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Geisterstarre und Schweinebauch


 

 
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SantaDude
Wortedrechsler


Beiträge: 85



BeitragVerfasst am: 06.01.2022 20:37    Titel: Geisterstarre und Schweinebauch eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo zusammen. Ich habe vor wenigen Tagen mit einem neuen Projekt begonnen. Die ersten 1400 Wörter davon möchte gerne hier in die Wektstatt stellen, um erste Tipps und Verbesserungsvorschläge zu erhalten. Grob handelt die Geschichte davon, dass eine Familie seit vielen Generationen den Toten die Nachrichten der Lebenden überbringt. Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Vorschläge Very Happy

Chloé Ferryman läutete die Totenglocke. Die Schläge hallten durch die engen Gassen, die sich wie Adern durch die Stadt der Toten zogen. Verlassenen Steinhäuser stapelten sich wie die Bauklötze eines Riesen zu schiefen Türmen. Ein Windstoß – und sie würden zusammenfallen wie Kartenhäuser. Aber der Wind mied diesen Ort, und außer dem regelmäßigen Schlagen der Glocke herrschte gespenstische Stille. Was Chloé kaum überraschte, da die Unterwelt nicht unbedingt für ihre ausgelassene Stimmung bekannt war.
Nach dem dreizehnten und letzten Glockenschlag pendelte der gusseiserne Klöppel aus. Der Ton verebbte tief in den Gassen, ehe sich das Schweigen wie eine Servierglosche wieder über den menschenleeren Marktplatz stülpte.
So weit, so gut, dachte Chloé, und atmete tief ein. Die Luft duftete kaum wahrnehmbar nach frischer Minze, dem Geruch der Geister. Noch war der Hauch so schwach, dass sich kein Toter in ihrer Nähe befand. Auch die anderen Symptome einer Geisterpräsenz gaben keinen Anlass zur Sorge: Der Druck auf den Ohren löste sich mit einem Gähnen, die Unruhe in der Brust blubberte vor sich hin. Wäre ein Geist in der Nähe, wären die unruhige Lägerigkeit, der minzige Geisterhauch und das Aurisma in den Gehörgängen deutlich ausgeprägter.
Nun stand Chloé der komplizierte Teil ihrer Aufgabe bevor. Ihre Handflächen waren schweißnass und das Herz schlug ihr bis zum Hals. Heute durfte sie sich keinen Fehler erlauben. Nicht an dem Tag, an dem sie zum ersten Mal ohne die Hilfe ihres Vaters oder ihrer Brüder eine Nachricht an einen Toten überbringen durfte!
Natürlich hatte sie für ihren ersten Einsatz als Botin einen Verblichenen abbekommen, die ungefährlichste und harmloseste der Geisterarten. Eigentlich hatte sie auf einen Flackerer gehofft, die konnten durchaus mal die Fassung verlieren. Auf ein Mortasma, einen Geist der dritten Gefahrenstufe, verzichtete sie freiwillig. Diese Seelen hatten kaum noch etwas Menschliches an sich und waren furchteinflößend. Chloé nahm ihnen die miese Laune nicht übel. Schließlich gab es nur etwas, das schlimmer war als der Tod selbst: nämlich vergessen zu werden. Genau das stand den Mortasmen unmittelbar bevor.
Chloé schüttelte die Gedanken an Verblichene, Flackerer und Mortasmen ab. Sie musste sich konzentrieren! Mit einem Blick über die Schulter überprüfte sie, ob der Chrisamkreis auch groß genug war. Im Notfall würde sie hineinhüpfen, das geweihte Öl entfachen und im Schutz des Feuers auf Hilfe warten. Eine sichere Rückzugsmöglichkeit gehörte zu den wichtigsten Regeln der Ferrymans. Als Postbote der Toten wusste man letztlich nie so genau, was einen in ihrer Welt erwartete.
Chloés Atmen verwandelte sich in Dunstwolken, die sich vor ihren Augen verflüchtigten. In der Stadt der Toten war es zu jeder Jahreszeit eiskalt. Sie strich über den ledernen Brustpanzer. Die feinen Eiskristalle unter ihren Fingern knisterten. Chloé holte tief Luft und klaubte den Brief hervor. Ein blutrotes Wachssiegel prangte darauf. Vom Briefpapier stieg der penetrante Geruch von Rosenwasser auf.
»Dann wollen wir mal«, sprach sie sich Mut zu. Das Parfüm roch so stark, dass Chloé das Gefühl hatte, in eine zarte Duftwolke gehüllt zu sein. Sie wedelte mit der Hand, um den Geruch zu vertreiben. Aber es verschlimmerte die Sache nur. »Konzentriere dich!«, mahnte sich Chloé und kniff die Augen zusammen, um die geschwungene Handschrift im Halbdunkel zu entziffern.
»Richard Finchley«, las sie laut vor. Ihre Stimme hallte einsam durch die Totenstadt. Die Steinwände warfen ihre Worte als unheimliches Echo zurück. Irgendwo schlug eine weitere Totenglocke.
Jetzt hieß es abwarten. Die meisten Geister manifestierten sich in weniger als zwei Minuten. Nur in seltenen Fällen dauerte es länger und bedurfte mehrerer Aufrufungen.
Chloé achtete auf die Anzeichen einer Geisterpräsenz. Das Rosenwasser machte es unmöglich, den feinen Minzgeruch zu erkennen. Das Aurisma und die Lägerigkeit blieben konstant. Die weitentfernten Glockenschläge verklangen.
»Richard Finchley«, wiederholte Chloé den Namen, dieses Mal ein wenig lauter. »Ich habe eine Nachricht von Ihrer geliebten Marissa bei mir. Manifestieren Sie sich, dann werde ich die Worte aus der Welt der Lebenden mit Ihnen teilen.«
Ginge es nach Chloé, hätte sie dem Geist wie einem unartigen Kind gedroht und bis drei gezählt. Aber sie wiederholte gehorsam die Worte, die sie von ihrem Vater gelernt hatte.
Chloé horchte in das stille Atmen der Geisterwelt hinein. Was sinnlos war, da Geister weder Schritte noch sonst ein Geräusch von sich gaben. Sie sprach den Namen ein drittes Mal aus und spürte die Ungeduld in ihr hochkriechen. Sie betrachtete die gusseiserne Totenglocke, die an einer Konstruktion aus dunklen Holzbalken hing. In der Stadt gab es vier Stück davon, eine in jedem Viertel. Chloés Vater Ferius übernahm heute die Auslieferungen im Nordviertel, ihr ältester Bruder Tide jene im Westen. Nile und Rhone, die Zwillinge, waren ganz in ihrer Nähe im südlichen Viertel zugange.
»Komm schon, du dämlicher Geist!« Chloé verschränkte die Arme und wippte auf ihren schweren Stiefeln auf und ab. Geduld gehörte nicht zu ihren Stärken – vor allem nicht, wenn sie Hunger hatte.
»Richard Finchley, du sturer Bock, manifestiere endlich!«, versuchte sie es erneut. »Ich würde gerne heute noch nach Hause kommen. Meine Mutter macht gefüllten Schweinebauch, den verpasse ich höchst ungern!«
Aber Tote machten sich nicht viel aus Dingen wie Zeit oder gefülltem Schweinebauch. Wer von dem einen unendlich viel besaß und vom anderen nicht mehr kosten konnte, hatte gut reden. Ob dieser Finchley sich noch an den wohlriechenden Geruch von Schweinebauch erinnerte?
Chloé wartete.
Und wartete.
Plötzlich, als hätte Chloé einen anderen Raum betreten, veränderte sich die Atmosphäre. Die Luft um sie herum gab ein leises Knistern von sich. Die Härchen in ihrem Nacken richteten sich auf, unsichtbare Hände drückten auf Chloés Ohren und ein ungutes Gefühl ergoss sich wie kaltes Wasser über ihren Kopf.
Der Geist!
Er manifestierte sich.
Chloé sah an sich herab. Die Eisblumen breiteten sich wie eine Hautkrankheit über ihren Brustpanzer aus. Die Kälte befiel ihre Lungen und erschwerte das Luftholen. Durch das Aurisma hörte Chloé ihr rasselndes Atmen nur gedämpft, als steckte ihr Schädel unter Wasser. Mit einem klammen Blick prüfte sie die Waffen an ihrem Gürtel. Kornblumenpulver, Heliosmünze, Knochenflöte, Kalebassen, Kettensichel – alles da.
Vor Chloé erschien eine schwebende Kugel, die weißliches Licht ausstrahlte. Zuerst schien sie winzig klein wie ein Glühwürmchen, doch mit jeder Sekunde dehnte sie sich aus. Aus dem Licht ergossen sich gespenstische Schwaden, die wie Morgennebel über den Boden waberten.
In Chloé sträubte sich alles dagegen, stehen zu bleiben. Eine Stimme in ihrem Schädel schrie sie an, sie solle um ihr Leben rennen. Gleichzeitig tackerte sie ein bleiernes Gewicht wie Eisenkugeln am Boden fest. Die Unruhe in Chloés Brust flammte auf wie ein Feuer, das sich durch die Gedärme fraß und jeden Funken Hoffnung und Liebe in Kohlestücke verwandelte.
Jeder andere Mensch wäre vor Angst zu einem Häufchen Elend zerfallen. Doch wenn Chloé Ferryman etwas verbscheute, war es Angst. Die stand einem nur im Weg. Schon als Kind musste Chloé lernen, mit ihr umzugehen. Sie zwang sich, die schneidend kalte Luft einzuatmen, und konzentrierte sich auf den Puls. Sie stellte sich vor, wie warmes Blut durch ihre Adern floss. Sie rief sich das Pfeifen der Vögel und den Geruch von Schweinemagen in Erinnerung. Langsam floss das Leben wie ein warmer Strom in ihren Körper zurück und verdrängte die Lägerigkeit.
Vor Chloé sammelten sich die Schwaden aus der Lichtkugel in einer dampfenden Lache. Sie wirbelten herum, wie von einem unsichtbaren Löffel gerührt, und bäumten sich zu einer Säule auf. Der Rauch verdichtete sich zu einer Silhouette, aus der vier Triebe wie die Äste eines Baums wuchsen. Die Konturen schärften sich, bis Chloé Arme und Beine erkannte. Es war, als schaffierte jemand mit einem weichen Bleistift einen Mann samt Monokel, Kniehose, Weste und Mantel. Die Füße des Geistes versanken bis zu seinen Knöcheln im Kopfsteinpflaster. Unter einem hohen Zylinder sprossen silberne Locken wie Baumwolle, die rechte Hand hielt einen Gehstock umklammert und im kantigen Gesicht prangte der feinste aller Schnurrbärte.
Der Geist manifestierte sich wie eine blasse Erinnerung, die jemand vor seinem geistigen Auge abrief. Chloé wusste von der Ehefrau vom Mr Finchley, dass er ein Treuhandbüro geführt hatte und im Schlaf an einer Herzschwäche verstarb. Er erschien eines morgens nicht zum Tee, als seine Gattin nach ihm schaute. Er lag mausetot im Bett, starrt wie eine Statue und klamm wie ein gepökelter Fisch.
»Guten Tag, Mr Finchley«, grüßte Chloé mit einer höflichen Verbeugung. Auch in der Unterwelt gehörte sich eine Prise Höflichkeit. »Ich habe einen Brief Ihrer geliebten Ehefrau, Marissa Finchley-Abernathy.«
Der Geist richtete seine Manschettenknöpfe und rückte das Monokel zurecht. Aus seiner Nase strömten grünliche Wolken, die sich über seinem Kopf verflüchtigen – der Geisterodem. Wer den Gestank einatmete, der erlebte endlose Wogen von Übelkeit und Erbrechen. Viel gefährlicher als der Odem waren jedoch die Augen des Geistes, die wie gleißend helle Sonnen aus seinem Gesicht blinzelten. Wer zu lange in das faszinierende Leuchten starrte, erlag dem Geisterfokus und fiel in einen Zustand der Trance. Dann verkam man zu einem totgeweihtem Geisteropfer.

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silke-k-weiler
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Das goldene Schiff


BeitragVerfasst am: 06.01.2022 23:50    Titel: Re: Geisterstarre und Schweinebauch Antworten mit Zitat

Hallo SantaDude,

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Die Schläge hallten durch die engen Gassen, die sich wie Adern durch die Stadt der Toten zogen.


Den Satz mag ich schonmal sehr!

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Verlassenen Steinhäuser stapelten sich wie die Bauklötze eines Riesen zu schiefen Türmen.


Das bedeutet, die Häuser selbst stapeln sich übereinander? Klingt nach einer verwegenen Statik.

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Auch die anderen Symptome einer Geisterpräsenz gaben keinen Anlass zur Sorge: Der Druck auf den Ohren löste sich mit einem Gähnen, die Unruhe in der Brust blubberte vor sich hin. Wäre ein Geist in der Nähe, wären die unruhige Lägerigkeit, der minzige Geisterhauch und das Aurisma in den Gehörgängen deutlich ausgeprägter.


Wenn ich das richtig verstehe, sind das mögliche Symptome, die im Moment aber nichts aussagen, weil sich noch kein Geist in der Nähe aufhält, richtig? Falls ja, würde ich das präzisieren.

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Schließlich gab es nur etwas, das schlimmer war als der Tod selbst: nämlich vergessen zu werden.


Hier würde ich "etwas" gegebenenfalls gegen "eine Sache" oder "eins" o.ä. ersetzen.

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Ginge es nach Chloé, hätte sie dem Geist wie einem unartigen Kind gedroht und bis drei gezählt. Aber sie wiederholte gehorsam die Worte, die sie von ihrem Vater gelernt hatte.
Chloé horchte in das stille Atmen der Geisterwelt hinein
. Was sinnlos war, da Geister weder Schritte noch sonst ein Geräusch von sich gaben. Sie sprach den Namen ein drittes Mal aus und spürte die Ungeduld in ihr hochkriechen.


Zwischen den beiden Sätzen fehlt mir irgendeine Art von Verbindung. Fast könnte man da ein "und" nehmen, meine ich.

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Durch das Aurisma hörte Chloé ihr rasselndes Atmen nur gedämpft, als steckte ihr Schädel unter Wasser.


Wenn ich mich nicht täusche, muss hier der Konjunktiv 2 hin, als würde ihr Schädel unter Wasser stecken, da er es nicht tut.

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Chloé wusste von der Ehefrau vom Mr Finchley, dass er ein Treuhandbüro geführt hatte und im Schlaf an einer Herzschwäche verstarb.


Müsste auch PQP sein.

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Er erschien eines morgens nicht zum Tee, als seine Gattin nach ihm schaute. Er lag mausetot im Bett, starrt wie eine Statue und klamm wie ein gepökelter Fisch.


Da es nur eine Mini-Rückblende ist, würde ich auch hier PQP verwenden. Außerdem hat sich mit "starrt" ein Vertipper eingeschlichen, ich nehme an, es soll "starr" heißen.

SantaDude hat Folgendes geschrieben:
Die Unruhe in Chloés Brust flammte auf wie ein Feuer, das sich durch die Gedärme fraß und jeden Funken Hoffnung und Liebe in Kohlestücke verwandelte.


Das liest sich, als wären Regungen wie Hoffnung und Liebe im Darm angesiedelt. Oder es liegt an mir. Wie wäre es mit etwas wie: Die Unruhe in Chloés Brust flammte auf wie ein Feuer, verwandelte jeden Funken Hoffnung und Liebe in Kohlestücke/jedes gute Gefühl in Kohle und fraß sich tiefer in die Gedärme? Wobei Du das schon sehr inbrünstig beschreibst, dafür, dass sie es am Schluss doch recht gut wegsteckt.

Sonst sehr gerne gelesen. Die Stadt ist atmosphärisch beschrieben, den eingestreuten Infodump mit Geisterodem und Geisteropfer etc. pepe finde ich gar nicht schlecht platziert, da dies Chloés erster Einsatz ist und es auf mich wirkt, als würde sie sich das Gelernte noch einmal vergegenwärtigen, damit sie auch ja nichts vergisst. Ich hab da nix groß zu meckern, würde ich diesen Text in Händen halten, würde mich der weitere Verlauf durchaus interessieren. Macht mich neugierig. Wink

VG
Silke
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SantaDude
Wortedrechsler


Beiträge: 85



BeitragVerfasst am: 07.01.2022 19:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

vielen herzlichen Dank für dein ausführliches Feedback. Es freut mich, wenn der Text deine Neugier geweckt hat und dir die Beschreibungen zusagen. Mit dem Infodump ringe ich noch ein wenig mit mir, aber es beruhigt mich ein Stück weit, dass er dich nicht gestört hat und im Kontext der Umstände sogar Sinn ergibt.

Alle anderen Anmerkungen von dir erscheinen mir sehr sinnvoll, da werde ich gerne drüberschauen und sie einfliessen lassen Wink
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SantaDude
Wortedrechsler


Beiträge: 85



BeitragVerfasst am: 08.01.2022 11:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich ergänze den Text mal um die letzten 1000 Worte des ersten Kapitels, dann ist das in sich geschlossen.

Chloé sah angestrengt auf das Kinn des Geistes, um seinen Augen auszuweichen. Das Atmen fiel ihr inzwischen leichter, die Unruhe in ihrem Magen flackerte sanft wie Kerzenschein. Für das Überleben in der Totenstadt war es entscheidend, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Je stärker das Leben durch Chloé strömte, desto menschlicher verhielten sich die Geister.
»Marissa«, hauchte der Geist von Mr Finchley. Seine Stimme klang flüsternd und fern, als wäre auch sie nicht mehr als eine Erinnerung. »Ich will ihre Worte hören.«
Er streckte die durchscheinende Hand aus, aber Chloé zog den Brief zurück. »Wie ich sehe«, sagte sie stattdessen, »erhalten Sie zum ersten Mal eine Nachricht der Lebenden. Nun, Mr Finchley, lassen Sie es mich erklären. Zum einen können Sie den Brief nicht selbst lesen ¬– das übernehme ich. Wie Sie vielleicht in Ihren ersten Wochen als Toter bemerkt haben, ist das mit dem Anfassen von Gegenständen so seine Sache. Ich kann Sie allerdings beruhigen, es gibt da eine Ausnahme. Und weil heute Ihr Glückstag ist, kommen wir gleich dazu.«
Chloé steckte den Brief ein. Die Eiskristalle knarzten bei jeder Bewegung. Bisher lief alles wie am Schnürchen. Es war ein Kinderspiel! Sie würde ihrer Familie beweisen, dass sie diese Aufgabe problemlos bewältigte – und es verdiente, die erste weibliche Botin der Ferrymans zu werden. Bestärkt von diesem Gedanken, holte sie einen Kamm aus der Hosentasche. Das Elfenbein, aus dem er bestand, leuchtete beinahe so weißlich wie Mr Finchley selbst.
Der Geist schwebte, die Schuhe im Boden versunken, vor Chloé. Als er den Kamm erblickte, weiteten sich seine leuchtenden Augen. Mr Finchley glitt näher und hielt auffordernd die offene Handfläche hin.
Chloé zuckte mit der freien Hand zum Waffengurt. Nun stand die Überprüfung an. Eine gefährliche Sache! Grundsätzlich konnten Geister keine Gegenstände berühren (dafür aber Menschen, sehr zum Leidwesen der Ferrymans). Es gab nur eine Ausnahme: die Besitztümer des Toten. Die konnten von den Geistern angefasst werden. Das nutzten die Boten, um den manifestierten Geist zu überprüfen. Denn nicht immer tauchte derjenige auf, den man gerufen hatte.
»Wenn Sie auf dumme Gedanken kommen, Mr Finchley«, warnte Chloé und griff in einen Lederbeutel an ihrem Gürtel, »geht das Ganze nicht gut für Sie aus.«
Durch sein Monokel beobachtete der Geist, wie Chloé ihre Hand aus dem Beutel zog und ein blaues Pulver auf den Boden rieseln ließ. Mr Finchleys Geisterhand zuckte zurück. Chloé lächelte zufrieden.
Noch immer kroch der Rosenduft durch Chloés Nase, aber sie war so fokussiert, dass sie ihn kaum mehr wahrnahm. Dafür verstärkte sich das Aurisma plötzlich und das ungute Gefühl in der Magengegend begann zu brodeln.
Wütende Falten durchzogen die Stirn von Mr Finchleys Geist wie gefrorene Wellen. Seine Füße lösten sich aus dem Boden und schwebten nun einige Zentimeter darüber. Mit dem dürren Zeigefinger, krumm wie die Klauen eines Raben, wies er auf den Kamm. »Du hast mein Eigentum gestohlen!«
»Da muss ich Sie korrigieren, Mr Finchley«, widersprach Chloé gelassen. »Und wenn Sie nicht beruhigen, haben wir gleich ein Problem! Dann landet dieser Brief nämlich in meinem Kamin und das hier«, sie wedelte mit der Faust und das blaue Pulver rann durch ihre Finger, »mitten in Ihrem Gesicht.«
Mr Finchleys Umrisse kräuselten sich wie siedendes Wasser. Einzelne Rauchfetzen lösten sich, als würde Dampf von ihm aufsteigen. Nun sah er aus wie ein Flackerer, ein Geist der zweiten Gefahrenstufe. Aber Chloé ließ sich durch seinen Zorn nicht beirren.
»Ich habe den Kamm von Ihrer Ehefrau erhalten«, fuhr sie fort. »Hier, Sie können ihn haben.« Sie streckte die Hand aus, den Kamm zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt. »Wenn Sie ihn halten können, lese ich Ihnen den Brief vor, einverstanden?«
Mr Finchley stierte Chloé aus leuchtenden Augen an. Dann nahm sein Flackern ab, als dimmte jemand eine Gaslampe, und seine Stirn glättete sich. Die Symptome der Geisterpräsenz nahmen ab. Stumm schwebte er auf Chloé zu, ohne sie aus den gleißenden Augen zu lassen. Er streckte die Hand aus – und zog Chloé den Kamm ruckartig aus den Fingern. Wie ein Kind, das zum ersten Mal ein Spielzeig in den Händen hielt, besah Mr Finchley den Kamm. Er drehte ihn zwischen den Fingern, überrascht, dass er nicht durch ihn hindurch auf den Boden fiel.
»Sehen Sie?« Chloé stemmte die Hände in die Hüften. »Ich bin eine nette Botin. Nile und Rhone hätten Sie längst mit ihren Tritonshörnen verjagt. Und mein Vater hätte bei ihrem kleinen Wutanfall eben mit der Heliosmünze geschnippt. Bei Tide bin ich mir nicht sicher, der hat normalerweise die Ruhe weg. Aber vielleicht hätte er einen Wacholderpfeil in ihren Geister-Allerwertesten gejagt.« Chloé warf ihr langes blondes Haar zurück. »Sie haben Glück, dass Ihnen die Ehre zuteil kommt, mein erster Kunde zu sein!«
Mr Finchleys Geist schienen ihre Worte nicht zu hören. Stattdessen versuchte er, sich mit dem Elfenbeinkamm den Schnurrbart zu bürsten.
»Ich weiss, Ihr Kamm ist echt toll und so.« Chloé sah den Geist mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Aber wenn wir zum Brief kommen könnten? Sie wissen schon«, sie wies mit dem Daumen über die Schulter, »der Schweinemagen.«
Der Geist ließ von seinem Schnauzer ab und musterte das großgewachsene Mädchen mit dem hüftlangen, fast silbernen Haar und den tiefblauen Augen.
So sehr sie allen beweisen wollte, dass sie die Briefe allein austeilen konnte, beim Gedanken an Schweinemagen knurrte ihr Bauch so erbärmlich wie der eines hungernden Welpen. Daran konnte auch der miefende Rosenduft nichts ändern, der um ihren Kopf waberte.
»Dann lies mir die Worte meiner Gattin vor, junge Botin«, forderte der Geist.
»Vielen Dank für Ihr Entgegenkommen! Bei meinem nächsten Besuch erzähle ich Ihnen so ausführlich vom Schweinemagen, dass Sie ihn auf Ihrer Zunge schmecken!«
Entschlossen kramte Chloé den Brief hervor und brach das Wachssiegel auf. Als sie den Papierbogen entfaltete, sich geräuschvoll räusperte und die rosige Luft einsog, ahnte sie noch nicht, dass gleich alles bachab gehen und sie um ihr Leben fürchten würde.
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Mumienfreund
Eselsohr


Beiträge: 266



BeitragVerfasst am: 08.01.2022 14:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo SantaDude.



Sachen, die mir beim ersten Lesen aufgefallen sind:

Ausdrücke:
Servierglosche:
Hier würde ich Käseglocke verwenden

Lägerigkeit: Schläfrigkeit/Müdigkeit oder Nervosität? Du gebrauchst "Lägerigkeit" nicht konsistent. (taucht drei Mal auf)

Chloé: Hier könntest du für meinen Geschmack öfter das Personalpronomen verwenden.


So weit, so gut, dachte Chloé, und atmete tief ein.
Das ist sicher eine Geschmacksfrage, aber ich würde auf das "dachte Chloé" verzichten, um näher an deiner Protagonistin zu sein. (Verben der Wahrnehmung.)
So weit so gut. Chloé atmete tief ein.

Die Luft duftete kaum wahrnehmbar nach frischer (Kaum und frisch beißen sich meiner Meinung nach) Minze, dem Geruch der Geister. Noch war der Hauch so schwach, dass sich kein Toter in ihrer Nähe befand.(befinden konnte?)

Auch die anderen Symptome (Vielleicht besser Anzeichen) einer Geisterpräsenz gaben keinen Anlass zur Sorge (klingt sehr formal): Der Druck auf den Ohren löste sich mit einem Gähnen, die Unruhe in der Brust blubberte vor sich hin. (Wo kommt der Druck plötzlich her?) Wäre ein Geist in der Nähe, wären die unruhige Lägerigkeit, (Ausdruck) der minzige Geisterhauch und das Aurisma in den Gehörgängen deutlich ausgeprägter.

Bei Aurisma denke ich an Aura. Eine Aura ist für mich etwas sichtbares. Bei dir scheint es sich in den Ohren zu manifestieren. (Neben den minzigen Geisterhauch, wenn man böswillig liest).


Ihre Handflächen waren schweißnass und das Herz schlug ihr bis zum Hals.
Eine Reaktion sollte langen.

Natürlich hatte sie für ihren ersten Einsatz als Botin einen Verblichenen abbekommen, die ungefährlichste und harmloseste (Erscheinungsform?/Manifestation?) der Geisterarten.


Auf ein Mortasma, einen Geist der dritten Gefahrenstufe, verzichtete sie freiwillig.

Vielleicht: "konnte sie gerne verzichten."

Chloés Atmen (ATEM) verwandelte sich in Dunstwolken, die sich vor ihren Augen verflüchtigten.

Das Parfüm roch so stark, dass Chloé (SIE) das Gefühl hatte, in eine zarte Duftwolke gehüllt zu sein.

Stark und zarte Duftwolke passen nicht. Der Duft des Parfüms scheint ja eher überwältigend zu sein.

Ginge es nach Chloé, hätte sie dem Geist wie einem unartigen Kind gedroht und bis drei gezählt.
 
Ich würde schreiben: Wenn es es nach ihr gegangen wäre, ...


Aber Tote machten sich nicht viel aus Dingen wie Zeit oder gefülltem Schweinebauch. Wer von dem einen unendlich viel besaß und vom anderen nicht mehr kosten konnte, hatte gut reden. Ob dieser Finchley sich noch an den wohlriechenden Geruch von Schweinebauch erinnerte?
Zwei Sachen:
1.) Wie können die Toten unendlich viel Zeit haben? Du hast ja angedeutet hast, dass die Mortasmen kurz vor dem Vergessen stehen. Also müssten eigentlich alle Toten (nicht nur bedeutende Persönlichkeiten, an die man sich länger erinnert), irgendwann zu Mortasmen werden.

2.) Wieso sollten die Toten gut reden haben, nur weil sie viel Zeit haben und nichts mehr kosten können? Vielleicht meist du so etwas wie:
Aber Tote machten sich nicht viel aus Dingen wie Zeit oder gefülltem Schweinebauch. Wer von dem einen unendlich viel besaß und vom anderen nicht mehr kosten konnte, legte keine Wert mehr auf Eile. Chloé verzog missmutig das Gesicht. Warum sollten sie auch? Schließlich war sie es, die Hunger hatte.

Bin nicht bis zum Ende.
Im Großen und Ganzen liest sich das aber sehr rund. Die Infos sind da, wo sie benötigt werden und auch in Dosen, die gut zu verkraften sind. Spannungsbogen stimmt. Ein gute Eröffnung.

Das mit dem Aurisma solltest du bald erklären. So recht etwas drunter vorstellen kann ich mir nämlich noch nicht.
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SantaDude
Wortedrechsler


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BeitragVerfasst am: 08.01.2022 22:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Mumienfreund (toller Name),

auch dir ein herzliches Dankeschön für das Feedback, das wirklich bereits sehr in Detail geht. Aber genau solche Rückmeldungen habe ich mir gewünscht. Da waren einige sehr hilfreiche Anmerkungen dabei – vom unkosistenten Gebrauch der "Lägerigkeit" über das häufigere Benutzen des Personalpronomens bis zu Vorschlägen betreffend Umfromulierungen bei gewissen Sätzen. Die schaue ich mir sehr gerne an und werde sie in meinen Text übernehmen. Die Sache mit dem Aurisma widme ich nochmals besonderes Augenmerk!

Es freut mich natürlich auch, wenn die  ersten Seiten meines neues Projekts einen runden Eindruck bei dir hinterlassen haben. Gerade am Anfang einer Geschichte finde ich es manchmal schwierig, den Spagat zwischen Info (die zwangsläufig eingebaut werden muss) und Handlung zu finden.
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Alf Alfa
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Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 12.01.2022 16:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo SantaDude,

zunächst mal wirkt der Text im ersten Absatz schon so interessant, dass ich weiterlesen möchte. Das ist selten bei Texten hier im Forum der Fall. Der Einstieg ist bildhaft und sprachlich abwechslungsreich.

Ich weiß aber noch nicht, was für ein Genre ich vor mir habe, bzw. was es in mir auslösen soll. Klar, es ist Grusel und Horror vorhanden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es Schrecken oder Lächeln bei mir auslösen soll. Durch die Ansammlung von „Friedhofs- und Geisterklischees“ muss ich ein wenig an Comics und Geschichten aus der Gruft, oder Ghostbusters denken. Das wirkt, als ob sich die Geschichte an Kinder richtet, oder mit einer Subversion der Klischees im Laufe der Geschichte zu rechnen ist. Das kann man als Kritikpunkt sehen, oder auch nicht. Ich versuche nur meinen subjektiven Eindruck darzulegen.

Die Grammatik zu Beginn stört meinen Lesefluss. Die Punktuation könnte da anders sein.

„Verlassenen Steinhäuser stapelten sich wie die Bauklötze eines Riesen zu schiefen Türmen. Ein Windstoß – und sie würden zusammenfallen, wie Kartenhäuser. Aber der Wind mied diesen Ort (oder: Sie hielten nur, weil der Wind diesen Ort mied). Außer dem regelmäßigen Schlagen der Glocke herrschte gespenstische Stille, was Chloé kaum überraschte. Die Unterwelt war nicht (unbedingt) für ihre ausgelassene Stimmung bekannt.“

Ich glaube, ein paar Weglassungen und Umstellungen machen den Lesefluss besser und bringen etwas mehr Wucht in die Aussagen. „Schief“ könnte man z.B. weglassen, weil Bauklötze, da sie immer von kleinen Kindern verwendet werden, schon das schiefe implizieren. Außerdem sagt der Hinweis auf den „Windstoß“ und „Kartenhäuser“ bereits, dass die Türme fragil sind.


Teilweise sind mir die Sätze zu voll. Einige Hintergrunddinge werden dabei überflogen.

„Auch die anderen Symptome einer Geisterpräsenz gaben keinen Anlass zur Sorge: Der Druck auf den Ohren löste sich mit einem Gähnen, die Unruhe in der Brust blubberte vor sich hin.“

Der Druck auf den Ohren wird im Text erwähnt, scheint also wichtig zu sein. Die Aussage wird aber  so kurz behandelt, dass sie unwichtig erscheint. Was ist es nun, frage ich mich. Natürlich, wenn ich länger über den Text nachdenke, erschließt sich alles logisch, aber ich versuche mich in einen normalen Leser hineinzuversetzen, der normal schnell ließt, und keine Textanalyse macht.


Auch im Folgenden werde ich mit einem schnellen Ablauf von Sachverhalten konfrontiert, die mir wenig nachvollziehbar scheinen. Inhalt ist natürlich logisch, aber erst wenn ich meine Gedanken eine Weile sortiert habe.

„Wäre ein Geist in der Nähe, wären die unruhige Lägerigkeit, der minzige Geisterhauch und das Aurisma in den Gehörgängen deutlich ausgeprägter.“

Der Begriff „Lägerigkeit“ wurde ja schon angesprochen. Aber „minziger Geisterhauch und das Aurisma“ verwirren mich zunächst. Die Verwirrung staut sich bereits in mir an und wird nicht aufgelöst durch Infodump oder Kontextualisierung. Also Minze wird ja als Eigenschaft von Geistern erklärt. So weit so gut. Nur Geister mit Minze in Verbindung zu bringen, ist für mich unerklärlich und weist auf eine humoristische Tendenz im Text hin.


„Natürlich hatte sie für ihren ersten Einsatz als Botin einen Verblichenen abbekommen, die ungefährlichste und harmloseste der Geisterarten. „

Damit werden die Hürden des Protagonisten herabgesetzt. Das ist tendenziell keine gute Sache. Die Infodump-Bestandteile haben eine gute Länge. Es wird erklärt, aber nicht unnötig in die Länge gezogen.


„Chrisamkreis“ wieder in verwirrender Begriff.
„...penetrante Geruch von Rosenwasser...“ Ist Rosenwasser nicht etwas sehr schönes? Wenn es Knoblauchgeruch wäre, käme es mir penetrant vor.


Insgesamt hat der Text für seine geringe Wortzahl viel Inhalt. Das ist gut, weil es damit nicht langweilig wird. Ziel des Protagonisten und seine Hilfsmittel und seine vielen Indizien sollten aber mehr aus dem Kontext heraus erklärt werden. Damit ließe sich mehr Spannung aufbauen, wenn der Geist wirklich auftritt.


„Aus seiner Nase strömten grünliche Wolken, die sich über seinem Kopf verflüchtigen – der Geisterodem. Wer den Gestank einatmete, der erlebte endlose Wogen von Übelkeit und Erbrechen.“

Hier frage ich mich, wo die Minze abgeblieben ist.


Insgesamt gefällt mir die Grundidee, der schnelle Einstieg und die Bildhaftigkeit. Negativ fallen mir Grammatik und verwirrende Fachbegriffe auf. Welches von Chloés Hilfsmittel und Indizien ist wichtig für den Verlauf des Plots und der Lösung des Grundproblems? Als Leser will ich wissen, wo der Grundkonflikt ist, und wie wird er gelöst. Darüber wird die Wichtigkeit der Hilfsmittel und Indizien bestimmt, wie Rosenwasser, Aurisma, Kamm, und welchen Anteil sie an der Wortzahl haben.

„Noch immer kroch der Rosenduft durch Chloés Nase, aber sie war so fokussiert, dass sie ihn kaum mehr wahrnahm.“
Wieder ist der Rosenduft das Problem, wo der Rosenduft doch eine Erleichterung von dem Geistergestank sein sollte.

Fazit: Ich habe den Text gerne gelesen, war aber an viele Stellen verwirrt.
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SantaDude
Wortedrechsler


Beiträge: 85



BeitragVerfasst am: 12.01.2022 22:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Alf Alfa,

auch an dich ein herzliches Dankeschön für die Mühe, meinen Text zu lesen und mir ein so ausfürhliches Feedback zu geben.

Grundsätzlich freut es mich, wenn dich der Anfang zum Weiterlesen angeregt hat. Was deine Frage nach Genre/Zielgruppe angeht: Es geht in Richtung Urban Fantasy mit Gruseleinflüssen, was allein schon durch die Geisterthematik gegeben ist. Die Zielgruppe ist 12+, da hoffe ich, den Spagat zwischen Humor und Grusel zu treffen.

Auf deine Anmerkungen gehe ich nicht im Detail ein, allerdings habe ich mir jeden Punkt zu Herzen genommen und den Text heute überarbeitet. Da waren wirklich ganz hilfreiche Tipps dabei. Ich habe einige Füllwörter gestrichen, um mehr Lesefluss zu generieren, die Sätze und ihren Informationsgehalt ein wenig aufgedröselt und den einen oder anderen "Fachbegriff" besser in die Geschichte verwoben, damit es nicht zu "infodumpig" rüberkommt.

Ich habe den Eindruck, der Text hat sich dadurch nochmals verbessert. Dafür bedanke ich mich bei dir!

Liebe Grüsse aus der Schweiz!
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SantaDude
Wortedrechsler


Beiträge: 85



BeitragVerfasst am: 13.01.2022 23:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hier die ersten 1400 Wörter in der überarbeiteten Version. Nochmals vielen Dank für das bisherige Feedback, das hat sehr geholfen!

Die Totenglocke läutete. Die klaren Schläge hallten durch die engen Gassen, die sich wie Adern durch die Stadt der Toten zogen. Um den Marktplatz drängten sich Türme aus schwarzem Stein, die schief und krumm wie die verfaulten Zähne eines Riesen zur Höhlendecke wuchsen. Ein Windstoß – und sie fielen in sich zusammen wie Kartenhäuser. Zu ihrem Glück mied der Wind diesen gottverlassenen Ort. Und so war das einzig Lebendige weit und breit das blonde Mädchen, das die Glocke läutete.
Außer den regelmäßigen Schlägen herrschte gespenstische Stille – was Chloé Ferryman wenig überraschte, da die Unterwelt nicht für ihre ausgelassene Stimmung bekannt war. Nach dem dreizehnten Schlag pendelte der gusseiserne Klöppel aus. Der Ton verebbte tief in den Gassen, ehe sich das Schweigen wieder wie eine Käseglocke über den leeren Marktplatz stülpte.
So weit, so gut. Chloé atmete tief ein. Die Luft duftete angenehm nach frischer Minze. Noch war der Hauch schwach, aber wenn sich ein Geist manifestierte, vernebelte einem der minzige Geisterhauch die Sinne.
Nun stand Chloé der komplizierte Teil der Aufgabe bevor. Ihre Handflächen waren schweißnass. Heute durfte sie sich keinen Fehler erlauben. Nicht an dem Tag, an dem sie zum ersten Mal ohne die Hilfe ihres Vaters oder ihrer Brüder eine Nachricht an einen Toten überbringen durfte!
Natürlich hatte sie für ihren ersten Einsatz als Botin einen Verblichenen abbekommen. Diese Geister waren noch nicht lange tot, erinnerten sich bestens an menschliche Manieren und waren nur gefährlich, wenn man sie ärgerte. Eigentlich hatte Chloé auf einen Flackerer gehofft. Diese Dinger waren nicht so langweilig und konnten schon mal die Fassung verlieren – ein wenig Nervenkitzel bei der Arbeit war ja nicht verkehrt. Auf ein Mortasma, einen Geist der dritten Gefahrenstufe, konnte sie verzichten. Diese Seelen hatten kaum etwas Menschliches an sich. Mit denen war echt nicht zu spaßen! Chloé nahm ihnen die miese Laune nicht übel. Schließlich gab es nur eine Sache, die schlimmer war als der Tod selbst: nämlich vergessen zu werden. Genau das stand den Mortasmen unmittelbar bevor.
Chloé schüttelte die Gedanken an Verblichene, Flackerer und Mortasmen ab. Sie musste sich konzentrieren! Mit einem Blick über die Schulter überprüfte sie den Schutzkreis, den sie aus geweihtem Öl gezogen hatte. Im Notfall hüpfte sie hinein, entfachte das Chrisamöl und wartete im Schutz des Feuers auf Hilfe. Eine sichere Rückzugsmöglichkeit gehörte zu den wichtigsten Regeln der Ferrymans. Als Postbote der Toten wusste man schließlich nie, was der nächste Ausflug in die Unterwelt mit sich brachte.
Chloés Atem verwandelte sich in Dunstwolken, die sich vor ihren Augen verflüchtigten. In der Stadt der Toten war es zu jeder Jahreszeit eiskalt. Sie strich über den ledernen Brustpanzer. Die feinen Eiskristalle unter ihren Fingern knisterten. Sie holte tief Luft und klaubte den Brief hervor. Ein blutrotes Wachssiegel prangte darauf. Vom Briefpapier stieg der einhüllende Geruch von Rosenwasser auf. Chloé rümpfte die Nase. Sie mochte keinen Rosen.
»Dann wollen wir mal«, sprach sie sich Mut zu. Das Parfüm roch so stark, dass Chloé das Gefühl hatte, in eine Wolke gehüllt zu sein. Was nicht hilfreich war, wenn man auf den minzigen Geisterhauch achten musste. Sie wedelte mit der Hand, um den Geruch zu vertreiben. Aber es verschlimmerte die Sache nur. »Konzentriere dich!«, mahnte sich Chloé und kniff die Augen zusammen, um die geschwungene Handschrift im Halbdunkel zu entziffern.
»Richard Finchley«, las sie laut vor. Ihre Stimme hallte einsam durch die Totenstadt. Die Steinwände warfen die Worte als unheimliches Echo zurück. Die leeren Fenster in den Türmen blinzelten sie wie müde Augen an, die sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Irgendwo schlug eine weitere Totenglocke.
Jetzt hieß es abwarten. Die meisten Geister manifestierten sich in weniger als zwei Minuten. Nur in seltenen Fällen dauerte es länger und bedurfte mehrere Aufrufungen.
Chloé achtete auf die Anzeichen einer Geisterpräsenz. Den Minzgeruch konnte sie vergessen – Rosenduft sei Dank! Die Glockenschläge in der Ferne verklangen.
»Richard Finchley«, wiederholte Chloé den Namen, dieses Mal ein wenig lauter. »Ich habe eine Nachricht von Ihrer geliebten Marissa bei mir. Manifestieren Sie sich, dann werde ich die Worte aus der Welt der Lebenden mit Ihnen teilen.«
Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie dem Geist wie einem unartigen Kind gedroht und bis drei gezählt. Aber sie wiederholte gehorsam dieselben Worte und horchte in das stille Atmen der Geisterwelt hinein. Was sinnlos war, da Geister weder Schritte noch sonst ein Geräusch von sich gaben.
Nach einer Minute sprach Chloé den Namen ein drittes Mal aus. Sie spürte bereits die Ungeduld hochkriechen. Dieses Aufrufen ging ihr entschieden zu langsam. Sie betrachtete die Totenglocke, die an einer Konstruktion aus dunklen Holzbalken hing. In der Stadt gab es vier solcher Glocken, eine in jedem Viertel. Ihr Vater Ferius lieferte heute Briefe im Nordviertel aus, Tide im Westen. Nile und Rhone, die Zwillinge, waren in ihrer Nähe im südlichen Viertel zugange.
»Komm schon, du dämlicher Geist!« Chloé verschränkte die Arme und wippte auf ihren schweren Stiefeln auf und ab. Geduld gehörte nicht zu ihren Stärken. Genauso wenig wie Angst zu haben, sich mit anderen Mädchen anzufreunden oder in die Rolle der Hausfrau zu schlüpfen, wie es ihr Vater vorgesehen hatte. Die Sache mit der Geduld galt vor allem nicht, wenn ihr hungriger Bauch merkwürdige Geräusche von sich gab – und es nach Rosen duftete.
»Richard Finchley, du sturer Bock, manifestiere endlich!«, versuchte sie es erneut. »Ich würde gerne heute noch nach Hause kommen. Meine Mutter macht gefüllten Schweinebauch, den verpasse ich höchst ungern!«
Aber Tote machten sich nicht viel aus Dingen wie Zeit oder gefülltem Schweinebauch. Sie hatten ihr Leben gelebt und legten keinen Wert mehr auf Eile oder Essen.
Also wartete Chloé …
Und wartete …
Plötzlich veränderte sich die Atmosphäre. Der Druck auf ihren Ohren nahm zu, als drückte jemand ihrem Kopf unter Wasser. Gleichzeitig flammte eine Unruhe in ihrem Bauch auf. Das Audisma und die Lägerigkeit waren neben dem Geisterhauch zwei weitere Anzeichen für die Manifestation eines Geistes!
Chloé sah an sich herab. Die Eisblumen breiteten sich wie eine Hautkrankheit über ihren Brustpanzer aus. Die Kälte befiel ihre Lungen und erschwerte das Luftholen. Durch den Druck auf ihren Ohren hörte Chloé ihr rasselndes Atmen nur gedämpft. Mit einem klammen Blick prüfte sie die Waffen an ihrem Gürtel: Heliosmünze, Kornblumenpulver, Knochenflöte, Kalebassen, Kettensichel – alles da.
Vor ihr erschien eine schwebende Kugel, die weißliches Licht ausstrahlte. Zuerst schien sie winzig klein wie ein Glühwürmchen, doch mit jeder Sekunde dehnte sie sich aus. Aus dem Licht ergossen sich gespenstische Schwaden, die wie Morgennebel über den Boden waberten.
In Chloé sträubte sich alles dagegen, stehen zu bleiben. Eine Stimme in ihrem Schädel schrie sie an, sie solle um ihr Leben rennen. Gleichzeitig tackerte sie ein bleiernes Gewicht wie Eisenkugeln am Boden fest. Die Unruhe in Chloés Bauch verwandelte sich in züngelnde Flammen, die sich tief in ihre Gedärme fraßen.
Jeder andere wäre vor Angst in sich zusammengesunken. Doch wenn Chloé etwas noch mehr verabscheute als Ungeduld, war es Angst – die stand ihr bloß im Weg. Schon als Kind hatte sie gelernt, mit ihr umzugehen. Also zwang sie sich, die schneidend kalte Luft einzuatmen, und konzentrierte sich auf den Puls. Sie stellte sich vor, wie warmes Blut durch ihre Adern floss, rief sich das Pfeifen der Vögel und den herrlichen Duft des Schweinemagens in Erinnerung. Langsam floss das Leben als warmer Strom in ihren Körper zurück und verdrängte das unruhige Gefühl der Lägerigkeit.
Vor ihr sammelten sich die Schwaden aus der Lichtkugel in einer dampfenden Lache. Sie wirbelten herum, wie von einem unsichtbaren Kochlöffel gerührt, und bäumten sich zu einer Säule auf. Der Rauch verdichtete sich zu einer Silhouette, aus der vier Triebe wie die Äste eines Baums wuchsen. Die Konturen schärften sich, bis Chloé Arme und Beine erkannte. Es war, als schaffierte jemand mit einem weichen Bleistift einen Mann samt Monokel, Kniehose, Weste und Mantel mitten in die Luft. Seine Füße versanken bis zu den Knöcheln im Kopfsteinpflaster. Unter einem hohen Zylinder sprossen silberne Locken wie Baumwolle, die rechte Hand hielt einen Gehstock umklammert und im kantigen Gesicht prangte der feinste aller Schnurrbärte.
Der Geist manifestierte sich wie eine blasse Erinnerung, die jemand vor seinem geistigen Auge abrief. Chloé wusste von der Ehefrau von Mr Finchley, dass er ein Treuhandbüro geführt hatte und im Schlaf an einer Herzschwäche gestorben war. Er erschien eines morgens nicht zum Tee. Seine Gattin entdeckte ihn im Ehebett, starrt wie eine Statue und klamm wie ein gepökelter Fisch.
»Guten Tag, Mr Finchley«, grüßte Chloé mit einer höflichen Verbeugung. Auch in der Unterwelt gehörte sich eine Prise Höflichkeit. »Ich habe einen Brief Ihrer geliebten Ehefrau, Marissa Finchley-Abernathy.«
Der Geist richtete seine Manschettenknöpfe und rückte das Monokel zurecht. Seine Augen glühten wie zwei gleißend helle Sonnen.
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Stefanie
Reißwolf


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BeitragVerfasst am: 14.01.2022 10:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo SantaDude,

ich habe nur die neue Version gelesen und bin schwer begeistert! (pun intended)

Da passt einfach alles, von der Einführung der Figur über den Spannungsaufbau bis hin zu dem anschaulich geschilderten Setting.

Eine Kleinigkeit ist mir negativ aufgefallen, die ziemlich heraussticht, weil sonst alles so gut passt:
"oder in die Rolle der Hausfrau zu schlüpfen, wie es ihr Vater vorgesehen hatte"

Was soll dieses 60er-Jahre-Klischee in der Geschichte?

Sie wurde doch offenbar von klein auf als Geisterpostbotin ausgebildet.
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SantaDude
Wortedrechsler


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BeitragVerfasst am: 14.01.2022 13:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Stefanie,

wow, vielen Dank für deinen lobende Worte Very Happy Es freut mich sehr, wenn dir mein überabreiteter Einstieg gefällt. Was deine Anmerkung angeht: Da hast du recht, das könnte man rauswerfen. Damit wollte ich darauf anspielen, dass sie als einziges Mädchen der Familie einen schweren Stand hat. Aber das kann man anders formulieren, auch wenn die Geschichte um 1860 herum spielt und da das Frauenbild noch deutlich konservativer war.

Nochmals danke für dein Lob, das motiviert sehr!
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Stefanie
Reißwolf


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BeitragVerfasst am: 14.01.2022 13:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ah, ok, eine zeitliche Einordnung fehlte mir.

Aber auch da würde ich eher andere Wege suchen, ihre Sonderstellung als Mädchen herauszukehren, zB dass ihr weniger zugetraut wird oder sie "beschützt" wird und sie sich beweisen muss.
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SantaDude
Wortedrechsler


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BeitragVerfasst am: 14.01.2022 14:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Absolut einverstanden, gerade dieses "sich beweisen wollen" wird im Verlauf der Geschichte noch entscheidend. Danke für den Hinweis.
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Stefanie
Reißwolf


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BeitragVerfasst am: 14.01.2022 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht.
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Heribert
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BeitragVerfasst am: 14.01.2022 19:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ja hallo,

wenn Du schon so viel Rückmeldung (Fiedbäg) für den Text bekommst, dann möchte ich mit einstimmen, in den Reigen der Kommentare. Ich selbst arbeite gerade an einer Kurzgeschichte über den Geschmack von Briefmarken, wenn sie vorher im Spint einer Damenumkleide aufbewahrt wurden. Fein.

Zitat:
dass eine Familie seit vielen Generationen den Toten die Nachrichten der Lebenden überbringt


Das klingt sehr vielversprechend. Ich möchte übrigens meiner Meinung nach überflüssige Wörter rot kennzeichnen. Phrasen und Abgedroschenes markiere ich grün; das würde ich jetzt auch als politische Aussage werten. Braun mache ich umständliche Ausdrücke, die durch Synonyme ersetzt werden könnten.
Ich habe den Text vorher nicht gelesen und die Kommentare sowieso nicht.

Zitat:
Chloé Ferryman läutete die Totenglocke. Die Schläge hallten durch die engen Gassen, die sich wie Adern durch die Stadt der Toten zogen. Verlassenen Steinhäuser stapelten sich wie die Bauklötze eines Riesen zu schiefen Türmen. Ein Windstoß – und sie würden zusammenfallen wie Kartenhäuser. Aber der Wind mied diesen Ort, und außer dem regelmäßigen Schlagen der Glocke herrschte gespenstische Stille. Was Chloé kaum überraschte, da die Unterwelt nicht unbedingt für ihre ausgelassene Stimmung bekannt war.
Nach dem dreizehnten und letzten Glockenschlag pendelte der gusseiserne Klöppel aus. Der Ton verebbte tief in den Gassen, ehe sich das Schweigen wie eine Servierglosche wieder über den menschenleeren Marktplatz stülpte.


Der Einstieg ist gelungen. Der Name Chloé ist einer der schlimmsten, den ich kenne. Ich würde für eine Geschichte nur Vornamen verwenden, wenn es unbedingt nötig ist. Aber Chloé würde ich nie verwenden - es ist allerdings Geschmackssache - weil er wirklich irgendwie beschissen klingt.

Zitat:
So weit, so gut, dachte Chloé, und atmete tief ein. Die Luft duftete kaum wahrnehmbar nach frischer Minze, dem Geruch der Geister. Noch war der Hauch so schwach, dass sich kein Toter in ihrer Nähe befand. Auch die anderen Symptome einer Geisterpräsenz gaben keinen Anlass zur Sorge: Der Druck auf den Ohren löste sich mit einem Gähnen, die Unruhe in der Brust blubberte vor sich hin. Wäre ein Geist in der Nähe, wären die unruhige Lägerigkeit, der minzige Geisterhauch und das Aurisma in den Gehörgängen deutlich ausgeprägter.
Nun stand Chloé der komplizierte Teil ihrer Aufgabe bevor. Ihre Handflächen waren schweißnass und das Herz schlug ihr bis zum Hals. Heute durfte sie sich keinen Fehler erlauben. Nicht an dem Tag, an dem sie zum ersten Mal ohne die Hilfe ihres Vaters oder ihrer Brüder eine Nachricht an einen Toten überbringen durfte!
Natürlich hatte sie für ihren ersten Einsatz als Botin einen Verblichenen abbekommen, die ungefährlichste und harmloseste der Geisterarten. Eigentlich hatte sie auf einen Flackerer gehofft, die konnten durchaus mal die Fassung verlieren. Auf ein Mortasma, einen Geist der dritten Gefahrenstufe, verzichtete sie freiwillig. Diese Seelen hatten kaum noch etwas Menschliches an sich und waren furchteinflößend. Chloé nahm ihnen die miese Laune nicht übel. Schließlich gab es nur etwas, das schlimmer war als der Tod selbst: nämlich vergessen zu werden. Genau das stand den Mortasmen unmittelbar bevor.


Das lädt ein zu mehr. Außer der Name, der ist echt beschissen.

Zitat:
Chloé schüttelte die Gedanken an Verblichene, Flackerer und Mortasmen ab. Sie musste sich konzentrieren! Mit einem Blick über die Schulter überprüfte sie, ob der Chrisamkreis auch groß genug war. Im Notfall würde sie hineinhüpfen, das geweihte Öl entfachen und im Schutz des Feuers auf Hilfe warten. Eine sichere Rückzugsmöglichkeit gehörte zu den wichtigsten Regeln der Ferrymans. Als Postbote der Toten wusste man letztlich nie so genau, was einen in ihrer Welt erwartete.
Chloés Atmen verwandelte sich in Dunstwolken, die sich vor ihren Augen verflüchtigten. In der Stadt der Toten war es zu jeder Jahreszeit eiskalt. Sie strich über den ledernen Brustpanzer. Die feinen Eiskristalle unter ihren Fingern knisterten. Chloé holte tief Luft und klaubte den Brief hervor. Ein blutrotes Wachssiegel prangte darauf. Vom Briefpapier stieg der penetrante Geruch von Rosenwasser auf.
»Dann wollen wir mal«, sprach sie sich Mut zu (baute sie sich auf?). Das Parfüm roch so stark, dass Chloé das Gefühl hatte, in eine zarte Duftwolke gehüllt zu sein. Sie wedelte mit der Hand, um den Geruch zu vertreiben. Aber es verschlimmerte die Sache nur. »Konzentriere dich!«, mahnte sich Chloé und kniff die Augen zusammen, um die geschwungene Handschrift im Halbdunkel zu entziffern.


Ist immer noch spannend.

Zitat:
»Richard Finchley«, las sie laut vor. Ihre Stimme hallte einsam durch die Totenstadt. Die Steinwände warfen ihre Worte als unheimliches Echo zurück. Irgendwo schlug eine weitere Totenglocke.
Jetzt hieß es abwarten. Die meisten Geister manifestierten sich in weniger als zwei Minuten. Nur in seltenen Fällen dauerte es länger und bedurfte mehrerer Aufrufungen.
Chloé achtete auf die Anzeichen einer Geisterpräsenz. Das Rosenwasser machte es unmöglich, den feinen Minzgeruch zu erkennen. Das Aurisma und die Lägerigkeit blieben konstant. Die weitentfernten Glockenschläge verklangen.
»Richard Finchley«, wiederholte Chloé den Namen, dieses Mal ein wenig lauter. »Ich habe eine Nachricht von Ihrer geliebten Marissa bei mir. Manifestieren Sie sich, dann werde ich die Worte aus der Welt der Lebenden mit Ihnen teilen.«
Ginge es nach Chloé, hätte sie dem Geist wie einem unartigen Kind gedroht und bis drei gezählt. ( Haha, diese alberne Erziehungsmethode machen nur Frauen. Nur Frauen und sonst niemand ...) Aber sie wiederholte gehorsam die Worte, die sie von ihrem Vater gelernt hatte.
Chloé horchte in das stille Atmen der Geisterwelt hinein. Was sinnlos war, da Geister weder Schritte noch sonst ein Geräusch von sich gaben. Sie sprach den Namen ein drittes Mal aus und spürte die Ungeduld in ihr hochkriechen. Sie betrachtete die gusseiserne Totenglocke, die an einer Konstruktion aus dunklen Holzbalken hing. In der Stadt gab es vier Stück davon, eine in jedem Viertel. Chloés Vater Ferius übernahm heute die Auslieferungen im Nordviertel, ihr ältester Bruder Tide jene im Westen. Nile und Rhone, die Zwillinge, waren ganz in ihrer Nähe im südlichen Viertel zugange.
»Komm schon, du dämlicher Geist!« Chloé verschränkte die Arme und wippte auf ihren schweren Stiefeln auf und ab. Geduld gehörte nicht zu ihren Stärken – vor allem nicht, wenn sie Hunger hatte.


Warum hast Du eigentlich überhaupt englische Namen gewählt? Weil es cooler ist? Spannung ist noch da, geht aber etwas nach unten.

Zitat:
»Richard Finchley, du sturer Bock, manifestiere endlich!«, versuchte sie es erneut. »Ich würde gerne heute noch nach Hause kommen. Meine Mutter macht gefüllten Schweinebauch, den verpasse ich höchst ungern!«
Aber Tote machten sich nicht viel aus Dingen wie Zeit oder gefülltem Schweinebauch. Wer von dem einen unendlich viel besaß und vom anderen nicht mehr kosten konnte, hatte gut reden. Ob dieser Finchley sich noch an den wohlriechenden Geruch von Schweinebauch erinnerte?
Chloé wartete.
Und wartete.
Plötzlich, als hätte Chloé einen anderen Raum betreten, veränderte sich die Atmosphäre. Die Luft um sie herum gab ein leises Knistern von sich. Die Härchen in ihrem Nacken richteten sich auf, unsichtbare Hände drückten auf Chloés Ohren und ein ungutes Gefühl ergoss sich wie kaltes Wasser über ihren Kopf (Naja, ein Bisschen unfreiwillig komisch, was?)
Der Geist!
Er manifestierte sich.


Wortwiederholungen.

Keine Angst, ich habe den Text zu Ende gelesen. Lasse aber den Rest jetzt einmal weg. Denn eines ist ist mir aufgefallen: die Geschichte wird zum Ende zu wie eine Netflix-Serie mit knalligen Effekten und so weiter. Das ist nicht so ganz mein Ding. Mir fällt auf, dass es im Forum nur so von Elfen, Vampiren und Geisterwesen wimmelt. Wird langsam langweilig. Ist vielleicht auch ne Alterssache.

Trotzdem gut geschrieben. Hat mich anfangs gut mitgerissen, bis es zum Netflix-Ding wurde. Ist aber Geschmackssache.

Weiter so!
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Skatha
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 156
Wohnort: Alpenraum


BeitragVerfasst am: 15.01.2022 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Der Titel ist schon mal originell^^ ich bin auch recht schnell in die Geschichte reingekippt. Es startet bei einem für die Prota wichtigen Ereignis und das fesselt. Die Infos zur Figur, ihrer Aufgabe und die Gesetzmäßigkeiten der Geisterwelt sind auch gut in die Handlung eingebaut, ohne dass es als zu störender Infodump daherkommt. Das einzige, was mir ein wenig fehlt, ist mehr Info zu Zeit und Ort der Handlung.

Zitat:
Der Geist schwebte, die Schuhe im Boden versunken, vor Chloé. nur seine Schuhe stecken im Boden und er schwebt barfuß darüber?
...
Seine Füße lösten sich aus dem Boden und schwebten nun einige Zentimeter darüber. also schwebte er doch noch nicht? und statt schwebender Füße evtl 'Sein Körper/Er löste sich vom Boden…'
...
»Sehen Sie?« Chloé stemmte die Hände in die Hüften. »Ich bin eine nette Botin. Nile und Rhone hätten Sie längst mit ihren Tritonshörnen verjagt. Und mein Vater hätte bei ihrem kleinen Wutanfall eben mit der Heliosmünze geschnippt. Bei Tide bin ich mir nicht sicher, der hat normalerweise die Ruhe weg. Aber vielleicht hätte er einen Wacholderpfeil in ihren Geister-Allerwertesten gejagt.« Chloé warf ihr langes blondes Haar zurück. »Sie haben Glück, dass Ihnen die Ehre zuteil kommt, mein erster Kunde zu sein!« bis dahin ist sie direkt und kurz angebunden, der Redeschwall fällt ein wenig aus dem Rahmen; es ist zwar erheiternd und interessant mehr über ihre Familie zu erfahren, ich würde es aber nicht in direkter Rede bringen
...
Eine gefährliche Sache! Grundsätzlich konnten Geister keine Gegenstände berühren (dafür aber Menschen, sehr zum Leidwesen der Ferrymans). der Einschub in Klammer holt einen aus der personalen Perspektive
... Eine sichere Rückzugsmöglichkeit gehörte zu den wichtigsten Regeln der Ferrymans. hier ebenfalls, es klingt wie von einem auktorialen Erzähler; außer es ist so gewünscht; ansonsten, wenn es ihre Gedanken sind, evtl 'die Regeln ihres Vaters/ihrer Familie‘


Zitat:

Es geht in Richtung Urban Fantasy mit Gruseleinflüssen, was allein schon durch die Geisterthematik gegeben ist. Die Zielgruppe ist 12+, da hoffe ich, den Spagat zwischen Humor und Grusel zu treffen.

Edit: wollte auch schon fragen, welches Genre, aber grad deine Antwort gelesen; hätte auch auf Mystery oder Fantasy getippt. Es kommt in jedem Fall humorvoll und locker daher und macht Laune, mehr davon zu lesen.

LG Skatha


_________________
Das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant. (M. Feldenkrais)
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SantaDude
Wortedrechsler


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BeitragVerfasst am: 15.01.2022 12:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Heribert,

zuerst einmal auch ein Dankeschön, dass du meinen Text durchgelesen und Feedback gegeben hast. Deine markierten Wörter und Satzteile werde ich mir nochmals anschauen, da ist bestimmt das eine oder andere dabei, das sich ein wenig schärfen oder präzsieren lässt.

Zitat:
Der Name Chloé ist einer der schlimmsten, den ich kenne. Ich würde für eine Geschichte nur Vornamen verwenden, wenn es unbedingt nötig ist. Aber Chloé würde ich nie verwenden - es ist allerdings Geschmackssache - weil er wirklich irgendwie beschissen klingt.


Tut mir leid, wenn ich Dinge lese wie "weil er beschissen klingt", kann ich diese Kritik nicht ernst nehmen. Es hätte auch gereicht, einmal zu erwähnen, dass du ihn nicht magst. Aber weiter unten bezeichnest du ihn nochmals als beschissen. Ich finde den Namen toll, er geht gut von der Zunge, ist nicht alltäglich und am Ende wird er hoffentlich gross und fett vorne auf dem Buch stehen.


Zitat:
Warum hast Du eigentlich überhaupt englische Namen gewählt? Weil es cooler ist? Spannung ist noch da, geht aber etwas nach unten.


Weil die Geschichte in Grossbritannien angesiedelt ist und ich englische Namen mag.

Zitat:
die Geschichte wird zum Ende zu wie eine Netflix-Serie mit knalligen Effekten und so weiter. Das ist nicht so ganz mein Ding.


Diesen Kritikpunkt verstehe ist nicht. Was bedeutet denn "wie eine Netflix-Serie mit knalligen Effekten"? Ich finde es wunderbar, wenn es ein wenig knallt!

Zitat:
Mir fällt auf, dass es im Forum nur so von Elfen, Vampiren und Geisterwesen wimmelt. Wird langsam langweilig. Ist vielleicht auch ne Alterssache.


Diese Meinung teile ich überhaupt nicht. Die Texte hier sind so vielfältig, ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine Geschichte mit Elfen oder Vampiren gelesen habe …

Danke für deine Anregungen, auch wenn ich nicht jede deiner Meinungen teile.
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SantaDude
Wortedrechsler


Beiträge: 85



BeitragVerfasst am: 15.01.2022 12:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Skatha hat Folgendes geschrieben:
Der Titel ist schon mal originell^^ ich bin auch recht schnell in die Geschichte reingekippt. Es startet bei einem für die Prota wichtigen Ereignis und das fesselt. Die Infos zur Figur, ihrer Aufgabe und die Gesetzmäßigkeiten der Geisterwelt sind auch gut in die Handlung eingebaut, ohne dass es als zu störender Infodump daherkommt. Das einzige, was mir ein wenig fehlt, ist mehr Info zu Zeit und Ort der Handlung.

Zitat:
Der Geist schwebte, die Schuhe im Boden versunken, vor Chloé. nur seine Schuhe stecken im Boden und er schwebt barfuß darüber?
...
Seine Füße lösten sich aus dem Boden und schwebten nun einige Zentimeter darüber. also schwebte er doch noch nicht? und statt schwebender Füße evtl 'Sein Körper/Er löste sich vom Boden…'
...
»Sehen Sie?« Chloé stemmte die Hände in die Hüften. »Ich bin eine nette Botin. Nile und Rhone hätten Sie längst mit ihren Tritonshörnen verjagt. Und mein Vater hätte bei ihrem kleinen Wutanfall eben mit der Heliosmünze geschnippt. Bei Tide bin ich mir nicht sicher, der hat normalerweise die Ruhe weg. Aber vielleicht hätte er einen Wacholderpfeil in ihren Geister-Allerwertesten gejagt.« Chloé warf ihr langes blondes Haar zurück. »Sie haben Glück, dass Ihnen die Ehre zuteil kommt, mein erster Kunde zu sein!« bis dahin ist sie direkt und kurz angebunden, der Redeschwall fällt ein wenig aus dem Rahmen; es ist zwar erheiternd und interessant mehr über ihre Familie zu erfahren, ich würde es aber nicht in direkter Rede bringen
...
Eine gefährliche Sache! Grundsätzlich konnten Geister keine Gegenstände berühren (dafür aber Menschen, sehr zum Leidwesen der Ferrymans). der Einschub in Klammer holt einen aus der personalen Perspektive
... Eine sichere Rückzugsmöglichkeit gehörte zu den wichtigsten Regeln der Ferrymans. hier ebenfalls, es klingt wie von einem auktorialen Erzähler; außer es ist so gewünscht; ansonsten, wenn es ihre Gedanken sind, evtl 'die Regeln ihres Vaters/ihrer Familie‘


Zitat:

Es geht in Richtung Urban Fantasy mit Gruseleinflüssen, was allein schon durch die Geisterthematik gegeben ist. Die Zielgruppe ist 12+, da hoffe ich, den Spagat zwischen Humor und Grusel zu treffen.

Edit: wollte auch schon fragen, welches Genre, aber grad deine Antwort gelesen; hätte auch auf Mystery oder Fantasy getippt. Es kommt in jedem Fall humorvoll und locker daher und macht Laune, mehr davon zu lesen.

LG Skatha


Hallo Skatha,

wunderbar, deine Art der Kritik gefällt mir sehr – sachlich, mit guten Anregungen und auch mal ein Lob eingestreut. Vielen Dank dafür! Die markierten Stellen schaue ich mich gerne an. Gerade Kleinigkeiten wie die kurzen auktorialen Einschübe oder der etwas zu lange Familien-Infodump in der direkten Rede sind Hinweise, die aus einem guten Text einen (hoffentlich) sehr guten machen Wink

Es freut mich sehr, wenn meine Geschichte einen lockeren und humorvollen Eindruck macht und Lust auf mehr macht – auch wenn es im zweiten Kapitel dann vorbei ist mit Chloés Lockerheit Very Happy

Liebe Grüsse!
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