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das krebsschiff (Arbeitstitel)


 

 
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Autor Nachricht
Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 39
Beiträge: 2692
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 05.10.2021 21:32    Titel: das krebsschiff (Arbeitstitel) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

.





    I – die stadt



           1

    ¹ furchterregend und schön seid ihr, weiße zwerge
    wenn eure lichtseen den gebirgskamm unserer stadt zeichnen
    die grate der mauern, die rücken der dächer
    die wuchernden sattel der wachtürme sichtbar machen
    kurz nur, bevor sie wieder verblassen
    auf dem pergament unserer künstlichen atmosphäre
    ² wo alles ton in ton liegt: putz, stein, sand, staub, haut
    schuppen; aufgekratzt, abgekratzt, zu boden gefallen
    aufgeschicht als windschiefe baracken verzogener
    menschen; mit blanken schädeln ineinander verschoben
    mit den bleichen häusern ihrer beine verkeilt
    mit kieferknochen aus den farben gepresster flusskiesel verzahnt
    ³ wo sie in schicht um schicht liegen:
    kalotten, femura, sterna, claviculae
    die schlupflöcher und brücken und tunnel von ratten
    bis auf alabasterfarbene knochen abgetragene termitenhügel
    aufgefaltet zu den bergmassiven unseres denkens
    gipfelnd im luftleeren raum der verzweiflung

12Wie es weitergeht »


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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 39
Beiträge: 2692
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 11.10.2021 20:54    Titel: Re: das krebsschiff (Arbeitstitel) pdf-Datei Antworten mit Zitat

.





           2

    ¹ in elliptischen bahnen kehren wir galaxien den rücken
    und brechen den blick an branntkalkigen mauern
    stützen aus verrottetem holz gebäude in stein
    gefasst: leerer augen höhlen, sitz unserer wohnstätten
    einkapselungen im sediment der generationen
    gefasst in die betonwannen unserer unteilbaren identität
    ² wo keine wurzel nach unten reicht, und was wächst
    sind nur die exostosen eines geistlosen werdens
    horn, knorpel, haut, bein
    ein wuchern in der hoffnung, miteinander zu verwachsen
    und was sich verwächst, erstirbt, um die äußere hülle zu bilden
    die cuticula überlebensfähiger wesen
    ³ an denen nichts weiter als hülle ist, skelett, panzer, decke
    aufgeschichtet als masken abgelegter biografien
    nicht der mühe wert, sie zu entlarven
    die klinge einer histologie durch ihre schichten zu führen
    das geschichtete freizulegen, gesammelt
    zwischen den demarkationen von ignoranz und schweigen

« Was vorher geschah12

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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 929



BeitragVerfasst am: 25.10.2021 16:09    Titel: Re: das krebsschiff (Arbeitstitel) Antworten mit Zitat

Lieber Klemens,


Leider hab ich diesen Text heute erst entdeckt.
Wow.
Ich hasse es, wenn Texte mich derart sprachlos machen, weil ich so gerne etwas wie ein vernünftiges Feedback da lassen möchte, aber ich bin zu blöd oder zu unfähig/wortlos, um mich im Angesicht dieser Wortgewalt auch nur ansatzweise so auszuzdrücken, wie ich es gerne möchte.
Und von Lyrik hab ich, wie du weißt, so gar keine Ahnung - weder von Formen noch von sonst irgendetwas, auf das man achten müsste.

Der Text erwischt mich eiskalt, macht es warm, lässt mich lächeln, während ich mich mitnehmen lasse auf diese Wortreise (zwei Worte musste ich dann doch mal googlen Embarassed )voller Bilder, die ich in den ersten beiden Zeilen weder erwarte noch erahnen kann.
Und der Moment, wenn mein Lächeln verblasst, ist der schönste, weil der Text es nicht halten kann, sondern tiefer geht.

Erschlagen mich die Bilder und Vergleiche? Aber sowas von. Ich kann gar nicht mehr aufstehen. Danke dafür.

Beim ersten Text habe ich direkt etwas vor Augen und lasse mir keinen Spielraum für Interpretation oder Erinnerung, sondern nehme das, was der Text mir gibt, genau so an - was mir hier einfach sehr gut gefällt.

Beim zweiten Text bohrt sich das Konstrukt (für mich) in eine andere Ebene, knüpft dadurch an das Ende des ersten Textes an und trifft mich dieses Mal auf andere Weise - regt mich zum Nachdenken und Sinnieren an.

Besonders gefallen hat mir diese Stelle:
Klemens_Fitte hat Folgendes geschrieben:

² wo keine wurzel nach unten reicht, und was wächst
sind nur die exostosen eines geistlosen werdens
horn, knorpel, haut, bein
ein wuchern in der hoffnung, miteinander zu verwachsen
und was sich verwächst, erstirbt, um die äußere hülle zu bilden
die cuticula überlebensfähiger wesen

Für mich ist das mit am Stärksten und wirklich einfach nur verdammt gut.

Klasse! Danke fürs Teilen.
(Der (Arbeits)Titel ist übrigens der Hammer)


Liebe Grüße,
Seraiya


_________________
"Some people leave footprints on our heart. Others make us want to leave footprints on their faces."
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krataduuk
Gänsefüßchen

Alter: 23
Beiträge: 16
Wohnort: Ostsee


BeitragVerfasst am: 23.11.2021 13:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin genauso gelangweilt wie hingerissen bzw genauso hingerissen wie gelangweilt oder umgekehrt, egal jedenfalls sollte hingerissen vorne stehen.

Du überbordest mich mit deiner Steinwüste, du machst mich sprachlos mit deiner KrebsWelle,  aber ich frage mich wozu?
Warum so viele Worte um zu erzählen: hier fehlt Mensch?

Und sag jetzt nicht, genau das war deine Absicht: das mein Ich einsam und allein ist in einer großen Stadt, wußte ich schon davor, ich seh nur den Zweck nicht, es so artifizell auszudrücken.

Versteh mich nicht falsch, ich schwelge in deinen Texten
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