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Alf (nicht eingereichte Geschichte zur „Skurile-Dates“-Ausschreibung)


 

 
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wohe
Geschlecht:männlichEselsohr

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Beiträge: 340
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 17.12.2021 19:15    Titel: Alf (nicht eingereichte Geschichte zur „Skurile-Dates“-Ausschreibung) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Freunde,
ich habe eine Ausschreibung gefunden (https://www.net-verlag.net/ausschreibungen Thema = „Skurile Dates“), die mich zu unten stehender Geschichte inspiriert hat.
Nun kann ich diesen Verlag 1. internetmäßig nicht mehr erreichen, fand ihn 2. in mehreren Zuschussverlagslisten und fand 3. in unserem Forum unter https://www.dsfo.de/fo/viewtopic.php?t=31227 auch Kommentare, die mich von dem Vorhaben, die Geschichte dort einzureichen, abbrachten.
Falls Ihr Lust habt, sie zu lesen, würden mich Eure Meinungen sehr interessieren.

Alf

Es klingelte. Christian schlürfte zur Tür und sah durch den Spion. Ein junger Mann, etwas wirre Haare, harmloser Gesamteindruck, wie ein Zeuge Jehovas sah der nicht aus, also öffnete Christian die Tür.
Der junge Mann lächelte und ging an ihm vorbei ins Wohnzimmer. Er setzte sich in den Fernsehsessel und sah sich um. „Ganz gemütlich, vielleicht ein bisschen unordentlich, ab da kann man dran arbeiten. Hast du nen Bier?“
„Ähm“, machte Christian. „Was ist los?“ Es war eindeutig noch zu früh am Tag.
„Ich bin Alf“, sagte Alf. Er stand auf und schüttelte Christian die Hand. „Ich dachte, ich spare mir das mit dem Ei, dem Salz, der Pfanne und so und einen Beutel am Bauch habe ich sowieso nicht.“
„Aha.“
„Wie das Känguru, du verstehst?“
„Kein Känguru, kein Beutel.“ Christian verstand.
Alf ging in die Küche und holte Bier aus dem Kühlschrank. „Hier.“ Er warf Christian eine Flasche zu.
Der öffnete sie und trank einen großen Schluck. Vielleicht half das ja.
„Das Ganze war für mich ein bisschen verwirrend“, erklärte Alf „Ich dachte, das Känguru wäre echt, schließlich gibt es ja welche, aber dann war das nur ein Film, weißt du?“
„Ich weiß“
„Allerdings gab es da dann auch noch ein Buch.“
„Ich weiß“
„Und dann sogar noch einen Comic und bei drei Treffern dachte ich, dann muss das ja wohl real sein. Stochastik, du verstehst?“
„Stochastik, Kolmogorow, Laplace. Verstehe.“
„War‘s aber doch nicht. Das habe ich daran erkannt, dass Kängurus gar nicht sprechen können, aber die Methode der Wohnungsfindung habe ich übernommen. Freut es dich?“
Christian trank noch einen Schluck. Dann war die Flasche leer. Alf ging zum Kühlschrank und holte Nachschub.
Dann, ein paar Kühlschrankbesuche später, fragte Christian: „Alf? Wie der Alf aus dem Fernsehen?“
„Genau wie der, nur, dass ich echt bin und nicht vom Planeten Melmac komme. Den gibt es auch gar nicht. Klassischer Fall von Fakenews.“
Christian ging Bier holen.

Wäre er damals nicht an die Tür gegangen, hätte Christian jetzt seine Ruhe. Ohne Alfs Drängelei könnte er einfach umkehren und nach Hause gehen. Immerhin wartete dort ein Kühlschrank voller Bier.
Er blieb stehen.
„Du bist zu spät.“ Alf blickte auf die Uhr. „Gib Gas.“
„Ich kann da nicht hin.“
„Warum nicht?“
Christian zuckte die Achseln. „Weiß nicht. Geht nicht. Ich werde bestimmt rot oder so.“
Alf zeigte nach oben. „Ich fasse es nicht. Die Sonne knallt wie verrückt, alle Welt hat einen Sonnenbrand, du kannst aussehen wie Winnetou und trotzdem wundert sich kein Mensch.“
„Trotzdem. Das sieht irgendwie peinlich aus. So als wäre ich total verunsichert. Uncool halt.“
„Na und? Du bist uncool.“
„Na danke. Uncool geht aber nicht. Keine Frau der Welt will einen uncoolen Typen kennenlernen. Wenn du einen roten Kopf hättest, würdest auch du keine finden.“
„Wie kommst du da drauf? Ich habe kürzlich mal eine getroffen, bei der hatte ich versehentlich einen blauen Kopf und trotzdem wurde was aus uns.“
„Ehrlich?“
„Ehrlich. Die fragte, ob mir ein Farbeimer auf den Kopf gefallen wäre und als ich »ja« sagte, hat sie sich köstlich amüsiert. Beim nächsten Mal hatte ich dann einfach einen normalfarbigen Schädel und gut war‘s. Weißt du, dass es sogar Tiere gibt, die sowas können? Die heißen Cephalopoden. Toll. Das bedeutet Kopffüßer. Stell dir mal vor, wie die armen Viecher verkehrt herum durch die Gegend laufen. Irre.“
„Die laufen nicht, die leben im Meer und die haben auch keine Füße, sondern Tentakel. Kopffüßer ist nur ein Name.“
„Das weiß ich natürlich. Das war ein Scherz zur Auflockerung.“
„Danke. Ich bin dann mal locker.“
„Geh jetzt endlich weiter.“
„Was ist, wenn ich anfange zu stottern?“
„Warum solltest du stottern? Hast du schonmal gestottert? Irgendwann irgendwo?“
„Das nicht, aber es gibt für alles ein erstes Mal.“
Alf schob ihn voran. „Los jetzt. Wir haben nicht stundenlang geübt, damit du in letzter Sekunde kneifst.“
„Vielleicht sollten wir einfach noch ein wenig warten“, schlug Christian vor.
„Worauf? Auf Godot? Das Treffen ist jetzt und nicht in »ein wenig«.“
„Godot ist der, der überhaupt nicht kommt. Ich will nur etwas abwarten, wie sich die Sache entwickelt. Stell dir doch mal vor, ich gehe da jetzt hin und sie kommt nicht. Dann werde ich möglicherweise annehmen, dass ich ihr nicht gefalle und das würde mich vielleicht dermaßen deprimieren, dass ich psychischen Schaden nehme und das Risiko ist mir einfach zu hoch.“
„Was für ein Quatsch!“ Alf musste ein paar Mal tief durchatmen. „Wie kannst du ihr nicht gefallen, wenn sie dich noch nicht einmal gesehen hat? Los jetzt.“
„Vielleicht steht sie ja hinter irgend einer Ecke und guckt sich an, wie ich so aussehe, um bei Nichtgefallen flugs zu entschwinden und ich stehe dann da mit meinen Depressionen. Sagt Dr. Sommer.“
„Wer?“
„Dr. Sommer.“
„Kenne ich nicht.“
„Kennst du nicht? Ich denke, du kennst die gesamte Wiki.“
„Tue ich auch, aber das steht nichts von Dr. Sommer.“
„Na sowas. Also kennen tue ich ihn auch nicht direkt, aber jedenfalls ist der Psychologieberater und Datingexperte.“
„Du kennst ihn nicht, aber er hat dir das alles erzählt?“
„Nicht direkt, mehr so indirekt.“
Alf verstand nichts.
„Ich war im Keller“, erklärte Christian, „und da liegen noch die Bravo-Hefte von meiner Oma rum und ein paar davon sind sogar noch relativ schimmelfrei und in denen gibt der Dr. Sommer immer Tipps, wie das so läuft mit den Mädels und diesem und jenem und so und da schrieb er auch was von Depressionen, die man vermeiden kann, wenn man die auslösende Situation vermeidet.“
„Bravo-Hefte“, echote Alf.
„Überdies, wenn die nun da vorn hinter dem Haus steht und mich ausspäht, verletzt das auch noch meine Privatsphäre, da ist schon der Datenschutz vor.“
„Datenschutz.“
„Genau.“
„Also.“ Bei der Argumentation musste sich Alf erstmal setzen. Christian ebenso.
„Fassen wir zusammen“, sagte Alf. „Du leidest unter akutem
Frauenmangel und brauchst eine Partnerin.“
„Schon“, musste Christian zugeben.
„Du hast dich in einer Partnerbörse angeboten.“
„Angeboten. Wie klingt das denn? Ich bin doch kein Lebensmittel. Heute besonders günstig: 80kg Christian, nur noch kurze Zeit. Ich bitte dich.“
„Ok, einigen wir uns auf »du hast dich dort angemeldet«. Gut so?“
„Ja.“
„Komischerweise hat sogar jemand auf dein Inserat geantwortet und weil dir ihr Name so gefallen hat, hast du Mails mit ihr ausgetauscht und dich mit ihr verabredet und willst mir jetzt sagen, dass meine ganze Arbeit für die Katz war?“
„Ähm.“
„Nix ähm. Roxane, ein wunderschöner Name, korrespondiert natürlich hervorragend mit Christian und so lag es natürlich nahe, den Cyrano zu kopieren und du hast ja auch von profitiert. Ich hab‘s geschrieben und du hast‘s verschickt. Arbeitsteilung halt, aber jetzt muss du deinen Teil auch zu Ende führen. Zieh das gefälligst durch.“
„Das war doch alles nur wegen der Hormone“, klagte Christian. „Die treiben uns nun mal durch unser Leben und weil du mit sowas nichts zu tun hast, kannst du auch nicht verstehen, was so ein Trieb für einen Druck ausübt.“
„Und wie erklärst du bitte, dass der Druck jetzt nicht mehr ausreicht?“
„Das ist auch wegen der Hormone. Erst waren es triebsteigernde, jetzt sind es triebbremsende. Vielleicht sind die triebsteigernden durch die ganze Grübelei und Schreiberei und all die Vorbereitungen einfach verbraucht und jetzt schlagen halt die anderen zu.“
„Welche Vorbereitungen? Du musstest sowieso mal wieder duschen.“ Alf überlegte. Dann zeigte er auf das Elektrogeschäft gegenüber. „Roxane. Also weiter mit Cyrano de Bergerac.“
„Du redest mit ihr und ich bewege den Mund?“
„So ungefähr.“ Alf ging ins Geschäft und kaufte Walkie-Talkies, Ohrhörer und Taschenmikros.
„Ich sage dir, was du zu sagen hast und du sprichst es einfach nach, ok?“
„Ok.“ Christian hatte verstanden.
Einige Fummeleien später waren die Geräte versteckt. Alf ging um die Ecke und begann den Systemtest: „Test.“
„Schrei nicht so laut.“
Feinjustierung, dann ein neuer Versuch: „Test.“
„Wat?“
„Nix wat. Du sollst sagen, was ich dir vor sage. Test.“
„Das ist doch albern. Was sollen die Leute denken, wenn ich hier plötzlich Test sage?“
„Ist alles in Ordnung? Halten Sie Selbstgespräche?“, fragte ein Passant.
„Nee“, sagte Christian
„Was nee?“, fragte Alf.
„Was nee?“ sagte Christian.
Der Passant beschleunigte deutlich.
Alf kam zurück. „Also ich habe dich gut verstanden.“
„Ich dich auch.“ Christian fixierte Alfs Gesicht. „Dir fehlt es an Authentizität. Ich gehe zwar sicher als gutaussehender Neuvillette durch, wenngleich es mir an Dummheit mangelt, dir hingegen mangelt es an Nase.“
„Stimmt.“ Alf modellierte seine Nase zu größer und länger. „Besser?“
„Authentischer, aber jetzt weiß ich auch, warum Roxane Christian gewählt hat.“
„Dann eben nicht.“ Alf formte seine Nase wieder retour. „Los jetzt. Sei freundlich, lächle an den richtigen Stellen, sag, was ich sage und vor allem: fang nicht gleich an, sie zu begrapschen.“‘
„Nicht?“
„Nein.“
Sie gingen über den Platz zum Brunnen, wo Roxane bereits wartete. Mit jedem Schritt wurde Christian langsamer.
„Hör auf, mich zu schieben.“
„Dann geh gefälligst in Vorfreude erregter.“ Alf gab ihm noch einen Schwung und zog sich hinter den Brunnen zurück.
Also gut. Christian verzog seine Mundwinkel in Richtung erregter Vorfreude und ging auf Roxane zu.
„Roxane?“
„Hallo“, sagte sie. „Das bin ich. Und du bist bestimmt Christian.“
„Ja.“ Zu mehr reichte es nicht. Himmel, war die Frau schön.
Auch Alf lugte hinter dem Brunnen hervor.
„Oha.“ sagte er.
„Oha“, sagte Christian.
„Oha?“, fragte Roxane.
„Du musst doch nicht alles nachplappern“, rief Alf.
„Du musst doch nicht alles nachplappern“, sagte Christian.
„Na sag mal“, Roxane runzelte die Stirn, „was soll das denn?“
„Das geht in die Hose“, stellte Alf fest.
„Das geht in die Hose“, sagte Christian.
Roxane begann rückwärts zu gehen und wurde nur durch Alfs Arm daran gehindert, in den Brunnen zu fallen.
„Vorsicht, junge Dame“. Alf hatte seine Stimme auf tief, sanft und beruhigend umgeswitcht. „Der Eleganz Ihrer Erscheinung wäre ein Bad im Brunnen zwar sicher nicht abträglich, der Funktionsfähigkeit Ihrer Lungenbläschen hingegen möglicherweise schon.“
Roxane bekam große Augen. „Wat?“
„Sie wären fast gestürzt“, vereinfachte Alf und quetschte noch ein paar Pheromone hervor.
„Oh ja. Danke.“ Roxane lächelte ihn an, brauchte aber anscheinend noch immer seinen stützenden Arm.
Das Prozedere kannte Christian schon. Er selbst war hier definitiv überflüssig.
Einige Meter weiter war die Terrasse eines Cafés, das Alf mit Roxane am Arm jetzt ansteuerte.
„Ich heiße Alf“, sagte er.
„Alf?“, fragte sie. „Wie der Außerirdische aus dem Fernsehen?“
„Genau wie der. Nur dass ich echt bin.“ Alf schob ihr den Stuhl zurecht und sie setzte sich.
„Dann sind Sie also vom Planeten Melmac?“ Sie lachte. „Und was machen Sie hier?“
„Ich kam, um den bezauberndsten Menschen kennen zu lernen und das ist mir in diesem Moment gelungen.“ Alf lächelte jetzt sein für Frauen reserviertes Lächeln und schaltete das Funkgerät aus. Roxane strich ihre Haare zurück.
„Melmac gibt‘s nicht“, sinnierte Christian. „Und er kommt von Ross128b.“ Er drehte sich um und ging.

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HansGlogger
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BeitragVerfasst am: 13.01.2022 12:37    Titel: Antworten mit Zitat

Unterhaltsamer Text.  die eine oder andere Stelle könnte gekürzt werden.
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