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Plotter, Pantser oder Bojenschreiber? Was seid ihr und was funktioniert?

 
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Minerva
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 457



BeitragVerfasst am: 13.05.2019 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, die innere Stimme hat bei mir manchmal einfach zu viel zu sagen und ständig was Neues für den Plot. Ich lasse es einfach zu und tippe am Plan entlang weiter. Kann ja hinterher immer noch löschen.
Die Stimme wöllte ich nicht überhören, die hat mir erst die richtigen Ideen gebracht.

Aber nächstes Mal, weiß ich schon, werde ich etwas genauer plotten und nicht zwischendurch denken: ...fällt mir schon was ein ... bzw. ist es eher so, dass ich die Problematik erst bemerke, wenn ich an einer Stelle bin und nicht weiß, wie ich zu der Szene komme. Auf die Idee bin ich beim Plan gar nicht gekommen.
Ich denke die Erfahrung ist es wert, und ich werde das beim nächsten Mal schon in der Planung merken. Hoff ich ... Laughing


_________________
... will alles ganz genau wissen ...
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 46
Beiträge: 591



BeitragVerfasst am: 06.06.2019 13:15    Titel: Antworten mit Zitat

Moin, Moin!

Ich fürchte, ich bin zu 80% Pantser, 10% Plotter und 10% Bojenschreiber.
Das Problem ist, dass ich im Leben genauso bin Laughing

Ich versuche mir eine grobe Richtschnur zu knüpfen, damit ich ungefähr weiß, wo es langgehen soll. Und dann fange ich einfach an. Manchmal fallen mir Szenen ein, die ich mir in meinem Notizbuch aufschreibe, die unbedingt reinmüssen. Wenn die Zeit für die Szene reif ist, flicke ich sie ein und schließe die Nähte literachirurgisch. Und hoffe, dass nix abgestoßen wird.

Care hat Folgendes geschrieben:
ABER: Ich stelle oft fest, dass sich die anfänglichen Strukturen ändern. Das kann aus den unterschiedlichsten Gründen passieren. Am erstaunlichsten finde ich es, wenn meine Charaktere ein Eigenleben entwickeln. Die machen nämlich nicht immer das, was ich für sie vorgesehen hatte. So kann es durchaus vorkommen, dass sich meine Protagonistin in einen völlig anderen Mann verliebt als vorherbestimmt. Und manchmal tauchen an den unmöglichsten Stellen im Plot Personen auf, die dort nicht geplant waren.


Das finde ich manchmal geradezu unheimlich. Und extrem faszinierend. Ich mag diese Eigendynamik und lasse mich sehr gerne darauf ein. Diese Freiheit, von einem Plan abzuweichen, würde ich mir nicht nehmen lassen wollen, und wie du schreibst, Minerva, kann man hinterher immer noch löschen.

Bei dieser Methode sind Bücher herausgekommen, hinter denen ich voll stehe. Und selbst wenn sie jetzt langsam in dem Meer, in das ich sie geschmissen habe, versinken, bin ich froh, dass ich die Geschichte meiner Protagonisten aufgeschrieben habe. Allerdings habe ich mir vorgenommen, in Zukunft mehr zu plotten. Denn dieses Problem:
cptr3339 hat Folgendes geschrieben:
Eine Story musste ich nach ca. 11.000 Wörtern abbrechen, da ich einen ziemlich großen Logikfehler eingebaut habe... und das wäre mir wohl nicht passiert, wenn ich vorher darüber nachgedacht hätte, was ich da überhaupt zu Papier bringe.

kenne ich auch. Und den Überarbeitungsprozess empfand ich teilweise als unverhältnismäßig. Das Frustrierende war: Es gab immer wieder etwas zu entdecken. Und das nicht im positiven Sinne. Ich könnte heute noch überarbeiten, wenn ich mir nicht irgendwann eine Grenze gesetzt und gesagt hätte: Fräulein, das hier ist der letzte Durchgang! Noch einer und ich formatiere deine Festplatte!
Ich erhoffe mir eine verbesserte Effizienz (auch wenn ich dieses Wort nicht mag), wenn ich planerischer vorgehe.
Schlimm finde ich übrigens auch, wie restlos für saugut befundene Ideen verloren gehen können, wenn ich sie nicht gleich aufschreibe. Wenn mein Notizbuch nicht in greifbarer Nähe ist, ist die Idee futsch, weg, nicht mehr zu rekonstruieren! Unfassbar!

In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmal betonen, dass mir der Austausch hier enorm weiterhilft. Daumen hoch Gerade diesen Thread hier finde ich auch sehr interessant.

Viele Grüße
Silke
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teegebeutelt
Eselsohr


Beiträge: 290



BeitragVerfasst am: 22.06.2019 10:12    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin Plotter :D
Ich kann mich nicht zum Schreiben hinsetzen, wenn ich nicht schon grob weiß, was passiert, da hätte ich zu sehr Angst, dass mir nichts einfällt und das würde dazu führen, dass ich gar nicht erst anfange 🤷🏻‍♂️ Allerdings ist plotten ja nicht gleich plotten, ich hab schon Manuskripte mit einem sehr groben Handlungsabriss als Grundlage geschrieben, aber auch mit einem sehr detaillierten Szenenplan. Hat beides funktioniert, letzteres ergab im Ergebnis eine sehr dichte Erzählung, weil wirklich jede Szene zielführend war. Bei ersterem hat man natürlich noch mehr Freiheiten, ich finde beides hat Vorteile :D
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Jadea
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen

Alter: 40
Beiträge: 42
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 22.06.2019 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Meine bisherigen Versuche habe ich als Pantser gestartet.
Da kein einziges "Werk" beendet wurde aufgrund diverser Probleme, habe ich mir fest vorgenommen, von jetzt an zu plotten.
Mal sehen, was dabei rum kommt Wink
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lenaleabi
Geschlecht:weiblichLeseratte

Alter: 15
Beiträge: 104



BeitragVerfasst am: 10.09.2019 18:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin Plotter mit meinem eigenen System. Immer die selbe Anzahl der Wörter pro Tag, meine durchgeplanten Kapitel, die Zeit in der ich schreibe, sogar der Ablauf des Schreibens;
Ich plane ALLES.
Das war schon so als ich noch nicht geschrieben habe. Wenn etwas nicht nach Plan verläuft, fühle ich mich unwohl. So läuft es auch gut.
Und ich weiß, diese "Sturrheit" ist manchmal echt nicht optimal, aber so war ich schon immer und mich deshalb zu ändern wäre unsinnig.


_________________
Wenn du den Boden erreichst, gibt es nur noch einen Weg: Hinauf.
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Markus Staib
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 36
Beiträge: 30
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 11.09.2019 09:39    Titel: Antworten mit Zitat

Minerva hat Folgendes geschrieben:
- Plotter: planen erst alles, bevor sie ein Wort schreiben.
- Pantser: Schreiben erst alles runter und überarbeiten dann
- Bojenschreiber: Schreiben alle Szene, die sie nicht loslassen und verbinden diese "Bojen" dann.


Um die Liste noch ein wenig genauer/weiter zu gestallten (sofern ich darf) würde ich gerne die Liste der Schreibparadigmen aus "Writing Fiction for dummies" nennen.

Dort gibt es:
- Seat-of-the-pants -> Pantster wie oben
- Edit-as-you-go -> würde ich eher mit Bojenschreiber vergleichen
- Snowflake -> Planen, aber von hinten
- Outline -> Plotter wie oben

Ich persönlich fand die Snowflake Methode sehr ansprechend und wollte mein erstes Buch danach schreiben, habe aber früh festgestellt, dass ich wohl eine Mischung aus Snowflaker und Edit-as-you-go Schreiber bin.

Sprich: Ich plane soweit ich kann und setze mich, weil es einfach so juckt, dann einfach ran und schreibe. Nachdem ich fertig bin überarbeite ich das geschriebene bis es so ist wie ich es in einer ersten guten Fassung gerne hätte und mache dann weiter. Damit komme ich derzeit am besten klar. Da ich aber noch relativ am Anfang meiner Reise stehe, kann sich da natürlich noch einiges ändern.
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joe0722
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 17
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 11.09.2019 11:07    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich das hier so lese, dann bin ich eher der Bojenschreiber.
Ich bin sehr visuell orientiert und kann mir viel leichter Szenen als "Filmausschnitt" visualisieren, als sie mit Plotten zu erarbeiten.

So bin ich gerade in den ersten Szenen und lasse die ersten Charaktere entstehen. Dabei stelle ich mir das Ganze als Film vor.

Dann  mache ich mir grobe Notizen, was, wie und warum mit wem gerade passieren könnte. Also grobes Plotten.

Aber das Arbeiten mit verschiedenen Szenenschnipseln (Bojen) steht im Vordergrund.
Im Hinterkopf ist natürlich die Storyline.
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eule
Schneckenpost


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 06.12.2019 23:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hier sind richtig tolle Tipps dabei, danke!

1) Einfach drauf los schreiben gibt gute, lebendige Ideen. Aber auch Chaos und Überarbeitungsfrust und viel Text für die Tonne.
2) Plotten und recherchieren macht das ganze stringent, aber wenn ich das zu lange mache, dann entferne ich mich emotional so weit von der Story.
---> Ich versuche gerade, herauszufinden, wie ich sinnvoll zwischen den zwei Modi hin und herwechseln kann, damit sie ein Wechselspiel ergeben. Ich nehme an, dass die Plot- und Rechercheeinheiten zu Beginn des Prozesses größer sind und je weiter der Prozess voranschreitet, desto größer werden die Schreibeinheiten. Aber ich versuche mich von der Vorstellung zu lösen, eins nach dem anderen machen zu können. Ich versuche, in den Prozess reinzuhorchen, und den Punkt abzupassen, wo man mit einem Modus in die Sackgasse gerät und frischen Input von dem anderen Modus bräuchte. Mal schauen, wie das klappt.
Neben dem Plot/Recherche-Teil und dem Entwurfschreiben sehe ich aber noch eine dritte Möglichkeit:

3) „Erkundungstouren schreiben“. Das habe ich mir jetzt speziell als Anfänger mal so überlegt. Kurzgeschichten aus dem Leben der Figuren oder ein Kapitel, das mich besonders reizt, egal an welcher Stelle der Geschichte es dann kommt – um einfach ein Feeling für die Welt, die Figur etc. zu bekommen. Mit etwas Glück kann man daraus einen verwertbaren Text rausziehen, ansonsten hat man eine nette Kurzgeschichte. Vor allem aber einen Kreativitätsboost. Für mich ist es auch wichtig, in die Schreibe reinzukommen und mich psychisch zu entlasten.
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Maunzilla
Reißwolf


Beiträge: 1313



BeitragVerfasst am: 07.12.2019 08:32    Titel: Antworten mit Zitat

In den meisten Fällen schreibe ich einfach drauf los und plane nichts. Erstaunlicherweise funktioniert das auch in den meisten Fällen. Es kann aber auch Nebenwirkungen haben, etwa, wenn man an einer Stelle nicht weiter weiß und unbewußt das Tempo rausnimmt, damit man mehr Zeit zum Überlegen hat, wie es weitergehen könnte. Manchmal cheate ich dann und lasse ein Kapitel aus, notiere mir, was ungefähr darin geschehen muß, damit ich im nächsten weitermachen kann. Oft sind das auch Szenen, die mir nicht liegen.
Allerdings funktioniert das nicht bei Geschichten, die sehr sorgfältig und präzise geschrieben werden müssen, wie Kriminalgeschichten, wo man schon vorher sich klar machen muß, wer wann was wo und warum getan hat, und wo sich alle anderen Figuren aufgehalten haben.

Meiner Arbeitsweise entgegen kommt mein Stil, der auf einer weitgehend linearen Erzählstruktur basiert. Ständige Perspektive- und Szenenwechsel oder Zeitsprünge sind nicht so mein Ding.

Allerdings stimmt das mit dem Nicht-Planen auch nicht ganz 100%ig, denn einen Roman schreibt man nicht an einem Tag. Daher denke ich schon ab und zu, wenn ich gerade nicht am Schreiben bin, über meine Geschichte oder die Figuren nach und spiele im Geiste einzelne Szenen oder Ereignisse durch, so daß sich mit der Zeit ein dünner roter Faden spinnt, an welchem ich mich durch den Nebel entlang hangele.


_________________
"Im Internet weiß keiner, daß du eine Katze bist." =^.^=
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Stefanie
Reißwolf


Beiträge: 1619



BeitragVerfasst am: 07.12.2019 10:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe angefangen mit einfach drauflosschreiben, aber irgendwann liefen meine Figuren nur noch ziellos in der Gegend rum und ich kam zu keinem Ende. Da musste ich mich dann doch hinsetzen und plotten.
So hatte ich eine rote Linie, an der ich mich entlangarbeiten konnte.
Ich plane die nächsten ein, zwei Szenen mit Stichpunkten, wo auch mal einzelne Sätze oder Formulierungen stehen, die ich dort unterbringen will.

Aber ein Buch von Anfang an durchzuplanen, würde mich langweilen.
Mit vorgegebener Grundstruktur und viel Platz zur spontanen Entfaltung dazwischen komme ich am besten klar, wie es aussieht.
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Ralphie
Geschlecht:männlichForenonkel

Alter: 68
Beiträge: 5729
Wohnort: Elsdorf
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 07.12.2019 11:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schreibe auch spontan und habe das Konzept nur im Kopf.
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TheRabbit95
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 40
Wohnort: Zürich


BeitragVerfasst am: 09.12.2019 14:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin wohl so ne Mischung aus allen dreien zumindest aus Plotter und Pantser. Meistens habe ich eine Idee und überlege mir dann im Kopf ein paar Szenen schreibe sie meist nicht nieder und wenn, dann nur ein paar Stichworte. Dann überleg ich mir mal die paar wichtigsten Figuren und die wichtigsten Plotpoints. Das schreibe ich dann auf (in zwei separaten Dokumenten, das eine für die Figuren, das andere für die paar Plotpoints). Danach beginne ich meistens draufloszuschreiben, grundsätzlich chronologisch bzw. so wie es dann im Buch ist, also nicht chronologisch im Sinn von zeitlicher Ablauf der Geschichte, sondern chronologisch wie es im Buch dann ist. Danach würde dann wohl die Überarbeitung kommen, aber so weit bin ich noch nie gekommen, in meinem aktuellen Projekt könnte dies aber der Fall sein. Manchmal kommen mir Ideen zu dem Plot, wie er besser funktionieren könnte oder mir fallen Wendungen, Szenen, Kapitel usw. ein, die noch abändern oder einfügen sollte. Das schreibe ich dann in meinen Dokument mit den Plotpoints oder in ein One Note Dokument mit Änderungen für die Überarbeitung (je nach dem wie wichtig bzw. dringend die Änderung oder Ergänzung ist).

Ich überlege mir also die wichtigsten Punkte der Story (also ich sage mal ein sehr grobes Gerüst bzw. ein Konzept der Story) und die wichtigsten Figuren und danach werde ich eigentlich ein Pantser. Ich plotte also nicht voll durch, sondern nur sehr sehr grob und schreibe danach eigentlich alles von Anfang bis Ende. Figuren, Orte, und die meisten Handlungen denke ich mir vor zu aus, auch die meiste Recherche mache ich dann während dem Schreiben (zumindest das wichtigste, die Details lasse ich meistens für die Überarbeitung noch sein). Jedoch habe ich auch Elemente des Bojenschriebers insofern, dass ich mir zumindest im Kopf gewisse Szenen schon ausgedacht habe und die von mir niedergeschriebenen Plotpoints sind ja eigentlich auch Bojen. Von daher bin ich wohl so ne Mischung aus allem. Mein erste Überarbeitung ist wohl dann das, was das Schreiben bei einem Plotter ist, weil ich erst dann alles habe und dann überprüfe ob alles Sinn macht (was es wahrscheinlich nicht wird, die Überarbeitung wird wohl der grössere Schritt als das Schreiben an sich) und wo was noch nicht passt bzw. geändert werden muss. Dort ergänze ich dann auch noch gewisse Details, die ich beim ersten Entwurf noch weggelassen habe und ergänze, wo noch nötig die Änderungen aus meinen Notizen.
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Bücherfreundin
Erklärbär


Beiträge: 3



BeitragVerfasst am: 17.12.2019 20:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin auch so ein Pantser mit Plottertendenzen. Bei meinem momentanen Projekt hab ich mit einer vagen Idee und der Hauptfigur angefangen und erstmal drauflos geschrieben. Da kam eine Menge Interessantes zusammen, aber auch viel backstory, die für den Leser nicht unbedingt interessant ist. Für mein Figurenverständnis aber schon, deshalb war es gut, das alles aufzuschreiben, auch wenn es letztendlich in einem Unterordner gelandet ist. Je weiter ich in der Geschichte vorangekommen bin, desto weiter in die Zukunft habe ich gedacht. Zwischendurch hab ich auch ein paar "Bojen" geschrieben, also Szenen, die ich später eingebaut habe. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wusste dann, was bis zum Ende ungefähr noch passieren musste. Trotzdem haben meine Figuren mich hin und wieder noch überrascht und Dinge gemacht, die ich nicht eingeplant hatte.
Jetzt, beim Überarbeiten, achte ich stärker auf die Struktur, darauf, wie alles zusammenpasst. (Habe mir sogar eine Zeitlinie aufgemalt, um sicher zu gehen, dass ich nicht irgendwo Löcher habe, oder Sprünge.)
Aber ich könnte nie ein ganzes Buch von Anfang bis Ende durchplanen und dann aufschreiben. Ein wenig Chaos muss für mich schon sein.
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MarVeRiCk94
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 27
Beiträge: 112
Wohnort: Dülmen


BeitragVerfasst am: 18.12.2019 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiß gar nicht, welche dieser Schreibtypen ich so wirklich bin - aber vielleicht will ich es auch gar nicht so genau wissen, da ich kein Freund vom Schubladen-Denken bin. Die Mischung machts, wie es so schön heißt lol2

Bei mir funktioniert es am ehesten so:

eine Geschichte entsteht bei mir aus einer Idee einer einzelnen Szene heraus (Bojen-typisch), die irgendwo in der Geschichte einen festen Platz hat. Bei meinem Hauptprojekt, der Tetralogie, war dies z.B. das Ende des 4ten Bandes, was grob an einen Albtraum von mir angelehnt ist, den ich mal vor 6-7 Jahren nachts hatte. So entstehen übrigens auch die meisten meiner Geschichten lol2

Bevor ich diese Szene aber einfach blind aufschreibe und mit Wörtern loswüte (ich habe bei meinem Hauptprojekt ja nicht mit dem Ende des 4ten Bandes angefangen und mich zum Anfang zurückgearbeitet), lasse ich diese Geschichte im Kopf so lange reifen, bis die Szene ausgereift ist, und bestücke sie mit den Details, die mir auf dem Weg zu der Szene (also die Geschichte davor) dazugekommen sind (ich mach mir allenfalls Notizen von der Idee, um sie nicht zu vergessen). Sprich, ich fang am Anfang an, mit dem Ziel dieser Szene, in meinem Beispiel dem Ende, und stricke daraus eine (hoffentlich) spannende Geschichte. (Was für mich eher Plotter-typisch wirkt).

Allerdings gibt es aber auch - um den Begriff mal zu missbrauchen - bei mir kreative Braindrains, also mir kommen keine neuen Ideen, die mich begeistern, die ich aufschreiben muss, woraus ich Geschichten entwickeln könnte. Bei mir zieht sich das, u. a. auch aus persönlichen Gründen, zzt. in Monatslänge. Um allerdings nicht meine Projekte und mein Schreibkönnen völlig einstauben zu lassen, öffne ich noch manchmal meine Dokumente und schreibe, den Notizen was ich für das Kapitel vorgesehen hab entsprechend, einfach drauf los, quasi den kreativen Glücksmoment im Kopf erzwingend. Das geht nicht immer auf, aber letztens hats mal wieder funktioniert. Das ist dann eher Pantser-typisch. Zumal bei der Bezeichnung, dass man erst alles aufschreibt und es dann überarbeitet, es auch wieder anwendbar auf mein Hauptprojekt wäre - ich habe die Geschichte ja schon ein paar male fertiggestellt, aber immer wieder überarbeitet, weil mir die Version nicht gefiel (und außerdem ich älter und weiser geworden bin lol2).
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Stoleti
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 41
Beiträge: 36
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BeitragVerfasst am: 30.03.2020 14:15    Titel: Antworten mit Zitat

joe0722 hat Folgendes geschrieben:
Ich bin sehr visuell orientiert und kann mir viel leichter Szenen als "Filmausschnitt" visualisieren, als sie mit Plotten zu erarbeiten.
...
Aber das Arbeiten mit verschiedenen Szenenschnipseln (Bojen) steht im Vordergrund.
Im Hinterkopf ist natürlich die Storyline.

Dito. Ich hab das immer Trittsteine genannt, wie Steinplatten, die einen durch einen Garten führen. Dazwischen liegen große Kiesel, die einzelnen Szenen, und dazwischen wiederum Sand, das sind die ausformulierten Sätze. Smile  Ich denke viel in Bildern und mit einem Bild einer Szenerie fängt es auch immer an, das ist die erste 'Boje'. Dazwischen schreibe ich dann einfach drauf los, was meine Protagonisten immer wieder dazu ermutigt abzuschweifen und ich muss das dann ausbaden und sie wieder in die richtige Richtung stupsen.
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Abari
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BeitragVerfasst am: 17.11.2020 21:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ich möchte noch eine vierte Methode in den Raum werfen, weil die ganz gut beschreibt, was ich mittlerweile mache: Die Straßenlaternenmethode.

Ich gehe von dem Punkt, an dem ich gerade schreibend stehe, aus und blicke ein wenig nach vorne. Ich stelle mir ein paar Laternen auf, auf die ich mich dann schreibend zubewege. Inzwischen tauchen weitere Laternen auf; ich kann also ein Stück in die Zukunft blicken, weiß auch, wo ich schließlich hin will; plotte zwar nicht durch, schreibe aber auch nicht wild drauflos. Muss ich nur drauf achten, nicht falsch abzubiegen. smile


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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 18.11.2020 03:13    Titel: Antworten mit Zitat

So ähnlich mache ich das auch. Nur mit aus Träumen/Unterbewusstsein aufgestiegenen Irrlichtern statt Straßenlampen. Laughing

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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 18.11.2020 07:42    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Ich möchte noch eine vierte Methode in den Raum werfen, weil die ganz gut beschreibt, was ich mittlerweile mache: Die Straßenlaternenmethode.

Aber sind die Straßenlaternen nicht dasselbe wie die Bojen?
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Minerva
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 457



BeitragVerfasst am: 18.11.2020 10:47    Titel: Antworten mit Zitat

BlueNote hat Folgendes geschrieben:
Zitat:

Ich möchte noch eine vierte Methode in den Raum werfen, weil die ganz gut beschreibt, was ich mittlerweile mache: Die Straßenlaternenmethode.

Aber sind die Straßenlaternen nicht dasselbe wie die Bojen?


Ne, nicht ganz. Ich habe die Bojen so verstanden, dass man wild durcheinander Szenen in den Kopf bekommt, von denen man nicht mal weiß, wo sie landen und dann den Plot drum konstruiert.
Abaris Methode klingt geordneter ... ich bin hier und will nach da.

Neulich dachte ich, ich bin ganz schlau und plotte meine Kurzgeschichte vor dem Schreiben, dann kann ja nichts schiefgehen. Also schön nachgedacht, Notizen gemacht und am Ende hat es trotzdem nicht funktioniert.
Die Geschichte wich von selbst ab und ich musste mühselig Alternativen finden, damit sie hinhaut.

Hm ...

Besser als meine vorherige Methode war das nicht. Die nenne ich "organisches Wachstum" Laughing (wie wenn sich Moos oder ein Pflanzengeflecht seinen Platz sucht).
Hier ein Satz, da eine Idee, dann der Anfang, ein Mittelteil, hin und her schieben, Teile verbinden, was Neues einbringen, fertig. Dürfte im Grunde die Bojenmethode sein oder ein chaotisches Pantsen.
Bei überschaubaren Kurzgeschichten funktioniert das erstaunlich gut. Vor allem, wenn man sich ein hinsetzt und das Chaos beginnen lässt.
Bei komplexen Romanen ein Albtraum.


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Taranisa
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BeitragVerfasst am: 18.11.2020 11:47    Titel: Antworten mit Zitat

Im Laufe der Zeit habe ich mich von der "normalen" (was ist normal?) Plotterin zur extremen Plotterin entwickelt. Mein länger liegengebliebenes Fantasy-Projekt habe ich mir jetzt wieder angeschaut und Ideen bekommen, was ich im Detail noch verändern oder wo ich noch genauer darauf eingehen kann, damit es besser bzw. spannender wird.

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"Henkersweib", Burgenwelt Verlag, ET 12/18
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Abari
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Beiträge: 1354
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 18.11.2020 13:29    Titel: Antworten mit Zitat

Minerva hat Folgendes geschrieben:
BlueNote hat Folgendes geschrieben:
Zitat:

Ich möchte noch eine vierte Methode in den Raum werfen, weil die ganz gut beschreibt, was ich mittlerweile mache: Die Straßenlaternenmethode.

Aber sind die Straßenlaternen nicht dasselbe wie die Bojen?


Ne, nicht ganz. Ich habe die Bojen so verstanden, dass man wild durcheinander Szenen in den Kopf bekommt, von denen man nicht mal weiß, wo sie landen und dann den Plot drum konstruiert.
Abaris Methode klingt geordneter ... ich bin hier und will nach da.


BlueNote, ich verstehe die Bojenmethode (auch in diesem Thread) eher als Verflechten einzelner Szenen, die man von vornherein im Kopf hat oder hinein bekommt, und die es textkünstlerisch zu verbinden gilt. Ich aber weiß nur, was in den nächsten drei, vier Szenen vorkommen muss, damit ich den Boden nicht verliere. Ich kenne auch das Ziel meiner Mühen und worauf das Buch hinauslaufen soll, nicht aber, wie ich dahin komme.

Minerva, ob die Methode geordneter ist als die Bojen oder Pantser, weiß ich nicht; zumindest fühlt sie sich sehr gut an. Ich glaube, am ehesten lässt man sie für sich stehen.


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stenzeljulia
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Wohnort: Tübingen


BeitragVerfasst am: 09.02.2021 13:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin wohl eine Mischung aus Plotter und Pantser, mit höherem Anteil am plotten.
Für mich ist eine gewisse Struktur wichtig, um meine Kreativität auf dem roten Faden zu fokussieren und nicht außerhalb des Plot-Horizonts zu spazieren. Dennoch steht in meinem Outline auch gerne der Satz ungeplanter Plotpunkt und ich bezweifle, dass ich hierfür Ersatz finde, bis ich zu dieser Stelle komme. Vielleicht ist das auch ganz gut, dieser Satz steht nämlich meist im letzten Teil des Outlines, wo es doch ganz spannend und im gewissen Maße spontan einhergehen sollte.
Was ich plane sind definitiv die Charaktere, die Schauplätze und die Grundstruktur des Outlines. Bei größeren Werken, wie eben meinen Roman, bin ich im Outline detaillierter geworden und habe wichtige Plotpunkte notiert, zusammen mit Zitaten etc., die mir eingefallen sind. Genaue Kapitelpläne usw. gibt es bei mir nicht. Da würde sich meine Kreativität dann doch gehörig wehren.
Über das Bojensystem plane ich das detaillierte Outline. Auf einem Blatt Papier werden alle Szenen notiert, die mir die ganze Zeit im Kopf herumgeschwirrt sind. Diese werden dann fix eingetragen und daraus folgen dann die anderen Punkte.


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"Gebt mir den Mann, den seine Leidenschaft / Nicht macht zum Sklaven" - Hamlet von Shakespeare (III,2)
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