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Ein Wort mit fünf Buchstaben: fremd


 
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Nina
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4413



BeitragVerfasst am: 08.02.2020 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

lieber constantine,

du bist sehr weit unten gelandet mit deiner geschichte. das ist schade, denn du hast dir viel mühe gegeben damit, das kann ich herauslesen. die geschichte hat ein paar stärken, auch ein paar schwächen, zum teil in den formulierungen, als auch in der erzählweise. der größte (und m.e. leicht zu behebende ) "makel" an dieser geschichte ist, dass das lächeln am ende nicht verstehbar ist und auch nicht die verbindung oder nichtverbindung der beiden personen. hast du vor, diese geschichte zu überarbeiten?

liebe grüße
nina


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gold
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger

Alter: 67
Beiträge: 6256
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BeitragVerfasst am: 09.02.2020 04:40    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Constantine,

wozu Nächte, in denen man schlecht schläft, alles gut sind:
Ich habe mir nochmal Gedanken zu deiner Titelwahl gemacht.
Und da fiel mir ein, dass du dir sicher sehr viel mehr Gedanken dazu gemacht hast, als ich dir unterstellt habe (ich hoffe, du verzeihst mir das).
"Ein Wort mit fünf Buchstaben: fremd".
Durch dieses nüchterne "ein Wort mit fünf Buchstaben" ( was auf den Leser befremdlich wirken mag, sodass er dazu keinen Zugang  finden kann(so erging es mir zumindest)), setzt du dem Fremdsein noch eine Krone auf.

Das wollte ich nur noch.ergänzen.

Liebe Grüße
gold


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Constantine
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Beiträge: 2834

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 12.02.2020 14:31    Titel: Antworten mit Zitat

Danksagung


Ein spannender Wettbewerb ging vor Kurzem zu Ende und ich muss (mal wieder) sagen:
Bananenfischin und sleppless_lives haben für den 10K 2020 sehr anspruchsvolle Haupt-Vorgaben mit dem Thema "Die Vergangenheit ist ein fremdes Land" kombiniert mit dem (gelingendem/scheiterndem) Kintsugi-Konzept sich einfallen lassen. Die weiteren Vorgaben (u.a. Einheit des Ortes, Einheit der Zeit, Gespräch/Nicht-Gespräch zwischen zwei Personen) dienen mMn funktionell der Vermeidung von Schubladentexten. Soweit ok.
Das Spannendste (wie bei jedem DSFo-Wettbewerb) besteht für mich darin, zu sehen, wie die Teilnehmer die Vorgaben zu ihren jeweiligen Texten umgesetzt haben.

First things first:
Ich bedanke mich sehr herzlich bei euch beiden, Bananenfischin und sleppless_lives, fürs Organisieren des Wettbewerbs, für eure Mühen, Geduld und Offenheit für die Belange der Teilnehmer (z.B. Erstellung des Fadens "Geheimes Notizbuch").
Natürlich wäre dies alles ohne Boro, der die Plattform des DSFo für Wettbewerbe zur Verfügung stellt, in dieser Form nicht möglich. Ihm gebührt auch Dank als der stille Dritte, dennoch, vor allem euch beiden gebührt mein Dank fürs Ausrichten des Wettbewerbs.

Zweitens:
Dieses Jahr waren 26 von 27 eingereichten Texten im Wettbewerb. Fand ich schön, dass am Wettbewerb rege teilgenommen worden ist. Ein Mehr an Texten wäre natürlich noch großartiger gewesen - ich glaube, das Maximum, das ich bisher in einem Wettbewerb erleben durfte, waren 42 Texte und das war heftig -, aber ein Mehr an 10K-Texten hätte es mir noch unmöglicher gemacht, den Texten als Leser und Kommentator in 14 Tagen Bewertungszeit gerecht zu werden. Ich habe es leider nicht geschafft, zu allen Texten einen Kommentar zu verfassen. Dafür entschuldige ich mich.
Für meine Betriebsblindheit hier und da, die im Eifer leider passiert ist und auch ich bin nicht gefeit davor, entschuldige ich mich.

Ich bedanke mich sehr fürs Lesen und Kommentieren meines Textes.
Mein Text hat bei vielen Lesern die  Phantasie beflügelt und das fand ich sehr interessant.
Die gewählte Erzählperspektive fand ich für mich sehr spannend und herausfordernd, um zu sehen, wohin führt das den Text. Einfach ausprobieren.
Anfangs hatte ich Dialoge und Dialogideen drin, aber je weiter die Protagonisten in mir reiften, um so mehr fand ich es in ihrer Situation unwichtig, was sie mir sagten, es kam mir vor, als wollten sie mir etwas verkaufen, sich hinter Worten verstecken, und um so mehr passte für mich ihr Schweigen, das für mich doch so viel mehr über sie (aus-)sagte. Ich habe die Dialoge entfernt.
Die sprachlichen Holperer und Rechtschreibfehler sind unentschuldbar.

Drittens schließlich:
Ich glaube, ich schreibe es fast bei jedem Wettbewerb, aber es stimmt für mich und ist wichtig:
Ein Wettbewerb lebt von den Teilnehmern, denn erst ihr Teilnehmer haucht Wettbewerben Leben ein. Danke dafür.
Der Wettbewerb war sehr herausfordernd, hat viel Spaß und (auch nicht zu unterschätzen) Arbeit gemacht. Es ist eine schöne, kleine Gemeinschaft, die zwischen Spiel, Spaß und Spannung zusammenkommt und der Literatur gedenkt.



LG Constantine
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2834

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 12.02.2020 14:43    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Nina,

schön dich hier zu begrüßen. smile

Nina hat Folgendes geschrieben:
auch ein paar schwächen, zum teil in den formulierungen

Diese lassen sich gut überarbeiten.

Nina hat Folgendes geschrieben:
, als auch in der erzählweise. der größte (und m.e. leicht zu behebende ) "makel" an dieser geschichte ist, dass das lächeln am ende nicht verstehbar ist und auch nicht die verbindung oder nichtverbindung der beiden personen.

Das könnte an der Erzählperspektive bzw. dem "beschreibenden Erzähler" liegen, dass der Leser wenig Futter bekommt. Schwierig diese "Makel" für den Leser tranparenter zu machen.

Nina hat Folgendes geschrieben:
hast du vor, diese geschichte zu überarbeiten?

Ja, das habe ich.
Magst du mir dabei helfen?

Danke fürs Lesen und Kommentieren.

LG Constantine
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2834

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 12.02.2020 14:51    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe gold,

gold hat Folgendes geschrieben:
wozu Nächte, in denen man schlecht schläft, alles gut sind:
Ich habe mir nochmal Gedanken zu deiner Titelwahl gemacht.
Und da fiel mir ein, dass du dir sicher sehr viel mehr Gedanken dazu gemacht hast, als ich dir unterstellt habe (ich hoffe, du verzeihst mir das).
"Ein Wort mit fünf Buchstaben: fremd".
Durch dieses nüchterne "ein Wort mit fünf Buchstaben" ( was auf den Leser befremdlich wirken mag, sodass er dazu keinen Zugang  finden kann(so erging es mir zumindest)), setzt du dem Fremdsein noch eine Krone auf.

Das wollte ich nur noch.ergänzen.


Ich danke dir sehr für deine Ergänzungen, was den Titel angeht. Ja, "nüchtern" und "befremdlich" treffen es gut, was das Thema des Wettbewerbs in mir bewirkt hat.

Danke fürs nochmalige Vorbeischauen. Hat mich sehr gefreut.

LG Constantine
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Nina
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4413



BeitragVerfasst am: 24.02.2020 14:06    Titel: Antworten mit Zitat

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Liebe Nina,

schön dich hier zu begrüßen. smile


Dassjanett. Hallo, lieber Constantine. Smile

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Nina hat Folgendes geschrieben:
auch ein paar schwächen, zum teil in den formulierungen

Diese lassen sich gut überarbeiten.


Das denke ich auch.

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Nina hat Folgendes geschrieben:
, als auch in der erzählweise. der größte (und m.e. leicht zu behebende ) "makel" an dieser geschichte ist, dass das lächeln am ende nicht verstehbar ist und auch nicht die verbindung oder nichtverbindung der beiden personen.

Das könnte an der Erzählperspektive bzw. dem "beschreibenden Erzähler" liegen, dass der Leser wenig Futter bekommt. Schwierig diese "Makel" für den Leser tranparenter zu machen.


Och, schwierig, weiß ich gar nicht, nö, das glaube ich nicht mal. Schwierig ist vielleicht, von einem mal angefangenen Stil etwas abzuweichen und entsprechend zu ändern, dass es passt - sowohl für Dich, der diese Geschichte erzählt, als auch für den/die Leser/in. Und für mich natürlich, *lach, Spässle. *g*

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Nina hat Folgendes geschrieben:
hast du vor, diese geschichte zu überarbeiten?

Ja, das habe ich.
Magst du mir dabei helfen?


Das hast Du aber lieb gesagt/gefragt. Ja, mag ich. Ich weiß allerdings nicht, wie bald Du damit anfangen willst, ob Du bereits damit angefangen hast, wie weit Du schon damit bist und ab wann ich meine Ärmel hochkrempeln muss. Es wird etwas Zeit brauchen, denke ich. Im Moment stehe ich vor einem Termin für eine Geschichte, der ist in gut einer Woche rum. Danach vielleicht?

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Danke fürs Lesen und Kommentieren.


Gern. Danke für Deine liebe Antwort.

Constantine hat Folgendes geschrieben:
LG Constantine


Halt die Ohren steif. Smile

Liebe Grüße zurück
Nina


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Constantine
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Beiträge: 2834

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 27.02.2020 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, liebe Nina,

ich freue mich sehr, von dir in diesem Faden wieder zu lesen.

Nina hat Folgendes geschrieben:

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Nina hat Folgendes geschrieben:
, als auch in der erzählweise. der größte (und m.e. leicht zu behebende ) "makel" an dieser geschichte ist, dass das lächeln am ende nicht verstehbar ist und auch nicht die verbindung oder nichtverbindung der beiden personen.

Das könnte an der Erzählperspektive bzw. dem "beschreibenden Erzähler" liegen, dass der Leser wenig Futter bekommt. Schwierig diese "Makel" für den Leser tranparenter zu machen.

Och, schwierig, weiß ich gar nicht, nö, das glaube ich nicht mal. Schwierig ist vielleicht, von einem mal angefangenen Stil etwas abzuweichen und entsprechend zu ändern, dass es passt - sowohl für Dich, der diese Geschichte erzählt, als auch für den/die Leser/in. Und für mich natürlich, *lach, Spässle. *g*

Du meinst mit "etwas abzuweichen und entsprechend zu ändern" einige Passagen im Text in einer anderen Erzählweise zu verfassen? Einer Mischung aus beschreibendem Erzähler und z.B. (ein wenig) auktorialem Erzähler? Oder den Text insgesamt in einer anderen Erzählweise zu verfassen?

Nina hat Folgendes geschrieben:

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Nina hat Folgendes geschrieben:
hast du vor, diese geschichte zu überarbeiten?

Ja, das habe ich.
Magst du mir dabei helfen?


Das hast Du aber lieb gesagt/gefragt. Ja, mag ich. Ich weiß allerdings nicht, wie bald Du damit anfangen willst, ob Du bereits damit angefangen hast, wie weit Du schon damit bist

Ich habe bereits angefangen, mich dabei auch an den hilfreichen Feedbacks orientiert, und mit der Überarbeitung begonnen. An der Erzählpespektive selbst habe ich nichts geändert.
Die Überarbeitung stelle ich ich hier ein.

Nina hat Folgendes geschrieben:

und ab wann ich meine Ärmel hochkrempeln muss. Es wird etwas Zeit brauchen, denke ich. Im Moment stehe ich vor einem Termin für eine Geschichte, der ist in gut einer Woche rum. Danach vielleicht?

Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Geschichte und drücke dir fest die Daumen.
Wenn du magst, gerne danach.

Nina hat Folgendes geschrieben:

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Danke fürs Lesen und Kommentieren.

Gern. Danke für Deine liebe Antwort.

Dito. smile

Nina hat Folgendes geschrieben:
Constantine hat Folgendes geschrieben:
LG Constantine

Halt die Ohren steif. Smile

Du auch und pass gut auf dich auf.

LG Constantine
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Constantine
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Beiträge: 2834

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 27.02.2020 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Wort mit fünf Buchstaben: fremd


Der Eingang ist eine verschlossene Tür aus Blei. Staub bedeckt ihre Oberfläche, darunter herrscht mattes Dunkelgrau. Die Tür wird von massivem Beton umrahmt. Auf ihrer Innenseite sind ergänzend zum Schloss eine Türkette und ein Panzerriegel angebracht. Die Türkette ist nicht eingehängt, der Panzerriegel nicht vorgeschoben.
Vom Eingang aus führen nasse Stufen, die von Erdklumpen, Sand und Steinen bedeckt sind, in einen Bunker hinab. Die linke Wand macht zum Großteil ein Holzregal aus, das bis an die Decke reicht und dessen Etagen mit Dosen, Flaschen, Gläsern, Kartons und Kanistern gefüllt sind. Neben dem Regal befindet sich eine Tür, die in den Generatorraum führt; hinter einer weiteren Tür an der angrenzenden Wand ist eine Kammer mit einem Waschbecken, einer Dusche und einem WC. In der hinteren, rechten Ecke des Raumes steht ein Feldbett. Die Bettdecke ist zurückgeschlagen, das Kissen liegt am Kopfende auf dem Boden. Ein Tisch steht an der rechten Wand, dazu ein Stuhl; auf dem Tisch befinden sich eine Lampe, eine Wasserflasche, ein Buch, Zigaretten; den Rest der Wand nimmt ein weiteres, gefülltes Regal ein. Von einem Waschbecken und einem großen, über die gesamte Oberfläche gesprungenen Spiegel aus gelangt man schließlich zurück zum Treppenaufgang.
An der Decke hängen LED-Leuchten.
Das Licht ist aus.

Die Bleitür wird mit einem Quietschen geöffnet.
Ein Mann betritt schwer atmend, eine Frau tragend den Bunker. Der Dreck knirscht unter seinen Stiefeln. Während er die Treppe hinabsteigt, zieht die Tür sich automatisch zu und fällt ins Schloss. Er läuft zum Feldbett und legt die Frau hinein. Dann eilt er zurück, verriegelt und verschließt die Tür und legt die Kette ein. Von seinem Regenoverall fallen Tropfen auf die Stufen und Wasser sammelt sich, eine Pfütze bildend, an seinen Stiefeln. Mit nassen Händen zieht er die Kapuze zurück und nimmt die Maske ab. Er atmet tief durch. Anschließend betätigt er den Lichtschalter. Mit zusammengekniffenen Augen nimmt er die Stufen, stützt sich an der Betonwand ab und tritt an die Frau heran.
Sie ist durchnässt, ihr Gesicht und Kopf weisen Blutergüsse und starke Verletzungen auf, ihre Kleidung ist aufgerissen und voller Flecken. Ihr Brustkorb hebt und senkt sich gleichmäßig.
Der Mann entkleidet sie und während er weitere Verletzungen zutage fördert, verzieht er das Gesicht: Ihr Körper ist übersät mit Wunden.
Rasch rafft er die Kleidung zusammen und entsorgt diese draußen. Nachdem er die Bleitür wieder gesichert hat, holt er aus einer Tasche des Overalls einen Geigerzähler hervor, verstaut diesen im Regal und entnimmt Wasser, Desinfektionsmittel, Salben und Verbandsmaterial. Anschließend versorgt und verbindet er die Wunden, deckt die Frau zu und legt das Kissen unter ihren Kopf.
Schließlich löscht er das Licht, setzt sich auf den Stuhl und atmet erneut tief durch.
Irgendwann schläft er ein.

Irgendwann erfüllt Rascheln den Raum.
Der Mann schaltet die Tischlampe an und schaut zu ihr rüber. Auf der Bettdecke zeichnen sich ihre unruhigen Bewegungen ab. Sie strampelt die Decke von sich.
Er richtet sich auf und geht zu ihr.
Sie stöhnt leise.
Er zieht ihr die Decke hoch – die freien Gesichtspartien sind bedeckt von Schweiß –, legt seine Hand auf ihre Stirn, holt so dann eine Flasche und einem Becher, den er füllt. Die Flasche stellt er neben das Bett.
Über sie gebeugt hebt er mit der einen Hand ihren Kopf an, während er mit der anderen den Becher an ihre Lippen führt. Sie trinkt.
Als der Becher leer ist, legt er ihren Kopf zurück aufs Kissen.
Sie schläft ein und atmet ruhig.
Er kehrt zum Tisch zurück, stellt die beiden Sachen darauf ab und macht sich wieder auf dem Stuhl breit.
Das Licht löscht er nicht.

Die Frau erwacht und blinzelt; sie ächzt, während sie ihren Kopf und ihr Gesicht befühlt; dann lässt sie ihre Hände ihren Körper entlangwandern; sie schaut sich um und verstummt, als sie ihn bemerkt, den Rücken ihr zugekehrt, sitzend, schnarchend.
Sie schält sich langsam aus dem Bett und beißt sich auf die Unterlippe, als sie mit ihren Füßen den Boden berührt, ins Schwanken gerät und sich am Bett festhält.
Die Frau schaut in den Raum, an sich hinab und erneut zu ihm.
Mit kleinen, langsamen Schritten schleicht sie an ihm vorbei, entdeckt dabei den Spiegel und geht auf ihn zu. Davorstehend betrachtet sie sich: Ihre Augen sind gerötet. Die Stirn, den Hinterkopf, beide Gesichtshälften und das Kinn verhüllt ein Kopfverband, der Spuren von durchgesogenem, getrocknetem Blut ausweist. An den freien Gesichtspartien ziehen Risse, die von schimmerndem Schorf bedeckt sind, über die Haut. Der Körper der Frau wird gleichsam von Mullbinden verhüllt, die nicht anders aussehen als die blutverschmierten um ihren Kopf. Mit der linken Hand tastet sie ihren rechten Oberarm ab und schiebt den Verband zur Seite.
Sie erschrickt – die Haut darunter weist Verbrennungen auf, der Schorf ist gerissen, Blut sammelt sich an der Wunde – und hält sich die Hand vor den Mund, einen Schrei verschluckend, während sie mit der anderen Hand weitere Stellen inspiziert und gleiches vorfindet. Tränen füllen ihre Augen, laufen ihre Wangen hinab und werden vom Verband aufgefangen.
Die Frau starrt ihr Spiegelbild an und hebt den Arm; mit dem ausgestreckten Zeigefinger berührt sie eine Linie des Sprungs und fährt die netzartige Struktur entlang.
Das Schnarchen verstummt.
Plötzlich zuckt sie zusammen und blickt hinter sich über die Schulter.
Der Mann sitzt unverändert auf dem Stuhl und schaut sie an.
Sie richtet den Verband über die freigelegten Partien, fixiert ihn und begibt sich zurück; er lässt sie genauso wenig aus den Augen und bleibt unbeeindruckt, als sie vor ihm steht. Sie löscht das Licht, setzt so dann ihren Weg zum Bett fort und legt sich hin. Während sie sich zudeckt, lacht er auf.
Irgendwann füllt sein Schnarchen den Raum.

Irgendwann wacht er auf, betätigt den Schalter der Lampe und steht auf. Einige Schritte vom Feldbett entfernt, streckt er sich, dabei knacken einige seiner Gelenke. Er schaut nach ihr. Sie liegt ruhig da. Mit der linken Hand befühlt er ihre Verbände und verzieht dabei das Gesicht.
Er holt die Verbandsausrüstung, Wasser, eine Schere, zieht die Bettdecke ab und beginnt vorsichtig, ihre Verbände zu zerschneiden, die Wunden zu säubern und zu versorgen und mit einem frischen Verband zu versehen. Die Frau rührt sich nicht. Als er fertig ist, nimmt er den alten Verband, eilt zur Tür, die er mit vorgeschobener Kette langsam öffnet, lauscht und wartet; mit einem schnellen Handgriff hängt er die Kette ab, sprintet nach draußen zu ihrem Kleiderhaufen, wo er die Verbände entsorgt, und stürmt wieder zurück nach innen.
Er verschließt und verriegelt die Tür und atmet tief durch.
Als er das Treppenende erreicht, bleibt er plötzlich stehen.
Sie ist wach.
Der Mann hebt seine Arme und zeigt seine offenen Hände. Sie zieht die Decke enger an sich, ächzt und starrt ihn an; er begibt sich zum Tisch und nimmt die Flasche. Während er sich der Frau nähert, hält er ihr die Flasche entgegen. Sie ergreift diese, schnuppert daran und trinkt daraus.
Er nickt und lächelt.

Die Frau blickt nach unten. Ein Schnipsel liegt mit der Unterseite nach oben auf dem Boden. Schuhabdrücke zeichnen sich darauf ab. Sie hebt ihn auf und wendet ihn: Ein Teil einer Fotografie, deren Ränder darauf hindeuten, dass das Bild zerrissen worden ist, nur dieser verdreckte und verkratzte Schnipsel ist übrig geblieben; darauf ist ein Oberkörper zu erkennen, jemand in einem ehemals weißen Mantel oder Kittel, neben der Person lächelt die untere Gesichtshälfte eines Kindes.
Sie führt das Fragment näher ans Gesicht, betrachtet es genau, und schaut dann ihn an, der auf dem Stuhl sitzt und seine Zigarette raucht. Sie hält ihm den Schnipsel entgegen.
Mit einem Seufzen erhebt er sich, die Zigarette zwischen den Mundwinkeln, nimmt den Schnipsel und wirft einen Blick drauf. Mit einem Kopfschütteln zuckt er mit den Schultern und lässt das Fragment fallen. Um die eigene Achse drehend segelt dieses hinab und landet mit der Unterseite nach oben auf dem Boden. Der Mann holt eine hinter seinem Ohr geklemmte Zigarette hervor und bietet sie der Frau an.

Aus dem Regal entnimmt der Mann seinen Geigerzähler, tritt an sie heran und schaltet ihn ein. Das Gerät piepst und die Lampe blinkt. Als er es auf sie richtet, werden die Piepser intensiver und die Blinkfrequenz der Lampe nimmt zu. Sie erschrickt.
Die Anzeige betrachtend entfernt er sich von ihr; je weiter er sich ans andere Ende des Raumes begibt, desto mehr nehmen die Signale des Gerätes ab, bis ein sogenanntes Grundrauschen den Raum erfüllt. Dann geht er erneut auf sie zu, mit einem ernsten Gesichtsausdruck, langsam, Schritt für Schritt, und mit jedem Schritt steigert sich das Piepsen und Blinken. Ihr Blick hetzt abwechselnd von ihm zu den Seiten des Raumes.
Er bleibt vor ihr stehen.
Mit einem Seufzer richtet er das Gerät auf sich.
Sie starrt ihn an, während intensives Piepen und Blinken den Raum erfüllen.
Er nickt, schaltet mit einem Lächeln das Gerät aus und legt es zur Seite. Dann setzt er sich zu ihr und nimmt sie in den Arm. Sie erwidert seine Geste nicht, sondern verbleibt in ihrer Körperhaltung. Irgendwann löst sich ihre Starre. Die Frau legt ihren Kopf an seine Schulter und umarmt ihn.
Tränen laufen ihr Gesicht hinab.
Sie schluchzt.
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