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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Feedback gewünscht - erster Romanversuch - War of Nature


 

 
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Newcomerin
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BeitragVerfasst am: 12.11.2020 13:06    Titel: Feedback gewünscht - erster Romanversuch - War of Nature eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo liebe Community,

nach vielen Fehlversuchen habe ich hier nun ein gutes Gefühl. Daher würde ich mich über euer Feedback freuen. Ich bin noch recht am Anfang, habe erst 26 Normseiten und würde gerne die ersten fünf mit euch teilen. Seid ehrlich aber fair - ich bin noch sehr neu auf diesem Gebiet Smile

War of Nature - Gabe des Feuers

Das Tal erstreckte sich im satten Grün unterhalb des kleinen Hügels. Die vollen Wiesen, links und rechts gesäumt von dichten Laubwäldern reichten bis hinab zum Meer. Es war ein idyllischer, friedlicher Ort. Nur das Zwitschern der Spatzen, die in den Baumkronen ihre Nester bauten, durchbrach die Stille. Das kleine Grab lag unscheinbar versteckt zwischen zwei Rosenhecken. Das Moos bahnte sich langsam seinen Weg über den grob gehauenen Lettern. Doch auch wenn die Namen bald unleserlich und in Vergessenheit gerieten, so gab es noch eine Person auf dieser Welt, die sich an die Verstorbenen erinnern würde. Während Ava Elendis Gowerichan vor dem Grab ihrer Mutter und ihrer Schwester ihre leisen Gebete zu Dagda sprach, wehte ihr ein lauer Wind durch die Haare. Vielleicht ein Zeichen der Toten, die ihr sagen wollten - uns geht es gut hier, wir sind glücklich. In diesen seltenen Momenten der Ruhe vergrub sich Ava gerne in ihren Erinnerungen. Dachte an die glücklichen Tage, die sie einst hatten. An den Wohlstand und die Sorglosigkeit jener Zeit. Doch was brachte es ihr, vergangenen Tagen hinterher zu trauern. Wo doch die Sorgen so schwer auf ihren Schultern lasteten. Mühsam zwang sie ihre schmerzenden Beine nach oben. Die Ketten um ihre Knöchel klirrten laut bei der Bewegung. Schwer beladen, in jeder Hand ein großer Korb mit Feuerholz, trat sie den steilen Abstieg in die Mitte des Tales an. Um die Einsamkeit zu vertreiben, summte sie leise ein Lied. Wie üblich lockte der süße Klang die kleinen Wesen des Unterholzes an. Unsichtbar und doch so präsent folgten sie Ava und dem Gesang. Bis hinunter zur Grenze, wo das tote Gebiet sie zum Einhalt zwang. Ava seufzte leise, als sie die letzten Schritte zwischen der friedlichen Natur und dem trostlosen Stück Land zurücklegte, das sie ihr zu Hause nannte. Wie ein Brandmal erstreckte sich der trockene, tote Boden in einem breiten Streifen mitten durch das grüne Tal. Am äußersten Rand, dort, wo der bunte Wald aus Laubbäumen einem düsteren Wäldchen aus vertrockneten Buchen gewichen war, stand die kleine Holzhütte. Von der bereits schwarze Rauchschwaden gen Himmel zogen. Die Sonne erreichte gerade ihren höchsten Stand, als Ava schweißbedeckt, die Holztür zur Hütte aufstieß. Feuchtwarme abgestandene Luft schlug ihr hart ins Gesicht, als sie sich mit letzter Kraft zum Kamin schleppte und die schweren Körbe scheppernd auf dem Boden fielen. Ihr Vater saß auf seinem Stammplatz in der hintersten Ecke der Hütte und blickte stur durch das kleine Fenster nach draußen. Ihn kümmerte es nicht, ob Ava da war, oder nicht. Kümmerte es nicht, ob sie genügend Essen auf dem Tisch hatten oder genügend Feuerholz, um über den Winter zu kommen. Diese Trostlosigkeit war es, die die Last auf Avas Schultern jeden Tag ein kleines Stückchen größer werden ließ. Ohne ein Wort der Begrüßung machte sie sich daran, die Holzstücke neben dem Kamin aufzustapeln. Trotz der sommerlichen Hitze, die durch die kleinen Risse der Holzhütte nach drinnen kroch, brannte das Feuer im Kamin. Der dunkle Rauch, der sich durch den Kamin zum Himmel hinaufzog, war die einzige Warnung an die dunklen Kreaturen, die im Wald hausten. Die nur darauf warteten, dass ihre Chance zum Angriff bald kommen würde. Nur der dicke Rauch hielt sie davon ab, die Hütte niederzustampfen, mit samt ihren Bewohnern. Ob dem wirklich so war oder ob es doch ein letzter Rest Barmherzigkeit von Ifrit war, wusste sie nicht und wollte es auch gar nicht wissen. Endlich war sie fertig. Ihr Hunger war mittlerweile so gewaltig, dass ihr schwindelig wurde. Doch sie brauchte sich gar nicht die Mühe zu machen, in die Vorratskammer zu gehen, sie wusste, dass sie leer war.
>> Vater, warst du heute in Kalthain, um Vorräte zu
besorgen? << mit ausdrucksloser Stimme wandte Ava sich dem Mann im Schatten zu.
>> Vater, hast du mich gehört? << ein kaum vernehmbares Kopfschütteln. Mehr konnte sie wohl als Antwort nicht verlangen. Sie wusste nicht mehr, wann sie das letzte Mal den Klang seiner Stimme gehört hatte. Wahrscheinlich an dem Tag, als er die Leichen ihrer Mutter und ihrer Schwester im sandigen Boden des Bachlaufs gefunden hatte. Schreiend und mit schmerzverzehrten Gesicht kam er zur Hütte gerannt und hatte Ava von seinem Fund erzählt. Fünf Jahre war es her. Fünf Jahre, in denen sie sich nicht erlaubt hatte, in Trauer zu versinken, so wie ihr Vater es seit jeher machte. Denn wenn auch sie zu dieser seelenlosen Schattengestalt werden würde, wäre das ihr Untergang.

˙
Mit den letzten drei verbliebenen Kupfermünzen machte Ava sich auf den Weg in das kleine Fischerdorf Kalthain. Der Markt war voll. Überall schrien die Fischer und preisten ihre Ware an. Fische, die sich Ava eh nicht leisten konnte. Sie zog es weiter nach hinten. An den Wirtshäusern vorbei, wo die Bootsbesatzungen ihren Kummer in billigen Spirituosen versenkten. Seitdem Ifrit Herrscher von Hofermar war, verkümmerte das Land in Armut. Das Land, das einst in großem Wohlstand lebte, verarmte mangels der Investitionen, die einst versprochen waren. Es war ein Wunder, das die wenig verbliebenen noch das Geld aufbringen konnten, um sich ihren Kummer wegzusaufen. Sie beachtete die gebrochenen Männer nicht und ging unbeirrt weiter. Als sie an dem kleinen Gemüsestand angelangt war, blickte sie in die grünen Augen ihrer ältesten Freundin und musste lächeln.
>> Hallo Katalina, ich kriege das übliche! << sagte Ava und legte die Kupfermünzen auf den Tresen.
>> Tut mir leid, Ava, ich kann dir nur noch das hier geben. >> Katalina schob drei Tomaten, eine Zwiebel und fünf Kartoffeln zu ihr rüber. Alles bereits mit etlichen braunen, matschigen Stellen versehen. Mehr gab es nicht. Die Ernte fiel klein aus in diesem Jahr. Die andauernde Dörre und die heiße Luft, die über die Berge in das Tal drang, ließ die Pflanzen nur schlecht gedeihen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch die letzten Vorräte ungenießbar waren und Hofermar in eine neue Hungersnot fiel. Ava nickte nur und sammelte die wenigen Zutaten in das kleine Weidenkörbchen. Der Tag machte ihr spürbar zu schaffen. Es fiel ihr schwer, dass Lächeln für ihre Freundin aufrecht zu halten. Doch auch Katalina konnte nichts dafür. Niemand konnte etwas dafür. Sie verfluchte Ifrit, der einst versprochen hatte, das Land wachsen zu lassen, und es nun jämmerlich zugrunde richtete. Aus Bosheit, aus Vergeltung -  sie wusste es nicht genau, doch das schürte den Hass nur weiter. Ein Hass, der tief in ihrem Herzen alleine diesem Herrscher galt.
>> Hallo, meine Schöne, wie ich sehe, zieren die Eisenketten immer noch deine Knöchel. Hält dich dein Vater immer noch an der kurzen Leine? <<
Ein erdiger Geruch kroch Ava in die Nase. Ein Geruch, so alt wie der Wald selbst - tief, dunkel und geheimnisvoll.
>> Guten Tag, Arvid. Immer noch so ein Charmeur wie ich sehe. Haben dich die Freudenhäuser satt, weil du auf den Straßen dein Unwesen treibst? << in ihrer Stimme lag nur Verachtung. Arvid baute sich vor ihr auf. Fast zwei Kopf größer und mit einem Gesicht, auf dem nichts als Kälte lag, sprach er so leise, das nur Ava ihn verstehen konnte >> pass auf was du sagst, Bauerstochter! Nicht das dir auf dem Heimweg ein dunkler Schatten folgt, der seine Triebe an dir befriedigen will. << Unbeeindruckt von seinen Worten wandte Ava sich von ihm ab.
>> Wenn du mich bedrohen willst, Arvid, dann such dir einen besseren Zeitpunkt dafür aus. Ich bin heute nicht in der Stimmung für deine leeren Versprechungen! << Ohne auf eine Antwort zu warten, ließ sie ihn stehen und trat den Rückweg an.

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Jota
Erklärbär


Beiträge: 3



BeitragVerfasst am: 12.11.2020 16:44    Titel: Re: Feedback gewünscht - erster Romanversuch - War of Nature Antworten mit Zitat

Grüß dich,

also zuerst generell: Ich finde die Schreibe sehr stimmungsvoll und angenehm zu lesen. Auch den Einstieg in die Story find ich gut gewählt. Dass du sehr neu auf diesem Gebiet bist, merkt man (also zumindest ich) gar nicht.

Dort und da sind mir kleinere Fragen durch den Kopf geschossen:

Zitat:
Die Ketten um ihre Knöchel klirrten laut bei der Bewegung.
Sind da Schmuckketten gemeint? Oder ist sie wirklich mit Ketten gefesselt (das denkt man nämlich zuerst)? Das würde auch ein bisschen die Tiere vertreiben, süßes Lied hin oer her.

Zitat:
Wie üblich lockte der süße Klang die kleinen Wesen des Unterholzes an. Unsichtbar und doch so präsent folgten sie Ava und dem Gesang.
Ist das nicht ein bisschen zu disney wink ? Ich glaube Tier fürchten sich vor Gesangt (vor meinem ganz sicherlich).

Zitat:
Ihn kümmerte es nicht, ob Ava da war, oder nicht
Wenn es ihn nicht kümmert, ob sie da ist, kümmert es ihn ja automatisch auch nicht, ob sie nicht da ist. Klar soweit lol2 ?

Zitat:
Der dunkle Rauch, der sich durch den Kamin zum Himmel hinaufzog, war die einzige Warnung an die dunklen Kreaturen, die im Wald hausten. Die nur darauf warteten, dass ihre Chance zum Angriff bald kommen würde. Nur der dicke Rauch hielt sie davon ab, die Hütte niederzustampfen, mit samt ihren Bewohnern. Ob dem wirklich so war oder ob es doch ein letzter Rest Barmherzigkeit von Ifrit war, wusste sie nicht und wollte es auch gar nicht wissen.
Du deutest hier ein Gefahrenpotential an, ich werd aber nicht ganz schlau draus, inwiefern das mit Barmherzigkeit von Ifirt zu tun hat. Letzten Satz streichen?

Zitat:
Seitdem Ifrit Herrscher von Hofermar war, verkümmerte das Land in Armut. Das Land, das einst in großem Wohlstand lebte, verarmte mangels der Investitionen, die einst versprochen waren. Es war ein Wunder, das die wenig verbliebenen noch das Geld aufbringen konnten, um sich ihren Kummer wegzusaufen.
Steht für mich ein bisschen im Widerspruch zu der Szene: ein voller, pulsierender Markt, wo überall Waren feilgeboten werden, volle Wirthäuser voll Trinkwilliger - ein verödendes Land ist für mich da nicht so direkt spürbar. Da wären eher leere Marktstände und verwaiste Gastschenken das Anzeichen. Auch der Satz mit den Investitionen geht bei mir nicht so rein. Ich frag mich da: Was macht dieser Ifrit denn, dass das Land vor die Hunde geht? Presst er jede Kupfermünze raus, um seinen Krieg oder sein opulentes Hofleben zu finanzieren? Ist er ein schwacher Narr, der es nicht schafft, die Ansprüche seines Landes durchusetzen? Legt er die Fischerei still?

Der erste Abschnitt gefällt mir besser als der zweite. Die Szene am Markt ist relativ schnell und knapp erzählt. Die Dialoge könnten ruhig etwas mehr vertragen, vor allem der erste: Man fragt ja seine beste Freundin etwas, wenn man sie trifft. Oder lass die Figuren über die Ernte, die schlechte QUalität des Gemüses, die drohende Hungersnot reden. Dann könnte man diese Rahmenfacts lebendig einbinden.

Sonst find ich es, wie gesagt, eigentlich stimmungsvoll und auch gut erzählt. Dass manchmal statt Punkt ein Beistrich besser wäre oder kleinere Rechtschreibfehler drin sind, ist nicht weiter erwähnenswert, sowas korrigiert man zum Ende einfach raus.

Keep up the good work, lg Jota
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 12.11.2020 17:20    Titel: Antworten mit Zitat

Wink
Zitat:
der Spatzen, die in den Baumkronen ihre Nester bauten


Spatzen nisten nicht in Baumkronen.


_________________
Optimismus ist, bei Gewitter in einer Kupferrüstung auf dem höchsten Berg zu stehen und "Scheiß Götter!!" zu rufen.
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Newcomerin
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BeitragVerfasst am: 12.11.2020 19:41    Titel: Danke Jota pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank Jota für das erste Feedback Smile

Vielleicht habe ich den ersten Abschnitt etwas zu kurz gewählt, viele deiner Fragen werden nämlich auf den nächsten Seiten beantwortet. Aber die Marktszene werde ich mir nochmal vornehmen. Du hast recht, nach deinen Anmerkungen fällt mir das auch auf Smile
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MarkusM
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BeitragVerfasst am: 12.11.2020 23:37    Titel: Antworten mit Zitat

Unabhängig von Jota hatte ich auch die Disney Assoziation bei dem Kleingetier.

Was mir (persönlich) weniger gefällt ist der Anfang. Mir ist bewusst, dass du damit Stimmung schaffen möchtest, mir dauert es zu lange, bis man jemanden "trifft".

Im zweiten Abschnitt sind die Beschreibungen auch schöner mit dem restlichen Text kombiniert, da schaffst du Stimmung, transportierst Bilder. Aber insgesamt ist der Besuch im Dorf recht kurz, das könnte ausfühlicher sein (oder es sollte ersichtlch sein, dass das nur einen Steinwurf entfernt war).


Wo mir jetzt das Wissen fehlt ist bei deim Gemüse, ob Tomaten und Kartoffen dort bekannt sind?
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Newcomerin
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BeitragVerfasst am: 17.11.2020 13:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

MarkusM hat Folgendes geschrieben:
Unabhängig von Jota hatte ich auch die Disney Assoziation bei dem Kleingetier.

Was mir (persönlich) weniger gefällt ist der Anfang. Mir ist bewusst, dass du damit Stimmung schaffen möchtest, mir dauert es zu lange, bis man jemanden "trifft".

Im zweiten Abschnitt sind die Beschreibungen auch schöner mit dem restlichen Text kombiniert, da schaffst du Stimmung, transportierst Bilder. Aber insgesamt ist der Besuch im Dorf recht kurz, das könnte ausfühlicher sein (oder es sollte ersichtlch sein, dass das nur einen Steinwurf entfernt war).


Wo mir jetzt das Wissen fehlt ist bei deim Gemüse, ob Tomaten und Kartoffen dort bekannt sind?



Wie meinst du den letzten Satz? Hättest du einen Vorschlag wie ich das umsetzen könnte?
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Newcomerin
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BeitragVerfasst am: 17.11.2020 13:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Wink
Zitat:
der Spatzen, die in den Baumkronen ihre Nester bauten


Spatzen nisten nicht in Baumkronen.


Danke Smile Ich habe es abgeändert Smile
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Newcomerin
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BeitragVerfasst am: 17.11.2020 13:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

zu den kleinen Wesen des Unterholzes - dies sind keine Tiere in dem Sinne. Sie sind mehr Beschützer des Waldes - kleine unsichtbare Wesen die als Wegbegleiter Ava zur Seite stehen werden. Sie werden ihr den Weg leiten, wenn sie und ihre Begleiter ihre Reise durch die gefährlichen Wälder antreten.
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MarkusM
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BeitragVerfasst am: 17.11.2020 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Newcomerin hat Folgendes geschrieben:
MarkusM hat Folgendes geschrieben:
Wo mir jetzt das Wissen fehlt ist bei deim Gemüse, ob Tomaten und Kartoffen dort bekannt sind?



Wie meinst du den letzten Satz? Hättest du einen Vorschlag wie ich das umsetzen könnte?


Wenn es eine Fantasiewelt ist, ist es egal.

Spielt es aber auf dieser Welt und vor dem 15. Jahrhundert in Europa, dann kann man auf dem Markt keine Tomaten und Kartoffeln kaufen, die wurden erst später aus Amerika eingeführt.


EDIT: Rüben wären dann eine Möglichkeit, aber was die Menschen zu welcher Zeit gegessen haben.. weiß ich nicht so genau. Da müsste man es erst zeitlich eingrenzen.
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Abari
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BeitragVerfasst am: 17.11.2020 20:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,

mal was Grundsätzliches: » « sind etwas anderes als >> <<, das musst Du extra in Deinem Schreibprogramm einstellen, wenn Du die französischen Anführungszeichen möchtest.

Zum Text: Flüssig, aber teilweise mit etwas Klärungsbedarf iSv "Was ist gerade textrelevant?"

Der Einstieg:
Newcomerin hat Folgendes geschrieben:
Das Tal erstreckte sich im satten Grün unterhalb des kleinen Hügels. Die vollen Wiesen, links und rechts gesäumt von dichten Laubwäldern reichten bis hinab zum Meer. Es war ein idyllischer, friedlicher Ort. Nur das Zwitschern der Spatzen, die in den Baumkronen ihre Nester bauten, durchbrach die Stille. Das kleine Grab lag unscheinbar versteckt zwischen zwei Rosenhecken. Das Moos bahnte sich langsam seinen Weg über den grob gehauenen Lettern. Doch auch wenn die Namen bald unleserlich und in Vergessenheit gerieten, so gab es noch eine Person auf dieser Welt, die sich an die Verstorbenen erinnern würde.


Da würde ich "Das Tal erstreckte sich im satten Grün unterhalb des kleinen Hügels. Die vollen Wiesen, links und rechts gesäumt von dichten Laubwäldern reichten bis hinab zum Meer. Es war ein idyllischer, friedlicher Ort. Nur das Zwitschern der Spatzen, die in den Baumkronen ihre Nester bauten, durchbrach die Stille." streichen. Das hast Du sicher gebraucht, um in der Geschichte anzukommen (das ist völlig normal), ist aber für mich als Leser irrelevant. Warum? Dass es am Meer spielt, werde ich später erfahren, das Tal kommt danach gleich noch einmal vor und diese Sätze holen mich nicht ab, sie verbauen mir als Leser den Eingang in eine Geschichte, die ich an sich ganz interessant und lesenswert finde.

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Abari
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 17.11.2020 20:42    Titel: Antworten mit Zitat

Abari hat Folgendes geschrieben:

Der Einstieg:
Newcomerin hat Folgendes geschrieben:
Das Tal erstreckte sich im satten Grün unterhalb des kleinen Hügels. Die vollen Wiesen, links und rechts gesäumt von dichten Laubwäldern reichten bis hinab zum Meer. Es war ein idyllischer, friedlicher Ort. Nur das Zwitschern der Spatzen, die in den Baumkronen ihre Nester bauten, durchbrach die Stille. Das kleine Grab lag unscheinbar versteckt zwischen zwei Rosenhecken. Das Moos bahnte sich langsam seinen Weg über den grob gehauenen Lettern. Doch auch wenn die Namen bald unleserlich und in Vergessenheit gerieten, so gab es noch eine Person auf dieser Welt, die sich an die Verstorbenen erinnern würde.


Da würde ich "Das Tal erstreckte sich im satten Grün unterhalb des kleinen Hügels. Die vollen Wiesen, links und rechts gesäumt von dichten Laubwäldern reichten bis hinab zum Meer. Es war ein idyllischer, friedlicher Ort. Nur das Zwitschern der Spatzen, die in den Baumkronen ihre Nester bauten, durchbrach die Stille." streichen. Das hast Du sicher gebraucht, um in der Geschichte anzukommen (das ist völlig normal), ist aber für mich als Leser irrelevant. Warum? Dass es am Meer spielt, werde ich später erfahren, das Tal kommt danach gleich noch einmal vor und diese Sätze holen mich nicht ab, sie verbauen mir als Leser den Eingang in eine Geschichte, die ich an sich ganz interessant und lesenswert finde.



Einspruch.
Mag subjektiv sein, aber manchen Lesern, sprich, mir gefällt solch ein "blumiger" Einstieg, der die Atmosphäre der Szene vorgibt.
Würde sie mit dem Grabstein beginnen, könnte die Umgebung ebenso kalt , düster und neblig sein und im November spielen. Daher finde ich die Passage schon wichtig, um Jahreszeit und Temperatur vorzuschicken, eben, um "reinzukommen".


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Abari
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BeitragVerfasst am: 17.11.2020 20:52    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:
Einspruch.
Mag subjektiv sein, aber manchen Lesern, sprich, mir gefällt solch ein "blumiger" Einstieg, der die Atmosphäre der Szene vorgibt.
Würde sie mit dem Grabstein beginnen, könnte die Umgebung ebenso kalt , düster und neblig sein und im November spielen. Daher finde ich die Passage schon wichtig, um Jahreszeit und Temperatur vorzuschicken, eben, um "reinzukommen".


Wie Du meinst.


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Newcomerin
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BeitragVerfasst am: 18.11.2020 12:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

ich habe den zweiten Teil etwas umgestellt und eure Kritiken veruscht darin umzusetzen Smile

Mit den letzten drei verbliebenen Kupfermünzen machte Ava sich auf den Weg in das kleine Fischerdorf Kalthain. Der Markt war leer. Nur vereinzelt standen Fischer auf dem Platz und preisten ihre Ware an. Fische, die sich Ava eh nicht leisten konnte. Sie zog es weiter nach hinten. An den Wirtshäusern vorbei, wo die Bootsbesatzungen ihren Kummer in billigen Spirituosen versenkten. Das Land ging langsam unter. Hofemar lebte einst in großem Wohlstand. Es war das größte und reichste Land des Kontinents und nun verarmte es - mangels der Investitionen, die einst versprochen waren. Nachdem Ifrit sich als Herrscher von Hofemar und somit als König des Landes gekrönt hatte, verschloss er sich hinter den dicken Mauern seiner Festung in Reningard. Es wurde über seine Pläne geflüstert. Über einen Krieg und eine Revolution. Doch das Einzige was man hier in Kalthain davon spürte, waren die höheren Abgaben, die regelmäßig von den Zöllnern des Hofes eingetrieben wurden. Es war ein Wunder, das die wenig verbliebenen Bewohner von Kalthain noch das Geld aufbringen konnten, um sich ihren Kummer wegzusaufen. Sie beachtete die gebrochenen Männer nicht und ging unbeirrt weiter. Als sie an dem kleinen Gemüsestand angelangt war, blickte sie in die grünen Augen ihrer ältesten Freundin und musste lächeln.
»Hallo Katalina, ich kriege das Übliche!« sagte Ava und legte die Kupfermünzen auf den Tresen.
»Tut mir leid, Ava, ich kann dir nur noch das hier geben.« Katalina schob drei Tomaten, eine Zwiebel und fünf Kartoffeln zu ihr rüber. Alles bereits mit etlichen braunen, matschigen Stellen versehen. Mehr gab es nicht.
»Ich weiß, die Qualität lässt zu wünschen übrig. Ich würde dir gerne etwas Besseres anbieten.« Die Ernte fiel klein aus in diesem Jahr. Die andauernde Dörre und die heiße Luft, die über die Berge in das Tal drang, ließ die Pflanzen nur schlecht gedeihen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch die letzten Vorräte ungenießbar waren und Hofermar in eine Hungersnot fiel. Ava nickte nur und sammelte die wenigen Zutaten in das kleine Weidenkörbchen.
»ist schon gut, Katalina. Immerhin besser als nichts.« Der Tag machte ihr spürbar zu schaffen. Es fiel ihr schwer, dass Lächeln für ihre Freundin aufrecht zu halten. »Wie geht es dir denn? Kommt ihr zurecht?« Sie bemerkte die dunklen Schatten unter Katalinas Augen. Bei jedem Treffen wurden sie größer und ihr schönes Gesicht sorgenvoller.
Ein erdiger Geruch kroch Ava plötzlich in die Nase. Ein Geruch, so alt wie der Wald selbst - tief, dunkel und geheimnisvoll.
»Hallo, meine Schöne, wie ich sehe, zieren die Eisenketten noch immer deine Knöchel. Hält dich dein Vater weiter an der kurzen Leine?« Ava verdrehte die Augen und Katalina lächelte wissend.
»Guten Tag, Arvid. Immer noch so ein Charmeur wie ich sehe. Haben dich die Freudenhäuser satt, weil du auf den Straßen dein Unwesen treibst?« in ihrer Stimme lag nur Verachtung. Arvid baute sich vor ihr auf. Fast zwei Kopf größer und mit einem Gesicht, auf dem nichts als Kälte lag, sprach er so leise, das nur Ava ihn verstehen konnte »pass auf was du sagst, Bauerstochter! Nicht das dir auf dem Heimweg ein dunkler Schatten folgt, der seine Triebe an dir befriedigen will.« Unbeeindruckt von seinen Worten wandte Ava sich von ihm ab.
»Wenn du mich bedrohen willst, Arvid, dann such dir einen besseren Zeitpunkt dafür aus. Ich bin heute nicht in der Stimmung für deine leeren Versprechungen!« Ohne auf eine Antwort zu warten, ließ sie ihn stehen und trat den Rückweg an.
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Muzzlehatch
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BeitragVerfasst am: 22.11.2020 14:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe es auch wie Abari und würde mit dem verwitterten Grabstein als erste "Einstellung" anfangen und erst bei Avas Weg zum Haus "herauszoomen" und die blumige Szenerie darstellen.

In dieser Passage würden auch einige Absätze dem Rhythmus und Lesefluss gut tun. Ich selbst stelle bei mehrmaligem Lesen / Korrigieren meiner Texte immer wieder Absätze um. Dabei versuche ich, Einheiten aus einzelnen physischen Vorgängen und damit verbundenen Emotionen / Gedanken zu bilden. Das klingt vielleicht etwas abstrakt. Am besten ich verdeutliche es an deinem Text:

Während Ava Elendis Gowerichan vor dem Grab ihrer Mutter und ihrer Schwester ihre leisen Gebete zu Dagda sprach, wehte ihr ein lauer Wind durch die Haare. Vielleicht ein Zeichen der Toten, die ihr sagen wollten - uns geht es gut hier, wir sind glücklich. In diesen seltenen Momenten der Ruhe vergrub sich Ava gerne in ihren Erinnerungen. Dachte an die glücklichen Tage, die sie einst hatten. An den Wohlstand und die Sorglosigkeit jener Zeit. Doch was brachte es ihr, vergangenen Tagen hinterher zu trauern. Wo doch die Sorgen so schwer auf ihren Schultern lasteten.

Dieser Teil bildet für mich die erste Einheit aus einem physischen Vorgang (Ava betet vor dem Grab) und den damit verbundenen Gedanken und Emotionen.

Mühsam zwang sie ihre schmerzenden Beine nach oben. Die Ketten um ihre Knöchel klirrten laut bei der Bewegung. Schwer beladen, in jeder Hand ein großer Korb mit Feuerholz, trat sie den steilen Abstieg in die Mitte des Tales an.

Keine Gedanken oder Emotionen, doch diese Passage mit dem Aufstehen vom Grab und dem Abstieg würde für mich die zweite "Einstellung" bzw. Absatz darstellen.

Um die Einsamkeit zu vertreiben, summte sie leise ein Lied. Wie üblich lockte der süße Klang die kleinen Wesen des Unterholzes an. Unsichtbar und doch so präsent folgten sie Ava und dem Gesang. Bis hinunter zur Grenze, wo das tote Gebiet sie zum Einhalt zwang.

Hier die zweite "Kameraeinstellung", die zeigt, wie die kleinen Wesen des Unterholzes hervorkommen.

Ava seufzte leise, als sie die letzten Schritte zwischen der friedlichen Natur und dem trostlosen Stück Land zurücklegte, das sie ihr zu Hause nannte. Wie ein Brandmal erstreckte sich der trockene, tote Boden in einem breiten Streifen mitten durch das grüne Tal. Am äußersten Rand, dort, wo der bunte Wald aus Laubbäumen einem düsteren Wäldchen aus vertrockneten Buchen gewichen war, stand die kleine Holzhütte. Von der bereits schwarze Rauchschwaden gen Himmel zogen.

Das wäre für mich der nächste Absatz. Avas Reaktion (Seufzen) auf einen neuen Teil des beschriebenen Settings (das Haus).

Die Sonne erreichte gerade ihren höchsten Stand, als Ava schweißbedeckt, die Holztür zur Hütte aufstieß. Feuchtwarme abgestandene Luft schlug ihr hart ins Gesicht, als sie sich mit letzter Kraft zum Kamin schleppte und die schweren Körbe scheppernd auf dem Boden fielen.

Hier die nächste "Kameraeinstellung" wie Ava am Haus ankommt und eintritt.

Das Setzen von Absätzen mag wie eine oberflächliche Layout-Entscheidung wirken, hat aber wesentlichen Einfluss auf Lesefluss und Rhythmus des Textes. Das Fehlen von Absätzen kann sehr schnell ermüdend und den Text zu einem dahinplätschernden Brei werden lassen.

Deine Dialog-Ideen, vor allem Avas schlagfertige Antworten finde ich gut, jedoch liest sich die Umsetzung manchmal etwas steif. Als Beispiel:

»Hallo Katalina, ich kriege das Übliche!« sagte Ava und legte die Kupfermünzen auf den Tresen.
»Tut mir leid, Ava, ich kann dir nur noch das hier geben.« Katalina schob drei Tomaten, eine Zwiebel und fünf Kartoffeln zu ihr rüber. Alles bereits mit etlichen braunen, matschigen Stellen versehen. Mehr gab es nicht.


Was ich daran verbesserungswürdig finde:

- Ava bestellt das Übliche. Aufgrund der vorangegangenen Beschreibung des wirtschaftlichen Niedergangs in der Region ist zu vermuten, dass Ava bereits wissen muss, dass Nahrungsmittel knapp sind. Trotzdem entschuldigt sich Katalina daraufhin für das geringe Angebot, so als sei dies das Resultat einer  kürzlichen Entwicklung.
- Dann folgt eine genaue, fast buchhalterische Aufzählung des Gemüses.
- Der Schlusssatz "Mehr gab es nicht" liest sich redundant. Er wiederholt explizit die Information, die dem Leser durch den Dialog und das Übergeben der Ware bereits implizit vermittelt wurden.

Wie ich das Ganze stattdessen formulieren würde:

»Hallo Katalina!« sagte Ava und legte die Kupfermünzen auf den Tresen. »Was kriege ich heute dafür?«
»Das Übliche«, antwortete Katalina und schob ihr eine Handvoll Tomaten, Zwiebel und Kartoffeln zu. »Nur matschige, verschrumpelte Reste.«


Den darauffolgenden Absatz könntest du dann als direkte Rede von Katalina umformulieren. Anstatt den Erzähler die Exposition betreiben zu lassen, könnte sich Katalina resigniert über die anhaltende Dürre (nicht Dörre) auslassen.

Positiv hervorheben möchte ich, dass du Bilder und Atmosphären lebhaft erzeugen kannst. Wie auch bei den Dialogen würde ich jedoch immer darauf achten, Exposition und Beschreibungen soweit wie möglich zu straffen und redundantes oder unnötiges zu streichen. Das klappt bei mir selbst aber meist auch erst beim zweiten oder dritten Korrigieren. Beim ersten Niederschreiben ist man ja meist froh, wenn man überhaupt einen Satz rauskriegt. Umso schmerzvoller ist es, einen zu kürzen oder sogar ganz wieder zu streichen. Wenn man einen Abschnitt oder ein Kapitel fertig hat, geht das jedoch sehr viel einfacher. Ohne den Druck, auch nur irgendetwas zu schreiben, ist man meist ehrlich zu sich selbst und sieht deutlicher, welche Sätze zu lang oder unnötig sind.
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BeitragVerfasst am: 30.11.2020 17:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank Muzzlehatch, dein Feedback ist großartig. Mittlerweile habe ich die ersten 3 Kapitel fertig und diesen ersten Absätz mehrfach abgeändert. Deine Anmerkungen werde ich gerne noch mit aufnehmen, die helfen mir wirklich sehr weiter Smile
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Newcomerin
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BeitragVerfasst am: 04.01.2021 14:17    Titel: Überarbeitung die Zweite :-) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe das Buch bereits beendet und bin nun an der zweiten Überarbeitung. Gerne würde ich euch die ersten drei Kapitel für ein erneutes Feedback zum lesen überlassen. Ich freue mich auf eure Anregungen Smile




Das kleine Grab lag unscheinbar versteckt zwischen zwei Rosenhecken. Das Moos bahnte sich langsam seinen Weg über die grob-gehauenen Letter. Doch auch wenn die Namen bald unleserlich und in Vergessenheit geraten würden, so gab es noch eine Person auf dieser Welt, die sich an die Verstorbenen erinnern würde.
Während Ava Elendis Goweridchan vor dem Grab ihrer Mutter und ihrer Schwester ihre leisen Gebete zu Dagda sprach, wehte ihr ein lauer Wind durch die Haare. Vielleicht ein Zeichen der Toten, die ihr sagen wollten - uns geht es gut hier, wir sind glücklich. In diesen seltenen Momenten der Ruhe vergrub sich Ava gerne in ihren Erinnerungen. Dachte an die glücklichen Tage, die sie einst hatten. An den Wohlstand und die Sorglosigkeit jener Zeit. Doch was brachte es ihr, vergangenen Tagen hinterher zu trauern? Ihr Leben sah jetzt anders aus. Kaum Geld für die nächste Mahlzeit, geschweige denn für Kleider, die sie so dringend bräuchte. Die Zeiten, in denen sie sich darum keine Gedanken machen musste, waren längst vorbei. Waren mit ihrer Mutter und ihrer Schwester gestorben. Waren mit ihnen zusammen tief unter der Erde begraben. Auf diesem Hügel, wo nur Sonne und Wind Hoffnung und Trost spendeten.
Sie hockte auf dem weichen Gras, das die kleine Grabstelle umgab und zupfte gedankenverloren einige Halme aus der ausgetrockneten Erde. Ihr Blick glitt hinab zu der Stadt, die einst ihre Heimat gewesen war. Wo sie in dem großen Herrenhaus die schönsten Stunden ihrer Kindheit verbracht hatte.
Das Tal von Hofemar erstreckte sich meilenweit unterhalb des kleinen Hügels. Die gelb-grün getupften Wiesen, die links und rechts von dichten Laubwäldern gesäumt wurden, reichten bis hinab zum Meer das als glitzernder Spiegel am Horizont versank. Am Rand des Tales erhoben sich ehrfürchtig die Green Mountains, die mit ihren satten grünen Bergspitzen die eingekesselten trocknen Wiesen und Haine verhöhnten. Wie ein riesiger Wall zogen sie sich entlang der östlichen Küste und grenzten Hofemar von der verbannten Region Eldrys ab.
Es war ein idyllischer Ort. Ein friedlicher Ort. Auch wenn die anhaltende Hitze des regenarmen Sommers ihre Spuren hinterlassen hatte.
Nur das Zwitschern der Vögel, die in den Baumkronen hockten, durchbrach die Stille.
Ein letztes Mal ließ sie ihre Finger über den Grabstein wandern. Spürte den rauen Stein und fuhr die feinen Gravuren der Namen nach. Sie hatte ihrer Mutter so viel zu erzählen. Wollte ihr gerne sagen, wie sehr sie sie liebte und vermisste. Wollte sich in ihre schützenden Arme fallen lassen und ihren Duft einatmen. Nur für einen Moment. Um zu vergessen, was da unten auf sie wartete. Um ihrem armseligen Leben für nur einen Augenblick zu entfliehen.
Sie spürte, wie ihr Herz sich zusammenzog, wie die Trauer sich in ihr breitmachte. Doch sie konnte es sich nicht erlauben aufzugeben.
Also zwang sie ihre schmerzenden Beine nach oben. Kämmte ihre honigblonden Haare aus dem Gesicht und strich ihr zerlumptes Kleid, das locker an ihrem viel zu dünnen Körper baumelte, glatt. Die Fußfesseln um ihre Knöchel klirrten laut bei der Bewegung. Erinnerten sie daran, dass Hoffnung zwecklos war. Sie war eine Gefangene. Eine Gefangene ihres jämmerlichen Lebens. Und es gab kein Entkommen, so sehr sie es sich auch wünschte.
Schwer beladen - in jeder Hand einen großen Korb mit Feuerholz – trat sie also den Rückweg an und schleifte ihren müden, ausgehungerten Körper zurück in die Talsenke, wo ein weiterer Tag nur darauf wartete, ihr neue Sorgen aufzuschultern.
Sie bog ab und erreichte den schmalen Weg, der sich quer durch den Laubwald schlängelte. Vorsichtig, darauf bedacht mit ihren Fesseln nirgends hängen zu bleiben, balancierte sie die Körbe voller Holz durch das dichte Gestrüpp, dass entlang des Pfades wuchs.
Hier und da hörte sie das Knacken dünner Äste und das Getrippel kleiner flinker Füße, die über den Waldboden huschten. Unsichtbar und doch so präsent folgten ihr die Wesen des Unterholzes.
So wie sie es immer taten, wenn sie diesen Weg nach Hause wählte. Bis hinunter zur Grenze, wo das tote Gebiet, dass ihre Grundstücksgrenze markierte, sie zum Einhalt zwang. Dort verstummten die flinken Füße, um zurück in den Schutz des Waldes zu eilen.
Ava seufzte leise, als sie die letzten Schritte zwischen der friedlichen Natur und dem trostlosen Stück Land zurücklegte, das sie nun ihr zu Hause nannte.
Wie ein Brandmal erstreckte sich der trockene, tote Boden trigonal um die schäbige Holzhütte, die in der Mitte des Grundstückes lag.
Schwarzer Rauch stieg aus dem bröckelnden Schornstein auf und bedeckte das löchrige Hüttendach mit einer Schicht aus feinem Ruß.
Sie schob das kleine Eisentor auf, das schief in den Angeln des maroden Zaunes hing und überwand die letzten Meter des steinigen Feldwegs, der zwischen dem Ackerland lag und direkt zur Hütte führte.
Die Erde der brachliegenden Felder waren durchzogen mit breiten Rissen und Spalten. Hier gedieh schon seit Jahren nichts mehr.
Wie auch, wenn sich keiner darum kümmerte. Sie war keine Bäuerin und ihr Vater scherte sich nicht darum. Schließlich war er ein Kaufmann und kein Landwirt. Das hatte er immer wieder betont. Damals, als sie noch Geld hatten und es sich leisten konnten, solche Äußerungen laut auszusprechen. Jetzt waren sie weder das Eine noch das Andere. Jetzt waren sie nur noch arm.
Die Sonne erreichte gerade ihren höchsten Stand, als sie schweißbedeckt, die Holztür zur Hütte aufstieß. Feuchtwarme abgestandene Luft schlug ihr hart ins Gesicht. Mit letzter Kraft schleppte sie sich zum Kamin, der die Mitte des einzigen Wohnraumes bildete, und ließ die schweren Körbe scheppernd auf den Boden fallen.
Ihr Vater saß in der hintersten Ecke der stickigen Wohnstube in seinem Sessel und blickte stur durch das kleine Fenster nach draußen. Er drehte noch nicht einmal seinen Kopf in ihre Richtung. Ihn kümmerte es nicht, ob Ava da war - oder nicht. Auch kümmerte es ihn nicht, ob sie genügend Essen auf dem Tisch hatten oder genügend Feuerholz, um über den Winter zu kommen.
Diese Trostlosigkeit war es, die die Last auf ihren Schultern jeden Tag ein kleines Stückchen größer werden ließ.
Ohne ein Wort der Begrüßung machte sie sich daran, die Holzstücke neben dem Kamin aufzustapeln. Trotz der sommerlichen Hitze, die durch die kleinen Risse der Holzhütte nach drinnen kroch, brannte das Feuer im Kamin. Es verwandelte das Innere der niedrigen dunklen Hütte in ein Treibhaus, sodass ihr der Schweiß tröpfchenweise über die Stirn lief. Sie wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht und lehnte sich Haltsuchend an die kahle, schmucklose Wand des Wohnzimmers.
Ihr Hunger war mittlerweile so gewaltig, dass ihr schwindelig wurde. Schwarze Punkte tanzten vor ihren Augen und sie brauchte einen Augenblick, um das benommene Gefühl, das sich kribbelnd in ihren Armen und Beinen breitmachte, wieder loszuwerden. Schon vor Sonnenaufgang war sie losgezogen. Hatte sich nach oben auf den Hügel geschleppt. Nicht nur, weil sie das Grab besuchen wollte, sondern auch weil dort oben der einzige Waldabschnitt lag, der niemanden gehörte. Das einzige Gebiet, indem sie bedenkenlos Holz sammeln konnte, ohne Gefahr zu laufen erwischt und des Diebstahls angeklagt zu werden. Noch eine Erfahrung, die sie erst hatte schmerzhaft lernen musste.
Sie machte sich gar nicht erst die Mühe, in die Vorratskammer zu gehen - sie wusste, dass sie leer war. Die letzten Reste des eingetrockneten Brotes hatten sie sich bereits gestern geteilt. Kein Wunder also, das ihr Körper vor Hunger den Dienst quittierte.
»Vater warst du heute in Kalthain, um Vorräte zu
besorgen?«, mit ausdrucksloser Stimme wandte Ava sich dem Mann im Schatten zu. Sie ging einen Schritt näher an ihn heran. Hoffte das er sich zu ihr umdrehte. Sie wahrnahm. Irgendetwas sagte oder zumindest reagierte.
»Vater, hast du mich gehört?«, fragte sie ihn diesmal lauter und eindringlicher.
Ein kaum vernehmbares Kopfschütteln. Mehr konnte sie wohl als Antwort nicht verlangen. Frustriert ließ sie ihre Schultern hängen und ging zu der Kommode, die neben dem Sessel stand. Mit jedem Schritt schrammten die Ketten hörbar über den Boden.
Doch auch darauf reagierte er nicht. Nein, er blickte weiter nach draußen, als wäre sie gar nicht hier.
Sie wusste nicht mehr, wann sie das letzte Mal seine Stimme gehört hatte. Wahrscheinlich an dem Tag, als er die Leichen ihrer Mutter und ihrer Schwester im sandigen Boden des Bachlaufs gefunden hatte.
Schreiend und mit schmerzverzerrtem Gesicht war er zur Hütte gerannt und hatte ihr von seinem Fund erzählt.
Was genau damals dort geschehen war? Sie wusste es nicht. Ihr Vater hatte es ihr nie erzählt. Hatte ihr sogar verboten, zu der Stelle zu laufen, um sich von den beiden zu verabschieden.
Erst als er eigenhändig das Grab auf dem Hügel geschaufelt und die Leichen darin vergraben hatte. Erst da hatte er sie geholt und nach oben geführt.
Fünf Jahre waren seitdem vergangen.
Fünf Jahre, in denen sie sich nicht erlaubt hatte, in Trauer zu versinken - so wie ihr Vater es seit jeher machte.
Sie zog die oberste Schublade der Kommode auf und holte den kleinen Leinenbeutel hervor. Sie ließ ihn in ihrer Hand hüpfen und stellte sorgenvoll fest, dass er immer leichter wurde. Sie löste das lederne Band, das den Beutel mit einer Schleife verschloss und kippte sich den gesamten mickrigen Inhalt in die Handfläche. Laut klimpernd lief sie durch die Stube und griff nach dem nun leeren Korb, den sie neben dem Kamin abgestellt hatte. Sie warf noch ein großes Holzscheit auf das Glutbett, dann stürmte sie mit bebender Unterlippe hinaus in die Hitze des Sommers. Als die Tür hinter ihr ins Schloss krachte, lehnte sie sich mit dem Rücken dagegen und sackte zu Boden. Sie atmete tief die trockene Luft ein. Dann weinte sie still - damit ihr Vater es nicht hörte.




Mit den letzten verbliebenen Kupfermünzen machte sie sich auf den Weg in die kleine Fischerstadt Kalthain.
Sie ging durch die vielverzweigten kleinen Gassen. Vorbei an den einst so prachtvollen Fachwerkhäusern, von denen nun der weiße Kalkputz abbröckelte und sich zahllose Risse durch die Holzbalken zog. Kaum jemand hier hatte noch das Geld, das nötig war, um die Häuser instand zu halten. Und die, die noch genügend Geld übrig hatten, die waren schon vor einer ganzen Weile weggezogen. Hoch in den Norden, nach Amarath oder Meringard. Dorthin, wo es noch Arbeit gab – noch eine Zukunft. Nur die alteingesessenen Familien waren geblieben und hielten sich an den letzten Hoffnungsschimmern fest. An den maroden Fischkuttern, die unten am Pier ankerten und sich für den nächsten Einsatz auf hoher See vorbereiteten.
Sie bog um die nächste Ecke und erkannte bereits den marmornen Springbrunnen, der in der Mitte des Quadratischen Platzes prangte.
Der Markt war so gut wie leer. Nur vereinzelt standen Händler auf dem Platz und preisten ihre Ware an. Dinge, die sie sich eh nicht leisten konnte.
Wehmütig ließ sie die Stände, die feine Seide und teure Gewürze anboten, links liegen. Einige Händler bauten ihre Stände bereits wieder ab. Trotz, dass es erst früher Nachmittag war. Sie wussten, dass sie hier ihre Ware nicht loswerden würden. Also zogen sie weiter. Weiter ins Landesinnere von Attica, wo die Menschen noch Geld zum Ausgeben besaßen.
Sie zog es weiter nach hinten. Dorthin, wo die Bewohner von Kalthain dauerhaft ihre Stände aufgebaut hatten.
Das Land ging langsam unter. Und hier unten im Süden merkte man dies besonders deutlich. Denn hier hatte Ifrit die steuerlichen Abgaben so drastisch angehoben, das kaum noch etwas für die Bevölkerung übrig blieb.
Hofemar war einst eines der reichsten Landesgebiete von Attica gewesen und nun verarmte es und ging zugrunde.
Nachdem Ifrit sich als Herrscher von Attica und somit als erster König des gesamten Kontinents gekrönt hatte, hatte er sich hinter den dicken Mauern seiner Festung in Reningard verbarrikadiert.
Als erster König von Attica hatte er versprochen, die Landesgebiete zu vereinen. Eine Revolution, die endlich dafür sorgen sollte, dass der Kontinent unter seiner Herrschaft heranwuchs. Die dafür sorgen sollte, dass Attica sich als eine Nation erheben würde und zu einer der größten Handelsimperien überhaupt heranwachsen würde.
Doch nichts war geblieben von den großen Versprechungen, mit denen er sich die Stimmen der Landesherren erschlichen hatte.
Das Einzige, was man hier in Kalthain von seiner Regentschaft spürte, waren die höheren Abgaben, die regelmäßig von den Zöllnern seines Hofes eingetrieben wurden. Es war ein Wunder, das die wenig verbliebenen Bewohner von Kalthain noch das Geld aufbringen konnten, um sich ihren Kummer wegzusaufen.
Sie beachtete die gebrochenen Männer, die mit hängenden Köpfen über den Marktplatz schlürften, nicht und ging weiter. Schlängelte sich hindurch durch die Stände des Marktes.
Als sie an dem kleinen Gemüsestand angelangt war, der am anderen Ende in einer kleinen Ecke des Marktplatzes stand, blickte sie in die vertrauten grünen Augen ihrer ältesten Freundin und musste lächeln.
»Hallo Katalina!«, sagte Ava und legte die Kupfermünzen auf den Tresen. »Was kriege ich dafür?«
»Tut mir leid, Ava, mehr habe ich nicht.« Sie nahm das Geld und schob ihr eine Handvoll matschiges Gemüse über die Theke.
»Die Ernte fällt dieses Jahr ziemlich klein aus. Die Dürre macht uns ziemlich zu schaffen.«
Mit trauriger Miene schob sie eine Strähne ihres rotschimmernden Haares aus dem Gesicht und zupfte entschuldigend an ihrer schmutzigen Schürze. Es war ihr sichtlich unangenehm, dass sie ihr nichts Besseres anbieten konnte.
Die hohen Wipfel der Green Mountains verhinderten das die Stürme, die sich im Osten über dem Meer zusammenbrauten, bis hinab ins Tal gelangten. Die schweren, mit Regen gefüllten Wolken schafften es einfach nicht, über die grünen Kuppen. Doch dieser Sommer war der trockenste seit Langem gewesen. Sie hatten schon viele Dürren überstanden, doch in diesem Jahr konnte man die Regenschauer an einer Hand abzählen. Und die Schauer, die es doch bis ins Tal hinab geschafft hatten, waren so kurz, aber heftig gewesen, dass die ausgetrocknete Erde es nicht geschafft hatte, das Wasser aufzunehmen. Es hatte nur die aufgewühlte Staubschicht heruntergespült und die Meeresbucht, die im Westen lag, in einen braunen schlammigen Sumpf verwandelt, in dessen trüben aufgeheizten Wasser auch noch die letzten Fischschwärme verendet waren.
Ava nickte nur und sammelte die wenigen Zutaten in das kleine Weidenkörbchen, das an ihrem Arm baumelte.
»Ist schon gut, Katalina. Immerhin besser als nichts.«, ein zaghaftes Lächeln huschte über ihr Gesicht. »Wie geht es dir denn? Kommt ihr zurecht?«
Sie bemerkte die dunklen Schatten unter Katalinas Augen. Bei jedem Treffen wurden sie größer und ihr schönes Gesicht sorgenvoller. Katalinas Schultern hingen kraftlos nach unten, dennoch versuchte sie einen unbeschwerten Tonfall anzuschlagen »Wir kämpfen uns schon durch!«
Ava hörte die Sorge und Angst in ihrer Stimme,
»Es wäre leichter, wenn die Abgaben nicht ständig erhöht werden würden.«
Bald schon würden die Eintreiber erneut kommen und auch noch die letzten Münzen einkassieren. Auch sie wusste noch nicht, wie sie die nächste Rate bezahlen sollte.
Plötzlich kroch ihr ein vertrauter Geruch in die Nase und holte sie aus ihren Gedanken.
Ein Geruch, der sie jedes Mal aufs Neue faszinierte und gleichzeitig abschreckte. Sie mochte den Duft, der sie an Fichtennadeln und Glut erinnerte. Doch sie schreckte vor der Person zurück, der dieser anhaftete.
»Hallo, meine Schöne, wie ich sehe, zieren die Eisenketten noch immer deine Knöchel. Hält dich dein Vater weiter an der kurzen Leine?«
Ava verdrehte entnervt die Augen und Katalina lächelte wissend, bevor sie sich hinter den großen Gemüsekisten abduckte und somit Ava keine andere Wahl ließ, als sich umzudrehen.
»Guten Tag, Arvid.«, trotzig reckte sie ihr Kinn nach vorn und stellte sich aufrechter hin. »Immer noch so ein Charmeur, wie ich sehe. Haben dich die Freudenhäuser satt, weil du auf den Straßen dein Unwesen treibst?«, verächtlich ließ sie ihren Blick an seinen Körper hinabwandern, bevor sie mit starren Augen in sein Gesicht blickte.
Arvid baute sich vor ihr auf. Einen ganzen Kopf größer und mit einem Gesicht, auf dem nichts als Kälte lag, sprach er so leise, dass nur sie ihn verstehen konnte »Pass auf was du sagst - Bauerstochter! Nicht das dir auf dem Heimweg ein dunkler Schatten folgt, der seine Triebe an dir befriedigen will.«, in seinen kupfergoldenen Augen blitzte Zorn auf. Seine schulterlangen schwarzen Haare hatte er mit einem Band straff am Hinterkopf befestigt. Wie immer waren unzählige Messer und Dolche an seiner Hüfte festgegurtet. Jede einzelne blank polierte Klinge blitzte in der Sonne. Die Griffe aus edlem Eibenholz gefertigt und mit einer kleinen Flamme als Emblem verziert. Die aus dunklem Leder gefertigte Kriegermontur, die sich hauteng an seinen muskulösen Körper schmiegte, verlieh ihm eine Autorität, die angsteinflößender nicht hätte seien können. Unter seinen schweren Stiefeln knisterte der Kies, als er einen weiteren Schritt auf sie zu machte und seine stechenden Augen auf sie richtete.
Doch Ava zeigte sich unbeeindruckt. Stattdessen wandte sie sich missbilligend von ihm ab. Sie schob das Körbchen, in dem nun das faulige Gemüse lag, auf ihrem Arm zurecht. Dann hob sie erneut ihren Kopf und ließ ein Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte, über ihre Lippen gleiten. »Wenn du mich bedrohen willst, Arvid, dann such dir einen besseren Zeitpunkt dafür aus. Ich bin heute nicht in der Stimmung für deine leeren Versprechungen!«
Ohne auf eine Antwort zu warten, ließ sie ihn stehen und drückte sich an ihm vorbei. Sie spürte das Beben seines harten Körpers, als sie im vorbei gehen, seinen Arm streifte. Ein leises Kichern hinter den Obstkisten, das sich mit seinem verächtlichen Schnauben mischt, verriet ihr das er vor Wut kochte. Mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen ließ sie den Marktplatz hinter sich und schob sich zurück in die schmalen Gassen, aus denen sie gekommen war.




»Sei still!«, blaffte er Katalina an, die vorsichtig hinter den Gemüsekisten hervorlugte. Aus dem zaghaften Kichern wurde ein schallendes Gelächter.
»Sei verdammt noch mal still!« Mit voller Wucht knallte er seine flache Hand auf die Tischplatte, sodass ihr Gelächter augenblicklich verstummte.
»Sonst was?«, wütend funkelte sie ihn an. Noch immer bebte sein gesamter Körper vor Wut.
»Verwandelst du meinen Stand zu Feuerholz? Nur zu! Bitte! Tu dir keinen Zwang an.«
Mit einer ausladenden Geste umfasste sie die gesamte Breite ihres winzigen Gemüsestandes.
Damit hatte er nicht gerechnet. Verdutzt zog er seine Hand zurück. Noch immer funkelte sie ihn mit ihren durchdringlichen grünen Augen an.
Er öffnete seinen Mund, schloss ihn jedoch gleich wieder. Stattdessen stieß er frustriert die Luft aus seiner Nase, drehte sich um und setzte sich in Bewegung. Doch ein greller Pfiff ließ ihn innehalten.
»Was auch immer du vorhast, Arvid. So wirst du nicht an sie herankommen!«
Er ließ seinen Blick über seine Schultern gleiten, drehte sich aber nicht zu ihr um. Durch zusammengebissene Zähne zischte er sie an »Was weißt du schon?«
»Nicht viel wahrscheinlich. Doch ich habe Augen im Kopf. Du schleichst ihr schon eine Weile hinterher. Warum weiß ich nicht. Doch eins möchte ich dir sagen. Ava hat in ihrem Leben schon genug erdulden müssen. Also was auch immer du vor hast. Ich rate dir, dass es gute Absichten sind. Sonst…«
»Sonst was?«, durchschnitt er harsch ihre Worte. »Bekomme ich es mir dir zur tun?«
Er schnalzte mit der Zunge und setzte sich wieder in Bewegung.
»Ava« hörte er sie noch Rufen »Sie ist eine gute Zuhörerin, weißt du?«
Er ignorierte sie und bog endgültig in die Seitengasse ein. Was wusste die schon von seinen Absichten?
»Aus dem Weg!«
Unsanft trat er die beiden Jungen von den Stufen der Eckkneipe, die versuchten, durch die Schwingtüren einen Blick auf das Innere zu erhaschen.
Dorthin, wo die leicht bekleideten Dirnen sich auf den Schößen der Männer rekelten, die ihre letzten Münzen in Glückspiel und Alkohol investierten.
Ein grollendes Lachen, dass seiner Kehle entwich, übertönte die obszönen Schimpfworte, die die beiden ihm entgegenschleuderten, dann drückte er die versifften Türen auf und atmete die beißende, alkoholdurchtränkte Luft des Wirtsraumes ein.
Mit großen Schritten durchquerte er den Raum und ließ sich auf dem klebrigen Barhocker direkt hinter dem Zapfhahn nieder. Der schmächtige Barmann beäugte ihn mit erstarrter Miene über seine dicken Brillengläser hinweg.
»Das Übliche?«, fragte er und zog bereits einen beschlagenen Bierkrug von der Theke hinter sich. Arvid schnippte ihm einen Silbertaler entgegen, den der Barmann mit einem verschmitzten Lächeln auffing.
Als das schäumende Bier vor ihm auf den Tresen geknallt wurde, zögerte er nicht. Er hob den schweren Krug an und leerte ihn in einem großen Zug, bevor er ihn zurück auf die feuchte Oberfläche knallte. Sofort griff der Barmann mit seinen vergilbten Fingern danach und füllte ihn erneut. Auch den zweiten Krug leerte er auf einen Schlag. Erst als er merkte, wie die prickelnde Wärme des Alkohols in seine Beine kroch, fing er an, sich zu beruhigen.
So erging es ihm jedes Mal, wenn er auf sie traf. Jedes verdammte Mal versuchte er irgendwie an sie ranzukommen. Und jedes verdammte Mal vergeigte er es. Wieso brachte sie ihn nur so aus der Fassung? Warum konnte er nicht einfach zu ihr hingegen und wie ein normaler Mensch mit ihr reden? Warum konnte er sie nur wieder und immer wieder erniedrigen?
Er kniff sich mit Daumen und Zeigefinger in den Nasenrücken, genau in die Mitte seiner Augen und atmete schwer aus. Dann noch einmal. Und noch einmal.
»Noch einen!«, knurrte er und prompt erschien ein neuer Krug vor seiner Nase. Gerade als er ihn an seine Lippen hob, umgriffen kleine geübte Hände seine Hüfte und wanderten beherzt nach vorne. In zarten Kreisen strichen sie fordernd über seinen Bauch.
Er senkte den Krug und rutschte nach hinten. Sofort lösten sich die Hände, um gleich darauf auf seinen Oberschenkeln mit der süßen Folter vorzufahren.
Ein penetranter Duft kroch ihm in die Nase. Nach billigem Parfum, gemischt mit Schweiß und Zigarrenqualm. Dennoch drehte er seinen Kopf. Vor ihm stand im abgewetzten Mieder eine junge Frau. Er schätzte sie auf Anfang zwanzig.
Nicht älter als sie.
Er schüttelte den Gedanken schnell ab und räusperte sich. Noch immer wanderten die Finger lasziv über seine Oberschenkel, wanderten Stück für Stück immer höher, bis sie die Mitte seines Schrittes fanden und kräftig zupackten.
Er schluckte. Das Hüpfen seines Adamsapfels quittierte sie mit einem koketten Lächeln.
»Na mein Großer? Lust auf ein bisschen Zerstreuung? Mir scheint, als hättest du einen harten Tag hinter dir.«
Bei dem Wort »hart« packte sie erneut zu.
Mit einem Ruck stand er auf. Etwas perplex stolperte die Dirne einen Schritt nach hinten, doch Arvid fing sie auf und stieß sie energisch nach vorn. Mit einem fröhlichen Kichern führte sie ihn in den hintersten Teil des Wirtshauses und schleifte ihn die Treppen nach oben. Niemanden interessierte es, als er mit ihr hinter einen der unzähligen Holztüren verschwand, die sich in einem Rondell über dem Wirtsraum erstreckten.
Als er die Tür mit dem Riegel verschloss und den Taler auf die kleine Kommode legte, die sich gleich neben der Tür befand, hörte er schon das Rascheln des Stoffes, der zu Boden glitt. Noch immer lächelte die Dirne in freudiger Erwartung, als er sich endlich zu ihr umdrehte.
»Willst du nicht dieses Hemd ausziehen?«
Mit tippelnden Schritten stolzierte sie durch den Raum und präsentierte ihm ihren Körper. Sie war hübsch – ohne Frage. Doch das interessierte ihn herzlich wenig. Was er brauchte, überstieg seine angeborenen Triebe nicht.
Als sich ihre Hände auf seine Brust zubewegten, stoppte er ihre Bewegung. Erstaunt blickte die Dirne auf ihre Handgelenke, die nun umschlossen von seinen großen starken Händen waren.
»Das wird nicht nötig sein!«
Unvermittelt gab er ihre Hände frei und schob sie zurück zu der fleckigen Matratze, die unter dem provisorisch verhangenen Fenster lag. Als sie endlich darauf lag, streifte er seine Hosen nach unten, bis sie in seinen Kniekehlen hing. Dann ließ er endlich seinen angestauten Frust heraus, bis die Dirne seinen Namen in den Himmel schrie.
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