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Zozas Reise


 

 
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Murnockerl
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 231
Wohnort: Graz


BeitragVerfasst am: 11.03.2022 11:21    Titel: Zozas Reise eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe vor längerer Zeit Giambattista Basiles "Pentameron" gelesen und das Ende des Rahmenmärchens (https://de.wikipedia.org/wiki/Rahmenhandlung_des_Pentameron) ging mir nicht aus dem Kopf. Aus dem Weiterspinnen zu einem - für mich - befriedigenderen Ende wurde schließlich eine eigenständige Erzählung.
Zum Besseren Verständnis möchte ich noch eine eigene Zusammenfassung des Märchens geben, das ich hier zugunsten meiner Erzählung etwas zurechtgebogen habe. Das Original ist außerdem, im zeitlichen Kontext wenig erstaunlich, sehr rassistisch und brutal. Das ignoriere ich ebenfalls.

Zoza fehlt es als Königstochter an nichts, aber sie ist schwermütig und kann nicht lachen. Als sie von einem verfluchten Prinzen namens Taddeo erfährt, der erst zum Leben erweckt werden kann, wenn eine Frau an seiner Gruft einen Krug mit Tränen füllt, beschließt sie, für diese Aufgabe bestimmt zu sein. Sie findet die Gruft und füllt den Krug fast zur Gänze. Als sie jedoch eine kurze Pause macht und einschläft, vollendet eine andere Frau, Lucia, an ihrer Statt die Aufgabe und heiratet Taddeo. Über viele Umwege und Listen gelingt es Zoza schließlich, dass Taddeo die Wahrheit erfährt. Zornig will er die inzwischen schwangere Lucia hinrichten lassen:

Dann gab er auf der Stelle den Befehl, sie lebendig zu begraben, und nur der Kopf sollte aus der Erde ragen, auf dass sie eines langsamen Todes sterbe.

Da wurde Lucia bleich und sie bat und flehte um ihr Leben: „Bitte nicht, mein Fürst! Ich sehe jetzt, dass mein Tun schlecht war! Aber wie Zoza war ich von dem Gedanken an Euch gebannt und wünschte mir nichts sehnlicher, als Euch zum Mann zu haben, und als ich zu Eurem Grabmahl kam und sah, dass schon eine andere dort und die Arbeit halb getan war, wollte ich mich damit nicht zufrieden geben. Ich schwöre, nur deshalb habe ich gelogen und den Krug an ihrer Statt zu Ende gefüllt!“
Auch Zoza war erschrocken und sie sagte: „Meine Liebe und mein Glück soll nicht einer anderen Tod bedeuten. Unsere Ehe stünde unter keinem guten Stern, wenn wir sie auf dem Grab einer werdenden Mutter und ihres ungeborenen Kindes errichten!“
Von Zozas Bitten gerührt und den Ereignissen des Tages verwirrt, ließ Taddeo Lucia fürs Erste leben und zog sich in seine Gemächer zurück, um über den Fortgang der Dinge zu schlafen. Am nächsten Morgen ließ er seinen Hofmarschall kommen und fragte: „Wie soll ich weiter verfahren? Gestern Abend war ich über Lucias Betrug erzürnt, aber nun, im Licht des neuen Tages betrachtet, scheint mir die Sache vertrackt: Zoza und Lucia haben gemeinsam den Krug mit ihren Tränen gefüllt und beide scheinen mich zu lieben. Welche ist nun für mich bestimmt, welche soll meine Frau sein? Ich kann schwerlich mit beiden verheiratet sein.“
„Oh, das könntet Ihr“, sagte der Hofmarschall. „Denn was erlaubt und sittlich ist, entscheidet Ihr allein. Die Frage ist also, was wollt Ihr? Was entspricht am ehesten Eurem Geschmack?“
Nach dem Frühstück ging der Fürst auf einen langen Ausritt, und als er heimkehrte – sein Gefolge schwer beladen mit toten Füchsen, Hasen und Rebhühnern – ließ er die beiden Frauen in seine Gemächer rufen.
„Es kann kein Zweifel sein“, ließ er sie wissen, „dass ihr beiden mich liebt und dass ihr beide meine Hand verdient. Wen aber liebe ich? Als ich von dem wahren Hergang noch nichts wusste, Zoza, warst du für mich nichts weiter als eine Frau von der Straße. Ich habe dir keinen Blick geschenkt, geschweige denn Liebe.“ Zoza schaute zu Boden. Sie musste sich fest auf die Goldstickereien auf den königlichen Pantoffeln konzentrieren, um nicht zu weinen. „Und dich, Lucia, wollte ich im Jähzorn einen qualvollen Tod erleiden lassen! Das war ein Fehler und tut mir Leid. Aber wahre Liebe sieht doch anders aus!“
Lucia nickte zu seinen Worten. Sie hatte sich ohnehin gefragt, ob sie die Sache mit den Lebendig-begraben-Werden im Laufe ihres Ehelebens noch einmal würde vergessen können.
„Also“, schloss der Fürst, „habe ich entschieden, auf mein Herz zu hören, und keine von euch zu heiraten! Dass ihr mich vom Tod erweckt habt, dafür bin ich ja dankbar, aber mich deshalb in eine Ehe drängen zu lassen, die ich nicht will, macht am Ende nur uns alle unglücklich.“
Daraufhin fragte er, was die beiden Frauen sich als Dank für seine Erlösung wünschten, und Lucia ließ er auf ihre Bitte hin eine Kammer im Palast richten, wo sie in Frieden leben, und ihr Söhnchen mit Mutter als auch Vater in seiner Nähe groß werden konnte. Zoza aber wünschte nichts, und so gab ihr Taddeo, weil er sie nicht gänzlich ohne Belohnung ziehen lassen wollte, eintausend Golddukaten und wünschte ihr alles Glück und allen Segen für ihre weitere Existenz.
Als sie wie ein geschlagener Ritte die staubige Straße hinunter schlich, die vom Palast in die Stadt führte, weinte Zoza doch, und sie hielt den Sack mit dem Gold an ihre Brust gedrückt, als enthielte er Taddeo selbst. Weil all das Klagen nichts half, sie aber auch nicht zu ihrem Vater nach Hause zurückkehren wollte, kaufte sie sich ein kleines Haus nahe Taddeos nun leerem Grabmahl. Oft saß sie dort, betrachtete die Scherben des Kruges und den geöffneten Sarkophag, aus dem bald Klatschmohn und Fuchsschwanz wuchsen und in dem ein Rotkehlchen sein Nest versteckte. So herzzerreißend ihr Schmerz auch war, rückte er doch mit jedem Tag, den sie an diesem Ort saß und das blühende Leben um sich her betrachtete, in weitere Ferne, und schließlich war er nur mehr ein leichtes Stechen, wie von einem Dorn, den man durch viele Schichten Kleidung erspürt. So war es nicht verwunderlich, dass im Jahr darauf ihre Liebe von Neuem erwachte, als ein schöner junger Mann, mit dunklen Locken und noch dunkleren Augen, sie um die Ehre eines gemeinsamen Ausritts bat.
Während Taddeo im Palast mit seinem Jungen tobte und an jedem neuen Morgen voller Dankbarkeit das warme Leben in seinen Gliedern und den Wandel der Lebendigkeit in seinem Kopf genoss, heiratete Zoza ihren Verehrer und verlebte ein paar schöne Jahre mit ihm und ihrer kleinen Tochter. Die Traurigkeit verließ sie aber nicht. Sie war nur eine Weile gedämpft durch die neuen, stärkeren Gefühle, wie die Melodie der Nachtigall im Lärmen einer Abendgesellschaft versinkt, aber doch noch gehört werden kann, wenn einer allein durch den dunklen Garten geht. So ging es Zoza, und als die letzten Gäste, die großen Gefühle der neuen Liebe, Heirat und Geburt, sie verlassen hatten, hörte sie das Lied sehr laut und deutlich.
Eines Abends, ihre Tochter bereits sicher in tiefen Träumen versunken, gestand sie ihrem Gatten: „All die Jahre, all die Taten haben nicht an meiner Freudlosigkeit gerüttelt. Mein Herz ist wieder so kalt und taub wie in meiner Jugend. Ich kann über nichts lachen. Ich würde lieber weinen, aber auch meine Tränen sind vertrocknet. Ich könnte Taddeo nicht noch einmal von den Toten erwecken, wenn ich wollte, aber was zählt das schon, möchte ich doch lieber in seinem Sarkophag liegen. Er soll mich lebendig begraben, ich will eins sein mit der Erde. Mein Herz ist bleischwer und zieht mich in einen dunklen Brunnen hinab, und obwohl ich nicht sterben will, will ich doch auch nicht leben.“
Ihr Mann erschrak bei diesen Worten, aber zugleich bestätigten sie nur, was er in den letzten Monaten an Zoza beobachtet hatte. Er sagte: „Vielleicht war Taddeos Erlösung, vielleicht war ich“ - bei diesen Worten schluckte er - „vielleicht selbst unsere Tochter nicht das, was dir bestimmt ist, und du musst weitersuchen, um deine Schwermut endlich abzulegen. Hat man dir das nicht prophezeit? Ja, jetzt wo ich es ausspreche, bin ich mir sogar ganz sicher, dass dich noch etwas anderes Großes erwartet, dass Taddeos Erlösung eine Sackgasse, eine falsche Fährte war. Mein Herz, du musst finden, was dir bestimmt ist, dann wirst du ganz bestimmt wieder lachen können!“
Und obwohl es ihm das Herz brach, ließ er sich von ihr versprechen, dass sie am nächsten Morgen aufbrechen und nicht zurückkehren würde, bis sie ihre Bestimmung gefunden und ihre Lebensfreude zurückerlangt hatte. Als er so mit ihr sprach, kam Zoza sein Rat weise vor, und sie packte noch in der Nacht ihr Bündel zusammen. Am nächsten Morgen war ihr Herz aber so schwer und drückend, dass es sie mit dem Gesicht nach unten auf dem Bett festhielt, als hätte ihr jemand einen Sack voll Steine um den Hals gebunden. Als ihr Mann sie so sah, ließ er Taddeo benachrichtigen und dieser schickte, froh seiner Retterin ihren Dienst zurückzahlen zu können, eine Sänfte, in die man Zoza hob, geschwind zum Hafen trug und auf Taddeos bestes Schiff verlud, das sodann mit Kurs auf unerforschte Gewässer in See stach.

An den ersten drei Tagen war der Himmel klar, die Brise frisch und das Schiff, getauft auf den Namen Morgenschwalbe, glitt so rasch übers Meer, als könnte es tatsächlich fliegen. Nachts wiesen die Sterne hell wie Leuchtfeuer den Weg und die Milchstraße glänzte wie verschüttetes Sonnenlicht. Die Seeleute aßen Pökelfleisch, Brot und Sauerkraut, für Zoza aber gab es auf Taddeos Weisung feinere Speisen: Granatäpfel, Mandarinen und Pampelmusen, gekochte Eier, Käse, Speck und milchweiße Brötchen. Jeden Morgen und jeden Abend saß ein Matrose am Heck und ließ eine Angelleine ins Meer hinab, um Zozas Mahlzeiten mit frischem Fisch zu ergänzen. An den ersten drei Tagen blieb die Leine schlaff, denn Neptun hielt eine schützende Hand über seine Geschöpfe. Am vierten Tag aber zog man einen fetten Lachs aus dem Wasser, der wurde rasch ausgenommen und gebraten und Zoza vorgesetzt. Zoza aber blickte dem Fisch in die Augen, die blind und tot waren, und sie sagte: „Weh uns! Wir sind verloren!“
„Wieso das?“, fragte der Kapitän, der sie als schweigsamen Gast bei Tisch gewohnt gewesen war.
„Ich weiß es nicht. Ich spüre es eben“, erwiderte Zoza.
Wer Warnungen in den Wind schlägt, wird von eben diesem erfasst, und nicht nur Wind, sondern ein furchtbarer Sturm warf in der darauffolgenden Nacht die Morgenschwalbe zwischen Wellenbergen hin und her. Während die Matrosen an Deck gegen das Unwetter kämpften und manch guten Mann das Meer verschluckte, wurde Zoza in ihrer Kabine hin und her geworfen und die Furcht vertrieb zumindest eine Nacht lang ihre Schwermut.
„Ich will ankommen“, sagte sie. „Ich weiß nicht, wo oder wozu, aber ich will ankommen.“
Darauf beruhigte sich das Meer und ließ die restlichen Matrosen am Leben.

Nach dem Sturm kam die Morgenschwalbe in ruhige Gewässer. Das Wasser war still, wie aus Glas, nicht einmal am Bug bildeten sich Wellen. So spiegelglatt war das Meer, dass die Matrosen sich über die Reling gebeugt rasierten und der Kapitän sich ungläubig den kahlen Schädel kratzte. Fische sprangen aus dem Wasser und versanken, ohne es auch nur zu kräuseln. Die Sonne stand selbst zu Mittag tief und warf lange Schatten.
Wer kennt die Sternbilder dieser fremden Welt? Wer hat sie schon erblickt: Den von Horizont zu Horizont gestreckten, sich schüttelnden Wasserdrachen, den Großen Kessel, die kichernde Hexe, das Amulett, mit dem einzelnen, roten Stern in der Mitte? Der Kapitän sicherlich nicht und auch kein anderer Mann an Bord. Kurz und gut: Die Morgenschwalbe war verloren, ein zielloses Blatt auf einem Ozean, der sich bis in alle Ewigkeit strecken oder genauso gut gleich hinter dem Horizont auf Land treffen mochte.
„Mein Auftrag ist erfüllt, gute Dame“, sagte der Kapitän. „Wir sind in so unerforschten Gewässern, wie Fürst Taddeo es nur wünschen kann. Nun ist es an Euch, Euer wundersames Schicksal zu erfüllen.“
Weil alle Augen auf Zoza gerichtet waren, löste sie eine Schleife aus ihrem Haar und überließ sie den Winden, die sie erst hoch in die Luft hoben und dann hierhin und dorthin trugen, als stritten sie um das flatterhafte Geschenk. Schließlich gewann es eine Brise, nach einigem Ringen, für sich allein und trug das Band voran, langsam genug, damit das Schiff folgen konnte. Kaum eine Stunde später war Land in Sicht.

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Skatha
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BeitragVerfasst am: 13.03.2022 10:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Murnockerl,

dieses (Rahmen-)Märchen kannte ich noch nicht, danke für die Vorstellung. Eine interessante Idee, es anders fortzuführen und soweit ich das anhand der Zusammenfassung vergleichen kann, hast du eine völlig neue Richtung eingeschlagen.

Sprachlich schön geschrieben, du erfasst gut diese spezielle Tonalität eines Märchens bzw. des Settings. Auch einige der Metaphern finde ich äußerst gelungen u.a.
Zitat:
So herzzerreißend ihr Schmerz auch war, rückte er doch mit jedem Tag, den sie an diesem Ort saß und das blühende Leben um sich her betrachtete, in weitere Ferne, und schließlich war er nur mehr ein leichtes Stechen, wie von einem Dorn, den man durch viele Schichten Kleidung erspürt.


Eine schwere Entscheidung, die sie zum Ende hin fällt, die Familie zurückzulassen. Im Gegensatz zum ursprünglichen Märchen lässt du sie ihr Glück abseits der Liebe suchen, lässt sie ihren eigenen, unabhängigen Weg gehen. Schöne Idee, und wohl auch etwas moderner. Ich würde gern eine Fortsetzung davon lesen, wie es ihr erging in den neuen Gefilden, ob sie ihre Erfüllung gefunden und ob sie ihre Tochter bzw. ihre kleine Familie letztlich noch zu sich geholt hat. So hinterlässt das Ende bei mir fast ein Quäntchen Wehmut.

Habe es (nichtsdestotrotz) gern gelesen.
LG Skatha


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Das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant. (M. Feldenkrais)
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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 13.03.2022 10:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, Skatha!

Danke fürs Lesen smile Ich hab versucht, Basiles Stil zu imitieren, aber nicht ganz so krass aufzutragen bei Metaphern und Co, da er da wahnsinnig ausschweifend ist.

Es gibt tatsächlich eine Fortsetzung - der derzeitige Text ist ca ein Drittel des Ganzen. Ich habe mich nicht getraut, alles auf einmal einzustellen, reiche aber gerne später noch nach.

GLG
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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 21.05.2022 16:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich weiß nicht, ob überhaupt jemand so viel liest, aber da ich mich gerade wieder an den Text erinnert habe und sonst keine Pläne mehr mit ihm habe, stelle ich mal Teil 2 ein. Den letzten (etwas kürzeren) Teil dann eventuell später.

Die Insel, an deren Küste die Morgenschwalbe ankerte, war von langen Stränden umgeben. Ihr Sand war schwarz wie Kohle, dunkel wie Ebenholz, lichtlos wie eine Neumondnacht. Kein Hafen war zu sehen und auch keine Straßen; allerdings eine Feste aus grob behauenem Stein, die sich landeinwärts, gerade noch mit freiem Auge zu erkennen, auf einem Hügel erhob. Der Kapitän hatte darauf bestanden, dass Zoza mit ihm in eines der Ruderboote stieg, die man ausschickte, um das fremde Land zu erkunden. Nun rutschte und stolperte sie durch den weichen Sand. Hinter dem Strand erstreckte sich ödes Grasland; nur hier und da ragte ein verkümmertes Bäumchen zwischen den Dünen auf und streckte ein paar Büschel Blätter der Sonne entgegen, die wie immer den Eindruck machte, gleich hinter dem Horizont zu verschwinden. Es gab keine Felder oder Hütten, keine Dörfer und Gärten, kein Zeichen, dass irgendjemand oder etwas hier lebte, das größer war als die Vögel, die am Himmel kreisten. Von denen aber gab es viele; Zoza sah alle Arten von Möwen und Seeschwalben, außerdem Albatrosse, Papageientaucher und Kormorane. Als sie weiter landeinwärts kamen, waren da auch Krähen und Dohlen, Meisen, Sperlinge, Rotkehlchen, Braunellen und viele mehr, die sie nicht kannte. In den verkrüppelten Ästen eines Baumes sang eine Nachtigall.
Die Zahl der Vögel wurde immer größer, je weiter sie sich der Festung näherten. An den grob behauenen Wänden klebten Dutzende von Schwalbennestern und der löchrige Dachstuhl schwirrte geradezu vor Leben. Aus dem Tor aber schritt ein alter Mann. Sein grauer Mantel war mottenzerfressen, sein Haar lang und zerzaust und um die Stirn trug er einen hölzernen Reif, der aussah, als wäre er lange zwischen dem Strandgut unter der Sonne gebleicht und erst dann aufgelesen und zur Krone geschnitzt worden.
Er hieß die Eindringlinge mit ausgebreiteten Armen willkommen und sprach: „Ich bin Fürst Arzano! Speist mit mir und verbringt die Nacht in meinen Gemächern!“
Das Mahl, das er ihnen bereitete, bestand aber aus nichts als gekochten Blättern und Wurzeln, und die Zimmer der Feste waren zugig, leer und verstaubt. Die ganze Zeit lang war außer dem Fürsten keine Menschenseele zu sehen.
Nach dem Essen sagte der Kapitän: „Mein Fürst, wenn Ihr die Frage erlaubt, wo sind Eure Diener und Eure Soldaten? Wo ist das Volk, über das Ihr herrscht?“
„Sie sind Vögel!“, erklärte Fürst Arzano und kicherte.
Da wurde der Kapitän bleich und rief: „Wie furchtbar! Aber wie wurden sie alle zu Vögeln?“
„Ihre Seelen wurden in Eier gebannt. Dann sind sie herangewachsen und geschlüpft.“
Der Kapitän, ganz verstört von dem Gehörten, nahm Zoza zur Seite und sagte: „Das ist sicherlich Eure Aufgabe! Ihr müsst diese Vögel in Untertanen zurückverwandeln!“
Zoza hatte die ganze Zeit auf der Seite gesessen und stumm und ohne Murren ihren Eintopf gelöffelt. Nun runzelte sie die Stirn und erwiderte: „Ich weiß nicht, ob ich das kann.“
„Papperlapapp! Bleibt nur eine Weile auf der Insel und Euch wird sich gewiss ein Weg auftun!“
Weil aber nicht ausgeschlossen war, dass der Fluch, der Menschen in Eier bannte, nicht immer noch über der Insel lag, zogen sich der Kapitän und seine Männer auf das Schiff zurück, um dort auf Zoza zu warten. Die schwermütige Retterin dagegen verbrachte eine sehr unbequeme Nacht auf dem Boden der zugigen Festung und hörte die Vögel im Dachstuhl rascheln.
Am nächsten Morgen fand sie Fürst Arzano auf der Wiese vor seinem Schloss. Möwen und Krähen saßen auf seinem Kopf, seinen Schultern und seinen Knien. Als sie sich näherte, stoben die Gefiederten in einem schwarz-weißen Wirbel davon. Der Fürst hörte sie kommen und sprach: „Du bist auf der Suche nach etwas, nicht wahr? Niemand kommt zu diesen Inseln, der nicht auf der Suche ist.“
„Das stimmt“, antwortete Zoza. „Aber eigentlich wurde ich auf die Suche geschickt.“
„Sieh her!“ Der Alte öffnete seine linke Hand und Zoza sah drei Perlen, weiß wie reines Mondlicht, darin glänzen. „Vor vielen hundert Jahren, lange bevor ich selbst herkam, flog die Königin der Feen übers Meer. Dort geriet sie an ihre Feindin, die Hexe der Winde. Die Hexe zog und zerrte Feenkönigin in die Tiefe, aber sie konnte sich befreien. Nur ihre Halskette wurde zerrissen. Wo die Perlen der Kette aufs Wasser trafen, hob sich der Meeresgrund, damit sie nicht verloren gingen. Drei Inseln, dreimal drei Perlen. Du findest den Rest, wenn du nach Süden segelst.“ Der Alte hatte sich so in Begeisterung geredet, dass seine Augen funkelten. „Man sagt, wer die Kette zusammenfügt und trägt, kann Recht von Unrecht, Trug von Wahrheit und Menschen, die aufrichtig sind, von schlechten unterscheiden!“
Voll Begeisterung hielt er ihr die Perlen entgegen.
Zoza streckte zögerlich die Hand danach aus, betrachtete die drei glänzenden weißen Juwelen und flüsterte: „Mein Fürst, wie kann ich Euch dafür danken? Ich würde liebend gerne drei Wannen mit meinen Tränen füllen, aber ich wüsste nicht, wie ich Euch damit helfen kann.“
„Ei!“, kicherte der Fürst. „Das ist aber eine merkwürdige Idee!“
Einige Zeit saßen sie schweigend und nach und nach ließen sich die Vögel, von Zozas Anwesenheit aufgeschreckt, wieder um sie her im Gras nieder. Der Alte rief sie mit Namen, kraulte ihre Köpfchen und ließ sie an seinen Kleidern und Haaren picken.
„Fürst Arzano“, sagte Zoza nach einer Weile, „darf ich Euch etwas fragen? Waren diese Vögel jemals Menschen?“
Da kicherte der Fürst wieder und rief: „Vögel, die Menschen sind? Wannen voller Tränen? Du hast aber wohl eine blühende Fantasie!“
Zoza lächelte und nickte, und bald sagte sie dem Fürst noch einmal, wie dankbar sie für alles sei, aber dass sie nun weiter müsse. Am Schiff empfingen sie die Männer mit neugierigen Blicken.
„Was ist geschehen? Hast du deinen Auftrag erfüllt?“, fragte sogleich der Kapitän.
„Die Vögel sind Untertanen“, antwortete Zoza, „und gen Mittag liegen zwei Inseln, auf denen ich den Rest meines Schicksals erfüllen werde.“

Auf der zweiten Insel empfing sie ein Festzug. Wo sie beim ersten Mal nur vor leeren Stränden hatten ankern können, war nun schon von Weitem ein Hafen zu sehen, mit prächtigen Schiffen, und dahinter eine Stadt, mit prächtigen Häusern, deren Dächer im Sonnenlicht rot, golden und dunkelblau glänzten. Am Pier bewegten sich winzige, farbenfrohe Punkte, die sich beim Näherkommen als Menschen entpuppten, alle in fürstlichen Gewändern und viele mit Blumen im Haar. Als die Morgenschwalbe in den Hafen einlief, winkten sie und lachten. Ein Mädchen warf Blüten und sie sanken nicht etwa und fielen ins Meer, sondern hingen in der Luft wie an unsichtbaren Ranken und wehten der Mannschaft um die Ohren, als sie umherliefen, um das Schiff zum Anlegen bereitzumachen.
„Die hier scheinen mir wie vernünftige und freundliche Leute“, sagte der Kapitän, als er mit Zoza über die Planke schritt. Laut rief er: „Seid gegrüßt, ihr guten Menschen! Im Namen von Fürst Taddeo und der Herrin Zoza bitte ich um eure Gastfreundschaft!“
Kaum hatte er aber die Worte gesprochen, herrschte Totenstille. Wo zuvor unbeschwerte Unterhaltungen, Lachen und Lärmen die Luft erfüllt hatte, erklang nun, erst vereinzelt, dann immer mehr, das Klirren von Metall. Unter den bunten Gewändern hervor wurden Schwerter gezogen, Messer und Dolche. An Ständen, wo eben noch Kindern gebrannte Mandeln, Früchte und Zuckergebäck gereicht worden war, standen die Marktfrauen nun mit der Armbrust im Anschlag. Was blieb der Mannschaft da übrig, als die eigenen Waffen fallen zu lassen und sich zu ergeben? Zwar waren die Männer allesamt tapfer, aber lebensmüde waren sie nicht. Einer nach dem anderen wurden ihnen von den seltsamen Leuten die Hände gebunden und sie wurden weggeführt; nur Zoza ließ man in Ruhe. Sie fand sich verwirrt und allein in einer Menschenmenge, die nach und nach zu den vorhergegangenen ausgelassenen Feierlichkeiten zurückkehrte und ihr keinerlei Beachtung schenkte. Ein paar Mal versuchte sie, Leute anzusprechen, die ihr schienen, als wären sie friedfertig und nicht so leicht zu reizen:
„Entschuldigen Sie, mein Herr, wo bin ich hier?“
„Auf der Insel der Freien.“
„Bitte, wohin hat man meine Gefährten gebracht?“
„Ins Gefängnis.“
„Und warum?“
„Sie haben gegen das Gesetz verstoßen.“
Obwohl die Leute höflich waren, schien keiner gewillt, längere Zeit mit ihr zu sprechen oder ihr genauere Antwort zu geben. Also drängte Zoza in die Richtung, in der man die Mannschaft weggebracht hatte. Bald kam sie in weniger dicht bevölkerte Straßen, wo die Häuser hoch aufragten und das schräg einfallende Sonnenlicht aussperrten. Die Leute hier schienen entweder auf dem Weg zum sonnigen Pier oder waren in Arbeiten vertieft. Von der Straßenkehrerin über den Wasserverkäufer bis hin zum Dachdecker, der sich hoch über Zozas Kopf an einem alten Dachstuhl zu schaffen machte, waren aber ausnahmslos alle gekleidet wie Edelleute. Zoza musste ein paar Mal nach dem Gefängnis fragen, aber schließlich stand sie vor einem Gebäude, das wie eine Feste aufragte und dessen vergitterte Fenster keinen Zweifel an seiner Verwendung ließen. Vor dem Tor stand eine Frau, mit Helm, Schild und Speer wie eine Soldatin aufgemacht, obwohl sie zugleich ein leuchtend grünes Kleid und eine Kette von geschliffenen Rubinen trug.
„Fremden ist der Zutritt verwehrt!“, rief sie und baute sich breitbeinig vor Zoza auf. „Du magst gehen, wohin du willst, nur das Gefängnis ist dir verboten!“
Obwohl die Frau mit fester Stimme sprach und ein finsteres Gesicht dazu machte, funkelten ihre Augen vor Neugier und die Fältchen um Mund und Augen zeigten, dass sie zu anderen Gelegenheiten gerne lachte.
„Ich gehe nicht hinein“, versprach Zoza. „Aber ich würde zu gerne deinen Namen wissen und ein Weilchen mit dir plaudern.“
„Mein Name ist Nella und du kannst mit mir sprechen, solange mir der Sinn danach steht“, erwiderte die andere würdevoll.
„Ich bin sehr traurig, dass man mich von meinen Gefährten getrennt hat. Würdest du mir sagen, Nella, warum sie dieses Gefängnis betreten dürfen und ich darf es nicht?“
„Oh, das ist einfach!“, lachte Nella. „Sie haben in der schlimmsten Weise gegen das Gesetz verstoßen, in der einzigen Weise, die wir hier auf der Insel der Freien bestrafen: Sie haben Befehle befolgt. Und nicht nur einmal! Der wiederholte Frevel, ein Leben lang, ist ihnen unverkennar in Gesicht, Gestik und Haltung geschrieben. Du dagegen bist unschuldig.“
„Wo ich herkomme ist es nicht verboten, Befehlen zu folgen.“
Zoza setzte sich auf die Stufen vor dem Tor und nach kurzem Zaudern ließ sich auch die Soldatin nieder. Eine Weile saßen sie neben einander und beobachteten, wie ein alter Mann einen Karren voll Äpfel über die Straße zog.
„Folgst du keinem Befehl, wenn du das Gefängnis bewachst?“, wollte Zoza schließlich wissen.
„Ich handle aus Überzeugung! Würde ich das Gesetz nicht richtig finden, könnte ich auch etwas anderes tun. Oder gar nichts.“
Darauf wusste Zoza nichts zu erwidern, also schwiegen sie eine Weile, und schließlich fiel ihr ein, dass sie Nella auch nach den Perlen fragen konnte.
„Oh, die!“, gab sich die Soldatin verächtlich. „Die wurden eine Weile herumgereicht. Am Ende besaß sie eine Frau aus meinem Viertel. Sie trug sie an einer Kordel um den Hals, aber sie konnte deshalb nicht besser Recht von Unrecht unterscheiden als jeder andere auch. Deshalb hat sie sie zum Schluss ins Meer geworfen.“
„Damit sie wirken, muss man die Perlen zusammenfügen. Schau her, ich habe schon die drei von der Vogel-Insel!“
Nella beäugte die Perlen in Zozas Hand und schließlich sagte sie: „Vielleicht hast du Recht. Ich zeige dir, wo sie die Kordel ins Meer geworfen hat. Vielleicht haben die Wellen sie ja wieder an den Strand gespült.“
Zoza musste warten, bis die Soldatin von ihrer Wache abgelöst wurde, und so schlenderte sie an der Mauer des Gefängnisses auf und ab und versuchte, in die vergitterten Fenster zu spähen. Drinnen sah sie nur Dunkelheit.
Schließlich kam ein anderer Freiwilliger, um aus Überzeugung vor dem Gefängnistor zu stehen, und Nella legte Waffen und Helm ab und wurde zu einer gewöhnlichen Frau in einem hübschen Kleid, wie Zoza es vom Umgang bei Hofe gewöhnt war. Sie führte Zoza weg von den breiten Straßen und geschäftigen Plätzen, bis sie die Stadt ganz hinter sich gelassen hatten, durch ein Wäldchen und über Wiesen, bis sie einen Strand erreichten, der so weiß war wie Milch und so glatt wie Seide.
„Hier müssen wir suchen!“, bestimmte Nella und die Frauen machten sich daran, jede Handbreit Sand zu begutachten und sogar ins Wasser zu waten, das zum Glück klar wie Glas war und glatt wie ein Spiegel. Zoza war die Erste, die eine Perle entdeckte – daumennagelgroß und so schwarz, dass sie alles Licht schluckte und aussah wie ein Guckloch in tiefste Nacht. Kurz darauf fand auch Nella eine. Während sie nach der letzten Perle spähten, sagte Zoza: „Ich bin die Tochter eines Königs. Ich wurde dazu geboren, Befehle zu geben. Was wäre, wenn ich dir etwas befehle?“
„Ganz einfach!“, lachte Nella. „Ich würde nicht folgen!“
„Dann befehle ich dir, meine Gefährten bei deinem nächsten Wachdienst nicht freizulassen! Du sollst allen davon erzählen, über was wir gesprochen haben, und du sollst dafür sorgen, dass sie für immer und ewig in dem schrecklichen Gefängnis eingesperrt bleiben!“, rief Zoza und Nellas Augen weiteten sich vor Schreck.
„Dass ich deinen Befehlen nicht folge, heißt nicht, ich muss das genaue Gegenteil tun!“, schnappte sie. Aber ihre Hand zitterte, als sie etwas aus dem Sand aufhob und Zoza vor die Füße warf.
„Die letzte Perle! Nimm sie und segle dorthin zurück, wo du Befehle geben kannst!“
An diesem Abend kehrte Zoza alleine auf das Schiff zurück.
Wie leer waren das Deck und die Kajüte! Wie unheimlich jedes Ächzen und Knarren des Schiffes, bei dem sie fürchten musste, dass das Schiff mannschaftslos davontreiben oder auf Grund laufen oder auseinanderbrechen könnte! Und wie fad das Nachtmahl aus Pökelfleisch und rohem Sauerkraut, das Zoza sich selbst aus der Speisekammer zusammensuchte!
Sie verbrachte eine unruhige Nacht und einen sorgenvollen Tag an Bord, ehe im Schutz der Dunkelheit des nächsten Abends die Mannschaft einer nach dem anderen zurückgeschlichen kam.
„Wie seltsam!“, sagte der Kapitän und berichtete: „Nachdem wir die Gefangenschaft zwei Tage lang tapfer ertragen hatten, stand auf einmal ein Weib in Waffen in der Tür, bleich wie ein Geist und mit dunklen Ringen unter den Augen. Sie fuhr uns an wie eine Furie: ‚Raus aus der Zelle! Schert euch weg und kommt nicht wieder!‘ Was für furchtbare Leute das sind! Erst sperren sie uns ein und dann machen sie uns dafür auch noch Schuldgefühle!“
Es war ein Glück, dass Zoza die Perlen schon gefunden hatte, denn ohne weiter zu fragen, ließ er die Segel setzen und die Morgenschwalbe Hals über Kopf aus dem Hafen manövrieren.

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Wohlstandskrankheit
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Beiträge: 914
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BeitragVerfasst am: 21.05.2022 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Da wurde der Kapitän bleich und rief: „Wie furchtbar! Aber wie wurden sie alle zu Vögeln?“
[...]
Der Kapitän, ganz verstört von dem Gehörten, nahm Zoza zur Seite und sagte: „Das ist sicherlich Eure Aufgabe! Ihr müsst diese Vögel in Untertanen zurückverwandeln!“
Zoza hatte die ganze Zeit auf der Seite gesessen und stumm und ohne Murren ihren Eintopf gelöffelt. Nun runzelte sie die Stirn und erwiderte: „Ich weiß nicht, ob ich das kann.“

Das kann weg und stört. Ist mir nur so aufgefallen.
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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 22.05.2022 11:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das stimmt, danke dir!
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fabian
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BeitragVerfasst am: 22.05.2022 15:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Inquit-Formel hier nicht als störend empfunden (falsch ist sie in keinem Fall). Vielmehr passt sie für mein Gefühl sehr gut zum Sprachgestus einer Märchenerzählung.
Ihr Wegfall verändert diesen Gestus: was vorher (zusammen mit der "und"-Verknüpfung) gut zur Linearität des Handlungsablaufs passt, klingt für mich ohne Inquit disruptiver, erratischer ("moderner").

Ich will da jetzt nicht überfrachtend Bedeutung reinlegen, aber im klassischen Märchen wird ein Weg gegangen, eins ergibt sich aus dem anderen, die Perlen werden gefunden.

Dem darf die Sprache durchaus auch Tribut zollen.

Wann gibt es den dritten Teil?


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Ich brauch mal wieder einen neuen Avatar. Irgendwer irgendwelche Vorschläge?
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Skatha
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BeitragVerfasst am: 22.05.2022 17:55    Titel: Antworten mit Zitat

Auch der zweite Teil hat mir wieder gut gefallen. Die märchenhafte, bildliche Sprache finde ich gelungen, da harmoniert alles.

Eine Kleinigkeit:
wie ein Guckloch in tiefste Nacht
Hier würde ich 'in die tiefste Nacht' schreiben.

Interessante Idee mit den Perlen.
Ob es ein Wiedersehen mit ihrer Tochter gibt, ist nach wie vor offen. Bin gespannt auf den letzten Teil.

LG Skatha


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Das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant. (M. Feldenkrais)
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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 23.05.2022 07:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich habe die Inquit-Formel hier nicht als störend empfunden (falsch ist sie in keinem Fall). Vielmehr passt sie für mein Gefühl sehr gut zum Sprachgestus einer Märchenerzählung.
Ihr Wegfall verändert diesen Gestus: was vorher (zusammen mit der "und"-Verknüpfung) gut zur Linearität des Handlungsablaufs passt, klingt für mich ohne Inquit disruptiver, erratischer ("moderner").

Ich will da jetzt nicht überfrachtend Bedeutung reinlegen, aber im klassischen Märchen wird ein Weg gegangen, eins ergibt sich aus dem anderen, die Perlen werden gefunden.

Dem darf die Sprache durchaus auch Tribut zollen.


Stimmt auch wieder. Ich muss es mir vielleicht laut vorlesen und dann entscheiden. Grundsätzlich würde ich sagen, dass ich hier einen etwas umständlicheren Sprachstil benutzt habe als sonst, eben weil es auch an den Stil des Originals (oder der Übersetzung des Originals) angelehnt ist.

Zitat:
Auch der zweite Teil hat mir wieder gut gefallen. Die märchenhafte, bildliche Sprache finde ich gelungen, da harmoniert alles.

Eine Kleinigkeit:
wie ein Guckloch in tiefste Nacht
Hier würde ich 'in die tiefste Nacht' schreiben.

Interessante Idee mit den Perlen.
Ob es ein Wiedersehen mit ihrer Tochter gibt, ist nach wie vor offen. Bin gespannt auf den letzten Teil.


Danke dir smile
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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 23.05.2022 07:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die dritte Insel war ein Ödland. Schon von Weitem war zu erkennen, dass es hier keine Bevölkerung gab, die verzaubert oder feindselig war; kein Baum reckte sich über die kahlen, flachen Felsen, kein Vogel landete hier, um zu rasten. Selbst die Schwärme silberner Fische und die Delfinschulen, die dann und wann das Schiff begleiteten, waren verschwunden.
„Seid Ihr sicher, dass das die Insel ist?“, fragte der Kapitän einige Male und kratzte sich jedes Mal am Kopf. Zoza aber spürte, dass auf dem gottverlassenen Fleckchen Land etwas auf sie wartete.
Je mehr sich die Morgenschwalbe der Insel näherte, desto schwerer kam sie voran. Das Wasser war wie dickes Öl, dann wie Moorschlick, dann wie Gelee.
„Wir kommen beim besten Willen nicht weiter“, erklärte der Kapitän. „Wenn Ihr zur Insel wollt, dann müsst Ihr laufen.“
Da kletterte Zoza an einer Strickleiter den Bug hinab. Das Meer unter ihren Füßen war weich und klebrig. Sie versank bis zu den Knöcheln und wenn sie einen Fuß herauszog, hinterließ ihr Schuh einen dunkelblauen Abdruck auf der silbrigen Oberfläche. Erst war es schwierig, darauf zu gehen, und ein paar Mal wäre sie fast gefallen. Aber je weiter sie kam, desto fester wurde das Wasser, und am Ende war sie sich nicht ganz sicher, wo das Meer aufhörte und der Felsen begannen.
Die Insel war so klein, dass sie von einem Ende zum anderen sehen konnte. Sie sah auch den Schrein, der sich genau in der Mitte erhob. Und sie sah den Schatten. Wie er mit eingezogenen Schultern auf der anderen Seite der Insel stand, wirkte er klein, bemitleidenswert. Etwas, das sie vielleicht ignorieren konnte. Als sie aber einen Schritt auf den Schrein zu machte, ging auch er, und sie packte ein Grauen, das schwer zu fassen, aber umso fürchterlicher war. Immer, wenn Zoza stehenblieb, hielt auch der Schatten, und bald wollte sie gar nicht mehr weitergehen, weil sie doch unvermeidlich mit ihm zusammenstoßen musste. Wenn sie aber umkehren wollte, kam ihr jedes Mal der Gedanke an ihren Mann, wie erschrocken er sie an jenem Abend vor langer Zeit angesehen, wieviel Hoffnung er in ihre Reise gesetzt hatte. Dann sagte sie laut: „Ich muss wieder fröhlich sein! Ich muss mein Schicksal erfüllen!“
So machte sie Schritt für Schritt und der Schatten kam ihr näher wie ein schreckliches Spiegelbild. Hatte Zoza gehofft, dass sie den Schrein doch ein paar Schritte vor ihrem Widersacher erreichen konnte, sah sie bald, dass frommes Wünschen fruchtlos war. Der Schrein war eine Platte aus gehauenem Stein. In der Mitte, in einer Vertiefung, die genauso gut Wind und Wasser wie Menschenhand geschaffen haben mochten, lagen drei Perlen in der Farbe von dunklem Blut. Zoza blickte zu dem Schatten auf, der sie ansah, falls er Augen hatte, um zu sehen. Sie streckte die Hand aus, aber er tat es ihr gleich, und so zog sie ihre ängstlich zurück. Der Schatten wartete.
Sie fragte: „Wirst du mir wehtun?“ Der Schatten schwieg, also schloss Zoza die Augen und griff nach den Perlen.
Er tat ihr weh.
Sie sah nicht, wie ihre Hände sich berührten, aber fühlte es wie einen Stich. Seine Hand war kalt und brannte zugleich – wie eine eisige Winternacht sich durch Finger und Zehen brennt. Zoza biss die Zähne zusammen und tastete nach den Perlen, während die Kälte ihren Arm hinauf stieg, ihre Lungen füllte, ihr Herz umschloss und in ihren Schädel kroch. Sie wusste, der Schatten hatte lange gewartet. Sie wusste, er hatte die langen Sonnuntergangstage dieser Welt und die sterndurchlöcherten Nächte am Wasser verbracht, hatte in das Meer geschaut, das er nicht betreten konnte, hatte nach ihr ausgeschaut. Nach ihr? Nach irgendjemand. Nach einem Menschen, der kam und tat, was so lange niemand getan hatte. Sie kam sich dumm vor, bereute, dass sie nach den Perlen suchte. Die Perlen waren das nicht wert. Je mehr der Schmerz wuchs, desto weniger dachte sie an ihre Entscheidungen, dachte nur mehr an zu Hause, ihren Mann, ihre Tochter. Die Welt wurde zu einem Punkt und der Punkt immer kleiner, entzog sich ihrem Griff, und sie konnte ihm vor Schmerzen nicht folgen. Sie ließ sich fallen, ließ sich eine Weile von dem Schatten tragen, sah, was er sah, eine wirre, sich wandelnde Welt, in der neue Dinge alten Wegen folgten, in der vieles Sinn ergab, aber sie nur wütend machte oder bitter, in der Leben ein Flackern war und Berge ein zerbrechliches Gut. Dann, plötzlich, verließ der Schatten sie. Sie taumelte wie aus großer Höhe in den Körper hinab, der plötzlich wieder ihrer war, war wieder Zoza, wieder ganz. Der Schmerz floss aus ihren Gliedern wie aus einem löchrigen Eimer, ihre Lungen stachen und ihr Herz pochte. Sie kniete auf den Felsen, die Hand um die drei Perlen, ihre Belohnung, zur Faust geballt.

Ihr Mann stand am Fenster, wie an den dreißig Abenden zuvor, und schaute nach ihr aus. Als er Zoza durchs Tor treten sah, in ihren Umhang gewickelt, als ob sie fröre, das Gesicht müde und eingesunken, kurz am Brunnen verharrend, ungläubig, als sei sie gar nicht wirklich angekommen, rannte er hinaus und schloss sie in die Arme.
„Mein Herz, mein Vögelchen, meine Zoza, hast du es geschafft?! Bist du wieder fröhlich?“
„Ich bin nicht fröhlich“, sagte sie, „aber ich habe die Perlenkette, die einen Recht von Unrecht, Trug von Wahrheit und aufrechte Menschen von schlechten unterscheiden lässt. Auch das ist etwas.“ Und er führte sie hinein, nahm ihr den Umhang ab, bereitete ihr Essen und Trinken und hörte zu, während sie von allem berichtete.
Als Zoza geendet hatte, sagte sie: „Ich will sehen, was die Kette kann.“
Sie legte die Perlen um und betrachtete ihn lange. Dann gab sie die Kette ihm und er betrachtete sie. Sie lächelten.
„Ich wollte sie unserer Tochter schenken“, sagte Zoza. „Was denkst du?“
„Vielleicht eines Tages. Vielleicht auch nicht.“
„Vielleicht nicht“, stimmte sie zu.

Der Abend war mild, die Luft warm und durchströmt vom Duft der blühenden Orangenbäume. Jeder Raum, jede Nische hieß sie willkommen, atmete Vertrautheit und Erinnerung. Ihr kleines Mädchen – fest in seine Decke eingerollt, das Gesicht unter dunklem Haar verborgen, nichts ahnend von der morgigen Überraschung – drehte sich hin und her und murmelte im Schlaf. Alles war friedlich. Alles war gut.

Wurde Zoza wieder froh? Ich möchte es glauben, aber glauben heißt nicht wissen und Wissen selbst ist häufig Selbstbetrug. Natürlich könnte ich sie fragen, wenn ich das nächste Mal bei ihr bin, wenn sie den Kindern und mir Zitronenkekse und Tee serviert, stundenlang dieselben alten Geschichten wiederholt und über ihre Rückenschmerzen klagt. Ich denke aber, sie ist in dieser Sache nicht ehrlich mit mir.
Also ende ich mit ihren Worten und ihr mögt denken, was ihr wollt: „Ich war froh, meine Liebste, wieder zu Hause zu sein. Und überglücklich, dich zu haben ...“

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Elisa
Eselsohr


Beiträge: 227



BeitragVerfasst am: 23.05.2022 08:38    Titel: Antworten mit Zitat

Murnockerl hat Folgendes geschrieben:
Die dritte Insel war ein Ödland. Schon von Weitem war zu erkennen, dass es hier keine Bevölkerung gab, die verzaubert oder feindselig war; kein Baum reckte sich über die kahlen, flachen Felsen, kein Vogel landete hier, um zu rasten. Selbst die Schwärme silberner Fische und die Delfinschulen, die dann und wann das Schiff begleiteten, waren verschwunden.
„Seid Ihr sicher, dass das die Insel ist?“, fragte der Kapitän einige Male und kratzte sich jedes Mal am Kopf. Zoza aber spürte, dass auf dem gottverlassenen Fleckchen Land etwas auf sie wartete.
Je mehr sich die Morgenschwalbe der Insel näherte, desto schwerer kam sie voran. Das Wasser war wie dickes Öl, dann wie Moorschlick, dann wie Gelee. (wie unterscheidet sich Moorschlick von Gelee?)
„Wir kommen beim besten Willen nicht weiter“, erklärte (sagte / er erklärt nichts) der Kapitän. „Wenn Ihr zur Insel wollt, dann müsst Ihr laufen.“
Da kletterte Zoza an einer Strickleiter den Bug hinab. Das Meer unter ihren Füßen war weich und klebrig. Sie versank bis zu den Knöcheln und wenn sie einen Fuß herauszog, hinterließ ihr Schuh einen dunkelblauen Abdruck auf der silbrigen Oberfläche. Erst war es schwierig, darauf zu gehen, und ein paar Mal wäre sie fast gefallen. Aber je weiter sie kam, desto fester wurde das Wasser, und am Ende war sie sich nicht ganz sicher, wo das Meer aufhörte und der Felsen begannen.
Die Insel war so klein, dass sie von einem Ende zum anderen sehen konnte. Sie sah auch den Schrein, der sich genau in der Mitte erhob. Und sie sah den Schatten. Wie er mit eingezogenen Schultern auf der anderen Seite der Insel stand, wirkte er klein, (und) bemitleidenswert. Etwas, das sie vielleicht ignorieren konnte. Als sie aber einen Schritt auf den Schrein zu machte, ging auch er, und sie packte ein Grauen, das schwer zu fassen, aber umso fürchterlicher war. Immer, wenn Zoza stehenblieb, hielt auch der Schatten, und bald wollte sie gar nicht mehr weitergehen, weil sie doch unvermeidlich mit ihm zusammenstoßen musste. Wenn sie aber umkehren wollte, kam ihr jedes Mal der Gedanke an ihren Mann, wie erschrocken er sie an jenem Abend vor langer Zeit angesehen, wieviel Hoffnung er in ihre Reise gesetzt hatte. Dann sagte sie laut: „Ich muss wieder fröhlich sein! Ich muss mein Schicksal erfüllen!“
So machte sie Schritt für Schritt und der Schatten kam ihr näher wie ein schreckliches Spiegelbild. Hatte Zoza gehofft, dass sie den Schrein doch ein paar Schritte vor ihrem Widersacher erreichen konnte, sah sie bald, dass frommes Wünschen fruchtlos war. Der Schrein war eine Platte aus gehauenem Stein. In der Mitte, in einer Vertiefung, die genauso gut Wind und Wasser wie Menschenhand geschaffen haben mochten, lagen drei Perlen in der Farbe von dunklem Blut. Zoza blickte zu dem Schatten auf, der sie ansah, falls er Augen hatte, um zu sehen. Sie streckte die Hand aus, aber er tat es ihr gleich, und so zog sie ihre ängstlich zurück. Der Schatten wartete.
Sie fragte: „Wirst du mir wehtun?“ Der Schatten schwieg, also schloss Zoza die Augen und griff nach den Perlen.
Er tat ihr weh.
Sie sah nicht, wie ihre Hände sich berührten, aber fühlte es wie einen Stich. Seine Hand war kalt und brannte zugleich – wie eine eisige Winternacht sich durch Finger und Zehen brennt. Zoza biss die Zähne zusammen und tastete nach den Perlen, während die Kälte ihren Arm hinauf stieg, ihre Lungen füllte, ihr Herz umschloss und in ihren Schädel kroch. Sie wusste, der Schatten hatte lange gewartet.

Sehr gern gelesen.
Flüssig und gefühlvoll geschrieben.
Liebe Grüße
Elisa
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Skatha
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BeitragVerfasst am: 25.05.2022 14:07    Titel: Antworten mit Zitat

Nun hat sie eine weite Reise unternommen, um zu finden und zu erkennen, was sie braucht zum Glücklich sein. Am Ende ist es Familie, ist es (aufrichtige) Liebe? Wenn dem so ist, dann ist es schön, und dennoch hätte ich mir mehr für Zoza gewünscht. Denn ebenso war es die Liebe, die sie eingangs in ihr Unglück stürzte.
Andererseits bleibt offen, ob sie glücklich wurde, ob sie einander wirklich lieben. So genau verrät es die Szene nicht. Zum Ende hin stellt der Text gar offenherzig diese Frage. Ich bin nicht sicher, wer erzählt hier am Ende?

Letztlich bleibt das Quäntchen Wehmut.
Die märchenhafte Atmosphäre und der Stil haben mir auf alle Fälle sehr gut gefallen.
Gerne gelesen.

LG Skatha


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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 25.05.2022 15:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Elisa hat Folgendes geschrieben:
(wie unterscheidet sich Moorschlick von Gelee?)


In meinem Verständnis ist Gelee fest (wie Wackelpudding) und Schlick viskös, aber doch fließend.

Elisa hat Folgendes geschrieben:
Sehr gern gelesen.


Danke dir smile Und danke für die Anmerkungen, die ich einarbeiten werde.

Skatha hat Folgendes geschrieben:
Nun hat sie eine weite Reise unternommen, um zu finden und zu erkennen, was sie braucht zum Glücklich sein. Am Ende ist es Familie, ist es (aufrichtige) Liebe? Wenn dem so ist, dann ist es schön, und dennoch hätte ich mir mehr für Zoza gewünscht. Denn ebenso war es die Liebe, die sie eingangs in ihr Unglück stürzte.
Andererseits bleibt offen, ob sie glücklich wurde, ob sie einander wirklich lieben. So genau verrät es die Szene nicht. Zum Ende hin stellt der Text gar offenherzig diese Frage. Ich bin nicht sicher, wer erzählt hier am Ende?


Ich glaube, ich habe nicht ganz richtig rübergebracht, was ich rüberbringen wollte. Für mich kämpft Zoza in dem Märchen (wenn das auch nicht die Absicht des Verfassers gewesen sein mag) mit einer Depression (die sie schon vor Beginn der Handlung hat und die nichts mit der Handlung oder ihrem Liebesleben zu tun hat). Ich wollte sie ursprünglich ihre Depression tatsächlich besiegen lassen, hatte dann aber das Gefühl, dass das irgendwie blöd und unrealistisch ist. Deshalb wollte ich es am Ende so darstellen, dass sies ich von der Erwartung, irgendetwas tun oder erreichen zu müssen, um dann endgütlig glücklich zu werden emanzipiert. Dass es eben keinen schnellen Weg aus der Depression gibt, aber trotzdem lohnenswerte Dinge und Augenblicke.

Ich habe keine eigenen Erfahrung mit Depressionen, deshalb habe ich mir auch etwas schwer getan, eine plausible Darstellungsweise zu finden. Ich hoffe auch, dass ich nicht krass daneben liege.

Skatha hat Folgendes geschrieben:
Die märchenhafte Atmosphäre und der Stil haben mir auf alle Fälle sehr gut gefallen.
Gerne gelesen.


Danke dir smile
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Smokowski
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Beiträge: 81
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 25.05.2022 20:42    Titel: Antworten mit Zitat

Mich erinnert der Stil an Robert Louis´ Svenson´s Schreibweise aus "Die Schatzinsel". Beachtlich, wie Leute heute noch so schreiben können.

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Neues Mini-Drama: "Der Naturkreislauf",
unter Schreibübungen Prosa > Aufbau & Handlung
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