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Fantasyroman - erstes Kapitel


 

 
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Rapunzel
Gänsefüßchen


Beiträge: 42



BeitragVerfasst am: 18.10.2020 08:26    Titel: Fantasyroman - erstes Kapitel eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen, liebes Forum. Ich habe mich gestern einfach einmal hingesetzt und meine neue Idee aufgeschrieben. Es geht um Chiara, die in einer Fantasywelt aufwächst. Diese ist jedoch nicht "normal" - sie befindet sich im Krieg, was auch große Auswirkungen auf das Leben von Chiara hat.
Hier ein Ausschnitt meines erstes Kapitel. Meine Frage ist vor allem, ob der Beginn mit dem Vampir "too much" ist, also zu unmittelbar in die Fantasywelt eingeführt wird. Vampire kommen übrigens im Rest der Geschichte NICHT vor, bzw. nehmen sie keine herausragende Rolle ein. Der Roman soll für Jugendliche/junge Erwachsene sein.
Über jegliche Rückmeldung würde ich mich sehr freuen!

„Vergiss es!“
Der Typ fixierte mich. 
„Ohne Ausweis kommst du hier nicht rein“, blaffte er mich an.
Ich hörte das Scharren der Füße hinter mir und schnaufte. Ganz toll, Chiara, und jetzt? Wo nur war der alte Justus?
„Hören Sie, ich habe keinen-“, begann ich, aber der Kerl unterbrach mich sofort. „Dann scher dich weg!“
Beistimmende Rufe aus der Menge hinter mir. Lass dir was einfallen, schnell.
Nur was? Jedes Kind wusste, dass man in Aquitania nirgends herein oder heraus kam, wenn man keinen Pass bei sich trug. Das Problem war nur, ich hatte meinen nicht etwa zuhause auf dem Küchentisch liegen lassen. Ich besaß keinen. Und ich musste unbedingt die Absperrung überqueren, denn mein Zuhause befand sich hinter dieser.
„Signor, bitte ich-“
„Er sagte, du sollst abhauen!“ Fantastisch, jetzt mischte sich auch noch der Mann hinter mir ein. Verzweifelt schiel-te ich über die Schultern des Soldaten vor mir. Nirgends auch nur das leiseste Anzeichen von Justus. Stattdessen griffen Wurstfinger von hinten nach meiner Schulter, bohrten sich in meine Haut und ich unterdrückte ein Stöhnen. „Hör auf alle aufzuhalten!“, zischte es in mein Ohr und ein fauliger Atem schlich sich in meine Nase.
Du solltest auf sie hören … Aber ich musste doch irgendwie die Grenzkontrollen passieren. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Es war nicht fair … ich hatte ein solches Glück gehabt, als ich vor Jahren auf den alten Justus gestoßen war. Einen Soldaten mit Herz! Schwieriger zu finden als ein vierblättriges Kleeblatt in der Wüste. Und jetzt sollte sich mein Schicksal einfach so mir-nix-dir-nix wenden? Nach dem Motto - du hast jetzt lang genug von Fortunas Früchten genascht, nun ist es Zeit, das wahre Leben kennenzulernen. Ohne einen gutmütigen Krieger, der dich ohne Ausweis passieren lässt.
Dann kann ich mich auch gleich umbringen.
„Du hörst mir nicht zu, oder?“ Ein Ruck an meiner Schulter,  mein Körper wurde nach hinten geschleudert und schon starrte ich in die Augen meines Hintermanns. Augen so schwarz wie die Nacht. Auch das noch … der Typ war ohne Zweifel ein Vampir. Panik quetschte sich in meinen Körper. Mein Blick huschte über die lange Warteschleife, die sich durch meine Diskussion gebildet hatte. Die meisten Leute schauten genervt aus, einige blickten gestresst auf ihre Uhr, aber es gab auch Personen, die meinen Blick voll Hohn erwiderten. Von diesen Menschen würde mir keiner helfen, wenn sich der Blutsauger gleich mit vollem Karacho auf mich stürzte.
„Ich wollte eh gehen“, sagte ich und versuchte, so beiläufig wie möglich zu klingen, was durch das Zittern meiner Stimme verhindert wurde. Der Vampir grinste und entblößte dabei seine schneeweißen Fangzähne. Mir fröstelte.
„Also dann …“ Ich wand mich aus seinem Griff und wich einige Schritte zur Seite aus. „Dann lasse ich euch allen einmal den Vortritt.“ Unbeholfen hob ich die Hand zum Gruß und taumelte weitere Meter nach hinten. Wende ihm auf keinen Fall deinen Hals zu. Hungrige Augen verfolgten mich, während Leben in die Menge zurückkehrte. Jetzt, wo der Störenfried endlich den Platz freigemacht hatte, gab es für die Menge nur noch einen Gedanken: Endlich durch die Grenzkontrolle kommen! Ich konnte nur hoffen, dass der Vampir nicht genug Hunger hatte, um seinen Platz aufzugeben und ein erneutes Anstehen über sich ergehen zu lassen. 
„Ihr Ausweis bitte!“ Der Soldat klopfte ungeduldig mit seinen Fingern auf den Tresen, doch der Vampir reagierte nicht. Obwohl ich bereits Meter zwischen mich und ihn gebracht hatte, sah ich die Gier auf seinem Gesicht. Ein kleiner Mädchenhappen zwischendurch, ohne die nervigen Beschwerden anwesender Eltern und selbst vor den Augen eines uninteressierten Kriegers … Ich konnte regelrecht sehen, wie verleitet er war, diese Chance zu ergreifen. Mit schwitzenden Händen stolperte ich einen weiteren Schritt nach hinten. Vielleicht sollte ich doch rennen? Aber ich hatte auf dem Markt genug Geschichten aufgeschnappt, die von Vampiren handelten, deren Opfer den Blutrausch durch eine Flucht erst vollständig ausgelöst hatten. Wie bei einem Wolf, dessen Beute begann, davonzulaufen. Nein, wenn ich schon als Vampir-Cocktail endete, dann wenigstens mit Stil. Zumindest soweit das möglich war, wenn einem jemand das Blut aus den Adern saugte.
„Was ist jetzt, wollen Sie passieren, oder nicht?“ Das Trommeln der Finger wurde lauter. Der Kerl hinter den Vampir drängelte immer mehr. Ganz offensichtlich musste er keine Angst haben, ausgesaugt zu werden. Tja, er hat sich eben gerade nicht als ausweisloses Wesen zu erkennen gegeben …
Die Zeit stand still. Noch immer wagte ich es nicht, mich umzudrehen. Wie ein Idiot lief ich rückwärts. Mein Herz flatterte. Dann endlich zog der Vampir einen zerknitterten Ausweis aus seiner Hosentasche, der Soldat nickte und der Kerl verschwand durch die Absperrung hindurch.
Meine Fäuste lösten sich, als ich die angehaltene Luft ausstieß. Gott sei Dank … ich drehte mich um und rannte. Auch wenn der Vampir sich ganz offensichtlich gegen einen Chiara-Eintopf entschlossen hatte, konnte es nicht schaden, so viel Abstand wie möglich zwischen ihn und mich zu bringen.
Erst als ich wie ein fetter Troll bei einem Marathonlauf keuchte und mich mein Seitenstechen fast um den Verstand brachte, blieb ich stehen und blickte mich um. Häuser mit vernagelten Fenstern. Neonfarbenes Graffiti. Die Überreste einer Hundehütte, in der bereits seit Jahren kein Tier mehr gewohnt hatte. Und ein Gestank, der mich die Nase rümpfen lies. Kurz gesagt: es sah so aus wie überall sonst in Oblivscere, der vergessenen Stadt. Trotzdem wusste ich genau, wo ich war. Okay, vielleicht nicht genau, aber ich hatte zumindest mehr als eine leise Ahnung davon, in welchem Stadtteil ich mich befand. Geradeaus musste es zum Bahnhof gehen, beziehungsweise zu den Ruinen, die davon übrig waren. Sicherlich nicht die Gegend, in der man nach Einbruch der Dunkelheit noch sein wollte. Es wimmelte dort nur so von Bergtrollen, die sich die große Bahnhofshalle zu ihrem Eigen gemacht hatten. Bestimmt genossen sie es, sich endlich einmal nicht die Köpfe an Decken anzustoßen. Also geradeaus war keine Option … denk nach, Chiara, wo kannst du sonst hingehen? Schon seit Jahren war ich nicht mehr nachts in Oblivscere gewesen. Seit damals, als … aber es half nichts, in der Vergangenheit zu wühlen. Ich brauchte einen Plan, und zwar schnell. Konzentrier dich. Gut, wenn geradeaus der Bahnhof war, befand sich rechts von mir die Feen-Flughalle. Bis heute nicht unbedingt ein gefährlicher Ort, aber die Zwerge, die diese Halle jetzt ihr Zuhause nannten, duldeten keine Eindringlinge. Irgendwie hatten sie es geschafft, ihr Heim mithilfe der Installation verschiedener Fallen bis jetzt zu verteidigen. Was ihnen an Körpergröße fehlte, machten sie offensichtlich durch Intelligenz wieder wett. Nicht genug Intelligenz jedoch, um zwischen einer wahren Gefahr und einem unschuldigen Mädchen zu unterscheiden, das Unterschlupf suchte. Wobei, ich konnte ihnen keinen Vorwurf machen - in Oblivscere waren viele Dinge nicht wie sie auf den ersten Blick schienen. So oder so, die Feenhalle war ebenfalls keine Option. Blieb eigentlich nur -
Der Wald der Wunder.
Meine Nackenhaare sträubten sich bei dem Gedanken daran, in völliger Dunkelheit in einen verzauberten Wald zu hocken. Aber was gab es schon für eine andere Möglichkeit? Außerdem war es ja nicht gerade so, als wohnte ich ansonsten in einem 5-Sterne-Hotel. Auch mein normaler Schlafplatz befand sich zwischen Bäumen. Der einzige Unterschied war, dass sich diese außerhalb der Grenzen Oblivus befanden.
Scharf zog ich die Luft ein. Heute war wirklich nicht mein Tag! Nicht nur, dass der alte Justus an der Grenzkontrolle wie vom Boden verschluckt gewesen war und mich ein Vampir beinahe gefressen hätte. Nein, zusätzlich knurrte mein Magen schlimmer als ein gefräßiger Tiger, da ich kaum genug Geld zusammengesammelt hatte, um mir eine verschimmelte Semmel zu kaufen.
Kopfschüttelnd trottete ich in die Richtung, in der ich den Wald der Wunder vermutete. Wenn das so weiterging, musste ich mir doch eine andere Möglichkeit suchen, Geld zu verdienen. Schon die letzten paar Wochen hatte ich immer weniger Menschen getroffen, die bereit waren, etwas von ihrem Verdienst mit mir zu teilen. Oder die in der Lage waren, je nachdem. Klar, am anderen Ende Oblivus gab es noch intakte Viertel. Dort, wo die Familien der Soldaten wohnten, wo Generäle hausten und einige wenige Großgrundbesitzer sich weigerten, ihr Land zu verlassen. Aber als Normalo wie ich kam man nicht in diese Ecken. Selbst in meinen wildesten Träumen hätte ich es nicht einmal in die Viertel davor geschafft, die, in denen eine Handvoll Familien noch in bürgerlichen Verhältnissen lebten. Nein, solche Gebiete waren weitläufig abgesperrt und besser überwacht also jede Bank Amerikas. Leute wie ich waren darauf angewiesen, die Großgrundbesitzer abzufangen, wenn sie ihr Getreide über die Grenzen Oblivus bringen wollten. Dann galt es, schnell zu sein, sich vor ihren Pferdewagen zu werfen und einen möglichst jämmerlichen Eindruck zu hinterlassen, um zumindest einen einzigen Kupfer-Denar zu erhalten. Nicht dass es schwer war, jämmerlich zu wirken. Wenn man soweit gesunken war wie ich, und Leute um Geld anbettelte, kam dieser Eindruck automatisch. Aber als ob der Krieg Oblivus nicht schon genug angetan hätte, war in letzter Zeit immer mehr Gesinde tagsüber in die Stadt geströmt und die Übergriffe auf Pferdewägen hatten zugenommen - und mit ihnen die Sicherheitsmaßnahmen der wenigen Bürger. Ich schielte auf das Loch in meiner Hose, das ich mir zugefügt hatte, als ich im letzten Moment ins Gebüsch gesprungen war, bevor mich der Wagen eines Sicherheitsdienstes überrollen konnte. Doofe Bodyguards.

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Federschwärzer
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Beiträge: 13
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BeitragVerfasst am: 18.10.2020 09:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rapunzel,

liest sich gut und flüssig. Gefällt mir gut.

Wegen deiner Frage zu dem Vampir:
Mir ist nicht klar, wieso der Vampir einfach so Chiara aussaugen könnte, wenn die ganzen Leute um sie sind. Nur weil sie die Warteschlange aufhielt, ist irgendwie zu dünn für mich. Wenn man ohne Ausweis gleich als eine Art "Freiwild" gilt, wäre das etwas anderes. Dann wären die Leute vielleicht auch froh "wie eine los zu sein".

In "ein Vampir beinahe gefressen hätte" würde ich das gefressen gegen ausgesaugt oder so ändern, außer wenn in deiner Welt, Vampire Menschen zerreißen Wink
Ähnlich geht es mir mit dem Wort Chiara-Eintopf. Ein Eintopf hat für mich immer "Fleischeinlage" Cool Chiara-Suppe wäre mir aber zu dünn  (auch wortmäßig Wink ). Vielleicht wäre "Chiara-Snack" was.

Du sprichst von Oblivscere, der vergessenen Stadt und später dann von Oblivus. Sind das die gleichen Orte? Oder ist Oblivus das Land in dem sich Oblivscere befindet? Das ist irgendwie unklar.

Hoffe dass hilft dir weiter.
VG Marco
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