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Die Kapelle der Guten Hoffnung


 

 
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Demien
Erklärbär

Alter: 35
Beiträge: 2
Wohnort: Weimar


BeitragVerfasst am: 30.08.2021 13:59    Titel: Die Kapelle der Guten Hoffnung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh, niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen,
niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen,
niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen....

Jeder gute Abend fängt mit einer Behauptung an
und wir behaupten, dass es sich lohnt, alles zu verlieren,
alles zu vermasseln, denn wir sind nicht allein und
es gibt immer was zu tun, denn es gibt immer was zu ruinieren,
Heimat ist wo es was zu tun gibt, also überall,
wir geben was wir haben, vielleicht ein bisschen weniger,
wir haben keine Eile, wir machen niemandem etwas vor,
wir sind nur Schauspieler, alle können sehen wie lieb wir uns haben,
alle verstehen unsere Botschaft, wir haben keine Geheimnisse.

Oh, niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen,
niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen,
niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen....

Flimmernder, plüschiger, polternder Karneval,
der aus Sperrmüll, bunten Fahnen, Fackeln und Spiegeln,
blauen Luftballons, monströsen, weißen Federboas und Posaunen
und Pfeil und Bogen und tropischem Gelächter
eine zarte Würde behauptet, selbstherrlich wie Fantasiewesen.
Wir ziehen über den regenfrischen Gummiasphalt,
die alten Lampen und Ofenbleche von Franks Dachboden
verteilen wir an die lieben Leute und der Hahn kräht,
die Lokomotive beginnt frisch rasiert mit der Arbeit,
sie huckelt sich was auf und strampelt sich was ab.

"Willkommen zu unserer Frühlingsweihe!",
brüllt der Zappelphilipp aus der letzten Reihe,
wer ihm glaubt, der werfe den ersten Stein,
das Recht, glücklich zu sein, kann man sich nur rauben.

Warum nicht gemütlich arm sein und in Würde besessen
von einer neuen Verliebtheit, die der Herbst gebracht hat,
ohne das man danach gefragt hab, man wird ja nie gefragt,
aber zweifellos kann man sie gebrauchen und missbrauchen,
und die Kapelle radattert über die neondunkle Innenstadt,
Wie kann man hier und heute auch nur irgendetwas noch ernst nehmen?
Ihr habt kein Recht auf Ruhe und Entspannung!
Ihr habt nichts verdient! Absolut gar nichts!
Ihr habt kein Recht auf Ruhe und Entspannung!
Ihr habt nichts verdient! Absolut gar nichts!

Ihr habt nichts verdient mit Euren beschissenen Jobs!
Ihr habt nicht mehr als einen Topf mit einer vertrockneten Blume
für all die Jahre verdient, in denen Ihr Euch angeschrien habt
wie dumme, brutale Kinder, die keine Scham mehr haben.
Habt Ihr immer noch nicht herausgefunden,
ob Ihr Opfer oder Täter seid?
Wusstet Ihr, dass Ihr mal eine Würde hattet?
Würde, Würde, ich finde keine Würde bei Euch,
nur Zweckbündnisse und leere Versprechen,
Haushaltsunfälle und Stromrechnungen.
Oh, niemand sagt hier ein warmes Wort,
hier können dir kleine Verfehlungen und Missgeschicke
zum tödlichen Verhängnis werden,
denn wir im Osten,
wir sind aus einem ganz anderem Holz geschnitzt,
wir schwitzen
und schnauben
und leiden wie echte Männer,
wie schnäppchengeile Verbrecher leiden
für schnäppchengeile Huren,
wir tragen alle stolz und wehrhaft
unsere Discount-Kleidung,
unseren Discount-Geruch,
unser Discount-Leben,
unsere Discount-Liebe.

Jenny hat sich als Napoleon verkleidet und ruft:
"Dem echten Elend kann man nichts entgegenhalten:
man kann es nur abschaffen oder man kann es eben nicht."
Ich bin froh, dass alle Momente vergehen und sich
nicht ansammeln wie Essenreste und Haare im Ausgußsieb.

Neonpink und neonkühlschrankgrün flimmert der Abend,
weich, aber nicht so charmant wie anfangs behauptet,
so kurz davor, langweilig zu werden,
ich schmolle und denke an ein Feuerwerk,
meine Freunde mit den bunten Hüten und langen Ohren
und den unendlich gemütlichen Pullovern
und den Rüschen und Zierkissen und Plastikrosen
und halbvollen und halbleeren Sektgläsern
sind schon lange müde, aber können nicht schlafen,
zu sehr dreht es und zu wenig macht Sinn.

Oh, niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen,
niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen,
niemand kehrt nachher das Konfetti zusammen....

Wir werden auf die Straße gekehrt von müden Bistrobesitzern,
die uns nicht länger teilhaben lassen wollten
an ihren schmatzenden Selbstgesprächen, schmatzschmatzschmatz!
Ich such mal einen Briefkasten und dann einen Kaffee
und dann haben die Anderen bestimmt den Bahnhof gefunden.
Morgen müssen wir in Frankfurt sein. Ich hasse diese Stadt.
Aber ich werde sie gern über mich drüberfahren lassen,
denn ich weiß, dass du mich lieb hast, schade, dass du nicht hier bist,
ich glaub, du hast Recht, diese Kapelle ist nicht das Richtige!
Aber ich geb ihnen noch eine Chance.

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