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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Fernab der Erde


 

 
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KikiKroll
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BeitragVerfasst am: 13.07.2021 19:44    Titel: Fernab der Erde eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Ihr Lieben - was hier folgt ist der erste, sehr kurze Anfangsteil meines Debütromans. Ich bin sehr gespannt auf eure Kritik. smile

Kims Leben war im Grunde ganz normal. Sie stand jeden Morgen auf, ging zur Schule und schlief abends wieder ein, nur um das ganze Prozedere am nächsten Tag wieder von vorn zu beginnen. Obwohl es auf der Gagarin streng genommen gar keinen Morgen und überhaupt keine Nacht gab. Das waren mittlerweile einfach nur noch Begriffe, die es irgendwie geschafft hatten, die lange Zeit zu überdauern, die sie nun schon unterwegs waren. Auf dem Raumschiff Gagarin gab es nämlich gar keine Sonne, die auf- oder unterging und weder Kim noch irgendjemand sonst auf dem Raumschiff hatte jemals auch nur einen Fuß auf die Erde gesetzt.
Rasch sah sie noch ein Mal prüfend in den Spiegel. Sie war zierlich, ihre schwarzen, mandelförmigen Augen sahen ihr heute verschlafen entgegen und ihre langen, schwarzen Haare hatte sie nur notdürftig in einen unordentlichen Dutt gezwängt. Ein rundes Muttermal zierte ihre rechte Wange und zwischen ihren beiden Schneidezähnen prangte eine Lücke, die aber nur dann auffiel, wenn sie breit grinste.
In einigen Wochen würde sie fünfzehn Jahre alt werden und war genau so wie fast alle Jahrgänge vor ihr hier auf dem Raumschiff aufgewachsen. Doch das war nicht besonders spannend. So war es schon die letzten zweihundert Jahre gewesen, seit die Gagarin die Erde hinter sich zurück gelassen hatte. Das Ziel ihrer Reise war jetzt zum Greifen nahe.
Alpha Centauri war von der Erde aus gesehen das nächste Sonnensystem, also quasi der direkte Nachbar. Man konnte den Eindruck gewinnen, es sei kein so weiter Weg, doch man unterschätzte leicht, wie unendlich groß der Weltraum war. Ein ganz und gar ungeheuerliches, unendliches Meer aus Schwärze und auch wenn sie jetzt schon den allergrößten Teil ihrer Reise hinter sich gebracht hatten, würde es trotzdem noch ein paar Jahre dauern, bis sie tatsächlich ankamen.
Es war ein aufregendes Gefühl, daran zu denken, dass sie selbst eine der Allerersten wäre, die die neue Welt sehen würde. So etwas Spannendes erlebte sonst kaum jemand auf der Gagarin. Hier ging alles schon seit Ewigkeiten seinen gewohnten Gang. Aber das war alles noch Zukunftsmusik. Gerade jetzt war für Kim viel wichtiger, dass sie ihre Geschwister fand. Die warteten nämlich schon auf sie.
Sie verließ das Badezimmer, verließ ihre Kabine und huschte von einem grauen Gang mit glatten Wänden in den nächsten, der genau so aussah. Einen Augenblick später erreichte sie eine Röhre, voller silbern schimmerndem Licht und hüpfte hinein. Einen flüchtigen Moment lang blieb sie einfach nur mitten in der Luft stehen, schwebte einfach so vor sich hin, bevor sie langsam nach unten zu fallen begann. In entspanntem Tempo sank sie tiefer und tiefer. Neben ihr glitten immer neue Stockwerke vorbei, die alle exakt gleich aussahen.
Auf ein Mal waren die grauen Wände der Röhre jedoch gar nicht mehr grau sondern aus Glas, waren plötzlich durchsichtig und sie sah üppiges Grün. Es wäre ein atemberaubender Anblick gewesen, würde sie das nicht jeden Tag sehen. Ohnehin konzentrierte sie sich heute viel mehr darauf, vier einzelne Personen in dem immensen Raum auszumachen, was sich als gar nicht so einfach erwies.
Der Garten war immerhin der größte Raum des Raumschiffs und erstreckte sich über zehn Etagen in die Höhe und mehr als fünfzig Meter in Länge und Breite. Die Seitenwände waren gesäumt von Stockwerken hinter gläsernen Balustraden. Sieben Ebenen hingen in dem großen Raum übereinander in der Luft. Sie wurden von filigranen Stäben gehalten und durch Treppen miteinander verbunden, manche groß und ausladend, andere winzig und verwinkelt. Während Kim tiefer und tiefer sank, vorbei an den kleineren, oberen Ebenen, bemerkte sie auf den Ebenen weiter unten bereits hektischen Betrieb. Hier fand man die fünf Kochstationen, an denen die Köche zu jeder Uhrzeit werkelten. Sie warfen Zutaten in Töpfe und Pfannen und beaufsichtigten die kleinen, eiförmigen Roboter, die mit ihren dünnen Ärmchen ergeben in Soßen herumrührten oder Sandwiches belegten.  
Auf allen Ebenen fand man Tische, Stühle und Sofas. Überall wuchsen Kräuter und unzählige andere Pflanzen in großen Kübeln und Hochbeeten. Weinranken und Bohnenpflanzen kletterten an breiten Gestellen in die Höhe bis zur Decke und wahrscheinlich waren sie es gewesen, die dem Garten seinen Namen gegeben hatte.
Kim wartete ungeduldig, bis sie endlich unten ankam und sprang dann eilig aus der Röhre. Es war nicht einfach, sich durch die dichte Menschenmenge vor Cyrus’ Kochstation zu zwängen. Nach einigem Schieben und Drücken gelangte sie schließlich bis zu einer der großen Treppen, die die unteren Ebenen miteinander verbanden. Sie stieg nach oben.
Als sie auf der höchsten Ebene unter der Decke ankam, war sie etwas außer Atem, sprang aber trotzdem beschwingt die letzten Stufen einer schmalen Wendeltreppe hinauf und erblickte kurz darauf ihre vier Geschwister. Jen, Jonathan, Dina und Marco saßen weit hinten, am Ende einer langen Tafel. Das war ihr Stammplatz am Jugendtisch, wie er von den Älteren immer genannt wurde. Sie schob einen der Achtjährigen aus dem Weg, die es auf unerklärliche Weise immer schafften, alle anderen zu nerven. Mit einem kleinen Anflug von Schadenfreude hörte sie schon einen Augenblick später, dass Elmer dem kleinen Idioten bereits eine Standpauke hielt.
Es saßen hier und da Erwachsene hier oben und achteten darauf, dass sich alle benahmen. Auch wenn einige das nur sehr widerstrebend taten, war Elmer einer von jenen, denen das ganze Durcheinander nichts auszumachen schien. Er war ein großer, breitschultriger Mann mit zotteligen, braunen Haaren und legte immer eine stoische Gelassenheit an den Tag. Das war praktisch, denn Hektik machte es meistens nur noch schlimmer, wenn sich der Beginn einer Essensschlacht abzeichnete oder der kleine Hans seine Schwester Luna mal wieder an den Haaren zog.
“Wo warst du?”, wollte Jen wissen, als Kim endlich bei ihnen ankam. Jen musterte sie mit einem besorgten Blick und zog die Augenbrauen über ihren Katzenaugen dicht zusammen. Ihre Haare waren wie immer offen und fielen in langen, hellroten Wellen über die schmalen Schultern.
“Wir warten schon eine halbe Stunde auf dich.”, maulte Jonathan. Die chaotischen, dunkelbraunen Locken auf seinem Kopf standen wie gewöhnlich wild in alle Richtungen. Sogar im Sitzen überragte er sie alle um mindestens zehn Zentimeter. Er hatte eine lange Nase und verwegen glitzernde, hellbraune Augen, mit denen er Kim nun vorwurfsvoll musterte.
“Quatsch, das waren höchstens fünf Minuten.”, erwiderte sie kopfschüttelnd, während sie sich auf den freien Platz zwischen ihm und Jen quetschte.  
“Wenn man Hunger hat, fühlt sich alles viel länger an.”
Mit gequältem Gesichtsausdruck holte er Luft, um sich ohne Zweifel weiter zu beklagen. Doch in diesem Moment weiteten sich seine Augen:
“Na endlich!”, rief er. Als Kim seinem Blick folgte, war ihr sofort klar, was ihn so glücklich machte. Drei kleine, eiförmige Roboter kamen gerade herangesaust. Auf ihren spindeldünnen Ärmchen trugen sie große Frühstückstabletts über den Köpfen und sofort stieg ihr der Geruch von Pfannkuchen in die Nase.
Die Roboter reichten ihr nicht ganz bis zum Knie und schwebten ungefähr zehn Zentimeter über dem Boden, was immer noch ein seltsamer Anblick war. Bis vor drei Jahren waren sie schließlich noch auf breiten Rollen herumgefahren. Aber die Techniker hatten Fortschritte gemacht.  Tatsächlich saß die Frau, die sich diesen neuen Schwebe-Antrieb ausgedacht hatte, weiter vorn am Tisch direkt neben Elmer und redete mit ernstem Blick auf ein kleines Mädchen neben ihr ein.
Heutzutage waren fast nur noch diese neuen Roboter-Modelle im Garten zu sehen. Da sich solche Kleinigkeiten auf der Gagarin aber dauernd veränderten, störte es Kim nicht besonders. Sie kannte es nicht anders.
Aus ihren Seiten konnten die Roboter dünne Greifärmchen ausfahren, die schmächtig wirkten, aber Unglaubliches stemmen konnten. Mit eben diesen Ärmchen stellten sie die Frühstückstabletts vorsichtig vor Kim und ihren Geschwistern ab und düsten dann wieder eilig davon. Jonathan gab ein erleichtertes Stöhnen von sich. Wie auf ein unsichtbares Kommando hin begann er prompt damit, alle möglichen Schüsseln zu sich heranzuziehen und Essen auf seinen Teller zu stapeln.
“Du bist wirklich grauenvoll.”, kommentierte Dina das Schauspiel mit genervt verdrehten Augen, was ihn aber nicht im Mindesten zu stören schien. Dina war die mit Abstand stämmigste von ihnen. Sie hatte ein breites Kreuz, kräftige Oberarme und kurze blonde Haare, die sie immer in einem kleinen Zopf trug. Sie strahlte in jedem Moment eine Aura der Gelassenheit aus. Eigentlich ließ sie sich von Nichts und Niemandem jemals aus der Ruhe bringen.
“Wenn du zu schnell isst, kriegst du wieder Bauchschmerzen.”, warf Marco mit wissendem Blick ein.
Seine Worte stießen jedoch genau so auf taube Ohren wie die von Dina und er wand sich mit enttäuschtem Kopfschütteln einigen Toastscheiben mit grünem Aufstrich zu.
Marco war ein, für sein Alter kleiner Junge, dünn und unscheinbar. Mit einem energischen Ruck schüttelte er sich die hellbraunen Haare aus den Augen und wirkte dabei nervös. Doch das war nichts Besonderes. Er war ein  richtiges Genie, absolut brillant, aber seine Nerven hatte er noch nie so richtig unter Kontrolle bringen können. Tatsächlich sah er oft so aus, als warte er nur darauf, dass sich das Universum gegen ihn verschwor.
“Was haben wir heute eigentlich?”, fragte Dina gähnend und zog sich zwei Kartoffelröstis auf ihren Teller.
“Ich hoffe kein Programmieren…”, murmelte Jonathan und klang dabei genau so gelangweilt, wie Kim sich bei diesen Worten fühlte. Sie war nicht schlecht in der Schule, tatsächlich war sie sogar ziemlich gut, aber die ewigen Codezeilen lösten bei ihr nicht mehr als Langeweile und Kopfschmerzen aus.
“Ach Leute, so schwer ist das nicht. Ihr müsst euch nur drauf einlassen. Wenn…”, begann Jen, wurde aber von Jonathans abfälligem Prusten unterbrochen.
“Ich versteh’ da kein Wort. Warum müssen wir uns damit überhaupt noch herumquälen?”
“Weil es zur Grundausbildung gehört.”, warf Marco energisch ein.
“Na und? Ich werde eh nicht besser. In der Zeit, die ich da herumsitze, könnte ich viel bessere Sachen machen.”, meckerte er mit vollem Mund vor sich hin und besprühte sie alle mit Stückchen seines Marmeladen-Toasts.
“Kannst du endlich damit aufhören, dich jeden Morgen darüber zu beschweren? In ein paar Wochen hast du es eh hinter dir.”, sagte Kim, während sie sich genervt die Marmeladenspritzer aus dem Gesicht wischte.
“Aber bis dahin sind es noch Wochen!”, erwiderte Jonathan mit einem gespielten Schluchzen.
“Hör auf zu heulen, das ist ja nicht zum Aushalten.”, zischte Dina wütend. Während des restlichen Frühstücks sprach Jonathan kein Wort mehr mit ihnen, sondern begnügte sich damit, leise Schimpftiraden in sich hinein zu murmeln, bevor Bewegung in den ganzen, langen Tisch kam. Ein lautstarkes Maulen der Achtjährigen drang zu Kim herüber, was von Elmer aber sofort wieder unterbunden wurde.
“Nicht so viel Meckern, mehr lernen! Und jetzt ab in die Schule. Das gilt auch für euch da hinten. Na macht schon, los jetzt.”, rief er und nahm dabei auch Kim und ihre Geschwister ins Visier. Sie hatte gehofft, er habe sie vielleicht vergessen, doch anscheinend war heute nicht ihr Glückstag und sie erhoben sich leise seufzend. Es brachte ja ohnehin nichts, zu diskutieren. Elmer, der sich hauptberuflich um die vielen Transportröhren auf der Gagarin kümmerte, hatte noch nie Widerworte zugelassen, wenn es um Dinge wie Pünktlichkeit ging.
“Aufpassen, Marco!”, rief Jonathan laut, bevor sie in eine Röhre voll goldenen Lichts sprangen. Sie taten das gleiche wie die silbernen, nur dass man nach oben schwebte, nicht nach unten. Auf Jonathans Rufen hin, drehte Marco sich irritiert um.
“Was…”
Egal in welche man einstieg, man musste höllisch aufpassen, dass man nicht schief hineinstolperte. Sonst passierte nämlich genau das, was sie und die anderen jetzt mit angestrengt unterdrücktem Kichern beobachteten. Als Marco sich umdrehte, verlor er prompt den Halt, fiel langsam nach hinten und schwebte einen Augenblick später kopfüber nach oben. Er warf Jonathan unter ihm einen wütenden Blick zu und sein Kopf schien mit jeder Sekunde eine tiefere Schattierung von Rot anzunehmen.



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Kojote
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BeitragVerfasst am: 13.07.2021 20:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo KikiKroll!

Toll, dass du zu uns gestoßen bist und dich vor den Vorhang getraut hast!

Science-fiction stehe ich prinzipiell nicht abgeneigt gegenüber, nur die Bücher, die pure Weltraum-Handlung bieten und die ich gelesen habe, kann man an einer Hand abzählen. Konkret meine ich die Anhalter-Trilogie von Douglas Adams, aber die fällt natürlich eher unter Persiflage.

So, nun endlich zu deinem Text an sich.

Die gute Nachricht: Die ersten drei Sätze bieten einen super Einstieg! Man weiß sehr schnell sehr viel und bleibt dennoch bestens unterhalten.

Die weniger gute Nachricht: Den Erklärbär, den du in den ersten paar Sätzen elegant vermieden hast, hast du leider nur nach hinten verschoben. Es beginnt mit einem Feuerwerk, das aber sehr schnell abgefackelt ist.

Eine beliebte Strategie von erfolgreichen Autoren ist, genau zu wissen, bis wohin Leute im Buchhandel probelesen, bis sie die Kaufentscheidung fällen. Mindestens solange solltest du die Spannung bei „TO/GA“ halten (um es mit Piloten zu sagen).

Beispiel — stell dir vor, eine Familie bricht Hals über Kopf zu einer Flucht auf, um sich vor einer Katastrophe (sagen wir, Fallout) in Sicherheit zu bringen. Du kannst höchstspannend schildern, wie der Vater die Familie aus den Betten wirft, Koffer ins Auto schmeißt und alle davonbrausen.

Danach? Danach solltest du nicht in die Falle treten, nach zehn Minuten Fahrzeit zu vermuten, es wäre Gelegenheit, voluminöse Charakterbeschreibungen vorzubringen.

Ich weiß nicht, ob es für diese Strategie einen Namen gibt, aber oft trägt die Idee Früchte, azyklisch zu schreiben. Spannungsaufbau — Spannungsklimax — Ruhephasen mit Gelegenheiten für Exposition. Dann das Ganze von vorn.

Natürlich kannst du eine Beschreibung abrupt durch eine neue Konfliktsituation unterbrechen, was einen netten Effekt bringt. Umgekehrt würde ich aber vermeiden, eine Exposition, etwa eine Personenbeschreibung, dort unverhofft unterzubringen, wo du noch Probleme hast, die Suppe am Köcheln zu erhalten. Das zerstört den Konflikt instantan und lässt den Leser das Buch zurückstellen, ohne es mit zur Kasse zu nehmen.

Ich hoffe, das hilft dir weiter!

Schönen Abend,
Der Kojote


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KikiKroll
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BeitragVerfasst am: 13.07.2021 22:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Kojote,

vielen, vielen Dank für dein Feedback! Das hilft tatsächlich sehr weiter. Bisher hatte ich einige Testleser, die aber dann auch direkt 2 Kapitel bekommen und gelesen haben. So einen kurzen Ausschnitt des Anfangs hat bisher keiner gelesen und vielleicht überliest man dann solche Dinge auch schnell - man ist ja darauf eingestellt weiter zu kommen. Testleser haben ja auch einen gewissen "Auftrag" vom Autor... wink

Auf jeden Fall: Danke, da kann ich mit Sicherheit viel raus ziehen für die weitere Arbeit am Text. Den Anfang strukturell etwas anders aufzuziehen ist sicher möglich. Die Charaktere vorzustellen lässt sich aber natürlich nicht vermeiden. Alle hier beschriebenen sind äußerst relevant für die gesamte Story. Aber es kann sicher ein wenig auseinander gezogen werden.

Es ist auch schon mal schön, dass die ersten drei Sätze gefallen. Das ist schon mal ein guter Anfang mit Potenzial. lol2

Hab' einen schönen Abend und liebe Grüße,
Kiki


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BeitragVerfasst am: 14.07.2021 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe KikiKroll,

schön dass ich dir helfen konnte!

Es ist ganz ganz wichtig zu verstehen, dass du den Leser zu keinem Zeitpunkt langweilen darfst.

Stell dir vor, du schreibst an deinem Buchprojekt und gibst das erste Kapitel an Testleser weiter. Wenn du dann in die Verlegenheit kommst, zu sagen, "lies gleich noch Kapitel 2 dazu, dann wird es richtig spannend!", so hast du definitiv was falsch gemacht. Denn diese zweite Chance gibt dir ein zahlendes Publikum, das durch die Buchläden strolcht, niemals!

Und wenn ich sage "zu keinem Zeitpunkt", so meine ich das auch. Ein guter Einstieg ins Buch ist extrem wichtig, aber kein alleiniger Erfolgsgarant. Ich denke nur an "Metro 2033" von Glukhovsky. Das habe ich tatsächlich bis ca. zur Hälfte gelesen und fühlte mich dann durch ein Deus-ex-machina-Ereignis so veralbert, dass ich das Buch genervt wegstellte.

Zusammenfassung: Die Herausforderung, den Leser bei Laune und Interesse zu halten, endet nie.

Liebe Grüße
der Kojote


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KikiKroll
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BeitragVerfasst am: 14.07.2021 13:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Kojote. Ich hab' mir dein Feedback zu Herzen genommen und mich gleich mal zu einer etwas anderen Herangehensweise inspirieren lassen. Lass mich gern wissen, wie du die Version findest, wenn du Zeit hast. smile
Liebe Grüße, Kiki.

Kims Leben war im Grunde ganz normal. Sie stand jeden Morgen auf, ging zur Schule und schlief abends wieder ein, nur um das ganze Prozedere am nächsten Tag wieder von vorn zu beginnen. Obwohl es auf der Gagarin streng genommen gar keinen Morgen und überhaupt keine Nacht gab. Das waren mittlerweile einfach nur noch Begriffe, die es irgendwie geschafft hatten, die lange Zeit zu überdauern, die sie nun schon unterwegs waren. Keine Sonne ging morgens auf und kein Mond zog seine Bahn am Himmel. Stattdessen flogen sie in ihrem Raumschiff unfassbar weit weg von all dem durch die unendliche Dunkelheit des Weltalls, ohne dass auch nur einer von ihnen je einen Fuß auf die Erde gesetzt hätte.
Sie sah noch einmal prüfend in den Spiegel, strich sich eine Strähne ihrer schwarzen Haare hinters Ohr und wischte sich den Schlaf aus ihren mandelförmigen Augen. Sie würde sich später wieder anhören können, dass ihr Dutt zu unordentlich aussah, aber sie hatte keine Zeit mehr es besser zu machen. Die anderen warteten schließlich schon auf sie. Eilig klemmte sie sich den silbern schimmernden Metallbügel hinters Ohr, hastete aus dem Badezimmer und folgte einem der vielen, endlos wirkenden grauen Gänge der Gagarin.
„Was ist denn heute mit dir los? Du verschläfst doch sonst nicht!“, wollte Adrian wissen. Seine Stimme hallte verwundert und misstrauisch durch ihren Kopf und Kim verdrehte genervt die Augen.
„Ich weiß nicht, es…“, doch sie biss sich auf die Unterlippe und führte den Satz nicht zu Ende.
„Komm schon, das ist jetzt wirklich albern. Ich bin dein Helfer, das weißt du doch. Wenn du mir nicht erzählst, was mit dir los ist, wofür bin ich dann da?“
„Ist ja gut, ist ja gut.“, ächzte sie. Er hatte ja doch Recht, so wie immer. Wie sollte man der eigenen künstlichen Intelligenz auch etwas vormachen?
„Es war gar nichts Besonderes, ich hab‘ gestern Abend einfach noch wach gelegen und über die Verteilungszeremonie nachgedacht. Ich meine, warum sind sich die anderen schon so sicher, wohin sie kommen? Warum bin ich die Einzige, die keinen blassen Schimmer hat, was mit ihr passiert?“, daraufhin ließ Adrian ein kurzes, konsterniertes Seufzen verlauten.
„Wie oft hatten wir das Thema jetzt schon?“, fragte er, während sie um eine Ecke bog und sich an einer Gruppe von Erwachsenen vorbei in eine silbern schimmernde Transportröhre quetschte.
„Du willst mir nicht erzählen, dass du nicht mitgezählt hast, oder? In deiner Datenbank ist doch jedes Wort gespeichert, das wir wechseln.“, schnaubte sie und begann dabei langsam nach unten zu driften, umfangen vom silbrigen Leuchten der Transportröhre.
„Natürlich weiß ich das, sei nicht albern.“, gab er zickig zurück.
„Um genau zu sein haben wir das schon vierundfünfzigmal besprochen und sind jedes Mal zu dem gleichen Schluss gekommen.“
„Schon klar. Ich soll mir nicht so viele Sorgen machen, jeder hat seinen Platz.“, gähnte sie gelangweilt. Großartig weiterhelfen würde ihr das jetzt nicht und hatte es auch vorher nicht, doch gerade als sie das sagen wollte, wurde ein Teil der silbrig schimmernden Röhre durchsichtig und geblendet vom hellen Licht aus dem Garten musste sie sich eine Hand über die Augen legen.   
Langsam fiel sie am Rand des ausladenden Gartens herab und es wäre ein atemberaubender Anblick gewesen, würde sie das nicht jeden Tag machen. Und sowieso hatte sie gerade keine Zeit sich auf so etwas langweiliges wie den Ausblick zu konzentrieren. Stattdessen versuchte sie ihre vier Geschwister in dem immensen Raum auszumachen, was fast an Unmöglichkeit grenzte, denn der Garten war riesig. Der größte Raum des Raumschiffs, um genau zu sein.
An den Seiten glitten Stockwerke vorbei, wo hinter gläsernen Balustraden Menschen hinter Türen und in Gängen verschwanden, doch Kims Blick suchte die Ebenen ab. Sieben davon hingen auf verschiedenen Höhen im Garten, gehalten von dünnen Metallstreben und von Treppen miteinander verbunden. Manche davon waren klein und verwinkelt, andere breit und ausladend wie die Haupttreppe am Eingang, die Kim einige Momente später hinauf hastete.
‚Warum sind diese Röhren so verdammt langsam? Ist noch niemand auf die Idee gekommen, irgendwo eine für Leute einrichten, die es eilig haben?‘, dachte sie zu sich selbst, während sie sich einen Weg durch das dichte Gedränge vor einer der Kochstationen bahnte.
„Die sind eben erst aus der Biokuppel gekommen, quasi direkt vom Baum, etwas Besseres kriegt ihr heute nirgendwo.“, dröhnte Cyrus‘ sonore Stimme über die Köpfe der Umstehenden hinweg, während er hinter seiner Theke gerade eine besonders reif aussehende Ananas anpries. Hinter ihm war bereits eine Schar von kleinen, eiförmigen Robotern dabei einen wahren Berg von Früchten zu zerteilen und in Vorratskisten zu verteilen, doch Kim achtete kaum darauf.
Sie schlängelte sich zwischen zwei Sitzgruppen hindurch, um die Station herum und stieg Treppe um Treppe hinauf, bis sie etwas außer Puste die zweithöchste Ebene überquerte. Hinter einigen Pflanzkübeln, aus denen sich Weinranken nach oben schlängelten, fand sie die anderen am Kopfende eines langen Tisches. Jeder Platz außer ihrer schien besetzt zu sein und es herrschte bereits hektisches Treiben. Jen, Jonathan, Marco und Dina, ihre vier Geschwister, drehten sich zu ihr um und Jonathan zog eine vorwurfsvolle Grimasse.
„Wo warst du? Wir warten schon eine halbe Ewigkeit auf dich.“, sagte er und verschränkte die Arme vor der Brust. Er überragte sie alle um mindestens einen halben Kopf, seit er letztes Jahr plötzlich so furchtbar viel gewachsen war und seine wild in alle Richtungen abstehende Lockenmähne unterstrich das nur noch.
„Jetzt übertreibe mal nicht. Es waren allerhöchstens zehn Minuten.“, erwiderte sie und ließ sich auf den freien Platz fallen. Jonathan sah einen Moment lang so aus, als würde er nur zu gern weiter diskutieren, doch dann weiteten sich seine Augen.
„Na endlich.“
Drei der eiförmigen Roboter kamen herangefahren. Mit den dünnen Ärmchen, die sie ausfahren konnten, trugen sie drei Tabletts voller Essen über ihren Köpfen, die sie kurz darauf vor Kim und ihren Geschwistern abstellten.
„Jetzt beeilt euch mal ein bisschen da hinten. Wir sind hier vorn schon fast wieder fertig.“, rief Elmer vom anderen Ende des Tischs zu ihnen hinüber und wedelte hektisch mit den Händen umher.
„Wann hört er endlich auf sich aufzuspielen wie unser Aufpasser?“, murmelte Jonathan düster.
„Wenn er es nicht mehr ist.“, sagte Jen. Ohne aufzusehen warf sie sich die langen roten Haare über ihre schmalen Schultern und inspiziert ein Schälchen mit einer hellgrünen Paste darin.
„Die vier Wochen wirst du ja wohl noch überleben.“, fügte Kim noch hinzu und musterte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Vier Wochen…“, ächzte er, so als sei dir Vorstellung ganz und gar unerträglich.
„Die werden umgehen wie im Flug sag‘ ich dir.“
„Ach ja?“
„Klar. Wir schreiben schließlich noch die Abschlussprüfungen. Du wirst dich umschauen, wie schnell plötzlich Neujahr ist.“
„Voll! Und schwupp sind wir fünfzehn und keine Schulkinder mehr.“, warf Jen mit einem Fingerschnippen ein.
„Wird auch langsam mal Zeit.“, murmelte Dina neben Kim und schlug etwas umständlich die Beine übereinander.
„Ich hätte dir auch schon mit zehn sagen können, dass ich die sinnlosen Musikstunden nicht brauche. Das bringt bei mir gar nichts, aber nein, ich muss sogar noch eine Abschlussprüfung schreiben.“
„Glaub mir, wir wissen alle, dass du nicht mal ein bisschen Kunstverständnis hast.“, erwiderte Marco mit gerümpfter Nase. Neben Dina, die mit Abstand die breitesten Schultern von allen am Tisch hatte, sah Marco geradezu winzig aus. Fahrig fuhr er sich durch die schulterlangen, hellbraunen Haare und biss in einen Apfel.
„Du sagst es. Und warum muss ich mir das trotzdem noch antun?“
„Ach jetzt hört auf euch ständig zu beschweren.“, ging Kim dazwischen.
„In vier Wochen ist Neujahr und wir sind endgültig fertig mit der Schule.“


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 14.07.2021 13:11    Titel: Antworten mit Zitat

Deine neue Version ist der mit Abstand beste Text, den ich bisher in diesem Forum gelesen habe.

 Daumen hoch
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Kojote
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BeitragVerfasst am: 14.07.2021 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

KikiKroll hat Folgendes geschrieben:
Lieber Kojote. Ich hab' mir dein Feedback zu Herzen genommen und mich gleich mal zu einer etwas anderen Herangehensweise inspirieren lassen. Lass mich gern wissen, wie du die Version findest, wenn du Zeit hast. smile


Wirrrrd gemacht, Chefin! Wink

KikiKroll hat Folgendes geschrieben:
Kims Leben war im Grunde ganz normal. Sie stand jeden Morgen auf, ging zur Schule und schlief abends wieder ein, nur um das ganze Prozedere am nächsten Tag wieder von vorn zu beginnen.


Ich weiß, bestimmt wundert dich jetzt, warum ich dies gestern noch nicht monierte. Dennoch muss ich hier einhaken:
Ein normales Leben mit ständig dem gleichen Trott ist nichts Spannendes.
Beginne das Buch mit einem Knaller. Mit einer Quintessenz, die das Wesentlich des zentralen Konflikts knallhart rüberbringt.
Mein Buch, an dem ich gerade schreibe, beginnt z. B. mit der Aussage, der Prota hätte keine Ahnung, dass er schon in 48 Stunden vor der Wahl stünde, ein Himmelfahrtskommando durchzuführen oder seine Familie vom Geheimdienst liquidieren zu lassen.

Bestimmt hast du für dein Buch schon einen Pitch. Beginne den Roman mit einem "Schocker", der auf dem im Pitch genannten Konflikt zurückgeht.

KikiKroll hat Folgendes geschrieben:
Obwohl es auf der Gagarin streng genommen gar keinen Morgen und überhaupt keine Nacht gab. Das waren mittlerweile einfach nur noch Begriffe, die es irgendwie geschafft hatten, die lange Zeit zu überdauern, die sie nun schon unterwegs waren. Keine Sonne ging morgens auf und kein Mond zog seine Bahn am Himmel. Stattdessen flogen sie in ihrem Raumschiff unfassbar weit weg von all dem durch die unendliche Dunkelheit des Weltalls, ohne dass auch nur einer von ihnen je einen Fuß auf die Erde gesetzt hätte.
Sie sah noch einmal prüfend in den Spiegel, strich sich eine Strähne ihrer schwarzen Haare hinters Ohr und wischte sich den Schlaf aus ihren mandelförmigen Augen. Sie würde sich später wieder anhören können, dass ihr Dutt zu unordentlich aussah, aber sie hatte keine Zeit mehr es besser zu machen. Die anderen warteten schließlich schon auf sie. Eilig klemmte sie sich den silbern schimmernden Metallbügel hinters Ohr, hastete aus dem Badezimmer und folgte einem der vielen, endlos wirkenden grauen Gänge der Gagarin.


Ich mache es kurz:
Zu viel Exposition.
Zu viel Erklärung.
Viel zu wenig Konflikt.

Ich versuche mal eine Parallele zu schlagen.
Bestimmt kennst du die Spielfilme aus der Star-Trek-Serie.
Jeder dieser Filme beginnt (meiner Erinnerung nach) mit einer Actionszene. Meistens aufwändig simulierte Weltraumschlachten.
Ebenso bei James Bond: Der größte und actionreichste Konflikt findet am Klimax der Erzählung am Ende statt.
Und der zweitgrößte und zweitactionsreichste Konflikt? Am Anfang.
Das ist ganz logisch, denn du brauchst am Anfang einen Knaller, damit das Buch gekauft und gelesen wird. Und du brauchst am Ende einen Knaller, damit die Leser auch deine weiteren Bücher kaufen werden.

KikiKroll hat Folgendes geschrieben:
„Was ist denn heute mit dir los? Du verschläfst doch sonst nicht!“, wollte Adrian wissen. Seine Stimme hallte verwundert und misstrauisch durch ihren Kopf und Kim verdrehte genervt die Augen.
„Ich weiß nicht, es…“, doch sie biss sich auf die Unterlippe und führte den Satz nicht zu Ende.
„Komm schon, das ist jetzt wirklich albern. Ich bin dein Helfer, das weißt du doch. Wenn du mir nicht erzählst, was mit dir los ist, wofür bin ich dann da?“
„Ist ja gut, ist ja gut.“, ächzte sie. Er hatte ja doch Recht, so wie immer. Wie sollte man der eigenen künstlichen Intelligenz auch etwas vormachen?
„Es war gar nichts Besonderes, ich hab‘ gestern Abend einfach noch wach gelegen und über die Verteilungszeremonie nachgedacht. Ich meine, warum sind sich die anderen schon so sicher, wohin sie kommen? Warum bin ich die Einzige, die keinen blassen Schimmer hat, was mit ihr passiert?“, daraufhin ließ Adrian ein kurzes, konsterniertes Seufzen verlauten.
„Wie oft hatten wir das Thema jetzt schon?“, fragte er, während sie um eine Ecke bog und sich an einer Gruppe von Erwachsenen vorbei in eine silbern schimmernde Transportröhre quetschte.
„Du willst mir nicht erzählen, dass du nicht mitgezählt hast, oder? In deiner Datenbank ist doch jedes Wort gespeichert, das wir wechseln.“, schnaubte sie und begann dabei langsam nach unten zu driften, umfangen vom silbrigen Leuchten der Transportröhre.
„Natürlich weiß ich das, sei nicht albern.“, gab er zickig zurück.
„Um genau zu sein haben wir das schon vierundfünfzigmal besprochen und sind jedes Mal zu dem gleichen Schluss gekommen.“
„Schon klar. Ich soll mir nicht so viele Sorgen machen, jeder hat seinen Platz.“, gähnte sie gelangweilt. Großartig weiterhelfen würde ihr das jetzt nicht und hatte es auch vorher nicht, doch gerade als sie das sagen wollte, wurde ein Teil der silbrig schimmernden Röhre durchsichtig und geblendet vom hellen Licht aus dem Garten musste sie sich eine Hand über die Augen legen.


Dialoge zur Exposition? Kann man machen, muss man nicht.
Ich lese aus deinem Text heraus, dass du die Erzählperspektive des allwissenden Erzählers gewählt hast. (Korrigiert mich wenn ich falsch liege.)
In diesem Sinne ist es völlig legitim, locker gestreut die Fakten zu verteilen wie Bonbons.
In Filmen gibt es meist keinen Narrator, der aus dem Off erklärt, dass Hugo Rennschnitzel einen Doktor der Philosophie trägt. Deswegen ist es typisch "filmisch", Expositionen auf Dialoge umzulagern, wozu aber auch ein gerüttelt Maß Fingerspitzengefühl erfoderlich ist. Eine billige TV-Produktion würde eine Szene entwerfen, wo Herr Rennschnitzel von seiner eigenen Frau als "Herr Doktor" angeredet wird, damit dieses Detail rüberkommt.
Eine Dialogreihe, die zur Exposition dient, hast du nicht nötig. Du kannst es dem Erzähler überlassen, zum Beispiel zu schreiben:

Kim war nur eine von 98 ausgebildeten Konditorinnen, die gelangweilt ihren monotonen Dienst auf dem Atom-U-Boot USS Gluck schoben. Eigentlich hatte ihr eine Soldatenkarriere vorgeschwebt, bei der sie mit einem einfachen Schreibtischjob einem gutaussehenden Admiral den Tag versüßen könnte. Nun musste sie der gesamten Besatzung wortwörtlich den Tag versüßen und war nun ausgerechnet fürs Marzipanbrot eingeteilt. Dabei hasste sie Marzipan seit ihr im Alter von drei Jahren das erste Mal der Nikolaus begegnet war.

So gelingt es dir, ein lebendiges Bild deiner Protas zu gestalten, ohne dass sich der Leser wundern muss, warum sich Leute über völlig selbstverständliche Dinge unterhalten.
   
KikiKroll hat Folgendes geschrieben:
Langsam fiel sie am Rand des ausladenden Gartens herab und es wäre ein atemberaubender Anblick gewesen, würde sie das nicht jeden Tag machen. Und sowieso hatte sie gerade keine Zeit sich auf so etwas langweiliges wie den Ausblick zu konzentrieren. Stattdessen versuchte sie ihre vier Geschwister in dem immensen Raum auszumachen, was fast an Unmöglichkeit grenzte, denn der Garten war riesig. Der größte Raum des Raumschiffs, um genau zu sein.
An den Seiten glitten Stockwerke vorbei, wo hinter gläsernen Balustraden Menschen hinter Türen und in Gängen verschwanden, doch Kims Blick suchte die Ebenen ab. Sieben davon hingen auf verschiedenen Höhen im Garten, gehalten von dünnen Metallstreben und von Treppen miteinander verbunden. Manche davon waren klein und verwinkelt, andere breit und ausladend wie die Haupttreppe am Eingang, die Kim einige Momente später hinauf hastete.
‚Warum sind diese Röhren so verdammt langsam? Ist noch niemand auf die Idee gekommen, irgendwo eine für Leute einrichten, die es eilig haben?‘, dachte sie zu sich selbst, während sie sich einen Weg durch das dichte Gedränge vor einer der Kochstationen bahnte.
„Die sind eben erst aus der Biokuppel gekommen, quasi direkt vom Baum, etwas Besseres kriegt ihr heute nirgendwo.“, dröhnte Cyrus‘ sonore Stimme über die Köpfe der Umstehenden hinweg, während er hinter seiner Theke gerade eine besonders reif aussehende Ananas anpries. Hinter ihm war bereits eine Schar von kleinen, eiförmigen Robotern dabei einen wahren Berg von Früchten zu zerteilen und in Vorratskisten zu verteilen, doch Kim achtete kaum darauf.


Dieser Absatz wiederum gefällt mir gut.

KikiKroll hat Folgendes geschrieben:
Sie schlängelte sich zwischen zwei Sitzgruppen hindurch, um die Station herum und stieg Treppe um Treppe hinauf, bis sie etwas außer Puste die zweithöchste Ebene überquerte. Hinter einigen Pflanzkübeln, aus denen sich Weinranken nach oben schlängelten, fand sie die anderen am Kopfende eines langen Tisches. Jeder Platz außer ihrer schien besetzt zu sein und es herrschte bereits hektisches Treiben. Jen, Jonathan, Marco und Dina, ihre vier Geschwister, drehten sich zu ihr um und Jonathan zog eine vorwurfsvolle Grimasse.
„Wo warst du? Wir warten schon eine halbe Ewigkeit auf dich.“, sagte er und verschränkte die Arme vor der Brust. Er überragte sie alle um mindestens einen halben Kopf, seit er letztes Jahr plötzlich so furchtbar viel gewachsen war und seine wild in alle Richtungen abstehende Lockenmähne unterstrich das nur noch.
„Jetzt übertreibe mal nicht. Es waren allerhöchstens zehn Minuten.“, erwiderte sie und ließ sich auf den freien Platz fallen. Jonathan sah einen Moment lang so aus, als würde er nur zu gern weiter diskutieren, doch dann weiteten sich seine Augen.
„Na endlich.“
Drei der eiförmigen Roboter kamen herangefahren. Mit den dünnen Ärmchen, die sie ausfahren konnten, trugen sie drei Tabletts voller Essen über ihren Köpfen, die sie kurz darauf vor Kim und ihren Geschwistern abstellten.
„Jetzt beeilt euch mal ein bisschen da hinten. Wir sind hier vorn schon fast wieder fertig.“, rief Elmer vom anderen Ende des Tischs zu ihnen hinüber und wedelte hektisch mit den Händen umher.
„Wann hört er endlich auf sich aufzuspielen wie unser Aufpasser?“, murmelte Jonathan düster.
„Wenn er es nicht mehr ist.“, sagte Jen. Ohne aufzusehen warf sie sich die langen roten Haare über ihre schmalen Schultern und inspiziert ein Schälchen mit einer hellgrünen Paste darin.
„Die vier Wochen wirst du ja wohl noch überleben.“, fügte Kim noch hinzu und musterte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Vier Wochen…“, ächzte er, so als sei dir Vorstellung ganz und gar unerträglich.
„Die werden umgehen wie im Flug sag‘ ich dir.“
„Ach ja?“
„Klar. Wir schreiben schließlich noch die Abschlussprüfungen. Du wirst dich umschauen, wie schnell plötzlich Neujahr ist.“
„Voll! Und schwupp sind wir fünfzehn und keine Schulkinder mehr.“, warf Jen mit einem Fingerschnippen ein.
„Wird auch langsam mal Zeit.“, murmelte Dina neben Kim und schlug etwas umständlich die Beine übereinander.
„Ich hätte dir auch schon mit zehn sagen können, dass ich die sinnlosen Musikstunden nicht brauche. Das bringt bei mir gar nichts, aber nein, ich muss sogar noch eine Abschlussprüfung schreiben.“
„Glaub mir, wir wissen alle, dass du nicht mal ein bisschen Kunstverständnis hast.“, erwiderte Marco mit gerümpfter Nase. Neben Dina, die mit Abstand die breitesten Schultern von allen am Tisch hatte, sah Marco geradezu winzig aus. Fahrig fuhr er sich durch die schulterlangen, hellbraunen Haare und biss in einen Apfel.
„Du sagst es. Und warum muss ich mir das trotzdem noch antun?“
„Ach jetzt hört auf euch ständig zu beschweren.“, ging Kim dazwischen.
„In vier Wochen ist Neujahr und wir sind endgültig fertig mit der Schule.“


Auch das gefällt mir.

Eine orthographische Anmerkung noch:

Wenn eine direkte Rede mit einem Frage- oder Ausrufezeichen endet, so folgt auf dieses Satzzeichen ein Gänsefüßchen oben, dann ein Komma und dann das "sagte XYZ".
Endet die Rede aber auf einen Punkt, so schreibt man diesen nicht mit, sondern beendet die Rede so:
Letztes Wort der Rede – Gänsefüßchen oben – Komma – "sagte XYZ"; also ohne den Punkt, der die wörtliche Rede abschließen würde.

Such dir raus was du gebrauchen kannst. Smile

LG
der Kojote


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KikiKroll
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BeitragVerfasst am: 14.07.2021 13:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Deine neue Version ist der mit Abstand beste Text, den ich bisher in diesem Forum gelesen habe.

 Daumen hoch


Lieber Ralphie - wow! Vielen Dank, hatte mit keinem Kompliment gerechnet. Bei meinem ersten Text hier im Forum eher mit Hagelgüssen voller Kritik. Danke - ich gebe mein Bestes, um das fortzusetzen und vielleicht irgendwann auch eine Agentur zu überzeugen. ;D
Hab' einen schönen Tag & liebe Grüße,
Kiki.


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KikiKroll
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BeitragVerfasst am: 14.07.2021 15:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Kojote,
vielen Dank für das super schnelle Feedback!
Tatsächlich habe ich dieses erste Kapitel, von dem du hier nun den Anfang gelesen hast, nachträglich im Buch eingefügt, um den Leser richtig in die Welt hineinzuführen, in der die Geschichte spielt. Es gibt ein paar Dinge, die erklärt werden müssen - aber du hast definitiv recht, wenn du vom zahlenden Publikum und dessen Geduld sprichst.
Ich glaube, ich habe da auch schon etwas im Kopf, um die Aufmerksamkeit des Lesers direkt zu Beginn zu packen... Das Buch ist an sich ja schon fertig, ein paar Bausteine kann ich ja noch ganz entspannt von Seite zu Seite schieben. wink

Danke für den Hinweis mit den Dialogen. Hatte ich hier eingefügt, um Kims Weg in den Garten etwas lebhafter zu gestalten und auch schon mal dem Leser zu verstehen zu geben, dass es eine KI gibt, mit der sie regelmäßig spricht, die später noch ausführlicher erklärt wird. Aber stimmt schon, die Themen sind etwas zu on the nose und nicht 100% authentisch. Da gehe ich noch mal ran.

Ich danke dir und ganz ehrlich - das Feedback beflügelt mich richtig hier schnell das Home Office fertig zu machen und weiter zu schreiben. Die letzten Tage über hatte ich eine kleine Blockade, aber anscheinend ist eine ehrliche und konstruktive Kritik genau das, was mir gefehlt hat.

Danke und ich hoffe bei dir ist nicht so ein mieses Regenwetter wie hier in Köln. Es regnet schon seit Stunden!

Liebe Grüße,
Kiki


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 14.07.2021 16:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hier auch Sad
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KikiKroll
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BeitragVerfasst am: 22.07.2021 16:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,
ich habe anhand des Feedbacks meine Geschichte noch weiter verbessert (so hoffe ich doch) und ihr findet hier die Fortsetzung. Wie auch die letzten Male freue ich mich auf eure Gedanken dazu und hoffe es geht euch bestens. smile
Liebe Grüße, Kiki

„Nicht so viel Meckern, mehr lernen! Und jetzt ab in die Schule. Das gilt auch für euch da hinten. Na los, macht schon”, rief Elmer eine viertel Stunde später und nahm dabei auch Kim und ihre Geschwister ins Visier. Bei manchen der Erwachsenen brachte es etwas, wenn man versuchte sich müde zu stellen, oder zu bitten, dann ließen sie einen auch mal fünf Minuten länger hier sitzen, bevor es wirklich Zeit wurde zum Unterricht aufzubrechen. Doch bei Elmer dachten sie nicht mal im Traum daran, für sowas war er viel zu penibel. Stattdessen erhoben sie sich ächzend und begannen langsam die vielen Treppen des Gartens wieder hinabzusteigen, während die seine gestressten Rufe ihnen noch lange nachhallten.
Ganz unten angekommen, hielten sie auf eine der goldenen Transportröhren zu, die sie einige Etagen nach oben und ganz in die Nähe ihres Klassenzimmers bringen würde. Marco stieg als erstes ein und Kim wollte gerade ihren Fuß in die golden schimmernde Röhre setzen, als sich plötzlich Jonathan an ihr vorbei drängelte. Perplex sah sie ihm nach und verstand erst eine Sekunde zu spät was er vorhatte.
„Nicht schon wieder, Jonathan…“, versuchte sie ihn noch abzuhalten, doch es war zu spät. Mit einem schiefen Grinsen im Gesicht hatte er einen Moment lang inngehalten, dann blitzschnell nach Marcos Knöchel gegriffen und ihn herumgewirbelt.
„Du elender, blöder…“, entfuhr es Marco wutentbrannt, der nun kopfüber in der Röhre schwebte und so langsam nach oben driftete. Einmal umgedreht war es unmöglich sich wieder in eine aufrechte Position zu bringen, doch er versuchte es trotzdem. Er ruderte wild mit seinen Armen durch die Luft, während sein Kopf dabei eine immer dunklere Rotschattierung annahm.
„Du weißt schon, dass du es so nur noch schlimmer machst, oder?“, fragte Dina mit nur leicht interessierter Miene und er stieß ein entrüstetes Schnauben aus.
„Ach ja, wirklich?“, keifte er zurück. Gleichzeitig lief Kims Kopf fast genauso rot an, wie seiner, während sie versuchte sich das Lachen zu verkneifen. Wie er da so über ihnen schwebte, in einer Pose wie ein bockiger Dreijähriger der an den Füßen nach oben gezogen wurde, war zum Schreien komisch, doch sie riss sich zusammen. Schon vor zwei Wochen hatten sie sich alle geschworen nicht mehr zu lachen, damit Jonathan es dann vielleicht endlich lassen würde. Denn aus einem unerklärlichen Grund war es für ihn plötzlich wie zu einer Art eigenartigen Sports geworden, sie alle andauernd in den Röhren auf den Kopf zu stellen. Nun ja, fast alle. Vielleicht war es ihr breites Kreuz, ihr strenger Blick oder auch beides zusammen, aber Dina war bislang die Einzige geblieben, bei der er sich das nicht getraut hatte.
“Ihr müsst euch ein bisschen sputen, ihr seid äußerst spät dran”, mahnte die lispelnde Stimme von Adrian in ihrem Kopf. Von Jonathans Scherz schien er ganz und gar unbeeindruckt, ganz im Gegensatz zu Jen. Sie hatte sich unter Kims Füßen zu einer Kugel zusammengerollt, konnte ihren Lachanfall aber schon lange nicht mehr unterdrücken und prustete laut, was Marcos Laune nicht verbesserte.
„Kommt jetzt, sonst kriegen wir wieder extra Sport-Einheiten aufgebrummt“, sagte Kim so entschieden sie konnte, als sie in der vierundvierzigsten Etage angekommen waren und zog Jen aus der Transportröhre. Dina drehte Marco um, brachte ihn wieder in eine aufrechte Position und hielt ihn warnend an der Schulter fest, als Jonathan mit betont unschuldiger Miene an ihnen vorbeischlich und als erstes den Unterrichtsraum betrat.
Grelles, kaltes, weißes Licht umfing Kim, als sie eintrat. Es war schon immer so gewesen, doch sie kniff trotzdem instinktiv die Augen zusammen. Die Wände, der Boden und die Decke des Simulationsraum leuchteten, nein, sie strahlten geradezu. Und inmitten des Lichts stand eine Person, die ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden tappte.
Kora, ihre Lehrerin, wartete schon auf sie und pustete sich ärgerlich eine Strähne ihrer weißen Haare aus der Stirn, während sie alle langsam in den Raum hineintappten.
„Wo bleiben die anderen denn? Passt auf Abteil A denn keiner auf, dass die Kinder zum Unterricht kommen?“
Sie murmelte leise etwas zu sich selbst, ganz bestimmt wollte sie gerade von ihrem Helfer wissen, wo die anderen blieben. Doch da schwangen auch schon wieder die breiten Schwingtüren zur Seite und der zweite Teil von Kims Jahrgang betrat den Raum.
„Ich erwarte mehr Pünktlichkeit, miteinander“, erklärte Kora und nahm die fünf Schüler in den Blick, die gerade hereinkamen.
„Vor allem jetzt, so kurz vor den Prüfungen.“
„Wir waren kaum später da als die anderen und wir kommen vom anderen Abteil. Ganz ehrlich, wir…“, begann Kaya wie immer mit Kora zu diskutieren, doch sie brachte ihn mit einer schnellen Handbewegung zum Schweigen. Genervt strich er sich die dunkelbraunen Locken nach hinten und bis sich auf der Zunge herum, schwieg aber trotzdem.
„Als würde es ewig dauern eine blöde Brücke zu überqueren“, flüsterte Jen, doch bevor Kim ihr zustimmen konnte, hatte Kora auch schon wieder das Wort ergriffen.
„Wir fangen an, heute ist schon genug Zeit verplempert“, sie wedelte energisch durch die Luft und im nächsten Moment erlosch das grellweiße Licht und Kims Füße lösten sich vom Boden. Das Gefühl zu Schweben war nichts ungewöhnliches, doch die tiefe Schwärze, die sie gleich darauf umfing schon.
„Was soll das werden? Gruseltest?“, fragte Jonathan leise und Kim hörte schräg neben sich ein leises Schnauben.
„Jemanden mit der passenden Frisur haben wir schon mal“, schnarrte Kayas Stimme hinter ihr und als sie sich umdrehte, warf er ihr ein fieses Grinsen zu. Das war zu erwarten gewesen und so wirklich kratzte es sie nicht mehr. Kaya war schließlich schon seit Jahren so zu ihr, daran würde sich so schnell nichts ändern. Statt ihn großartig zu beachten, konzentrierte Kim sich darauf zu erkennen, wo sie gerade aufgetaucht waren. Sie würde diesen aufgeblasenen Idioten in ein paar Wochen eh nicht mehr jeden Tag sehen müssen, sollte er doch machen was er wollte.
Es dauerte einen Moment, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, in der sie nun schwebten, doch irgendwann konnte sie kleine, leuchtende Punkte überall um sie herum ausmachen.
„Das All. Wie spannend“, flüsterte Marco und selbst ohne ihn anzusehen wusste Kim instinktiv, dass er gerade genervt die Augen verdrehte.
Marco hatte Recht. Egal aus welchem Fenster man auf der Gagarin sah, da war nirgendwo etwas anderes zu sehen als der schier endlose Weltraum um sie herum. Das jetzt auch noch im Simulationsraum sehen zu müssen sorgte sofort für eine dröge Stimmung, schließlich war hier sonst alles möglich. Erst letzte Woche waren sie auf der Erde gewesen, um einer Horde riesiger Dinosaurier beim Fressen zuzusehen und einen Monat davor hatte Kora mit ihnen einen Rundgang durch einen der kleinen eiförmigen Roboter gemacht. Alles war virtuell, den Simulationen waren keine Grenzen gesetzt. Theoretisch zumindest.
„Meine Lieben ihr werdet es nicht glauben, aber es wird gleich noch spannender“, erklärte Kora mit unverkennbarer Ironie in der Stimme und fast im gleichen Augenblick tauchte etwas Großes vor ihnen auf. Es war ein Anblick, den jeder kannte und doch hatte die silbrig schimmernde Kugel etwas atemberaubendes an sich, als sie da so aus dem Nichts einige hundert Meter vor ihnen auftauchte.
„Die Abschlussprüfungen starten in ein paar Wochen und wir werden jetzt noch mal im Schnelldurchlauf alles wiederholen, was ihr dafür wissen müsst. Wir starten heute mit einem generellen Überblick über den Aufbau der Gagarin und…“, begann Kora zu erklären. Sie klang dabei, als fände sie all das ganz genau so überflüssig wie ihre Schüler, doch es führte wohl kein Weg daran vorbei. Mit einem Winken bedeutete Kora ihnen, ihr zu folgen und alle setzten sich unter leisem Murren in Bewegung.
“Doch nicht das schon wieder…”, murmelte Marco, während sie langsam auf die Gagarin zuflogen.
“Nur weil du sowieso alles auswendig weißt, heißt das nicht, dass uns anderen eine Wiederholung nichts bringt”, zischte Jen zu Marco hinüber.  
“Aber wie die Gagarin aufgebaut ist, weiß doch jedes Kind.“
„Natürlich, aber…“
“Wenn du schon zu viel zu bereden hast, Jen, dann tu es doch bitte mit uns allen. So viele sind wir schließlich nicht“, schaltete sich nun wieder Kora ein und richtete einen strengen Blick auf Jen, die betreten schwieg. Sie waren jetzt nur noch gut zweihundert Meter von der Gagarin entfernt und begannen nun, das Raumschiff in einer langgestreckten Kurve zu umrunden. Von hier aus konnte man nun auch gut erkennen, dass das ganze Schiff von einem silbrigen Schimmern umgeben war, das Kims Blick wie automatisch anzog.   
„Was sind die generellen Merkmale beim äußeren Aufbau der Gagarin?”, hakte Kora noch mal nach, als Jen weiterhin schwieg. Marcos Hand schoss prompt in die Höhe, doch Kora sah weiterhin Jen an, die sich etwas nervös räusperte.
“Nun ja, das Schiff ist rund. Also ich meine ellipsenförmig, um genau zu sein und es ist in zwei Hälften geteilt”, erklärte sie und erntete dafür ein Nicken von Kora und ein irritierendes Schnauben von Kaya.
“Das seh’ ich doch sogar von hier aus…”, flüsterte er und Henry, ein breitschultriger Junge mit kantigem Gesicht, pflichtete ihm leise bei.  
„Trotzdem ist es manchmal wichtig, auch das Offensichtliche zu benennen“, sagte Kora und ein kurzes Grinsen blitzte über ihr Gesicht, bevor sie wieder ernst wurde.
„Da wir das ganz Offensichtliche jetzt geklärt haben… Wer kann mir sagen, wofür wir die Trennung in der Mitte brauchen?“
„Risikominimierung“, erwiderte Marco wie automatisch, ohne darauf zu achten, dass Kora ihn nicht drangenommen hatte.
“Für den Fall, dass die äußeren Sicherheitsmechanismen versagen, ein Teil der Gagarin zerstört wird oder eine Fehlfunktion aufweist. Dann kann sich die andere Hälfte abkoppeln und eigenständig weiterfliegen. Beide Teile sind identisch aufgebaut und funktionieren unabhängig voneinander”, ratterte er herunter und Kora nickte zufrieden.
„Auf das zweite Abteil hätten sie auch gut und gern verzichten können, wenn ihr mich fragt“, flüsterte Kim Dina zu und nickte in Richtung von Kaya.
“Apropos Vorsicht…”, fuhr Kora fort.
“… vor welchen Gefahren müssen wir uns eigentlich schützen?”
“Vor Asteroiden, Meteoriten, Kometen, Splittern dieser Teile… Im Grunde vor allem. So schnell wie wir durchs All rasen, könnten uns selbst ein Kieselstein gefährlich werden. Und Strahlung natürlich genauso”, zählte Marco sofort auf, ohne überhaupt die Hand zu heben.
“Und wieder richtig, aber was sagen wir immer?”, hakte Kora nach und dieses Mal was es Jonathan, der antwortete.   
“Wir haben keine Ahnung was uns im Weltraum sonst noch alles Probleme bereiten könnte”, ächzte er gelangweilt. Kein Wunder, diesen Satz wiederholte Kora schließlich ständig.  
“Exakt! Das müsst ihr immer im Kopf behalten. Wer weiß schon, was uns hier draußen noch alles erwarten könnte - außer herumfliegenden Gesteinsbrocken und Vakuum”, wieder bedeutete Kora ihnen, ihr zu folgen und im Schritttempo schwebten sie nun langsam auf die Gagarin zu.
Je näher sie kamen, desto besser konnte man sehen, dass das vorher nur undeutliche silberne Flimmern um die Gagarin herum von vier Netzen herrührte, die um das Raumschiff herum schwebten und von weitem noch engmaschig und filigran aussahen. Als Kim jedoch einige Meter vor dem äußersten Netz ankam, war das Bild schon wieder ein ganz anderes. Klobige Verbindungspunkte, fünfmal so groß wie eine Wassermelone, wurden von dicken Streben miteinander verbunden und spannten sich rings um das von hier aus nun wahrlich gewaltig wirkende Raumschiff herum.

1Wie es weitergeht »



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Phenolphthalein
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BeitragVerfasst am: 25.07.2021 22:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo liebe KikiKroll ,

ich hoffe, du konntest dich bereits ein wenig im Forum einleben.
Ich bin nur zufällig  auf deine Geschichte gestoßen, habe sie aber bis zum Ende des Auszuges gelesen, was ich bei weitem nicht bei jeder Geschichte tue.

Ohne in dein Profil zu schauen, hätte ich dich anhand deiner Schreibe für jünger gehalten, so im alter deiner Prota.  Das allein ist aber kein Kriterium wie ich die Geschichte finde. Es gibt sehr begabte 16 Jährige Autorinnen. Ich schreibe das nur, weil ich durchaus finde, dass du eine altersgerechte Protagonistin geschaffen hast. Und auch aus dem Setting kann man was machen.
Die Frage ist nur, warum hast du es gewählt?
Denn das, was ich bisher lesen konnte, könnte überall stattfinden.
Ich meine dein Schauplatz sollte schon etwas einzigartiges haben, denn ist dem nicht der Fall, verhält es sich in etwas so, wie bei dem Schreiber, der seinen Schauplatz in die USA verlegt, ohne jemals da gewesen zu sein, sprich es ist nicht mehr authentisch und damit unnötig.

Dabei hast du durchaus interessante Ideen:
- die elliptische Gagarin mit samt dem Netz als Schutz (wenngleich ich die Funktionsweise bezweifele, wenn man die Geschwindigkeit bedenkt die „Geschosse“ haben, die davon abgefangen werden sollen, aber das sei mal egal).
- die Trasportröhren (wobei ich lange brauchte um zu verstehen, dass man offenbar in einer Art Kraftfeld transportiert wird)

Die Ähnlichkeit zu Divergent ist allerdings auch nicht zu übersehen. Das muss kein Manko sein, aber man wird die Geschichte daran messen und du sollte aufpassen, keine simple Kopie zu schreiben.

Wobei ich dann auch schon in die Hauptkritik wechsele.
Vorweg: Ich kann alles auch deutlich detaillierter schreiben, aber wir befinden uns erstens im Einstand und zweitens glaube ich, dass das auch schnell überfordern kann.

1) Ich finde, du hast noch nicht genug geplotteet. Deine Geschichte ist dafür zu Sprunghaft und mir fehlen weichere Übergänge.

2) Dein Beschreibungen sind insgesamt zu spärlich und setzen einen falschen Fokus.
Nimm den Garten. Abgesehen von den sieben Ebenen und dass man von Außen hineinschauen kann, sowie den unterschiedlichen Treppen, bleibt er mir beinahe bildlos. Die verwinkelten Treppen sind hinzu ziemlich unlogisch?
Wozu braucht man sie verwinkelt? Damit man von draußen „Finde den Weg durch den Irrgarten“ spielen kann? Wohl kaum.
Ich hätte mir da mehr aussagefähiger  Details gewünscht. Ist jede Ebene einer Klimazone der Erde nachempfunden? Mit speziellen Pflanzen und Begebenheiten. Wüstensand mit Palmen, Irisches Hochland mit künstlichem Küstenwind etc.
Dann wieder fehlen die Beschreibungen [fast].
Die zweithöchste Ebene z.B.
Sie besteht aus (zwei) Pflanzenkübeln, aus denen Weinranken sich ohne Hilfe (z.B. ein Holzpavillon) in die Höhe winden und dann noch aus einem gewaltiger Tisch? Das ist das Bild, wenn ich oben ankomme? Mehr gibt es nicht zu sehen? Wir haben also ansonsten eine leere Plattform oder ist der Tisch so groß, dass er sie komplett einnimmt?

Durch das zusammenkürzen des Infodumps (richtiger Kritikpunkt) hast du aber auch eine andere Schwäche offenbart.
Das Zusammenspiel aus Handlung, Beschreibung und Hintergrund. Anfänglich hast du viel Nebensächliches erzählt, das ist schon richtig, Jetzt aber hast du eine Handlung, spärliche oder deplatzierte Beschreibungen (Hilfsweise mit Adjektiven) und keinen [nennenswerten] Hintergrund (darunter fällt auch der zeitliche Kontext, die Welt/dein Universum etc.), der nicht zuletzt auch für das Verhalten und die Denkweise deiner Protagonistin verantwortlich ist. Gleich gibt es dazu ein Beispiel.

Zudem fehlt ein Konflikt, denn dass sie nicht weiß, was sie werden will/soll reicht nicht dafür.
So eine Findungsphase ist vollkommen normal und die haben alle Jugendliche (und auch ältere) irgendwann. Hinzu wird sie heruntergespielt. Dass man sie dennoch nicht aus den Augen lässt, ist an Erwartungen geknüpft, die man von tausend anderen Geschichte kennt.

Ein Konflikt wäre beispielsweise durch den Hintergrund ableitbar.
Die Gagarin ist alles, was von der Menschheit übrig ist, gerade mal 500 Menschen. Um den Genpool zu erhalten wird klar festgelegt, wer sich mit wem fortpflanzen darf. (Das ist nicht das genannte Beispiel).
Bei dir liest es sich aber mehr danach, als gäbe es die Erde noch. Wink


3) Die Logik (auch als schlüssiges Verhalten) ist bei dir auch noch so ein Thema, aber das spare ich hier aus.


Nun zum Beispiel :
Nimm Divergent. Ich bin mir sicher, du hast dich daran angelehnt. Tolles Buch, etwas weniger tolle Verfilmung.

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass ein Buch am Anfang immer eine Spannungsszene braucht und es gibt ebenso genug Beispiele  (z.B. Divergent) die das auch widerlegen. Aber es ist natürlich richtig, dass Interesse geweckt werden muss.

Das hier finde ich übrigens genial:

Zitat:
Eine beliebte Strategie von erfolgreichen Autoren ist, genau zu wissen, bis wohin Leute im Buchhandel probelesen, bis sie die Kaufentscheidung fällen.

Danach kann das Buch sein, wie es will? Sich kaputt lachen Was das dann über die Verkaufszahlen von Band zwei aussagt …

Egal.

Also: Bei Divergent geht es als erstes um Tris oder  um die Fraktionen. In wenigen Worten kannst du dir die Altruan vorstellen. Aber was sollen die Fraktionen? Oder was hat die Wahl einer solchen mit dem Verlust der Familie zu tun?  Genau das erzeugt das benötigte Interesse die Geschichte weiterzulesen. Aber: Das ist Hintergrund, die Einführung in die Welt (aber nicht gleichzusetzen mit Infodump)
Dieser Hintergrund ist das Besondere an Divergent, der der alles verbindet, der die Verhaltensweise der Akteure bestimmt, der den Konflikt ermöglicht usw.
Das fehlt deiner Geschichte. Wir befinden uns auf einem Raumschiff, fernab der Erde. Gut und weiter? Es hat keinerlei Konsequenz Es deutet auch nicht auf einen Konflikt hin. Und nur weil du nennst, dass Kim nicht weiß, was ihr nach der Schule bevor steht, ist das auch kein Konflikt.

Also: Was macht diesen Hintergrund so besonders? Und was unterscheidet ihn vom Infodump?

Ich schreibe: „In wenigen Worten kannst du dir die Altruan vorstellen.“
Aber wie macht Roth das? Denn genau genommen braucht Roth nicht zu schreiben, dass die Alturan selbstlos sind. Das ist nur eine Art Konklusion.
Aber:
Es gibt nur einen Spiegel (alles andere wäre wohl eitel. Der dient aber nur der Körperpflege im weitesten Sinne)
Tris bemerkt, dass sie, obschon sie 16 (bald 16) ist, aussieht wie ein Kind (Es geht nicht um die Reize der Frau)
Ebenso (allerdings nach der Benennung der Selbstlosigkeit) wäre die Mutter eigentlich hübsch, das geziemt sich aber nicht.

Alles Infos, die du so nicht in deiner Realität finden wirst, und alles Infos, die für die Geschichte noch wichtig werden.
Man merkt sofort, dass Tris nicht zu den Altruan passt. Und man weiß (auch wenn man es im Grunde noch nicht weiß), was das bedeutet?  Sie wird wohl die Fraktion wechseln. Bedeutet das den Verlust der Familie?
Die Informationen sind gut platziert. Gerade so viel, dass sie das genannte und benötigte Interesse wecken (Daher kein Infodump).


Und jetzt schau mal auf deinen Einstieg:
Wer ist Kim?
Was für ein Raumschiff ist die Gagarin?
Was sind die Bedingungen deiner Welt?
Sie lebt ein Leben, dass sie auch in unserer Realität leben könnte.

Das als Resümee von mir. Frag nach, wenn etwas nicht klar ist oder gehe auch gerne in die Diskussion mit mir, wenn du eine [vollkommen] andere Meinung hast.

Ich glaube aber, du hast eigentlich eine tolle Welt geschaffen und auch, dass du eine ebensolche Geschichte erzählen kannst.  Du bist nur noch etwas chaotisch unterwegs. Doch vielleicht ist das auch  für dich wichtig und gehört zu deiner Arbeitsweise. Vielleicht ist auch ein Mix das Sinnigste.
Wichtig ist nur: mach weiter. Wink

Liebe Grüße,
Pheno


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Willst du die Bescheidenheit des Bescheidenen prüfen, so forsche nicht, ob er Beifall verschmäht, sondern ob er den Tadel erträgt.

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KikiKroll
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BeitragVerfasst am: 26.07.2021 17:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Pheno,

vielen Dank für das super ausführliche Feedback! Tatsächlich kann ich direkt zu Anfang meiner Antwort verkünden: Divergent habe ich nie gelesen. Oder gesehen. Ich erinnere mich dunkel daran, mich mal an einem Filmabend gegen die Verfilmung entschieden zu haben, vielleicht habe ich sogar einen Trailer gesehen. Mehr aber auch nicht. Sehr spannend also, dass dich mein Text daran erinnert. Ich hab' eben mal rein geschaut, aber an sich geht meine Geschichte in eine ganz andere Richtung. Da habe ich nicht so große Angst vor Verwechslungsgefahr / vergleichen. smile

Bei vielen deiner Punkte hat es in meinem Kopf klick gemacht und ich sitze gerade an einer neuen Version des Textes. Ist auch nichts neues, das erste Kapitel wird gerade ziemlich umgepflügt, eigentlich nach jeder Kritik, von denen ich hier wirklich viele lese, was mich sehr freut. smile
Die ersten Entwürfe waren sehr ausladend und voller Beschreibungen, doch nachdem der "Erklärbär" dazu oft viel, habe ich einiges (und rückblickend vielleicht deutlich zu viel) davon raus genommen. Ich werde eroieren, was sich davon wieder reinbauen lässt.
Was dir sehr richtig aufgefallen ist, ist der Konfliktpunkt. Darüber stolpere ich schon, seit ich begonnen habe die Geschichte zu schreiben. Es fällt mir immer sehr leicht, Welten in meinem Kopf zu erschaffen und die sind dann meistens sehr nah an einer Utopie. Auf Basis dessen bastle ich im Nachgang die Geschichte und Konflikte hinein, was wahrscheinlich ein hier immer noch laufender Prozess ist. Ich glaube aber, ich habe da eine Idee, wie ich die Handlung am Anfang auch straffen kann. Ich habe noch ein bisschen Mühe damit, einzuschätzen wie viele Infos ich auf einmal "raus schießen" kann und was ich mir ggf. aufspare. Ein Kollege (Autor) sagte immer - wenn man aus einem Film herausgeht und keine Fragen hat, war der Film nicht gut und bleibt nicht im Gedächtnis. Einiges muss immer offen bleiben, worüber spekuliert werden kann. - Den Spagat dorthin versuche ich zu schlagen, aber das kriege ich noch hin! lol2

Danke für den Input zu den Beschreibungen auch im Bezug auf dein Beispiel mit der Beschreibung von Tris. Ich muss wahrscheinlich noch ein bisschen am handwerklichen Arbeiten, um so gestochen scharfe Sätze hinzubekommen, die Figuren so mühelos greifbar machen. Das werde ich üben. smile

Ich würde mich freuen wenn wir in Kontakt bleiben, vielleicht hast du ja Lust dir irgendwann noch mal einen neuen Entwurf anzusehen. Zumindest habe ich dich bis zum Schluss dran behalten und dich glauben lassen, ich wäre so alt wie meine Protagonisten. Das ist ja schon mal was! ;D

Liebe Grüße,
Kiki


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BeitragVerfasst am: 30.07.2021 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe KickiKroll,

es ist nicht verkehrt, sich zunächst die Welt zu erschaffen, in der die Gesichte spielt. Aber dann kommt eigentlich schon direkt der Konflikt (sollte er nicht an erster Stelle kommen).

An ihm sollte sich die ganze Handlung ausrichten.
Grundsätzlich gilt:

Wer tut was, aus welchem Grund und wie verhindert die antagonistische Kraft das.

Daraus bastelst zu dann den Pitch.
Dieser kleine Satz ist eine hervorragende Orientierung.

Ich empfehle auch eine Art Exposé im Vorfeld zu schreiben, um sich noch besser an der Handlung entlanghangeln zu können.
Es bleibt dann immer noch bei dir, ob du dich auch akribisch daran entlanghangeln willst, (insofern du keine Auftragsarbeit schreibst; aber selbst da gibt u. U. es gewisse Gestaltungsmöglichkeiten).

Und außerdem ist es [für mich] recht hilfreich, eine Charakterisierung der Hauptcharaktere zu schreiben. Das hilft dabei, dass der Charakter nachvollziehbarer wird und bleibt und dabei zu prüfen, ob die Entwicklung stimmt.
(Falls dich das interessiert und du nicht lange danach suchen willst, kann ich dir eine Vorlage als pdf z.B. via PN schicken.)

Du kannst auch mal bei den Persönlichkeitstypen schauen. Das kann helfen, deine Protagonistin (aber natürlich auch bei alle anderen) besser kennenzulernen und abzuschätzen, wie sie sich voraussichtlich verhalten wird.

Z.B. bei den 16Personalities (gibt es auch ausführlicher auf Englisch).

Ansonsten: Soll das Buch via Verlag veröffentlicht werden?
Dann setze zumindest mal den Hacken bei "nur für registrierte User".


Liebe Grüße,
Pheno


_________________
Willst du die Bescheidenheit des Bescheidenen prüfen, so forsche nicht, ob er Beifall verschmäht, sondern ob er den Tadel erträgt.

Franz Grillparzer
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KikiKroll
Geschlecht:weiblichSchneckenpost


Beiträge: 11
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 28.08.2021 15:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Pheno,

vielen Dank für dein ausführliches Feedback und bitte entschuldige, dass ich erst jetzt antworte. Ich war im Urlaub und habe noch mal über einiges an der Geschichte nachgedacht - auch über Charaktere usw.. Es hat sich viel geändert, u.a. auch wegen deines tollen Feedbacks. smile
Leider kann ich diese ganzen Beiträge nachträglich nicht mehr für registrierte Nutzer verfügbar machen. Das ist dann jetzt wohl so.

Ich hoffe dir geht es bestens.
Liebe Grüße,
Kiki


_________________
We are all stories in the end. Just make it a good one.
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Selanna
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 949
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 28.08.2021 16:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kiki,

wenn Du die Sichtbarkeit ändern willst, geht das sicher auch nachträglich, indem Du einen Moderator (zB Bananenfischin, Mogmeier oder Holg) anschreibst. Allerdings weiß ich nicht, ob man dafür nicht mindestens 15 Beiträge braucht.

Liebe Grüße
Selanna


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Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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