hatte. . .“
„Psst!“
„Was soll diese Geheimnistuerei?“
„Ich weiß nicht, wie mein Chef reagieren wird, wenn er mitbekommt, was wir hier besprechen. Die Chancen stehen schon schlecht, eine Zeugin der Reptiloiden zu befreien."
Georg machte mit der Hand eine Geste, als würde er seinen Mund wie einen Reißverschluss zumachen wollen.
Smeraldina schielte zur Kamera, dann wieder auf Georg: „Lass´ bitte solche Gesten sein!“
Georg kniff seine Lippen zusammen und er wollte so tun, als ob nichts wäre, was womöglich nicht überzeugend wirkte, weil er seine eigene Anspannung spürte.
"Mein Chef wird heute einen Anwalt bestellen, um die Aufenthaltszeit zu verlängern. Das hatte er mit anderen Zeugen auch so gemacht!"
Er atmete tief durch und flüsterte: "Was können wir dagegen tun?“
Nach kurzer Überlegung schaute sie auf ihre Smartwatch: "Ich könnte versuchen, das Problem auf meine Art zu lösen. Komm!“
Oh! Das kam überraschend. "Ich soll einfach so mit in die Höhle des Drachens gehen? Was wollen Sie dann machen? Mit meiner Hilfe Dr. Barr töten?"
Smeraldina ignorierte ihn und Georg machte sich Sorgen.

Ab der Mitte habe ich nur noch quergelesen. Den Sprung, den Du vom korrupten Gesundheitssystem zum umweltvernichtenden Menschen gemacht hast, inklusive des Veganismus, funktioniert für mich als Geschichte für Erwachsene überhaupt nicht. Zum einen gibt es keinen Spannungsbogen, da Du unbedingt zu den Reptiloiden willst und zum anderen wird Georg als punkiges Muttersöhnchen dargestellt, was für mich nicht zusammenläuft. Entweder sollte Georg von Anfang an völlig ahnungslos sein und von den Ereignissen komplett überrollt/überrascht werden oder aber, er ist bereits in der Anti-Reptiloiden-Bewegung und hat nun endlich seinen Weg hinein gefunden. So, wie die Geschichte jetzt ist, ist es weder Fisch noch Fleisch.
MfG


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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 03.06.2022 16:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Calvin,

du hast mir sehr geholfen. Ich habe Fragen zu deinen Anmerkungen, z.B. warum es völliger Quatsch sei, warum Georg nicht gestattet ist, ohne seinen Erziehungsberechtigten zu erscheinen. Ich habe es jetzt einfach weggelassen. Es ist unnötig für den Fortverlauf der Geschichte.
Du hattest mich nicht nur grammatikalisch korrigiert, auch inhaltlich, weswegen ich es für eine gute Idee hielt, eine überarbeitete Version zu schreiben.

- Dass Georg Müttersöhnlichen-Alike wirkt war auch gar nicht so beabsichtigt, ich hoffe, in der neuen Version klingt es besser.
- Ich habe den Zusammenhang zwischen der Pflegekraft und Smeraldina erwähnt und es gibt auch sonst im Anschluss viele kleinere Änderungen, die es hoffentlich leichter lesbarer machen.
- Ich habe die Reptiloiden dringelassen und mich für einen völlig ahnungslosen Georg entschieden, der dann vom Auftauchen der Reptiloiden überrascht wird.
- Die Schwester sagt nicht mehr in Georgs Nähe, dass man der Mutter das Handy abnehmen soll, um ihn nicht zu verunsichern und auf die Spur der Reptiloiden zu bringen.
- Inwiefern ist soziale Kälte etwas anderes?
- Auch das mit dem Einzelkind habe ich besser umschrieben und hoffentlich sind die Zusammenhänge nun klarer.
- Das mit dem Umweltschutz werde ich später in der Geschichte erwähnen (ich hoffe, nun ist der Spannungsbogen besser), z.B. im Gespräch mit Dr. Barr.


Hier die überarbeitete Version:
Als Georg aufwachte, fühlte er sich wie auf Watte gebettet. Seine Arme und Beine prickelten unangenehm, so langgesteckt, wie er dalag. Auch machte sich Licht durch seine Lider bemerkbar. Im Dämmerzustand wollte er dem Licht ausweichen, sich auf die Seite drehen und zusammenrollen. Aber ...er konnte sich nicht bewegen. Er riss die Augen auf, doch gleißendes Licht blendete ihn so sehr, dass er sie sofort wieder zukneifen musste.
Nachdem seine Augen sich langsam an das Licht gewöhnt hatten, sah Georg, dass eine glatzköpfige Silhouette über ihn gebeugt war. Wegen der blendenden Beleuchtung war die Person nicht zu erkennen. Sie verschwand wieder aus Georgs Sichtfeld. Eine gruselige Einzelheit aber brannte sich in sein Gedächtnis ein: Sie hatte keine Ohren!
Er schrie, doch der Knebel in seinem Mund dämpfte seinen Schrei.
Könnte es sein . . . sein prüfenden Blick schweifte über seine Brust und dem Bauch. Nein. Man hatte ihm nicht seine Organe entfernt, oder sonstige schweinische Sachen mit ihm angestellt. Oder noch nicht. Er betrachtete die Welt um den Strahler herum, soweit er etwas erkennen konnte. Alles war dunkel. Eine Gestalt stand am Rande des Tischs. Die weiße Gebissreihe hob sich aus dem Dunkel heraus. Verzweifelt fragte sich George, was für ein Wesen das war. Es sah aus wie ein Untoter. Die blassgrüne Kreatur beugte sich über ihn. Sie hatte schlitzartige Augen. Eine große, grüne Iris mit einer geweiteten Pupille blitzte ihm entgegen. Die nüsternartige Nase schnaubte. Zwischen den Zähnen schnellte eine schmale Zunge hervor, die wieder verschwand. Was war das? Wo war er? Wie lange war er schon hier? Georg schloss seine Augen und atmete tief durch. Wann hatte das alles angefangen? Ah, er hatte mit seiner Mutter telefoniert.

„Die Polizei kann nichts tun“. Die Stimme von Georgs Mutter knackte aus seinem Smartphone, als würde jeden Moment das Signal abbrechen.
„Aber Mama, du weißt doch, wie es in Berlin läuft. Die Bullen sind immer beschäftigt und haben nie Zeit …“
„Mein Sohn, ich bin von Kriminellen eingesperrt worden. Sie sagten den Polizisten, dass ich psychisch krank bin. Man glaubt mir nicht mehr.“
Georg schnappte nach Luft.
"Bist du schon da?", fragte sie.
Georg sah aus dem Fenster der Straßenbahn „Ev. Krankenhaus Herzberge“. Er stieg aus und erblickte einen Altbau aus roten Ziegeln im Grünen.
„Was war denn die genaue Begründung für deine Einweisung?"
„Die Psychiaterin sagte mir, dass ich als eigen- und fremdgefährdend gelte . . .“
Ihre Stimme wurde durch lautes Knacken unterbrochen und verstummte ganz.
Mama war Krankenpflegerin und kam oft genervt von ihrer Arbeit nach Hause. Sie erzählte ihm, was sie am nächsten Tag gerne alles tun würde. Hat sie diesmal aus Wut über die neue Psychiaterin wirklich die Wäschewagen umgeworfen? Erntet Mama nun die Konsequenzen ihres Handelns?
Er stolperte über die unebenen Gehweg-Betonplatten des parkähnlichen Geländes, um wieder Empfang zu bekommen. Der Duft aus den vielen Lila Blüten an den Wegrändern wirkte beruhigend. Der Ort schien für ein Gefängnis nicht mal so übel zu sein. Trotzdem wollte Mama dort nicht bleiben.
Das Telefon klingelte."Mein Schatz, hast du noch die 100 Euro dabei?"
"Ja"
"Geh auf Station Vier. Ich bin im Zimmer 105. Gerade arbeitet diese Leasingfachkraft aus Asien hier. Sag' ihr, sie soll mich gehen lassen. Wenn sie nicht will, gib' ihr das Geld.“
Georg sah sich um. Er fand einen Wegweiser und folgte ihm.
„Pass´ aber auf, dass Psychiaterin Smeraldina nicht dabei ist. Sie hat dunkle Haare und trägt einen langen Zopf.“
Georg stieß die Luft aus: „Also, ob das alles gut geht? Ich weiß nicht . . . Wie hatte sich deine Eigene/Fremdgefährdung eigentlich geäußert?“
Mama seufzte. „Ich wurde eingewiesen, weil ich Smeraldina an die Hand nahm, um ihr Schildkrötenmenschen zu zeigen . . .“.
„Schildkrötenmenschen?“ Georg schmunzelte fast schon: „Nanntest du sie so, weil sie langsam waren?“
„Nein, ich sah Schildkrötenmenschen, welche als menschliche Mitarbeiter verkleidet waren. Smeraldina aber meinte, ich hätte diese Leute beleidigt.“
Georg hob überrascht die Augenbrauen: „Abgefahren!"
Wieder brach die Verbindung ab.
Schildkrötenmenschen, als menschliche Mitarbeiter verkleidet. Noch nie gehört von. Er an Smeraldinas Stelle hätte sich das einfach angeschaut. Vielleicht waren es doch nur verkleidete Menschen gewesen. Auch, dass Mama eingewiesen wurde, nur weil sie die Ärztin an die Hand nahm, war völlig übertrieben. Was war diese Smeraldina bloß nur für ein Mensch? Es war nicht alles lustig im Leben, das wusste Georg auch, seit seine Klassenkameraden sich über ein hässliches Mädchen lustig machten, welches daraufhin ein Verhalten entwickelte, das auf ähnliche Weise unausstehlich wurde wie es Smeraldina an den Tag legte. Wurde sie auch  verlacht?
„Ah, ich bin da . . .“. Georg hob den Kopf und betrachtete die ca. zehn Meter hohe Mauer, aus der hin und wieder Steine herausgebrochen waren, was den Blick auf darunterliegende Ziegelreihen freilegte. Er schluckte. Mama wurde wie eine Schwerverbrecherin behandelt.

Eine große vergitterte Holzflügeltür trennte ihn von der Station, in welcher Mama sich befand. Videokameras. Ordentlich gekleidete Menschen liefen ein und aus.
Georg sah an seinem dürren Körper herunter, seine abgenutzten Stiefel, wo sich an manchen Stellen bereits die Sohle ablöste. Er sah seine kaputten Netzstrumpfhosen, aber auch das verwaschene Shirt, auf welchem „Eat the rich“ stand. Mit seiner rechten Hand fasste er in seine roten Haare - auch wieder fettig.
Der Security könnte ihm wegen „unangemessenen Aussehens“ das Betreten verweigern wie letztens beim Jugendamt. Umziehen aber konnte er sich nicht mehr.
Aber naja, das Jugendamt war besonders spießig.
Georg betrat über eine vergitterte Holztür das Haus. Der kurze, aber hohe Flur war weiß gestrichen. Es roch nach Desinfektionsmittel. Am Ende des Flures sah er eine weiße Tür. Station Vier? Es trat ihm eine Frau entgegen, welche ganz in Weiß gekleidet war. Womöglich arbeitete sie dort. Wie eine Asiatin aber sah sie nicht aus.
"Wo möchtest du hin?“
Georg hörte einen aggressiven Unterton. Ihr kühler Blick bereitete ihm auch Unbehagen. Sie machte eine Geste nach draußen: „Wir möchten die Patienten nicht stören, also kommen sie bitte vor die Tür.“ Georg folgte ihr nach draußen.
„Ich bin Georg Smokowski und möchte zu meiner Mutter Silvia, die heute Nachmittag . . .“
Sie unterbrach ihn: „Wer hat dir gesagt, dass deine Mutter hier sein soll?“
Wieso war es ihr so wichtig, woher er das weiß?
Die Schwester erblickte sein Telefon, dann wieder zurück auf Georg. „Ich kann dich nicht zu deiner Mutter lassen, weil sie absolute Ruhe braucht!“
Georg sah auf die 100 Euro in seiner anderen Hand. Konnte er das Geld dieser Schreckschraube geben?
„Willst du mir Geld geben?“
Ein gutes Argument musste her.
„Meine Mutter hat nichts Schlimmes getan. Nur die Hand der Ärztin angefasst!“
Die Pflegerin klang empört, während sie wieder ins Haus ging. „Kauf´ dir von deinem Geld neue Kleidung – du siehst schrecklich aus!“ Georg stemmte seinen Arm mit seiner geöffneten Hand gegen die sich schließende Tür. Die Mitarbeiterin öffnete sie wieder.
„Sehr geehrte Frau, Sie können meine Mutter nicht gegen ihren Willen festhalten!“
„Komm´morgen früh um Acht wieder. Psychiaterin Smeraldina wird dir alles Weitere erläutern.“
Die Tür knallte. Er trat dagegen, die Frau öffnete wieder: "Wenn du das nochmal machst, rufe ich die Polizei!"
Georg nahm sich zusammen. Er fror – bei fünfundzwanzig Grad, die untergehende Sonne schien über die Baumwipfel. Wehte ein unmerklich kaltes Lüftchen, oder war es ein Gefühl, welches in Fernsehdokumentationen gerne als „soziale Kälte“ beschrieben wurde? Er wollte wieder seine Mama anrufen, doch nun ging die Mailbox direkt dran. Hatte die Frau, mit der er gerade sprach, Mama das Telefon weggenommen? Hoffentlich nicht.

Wie konnte Mama nun befreit werden? Andere hatten bei ihren Problemen ihre Verwandten und Geschwister geholt und die Probleme waren gelöst. Georg aber konnte niemanden herbeirufen. Lag es daran, weil er Einzelkind war? Keiner seiner Mitschüler hatte auch das Problem, dass jemand aus deren Familie eingewiesen war, vielleicht wurde es auch nicht berichtet. Was für Probleme die Gesellschaft damit hatte, er verstand es nicht. Eine Geisteskrankheit war auch nur eine Krankheit. Vielleicht gab es einfach nur Vorurteile. Vorurteile, welche es diesem Staat, der als demokratisch und gerecht galt, einfach machten, jemanden einzusperren. Machte es überhaupt noch Sinn sich darüber aufzuregen?
Erstmal tief durchatmen.
Er ließ sich auf eine Bank fallen, um nachzudenken. Er wollte seine Gedanken ordnen. Also, in die Klinik mit brachialer Gewalt einbrechen und Mama rausholen ging gar nicht. Er suchte nach Antworten. Einer Idee. Nein, erst einmal den Kopf klar bekommen. Er beschäftigte sich vor einer Weile mit den Lehren des Buddha. Brachiale Gewalt würde immer zu Leiden und Verderben führen, hieß es da.
Vielleicht war es einfach nur vernünftig, am nächsten Tag die Meinung von Psychiaterin Smeraldina über seine Mutter anzuhören und eine Lösung des Konfliktes zu erarbeiten. Ob das alles auch so klappen könnte? Georg wusste es nicht und er kam innerlich nicht zur Ruhe. Was wühlte ihn nur so auf? War es die Angst auf den morgigen Tag? Er spürte in sich rein, das „Aufwühlende“ kam aus seinem Magen. Hatte er Bauchschmerzen? Hatte er etwas Schlechtes gegessen? Vielleicht die nicht mehr ganz so frische Orange von heute morgen.
Auf Fleisch hingegen verzichtete er bewusst. Es liegt schwer im Magen, sagte ihm mal ein Kumpel aus dem Jugendclub. Der war Veganer. Georg probierte vegane Ernährung auch gerade aus. Hoffentlich lenkte ihm das „Aufwühlende“ nicht vom morgigen Gespräch ab. Als er zu Hause war, aß er Kartoffelchips zum Abendbrot.


Georg wachte auf, weil ihn die Sonne blendete. Er hatte schlecht geschlafen. Als er sich aber in seinem Zimmer umsah, erschrak er. Auf dem Tisch lagen noch die Kartoffelchips von gestern. Sie erinnerten ihn daran, dass er seine Erlebnisse von gestern nicht erträumt hatte. Er bekam Hunger. Die Sonne schien auf die Kartoffelchips, als würde Gott ihm sagen wollen, dass er nun nur noch sie essen soll. Nein, danke! Er kochte Vegan - Spaghetti aus Hartweizengrieß mit Tomatensoße. Es war überwürzt, aber wenigstens hatte er etwas zu essen. Das aufwühlende Gefühl blieb überraschend aus.  
Von der Straße hörte Georg ein Lachen. Er sah aus den Fenster, seine Mitschüler spielten. Wie belanglos! Seine Mama aus der Psychiatrie zu holen war wichtiger als Schule. Er blickte auf die Uhr. In einer Stunde hatte er seinen großen Auftritt vor der Psychiaterin. Er wollte gut angezogen hingehen. Sogar eine Anzugjacke, wurde zugelassen. Auf seinem blassen Teint trug er etwas Rouge auf, es sah aber albern aus und er machte es wieder weg. Der rote Iro wurde nach vorne gekämmt und gab dem Look einen erfrischenden Farbspritzer.

Um kurz vor acht Uhr stand Georg Haus Eins gegenüber – dem zentralen Verwaltungsgebäude des Krankenhauses. Dort sollte sich das Büro von Dr. Dipl. Psych. Smeraldina de Dragescu befinden. Er trat in das Gebäude ein, fand das Büro und klopfte. Ein knappes „Herein“ ertönte hinter der Tür. Es klang mehr wie ein erotisches Zischen. Es war ungewöhnlich, weshalb er nur zögernd das Büro betrat. Ihre Erscheinung überraschte ihn. Er erwartete eine kleinwüchsige Person mit deformiertem Gesicht, wie in etwa auch das Kind aussah, welches in seiner Klasse gehänselt wurde. Smeraldina hingegen war ausgesprochen hübsch. Der von Mama erwähnte Zopf hing Smeraldina lässig über der Schulter. Der strenge Blick ihrer smaragdgrünen Augen hingegen schien Georg zu durchbohren. Ihr schwarzes Rollkragenkleid unter ihrem weißen Kittel unterstrich diese Strenge. Der hölzerner Schreibtisch glänzte vor Sauberkeit.
Georg spulte in seinem Kopf wieder ab, was er gestern dachte, um sich gedanklich auf das Gespräch vorzubereiten. Genau: Er wollte sachlich bleiben. Das aufwühlende Gefühl hingegen machte sich auch bemerkbar, er konnte es nicht unterdrücken, rieb sich seinen Bauch.
Smeraldina stand hinter ihrem großen Schreibtisch auf, leckte ihre Lippen und zischte: „Sind Sie Georg Smokowski?“
Er nickte.
„Was führt dich zu mir?“
"Meine . . . Meine Mutter, Silvia wurde gestern auf Station Vier eingewiesen! Ich will, dass Sie meine Mutter entlassen.“
Smeraldina nahm einen tiefen Atemzug. Sie legte die Hände in ihren Rücken und sah ihren Besucher mit ernster Miene an, während sie durch den Raum lief. Sie betrachtete ihn von allen Seiten aufmerksam. Ihr schnaubender Atem war deutlich zu hören. Dauernd leckte sie sich die Lippen. War das nun gut oder schlecht? Georg machte einen Schritt zurück, da ließ sie sich wieder in ihren Chefsessel sinken.
„Mein lieber Georg. Deine Mutter kam gestern Nachmittag um sechzehn Uhr in mein Büro und behauptete wortwörtlich einen Schildkrötenmenschen gesehen zu haben!“
„Hatte sie damit irgendjemanden beschimpft?“
„Nun ja, was würdest du davon halten, wenn eine reife Frau wie deine Ma sich vor dir hinstellt und sagt, du seist ein Schildkrötenmensch, wie es gestern meinem Kollegen Markus widerfahren ist?“
„Das ist sicher ein Missverständnis!“
„Ach, dass diese reife Frau dann meine Hand packte, um mich zu den Ort zu zerren, wo dieser Schildkrötenmenschen sein sollte, soll auch ein Missverständnis gewesen sein?“
„Aber . . .“, Georg rang nach Wörtern: „ . . . das war doch jetzt kein Ausrasten, oder?“
Smeraldina schlug mit ihrer Faust auf den Tisch und Georg zuckte zusammen, da erhob sie wieder ihre tiefe Stimme. „Das Verhalten deiner Mutter war übergriffig, was mich berechtigt hatte, sie im Rahmen von vierundzwanzig Stunden festzusetzen!“
Jetzt übertrieb' Smeraldina aber! Moment, wollte er sich nicht zusammenreißen? Er riss sich zusammen und sah auf seine Uhr. Bis sechzehn Uhr war Mama noch eingesperrt, wenn er nichts tat.
Es wäre jetzt sicher eine gute Idee, zu beschwichtigen. Georg räusperte sich, bevor er sprach und stammelte: „Meine . . . Meine Mutter mag sich manchmal nicht adäquat verhalten, was mir auch leid tut für Sie. Aber glauben Sie mir, sie . . . sie ist sonst ganz umgänglich. Sie brachte mich dazu, gute Noten zu schreiben.“
Smeraldina hob überrascht ihr Augenbrauen und zischelte leise, aber deutlich: „Du hast deine Emotionen gut im Griff, im Gegensatz zu deiner Mutter! Das ist beachtlich“. Sie stand wieder auf, lief um Georg herum und leckte ihre Lippen. Georg ging einen Schritt zurück, da flüsterte sie: „Keine Angst. Ich bin auf deiner Seite?“
An seiner Seite? Jetzt auf einmal, nachdem sie Mama so viel Ärger bereitet hatte?
„Pssst!“
Warum auf einmal Pssst und warum hob sie den Finger nicht, wie es jeder zu dieser Geste machte?
„Hier wird alles überwacht“, flüsterte sie.
Georg sah ihr überrascht in die Augen. Sie bewegte ihre Augäpfel in eine Richtung, ohne ihren Kopf zu bewegen. Georg folgte ihrem Blick und sah eine Kamera.
"Warum helfen Sie mir jetzt auf einmal?"
„Es ist, wie ich es dir schon sagte: Du hast dich gut im Griff.“ Smeraldina blickte auf Georgs zittrige Hände: „Du bist nur noch ein wenig nervös, aber das geht vorbei, wenn du an dir arbeitest. Was ich an dir besonders schätze ist aber, dass du sogar ein Veganer geworden bist!“
Er konnte sich nicht erinnern, ihr etwas über das Vegan-Sein erzählt zu haben. „Hat meine Mutter Ihnen davon erzählt?“
Smeraldina ging wieder an Georg heran, fast bis an seinen Mund. Alle Ängste waren verschwunden und ein angenehmes Gefühl spürte Georg in der Magengrube, als ihr Gesicht so dicht an seinem war. Sie aber leckte nur ihre Lippen und zischte erregt: „Du bist tatsächlich Veganer!"
"Woher wissen Sie das?"
"Ich kann es riechen."
"Riechen? Kein Mensch kann das riechen!"
Seine Gegenüber hielt ihre rechte Hand auf ihren Mund. Es wirkte, als hätte sie was Falsches gesagt.
Sie fasste sich anschließend auf ihren Bauch, welcher knurrte. Sie kniff ihre Augen zu und schnaubte. War sie gerade innerlich aufgewühlt? Sie drehte ihr Gesicht von der Kamera weg und öffnete zaghaft ihre Augen. Er folgte ihren Blick, der die Bodenleiste und einen Aktenschrank ins Visier nahm.    
Was wollte sie ihm zeigen? Wollte sie ihm überhaupt was zeigen?
Wie von der Tarantel gestochen sprang Smeraldina in Richtung der Bodenleiste und zog mit ihrer Hand hinter dem Aktenschrank etwas Quiekendes hervor. Mit den Schultern von der Kamera schützend führte sie das quiekende Etwas in ihrem Mund und schluckte. Georg wurde leicht übel bei dem Anblick.
Smeraldina stand auf und strich prüfend mit ihren Händen über ihren Rücken, den Hintern und Beine, als sei ein Insekt unter ihre Kleidung gefahren. Die Frau schüttelte kurz ihren Kopf, sah Georg an und zischte: „Ich konnte es nicht unterdrücken! Nun ist meine Verkleidung aufgeflogen. Reptiloide gibt es wirklich!“
Ein Schauer lief über seinen Rücken. Das konnte nicht wahr sein. Er ging einen Schritt nach hinten, um diese Frau komplett zu sehen. Nichts von ihrem wahren Aussehen war nach außen erkennbar – wie sollte überhaupt eine Reptiloidin aussehen? Wie eine Schildkröte in Menschenform? Georg hatte keine Ahnung. Vielleicht spielte sie auch nur mit ihm, imitierte das Quieken, machte sich über ihn lustig.
Georg versuchte trotzdem, sachlich zu bleiben: „Wenn Sie wirklich ein Schildkrötenmensch sind und dem Thema allen Anschein nach aufgeschlossen sind, warum sind Sie dann meiner Mutter nicht gefolgt?“
Smeraldina zischelte leise, aber klar verständlich: "Ich hatte deine Mutter provoziert, indem ich sagte, dass es keine Reptiloide gibt."
„Warum tun Sie das meiner Mutter an?“
„Ganz einfach, um einen Einweisungsgrund zu haben!“
"Also wollen Sie meine Mutter beseitigen, um den Reptiloiden zu schützen?"
"Jetzt nicht mehr, seit ich erkenne, dass du ein Veganer bist!"
„Wollen Sie meine Mutter sogar freilassen?"
"Am besten, ich erkläre dir erst einmal, warum sich Vegan ernährende Menschen von meinen Artgenossen so geschätzt werden. Wir begreifen und selber als Tiere und Veganer haben bereits ein bedeutendes Level an Empathie erreicht."
„Wollen Sie mir sagen . . ."
„Du kannst mich duzen!"
„. . . dass meine Mutter sich jetzt vegan ernähren muss, um freigelassen zu werden?"
Smeraldina überlegte. "Das muss nicht sein. Wir essen ja auch Tiere. Vegan-Sein ist nur ein Teil dessen, was wir an Menschen schätzen."
"Um was geht es konkret?"
"Unsere Zusammenhänge sind komplex. Am besten wäre es, wenn du von uns zum Krankenpfleger ausgebildet wirst. Da wirst du alles erfahren, was du wissen musst. Wir brauchen empathisches Personal, was Veganer allemal sind. Keine Angst, du wirst ausreichend eingearbeitet und übertariflich bezahlt. Selbstverständlich besteht eine absolute Schweigepflicht über die Existenz meiner Art.“
Oh, es klang gar nicht so übel. Die Frage ist nur, ob sie ihn nun zwingt, diese Ausbildung zu machen und wenn er sich weigert sie seiner Mutter etwas antun würde? Er sagte also frei raus: „Lassen Sie meine Mutter frei, bevor ich die Ausbildung mache, bitte!“
"Es gibt nur einen Haken!"
Georg erschrak. „Welchen?“
Smeraldina rieb mit den Fingern ihrer rechten Hand an ihrem Mund, was wirkte, als ob sie nachdachte. Dann sagte sie: „Die Chancen stehen schlecht, dass mein Chef deine Mutter gehen lässt, während du ausgebildet wirst. Es wäre besser, wenn ich dich adoptiere. Meine Vereinigung hat ein Grundstück am Stadtrand mit sehr viel Wald, es gibt etliche Pflanzen dort, die für eine vegane Ernährung wichtig sind. Dir könnte das gefallen.“
Er wusste es. Es wäre zu schön gewesen, wenn seine Mutter nun so einfach gehen könnte, nachdem sie einen Reptiloiden gesehen hatte. Trotzdem wiederholte er verzweifelt seine Forderung: „Ich lass´ mich aber nicht adoptieren. Ich will, dass meine Mutter geht, sofort . . .“
„Psst!“
„Was soll diese Geheimnistuerei?“
„Ich weiß nicht, wie mein Chef reagieren wird, wenn er mitbekommt, was wir hier besprechen. Die Chancen stehen schon schlecht, eine Zeugin der Reptiloiden zu befreien."
Georg machte mit der Hand eine Geste, als würde er seinen Mund wie einen Reißverschluss zumachen wollen.
Smeraldina schielte zur Kamera, dann wieder auf Georg: „Lass´ bitte solche Gesten sein!“
Georg kniff seine Lippen zusammen und er wollte so tun, als ob nichts wäre, was womöglich nicht überzeugend wirkte, weil er seine eigene Anspannung spürte.
"Mein Chef wird heute einen Anwalt bestellen, um die Aufenthaltszeit zu verlängern. Das hatte er mit anderen Zeugen auch so gemacht!"
Georg flüsterte: "Was können wir dagegen tun?“
Nach kurzer Überlegung schaute sie auf ihre Smartwatch: "Ich könnte versuchen, das Problem auf meine Art zu lösen. Komm!“
Oh! Das kam überraschend. "Ich soll einfach so mit in die Höhle des Drachens gehen? Was wollen Sie dann machen? Mit meiner Hilfe Dr. Barr töten?"
Smeraldina ignorierte ihn und Georg hatte immer noch keine Antwort, ob sie seine Mutter laufen lassen würde.


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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 31.07.2022 21:15    Titel: Das Monster an meiner Seite(Arbeitstitel) Überarbeitet pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dies ist meine überarbeitete Geschichte vom Anfang Juni, geschrieben als eine Zusammenfassung, eine Art Exposé, um Plotlöcher / logische Fehler und andere Ungereimtheiten aufzuspüren, weil einige Mitforumler eben im Aufbau/Spannungsbogen Fehler fanden, die ich erst mal aus der Welt räumen möchte.

- Der Anlass, weswegen Silvia eingewiesen wurde, ist konkreter
- Manche Personen (die Schwester vom Anfang, Dr. Barr) sind komplett rausgeflogen
- Georg muss erst einmal durch die Bürokratie der Psychiatrie, um einen Spannungsbogen zu erzeugen, bis sich die Reptiloiden andeuten
- Georg ist am Anfang völlig ahnungslos, weiß nicht, dass es Reptiloiden gibt.
- Georg ist kein punkiges Muttersöhnchen mehr
- Den Veganismus habe ich komplett rausgelassen, stattdessen wird Georg und seine Mutter dazu verdonnert, seine fühlenden Mitgeschöpfe zu akzeptieren

Der Schluss könnte noch sehr vage sein. Es wirkt wie mit dem Holzhammer, aber besser kriege ich es gerade nicht hin. Ich sitze seit meinem letzten Posting fast jeden Tag vor dem Text und überlege mir, wie er rund klingt. Aufhören will ich aber nicht, um meine ganzen angelernten Schreibskills nicht wieder zu vergessen.

Meine Zielgruppe sollen Jugendliche sein, weil es eine Geschichte für sie ist, für die Zukunft unseres Planeten, aber so eng sehe ich das mit der Zielgruppe nicht. Es könnte Science-Fiction sein, weil die Reptiloiden (das steht auch in der Geschichte) Außerirdische sind und die Welt vielleicht ein paar Jahrzehnte in der Zukunft ist, der Klimawandel schon sichtbar in Deutschland.




Exposé
Georg kommt von der Schule zurück und wird von seiner Mutter Silvia aus dem Krankenhaus Herzberge von Berlin angerufen, die dort auf der Dialyse als Krankenschwester arbeitet. Er erfährt, dass Silvia ausgerastet sei, weshalb sie in die Psychiatrie des Krankenhauses eingewiesen wurde. Die Psychiaterin habe Silvia nicht geglaubt, dass ihr Kollege ein als Mensch getarntes Monster ist, weshalb Silvia ihm die menschliche Hülle abziehen wollte. Nun kommt Silvia aber nicht mehr raus. Dass Silvia durch ihren Job gestresst war wusste Georg. Sie rastete aber nie aus. Er steht zu ihr, weil die positiven Eigenschaften überwiegen, zum Beispiel hilft sie ihm beim Lernen für die Schule. Georg weiß aus Silvias Erzählung, dass der Stress auf Arbeit eine Mitschuld getragen haben könnte, dass sie ausgerastet war. Deshalb will Georg Silvia so schnell wie möglich befreien. Weil er noch nicht 18 ist hofft er, die Herzen der Ärzte erweichen zu können, weil Silvia ja seine Mutter ist.
Silvia lotst ihn zur Station, die für Silvia verantwortliche Psychiaterin Smeraldina ist aber nicht da, stattdessen empfängt Assistenzarzt Markus Georg. Als Georg Markus sagt, dass seine Mutter ihm gegenüber noch nie ausgerastet war, wird Markus wütend. Dies würde nichts entschuldigen, er hätte sich ernsthaft verletzen können. Silvia sei als Konsequenz nach PsychKG eingewiesen worden. Sie habe eine wahnhafte Fremdgefährdung, hält ihn für ein Monster. Für alles Weitere soll Georg am nächsten Tag mit Psychiaterin Smeraldina reden. Silvia ist daraufhin telefonisch nicht mehr erreichbar.

Am nächsten Morgen geht Georg zur Station, wird aber wieder nur von Markus empfangen, weil Smeraldina zu tun hätte. Während Georg warten muss, fragt er, wie Markus sich mit Silvia versteht. Das Verhältnis muss sehr schlecht sein, wenn sie ausgerastet war. Markus geht darauf nicht ein, er sagt, dass Smeraldina die Silvia bestimmt über Wochen beobachten wird, um zu sehen, wie sie sich entwickelt. Er könne morgen wiederkommen, wenn es ihm zu lange dauert. Georg aber will eine Antwort auf seine Frage, doch weil Markus sich nicht weiter äußert, will Georg mit Smeraldina reden. Wenn sie als Ärztin genauso abweisend ist wie Markus, will Georg zu den Kollegen seiner Mutter gehen, damit die berichten, was sie mitbekommen haben.
Eine halbe Stunde später stürmt er in Smeraldinas Büro, Markus folgt ihm, doch die junge Smeraldina sagt, dass sie sowieso vorhatte, mit Georg zu reden, seit sie weiß, dass Silvia einen Sohn hat. Er wird für eine Stunde am Tag vom Sozialdienst des Jugendamtes betreut werden. Georg aber ist das zu wenig. Allein die Hausaufgaben brauchen zwei Stunden. Smeraldina sagt plötzlich, dass Silvia sofort entlassen werden könne. Georg wundert sich, dass es so einfach war, sie zu überzeugen und geduldet sich, bis sie zur Tat schreitet.
Markus springt auf und will mit seinen scharfen Zähnen in Georg seinen Hals beißen, weil bei der Entlassung von Silvia die Reptiloiden enttarnt werden könnten. Smeraldina aber wehrt den Angriff auf Georg ab, wobei sie ihren Mund weitet, um ihre Zähne zu zeigen, welche auch ungewöhnlich scharf sind. Auch ihre Zunge ist lang und schmal. Markus sagt, dass Georg nun zu viel gesehen hat, er soll sterben und seine Mutter auch. Georg erkennt, dass Markus wirklich ein Monster / Reptiloid ist, woher wohl seine Apathie kommt. Er nahm Silvia sogar mithilfe der ebenfalls reptiloiden Smeraldina gefangen, damit Silvia nicht beweisen kann, dass sie nicht unter Wahnvorstellungen leidet. Ja, warum aber will Smeraldina die Silvia entlassen und sogar Georg verteidigen, wenn es gefährlich für die Reptiloiden ist?
Smeraldina sagt Markus, dass sie seine Chefin ist und schimpfen müsse, weil jetzt auch Georg weiß, dass Markus ein Reptiloid ist. Hätte er Silvia nicht so angeschrien und dabei versehentlich Teile seines echten Körpers gezeigt, würde sie es bis heute auch nicht wissen. Markus sagt, dass sie sowieso alle Morde an Menschen bis zur Unverdächtigkeit verschleiern können, um sie dann zu verspeisen. Da müsse er sich nicht gut kontrollieren.
Smeraldina antwortet, dass sie schon vor 50 Jahren als eine der ersten Reptiloiden auf der Erde landete und sie am besten weiß, wie man sich verhalten sollte.
Beklemmendes Schweigen. Smeraldina weiß sogar mittlerweile, wen sie entlassen kann und wen nicht. Georgs Mutter würde ihren Sohn aus eigener Kraft bei der Schule helfen, kultivieren, was man auch Liebe nennen kann. Das findet Smeraldina gut. Markus sei noch nicht wirklich reif um es zu verstehen, aber einer der fähigsten Mitarbeiter, die sie gerade kriegen kann, um ihm Gnade beizubringen. Durch Gnade werden die entlassenen Menschen nicht gegen die Reptiloiden arbeiten und man kann zueinander eine Beziehung aufbauen, was mehr Handlungsoptionen bietet. Markus überlegt.
Georg ist froh, dass es selbst unter „Monstern“ so etwas wie Mitgefühl gibt und er wartet auf die Entlassung von Silvia. Markus aber fürchtet, dass jetzt, wo Georg weiß, dass andere Menschen sterben, er sicher die Reptiloiden am Morden hindern will. Menschen seien leider so, sie sorgen um sich, auch wenn sie einander nicht kennen.
Als Georg sieht, wie Smeraldina überlegt, zieht er es vor, vorsorgehalber um sein Leben zu rennen - wer weiß, ob Smeraldina umgestimmt wird.

In seinem Versteck fasst er neuen Mut, will den Drachen zur Not töten, um somit seine Mutter zu befreien. Georg scheitert aber allein an den menschlichen Mitarbeitern in der Psychiatrie, weil sie blind den Befehlen vom Markus folgen. Es taucht Smeraldina auf, welche Silvia aus ihrem Zimmer holt und sie gehen lassen würde, wenn sie verspricht, nie wieder jemanden wegen seinem Reptiliensein anzugreifen. Silvia solle ihrem eigenen Reptilienhirn, welches auch Kleinhirn genannt wird und für unkontrollierte Gefühle steht, nicht zu viel Macht geben und andere Menschen nicht für ihr Reptiliensein verurteilen, sonst schlagen die Reptilienhirne, die man in manchen Menschen nicht vermuten würde, zu. Wenn die Menschen aber ihr inneres Reptil kontrollierten lernen, werden sie die Akzeptenz zu anderen fühlenden Wesen entdecken, bis es keine Toten mehr gibt.
Georg ahnt, dass Smeraldina etwas ausspricht, was die normalen Menschen als Neurologiestunde über das Reptilienhirn verstehen, er als Zeuge der Reptiloidenexistenz aber als versteckte Drohung wahrnimmt. Sie verlangt, dass der Mensch, also auch seine Mutter, sich selbst kontrollieren soll, damit sie die Akzeptanz zu anderen fühlenden Wesen (Tiere und andere Menschen?) entdeckt, sonst schlagen die Reptiloidenhirne, die man nicht vermutet, zu (Reptiloiden?).
Silvia hingegen sagt, es war kein Mangel an Selbstkontrolle, als sie Markus angegriffen hatte, sie wollte die Menschen vor den Reptiloiden warnen. Georg sagt, dass Silvia davon ausgehen soll, dass es keine Reptiloide gibt, dann war es ein Mangel an Selbstkontrolle. Silvia versteht und verspricht Smeraldina, andere fühlende Wesen zu akzeptieren und sie verlässt mit Georg zügig das Gelände, bevor Smeraldina es sich anders überlegen könnte. Markus wird seitdem nicht wieder gesehen.


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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 01.08.2022 17:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile
Es gibt eine Satire-Zeitschrift namens "Eulenspiegel". In einer der vergangenen Ausgaben war dort eine Geschichte mit ungefähr folgendem Inhalt zu finden:
Die männlichen Freunde A und B wohnen in einem Mietshaus und sind scharf auf die großbusige Nachbarin. A gelingt es, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen und wird von der Frau z.B. dazu animiert, Insekten zu essen. Regelmäßig haben die beiden Sex, allerdings wird A danach sofort aus der Wohnung gewiesen. Auch sonst haben sie kaum eine Beziehung. B hegt den Verdacht, dass die Nachbarin, aufgrund ihres Verhaltens eine Reptiloidin ist. Eines Tages hat die Nachbarin Geburtstag, A und B sind nicht eingeladen, schmuggeln sich aber auf die Feier. In der Wohnung ist es brüllend heiß, die Gäste aalen sich unter Wärmelampen, es werden Insektensnacks gereicht. B ist nun von seiner These überzeugt, A schwankt noch. Am nächsten Tag ist die Nachbarin verschwunden, die Männer sind enttäuscht. Einige Wochen später bekommt A Post von den Galapagos-Inseln. Die Nachbarin schreibt: Herzlichen Glückwunsch, Du bist heute Morgen 60zigfacher Vater geworden. Ende.
Das ist für mich der einzige Weg, mit dem Thema Reptiloiden umzugehen - auf lustige Art. Alles andere funktioniert in keinster Weise. Auch nicht für Jugendliche.
MfG


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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 01.08.2022 20:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:

Das ist für mich der einzige Weg, mit dem Thema Reptiloiden umzugehen - auf lustige Art. Alles andere funktioniert in keinster Weise. Auch nicht für Jugendliche.
MfG


Ja toll, das ist deine persönliche Meinung. Könntest du bitte den Text objektiv betrachten? Danke.


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BeitragVerfasst am: 01.08.2022 20:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Smokowski,

Natürlich kann man eine Geschichte über Reptiloiden schreiben. Warum nicht. Da will ich Calvin Hobbs ein bisschen widersprechen.
Aber dann muss es auch eine Geschichte sein, die für den Leser überraschend, spannend oder anrührend ist. Lustig oder satirisch geht natürlich auch. Es muss Helden geben und Antagonisten, damit Handlung entsteht.
Leider kann ich in deinem Expose davon wenig finden.
Du fokussiert zu sehr auf Moral und Erziehung. Das wollen Jugendliche bestimmt nicht lesen.
Entschuldige das harte Urteil.

Gruß Werner


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BeitragVerfasst am: 01.08.2022 21:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Smokowski,

ich habe die Themen zusammengeführt, da alles, was sich rund um eine Geschichte dreht, in einen Thread gehört.

Liebe Grüße
Bananenfischin


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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 02.08.2022 06:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

kioto hat Folgendes geschrieben:
Hallo Smokowski,

Natürlich kann man eine Geschichte über Reptiloiden schreiben. Warum nicht. Da will ich Calvin Hobbs ein bisschen widersprechen.
Aber dann muss es auch eine Geschichte sein, die für den Leser überraschend, spannend oder anrührend ist. Lustig oder satirisch geht natürlich auch. Es muss Helden geben und Antagonisten, damit Handlung entsteht.
Leider kann ich in deinem Expose davon wenig finden.
Du fokussiert zu sehr auf Moral und Erziehung. Das wollen Jugendliche bestimmt nicht lesen.
Entschuldige das harte Urteil.

Gruß Werner


Hi Werner,

ist es nicht überraschend, dass sich herausstellt, dass die Ärzte Reptiloiden sind? Und ist nicht klar, dass Markus der Antagonist ist und Georg der Prota? Ich dachte bislang von anderen Leuten, die es gelesen haben, dass es actionreich wäre. Es würde sogar ein bisschen zu viel passieren, weshalb ich zwischendrin Pausen eingebaut hatte.

Ich habe auch geschrieben, dass die Geschichte am Ende noch zu sehr nach Holzhammer klingt (wohl daher zu sehr Moral und Erziehung?) und ob man mir Anregungen geben kann, das zu verbessern.

Gruß Max


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Dyrnberg
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BeitragVerfasst am: 02.08.2022 09:22    Titel: Antworten mit Zitat

Dass mit den Ärzten ist irgendwie überraschend - und irgendwie eben auch nicht, weil ich es als Leser erwartet habe, dass noch ein Kniff kommt. Und dass die Dinge in einer "Irrenanstalt" anders sind als sie scheinen, hat man eben schon oft gesehen. Man denke an "Shutter Island" etc.

However. Grundsätzlich wirkt das Expose auf mich, als könnte das ein Theaterstück sein - weniger ein Roman. Es ist dialoglastig. Man hat nur wenige Ortswechsel. Und wenige Figuren.


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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 02.08.2022 17:55    Titel: Re: Das Monster an meiner Seite(Arbeitstitel) Überarbeitet Antworten mit Zitat

Wohlan!
Smokowski hat Folgendes geschrieben:

Exposé
Georg kommt von der Schule zurück nach Hause und wird von seiner Mutter Silvia aus dem Krankenhaus Herzberge von Berlin angerufen, die dort auf der Dialyse als Krankenschwester arbeitet. Hat er kein Handy, dass er erst nach Hause gehen muss, um einen Anruf zu bekommen?
Er erfährt, dass Silvia ausgerastet sei, weshalb sie in die Psychiatrie des Krankenhauses eingewiesen wurde. Die Psychiaterin habe Silvia nicht geglaubt, dass ihr Kollege ein als Mensch getarntes Monster ist, weshalb Silvia ihm die menschliche Hülle abziehen wollte. Du bringst das mit tödlichem Ernst vor, trotzdem klingt es lächerlich.
Nun kommt Silvia aber nicht mehr raus. Dass Silvia durch ihren Job gestresst war wusste Georg. Sie rastete aber nie aus. Er steht zu ihr, weil die positiven Eigenschaften überwiegen, zum Beispiel hilft sie ihm beim Lernen für die Schule. Sie ist seine Mutter! Wenn das alles ist, was eine Mutter ausmacht ...
Georg weiß aus Silvias Erzählung, dass der Stress auf Arbeit eine Mitschuld getragen haben könnte, dass sie ausgerastet war. Was denn nun? Erst glaubt er es nicht, dann hält er es doch für möglich?
Deshalb will Georg Silvia so schnell wie möglich befreien. Weil er noch nicht 18 ist hofft er, die Herzen der Ärzte erweichen zu können, weil Silvia ja seine Mutter ist.
Silvia lotst ihn zur Station, die für Silvia verantwortliche Psychiaterin Smeraldina ist aber nicht da, stattdessen empfängt Assistenzarzt Markus Georg. Als Georg Markus sagt, dass seine Mutter ihm gegenüber noch nie ausgerastet war, wird Markus wütend. Wieso? Das ergibt keinen Sinn.
Dies würde nichts entschuldigen, er hätte sich ernsthaft verletzen können. Silvia sei als Konsequenz nach PsychKG eingewiesen worden. Sie habe eine wahnhafte Fremdgefährdung, hält ihn für ein Monster. Für alles Weitere soll Georg am nächsten Tag mit Psychiaterin Smeraldina reden. Silvia ist daraufhin telefonisch nicht mehr erreichbar.

Am nächsten Morgen geht Georg zur Station, wird aber wieder nur von Markus empfangen, weil Smeraldina zu tun hätte. Während Georg warten muss, fragt er, wie Markus sich mit Silvia versteht. Das Verhältnis muss sehr schlecht sein, wenn sie ausgerastet war. Markus geht darauf nicht ein, er sagt, dass Smeraldina die Silvia bestimmt über Wochen beobachten wird, um zu sehen, wie sie sich entwickelt. Er könne morgen wiederkommen, wenn es ihm zu lange dauert. Georg aber will eine Antwort auf seine Frage, doch weil Markus sich nicht weiter äußert, will Georg mit Smeraldina reden. Warum sollte Smeraldina etwas über das Verhältnis Silvia/Markus äußern (wollen)?
Wenn sie als Ärztin genauso abweisend ist wie Markus, will Georg zu den Kollegen seiner Mutter gehen, damit die berichten, was sie mitbekommen haben. Wieso macht er das nicht vorher?
Eine halbe Stunde später stürmt er in Smeraldinas Büro, Markus folgt ihm, doch die junge Smeraldina sagt, dass sie sowieso vorhatte, mit Georg zu reden, seit sie weiß, dass Silvia einen Sohn hat. Das muss sie mindestens bereits am Vortag gewusst haben! Oder reden die Reptiloiden nicht miteinander?
Er wird für eine Stunde am Tag vom Sozialdienst des Jugendamtes betreut werden. Georg aber ist das zu wenig. Allein die Hausaufgaben brauchen zwei Stunden. WTF? Wenn die Mutti nicht da ist, möchte er mit 17 beaufsichtigt werden?
Smeraldina sagt plötzlich, dass Silvia sofort entlassen werden könne. Georg wundert sich, dass es so einfach war, sie zu überzeugen und geduldet sich, bis sie zur Tat schreitet.
Markus springt auf und will mit seinen scharfen Zähnen in Georg seinen Hals beißen, weil bei der Entlassung von Silvia die Reptiloiden enttarnt werden könnten. Völliger Humbug! Wer soll ihr das glauben? Wie realistisch klingt das?
Smeraldina aber wehrt den Angriff auf Georg ab, wobei sie ihren Mund weitet, um ihre Zähne zu zeigen, welche auch ungewöhnlich scharf sind. Auch ihre Zunge ist lang und schmal. Markus sagt, dass Georg nun zu viel gesehen hat, er soll sterben und seine Mutter auch. Georg erkennt, dass Markus wirklich ein Monster / Reptiloid ist, woher wohl seine Apathie kommt.Apathie? Oder Antipathie? Zwei völlig verschiedene Dinge.
Er nahm Silvia sogar mithilfe der ebenfalls reptiloiden Smeraldina gefangen, damit Silvia nicht beweisen kann, dass sie nicht unter Wahnvorstellungen leidet. Wie beweist man das? Was wollte sie tun?
Ja, warum aber will Smeraldina die Silvia entlassen und sogar Georg verteidigen, wenn es gefährlich für die Reptiloiden ist? Sehr gute Frage!
Smeraldina sagt Markus, dass sie seine Chefin ist und schimpfen müsse, weil jetzt auch Georg weiß, dass Markus ein Reptiloid ist. Richtig! Sie sollte ihn übers Knie legen!
Hätte er Silvia nicht so angeschrien und dabei versehentlich Teile seines echten Körpers gezeigt, würde sie es bis heute auch nicht wissen. Es war ein einziger Moment aus dem Nichts, der das alles ausgelöst haben soll?
Markus sagt, dass sie sowieso alle Morde an Menschen bis zur Unverdächtigkeit verschleiern können, um sie dann zu verspeisen. Da müsse er sich nicht gut kontrollieren. WTF? Welche Morde?
Smeraldina antwortet, dass sie schon vor 50 Jahren als eine der ersten Reptiloiden auf der Erde landete und sie am besten weiß, wie man sich verhalten sollte. Also geht es in erster Linie um Aliens!
Beklemmendes Schweigen. Smeraldina weiß sogar mittlerweile, wen sie entlassen kann und wen nicht. Verstehe ich nicht.
Georgs Mutter würde ihren Sohn aus eigener Kraft bei der Schule helfen, kultivieren, was man auch Liebe nennen kann. Smeraldina weiß nicht, was eine Mutter ist und wie ein solches Verhältnis funktioniert? Dazu kommt: Georg ist 17 und wird sich bestimmt nicht mehr "kultivieren" lassen. Was soll das bedeuten und bewirken?
Das findet Smeraldina gut. Markus sei noch nicht wirklich reif um es zu verstehen, aber einer der fähigsten Mitarbeiter, die sie gerade kriegen kann, um ihm Gnade beizubringen. Verstehe ich nicht.
Durch Gnade werden die entlassenen Menschen nicht gegen die Reptiloiden arbeiten und man kann zueinander eine Beziehung aufbauen, was mehr Handlungsoptionen bietet. Verstehe ich nicht.
Markus überlegt.
Georg ist froh, dass es selbst unter „Monstern“ so etwas wie Mitgefühl gibt und er wartet auf die Entlassung von Silvia. Markus aber fürchtet, dass jetzt, wo Georg weiß, dass andere Menschen sterben, er sicher die Reptiloiden am Morden hindern will. Menschen seien leider so, sie sorgen um sich, auch wenn sie einander nicht kennen. Manche ja, manche nein. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen "sterbenden Menschen" und Aliens.
Als Georg sieht, wie Smeraldina überlegt, zieht er es vor, vorsorgehalber um sein Leben zu rennen - wer weiß, ob Smeraldina umgestimmt wird. Er wollte zu seiner Mutter!

In seinem Versteck fasst er neuen Mut, will den Drachen zur Not töten, um somit seine Mutter zu befreien. Georg scheitert aber allein an den menschlichen Mitarbeitern in der Psychiatrie, weil sie blind den Befehlen vom Markus folgen. Wieso? Wodurch? Warum?
Es taucht Smeraldina auf, welche Silvia aus ihrem Zimmer holt und sie gehen lassen würde, wenn sie verspricht, nie wieder jemanden wegen seinem Reptiliensein anzugreifen. Warum hat sie ihr nicht gleich das Versprechen abgenommen?
Silvia solle ihrem eigenen Reptilienhirn, welches auch Kleinhirn genannt wird und für unkontrollierte Gefühle steht, nicht zu viel Macht geben und andere Menschen nicht für ihr Reptiliensein verurteilen, sonst schlagen die Reptilienhirne, die man in manchen Menschen nicht vermuten würde, zu. LOL. Da muss ich höllisch aufpassen, wenn das Kleinhirn plötzlich unvermutet ausschlägt! Oder ist es vllt. schon passiert?
Wenn die Menschen aber ihr inneres Reptil kontrollierten lernen, werden sie die Akzeptenz zu anderen fühlenden Wesen entdecken, bis es keine Toten mehr gibt. Zunächst stammt der Mensch vom Affen ab, der möglicherweise mal etwas Reptilienähnliches war oder hatte. Aber dieser Zusammenhang ist mit der Brechstange erzwungen. Dafür hättest Du schon am Beginn der Geschichte diese steile These aufstellen und nachweisen müssen.
Georg ahnt, dass Smeraldina etwas ausspricht, was die normalen Menschen als Neurologiestunde über das Reptilienhirn verstehen, er als Zeuge der Reptiloidenexistenz aber als versteckte Drohung wahrnimmt. Sie verlangt, dass der Mensch, also auch seine Mutter, sich selbst kontrollieren soll, damit sie die Akzeptanz zu anderen fühlenden Wesen (Tiere und andere Menschen?) entdeckt, sonst schlagen die Reptiloidenhirne, die man nicht vermutet, zu (Reptiloiden?). Sorry, aber es wird nicht glaubwürdiger!
Silvia hingegen sagt, es war kein Mangel an Selbstkontrolle, als sie Markus angegriffen hatte, sie wollte die Menschen vor den Reptiloiden warnen. Recht hat sie!
Georg sagt, dass Silvia davon ausgehen soll, dass es keine Reptiloide gibt, dann war es ein Mangel an Selbstkontrolle. Silvia versteht und verspricht Smeraldina, andere fühlende Wesen zu akzeptieren und sie verlässt mit Georg zügig das Gelände, bevor Smeraldina es sich anders überlegen könnte. Markus wird seitdem nicht wieder gesehen.Ein Ende, welches keines ist. Gibt es eine Moral? Ein Happy End? Irgednwas?

Wie gewünscht, so geliefert.
MfG


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BeitragVerfasst am: 15.08.2022 19:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mach ich, oder mach ich´s nicht? Egal! Ich mach´s.

Ich habe eure Anregungen genutzt, um meine Geschichte wieder einmal zu überarbeiten. Ich finde, sie wirkt nun "runder", aber auch "fader", weil es am Ende nicht mehr um die Rettung der Erde geht sondern lediglich darum, dass man sich selbst "beherrscht". Ich hoffe, ich konnte etwas dazulernen.
Ein großes Danke nochmal für eure Hilfe.

Neuerungen seit der letzten Version:
- Die Geschichte spielt im Jahre 2050
- Georg hat einen handfesten Grund (Mobbing), weswegen er glaubt, dass Silvia nicht verrückt ist
- Die Reptilien sind genmanipuliert
- Georg und seine Mutter werden von Smeraldina dazu verdonnert, ihre eigenen Emotionen zu kontrollieren
- Könnt ihr euch mit Georg identifizieren?
- Was hält ihr von Smeraldina?
- Wer in der Geschichte ist euch am sympathischsten?
- Gibt es klare Prota-/Antagonisten?

Georg wird an einem kühlen Herbsttag des Jahres 2050 auf dem Heimweg von der Schule von seiner Mutter Silvia aus dem Krankenhaus Herzberge von Berlin angerufen, die dort auf der Dialyse als Krankenschwester arbeitet. Er erfährt, dass Silvia dem Assistenzarzt Markus, den sie für ein Monster hält, die menschliche Hülle abziehen wollte, weshalb sie in die Psychiatrie des Krankenhauses eingewiesen wurde, wo sie nun nicht mehr rauskommt. Georg hält ihr Verhalten für bizarr, er hörte Silvia aber immer wieder erzählen, dass sie auf Arbeit gemobbt wird und vielleicht wurde sie gezwungen, was zu sagen, was sie gar nicht sagen wollte. Georg vergleicht es mir den dämlichen Mutproben aus seiner Schule, die er unter Gewaltandrohung machen musste. Georg will daher Silvia so schnell wie möglich befreien. Weil er noch nicht 18 ist hofft er, die Herzen der Ärzte erweichen zu können, weil Silvia ja seine Mutter ist.
Silvia lotst ihn telefonisch zur Station, die für Silvia verantwortliche Psychiaterin Smeraldina ist aber nicht da, stattdessen empfängt Assistenzarzt Markus Georg. Als Georg Markus sagt, dass seine Mutter ihm gegenüber noch nie ausgerastet war, sagt Markus, dass dies nichts entschuldigen würde, er hätte sich ernsthaft verletzen können. Silvia sei als Konsequenz nach PsychKG eingewiesen worden. Sie habe eine wahnhafte Fremdgefährdung, hält ihn für ein Monster. Für alles Weitere soll Georg am nächsten Tag mit Psychiaterin Smeraldina reden. Silvia ist daraufhin telefonisch nicht mehr erreichbar.

Am nächsten Morgen geht Georg zur Station, wird aber wieder nur von Markus empfangen, weil Smeraldina zu tun hätte. Während Georg warten muss, fragt er, wie das Betriebsklima mit Silvia so ist. Das Verhältnis muss sehr schlecht sein, wenn sie ausgerastet war. Markus geht darauf nicht ein, er sagt, dass Smeraldina die Silvia bestimmt über Wochen beobachten wird, um zu sehen, wie sie sich entwickelt. Er könne morgen wiederkommen, wenn es ihm zu lange dauert. Georg aber überlegt und präzisiert seine Frage, will wissen, ob man Silvia gezwungen hatte, bizarre Aussagen wie das mit dem Monster zu machen. Markus antwortet, wegen Datenschutz könnte er keine Aussage machen. Georg will diesen kaltschnäuzigen Arzt umgehen und wissen, ob Smeraldina seine Fragen beantworten kann. Wenn sie als Ärztin genauso abweisend ist wie Markus, will Georg zu den Kollegen seiner Mutter gehen. Vielleicht können die mehr berichten.
Er stürmt in Smeraldinas Büro, Markus folgt ihm, doch die junge Smeraldina sagt, dass sie sowieso vorhatte, mit Georg zu reden, um mit ihm einen Termin beim Sozialdienst des Jugendamtes zu machen, der sich um ihn kümmern soll. Georg will keinen Sozialdienst, er will seine Mutter zurück. Smeraldina ärgert sich, dass er nicht einfach akzeptiert, was eine Psychiaterin sagt, so wie sonst alle Patienten, doch Georg ist das egal, er will nur seine Mutter. Smeraldina zieht sich mit Markus in ihr Büro zurück, um sich zu beraten.
Ein wenig später kommt Markus heraus und holt Georg rein. Markus will mit seinen scharfen Zähnen in Georg seinen Hals beißen. Smeraldina aber wehrt den Angriff auf Georg ab, drückt Markus gegen die Wand, sie ist ungewöhnlich stark. Georg erkennt, dass er von zwei übernatürlichen Wesen umgeben ist.
Smeraldina sagt, dass sie es sich nicht leisten können, Georg auch noch zu töten. Sie mussten diesen Monat schon einen Zeugen von Markus' seiner wahren Identität einweisen und über vorgetäuschten Selbstmord umbringen. Wenn neben Silvia noch Georg umgebracht wird, können sie der Polizei nicht mehr erklären, warum es bei ihnen so viele Selbstmorde gibt. Am besten wäre es also, ihn und Silvia gehen zu lassen.
Georg ist überrascht, dass sie Silvia auch gehen lassen will, verschweigt aber, nachzufragen.
Zu Georg sagt sie, dass er und Silvia das Geheimnis der Reptiloiden für sich behalten sollen, sonst werden sie kurzen Prozess machen, um sich selbst zu schützen. Sie sind mehr da draußen.
Markus aber fürchtet, dass wenn Smeraldina Silvia entlässt, wird diese vor Zeugen seine Maske vom Kopf reißen. Das sei viel gefährlicher, als wie wenn sie Georg nun umlegen.
Smeraldina sagt, dass Markus gar nicht mehr in Herzberge arbeiten soll, weil durch die Attacke von gerade eben jetzt auch Georg weiß, dass Markus wirklich ein Reptiloid ist. Hätte er aus seiner mangelnden Selbstkontrolle heraus Silvia nicht Teile seines echten Körpers gezeigt, würde sie es bis heute auch nicht wissen. Lieber will sie Markus zum modifizieren ins Genlabor zurückschicken. Markus aber will sich nicht in seiner Persönlichkeit rumfummeln lassen und greift sie an. Sie schlägt zurück und sagt, dass sie zivilisierter ist und entscheiden darf. Die übernatürlichen Wesen zerlegen im Kampf das ganze Büro und Georg hält es für eine bessere Idee, nach seiner Mutter Ausschau zu halten.

In seinem Versteck fasst er neuen Mut, will den Drachen zur Not töten, um somit seine Mutter zu befreien. Georg scheitert aber allein an den menschlichen Mitarbeitern in der Psychiatrie, weil sie blind ihren Vorschriften folgen und ohne ärztliche Einwilligung nichts machen. Es taucht Smeraldina auf, welche Silvia aus ihrem Zimmer holt und sie gehen lassen würde, wenn Silvia sich in Zukunft besser kontrolliert, auch wenn andere mit unkontrollierten Gefühlen ihr gegenübertreten, weil man sich als intelligente Spezies sonst nicht weiterentwickelt.
Silvia hingegen sagt, es war kein Mangel an Selbstkontrolle, als sie Markus angegriffen hatte, sie wollte die Menschen vor den Reptiloiden warnen. Georg sagt, dass Selbstkontrolle immer von Vorteil ist, ob man nun mit anderen Menschen, oder vermeintlichen genmanipulierte Reptilien spricht. Rational bleiben sei das Wichtigste. Es fällt ihm wieder ein, dass es ihm in seiner Schule am besten half, mit Mobbern vor der Schulleitung zu reden, weil Mobber oft selbst irrational handeln und im Gespräch ihnen ihr Handeln bewusst wird. Silvia versteht und verspricht Smeraldina, sich kontrollieren zu lernen und sie verlässt mit Georg zügig das Gelände, bevor Smeraldina es sich anders überlegen könnte. Markus wird seitdem nicht wieder gesehen.
Die Wahnsinnigen bilden sich nicht nur Dinge ein. Vieles stimmt, was sie sagen. Narren sagen die Wahrheit.


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Calvin Hobbs
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Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 16.08.2022 17:30    Titel: Antworten mit Zitat

Ganz kurz nur, um Dir vllt. einige Punkte zum Nachdenken zu geben:
Deine Faszination an Reptiloiden sei Dir gegönnt.
Du hast nunmehr vier (?) Mal die Prämisse geändert, nur damit die Geschichte irgendwie funktioniert. Erkenntnis: Das tut sie nicht.
Dazu kommt: Auch an den Reptiloiden hast Du herumgeschraubt, in der Hoffnung, dass irgendetwas Sinnvolles dabei herauskommt. Erkenntnis: Das tut es nicht.
Aus meiner Sicht reitest Du hier ein absolut totes Pferd.
Alles Gute


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Smokowski
Wortedrechsler

Alter: 40
Beiträge: 85
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 16.08.2022 19:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Ganz kurz nur, um Dir vllt. einige Punkte zum Nachdenken zu geben:
Deine Faszination an Reptiloiden sei Dir gegönnt.
Du hast nunmehr vier (?) Mal die Prämisse geändert, nur damit die Geschichte irgendwie funktioniert. Erkenntnis: Das tut sie nicht.
Dazu kommt: Auch an den Reptiloiden hast Du herumgeschraubt, in der Hoffnung, dass irgendetwas Sinnvolles dabei herauskommt. Erkenntnis: Das tut es nicht.
Aus meiner Sicht reitest Du hier ein absolut totes Pferd.
Alles Gute


Wie sieht eigentlich eine "funktionierende Geschichte" aus, oder wie würde diese Geschichte aussehen, wenn sie "funktionieren" würde?

Dann nennst du sie auch noch ein "totes Pferd"?
Ganz vergebens scheint meine Geschichte aus deinen Augen nicht zu sein, weil auch ein totes Pferd hatte mal gelebt.



P.S.: Ich habe die Prämisse nicht geändert. Sie heißt nach wie vor:
"Ein Teenager will seine Mutter aus der Hand von menschenfressenden Ärzten befreien"


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