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Die leisen Mädchen und die Lauten, Kapitel 1 und 2


 
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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 22.11.2021 01:37    Titel: Die leisen Mädchen und die Lauten, Kapitel 1 und 2 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Liebe Gemeinde, hier das erste Kapitel meines Romans "Die leisen Mädchen und die Lauten". Leider habe ich noch nicht verstanden wie das mit dem umblättern funktioniert (hatte das im Nachbarthread gesehen), aber ich versuchs mal so, werde das zweite Kapitel dann in einem seperaten Post posten.

Also bitte:

Als ob man einen Blumenstrauß auf eine graue Mauer gepinselt hätte.
Detroit – Industriemetropole im mittleren Westen der USA.
Trostlos, ungesund, deprimierend.
Gar nicht so sehr graue, formlose Häuserblöcke – so die Vorstellung vieler Leute von dieser Stadt. Nein, durchaus ansprechende Architektur – Art Deco, postmodern neogotische Wolkenkratzer.  Aber komplett verfallen, von mannshohem Gras überwuchert, darum Gangs, bewaffnet bis an die Zähne. Dann die Fabriken, Produktionsstätten der schnellsten Fortbewegungsmittel. Teilnahmslos stoische Gestalten, werkend an Fließbändern, selbst schon irgendwie Automaten.
Zum visuellen Erscheinungsbild passend der entsprechende Sound, die darauf abgestimmten Klänge: Garagenrock.
Anfang der Sechziger Jahre hatten viele Jugendliche in den USA das Bedürfnis ihre Sorgen und Nöte musikalisch auszudrücken.
Häufig in der elterlichen Garage, wurde mit einfachen musikalischen Mitteln eine primitive Version von Rock’n’Roll gespielt.
Bekannte Bands waren zum Beispiel
The Sonics
The KIngsmen
The 13th Floor Elevators
Und nirgendwo anders als hier, in Motor City, das Epizentrum dieser Bewegung.
Überall grau auf grau? Nein, auch bunt auf grau!

Auf einem grünen Hügel ein weißes Gebäude mit blauem Dach und ebensolchen Fensterläden.
Aus diesem Haus fröhliche Töne, soulige Klänge, animierend zum Tanzen.
Innen, hinter dem kornblumenfarbenen Fensterrahmen, an seinem imposanten Schreibtisch im neuesten Design: Berry Gordy.
Ehemaliger Boxer, während seiner Zeit als Fließbandarbeiter bei der Ford Motor Company Verfasser seiner ersten Pop-Songs. 1957 dann Gründung des Labels Motown, hier der Firmensitz. Statt Blaumann heute ein luxuriöser italienischer Anzug, ganz in schwarz , gleichfarbige Krawatte, silberne Krawattennadel in Form eines Notenschlüssels. Auch im Outfit des seriösen Geschäftsmanns immer noch geschmeidig und athletisch, wie man das wohl sein Leben lang ist, wenn man dem Boxsport nachging.

Mr. Gordy nippte an seinem Kaffee, und ließ seinen Blick durch sein Büro schweifen. Hell, voller Licht, ungefähr so wie er sich die Musik seines Labels vorstellte – fröhlich, unbeschwert, den Staub des Alltags von der Seele waschend.
Über Gordys Tisch ein großformatiges, abstraktes Gemälde, bestehend aus gelben, orangefarbenen, pinken und hellblauen Kringeln und Bällen. In der Ecke des Raums eine mannshohe afrikanische Skulptur aus Holz – der typische Motown-Hörer war zwar weiß, aber so ganz wollte der Firmeninhaber seine Wurzeln auch nicht verleugnen. Und dann – versteckt hinter einem Regal voller Aktenordner – ein Kunstwerk welches Gordy einmal auf einem Flohmarkt irgendwo tief im Süden erstanden hatte – abgebildet darauf ein Baumwollfeld, Frauen in farbigen Kleidern, die eben diese weißen Blumen pflückten, im Hintergrund ein romantischer Raddampfer.
Ob man die Vergangenheit auch von der Seele waschen kann?

Berry Gordy blickte aus dem großen, viel Sonne hereinlassenden Fenster auf das Treiben der nicht ganz so bunten und lichtdurchfluteten Großstadt.
Warum er damals Motown gründete? Nun, im Grunde genommen täglich während seiner Zeit in der Fabrik sah er die ausgelaugten, fast abgestorbenen Gesichter seiner Kollegen, in den Pausen dann nur öde Gespräche über ereignislose Familienleben und die ebenso langweilige Freizeit.
Keine Freude, nicht die geringste Fröhlichkeit, auf keinen Fall ansatzweise so etwas wie Romantik.
Da muss man doch was machen, dachte Berry Gordy.
In die Monotonie ein ganz klein bisschen Buntheit bringen, so wie ein Blumenstrauß auf eine bunte Mauer gemalt.
Gordy hasste Blues, dieses Gejammer und Geseier welches ihm sein aus Mississippi stammender Großvater auf dem Banjo vorgezupft hatte. Auch war er zu Tode gelangweilt vom Jazz – diesem nervigen Getröte, welches nur von rotweintrinkenden Bücherwürmern im ausgefransten schwarzen Pullover gehört wurde – und von Europäern.
Dagegen mochte er kleine, eingängige Songs, die Titel von denen man dachte dass sie jeder schreiben könnte – wenn man sich nie damit beschäftigt hatte!
Und Gordy liebte Soul – diese energiegeladene Musik, die im Grunde nichts anderes war als weltlicher Gospel!
Ob man diese beiden Stile kombinieren könnte?
Als er bei Ford Kotflügel zusammenschraubte – Tag für Tag, wochenlang, in die Monate gehend – bewirkte die Ödnis, dass er sich damit ablenkte, sich Melodien auszudenken. Wie bunte Regenwürmer im grauen Matsch des Arbeitsalltags, krochen sie in seinem Gehirn herum.
Irgendwann hatten die melodiösen Maden sich in seinem Oberstübchen so breitgemacht, dass dies auch seine Arbeitsmoral untergrub. Als er es einmal zu bunt trieb, und die anderen Arbeiter damit unterhielt seine selbstkomponierten Werke vorzuträllern, setzte ein engagierter Vorarbeiter ihn einfach vor die Tür.
Von der Abfindung gründete Gordy eine Plattenfirma, mit der er die Menschheit im großen ähnlich beglücken wollte, wie er dies im kleinen schon bei den Schraubern, Monteuren und Werkzeugbauern in der Fabrikhalle getan hatte.
Als Namen wählte Gordy eine Bezeichnung, die sich von dem Spitznamen unserer Lieblings-Industrie- und Autometropole ableitete: Motor Town, kurz Motown.

Doch der Arbeitsalltag eines Labelinhabers war im Endeffekt nicht besonders funky oder groovy:
Absolut abwechsungsloses Wälzen von Aktenordnern, anfertigen von Tabellen, bedienen von Rechenschiebern. Kunst ist schön macht aber viel Arbeit, und Kreativität besteht zu ein Prozent aus Inspiration, zu 99 Prozent aus Transpiration.
Heute war wieder so ein Tag, Gordy saß vor Unmengen von Papierstapeln, und überlegte mit welcher neuen Band er die Welt mit seiner Verquickung von Groove und flottem Pop beglücken kann.
Gestern bekam er einen skurrilen Anruf – eine Frau die irgendwie Black oder Blue oder so hieß, und irgendwie was mit einer dieser fürchterlich unmusikalischen Rockbands zu tun hatte, wollte ihm eine Sängerin vorbeischicken. Was hat sein grandioses Label mit diesem Schrott-Sound zu tun?
Versteh einer die Weißbrote.
Ding-Dong. Selbst der Klingelton war fröhlich und ein Lächeln aufs Gesicht zaubernd.
„Ja, bitte?“
Ein hochgewachsenes blondes Hippiegirl blickte schüchtern durch den Türspalt.
„Kommen Sie doch herein.“
Sie traute sich tatsächlich.
Auf den ersten Blick schien alles an ihr lang, die Arme, Beine bis zu den Ohren. Ihr Haar war zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr bis zum wohlgeformten Po reichte. Große Hände und ebensolche Füße. Die letzteren voller Schwielen und mit dicker Hornhaut, man sah, dass sie häufig ohne Schuhe ging.
Und als Kontrast dazu ihr süßes, kleines Gesichtchen, mit dem kecken Pony und der Stupsnase.
Noch nie hatte Gordy so eine reine, zarte Haut gesehen. Die Augen blau wie ein wolkenloser Himmel.
Wow. Eigentlich mochte Berry Gordy es lieber zierlich, im buntgemusterten Minikleid, mit hochgesteckter Beehive-Frisur und natürlich schwarz. Wie in den Girlgroups die er unter Vertrag hatte.
Aber diese nordische Schönheit mit weizenfarbiger Haarpracht raubte ihm jetzt auch den Atem.
Nicht ganz passte ihre Kleidung: Ein formloses Kleid, in einem dunklen, erdigen Farbton, zerschlissen und übersät von Flicken, dazu eine braune Umhängetasche mit pseudoindianischer Stickerei.
Und sie müffelte auch etwas, nicht nur weil das Stück was sie an ihrem Leibe trug einmal gewchselt werden könnte, nein, sie schien auch gerne mal dem Marihuana zu frönen.
Gordy hasste Drogen.
Sie wirkte ziemlich verloren, wie sie da in die Gegend guckte und den Hals reckte, man sah, dass sie vom Lande kam, alles war ihr fremd, sie erinnerte an ein scheues Reh welches zum ersten Mal den Wald verlassen hatte, oder wie ein edler Zuchtpudel in einem Haufen räudiger Straßenköter, nur umgekehrt.

„Hatten wir telefoniert?“
„Nein. Sie haben sich wohl mit Miss Black unterhalten, meiner Freun…meiner Managerin, ich meine der Managerin von den Trash Can Kickers.“
Wahrscheinlich diese Band. Was ist das denn für ein Name?
Irgendwie hat sie eine Klein-Mädchen-Sprechweise, gepaart mit einer – trotz starkem Akzent – sehr klaren Stimme.
Irgendwoher kannte Gordy sie.
„Ach ja, ich erinnere mich. Worum gings nochmal? Hatte ich nicht ganz verstanden.“
Aus dem Fernsehen? War sie eine Schauspielerin, oder so etwas?
„Nun, also darf ich mich erstmal vorstellen, ich bin Caroline Swanson, ich singe bei dieser Gruppe, also, ich meine bei den Trash Can Kickers.“
Beim Namen läutete es bei Gordy keinesfalls.
Nein, sie hat nicht in Filmen oder Serien mitgespielt, sonst würde sie souveräner sprechen.
Obwohl sie sich durchaus wohl in ihrer Haut zu fühlen schien, und sich auch ihrer körperlichen Reize bewusst war. Nur der freie Vortrag, und die Gesamtsituation überhaupt hier zu sein bereiteten ihr wohl Schwierigkeiten.
Wie einen wilden Karpfen den man aus einem Bach gefischt hatte, um ihn dann in ein Glas voller Goldfische zu verfrachten.
Wie ein stinkender Joint, den man in einen hübschen Korb voller Bonbons tat, und der dann langsam verglomm.
„Miss, ich erinnere mich an das Gespräch, aber leider, nun, war mir nicht ganz klar was die Dame mit der ich sprach von mir wollte?“
Caroline Swanson geriet jetzt etwas ins Schwitzen. Mit zittrigen Fingern kramte sie einen zerknitterten Zettel aus ihrer Ethno-Tasche.
„Miss Black hatte mir was aufgeschrieben“ sagte sie mit ihrem naiven Stimmchen.
„…“
Obwohl in Gordys Büro ansprechende rote Plastikstühle standen, futuristisch designt, etwas wie aus einem Science-Fiction-Film, zog es Miss Swanson vor sich kauernd auf den Boden zu setzen. Diese Blumenkinder!
„Kann mir das selber nicht merken.
  Also: Motown, dieses grandiose Label, welches die Unterhaltungsmusik auf eine neue, höhere Stufe
  gehievt  hat, steht nicht nur für frische, fröhliche, das Tanzbein animierende Klänge, sondern auch
  für das Überwinden von Vorurteilen, für das stumpferdenlassen der Scheren in den Köpfen von
  noch zu vielen Menschen. Eingängiger Pop gepaart mit Groove, dessen Wurzeln in Blues, Soul und
  Gospel liegen.
  Wir von den Trash Can Kickers stehen ebenfalls für den Umschwung im Bewusstsein der
  Menschheit, für die Eliminierung von sämtlichen Klassen- und Rassenschranken, ohne wenn und
  aber, wie es der große Vorsitzende Mao auf so großartige Weise in China vormacht.
  Unsere Frage nun an Sie, Mr. Berry Gordy, ob Sie sich vorstellen uns bei unserem revolutionären
  Kampf für Freiheit und Gleichheit zu unterstützen, und die Band The Trash Can Kickers unter Vertrag
  zu nehmen.“
Man merkte überdeutlich dass es ihr Schwierigkeit machte einen so langen Text vorzutragen, Lesen schien auch generell nicht ihr Ding zu sein. Trotzdem ein angenehmes Gefühl ihrer glockenklaren Stimme zu lauschen!
Langsam dämmerte es Gordy woher er diese Swanson kannte. Aus einem Modemagazin, sie war
wohl ursprünglich Modell, trug damals aber etwas andere Fetzen.
Caroline Swanson wühlte wieder in ihrem Fransenbeutel, und zog eine sehr schlicht gestaltete LP hervor.
„Falls Sie unsere Band noch nicht kennen, haben wir uns gedacht, bringe ich mal eine Platte mit.“
Gordy öffnete den Plattenspieler auf seinem Schreibtisch, Caroline legte die schwarze Scheibe auf, und ließ die Nadel langsam in die Rillen fahren.
Ein ohrenbetäubender Krach ertönte, begleiten von gellenden „Hey! Ho!“-Rufen. Passte nicht ganz zur Musik, aber Stimme die hier erklang war eindeutig die von Miss Swanson.
„Miss Swanson, Sie und Miss Black wissen ungefähr was für eine Musik hier vertrieben wird?“
„…“
„Und da Sie mit diesem Quatsch in China ankamen…“
Gordy nahm seine Notenschlüssel-Krawattennadel ab, und zauberte aus der Schublade seiner Arbeitsstätte eine Brosche in Form eines Dollarzeichens hervor, welche er sich sogleich an den Schlips heftete.
„…“
Er blickte jetzt ungewohnt nachdenklich.
„Ihr Weißen wärt gerne wie die Schwarzen, wenn auch nur fürs Wochenende. Aber ihr könnt euch eure langen Haare abschneiden, was machen wir?“
„…“
Zupfte Miss Swanson etwa etwas an ihrem Lumpengewand herum, versuchte sie jetzt doch ihre weiblichen Reize einzusetzen? Sind solche Geschichte nicht auch etwas was Mao, diese Miss Black, und so weiter zu überwinden suchten?
Nein, sie packte die Platte wieder ein, verabschiedete sich und trottete mit gesengtem Haupt aus dem Motown-Gebäude.
Berry Gordy sah ihr hinterher.

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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 22.11.2021 01:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

und hier wie versprochen das zweite Kapitel:

Blonde on…?
Caroline Swanson wuchs als Farmerstochter irgendwo im mittleren Westen der USA auf. Die guten Gene ihrer Eltern, sowie eine ausgewogene Ernährung aus Getreide und Milchprodukten ließen sie zu einer stattlichen jungen Frau heranwachsen. Groß, blond, gesund, weizenfarbenes Haar, sonniges Gemüt.
Doch sie wollte mehr sehen, fern vom öden Landleben, und da sie absolut dem damaligen Schönheitsideal entsprach, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie für diverse Modehäuser die neuesten Kollektionen auf den Laufstegen Amerikas präsentierte.
Doch irgendwann wehte ein neuer Wind über die Welt, übers Land, über die Modebranche, und natürlich wurde auch unsere Caroline davon erfasst.
Sie tauschte ihre niedlichen Kleidchen und Schirmchen und Miniröcke gegen Bandanas, lange Batik-Gewänder oder auch Blumengirlanden im Haar, gelegentlich zeigte sie sich auch mit freiem Oberkörper oder ganz nackt.
So ging es kreuz und quer über den gesamten Kontinent, vom pazifischen Nordwesten runter ins sonnige Kalifornien, von den Rocky Mountains bis an den Golf von Mexiko.
Doch ein Ort fehlte ihr noch: Die pulsierende Metropole der amerikanischen Kultur, New York City.
Caroline kannte durch ihren Beruf jeden angesagten Ort in den Vereinigten Staaten, aber The Big Apple blieb unserer Freundin bislang unbekannt.
Sie war überwältigt. Eine Stadt die niemals schlief. Wolkenkratzer die bis in den Himmel ragten. Glanz und Elend so nah beieinander. Diese Hydranten! Irgendwie schien es hier auch keine Hippie-Typen wie sie zu geben, sondern eher kurzhaarige Zeitgenossen, verratzt, aber eben nicht auf hippiemäßige Art.
Unter all den schrägen Gestalten trat ihr eine Figur gegenüber, die noch etwas skurriler war als alles was hier so kreuchte und fleuchte: Klein, silberweiße Haare, rosa Haut, Sonnenbrille, dicker Wollpullover mit Rentiermuster, Cowboystiefel.
Die Dame stellte sich als Wendy Årholm, - die norwegische Kusine von Andy Warhol - vor.
Nach dem Vorbild ihres berühmten Verwandten betrieb sie ein Studio namens „Beehive“.
Und wie Ihr Vetter – der seine eigene Band „Velvet Underground“ unterhielt, versuchte Wendy ebenfalls eine Musikgruppe zusammenzustellen, mit der nordischen Blondine Caroline als ihrer Nico.

Besagtes Kulturzentrum war von innen ganz mit silberner Folie ausgeschlagen, auf diesem glitzernden Grund Pop-Art-Kunstwerke im Stile von Cousin Andy.
Die Bilder waren durch Runensteine inspiriert, und hatten außerdem Einflüsse uralter Steinzeit-Findlinge die man an den Ufern skandinavischer Fjorde überall findet. Abgebildet waren sehr reduziert dargestellte menschliche Figuren, Hörner auf dem Kopf, beim Skifahren, mit Elchgeweih, dazwischen immer wieder alte, germanische Schriftzeichen.
Und dies alles halt in knalligen, leuchtenden Farben!

Oben erwähnte Formation bekam den schönen Namen „Norwegian Woodstock“ verpasst, die einzelnen Bandmitglieder waren ganz in schwarz gekleidet, und spielten – Arroganz der Avantgarde – mit dem Rücken zum Publikum.
Caroline nun verkörperte die Frontfrau, eine bezopfte Walküre mit Batikleid, Hörnerhelm und bis in Mark und Bein fahrender glockenklaren Stimme.

Aber sonst? Langeweile. Sie vermisste das Landleben ihrer Jugend, aber auch den Trubel der Modewelt. Caroline verstand eigentlich nichts von Kunst, und hatte keine Ahnung, ob die komischen Dinge, welche hier gemacht wurden, darunterfielen.
Und dann waren da noch eine Menge eigenartiger Gestalten, welche sich im „Hive“ herumtrieben.
Irgendein blinder Musiker, mit komischem Gedöns auf dem Kopf, kam wohl aus demselben Land wie diese Wendy. (Wo stammte eigentlich noch mal Carolines Familie her?)
Eine junge, sehr frech wirkende Latina, die mit ihrem Skateboard auf irgendwelchen Tafeln rumfuhr, sollte wohl irgendwie sowas wie eine „Performance“, (oder wie Leute hier sowas nennen) darstellen.  
Des weiteren eine dunkelhaarige Frau in einer Art Schneewittchenkleid, machte wohl irgendwas mit Mode.
Diese dürre Dichterin, strubbelige Haare auf dem Kopf, immer einen Rekorder dabei.
Dazu diese Rockerin, Lederweste, irrer Blick, ein Kreuz um den Hals das irgendwie nach Krieg aussah. (Caroline ist ja eher ungebildet.)
Und sie, Caroline Swanson, eigentlich fröhliches Landei, dann gefeiertes Modell, später blumiges Hippie-Mädchen, und jetzt? Projektion für eine komische Kunstaktion bei der niemand weiß wofür sie gut sein soll, wo sich niemand von der Musik ein Album kaufen würde?
Caroline lag gelangweilt auf dem Bett herum.
Sie lief angeödet durch die Gänge des „Hive“ und glotzte alles mit großen Farmerstochteraugen an.
Unsere Hippie-Dorfkind-Walküre-Mannequin-Nico fragte sich was ihr bislang fehlte.
Gar nicht so typisch für sie sich Gedanken zu machen, aber dieser Ort verleitete sie dazu.

Als unsere Mid-West-Schönheit mit ihren schwieligen, nackten Füßen den Gang entlang taperte fiel ihr eine Person auf. Eher klein, schwarze Locken, (mit zwei, drei kaum ins Auge fallenden grauen Härchen,) breitgeränderte Brille, Ohranhänger, Rollkragenpullover, schräg drapierter Wickelrock, darunter Wollstrumpfhosen, sämtliche Kleidung in ziemlich dunklen Farben, das ganze vervollständigt durch klobige Winterstiefel. Solches Schuhwerk und derartige Beinkleider sind ja normalerweise eher unsexy, aber dieser jungen Dame stand es erstaunlich gut.
Unterm Arm geklemmt trug sie einen vierfarbigen Siebdruck, auf dem irgendeine bekannte Persönlichkeit abgebildet war, Caroline fiel gerade nicht ein wer.
Caroline Swanson war jetzt klar, woran es mangelte.
Ein Mensch.
Sie musste mit dieser Frau ins Gespräch kommen.
„Hallo, Entschuldigung, ist vielleicht eine blöde Frage, aber wer ist das?“
Süß wie sie aufblickte, wunderhübsche große graue Augen hinter dicken Gläsern.
Und dann die Stimme, voller Begeisterung:
„Das ist der wahrscheinlich bedeutendste Politiker, der zurzeit auf dieser Erde wandelt. Der große Vorsitzende Mao tse Tung, im fernen China wirkt er wie ein zweiter Jesus Christus, möchte ein irdisches Paradies errichten, mit Freiheit und Gleichheit für alle Menschen.“
Caroline glaubte in den Augenrändern Freudentränen zu entdecken.
Faszinierend.
„Wollte eigentlich drüben bei diesem komischen Warhol dieses Ding hier anfertigen lassen, aber, naja, hier ist es halt etwas günstiger.“
Ihre Stimme wurde jetzt etwas leiser.
„Unter uns, ein Kapitalistenladen ist es trotzdem. Kreatives Schaffen sollte der Revolution dienen, und nicht so ein alberner Pseudo-Blödsinn wie hier.“
Irgendwie gefiel Caroline das was sie vorher sagte besser, keine Ahnung worum es ging, aber sowas ist ja gerade interessant.
Sie hatte zwar schon etwas von Kommunismus oder Anarchie gehört, doch Politik ist nicht ihrs.
Hippie zu sein hatte für Caroline damit zu tun gute Musik zu hören, dem Konsum von Drogen und gelegentlich mal mit einem Jungen oder einem Mädchen zu knutschen.
Doch hier tat sich ihr jetzt ein völlig neues Universum auf.
Dann dieses süße Kinn. Der niedliche Mund. Ein Stupsnäschen das gar nicht so anders aussah als ihrs – Carolines.
Sie klang sehr schlau in dem was sie sagte, aber irgendwie schien sie doch noch ein Mädchen in den Zwanzigern, dass seinen Weg im Leben suchte – gar nicht so anders als Caroline.
Caroline hörte ihr Herz klopfen, so etwas hatte sie noch nie erlebt.
Sie griff mit beiden Händen in die Locken und presste ihren Erdbeermund und auf die Lippen, aus denen so viele kluge Worte drangen.
Das Mao-Girl mit den feuchten Äuglein schob Caroline nicht etwa empört von sich, sondern erwiderte den Kuss, legte ihre Arme sogar um sie und drückte den großen Körper an sich.

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tscheims
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Beiträge: 10



BeitragVerfasst am: 23.11.2021 22:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe den ersten Abschnitt gelesen


Als ob man einen Blumenstrauß auf eine graue Mauer gepinselt hätte.
Detroit – Industriemetropole im mittleren Westen der USA.
Trostlos, ungesund, deprimierend.


Guter Start, gefällt mir.

darum Gangs, bewaffnet bis an die Zähne.
Diesen Ausdruck finde ich zu abgedroschen.


Dann die Fabriken, Produktionsstätten der schnellsten Fortbewegungsmittel. Teilnahmslos stoische Gestalten, werkend an Fließbändern, selbst schon irgendwie Automaten.
auch gut.

Von hier an geht der Sound irgendwie flöten. Du wechselst in einen Lexikonartikelschreibstil.  

Zum visuellen Erscheinungsbild passend der entsprechende Sound, die darauf abgestimmten Klänge: Garagenrock. ----

Anfang der Sechziger Jahre hatten viele Jugendliche in den USA das Bedürfnis ihre Sorgen und Nöte musikalisch auszudrücken.
Dieser Satz ist mir, zu den sonst so gelungenen Bildern, zu abstrakt.

Auch wenn es überhapt nicht mein Genre und Stil ist, gefällts mir.
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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 24.11.2021 07:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen, vielen Dank, Tscheims!

Klar, für "bis an die Zähne bewaffnet" könnte man sich etwas anderes einfallen lassen, aber was? "Gangs, die wie ein Rudel menschlicher Ratten durch den steingewordenen Abwasserkanal namens Großstadt schlichen", irgendwie sowas?


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Tribalis
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Beiträge: 151



BeitragVerfasst am: 24.11.2021 09:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tobias,

der Sound, den du anschlägst, gefällt mir. Passt zu Detroit, Musik und einem Typen, der Berry Gordy heißt.
Ich würde gerne in die Geschichte reinkommen, aber es gelingt mir noch nicht. Du versuchst am Anfang eine Atmosphäre aufzubauen, damit dein Leser weiß, in welchem Setting er sich ab jetzt befindet. Ja, richtig, aber sollten diese Informationen eher nach und nach in die Handlung einfließen, nicht im Berichtsstil runtergeschrieben werden.
Ich habe einen Großteil des ersten Absatzes überflogen, da Berichtsstil nunmal nicht so packend ist. Du könntest z.B. direkt bei BG einsteigen und die atmosphärischen Infos dort unterbringen. Für mich als Leserin ist spannend: aah, Gordy und Motown, das ist der Rahmen. Alles Andere ist eher drumrum und drin. Weißt du, was ich meine?
Stichwort: Show don't tell! Es klingt so schrecklich, und ich mag es ungern nennen, aber es hilft, sich damit einmal näher zu beschäftigen.
Du kommst vom Comic und das liest man ein bisschen Wink.

Deine sprachlichen Bilder gefallen mir gut - das Kopfkino wird angeworfen Smile. Auch möchte ich schon gerne wissen, was da jetzt passiert. Das hast du mit diesem Auszug erreicht und das ist schon mal sehr gut Smile.

Vielleicht kannst du etwas damit anfangen. Es ist nur meine subjektive Meinung, und eine von so vielen.

Liebe Grüße
Tribalis
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FaithinClouds
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BeitragVerfasst am: 24.11.2021 10:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Tobias,

ich mag die Stimmung, die du kreierst. Die Szenenbeschreibungen ohne Prädikat sind auch stimmig und passend.

Bei der Beschreibung von Caroline durch Berry Gordy habe ich aber ein bisschen "gecringed". Deine Beschreibungen ihres Körpers waren irgendwie ausgelutscht und auch arg oberflächlich an die männlichen Instinkte anbiedernd. "Wohlgeformter Po", "hochgewachsen", "Stupsnase", "Kecker Pony", "Erdbeermund", das liest sich wie ein drittklassiger Liebesroman (und ich meine das nicht, weil ich dich beleidigen will, sondern weil die Geschichte besser ist, als solche Beschreibungen sie darstellen).
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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 24.11.2021 14:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden,

auch von euch sehr informative und inspirierende Erläuterungen, muss mal sehen was ich damit anfangen kann...

Werde wohl in den nächsten Tagen/in der nächsten Zeit wenn es Zeitplan und Energie erlauben noch einige Kapitel schreiben. Allerdings werde ich wohl nicht so schnell auf meine 15 Posts kommen, so dass ich das Ganze vorerst hier posten werde....


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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 24.11.2021 14:56    Titel: Antworten mit Zitat

Tobias Tezuka hat Folgendes geschrieben:
Werde wohl in den nächsten Tagen/in der nächsten Zeit wenn es Zeitplan und Energie erlauben noch einige Kapitel schreiben. Allerdings werde ich wohl nicht so schnell auf meine 15 Posts kommen, so dass ich das Ganze vorerst hier posten werde....

? Wenn du weitere Kapitel posten willst, ist hier doch sowieso der richtige Ort (am besten mit dem Fortsetzungs-Button).

Ansonsten kannst du dein Beitragskonto ohne weiteres durch Beiträge zu anderen Texten und Themen aufbauen smile


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 24.11.2021 15:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Tobias!

Warum verlegst du die Geschichte nicht nach Hamburg, wo du dich auskennst?
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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 24.11.2021 16:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Hallo, Tobias!

Warum verlegst du die Geschichte nicht nach Hamburg, wo du dich auskennst?


Hallo Ralphie,

weil es in Hamburg nie ein Label namens "Motown" gab (gut, wir haben Buback, das ist aber nicht das gleiche...), und weil die weitere Geschichte auch nicht mehr in Detroit, sondern in New York oder London spielen wird. Ich arbeite hier ja eh mit Verfremdungen, eine amerikanische Musikgeschichte nach Deutschland zu verlegen wäre dann eventuell etwas zu viel des guten...Vielleicht wäre mal eine Überlegung wert euch darzustellen/grob zu skizzieren worum es in meiner Geschichte überhaupt geht...


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tscheims
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Beiträge: 10



BeitragVerfasst am: 24.11.2021 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

Tobias Tezuka hat Folgendes geschrieben:
Vielen, vielen Dank, Tscheims!

Klar, für "bis an die Zähne bewaffnet" könnte man sich etwas anderes einfallen lassen, aber was? "Gangs, die wie ein Rudel menschlicher Ratten durch den steingewordenen Abwasserkanal namens Großstadt schlichen", irgendwie sowas?

deutlich besser.
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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 25.11.2021 15:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich hab hier übrigens zwei Kapitel eingestellt, ihr könnt auch ruhig mal den zweiten Teil (Blonde on...) bewerten...Sonst vermindert sich nämlich meine Lust hier, unter "Einstand", meine nächsten Kapitel einzustellen, wenn die ebenso untergehen...

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Seraiya
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Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 25.11.2021 16:04    Titel: Antworten mit Zitat

Tobias Tezuka hat Folgendes geschrieben:
Ich hab hier übrigens zwei Kapitel eingestellt, ihr könnt auch ruhig mal den zweiten Teil (Blonde on...) bewerten...Sonst vermindert sich nämlich meine Lust hier, unter "Einstand", meine nächsten Kapitel einzustellen, wenn die ebenso untergehen...


Hallo Tobias,

Vielleicht magst du dich etwas gedulden. Dein Text steht hier erst seit drei Tagen und die Arbeit an Texten erfolgt auf freiwilliger Basis in der Regel neben einem Vollzeitjob, Partner und ggf. Familie. Von den eigenen Schreibprojekten mal ganz abgesehen. smile
Es kann auch immer hilfreich sein, sich selbst bei den Texten anderer einzubringen - geben und nehmen ist hier im Forum ein beliebtes Motto.


LG


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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 25.11.2021 16:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Entschuldigung wenn das etwas pampig rüberkam, war nicht meine Absicht!
Ich freue mich ja sehr über eure Einwürfe zu meinem Text, hatte mich nur gewundert dass alle nur meinen ersten Text zu sehen schienen, aber da hatte ich wohl etwas überreagiert, soll nicht wieder vorkommen!


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BeitragVerfasst am: 26.11.2021 01:14    Titel: Re: Die leisen Mädchen und die Lauten, Kapitel 1 und 2 Antworten mit Zitat

Hallo Tobias,

ich habe mir deine beiden Kapitel durchgelesen, bzw. ehrlich gesagt teils eher überflogen. Die Geschichte an sich finde ich sehr interessant. Caroline ist eine interessante Figur und ich hätte definitiv Lust, zu erfahren, wie es weitergeht. In den Schreibstil bin ich dagegen nicht so gut reingekommen. Ich mache einfach mal beispielhaft zu ein paar Stellen Anmerkungen.

Tobias Tezuka hat Folgendes geschrieben:
"Die leisen Mädchen und die Lauten"

Den Titel finde ich toll - er war der Grund, warum ich deinen Thread überhaupt angeklickt habe. Wink Allerdings muss "Lauten" hier kleingeschrieben werden: "Die leisen Mädchen und die lauten" Es handelt sich nämlich bei "lauten" nicht um ein nominalisiertes Adjektiv; die genaue Regel kannst du hier nachlesen (Regel 3): https://www.lehrerfreund.de/schule/1s/grossschreibung-adjektive-regeln/3125

Zitat:
Zum visuellen Erscheinungsbild passend der entsprechende Sound, die darauf abgestimmten Klänge: Garagenrock.
Anfang der Sechziger Jahre hatten viele Jugendliche in den USA das Bedürfnis ihre Sorgen und Nöte musikalisch auszudrücken.
Häufig in der elterlichen Garage, wurde mit einfachen musikalischen Mitteln eine primitive Version von Rock’n’Roll gespielt.
Bekannte Bands waren zum Beispiel
The Sonics
The KIngsmen
The 13th Floor Elevators

Ich finde den Anfang zu stark beschreibend. Man spürt dich bei manchen Sätzen schon quasi als belehrenden Autoren irgendwie im Hintergrund, wie du einen Vortrag über die USA der Sechzigerjahre hältst.

Zitat:
Auf einem grünen Hügel ein weißes Gebäude mit blauem Dach und ebensolchen Fensterläden.
Aus diesem Haus fröhliche Töne, soulige Klänge, animierend zum Tanzen.
Innen, hinter dem kornblumenfarbenen Fensterrahmen, an seinem imposanten Schreibtisch im neuesten Design: Berry Gordy.

Der Schreibstil hier ist mir zu abgehackt. Zwischendurch mal ist das als Stilmittel ganz gut, aber hier empfinde ich das als zu viel.

Die Absätze, die danach folgen, sind weiterhin sehr beschreibend. Du erzählst praktisch die Lebensgeschichte von Berry Gordy, aber es passiert nichts. Wenn es so weitergegangen wäre, wäre ich irgendwann ausgestiegen.

Zitat:
Heute war wieder so ein Tag, Gordy saß vor Unmengen von Papierstapeln, und überlegte mit welcher neuen Band er die Welt mit seiner Verquickung von Groove und flottem Pop beglücken kann.

Endlich eine echte Szene - gerade noch rechtzeitig! wink Ab da habe ich dann auch wieder Lust weiterzulesen.

Zitat:
Ding-Dong. Selbst der Klingelton war fröhlich und ein Lächeln aufs Gesicht zaubernd.

Warum die unpersönliche Konstruktion "aufs Gesicht zaubernd"? Warum nicht "und zauberte ihm ein Lächeln aufs Gesicht"? Wobei ich aber nicht verstehe, ob das überhaupt das ist, was du damit aussagen willst... Vielleicht bekommt er gerade kein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, sondern ist angewidert von dieser Fröhlichkeit? Das wird für mich nicht ersichtlich. Ich verstehe auch den Zusammenhang, den das Wort "selbst" am Satzanfang herstellen soll, nicht. "Selbst" der Klingelton war fröhlich? Zusätzlich zu wem/was denn?

Zitat:
Auf den ersten Blick schien alles an ihr lang, die Arme, Beine bis zu den Ohren. Ihr Haar war zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr bis zum wohlgeformten Po reichte. Große Hände und ebensolche Füße. Die letzteren voller Schwielen und mit dicker Hornhaut, man sah, dass sie häufig ohne Schuhe ging.

Den ersten Satz mag ich. Der "wohlgeformte" Po hat mich ein bisschen irritiert, ist aber eigentlich in Ordnung. Beim letzten Satz war ich irritiert - vielleicht solltest du vorher erwähnen, dass sie barfuß ist.

Zitat:
„Miss Black hatte mir was aufgeschrieben“ sagte sie mit ihrem naiven Stimmchen.
„…“
Zitat:
„…“
Er blickte jetzt ungewohnt nachdenklich.
„Ihr Weißen wärt gerne wie die Schwarzen, wenn auch nur fürs Wochenende. Aber ihr könnt euch eure langen Haare abschneiden, was machen wir?“
„…“

Warum ständig dieses "..."?

Bei deinem zweiten Kapitel fängst du ebenfalls sehr beschreibend an - die bisherige Lebensgeschichte von Caroline wird mehr oder weniger abgearbeitet. Teilweise schon mit recht netten, gut gewählten Formulierungen, aber auch da warte ich dann wieder, bis endlich mal was passiert. Hier ein Teil aus dieser anfänglichen Beschreibung:

Zitat:
Sie tauschte ihre niedlichen Kleidchen und Schirmchen und Miniröcke gegen Bandanas, lange Batik-Gewänder oder auch Blumengirlanden im Haar, gelegentlich zeigte sie sich auch mit freiem Oberkörper oder ganz nackt.
So ging es kreuz und quer über den gesamten Kontinent, vom pazifischen Nordwesten runter ins sonnige Kalifornien, von den Rocky Mountains bis an den Golf von Mexiko.
Doch ein Ort fehlte ihr noch: Die pulsierende Metropole der amerikanischen Kultur, New York City.
Caroline kannte durch ihren Beruf jeden angesagten Ort in den Vereinigten Staaten, aber The Big Apple blieb unserer Freundin bislang unbekannt.

Wie gesagt, manche Formulierungen darin finde ich sehr schön, z.B. Doch ein Ort fehlte ihr noch: Die pulsierende Metropole der amerikanischen Kultur, New York City. Aber ich stelle mir bei der gesamten anfänglichen Beschreibung die ganze Zeit diese Stimme aus dem Off vor (hier weniger als 'belehrender Autor' wie in Kapitel 1, sondern eher als Erzähler aus dem Off in einem Zeichentrickfilm). Vielleicht ist das auch ein Stil, der manchen gefällt - auf mich wirkt das eher irritierend.

Ich möchte noch dazu sagen, dass natürlich alle meine Bewertungen hier sehr subjektiv sind. Ich habe meine Probleme mit dem Schreibstil, aber vielleicht finden andere ihn ganz toll. Also warte am besten noch ab, was andere dazu sagen.

Liebe Grüße
Nachtvogel
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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 26.11.2021 15:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Nachtvogel,

keine Sorge, deine Ausführungen decken sich ja mit dem meisten was über meine Texte gesagt wird, anfangen kann ich damit auf jeden Fall etwas!

Zu deinem letzten Absatz: Wäre noch sehr wichtig wie ich Lebensgeschichten darstellen kann dass es sich gut liest, in meinem Roman soll sowas noch häufiger vorkommen, und "Show Don't Tell" wäre bei so etwas zu aufwendig.
(Oder ich füge so etwas in eine Handlung ein, dass eine Person einer anderen so etwas erzählt...)

Mit "selbst der Klingelton war fröhlich" meinte ich, dass alles bei Mowtown eine Fröhlichkeit und Leichtigkeit ausstrahlte, selbst die Türklingel, kam vielleicht nicht so rüber. Gordy selbst findet das natürlich schön, ist nicht davon angewiedert!

Mit den drei Punkten wollte ich Sprachlosigkeit ausdrücken, ein Stilelement welches häufig in Comics, insbesondere Manga, vorkommt, was aber wohl auch nur dort richtig rüberkommt, in Romanen weniger....


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Nachtvogel
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BeitragVerfasst am: 26.11.2021 19:59    Titel: Antworten mit Zitat

Tobias Tezuka hat Folgendes geschrieben:
Zu deinem letzten Absatz: Wäre noch sehr wichtig wie ich Lebensgeschichten darstellen kann dass es sich gut liest, in meinem Roman soll sowas noch häufiger vorkommen, und "Show Don't Tell" wäre bei so etwas zu aufwendig.
(Oder ich füge so etwas in eine Handlung ein, dass eine Person einer anderen so etwas erzählt...)

Hm, ich bin ja auch noch Neuling hier, aber ich glaube, "Show Don't Tell" sollte man nicht so schnell direkt abschreiben... Manche Dinge muss man vielleicht auch nicht von Anfang an erzählen. Zum Beispiel, dass Caroline als Farmerstocher im mittleren Westen aufgewachsen ist - das ist ein interessanter Aspekt aus ihrem Leben, kann aber auch später noch gut eingebaut werden. Vielleicht dann auch mit Überraschungs- oder "Aha"-Effekt für den Leser. Generell merkt man ja durch ihr Verhalten sowieso schon, dass sie kein Stadtmensch ist, sodass man sich so etwas in der Art schon denkt. Und dann könnte vielleicht irgendwann mal eine Szene kommen, wo sie mit ihrer neuen Freundin irgendetwas macht, was "typisch Landei" ist, und dann kommt das Thema im Gespräch zwischen den beiden auf. Aber ich weiß auch nicht genau... Ich muss auch sagen, irgendetwas gefällt mir an deinem Schreibstil schon ganz gut, es hat irgendwie was... Darum fände ich es auch schade, diese erklärenden Passagen ganz zu verwerfen, es ist ja auch etwas, was deinen Erzählstil von anderen abhebt.
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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 29.11.2021 01:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Detroit Rock City I

Caroline Swanson und ihre Freundin Roberta Black beim Zubereiten eines Frühstücks.
Erstere stibitzte ein Frankfurter Würstchen aus dem Kühlschrank und biss herzhaft hinein, Roberta führte ihre Tasse an den Mund und schien wie meist etwas abwesend.
Eine kleine, aber feine Küche wie aus dem Katalog, Hängeschränke, Kacheln an der Wand und die großkarierte Tischdecke - alles in hellen, freundlichen Farben, der amerikanische Traum in einem Schuhkarton.
Und dann – an der weißen Wand – dieses riesige, die ganze Fläche einnehmende Bild, Genosse Mao mit seinen Kampfgefährten, ein Mahnmal dafür dass anderswo nicht nur die Wurst im Mund krachte.
Roberta konnte selbst beim Morgenkaffee nicht von ihrer Lektüre lassen. Mehr Eule als Frau, dachte Caroline, wie eine Maus oder schwarze Krähe. Sie selbst wuchs als Farmerstochter irgendwo im mittleren Westen der USA auf, und hatte eine unbeschwerte Kindheit und Jugend. Die guten Gene ihrer Eltern sowie eine ausgewogene Ernährung aus Getreide und Milchprodukten ließen sie zu einer stattlichen jungen Dame heranwachsen.

Was für ein Paar, die eine immer Sonne auf dem Gemüt, die andere stets Schatten. Wie eine Banane und eine Salami im selben Einkaufskorb, aber manchen schmeckt sowas ja.

Sonnenschein Caroline warf einen Blick in den lichtdurchfluteten Eisschrank, und fragte ihre Lebensgefährtin:

„Roberta, Schatz, hast du jemals was gemacht was man nicht darf?“

„Was man nicht darf? Komische Frage.“

„Jemals ohne Fahrkarte Bus gefahren?“

„Du weißt doch ganz genau, dass es in Detroit keine Busse gibt.“
„War nur ein Beispiel. Hast du schon mal was geklaut, Alkohol getrunken wo man das nicht darf, irgendwie sowas?“

„Warum fragst du mich das alles? Nur weil ich das Gesellschaftssystem wie wir es zurzeit haben ablehne, heißt das doch nicht dass ich mich nicht an die derzeitigen Gesetze halte, dies wäre ja ziemlich dumm, oder etwa nicht? Manchmal spuken komische Vorstellungen in deinem hübschen Köpfchen herum, Caroline, mein Schatz.“

„Isst du Feigen?“

Hä? dachte Roberta jetzt.

„Wenn wir welche haben.“

„Isst du Hotdogs?“

Roberta runzelte die Stirn.

„Nein, Darling.“

“Findest du, dass Austern zu essen moralisch, Hotdogs zu essen dagegen unmoralisch ist?“

Immer tiefere Furchen auf Robertas Stirn.

„Nein, Darling.“

„Selbstverständlich nicht“ sagte Caroline nun nachdenklich

„das ist nur eine Frage des Geschmacks, und Geschmack hat nichts mit Appetit zu tun.“

Kopfschütteln bei Roberta, mehr als offensichtlich hoffte sie sich wieder ihrem Buch widmen zu können.

„Ja, so könnte man es darlegen.“ Darlegen. Sie ist ja ganz süß, dachte Caroline, aber immer ihre gezierte Ausdrucksweise.
„Naja. Anders als du mag ich Hotdogs und Feigen.“
Jetzt komplett genervter Blick bei Roberta, Mao-Fibel runter, Caroline bei der Hand,
„Caroline, schau, da oben, auf dem Dach, ist etwas was du sehen musst.“
Durch die vermuffte Wohnung, die Treppe hoch, krabbelnd wie zwei Geckos, endlich auf dem Dach des Hauses.

„Das mein Mädchen ist Detroit.“

Caroline hatte die Stadt, in der sie schon eine Weile lebte, nie so richtig betrachtet, nie ist es ihr aufgefallen, dass die Stadtlandschaft gar nicht so sehr von grauen, formlosen Häuserblöcken geprägt war, sondern eher durch durchaus ansprechende Architektur – Roberta wüsste jetzt wie man dass ganze nennt, jedenfalls alles ziemlich modern, aber von mannshohem Gras überwuchert.
Ein bisschen als würde man einen ansprechend und lecker aussehenden Obstkorb eine Weile rumstehen lassen, und die Äpfel, Bananen und Kiwis würden anfangen zu schimmeln und zu faulen.

„Das trostlose, das ungesunde, und das coole Detroit.“

Na, jetzt übertreibt sie komplett. Aber wenn man so viele schlaue Bücher liest, eignet man sich halt früher oder später eine etwas geschwollene Sprache an.

„In den ganzen verkommenen USA blickt man auf diese Stadt – wie ein Ungeheuer schwebt sie über dieser dekadenten Pop- und Kommerzkultur.
Niemand kann es mit Detroit aufnehmen, keine Stadt in Amerika.
Glaubst du ein Mädchen wie du würde es schaffen?
Es gibt nur eine Art mit Detroit fertig zu werden, Caroline, wenn du dir die teilnahmslos stoischen Gestalten in den Fabriken, in den Produktionsstätten der schnellsten Fortbewegungsmittel ansiehst, die, werkend an Fließbändern, selbst schon Automaten sind: Auch du musst wie ein Automat sein, du musst dich von der Kraft von Detroit demütigen lassen.
Nur so gewinnst du die Kraft, um die bisher bestehende Gesellschaftsordnung umzugestalten.“

Caroline reichte es jetzt, sie wollte nur ein bisschen Sex, und dann so ein theatralisches Geschwafel!
Ab ins Haus.

Roberta drehte sich zur Seite.
„Caroline? Caroline? Ich wollte eine Band gründen, mit dir als Sängerin. Caroline?“

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Tobias Tezuka
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BeitragVerfasst am: 30.11.2021 21:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Detroit Rock City II

Roberta Black stand etwas distinguiert im johlenden Publikum und blickte auf ihre Band, die gerade auf der Bühne ihre Show abzog, ein sonnenbebrilltes und mit E-Gitarren bewaffnetes Erdbeben, an einem Ort wo die Luft sowieso schon brannte wurde das Feuer noch weiter angeheizt.

Da man im Rest der USA der Meinung war, dass Detroit so etwas wie ein überdimensionaler Mülleimer war, zog Roberta die logische Konsequenz und nannte ihre Mädels, die Formation, die man hier sieht, Carolines Combo „The Trash Can Kickers“.

Lack und Leder, revolutionärer, unkonventioneller, unangepasster Sound, wütende Jugend, verzweifelte sture Ablehnung der Welt, die Sorte von Ablehnung, die die Menschen früher in die Wüste trieb, doch die Sahara, Kalahari oder Sierra Nevada der Trash Can Kickers war das Flachland.

Auf einmal erblickte Roberta zwei Personen, zwei junge Frauen im Publikum, und lauschte deren Gespräch. Zwei New Yorkerinnen dem Akzent nach zu urteilen. Die eine – schickes kleines Schwarzes, High Heel, schwarze Haare zum Dutt gebunden, die andere mit Pilzkopf der ihr über die Augen reichte, und grimmigem Blick. Erstere Dame wirkte zwischen harten Typen im Publikum, zwischen den Fabrikarbeitern, den frustrierten, versoffenen Arbeitslosen, den Menschen denen durch monotone Arbeit die Menschlichkeit ausgetrieben wurde, und die hier wieder ihr Leben spürten, wie ein Fremdkörper, vergleichbar einem mit süßen Schleifchen geschmücktem Zuchtpudel in einem Rudel voller verlauster Straßenköter. Ein lesbisches Paar? fragte sich Roberta. Sie hörte dem Dialog zu.
 
„Das, Jenny, ist die Musik der Zukunft!“

„Richtiger, ehrlicher Rock`n`Roll.“

„Authentisch, unverfälscht, aufrichtig, und im coolsten aller Outfits.“
„Tony, du bist doch Schneiderin, sowas für New York?“

Aha, richtig getippt, dachte Roberta, unsere beiden hart-zarten Schnecken hatten ihren Ursprung in The Big Apple. Ob sie sich wirklich beide zu Frauen hingezogen fühlten? Ihr Gespräch drehte sich ja bereits um die Bekleidung der „Kickers“, Roberta bildete sich ein, dass sowohl Jenny (die Beatles-Frisur) als auch Tony (die schicke Modeschöpferin) ihre Blicke etwas zu intensiv auf ihre Freundin richteten. Roberta selbst hatte sich bei der Einkleidung ihrer Truppe gedacht, dass raue Kleidung zu einer rauen Stadt passte, buntes Hippie-Outfit wäre wohl nicht ideal für dieses harte Umfeld, harmoniert nicht mit den grauen Gesichtern, die jeden Morgen in die Fabrikhalle trotten.
Sowohl Caroline als auch ihre Mitmusikerinnen wollten keine Weicheier sein, bewegten sich zurück zur Aggression und zogen schwarzes Leder an.

Doch alles sah danach aus, als ob dieses jetzt auch über Stadtgrenzen hinaus ging, in die pulsierende Metropole der amerikanischen Kultur.

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BeitragVerfasst am: 03.12.2021 23:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tobias,

damit du zu deinem dritten und vierten Kapitel auch noch Feedback bekommst, fasse ich mal meine groben Eindrücke zusammen. Gut finde ich schon mal, dass du echte Szenen beschreibst. Der Schreibstil generell ist aber auch in diesen Kapiteln für mein Empfinden teils noch sehr abgehackt. Außerdem gibt es einige Wiederholungen, z.B.:

Tobias Tezuka hat Folgendes geschrieben:
Sie selbst wuchs als Farmerstochter irgendwo im mittleren Westen der USA auf, und hatte eine unbeschwerte Kindheit und Jugend. Die guten Gene ihrer Eltern sowie eine ausgewogene Ernährung aus Getreide und Milchprodukten ließen sie zu einer stattlichen jungen Dame heranwachsen.

Das wissen wir doch bereits aus dem zweiten Kapitel (und dass sie gut aussieht, bereits aus dem ersten) und muss auch nicht noch mal extra betont werden.

Was mich auch etwas irritiert hat, war der Perspektivwechsel:

Zitat:
Hä? dachte Roberta jetzt.

Plötzlich sind wir in Robertas Kopf, wo wir vorher nicht waren. Andererseits war das glaube ich im ersten Kapitel ja auch schon so, dass die Perspektive öfter mal gewechselt hat. Dass mir das negativ auffällt, mag auch einfach daran liegen, dass ich persönlich personale Erzähler lieber mag als auktoriale.

Den Dialog mit dem Austern- und Hotdogs-Essen hab ich nicht so ganz verstanden. Und mit Roberta als Charakter werde ich leider nicht so richtig warm. Ich finde, dass sie eine Band gründen möchte, passt so gar nicht zu der belesenen Mao-Fanatikerin. Vielleicht müsste man ihren Charakter noch ein bisschen ausarbeiten, um das glaubhafter zu gestalten.

Liebe Grüße
Nachtvogel
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BeitragVerfasst am: 04.12.2021 04:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Nachtvogel,

vielen Dank für deine Ausführungen!

Zu den Wiederholungen: Ich habe nur deinen Tipp ernstgenommen biografische Ausführungen in den Text/in die Handlung einzufügen, anstatt sie einfach nur runterzurattern. Das erste Kapitel würde ich dann natürlich noch mal überarbeiten, und das was man hier liest rausnehmen.

Zu Feigen/Hotdogs: Ein Zitat aus dem Film "Spartakus", in dem sich der römische General Crassus seinem Sklaven annähert, für die prüden Sechziger Jahre durfte man nicht zu viel zeigen, sondern Kubrick ist auf einen schlüpfrigen Dialog über Austern und Schnecken ausgewichen, dies habe ich hier versucht abzuwandeln (von schwul auf lesbisch), macht vielleicht wenig Sinn, bzw. man muss großes cineastisches Wissen mitbringen um die Anspielungen zu verstehen...

Das man auf einmal wieder in Robertas Kopf ist war eine Unachtsamkeit, sollte vielleicht so was wie "sagte Roberta, und man merkte dass es in ihrem Kopf rotierte" schreiben.
(Habe das in früheren Texten, die ich hier nicht reingestellt habe, extremer gehandhabt, bewusst oder unbewusst.)


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BeitragVerfasst am: 05.12.2021 20:25    Titel: Antworten mit Zitat

Tobias Tezuka hat Folgendes geschrieben:
Zu den Wiederholungen: Ich habe nur deinen Tipp ernstgenommen biografische Ausführungen in den Text/in die Handlung einzufügen, anstatt sie einfach nur runterzurattern. Das erste Kapitel würde ich dann natürlich noch mal überarbeiten, und das was man hier liest rausnehmen.

Achso okay, dann macht das natürlich Sinn Wink

Zitat:
Zu Feigen/Hotdogs: Ein Zitat aus dem Film "Spartakus", in dem sich der römische General Crassus seinem Sklaven annähert, für die prüden Sechziger Jahre durfte man nicht zu viel zeigen, sondern Kubrick ist auf einen schlüpfrigen Dialog über Austern und Schnecken ausgewichen, dies habe ich hier versucht abzuwandeln (von schwul auf lesbisch), macht vielleicht wenig Sinn, bzw. man muss großes cineastisches Wissen mitbringen um die Anspielungen zu verstehen...

Ah okay. Vielleicht bringe ich auch einfach zu wenig cineastisches Wissen dafür mit - kann gut sein, dass andere das direkt verstehen!
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