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Die Macht der Rose


 
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Ribanna
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 57
Beiträge: 570
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 18.10.2020 18:00    Titel: Die Macht der Rose eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ihr Herz pochte heftig, viel zu schnell. Schweiß lief ihr über die Stirn, Schweiß hatte ihr Kopfkissen durchdrungen. Es war es stockfinstere Nacht. Eine Weile lag sie einfach nur da, atmete tief ein und aus und hoffte, wieder einschlafen zu können.
Aber nein, die Blase drückte, sie würde aufstehen und ins Bad gehen müssen. Mühsam erhob sie sich, die Hüfte schmerzte und das Bein, auf dem sie gelegen hatte, kribbelte unangenehm. Sie schlurfte barfuß durch den dunklen Flur und tastete sich dabei vorsichtig an der Wand entlang. Fünfunddreißig Jahre lebte sie nun in dieser Wohnung, aber nachts, im Dunklen fühlte sie sich trotzdem unsicher.
Aus der Küche drang ein wenig Licht. Hatte sie den Herd angelassen? Nein. Nur die kleine Rosenblüte aus Metall, die Torben ihr gestern mitgebracht hatte, stand auf dem Küchentisch, und aus ihrer Mitte leuchtete ein Licht, vielleicht stecknadelkopfgroß, aber erstaunlich hell. Sie nahm die kleine Rose und stellte sie auf den Flurschrank, um ihren nächtlichen Weg zu beleuchten. Zurück im Bett brauchte sie eine ganze Weile, um die richtige Position zu finden, egal, wie sie sich drehte, der Rücken tat ihr weh. Durch die geschlossenen Augen nahm sie das Licht aus dem Flur wahr. Kaum merklich hob sich die Matratze und entlastete ihre Lendenwirbelsäule. Mit einem wohligen Seufzer schlief sie wieder ein.
Als sie am Morgen erwachte, fühlte sie sich so gut wie lange nicht mehr. In den letzten Monaten hatte sie den Weg zum Bäcker oft gescheut, nun aber hatte sie Lust auf frische Brötchen. Sie zog sich an und verließ das Haus bei strahlendem Sonnenschein. Vögel zwitscherten in den Bäumen, es roch nach Frühling.
»Guten Morgen, Monika!« rief ihr Nachbar zu ihr hinüber. Sie winkte grüßend zurück. Seltsam, dachte sie, der hat doch seit Jahren kein Wort mehr mit mir gesprochen? Sie setzte ihren Weg fort, staunte, dass der Gehweg nicht mit Autos zugeparkt war und erreichte nach wenigen Minuten die Bäckerei. Schon draußen drang ihr der Geruch von  Brötchen und Kaffee in die Nase, und, ach ja, ein Croissant konnte sie sich doch auch einmal gönnen, oder? Sie überschlug im Kopf schnell, wie viel Geld sie noch in der Börse hatte, würde es reichen?  
»Wer ist der Nächste, bitte?«
Monika trat an die Ladentheke und bestellte: »Zwei Mohnbrötchen und ein Croissant, bitte.«
Die Bäckersfrau lächelte sie an.
»Croissants gibt es heute geschenkt, wegen des Jubiläums.« Sie wies auf ein Schild im Schaufenster, das Monika bisher gar nicht gesehen hatte.
»Sie können drei haben, wenn Sie mögen. Kann man ja auch einfrieren, nicht?«
»Danke, gern.« Monika war sprachlos.
Sie schloss die Wohnungstür sorgfältig hinter sich ab und ließ den Schlüssel stecken, setzte Kaffeewasser auf und deckte den Tisch in der Küche. Sogar eine kleine Kerze stellte sie sich hin. Dann ging sie ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Dabei fiel ihr das Nachtlicht wieder in den Blick. Monika achtete stets auf jeden Pfennig. Sie drehte das Lämpchen in den Händen, tastete jedes Blütenblatt ab, schaute sogar unter die Lampe, um den Schalter zum Ausschalten zu finden. »Du dumme, alte Frau, was wird den so ein bisschen Licht kosten?« schalt sie sich selbst und stellte die Lampe wieder auf den Nachttisch. »Au, was sticht denn da?« Ein winziger Dorn unterhalb eines Blütenblattes, so filigran gearbeitet, dass Monika ihn eher fühlte als sah. Sie drückte, empfand einen leichten Schmerz, aber die Lampe war aus. Monika saugte an ihrem Finger, während sie in die Küche schlurfte. Werde ich jetzt senil? Eine Kerze am helllichten Tag? Und drei Croissants? Sie schüttelte den Kopf über ihre eigene Unvernunft, packte zwei der Leckereien ein und warf sie in das Gefrierfach. Auch eines von den beiden Brötchen ging diesen Weg. Ihre Beine schmerzten. Eigentlich hätte sie heute auf den Friedhof gemusst, gießen und Blätter aufsammeln, aber dazu fühlte sie sich nicht wohl genug. Sie würde es sich mit ihrer Decke auf der Couch vorm Fernseher gemütlich machen, morgen könnte sie immer noch fahren.
Als sie in dieser Nacht wach wurde, war ihr, als leuchte das Lämpchen heller als in der Nacht zuvor. Monika stieg aus dem Bett, ging ins Bad, der Türrahmen wich ein wenig zur Seite, so dass sie sich nicht stieß. In der Küche trank sie ein Glas Wasser und schlüpfte dann schnell wieder unter die warme Decke. Sie drehte sich um und schlief sofort wieder ein. Nach einem ausgiebigen Frühstück am Morgen machte sie sich auf den Weg. Vorher nahm sie die Zeitung aus dem Briefkasten und steckte sie in ihre Handtasche. An der Haltestelle musste sie nicht lange warten, der Bus hielt direkt vor ihr, sie stieg ein und fand einen Platz gleich hinter dem Fahrer. Sie genoss die Fahrt durch die Stadt, schaute voller Freude aus dem Fenster und war beinahe enttäuscht, als sie am Friedhof aussteigen musste. Der bärtige Riese mit den Tattoos, der in den Bus einsteigen wollte, machte respektvoll lächelnd Platz und reichte ihr sogar seine Hand, damit sie die Stufe ohne stolpern schaffte. Sie nickte ihm freundlich zu und machte verschmitzt die Andeutung eines Knickses.
»Du glaubst gar nicht, Herbert, wie gut es mir heute geht«, berichtete sie ihrem toten Mann, während sie behände das Grab von Blättern und Unkraut befreite. »Mein Rücken schmerzt kaum. So, schau, alles wieder schön. Dann bis zum nächsten Mal, ja?«
Am Brunnen wusch sie sich ihre erdigen Hände.
»Monika? Bist du das?« Sie drehte das Wasser ab und sah auf. »Lenchen?«
»Monika!« Die beiden Frauen blieben einen Moment voreinander stehen, starrten sich an und fielen einander in die Arme. »Mensch, Lenchen, wie lange ist das denn her? Komm, heute ist ein besonderer Tag, gehen wir hier im Friedhofscafe etwas trinken, und du erzählst mir alles, ja?«
Sie verbrachten den ganzen Nachmittag miteinander. »Warum kommst du mich morgen nicht besuchen? Dann können wir weiter klönen und von alten Zeiten erzählen.« Lenchen fand, das wäre eine wundervolle Idee.
Als Monika zu Hause angekommen war, freute sie sich über das warme Licht in ihrem Flur. Sie schaute auf die Uhr, um sechs würde ihre Serie im Fernsehen beginnen, da hatte sie noch etwas Zeit. Sie suchte in der Küche alles zusammen und begann, einen Kuchen zu backen.  
In dieser Nacht schlief sie beinahe durch, nur einmal, als sie sich zur Seite gedreht hatte, wurde sie kurz wach. Das Licht auf dem Flur leuchtete, alles war gut.
Voller Elan sprang Monika aus dem Bett, ihr Wecker, den sie seit Jahren nicht brauchte, zeigte an, dass es schon bald nicht mehr Morgen war, halb zehn, ja war denn das zu fassen? Staunend über sich selbst den Kopf schüttelnd ging sie ins Bad. Sie schaute in den Spiegel. Eine alte etwas ungepflegte Frau schaute ihr entgegen, die Haare ohne Schnitt und Frisur, und die Farbe? Klar wurde sie grau, sie war ja auch nicht mehr die Jüngste, aber diese Farbe war exakt die, die der Köter von nebenan auch hatte. Sie musste unbedingt zum Friseur, bevor Lenchen kam!
»Sie strahlen ja so«, die Friseurin rückte den Wärmestrahler  zurecht und legte ein paar Zeitschriften vor Monika. »Ein Tässchen Kaffee dazu? Oder ein Gläschen Sekt?« Monika wählte den Sekt, und während sie darauf wartete, dass ihre Haare trocken wurden, schloss sie die Augen und genoss das Gefühl, verwöhnt zu sein. Wie gut es ihr in den letzten Tagen ging. Das Treffen mit Lenchen… mehr als fünfundzwanzig Jahren hatten sie sich nicht mehr gesehen, und dann trifft man sich einfach so am Friedhofsbrunnen. Heute Nachmittag würden sie Kaffee trinken und Kuchen essen. Wie lange hatte sie keinen Besuch mehr gehabt? Nur Torben, ihr jüngster Enkel, war vor ein paar Tagen da gewesen. Was hatte er eigentlich gewollt? Die Kinder kamen doch nie, ohne etwas zu wollen. Und er? Er hatte die Rose mitgebracht, war aber fast sofort, nach einem schnellen Glas Wasser, wieder gegangen. Die Rose…
»So, jetzt wollen wir mal sehen.« Die Friseurin entfernte die Wickler und kämmte das Haar durch, hielt den Spiegel hoch und sagte noch einmal: »Sie strahlen so! Frisur und  Farbe stehen Ihnen aber auch wirklich gut!«
Beschwingt ging Monika heim. Allein dass sie noch so kurzfristig einen Termin im Haarstudio bekommen hatte, grenzte an ein Wunder. Sie traute ihrer Ohren kaum, als von der anderen Straßenseite ein Pfeifen erklang, gerade wie in ihrer Jugend. Sie schaute hinüber, ein Straßenkehrer, wohl zwanzig Jahre jünger als sie, verneigte sich und zog einen imaginären Hut, dann pfiff er noch einmal. Monika errötete und lief schnell vorbei. »Eigentlich ja entzückend«, dachte sie, »aber in meinem Alter?«
Sie tat einen Schritt zur Seite, um dem Fahrradkurier auszuweichen, der mit unfassbarem Tempo an ihr vorbei flitzte. Dabei kam sie ins Straucheln. »Hoppla!« rief die hübsche blonde Frau, fasste sie am Arm und bewahrte sie so vor einem Sturz auf die Straße. Wo kam die denn so plötzlich her? Bevor Monika sich auch nur bedanken konnte, war die Frau wieder verschwunden.
Nachdenklich schloss Monika ihre Wohnungstür auf. Das grelle Licht im Flur blendete sie, aber etwas in ihr hielt sie davon ab, die kleine Lampe wieder auszuschalten. Das Telefon schellte, ein so seltenes Geräusch, dass Monika zusammenzuckte.
»Ich komme etwas später«, erklärte Lenchen. »Aber wir werden zusammen Kaffee trinken, versprochen!«
Monika legte auf. Sie ging in die Küche, um Wasser aufzusetzen, dann deckte sie den Tisch im Wohnzimmer. Auch hierher drang der grelle Schein der Lampe. Ob sie nicht vielleicht doch besser … sie legte die Kuchengabeln neben den Teller, und das helle Licht reflektierte in den Zinken. Selbst die Teller reflektierten das helle Licht. Alles war hell. Monika rieb sich die Augen. Nun noch zwei Gläser für den guten Sherry, den sie zu Weihnachten bekommen hatte, den wollte sie mit Lenchen teilen! Sie hob die Gläser gegen das Licht - würden sie sauber sein? Tausendfach strahlte das Licht zurück, brach sich im Kristall des Glases, blendete so, dass Monika es aufschreiend fallen ließ. »Ich muss die Lampe ausmachen«, dachte sie und ging  auf das Licht im Flur zu.

Ein aufmerksamer Nachbar rief die Polizei, nachdem er seit mehreren Tagen nichts mehr von Monika gehört hatte. Im Briefkasten steckten noch die Zeitungen der letzten Woche. Sie brachen die Tür auf und fanden sie, eine alte Frau mit schmerzlich verzerrtem Gesicht, die Haare etwas zu lang und sehr grau. Sie lag im Flur vor einer kleinen Kommode, auf der gerahmte Bilder mit verschlissenem Trauerband standen: ihre Eltern, ihr Mann, ihre Freundin Helene. Dazwischen eine kleine, metallene Rose.
Aber das Licht war erloschen.

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Raven1303
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BeitragVerfasst am: 18.10.2020 21:59    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber/e Unbekannte/r,

was für ein trauriges Ende! Ich hätte der alten Damen ihr Zauberlicht sehr gegönnt! Dein Ende sorgt aber für eine spannende überraschende Wendung.
Ein paar Fehlerchen habe ich beim Lesen gefunden.
die geforderte Szene und das Licht sind da. Das schmerzverzerrte Gesicht passt für mich nicht ganz. Wegen der Rose hatte sie doch schöne Visionen im Tod.
Gerne gelesen!
Liebe Grüße

Edit: leider habe ich viel zu wenig Punkte zu vergeben! Dass mir dein Ende nicht so gut gefällt und dass andere Geschichten mehr phantastische Elemente haben, hat deine Geschichte leider nach unten gedrängt. Das ist sehr schade, denn gefallen hat sie mir auch!


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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.
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Und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm? Oder ein großer Gesang... (R.M. Rilke)
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hobbes
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Beiträge: 3675

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 19.10.2020 18:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hä? Verstehe ich nicht (das Ende bzw. was ihr jetzt eigentlich passiert ist).

Ansonsten bin ich versucht zu schreiben: Eine nette Geschichte. Dafür, dass sie mit einem pochenden Herzen angefangen hat und die Nacht dann auch noch stockfinster war (zu oft gelesen), hat sich das dann doch ganz gut gelesen. Ganz gut, aber leider irgendwie auch zu harmlos.


*

Ich hatte am Ende acht Geschichten für die letzten zwei Punkte zur Auswahl. Dass du keinen abbekommst, liegt allein daran, dass mich zwei andere einfach einen Tick mehr angesprochen haben. So ganz subjektiv und persönlich.
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Stefanie
Reißwolf


Beiträge: 1323



BeitragVerfasst am: 19.10.2020 18:48    Titel: Antworten mit Zitat

Guter Schreibstil und nette Idee, nur das Ende lässt mich etwas ratlos zurück. War das alles nur in ihrer Phantasie?
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Westmonster
Schmierfink


Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 19.10.2020 20:03    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne Idee.
Ich war mir erst nicht ganz sicher, ob das Phantastik ist, weil es ja einfach um das Erleben vor dem Tod geht. Aber dann war ich mir nicht ganz sicher, ob es einfach um das Erleben vor dem Tod geht.
Jedenfalls habe ich es gern gelesen und mich über all die positiven Erlebnisse gefreut, die du ihr noch gegönnt hast. Ehrlich, ich habe beim Lesen mehrfach gelächelt, weil ich mir so schön vorstellen könnte, wie jemand nach einem lange Zeit geradezu asketischen Leben endlich mal wieder ein Croissant genießt, eine Freundin wieder trifft, neue Erfahrungen macht. Das waren für mich richtig schöne Sinnbilder für die Dinge, die man für selbstverständlich hält und vielleicht auch mal auf morgen verschiebt, weil man meint, es sei ja noch viel Zeit. Ich kann mir vorstellen, dass das so Dinge sind, von denen man sich auf dem Sterbebett wünscht, mehr gehabt zu haben, sie besser wertgeschätzt zu haben.
Seit dem ersten Lesen deiner Geschichte sind jetzt schon einige Tage vergangen, und ich denke immer wieder mal über sie nach.


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silke-k-weiler
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Beiträge: 509



BeitragVerfasst am: 20.10.2020 19:05    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Text,

in Deinem Verlauf zeichnet sich das Ende schon ab. Das ist nicht das Problem und völlig in Ordnung. Dass Monika am Ende stirbt oder tot aufgefunden wird, damit hatte ich also gerechnet. Dass das Licht dabei eine Rolle spielt, auch. Ich glaube das Problem ist, ich hätte mir ein zufriedeneres Ende für sie gewünscht. Kein Auffinden im Flur mit schmerzlich verzerrtem Gesicht. So bleibt etwas zurück, das ich nicht ganz zu greifen bekomme. Die Szenen, die sie erlebt hat, assoziiere ich mit dem Übergang, mit ihrem Sterben, und in ihrer Gesamtheit waren sie erfreulich. Durch den Schlussteil fühle ich mich fast ein bisschen betrogen. Hm ...

Ansonsten sprachlich nichts zu meckern, sehr gerne gelesen.
Auch die Vorgaben sind erfüllt. Ich packe Dich einfach mal für die nächste Runde ein.

Viele Grüße
Silke
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 21.10.2020 17:24    Titel: Antworten mit Zitat

Zuerst fand ich die Blässe des Alltags recht langweilig. Ein Friseurbesuch - was für ein Highlight Rolling Eyes
Aber unter der Prämisse der Geschichte sehe ich das alltäglich Erzählte, dieses öde Dahinsprudeln von alltäglichen Verrichtungen in einem anderen Licht. Wenn man das noch stärker fokussiert, origineller verpackt und sprachlich frischer bekommen hätte, stände die kleine Erzählung in meiner persönlichen Wertung mit auf den ersten Plätzen.

Punkteedit:

Du bekommst meinen letzten Punkt und du hast die Hermine verdrängt, deren Tonalität und den Mut dazu ich eigentlich würdigen wollte.
Und warum? Weil du mich ganz persönlich triffst, auf eine Art, die weder zwingend, noch offensichtlich kalkuliert ist und das mag ich.


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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V.K.B.
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Alter: 47
Beiträge: 3060
Wohnort: Nullraum
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 21.10.2020 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo unbekannter Autor, Autorin, heimlich mitschreibende KIs, magische Wesen oder was auch immer,

Ich kommentiere direkt beim ersten Lesen und während ich lese, damit die Leseeindrücke so frisch wie möglich sind. Daher kann es sein, dass ich mal auf etwas hinweise, was sich später im Text noch klärt.
Disclaimer vorweg: All meine Kritiken sind in diesem Wettbewerb hochgradig subjektiv und bedeuten damit eigentlich gar nichts, außer wie mir ein Text persönlich gefallen hat. Ich neige zu Sarkasmus und mache mich auch gerne mal über Dinge lustig. Ich bitte diejenigen, die eine gefühlt zu harte Kritik von mir abbekommen, das nicht persönlich und mit Humor zu nehmen, denn es ist ganz bestimmt nicht böse gemeint. Ich nehme aber auch kein Blatt vor den Mund, wenn jemand seinen Text bei einem Wettbewerb der ungeschönten und schonungslosen Kritik vorwirft. Wer ein Problem damit hat, möge das Lesen meines Kommentars an dieser Stelle abbrechen.

So, los geht‘s, you have been warned …


Zitat:
Es war es stockfinstere Nacht.
Irgendwas passt da nicht. Das fängt ja gut an …

Zitat:
Eine Kerze am helllichten Tag? Und drei Croissants?
Oh, dieses Licht scheint ja mächtige Auswirkungen zu haben. Schön gezeigt.

Zitat:
Sie schaute in den Spiegel. Eine alte etwas ungepflegte Frau schaute ihr entgegen, die Haare ohne Schnitt und Frisur,
Och nee, das Spiegel-Klischee zum Beschreiben hättest du dir besser geschenkt. Das wirkt immer so aufgesetzt …

So, bin durch. Oha, noch eine richtig tolle Geschichte kurz vorm Ende (fünftletzte, die ich lese). Ich glaub, ich kann jetzt schon mutmaßen, dass die Punkte kriegt. Wo hat Torben eigentlich den Job als Psychopompos her? Oder war er es gar nicht, sondern jemand/etwas anderes, das nur wie er aussah? Ich bin jetzt erstmal in der fantastisch-wunderbaren Interpretation nach Todorows Literaturtheorie. Der passt hier, denn deine Geschichte fällt genau in das, was er "fantastisch" nannte, nämlich die Möglichkeit einer unheimlichen (=Täuschung, Wahn) und einer wunderbaren (=übernatürlichen) Leseweise. Deine Geschichte bietet tatsächlich beide, und beide wirken befriedigend für den Leser. Die verbitterte alte Dame darf noch einmal aufblühen (die Rose als sehr schönes Symbol, auch der Stacheln eingedenk) und genießt noch einmal die Lebensfreude, die sie schon lange vergessen hatte. Wahrscheinlich findet das alles nur in ihrem Kopf statt, aber welchen Unterschied macht das hier? Poes "Yet if hope has flown away, in a night or in a day, in a vision or in none, is it therefore the less gone?" in reverse sozusagen, denn hier entfliegt die Hoffnung ja niemandem, sondern kommt zurück. Aber war das weniger wert, wenn es nicht real war? Pah, was ist schon Realität, "death is the road to awe", um mit Clint Mansell (Komponist) zu sprechen. Was bleibt, sind die beiden Interpretationen, ob das Licht (und die titelgebende Macht) der Rose real waren oder nur eine letzte Einbildung. Für Monika macht es keinen Unterschied, und für den Leser letzendlich auch nicht. Eine tolle Geschichte, die ich sehr berührend fand und die auch noch gut geschrieben ist, was will man mehr?

Definitiv unter meinen Favoriten und sehr gerne gelesen,
Veith

meine Nummer 2, 10 Punkte


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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Rodge
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 624
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 22.10.2020 10:02    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde es gut geschrieben, aber so richtig warm geworden bin ich mit der Geschichte nicht, irgendwie ist mir das Ende zu deprimierend...
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 410



BeitragVerfasst am: 22.10.2020 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

Eine alte gebrechliche Frau stirbt. Sie erlebt ihr Sterben als Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit, aber durchwegs positiv und schön; ihre Schmerzen verschwinden, sie wird aktiv und erlebt in ihrer Umgebung nur positive Überraschungen.

Vorgaben:
  => Unfall und Verfolgungsjagd scheiden aus. Eine völlige Stille und Bewegungslosigkeit ist schwer zu verargumentieren.
  => Zentrale Rolle des Lichtes: In Form der leuchtenden Rose erfüllt.
  => Phantastische Elemente: Gegeben.

=> Vorgaben nicht erfüllt.

Ausgestaltung:

Eine sehr liebevoll und empathisch gestaltete Darstellung eines Lebensendes. Leider sind viele Sätze zu lang, das Komma ist definitiv überbenutzt. Gerade bei einer sehr ruhigen und in sehr kleinen Zeitschritten erzählten Geschichte ist die gedrungende optische Darstellung durch fehlende Absätze für mich eher störend.

Schade. Auch ein Beitrag, der in einem Wettbewerb mit anderen Vorgaben richtig absahnen könnte, aber Vorgaben sind Vorgaben.
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Katinka2.0
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 265



BeitragVerfasst am: 23.10.2020 16:00    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Autor/in,

ich nehme an, du hast die Vorgabe ›völlige Bewegungslosigkeit und Stille‹ gewählt, da deine Protagonistin im Bett liegt. Den ersten Satz finde ich dahingehend etwas ungeschickt. Wörter wie pochte heftig oder viel zu schnell implizieren Bewegung.
Das, was die Rose zu bewirken vermag, erschließt sich aus dem Text, leider verstehe ich das Ende nicht und bin auf die Aufklärung gespannt. Im Vergleich zu anderen Wettbewerbsgeschichten könntest du aus meiner Sicht sprachlich noch ein wenig nacharbeiten.

LG Katinka
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MoL
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Beiträge: 1590
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 23.10.2020 20:28    Titel: Antworten mit Zitat

Leerer Kommentar. Auf Wunsch kann ein ausführliches Feedback gern bei mir erfragt werden.

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"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
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Taranisa
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BeitragVerfasst am: 25.10.2020 13:33    Titel: Antworten mit Zitat

Beim Anfang kann man mit viel gutem Willen noch "Bewegungslosigkeit" gelten lassen (Punktabzug), dafür finde ich die Idee der verjüngende Leuchtrose und die Darstellung der alten Dame sehr gelungen. So hat sie, bis sie -nicht die Wirkung der Rose erkennend- starb, noch eine schöne, lichtvolle Zeit gehabt.

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Kojote
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BeitragVerfasst am: 25.10.2020 16:56    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend!

Mir hat‘s gefallen!

Was die Freude ein wenig trübt ist im ersten Drittel eine gewisse Langatmigkeit, bzw. ein Aufzählen von Details, die nicht von Bedeutung sind. Am Ende des Textes war ich dennoch froh, durchgehalten zu haben, denn der Text basiert auf einer tollen Idee und auch die Umsetzung hat was.


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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 25.10.2020 22:02    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag, wie das kleine Licht der Rose alles so schön gut macht.
Die Beispiele dafür sind gut beschrieben.

Der letzte Abschnitt, die Erklärung, nimmt mir aber den Zauber.
Meinetwegen hätte die Geschichte davor aufhören können.
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shatgloom
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BeitragVerfasst am: 26.10.2020 16:32    Titel: Antworten mit Zitat

Was mir gefällt:

Eine schöne und auch traurige Geschichte, in die ich mich gut hineinversetzen konnte. Mal ein etwas anderes Thema, als die anderen Texte haben.

Was ich vermisse:
Der Anfang ist mir ein bisschen zu emotional (heftig pochendes Herz und Schweißausbrüche), um für mich still und bewegungslos zu sein.

Hat mir insgesamt gut gefallen.
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Constantine
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Beiträge: 2967



BeitragVerfasst am: 26.10.2020 20:46    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour Inko,

Was erfährt der Leser über den Ursprung der Rose bzw. Motivation von Torben?

Zitat:
Nur die kleine Rosenblüte aus Metall, die Torben ihr gestern mitgebracht hatte


Zitat:
Nur Torben, ihr jüngster Enkel, war vor ein paar Tagen da gewesen. Was hatte er eigentlich gewollt? Die Kinder kamen doch nie, ohne etwas zu wollen. Und er? Er hatte die Rose mitgebracht, war aber fast sofort, nach einem schnellen Glas Wasser, wieder gegangen. Die Rose…


Eigentlich müsste ich sagen, wie erfrischend es ist, mir nicht ins Detail zu erklären, wer was wie warum tut, aber in diesem Fall erhalte ich eine Geschichte erzählt, und denke, mir, müsste die Story nicht aus der Sicht von Torben erzählt werden, die sie mir interessanter gemacht hätte. Stattdessen wird mir eine Geschichte über Monika erzählt, die selbst wie eine Rose kurz aufblüht, etwas Freude, Freundschaft und Frieden spürt und dann stirbt. Das Mystery-Element finde ich gut gewählt, erinnert dein Beitrag an eine Episode aus der Twillight Zone, die gerne mit einer Message abschließt. Hier könnte es "Carpe Diem" sein, bevor es zu spät ist. Well.

Am Ende kommt ein harter Perspektivwechsel
Zitat:
Ein aufmerksamer Nachbar rief die Polizei, nachdem er seit mehreren Tagen nichts mehr von Monika gehört hatte. Im Briefkasten steckten noch die Zeitungen der letzten Woche. Sie brachen die Tür auf und fanden sie, eine alte Frau mit schmerzlich verzerrtem Gesicht, die Haare etwas zu lang und sehr grau. Sie lag im Flur vor einer kleinen Kommode, auf der gerahmte Bilder mit verschlissenem Trauerband standen: ihre Eltern, ihr Mann, ihre Freundin Helene. Dazwischen eine kleine, metallene Rose.
Aber das Licht war erloschen.

Dieser Teil steht für sich allein, wie ein Fremdkörper im gesamten Text. Ich mag verstehen, warum dies verfasst worden ist, finde aber die Entscheidung, dies mittels Perspektivwechsel an den Leser transportiert zu bekommen, leider misslungen und trübt den eigentlich gut gemeinten Mystery-Faden mit diesem aufgesetzten Epilog.

Im Vergleich mit den Beiträges des Wettbewerbs überzeugt mich dein Beitrag insgesamt leider nicht, um in meiner Top Ten zu landen. Es tut mir leid: zéro points.

Merci beaucoup.
Constantine
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anderswolf
Geschlecht:männlichEselsohr


Beiträge: 499
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 27.10.2020 10:29    Titel: Antworten mit Zitat

Tote Oma. Oder: Monika und die Blume des Todes.

Bis zum letzten Abschnitt konnte man glauben, der schlimme Torben habe der Oma verfluchten Nippes geschenkt, um schneller an die Erbschaft zu kommen. Und dann ist sie einfach nur gestorben und ein paar Tage nicht gefunden worden. Wie es halt manchmal so geht, wenn RentnerInnen auf den letzten Lebensmetern feststellen müssen, dass sie die ganze Familie vergrätzt haben, so dass noch nicht mal die eigenen Kinder mehr anrufen und sich kümmern und nur alle paar Jubeljahre ein Enkel vorbeikommt, um Unbrauchbares abzuladen.

Formal ok. Geschichte beginnt in Reglosigkeit und Stille, Licht ist eindeutig da (bis es weg ist), ins Fantasy-Regal würde ich die Geschichte vielleicht nicht einräumen, phantastische Elemente sind aber enthalten. Sprachlich ist das größtenteils ok, ab und zu dürfte das kritische Publikum über Plotlöcher oder Unwahrscheinlichkeiten stolpern, aber wir sind ja in einem Wettbewerb mit Zeitdruck, da kann sowas schon mal passieren.
Ansonsten möchte ich keine Geschichten mehr lesen, die mit einem Pronomen beginnen, wenn es nicht einen Grund hat, dass das Publikum den Namen der handelnden Figur nicht sofort erfahren soll. In diesem Fall wirkte das auf mich nicht so, sondern mehr so, als hätte die Autorenschaft gedacht, "Ihr Herz pochte heftig" klänge spannender als "Monikas Herz pochte heftig".

Keine Punkte.
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nicolailevin
Geschlecht:männlichLeseratte


Beiträge: 150
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 27.10.2020 17:23    Titel: Antworten mit Zitat

Monika ist alt und allein. Sie hat es nicht leicht, die Rente ist knapp, der Körper kann nicht mehr so wie einst, aber sie trägt ihr Schicksal wacker. Als ihr Enkel ihr eine metallene Rose mit Licht schenkt, fallen alle Widernisse von ihr ab, ihre Umwelt behandelt sie optimal und sie erlebt ein paar unerwartete überaus glückliche Tage, bis die Rose erlischt und sie stirbt.

Die formalen Anforderungen mögen erfüllt sein, aber die Geschichte ist doch eine sehr diesseitige und reale. Gegenwartsliteratur unter dem Tarnmantel der Phantastik, warum auch nicht? Der Beitrag ist routiniert und sicher formuliert, ein berührender Text über das Altsein und seine Unbilden.

Gibt es denn gar nix zum Meckern? Doch. Ein bisschen.

Wie Monika lakonisch ihren Alltag meistert, wird sehr zurückgenommen geschildert, das ist natürlich gut (subtil ist ja allemal eleganter als Holzhammer), aber es macht es dem Leser schwerer, das Ausmaß der Segnungen zu ermessen, die Monika widerfahren. Wie würde etwa der Typ am Bus, der sie freundlich aussteigen lässt, sonst reagieren? Beim Bäcker mit dem Geld im Portemonnaie wird das sehr schön angedeutet, wie sie sonst immer knapsen muss, bei anderen Begegnungen fehlt mir diese Verstehhilfe.

Die Tage des Glücks sind für meinen Geschmack ein wenig zu beliebig aneinandergereiht. Da hätte ich mir mehr Ökonomie gewünscht: Die Kleinigkeiten nebenbei und die großen Ereignisse etwas ausgiebiger und in einer klimaktischen Anordnung. Gerade Lenchen, die doch überragende Bedeutung für Monika zu haben scheint – die taucht so unvorbereitet auf, dass man sie gar nicht einordnen kann. Eine Idee wäre auch gewesen, Monika eine aktivere Rolle zu geben – die nimmt ja einfach nur, was ihr in den Schoß fällt: Sie könnte stattdessen mal eine kritische Situation bewusst herbeiführen, um ihr Schicksal herauszufordern.

Punkte: 4
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Yorinde
Geschlecht:weiblichLeseratte

Alter: 32
Beiträge: 169
Wohnort: Stendal


BeitragVerfasst am: 27.10.2020 21:14    Titel: Antworten mit Zitat

Eine schöne, kleine Geschichte, ein wenig wie ein Märchen. Es ist natürlich nicht ganz so viel Phantastik vorhanden, wie in manch anderer Geschichte, aber mit dem geheimnisvollen Licht, das scheinbar die Umstände und die Umgebung verändert, ja trotzdem gegeben.

Irgendwie auch traurig am Ende (ein bisschen wie beim Märchen von dem Mädchen mit den Schwefelhölzern), aber auch etwas vorhersehbar. Wink

Nur die plötzlich auftauchende blonde Frau beim Fahrradkurier konnte ich nicht einordnen. Wenn das nicht wichtig ist für die Geschichte, würde es auch nicht fehlen, wenn du es streichst.

Liebe Grüße, Yorinde


_________________
Es heißt, das Leben schreibe die besten Geschichten. Hin und wieder sollten wir dem Leben aber auch einen Stift leihen.
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Maunzilla
Klammeraffe


Beiträge: 794



BeitragVerfasst am: 30.10.2020 06:36    Titel: Antworten mit Zitat

Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Nicht allein die Idee, sondern auch die Ausführung ist nahezu perfekt. Die Geschichte hat einen Spannungsbogen und ein überraschendes Ende. So wie es sich für eine gute Short Story geziemt.

_________________
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Abari
Geschlecht:männlichAlla breve

Alter: 39
Beiträge: 1365
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 31.10.2020 14:11    Titel: Antworten mit Zitat

Awww. Die Geschichte ist gut, gefällt mir sehr.

_________________
Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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