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Monstergeschichte kurz vor dem Schlafengehen


 

 
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schwarzer lavendel
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 141



BeitragVerfasst am: 17.10.2020 09:59    Titel: Monstergeschichte kurz vor dem Schlafengehen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

hab die geschichte mal für mein patenkind geschrieben.


Monstergeschichte kurz vorm Schlafengehen

Urs hat keine Angst.
Er hat keine Angst im Kindergarten, wenn er bei Andrea und Anet ist. Er hat keine Angst am Nachmittag, wenn er mit Mama kuschelt und Bücher anguckt. Urs hat keine Angst, wenn er abends auf Papa ins Bad reitet und Zähne putzt. Er hat nicht einmal auf dem Stuhl von der Zahnärztin Angst.
Urs ist sehr mutig.

Wenn Urs im Bett liegt, hat er Angst.
Überall Schatten. Manchmal knistert es.

Dann schreit Urs ganz laut: »Paaapaaa!«
Urs hat ein Buch mit Monstern. »Paapaa, hier ist ein Munster.«

Zum Glück geht dann im Flur das Licht an. Monster haben Angst vor Licht. Sie verstecken sich. Zum Beispiel unter Urs Bett. Und in seiner Autokiste, zwischen den Büchern und in der Wäschetruhe.

Papa kommt.

Wenn Papa da ist, hat Urs keine Angst. Darum soll Papa im Zimmer bleiben. »Papa, hier sind ganz viele Munster.« Urs sagt immer Munster.

Aber Papa glaubt ihm nicht. »Wo sind denn die Monster, Urs?«

Weiß Papa nicht, daß Munster sich verstecken, wenn es hell ist?
»Aber Papa, wenn Du kommst, verstecken sich doch die Munster.«

Aha!

Papa denkt nach. »Aber Urs, warum verstecken sie sich denn?«

Urs denkt nach. Warum verstecken sich die Munster, wenn Papa ins Zimmer kommt? Weil sie Angst vor Papa haben? Munster, die Angst haben, sind nicht sehr gruslig. Zumindest nicht, wenn Papa da ist.

»Papa, Du darfst bei mir schlafen.«

Aber Papa will nicht bei Urs schlafen. Papa fragt: »Urs, wer hat Dir denn von Monstern erzählt?«

Oma hat ihm ein Buch geschenkt. Mit Munstern.
Papa holt das Buch. Urs schaut sich mit Papa die Monster an. Die Monster sind gruslig und häßlich. Urs bekommt fast wieder Angst. Obwohl Papa da ist.

Papa zeigt auf ein scheußliches Monster. »Darum haben sie Angst vor Licht, Urs. Weil sie so häßlich sind. Da schämen sie sich.«

Urs staunt. Sind Munster denn gar nicht böse?

Monster sind nicht böse. Außerdem sind sie viel zu klein.

Das glaubt Urs nicht. Munster sind riesengroß. Das wissen doch alle.

Aber Papa sagt: »Monster sind klein.«

Er holt aus Urs Bastelschublade ein Lineal.
»Schau Urs, das Monster hier im Buch ist nicht mal halb so groß wie dein Lineal.«

Urs staunt.

Jetzt stellt Papa Urs auf den Teppich. Er legt das Lineal an. Nicht mal bis zum Knie. Urs ist ja viel größer als alle Monster.

Aber warum sagen alle, Munster sind riesengroß? Papa weiß alles über Monster.
Er sagt: »Monster haben ein Geheimnis. Eigentlich sind sie sehr klein. Und häßlich. Darum bleiben sie immer im Dunklen. Damit niemand sie sieht. Aber manchmal hören wir sie. Wenn sie sich besuchen. Oder wenn sie schmatzen. Oder wenn sie einfach nur durch das Zimmer schlurfen.«

Urs lauscht.

»Und nun passiert es. Die Leute haben Angst. Weil sie Angst haben, lassen sie die Monster wachsen.«

Urs staunt.

Munster wachsen!
Aus Angst!

Papa erzählt weiter. »Natürlich bleiben die Monster klein. Aber die Leute denken, sie sind riesig. Und haben noch mehr Angst. Und davon werden die Monster noch größer.«

Urs wundert sich. Aber es muß stimmen. Wie sollten sich die Munster sonst in seiner Autokiste verstecken können.
Vor kleinen Monstern braucht Urs keine Angst zu haben.

Papa macht die Tür zum Flur zu. Im Zimmer ist es fast ganz dunkel.
Papa sagt: »Jetzt verrat ich Dir einen Trick. Stell Dir mal ein Monster vor.«

Urs stellt sich ein Munster vor. Es ist häßlich und winzig klein – wie Munster eben sind.
»So, jetzt lassen wir die Monster wachsen.«

Urs Munster wird immer größer. Erst wie der Tisch, dann schaut es über das Bett und schließlich ist es so groß wie der Schrank. Jetzt bekommt Urs doch etwas Angst. Er klammert sich an Papas Hand.

Papa sagt: »So, Urs. Und jetzt lassen wir die Luft raus.«
Papa bläst die Backen auf; kiekst in die Luft und macht “Pppppfffffftttt.”

Urs lacht. Er kiekst und prustet los “Ppfftt.”
Das Riesenmunster ist verschwunden. Einfach weg.

Urs will noch mal.
Die Monster wachsen.

Und dann lassen Urs und Papa die Luft raus.
»Ppfftt.«
Und:
»Ppfftt.«
Und:
»Ppfftt.«

Urs hat keine Angst mehr.
Papa darf gehen.

Und zur Sicherheit läßt Papa die Tür einen Spalt offen.



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Raven1303
Geschlecht:weiblichEselsohr

Alter: 37
Beiträge: 279
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 17.10.2020 12:21    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir gut. Ist sehr schön geschrieben. Cool der Papa.
Das Ende könntest du vielleicht noch etwas mehr ausklingen lassen.
Lese ich meiner Tochter vielleicht heute Abend vor smile


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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den Nächsten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm und ich kreise Jahrtausende lang.
Und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm? Oder ein großer Gesang... (R.M. Rilke)
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schwarzer lavendel
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Beiträge: 141



BeitragVerfasst am: 17.10.2020 18:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Raven1303 hat Folgendes geschrieben:
Gefällt mir gut. Ist sehr schön geschrieben. Cool der Papa.
Das Ende könntest du vielleicht noch etwas mehr ausklingen lassen.
Lese ich meiner Tochter vielleicht heute Abend vor smile


dankeschön Smile . wäre sehr an ihrer fachkundigen meinung interessiert. ich hab schon gehört, dass es eher wie eine geschichte für den papa klingt.
liebe grüße
charlotte


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Raven1303
Geschlecht:weiblichEselsohr

Alter: 37
Beiträge: 279
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 17.10.2020 20:37    Titel: Antworten mit Zitat

Das Urteil einer sehr belesenen 6jährigen:

"Find ich gut Mama. Wenn ich kleiner wäre, würde mir die Geschichte besser gefallen. Ich hab ja gar keine Angst mehr vor Monstern."

Mehr Details konnte ich ihr leider nicht entlocken, hab's versucht. Laughing


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Mogmeier
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Beiträge: 2200
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BeitragVerfasst am: 17.10.2020 21:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Schwarzer Lavendel / Charlotte,

die Geschichte ist wirklich herzallerliebst geschrieben. Hut ab!

Witzig ist, dass ich gestern auch so eine Geschichte mit ähnlicher Thematik (Kind hat Angst vor ’nem Dämon) hier im DSFo anbrachte (okay, den Konflikt darin hatte ich etwas anders gelöst). Aber die Thematik an sich hat einen gewissen Zauber; vor allem kennt man das mitunter ja noch aus eigener Kindheit. Ich zum Beispiel hatte stets Angst vor dem Blumenmuster einer bestimmten Übergardine (meinetwegen auch Vorhang) in meinem Kinderzimmer. Wenn nämlich der Mond günstig stand, und das tat er ziemlich oft, wurden diese Blumen lebendig und griffen mit ihren Ranken nach mir … und lachten dabei ganz hässlich.

Viele Grüße
Mog


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Laotse
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schwarzer lavendel
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 141



BeitragVerfasst am: 18.10.2020 09:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Raven1303 hat Folgendes geschrieben:
Das Urteil einer sehr belesenen 6jährigen:

"Find ich gut Mama. Wenn ich kleiner wäre, würde mir die Geschichte besser gefallen. Ich hab ja gar keine Angst mehr vor Monstern."

Mehr Details konnte ich ihr leider nicht entlocken, hab's versucht. Laughing


 Smile von fachkindern getestet. vielen dank, das ist schön. ein schönes lob.
und vielleicht frag ich, ob sie die geschichte in den bereich 0-2 verschieben Laughing
sag ihr bitte liebe grüße und vielen dank.
und ich hab auch zwei neue gedichte, falls du magst.
liebe grüße
charlotte


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schwarzer lavendel
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Beiträge: 141



BeitragVerfasst am: 18.10.2020 09:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mogmeier hat Folgendes geschrieben:
Hallo Schwarzer Lavendel / Charlotte,

die Geschichte ist wirklich herzallerliebst geschrieben. Hut ab!

Witzig ist, dass ich gestern auch so eine Geschichte mit ähnlicher Thematik (Kind hat Angst vor ’nem Dämon) hier im DSFo anbrachte (okay, den Konflikt darin hatte ich etwas anders gelöst). Aber die Thematik an sich hat einen gewissen Zauber; vor allem kennt man das mitunter ja noch aus eigener Kindheit. Ich zum Beispiel hatte stets Angst vor dem Blumenmuster einer bestimmten Übergardine (meinetwegen auch Vorhang) in meinem Kinderzimmer. Wenn nämlich der Mond günstig stand, und das tat er ziemlich oft, wurden diese Blumen lebendig und griffen mit ihren Ranken nach mir … und lachten dabei ganz hässlich.

Viele Grüße
Mog


wow, vielen dank, mog.
ich hab deine geschichte gelesen und schreib gleich noch was. die spielt ja noch mal in einer anderen liga. normalerweise schreib ich lyrik. prosa gerät mir immer zu kurz. hab eine kindergeschichte - diese - und einen text über meinen tod. aber den haben sie auch zu einem gedicht erklärt Smile .
umso mehr freut mich dein lob.
liebe grüße
charlotte


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Nina
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Beiträge: 4720



BeitragVerfasst am: 18.10.2020 20:02    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Charlotte,

die Geschichte hat mir gut gefallen. Ich werde sie mir vor dem
Einschlafen noch so oft vorlesen, bis ich einschlafen kann. Sie
ist sehr tröstlich und beantwortet viele Monsterfragen. Schön.

Liebe Grüße
Nina


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schwarzer lavendel
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 141



BeitragVerfasst am: 18.10.2020 21:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

liebe nina,
vielen dank. das freut mich, weil - du weißt ja - ich
sonst nur lyrik schreibe.
und ja, es ist gut, möglichst viel über munster zu wissen.
liebe grüße
charlotte


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