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Hat "digitale Verblödung" auch Auswirkungen auf die Belletristik?

 
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Bildersturm
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 48
Beiträge: 76
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 01.09.2020 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin1980 hat Folgendes geschrieben:

Ich halte nichts von Smartphones, weil ich in meiner Stadt oft genug sehe, wie Leute selbst wenn sie zu Fuß unterwegs sind, dauernd in das blöde Ding glotzen, Teenager sieht man hier fast nur mit dem Phone, die sind schon süchtig danach und daddeln in jeder freien Minute damit rum Rolling Eyes
Die Menschheit sollte sich nicht zu abhängig von Smartphones und dem Internet machen, denn wenn das  mal nicht mehr funktioniert, aus welchen Gründen auch immer, drehen die ganzen Süchtler dann total durch.
Jugendliche und Kinder sollten keinen unbegrenzten Zugang zum Smartphone haben, das sollte altersgerecht eingeschränkt werden. 1 Stunde pro Tag für Kinder und zwei für Jugendliche halte ich für völlig ausreichend.


„So lange die Welt stehet, sind keine Erscheinungen so merkwürdig gewesen als in Deutschland die Romanleserey, und in Frankreich die Revolution. Diese zwey Extreme sind ziemlich zugleich mit einander großgewachsen, und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Romane wohl eben so viel im Geheimen Menschen und Familien unglücklich gemacht haben, als es die so schreckbare französische Revolution öffentlich thut.“

– Johann Georg Heinzmann (1795)

Ein ewiger Kreislauf .... Very Happy
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V.K.B.
Geschlecht:männlich[Error C7: not in list]

Alter: 47
Beiträge: 2913
Wohnort: Nullraum
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 01.09.2020 22:00    Titel: Antworten mit Zitat

Elbenkönigin hat Folgendes geschrieben:
Jugendliche und Kinder sollten keinen unbegrenzten Zugang zum Smartphone haben, das sollte altersgerecht eingeschränkt werden. 1 Stunde pro Tag für Kinder und zwei für Jugendliche halte ich für völlig ausreichend.
Ich weiß nicht, ob ich dem zustimmen kann, denn es könnte auch den gegenteiligen Effekt haben. Sind diese Medien etwas besonderes und zeitbegrenzt, entwickelt man doch nur noch mehr Verlangen danach. Und wenn man dann im Alter ist, wo die Eltern nichts mehr zu sagen haben …
Ich hatte als Kind eine Atari 2600 Spielkonsole und hab auch mal Nachmittage davor verbracht, und später als Jungendlicher mit dem C64. Bin ich davon verblödet? Nein, ich habe mit Wasteland, Ultima IV und Bard's Tale Englisch gelernt. Bei Ultima IV sogar, die Philosophie hinter einem Gesellschaftssystem zu verstehen, denn darum ging es da ja eigentlich (und nicht ums Aufleveln wie bei einigen heutigen RPGs). Da konnte kein Schulbuch mithalten. Leider wird allerdings heute fast alles übersetzt, so dass der Nebeneffekt des Sprachenlernens nicht mehr da ist. Aber vielleicht könnte man da heute als Eltern ansetzen: Du darfst unbegrenzt spielen, solange du es auf Englisch tust. Bringt aber natürlich nur was, wenn es Text/Story-lastige Spiele sind.
Einen eigenen Fernseher hatte ich als Jugendlicher immer frei verfügbar, und habe ihn kaum benutzt. Ich wusste ja, dass er immer da ist und ich könnte, wenn ich wollte, warum dann also zwei Stunden davorhocken, wenn man gerade was Besseres zu tun hat? Resultat: Ich hab nur das gekuckt, was mich wirklich interessiert hat, und das war verdammt wenig (aber hier ist es vielleicht auch von Vorteil, autistisch zu sein). Aber ich denke, Kinder sollten auch Eigenverantwortung lernen und ihre Zeit jenseits von und mit Unterhaltungsmedien selbst gestalten lernen. Medienkompetenz lernt man jedenfalls nicht über Verbote, fürchte ich.

Kurzum, ich denke, man kann niemanden zum Lesen zwingen und sollte das auch gar nicht versuchen. Denn so jemand liest dann später bestimmt nicht mehr freiwillig.


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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Eliane
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 777



BeitragVerfasst am: 02.09.2020 02:59    Titel: Antworten mit Zitat

Bei ein paar Aussagen, die ich hier gelesen habe, musste ich ein bisschen schmunzeln. Zum Beispiel, dass man bei unbegrenzter Verfügbarkeit lieber das nächste Buch runterlädt statt sich anzustrengen, wenn es langweilig wird. Exakt das habe ich als Kind/Teenie mit gedruckten Büchern gemacht: Ich habe immer mehr als eines gelesen, zum Teil hatte ich die sogar übereinander liegen. Und, tja, wenn eins langweilig wurde, kam halt das nächste dran. Bis das langweilig wurde - dann ging's zurück zu Nr. 1 😁 und am Ende habe ich doch alle fertig gelesen. Oder auch deine Tochter, V.K.B., die erst alle Warrior Cats-Bände lesen will, bevor das nächste Spiel drankommt - davon gibt es gefühlt 150 Stück, meine Tochter sammelt und liest die auch.

Überhaupt, habt ihr bei euren Überlegungen mal den aktuellen Kinder- und Jugendbuchmarkt angeschaut, wenn es schon um Jugendliche geht? Klar, da gibt es viel Schrott, wie überall. Aber auch einen Trend zu Büchern mit komplexeren, gesellschaftskritischen Themen, und vor allem: Reihen. Dilogien, Trilogien, ... Macht es wirklich einen Unterschied, ob ich 600 Seiten in einem Buch lese oder diese auf zwei bis drei Bücher verteilt sind? Die Geschichte und Charakterentwicklung zieht sich oft durch alle Bände und kann ziemlich komplex ausfallen, da braucht man schon mehr als ein Ultrakurzzeitgedächtnis. Ich habe zuletzt u.a. die Scythe-Reihe von Neal Shusterman gelesen, und was darin an Philosophie und Ethik aufgeboten wird, war nicht von schlechten Eltern. Ich meine, möglicherweise bin ja auch ich primitiv ... aber für mich definiert sich Anspruch nicht unbedingt nur nach dem E-Label.

Was die Kinder selbst angeht, stimmt natürlich, dass man da nicht alle über einen Kamm scheren kann. Aber das Smartphone schließt das Lesen nicht aus. Weder als gedrucktes Buch noch auf dem Smartphone selbst als E-Book oder Hörbuch. Und nicht alle Videos sind nur Spielerei (wie mir kürzlich meine Älteste demonstrierte, die sich mittels Fachbüchern plus YouTube zur Hühnerexpertin weitergebildet hat und gerade den Hühnerstall bei uns auf dem Hof tiergerecht renoviert). Es geht vieles nebeneinander. Lesen und Superhelden-Filme gucken zum Beispiel genauso. Da hatte ich neulich mal das Vergnügen, die Kinotechnikerin für eine Gruppe 15/16jähriger Mädchen zu spielen. Ich habe es noch nie zuvor erlebt, dass jemand einen Film hinterher dermaßen auseinander genommen hat: Logiklücken, schwache Charaktere, ... - dabei sind die Mädchen die größten Marvel-Fans. Selbige Kinder haben auch in ihrer Schule eigenständig eine Bücherei-AG gegründet. Mir ist selbst klar, dass das nicht repräsentativ ist. Trotzdem würde ich, wie Merlinor so schön sagte, diese Generation nicht komplett aufgeben. Da machen sich schon viele ihre eigenen Gedanken. Unterschätzt sie nicht, traut ihnen was zu.
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Ebor
Geschlecht:weiblichSchmierfink


Beiträge: 57



BeitragVerfasst am: 02.09.2020 09:08    Titel: Antworten mit Zitat

Maunzilla hat Folgendes geschrieben:
Habs gefunden smile


Vielen Dank, Maunzilla!
Thoughty2 habe ich mir direkt mal gespeichert und mir auch noch das "Can't Focus?"-Video angesehen, das fand ich auch ganz interessant.

Das mit der Begrenzung von Medien o.Ä. für Kinder sehe ich ähnlich wie V.K.B., ich fürchte auch, das ist nicht zielführend. Durch Verbote werden die Dinge einfach zu reizvoll.
Bei uns gab es auch nie eine Beschränkung, weder bei Fernsehen, Videospielen noch Süßigkeiten oder irgendetwas anderem. Dadurch wurde es so uninteressant und normal, dass wir nie ein besonderes Verlangen danach hatten. Wir haben dann einfach gemacht, worauf wir Lust hatten, war ja alles verfügbar bei Bedarf.

Eine Beschränkung wäre für Teenies mit Instagram ja auch gar nicht mehr durchsetzbar. Die Stories sind schließlich nur 24 Stunden einsehbar und wenn die Bilder der anderen nicht schnell genug geliked werden, entfolgt einem ja womöglich die ganze Klasse Pfiffig Blinzeln Ich denke, vieles kann man der FoMO zuschreiben, die es einfach noch nicht in dieser Form gab, als die sozialen Medien noch nicht so populär waren. Ich weiß nicht, ob man seinen Nachwuchs da dann nicht zu sehr unter Druck setzt, wenn man ihnen nicht zumindest die Möglichkeit gibt, auf den Plattformen selbst auch aktiv zu sein. Sie werden es ja merken, wenn es ihnen doch zu oberflächlich ist.
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Ebor
Geschlecht:weiblichSchmierfink


Beiträge: 57



BeitragVerfasst am: 02.09.2020 09:38    Titel: Antworten mit Zitat

hobbes hat Folgendes geschrieben:
Wieso sollten wir da mithalten müssen, es ist ja nicht so, als würde es "nach uns" keine Autoren mehr geben?


Naja, also ich möchte auch in zehn oder zwanzig Jahren noch Aufträge bekommen, sonst verdiene ich ja kein Geld Laughing Aber du hast natürlich Recht. Es kommen wieder neue Autoren und das ist auch gut so. Und wie wir auch, wachsen sie meistens mit und in ihrer Zielgruppe auf.
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nebenfluss
Geschlecht:männlichPapiertiger


Beiträge: 4185
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
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BeitragVerfasst am: 02.09.2020 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ebor hat Folgendes geschrieben:
Ich denke, vieles kann man der FoMO zuschreiben, die es einfach noch nicht in dieser Form gab, als die sozialen Medien noch nicht so populär waren. Ich weiß nicht, ob man seinen Nachwuchs da dann nicht zu sehr unter Druck setzt, wenn man ihnen nicht zumindest die Möglichkeit gibt, auf den Plattformen selbst auch aktiv zu sein. Sie werden es ja merken, wenn es ihnen doch zu oberflächlich ist.

Ich halte es sogar für pädagogisch schädlich, den Nachwuchs vom Digitalen möglichst fernhalten zu wollen. Bei Kindern ist zeitliche Begrenzung noch sinnvoll, aber ab der Pubertät können Eltern und Lehrer in erster Linie noch auf die Art der Nutzung Einfluss nehmen, nicht mehr auf die Nutzung an sich.
Denn Digitalisierung wird ja tagein, tagaus mit Zukunft gleichgesetzt. Natürlich adelt das nicht alles, was Jugendliche im Netz so treiben, als Vorbereitung auf das Leben. Trotzdem ist es - wie Merlinor schön ausgeführt hat - nicht einfach pauschal als müßiger Freizeitkonsum abzutun. Es ist alles andere als "verblödet", am Puls der Zeit zu bleiben. Das hat bisher noch jeder junge Mensch getan, der irgendwann mal was werden wollte.
Wir Älteren, die noch weitgehend "analog" aufgewachsen sind, schauen dagegen eher in die Vergangenheit. Wir wissen, es geht (bzw. ging) auch ohne all das. Deshalb fällt es uns noch vergleichsweise leicht, das Smartphone auszulassen oder uns von den sogenannten sozialen Medien fernzuhalten. Warum sollten wir uns ablenken, verwirren oder gar verstören lassen, wenn wir doch in dem Bewusstsein leben, das alles sei für uns letzlich nicht so furchtbar relevant? Die nachwachsenden Generationen können sich den Luxus dieser Sichtweise nicht leisten.

Statt den Untergang der Kultur (durch die Jugend) zu beschwören, sollte man sich m. E. lieber die Mühe zumuten, Einfluss zu nehmen. Eltern, Lehrer, Sozialpädagogen sollten Jugendliche mit dem Thema nicht allein lassen, sondern mit ihnen über Nutzen und Gefahren diskutieren und vor allen Dingen Aktivitäten anbieten, welche die Vorteile von offline und online kombinieren oder gar den offline-Anteil als besonders erlebenswert betonen.
Wer weiß, vielleicht profitiert ja auch das Interesse an guter Belletristik davon.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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