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Druckerschwärze flutet die Herzkammer


 

 
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 25
Beiträge: 595



BeitragVerfasst am: 12.07.2020 17:21    Titel: Druckerschwärze flutet die Herzkammer eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Alptraumverdunkelte Gärten.
Ein Zeichen aber. Es naht. –
herzhörig, strahlenhell naht es,
in zartverzögerter Klarheit,
die schlafübersteigende
Alltagsparabel entlang.

Am Schnittpunkt
zwischen Bildnis und Bild, an den
dreimal gezählten, den dreimal
verworfenen
Tagen nach dem Tod, hält es.
Metaphernvergittert.

Druckerschwärze
flutet die Herzkammer –
vor dem Infarkt.



_________________
in unserer welt
gehen wir hin über höllen
und sehen die blumen

"Issa"
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Nina
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4596



BeitragVerfasst am: 15.07.2020 13:24    Titel: Re: Druckerschwärze flutet die Herzkammer Antworten mit Zitat

Lieber Patrick,

ich habe mich gefragt, ob es den "Alptraum" vorne braucht und habe das Gedicht ohne diesen gelesen.
Festgestellt: Ja, den braucht es. Ich gehe mal durchs Gedicht:

1. Strophe

Ich mag dieses Gegensatzpaar: Alptraumverdunkelt -> Gärten.
Das eine ist, wodurch das andere nicht erreichbar ist (noch nicht, gerade nicht).
Dann mit dem Zeichen: Flackert auch die Hoffnung auf, die ganz nah ist!
Das Herz hört / spürt, es ist (eigentlich) hell (also nicht bedrohlich),
zartverzögerte Klarheit. Toll. Es ist "eigentlich" ein klares Zeichen (wie es ja schon vor genannt wurde,
aber vielleicht verzerrt der Zweifel oder verzerren die Folgen der Alpträume den Blick darauf).
Schlafübergreifende Alltagsparabel. Da kann ich nur vermuten, was sich hinter der Alltagsparabel verbirgt.
Ob es sich auf das eben Beschriebene bezieht (d.h. es gibt Zeichen, aber man kann sie nicht klar deuten),
oder auf etwas anderes.

2. Strophe

Da wirds schwierig. Am Schnittpunkt, also an dem Punkt, in dem etwas überein kommt, eine Art Schnittmenge
eben, doch zwischen was? Zwischen Bild und Bildnis. Da wird es hakelig für mich und ich komme ins Schlittern,
wie das gemeint sein könnte. Bild, damit ist das "Eigentliche", also zum Beispiel ein Gegenstand oder ein Umstand
gemeint? Während das Bildnis das ist, das sich jemand macht bzw. gemacht hat?
Und die Schnittmenge ist dann sozusagen "die Wahrheit", die sich aus beiden ergibt? Oder die Wahrheit, die in
beiden steckt. So könnte es gemeint sein?
Das mit den 3 Tagen nach dem Tod, da habe ich auch Verständnisschwierigkeiten. Nach dem Tod ... von was? Von
den Bildern? Den Schnittmengen? Nach dem Tod von (dieser) Wahrheit?
Metaphernvergittert finde ich grandios. Das sind die Bilder, die etwas überlagern, es abbilden sollen, ja, Stellver-
treter sein sollen. (Das mit den 3 Tagen und dem Tod verstehe ich dennoch nicht).

3. Strophe

Druckerschwärze flutet die Herzkammer. Hm. Ich habe mich halt gefragt, ob es hier die Druckerschwärze braucht,
oder ob die Schwärze nicht reicht.
Wenn es Druckerschwärze heißt, beziehe ich das auf die Metaphernsuche des Poeten oder eines Menschen, der per
Bild (Eindruck) etwas zu verstehen und zu verarbeiten sucht. Der "normale Mensch" würde es vermutlich nicht
aufschreiben (außer ins Tagebuch vielleicht), wohingegen der Poet es in ein Gedicht schreiben würde. Wer? Der Poet. *gg*
Bleibe ich also bei diesem Bild des Poeten, dessen Herzkammer geflutet wird mit Druckerschwärze, sind es die (vielleicht
zahlreichen) Versuche, etwas in Bilder zu fassen, was nur mäßig gelingt und auch unterbrochen wird durch Alpträume.
So ergibt das für mich Sinn.
Setzte ich allerdings lediglich die Schwärze hier, nämlich die, sie ich in der ersten Strophe verortet habe (Du siehst, ich
versuche auch Bilder *gg*), so bezieht sich das auf den Anfang und die Alpträume, auf die verdunkelten Gärten. Nein,
das ergibt weniger Sinn. Ergo: Ja, die Druckerschwärze ist erforderlich und notwendig hier fürs Verständnis bzw. trans-
portieren einer gewissen Aussage.
Das Ende ist heftig. Die Schwärze überflutet das Herz. Vor dem Infarkt kann das Lyrische Ich nun stehen. Es kann auch
heißen: Es geschieht (also die Schwärze, die das Herz überflutet) und dann kommt der Infarkt. Es sind beide Deutungen
möglich.

Es war mir, wie immer, ein Vergnügen, durch Dein Gedicht zu spazieren. Ein schöner Garten, auch wenn es bisweilen
Dunkelheit trägt. Ich hoffe, es ist einigermaßen nachvollziehbar für Dich, was ich dazu geschrieben habe.
Ich würde übrigens nichts am Gedicht ändern. Für mich ist es stimmig, auch
wenn ich nicht alles verstehe. Über ein paar Antworten von Dir auf meine
aufgekreuzten Gedanken und Fragen würde ich mich dennoch freuen. (Zum
Beispiel, was das mit den 3 Tagen auf sich hat).  

Liebe Grüße
Nina


_________________
Liebe tut der Seele gut.
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 25
Beiträge: 595



BeitragVerfasst am: 17.07.2020 19:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Nina smile

Wow, starker Kommentar, danke dafür mal vorab wink

Zitat:
Ich mag dieses Gegensatzpaar: Alptraumverdunkelt -> Gärten.
Das eine ist, wodurch das andere nicht erreichbar ist (noch nicht, gerade nicht).
Dann mit dem Zeichen: Flackert auch die Hoffnung auf, die ganz nah ist!
Das Herz hört / spürt, es ist (eigentlich) hell (also nicht bedrohlich),
zartverzögerte Klarheit. Toll. Es ist "eigentlich" ein klares Zeichen (wie es ja schon vor genannt wurde,
aber vielleicht verzerrt der Zweifel oder verzerren die Folgen der Alpträume den Blick darauf).
Schlafübergreifende Alltagsparabel. Da kann ich nur vermuten, was sich hinter der Alltagsparabel verbirgt.
Ob es sich auf das eben Beschriebene bezieht (d.h. es gibt Zeichen, aber man kann sie nicht klar deuten),
oder auf etwas anderes.



Das Bild des Gartens, oder der Gärten als weitläufiges Gebiet, ist eine Anspielung auf die Szene in der Bibel, als Jesus wiederaufersteht und von Maria mit dem Gärtner verwechselt wird. Jesus ist also auch das Zeichen, wenn man so möchte. Die Alltagsparabel steht für den gewohnten Fortlauf des Alltags, mit seinen steigenden und seinen sinkenden Variationen. In einer Parabel verbindet sich Oben und Unten gut zu einem Gesammtbild. Ein religiöses Bild also, das gegen den Alltag gestellt wird.


Zitat:
Da wirds schwierig. Am Schnittpunkt, also an dem Punkt, in dem etwas überein kommt, eine Art Schnittmenge
eben, doch zwischen was? Zwischen Bild und Bildnis. Da wird es hakelig für mich und ich komme ins Schlittern,
wie das gemeint sein könnte. Bild, damit ist das "Eigentliche", also zum Beispiel ein Gegenstand oder ein Umstand
gemeint? Während das Bildnis das ist, das sich jemand macht bzw. gemacht hat?
Und die Schnittmenge ist dann sozusagen "die Wahrheit", die sich aus beiden ergibt? Oder die Wahrheit, die in
beiden steckt. So könnte es gemeint sein?
Das mit den 3 Tagen nach dem Tod, da habe ich auch Verständnisschwierigkeiten. Nach dem Tod ... von was? Von
den Bildern? Den Schnittmengen? Nach dem Tod von (dieser) Wahrheit?
Metaphernvergittert finde ich grandios. Das sind die Bilder, die etwas überlagern, es abbilden sollen, ja, Stellver-
treter sein sollen. (Das mit den 3 Tagen und dem Tod verstehe ich dennoch nicht).



Bildnis und Bild bezieht sich wieder auf die Jesus Figur, der Gottesbildnis und Gärtner (ein menschliches Bild das Maria von ihm vor Augen hat) gleichzeitig ist. Andersherum, ist er aber auch das Abbild Gottes und der Gärtner nur ein Bildnis, das er für eine Weile als Rolle spielt. Die 3 Tage sind einfach die abgelaufene Zeit, bis er wiederauferstanden sein soll. "Metaphernvergittert" beschreibt dann eigentlich nur mein persönliches Gefühl, das man aus dieser eigentlich so klaren Szene allerlei Unsinn herauszulesen begonnen hat.


Zur dritten Strophe:
Sie dreht dann das Geschehen zum Dichter um. Es sollte plötzlich klar werden, dass ich nur über diese Szene schreibe, ohne sie sonderlich zu deuten und das sie mich, statt mich vom Tod zu befreien, (der Erlösungsgedanke) eher an den Tod heranführt. Meine persönlichen Kämpfe, gegen diese Religiösen Bilder, die mich belasten - weil ich sie einmal geglaubt habe und jetzt nicht mehr glauben kann.


Ich hoffe, das war einigermaßen hilfreich. Nochmal ein riesiges Dankeschön für diesen tollen Kommentar, ich fühle mich dadurch ernst genommen und ein bischen Stolz, das du deine Zeit in meine Texte investierst. smile

L.G
Patrick


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