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Anfang einer neuen YA Geschichte, Gefängnisszene


 
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brussac
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 57
Beiträge: 24
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 27.01.2021 19:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomas,

diese lebendige Szene wäre der passende Einstieg gewesen! Sofort Spannung erzeugt, Neugier geweckt.

LG brussac
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Thomas74
Geschlecht:männlichReißwolf

Alter: 47
Beiträge: 1300
Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 27.01.2021 19:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ooookay....
Noch ist nichts fest, noch kann ich die Blöcke mischen. Das Problem ist nur, dass der größte Teil der Geschichte in einer späteren Zeitebene spielt und noch Passagen aus der Zeit DAVOR kommen.
Sprich, die Wochen vor und nach der TAT sind nur die Vorgeschichte.
Ich habe Bedenken, dass der Anfang falsche Erwartungen über den Fortgang beim Leser weckt.


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Optimismus ist, bei Gewitter in einer Kupferrüstung auf dem höchsten Berg zu stehen und "Scheiß Götter!!" zu rufen.
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psi
Leseratte


Beiträge: 119



BeitragVerfasst am: 27.01.2021 19:56    Titel: Antworten mit Zitat

Mir gefällt die aktive Szene auch besser, um Mira einzuführen.
Wie lang werden denn die Abschnitte/Kapitel mit den Rückblenden?
Wäre es vielleicht eine Möglichkeit, als Überschrift für die Rückblenden jeweils etwas zu nehmen wie "7 Jahre zuvor"? Dann wäre es für den Leser beim Einstieg klar, auf welcher Zeitebene die Haupthandlung spielt.
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Thomas74
Geschlecht:männlichReißwolf

Alter: 47
Beiträge: 1300
Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 27.01.2021 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ψ hat Folgendes geschrieben:

Wäre es vielleicht eine Möglichkeit, als Überschrift für die Rückblenden jeweils etwas zu nehmen wie "7 Jahre zuvor"? Dann wäre es für den Leser beim .


Das Problem ist, dass die Vorgeschichte zu kurz für eine eigene Zeitebene ist.
Momentan stückelt es sich laut (gaaaanz grobem) Plot so:

20% Zeitebene 11 Jahre
30% 11-16 Jahre, nicht gleichmäßig , immer episodenweise
50% bzw ab einem Punkt linear ab 16 Jahre   

Aber wie gesagt, noch bin ich da flexibel


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Natalie2210
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 35
Beiträge: 575



BeitragVerfasst am: 28.01.2021 11:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Nur kurz: Mir gefällt der ursprüngliche Einstieg besser. Mag sein, dass ich so gepolt bin, aber mit dem Text hätte ich das Buch sofort gekauft. Der Schnipsel nach dem Mord - ich weiß nicht. Mira hat eine Schulkollegin umgebracht, man weiß nicht warum, aber sie ist jetzt in einem Ausnahmezustand. Langweilig, meiner Ansicht nach, und Mira wird sehr viel farbloser eingeführt, als in der Gefängnisszene. Sie agiert, aber als Charakter wirkt sie passiv.

Der Kontrast in der Gefängnisszene viel spannender: sie ist verurteilt, verzweifelt, und war eigentlich ein ordentliches Mädchen. und auch wenn ich den Sex abschwächen würde, rausnehmen würde ich ihn nicht. Die Szene war ein hammerharter Einstieg, und hat mich persönlich viel mehr interessiert, als der Mord an sich.
und zur Charaktereinführung: Mira agiert passiv, aber alles, was man über sie erfährt, zeichnet sie als mutigen Charakter. Jemanden, über den man mehr erfahren will.

lg,
Natalie
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DerAndreas
Eselsohr


Beiträge: 200



BeitragVerfasst am: 28.01.2021 12:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo.
Mir hat der ursprüngliche Entwurf auch besser gefallen. Ich würde den einstieg an sich dann aber auch ein paar Jahre in die Zukunft verlegen, denn Aktuell kenne ich auch kein Land, in dem Minderjährige zum Tode verurteilt werden können. Genau so wenig finde ich die Kamera in der Zelle oder das permanent leuchtende licht plausibel. Das sind Maßnahmen aus dem Bereich der Isolationshaft, und die kommt nur in Frage, wenn der Häftling eine Gefahr für andere Häftlinge darstellt, oder selber durch andere Häftlinge gefährdet ist.
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Thomas74
Geschlecht:männlichReißwolf

Alter: 47
Beiträge: 1300
Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 28.01.2021 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

@Andreas, es gibt sogar eine längere Erklärung für das politische System in dieser fiktiven Welt. Ich bin aber noch unentschlossen, wo ich diese doch ziemliche Erklärbär-Passage einbaue. Ich würde es ungern als zerstückelte Rückblende lösen.

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DerAndreas
Eselsohr


Beiträge: 200



BeitragVerfasst am: 28.01.2021 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
@Andreas, es gibt sogar eine längere Erklärung für das politische System in dieser fiktiven Welt. Ich bin aber noch unentschlossen, wo ich diese doch ziemliche Erklärbär-Passage einbaue. Ich würde es ungern als zerstückelte Rückblende lösen.


Hallo.

Wenn es sich um eine Fiktive Welt handelt, ist das was anderes, dass ging so für mich nicht aus dem Eröffnungspost hervor, ich war von einer fiktiven Zukunft in unserer Welt ausgegangen.

Liebe Grüße!
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Thomas74
Geschlecht:männlichReißwolf

Alter: 47
Beiträge: 1300
Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 28.01.2021 13:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab bei einigen Autoren (N. Shusterman zum Beispiel) die Lösung gesehen, den Info(dump) in fiktiven Zeitungsartikeln, Interviews usw. Zwischen den Kapiteln einzustreuen. Kann man lesen, muss man nicht, aber informiert über die Welt.

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Natalie2210
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 35
Beiträge: 575



BeitragVerfasst am: 28.01.2021 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wenn es sich um eine Fiktive Welt handelt, ist das was anderes, dass ging so für mich nicht aus dem Eröffnungspost hervor, ich war von einer fiktiven Zukunft in unserer Welt ausgegangen.


Da hat Andreas recht. Vielleicht könntest du, Thomas, irgendeine Kleinigkeit einstreuen, die andeutet, dass es nicht unsere Welt ist. z.b. die Lampe aus Naquadah oder so -irgendein material, das es bei uns nicht gibt. Beiläufig eingestreut, das aber den Leser triggert.

lg,
Natalie
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Selanna
Geschlecht:weiblichReißwolf


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BeitragVerfasst am: 28.01.2021 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomas,

mir gefiel der erste Anfang auch besser. Beides ist ja in gewisser Hinsicht ein „Nach dem Mord-Szenario“, einmal das Weggehen vom Tatort im traumatisierten Zustand und einmal das Leben nach dem Mord im Knast aufgrund des Mordes. Nur war beim ersten Mal das Setting (für mich) interessanter, ebenso ihre Gedankenwelt. Obwohl diese Szene nach dem Mord folgt, fand ich die Zellenszene krasser, die schlug bei mir viel mehr ein.
Hier noch ein paar Randbemerkungen:
Zitat:
Keuchend saß Mira … . Verwirrt und desorientiert starrte sie … . Vergeblich versuchte sie …

Hier ist mir der relativ ähnliche Satzbau aufgefallen.
Zitat:
die unsicheren Beine, die unter ihr weg zu knicken drohten.

Hier würde ich das „unsicheren“ oder den Relativsatz streichen, da beide dasselbe aussagen.
Zitat:
Laut rauschte das Blut in Miras Ohren.

Oder: Das Blut rauschte ihr in den Ohren.
Zitat:
Zwanzig  Augenpaare

Erstaunlich kleine Klasse.
Zitat:
Erst jetzt bemerkte Mira, dass sie voller Blut war.

Aber sie hinterließ doch an Türen und Wänden blutige Abdrücke. Fiel das dann dem Erzähler auf und nicht ihr selbst?
Zitat:
Tapsen

Klingt in meinen Augen nicht so schön wie „Abdrücke“ oder „Spuren“.

Ansonsten waren beide Texte flüssig zu lesen, sie sind Dir gut gelungen. Ich wünsche Dir die richtige Intuition für die Entscheidungsfindung, bei so viel unterschiedlichen Meinung fällt das sicher nicht leicht.

Liebe Grüße
Selanna


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Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 28.01.2021 15:46    Titel: Antworten mit Zitat

Cool
Zitat:
Erstaunlich kleine Klasse


20 Paar sind 40 Augen, also 22 Schüler sind aber Durchschnitt...


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Selanna
Geschlecht:weiblichReißwolf


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Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 28.01.2021 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Echt? Nach meinem letzten Kenntnisstand sind es in unserer Gegend eher 28-32 Schüler pro Klasse. Aber vllt ist das veraltet. Ist ja schön, wenn's inzwischen kleinere Klassen gibt smile

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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 28.01.2021 16:32    Titel: Antworten mit Zitat

Bei meinem Sohn sind es 14 Kinder. Aber das ist nun völlig OT.

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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 28.01.2021 17:04    Titel: Antworten mit Zitat

Uff! Endlich eine Tastatur statt Handy...

@Andreas,@Natalie: Ich habe spontan beschlossen, die Geschichte in naher Zukunft spielen zu lassen. Und ich werde das auch wie Neal Shusterman in der Vollendet-Serie lösen, durch eingefügte fiktive Zeitungsartikel, welche die politische Situation beleuchten. Stichwort, eine, räusper, sehr konservative Partei hat durch geschickte Massenbeeinflussung via Social Media die Wahl gewonnen, einige Wahlparolen waren das Ende der "Kuscheljustiz" zur Wiederherstellung von Recht, Ordnung und Sicherheit, insbesondere gegenüber marodierenden Jugendlichen und die Wiedereinführung der Todesstrafe nach biblischem Auge-um-Auge-Prinzip.
Und Mira fällt halt ins Raster.

Zu der Idee, die "fremde" Welt unbedingt schon am Anfang erklären zu müssen; beim vielzitiertem  "...Panem" findet sich der erste, vorsichtige Hinweis, dass es nicht unsere vertraute Welt ist, auf Seite 9.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 28.01.2021 17:09    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
[quote="Selanna"]
Zitat:
Erst jetzt bemerkte Mira, dass sie voller Blut war.

Aber sie hinterließ doch an Türen und Wänden blutige Abdrücke. Fiel das dann dem Erzähler auf und nicht ihr selbst?


Richtig, jetzt merkt sie es selber.

Zitat:
Zitat:
Tapsen


Klingt in meinen Augen nicht so schön wie „Abdrücke“ oder „Spuren“.


Hab ich auch überlegt, aber da sie es selbst feststellt, wird sie als 11jährige eher einen kindlicheren Ausdruck dafür verwenden. Denke ich jedenfalls.


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DerAndreas
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BeitragVerfasst am: 28.01.2021 17:15    Titel: Antworten mit Zitat

Also wenn die Konservativen den schwarzen Peter kriegen, bin ich dabei Laughing

Ich wollte übrigens nicht sagen, dass du die "fremde Welt" schon auf Seite 1 erklären solltest. Ich denke nur, wenn du in teilen der Erklärung von der bekannten Realität abweichst, zum Beispiel beim Justiz System, solltest du zumindest ERWÄHNEN, dass die Geschichte nicht in Hinter-Ober-Puffdingen spielt.

Natalies Idee mit der Lampe war schon gut. In dem Buch "Der goldene Kompass" ist das auch ganz elegant gelöst. In der dortigen Welt ist Strom nicht "elektrisch" sondern "anbarisch", wird also nicht vom lateinischen "Elektron" (Bernstein) abgeleitet, sondern vom Englischen "Amber" (auch Bernstein). Damit wird durch ein einzelnes Wort klar, dass wir nicht auf der Erde sind.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 28.01.2021 17:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hatte schon was auf Halde, es müsste nur noch angepasst werden:

Die Partei hatte zu einer der Kernpunkte ihres Wahlkampfes gemacht, die, laut ihrem Empfinden, massiv gestörte innere Sicherheit des Landes wiederherzustellen.
Mit aller Härte des Gesetzes sollte durchgegriffen werden und insbesondere an der als zügellos und autoritätsfeindlich verrufenen Jugend ein Exempel statuiert werden.
„Es muss“, so der Parteivorsitzende, „wieder möglich sein, dass sich unsere Frauen und Kinder zu jeder Zeit und an jedem Ort in unserem Land gefahrlos aufhalten können.“
Die Redner wurden nicht müde, die verrohte Gesellschaft als Folge zu lascher Gesetze und mangelnder Konsequenz zu geißeln. Nur eine Politik der harten Hand könne die Ruhe und Ordnung im Land zurückholen. Stück für Stück bröckelten die Vorbehalte. Die Bürger sahen ja selbst, dass es so nicht weitergehen konnte, wie ihnen die unzensierte Berichterstattung der neuen Partei immer wieder vor Augen führte.
Und jedes Mal, wenn die entfesselte Kriminalität wieder ein junges, unschuldiges Opfer gefordert hatte, wurden die Rufe nach endgültigen Konsequenzen für die Täter lauter.
Die Bilder der Trauerzüge, in denen die Bewegung der Toten gedachte, brannte sich ins kollektive Gedächtnis.
Als die nächste große Wahl näherrückte, ließ die Partei die Katze aus dem wohlgehüteten Sack. Wer jemanden um sein Leben brachte, sollte auf die gleiche Weise bestraft werden. Auge um Auge.
Noch regte sich Widerstand. Noch gab es Stimmen, die die humanistischen Errungenschaften bedroht sahen.
Eine Woche vor dem großen Ereignis verschwand die kleine, zehnjährige Miriam auf dem Schulweg.
Unter größter Anteilnahme der Öffentlichkeit fahndete man nach dem entzückenden Blondschopf. Tragischerweise fand man nur ihren geschundenen, missbrauchten und aufs Schrecklichste verstümmelten Körper.    
Kurze Zeit später fasste man zwei Männer, die das Kind auf grausamste und sadistische Art und Weise gefoltert und ermordet hatten. Die Partei witterte ihre Chance und forderte einen Volksentscheid, ob die Todesstrafe vielleicht doch für solche Bestien das probate Urteil sei. Die Wahl wurde ein politisches Erdbeben mit einem Ergebnis, dass an die Zahlen kommunistischer Diktaturen erinnerte.  
Als eine der ersten Amtshandlungen der frisch vereidigten Regierung wurde die Hinrichtung der beiden Kindermörder live auf allen Kanälen übertragen. Das Volk tobte vor Begeisterung.       


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 29.01.2021 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Heute hab ich mich mal an die Ereignisse gemacht, die der Tat unmittelbar vorausgingen.
Mich würde auch hier das Feedback zur Schlüssigkeit interessieren. Insbesondere, da der Leser ja nicht mein "Kopfkino" hat.

 

An der Türklinke hing das blutige Fell ihrer Katze.
Mira musste sich keuchend am Pfeiler festhalten und kniff die Augen zu, während ihr Gehirn sich weigerte, das Offensichtliche zu akzeptieren. Schwer atmend öffnete sie die Augen wieder einen Spalt. Das Fell hing immer noch da. Und neben dem grausigen Überrest klebte eine rosa Haftnotiz.
„Bin duschen. Minzi“, stand in schönster Kleinmädchenschrift darauf. Die I-Punkte waren kleine Herzchen.
Mira kannte die Handschrift nur zu gut. Den Zettel in der Hand drehte sie sich langsam zu Julys Haus um. Sie sah gerade noch Julys lachendes Gesicht hinter der Gardine verschwinden.

Todtraurig hockte Mira in der schmalen Lücke zwischen Schrank und Bett. Statt ihrer Minzi hatte sie ein tränennasses Kuscheltier auf den Schoß gepresst. Immer wieder musste sie neue Tränen niederkämpfen, während sie geistesabwesend durch ihr Telefon scrollte. Die verzweifelten Nachrichten an Mama kreisten immer noch ungelesen im Netz.
Sie hatte das, was von ihrer Minzi übriggeblieben war, im Vorgarten begraben. Zusammen mit dem kleinen gelben Ball, mit dem Minzi so gerne gespielt hatte und etwas Futter für ihre Reise in den Katzenhimmel. Auf das kleine Grab hatte Mira die schönsten Blumen aus Mamas Balkonkasten gepflanzt. Sicher würde Mama mit ihr schimpfen, aber das war ihr egal.
Mira schluckte einen neuen Tränenschwall herunter und ersetzte ihr Profilbild durch ein tiefes, trauriges Schwarz. Dann suchte sie im Speicher das schönste Foto ihrer Minzi. Mira entschied sich für ein Bild, welches die schlafende Katze als Baby auf ihrem Schoß zeigte.
„In Liebe, Minzi. 2023-2026“ schrieb sie dazu. Schon füllten neue Tränen ihre Augen, als sie mit zitternden Fingern auf SENDEN drückte.
Mira legte das Telefon aufs Bett und lehnte sich zurück.
Pling!
Ein neuer Kommentar war eingegangen. Mira griff das Telefon und wischte den Sperrbildschirm weg.
July schickte einen Lach-Smilie.
Bebend vor Zorn ließ Mira das Telefon sinken.
Pling!
July hatte Miras Status kommentiert.
„Was ist das für ein fetter Arsch unter dem hässlichen Vieh?“
Ein roter Schleier senkte sich vor Miras Augen. Krachend landete das Telefon an der Wand und fiel zu Boden.
Pling!
Pling! Pling!
Schwer atmend hob Mira das Telefon wieder auf. Den Bildschirm zierte jetzt ein Spinnennetz.
Mama hatte geschrieben.
„Wird später, Schatz. Mach dir eine Pizza warm.“
Die anderen Nachrichten waren von July. Mira löschte sie, ohne sie gelesen zu haben. Dann schaltete sie das Telefon komplett aus und startete ihren Rechner.
Ihre kleinen Finger flogen über die Tastatur. Niemand kannte die Passwörter ihrer Mutter besser als Mira. Schon hatte sie die gesuchte Seite gefunden.
Bitte Passwort eingeben:
M-I-R-A-2-0-1-5
Willkommen zurück, Mira
Wähle dein Level:
PROFESSIONAL
Wähle deine Waffen:
FLAMMENWERFER
MESSER
GRANATEN
Wähle einen Namen für deinen Gegner:
JULY

Mira schwitzte und knurrte, während sie die virtuelle July zerhackte und zerstückelte, zu Asche verbrannte und mit Granaten zerfetzte. Realistisch wie ein Film zeigte das Spiel jede Phase des Todeskampfes. Mira kicherte vor sich hin, als das Messer in den zuckenden Leib stach.
 Level um Level kämpfte sie sich durch die Ruinenlandschaft.
„Verdammt!“
Der Bildschirm wurde plötzlich schwarz. Miras Figur war tot.
Keuchend lehnte sie sich zurück, als sie den Schlüssel in der Haustür schnarren hörte. Mama kam nach Hause.
Schnell klappte Mira den Laptop zu. Mama durfte nichts von ihrem geheimen Account wissen. Denn die einzigen Spiele, die sie ohne Altersbeschränkung laden durfte, waren viel zu langweilig und eher für dumme Babys gemacht.  
„Hi Schatz!“, strich ihre Mama flüchtig über Miras Kopf, ohne den Blick von ihrem Telefon zu heben. „Ich muss gleich wieder los. Nur schnell duschen...“
Bevor Mira etwas sagen konnte, war ihre Mama im Bad verschwunden.
„Minzi ist tot“, schluchzte sie, als ihre Mutter im Bademantel in Richtung Kleiderschrank stürmte.
„Was? Oh, das ist nicht schön...“ murmelte sie unkonzentriert und wühlte im Unterwäschefach.
„July hat sie umgebracht!“
Ihre Mama verharrte kurz.
„Mira, solche bösen Sachen sagt man nicht. Wir kaufen dir eine neue Katze, ja? Hast du irgendwo meine rote Handtasche gesehen?“
„Es ist wahr!“, beharrte Mira. Aber ihre Mama beugte sich schon zum Spiegel und kämpfte mit dem Lippenstift.
„Bis später, Schatz! Geh nicht so spät ins Bett!“
Bevor Mira noch etwas sagen konnte, fiel die Tür ins Schloss und sie war mal wieder allein.
Als Mira im Bett lag und ihr Telefon an die Ladung steckte, bemerkte sie, dass das Gerät immer noch ausgeschaltet war. Na, das wäre ja was geworden, ohne Wecker, dachte sie seufzend und drückte den Einschaltknopf.
Siebzehn ungelesene Nachrichten warteten auf Mira. Mit zitternden Fingern öffnete sie das Verzeichnis.
Miras Augen wurden groß und das Telefon entglitt ihren Fingern.
July hatte auch ein neues Statusbild. Es zeigte Mira, wie sie splitternackt unter der Dusche stand. July musste das Foto nach dem Sportunterricht gemacht haben.
„Bin duschen. Miri“, prangte unter dem Bild.
Der rote Schleier krachte wie ein Fallbeil vor Miras Augen.   

Murrend erwachte Mira mit Kopfschmerzen aus einem wirren Traum und tastete nach dem gnadenlos die Weckmelodie plärrenden Telefon. Die halbe Nacht hatte sie sich schlaflos umher gewälzt, bis sie schließlich doch weit nach Mitternacht von der Müdigkeit übermannt wurde. Ihr Laken war nur noch ein feuchtes Wäscheknäuel.
Mira stopfte es mit ihrem ebenfalls klatschnass geschwitzten Nachthemd in die Waschmaschine. Sie musste sich beeilen.
Trotz ihrer ziemlich schlaflosen Nacht hatte sie nicht gehört, wann Mama nach Hause gekommen war. Ihre Kleidung bildete eine Spur quer durchs Haus von der Tür bis zu ihrem Schlafzimmer, aus dem leises Schnarchen drang. Auf dem Küchentresen stand eine angebrochene Flasche Sekt.
Mira schüttete schnell Müsli in eine Schale, suchte vergeblich im Kühlschrank nach Milch und spülte die trockenen Flocken mit ein paar Schluck schalem Orangensaft hinunter.
Schnell warf sie ihre Schultasche über die Schulter und wollte losrennen. An der Haustür verharrte sie. Fast hätte sie das Wichtigste vergessen. Schnell hastete sie in die Küche zurück. Jetzt musste sie wirklich rennen.
Zeitgleich mit dem Klingeln öffnete sie die Tür zum Klassenraum.    

Es dauerte bis zur Hofpause, ehe sie July ohne ihre neuen Freunde abpassen konnte.Lauernd standen sie sich gegenüber.
„Komm mal bitte mit.“, brach Mira das Schweigen.
„Wohin?“, fragte July misstrauisch.
„Ich muss dir was zeigen.“
„Was willst du mir denn zeigen?“
„Es ist...“, stotterte Mira und schwitzte vor Verlegenheit. „...wegen meinem Geburtstag.“
July zog überrascht die Augenbrauen hoch, aber folgte Mira zögernd.
„Was wollen wir denn hier?“, schaute sich July fragend um, als Mira die Tür zum leeren Chemieraum öffnete.
„Überraschung“, murmelte Mira und drehte sich zur ersten Bankreihe um, auf der ihre Sporttasche stand.
„Womit willst du mich denn überraschen?“ Der überhebliche Tonfall ließ Mira mit den Zähnen knirschen.
„Du hast meine Minzi ermordet!“, fuhr sie herum.
July Unterkiefer klappte herunter. Fassungslos irrte ihr Blick zwischen Miras wutglitzernden Augen und dem langen Küchenmesser hin und her, welches sie plötzlich in ihrer Hand hielt und auf July zutrat.
„Und mich nackig fotografiert“
Ein weiterer Schritt. July stand jetzt mit dem Rücken am Lehrerpult.
Julys Augenlider begannen nervös zu zucken.
„Mach keinen Scheiß, Krueger“, keuchte sie. „Deine Katze war eh ein Miststück...“   
Unter Fauchen schoss Miras Hand nach vorne.
Mit einem ungläubigen Staunen, den Mund weit aufgerissen, starrte July auf das Messer, welches plötzlich bis zum Heft in ihrem Bauch steckte.
„Für meine Minzi“, schluchzte Mira und zog die Klinge mit einem schmatzenden Geräusch wieder aus Julys Körper heraus. Noch floss kaum Blut.
July ächzte nur, verdrehte die Augen und sackte lautlos zusammen.

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Kiara
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BeitragVerfasst am: 30.01.2021 10:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ich steh auf solche Enden smile

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Zum Schweigen fehlen mir die Worte.

- Düstere Lande: Das Mahnmal (2018)
- Düstere Lande: Schatten des Zorns (2020)
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Thomas74
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Wohnort: Annaburg


BeitragVerfasst am: 30.01.2021 10:36    Titel: Antworten mit Zitat

Kiara hat Folgendes geschrieben:
Ich steh auf solche Enden smile


Meinst du jetzt die jeweiligen Abschnittsenden?

Ich wollte dann nahtlos* mit dem Absatz 2 (weiter oben) fortfahren, oder soll ich noch jeden einzelnen Stich und Hieb in allen anatomischen Details beschreiben? Wollte ich eigentlich vermeiden, soll ja kein Splatter werden.

Zeigt mir doch bitte Mängel und Verständnislücken auf.



* Da käme ein Kapitel der 2. Erzählebene, Knast, dazwischen.


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Kiara
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Alter: 42
Beiträge: 1591
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 30.01.2021 10:49    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, sorry, ich meine das Ende des letzten Abschnittes. Einfach so. Auch, wenn danach noch etwas kommt.

Lob smile


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Zum Schweigen fehlen mir die Worte.

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