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Under Pandora's Hell


 

 
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Kojote
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 29
Beiträge: 276
Wohnort: Wurde erfragt


BeitragVerfasst am: 10.01.2020 19:00    Titel: Under Pandora's Hell eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Es war so ein klassischer Fall von Hippocampus versus Amygdala.“
Immanuel rückte seine Brille zurecht.
„Sie meinen …“
Ich ignorierte die Halbfrage für einen Moment. Wenn er etwas von mir wissen wollte, sollte er mich gefälligst ehrlich fragen.
„Es ist so ein Fall“, meinte ich schließlich, „ein Fall, wo der Stress so groß ist, dass Sie sich weder erinnern können, was davor, was danach passiert ist, noch an welchem Wochentag dieses Ereignis vonstattenging, geschweige denn, was Sie zum Frühstück hatten. Nur der Moment, haargenau der Moment des Vorfalls, plusminus drei Sekunden, bleibt für immer im Gedächtnis verhaftet. Er schlägt ein in das Gehirn wie ein Bamerang.“
Immanuel nippte an seinem Tee. Georgischer Schwarztee mit Bergamotte. Keine Ahnung woher ich das wusste.
„Ich verstehe.“
„Nein. Das verstehen Sie nicht.“ Dass Immanuel wusste, dass Bamerang eine Interjektion aus Peter Pan war, wagte ich zu bezweifeln.
Ich blickte zur Decke. Nach einem tiefen Atemzug strahlte ich innerlich ein feistes Grinsen über die Heuchlerei dieses Mannes ab. Eigentlich konnte mir egal sein, was er von mir wollte. Was er erwartete. Ich wusste nicht einmal, weshalb ich heute in diesem lächerlichen dunkeltürkisen, nach Vorwerk-Teppichpulver riechenden Polstermöbel ihm gegenüber saß, kaum bequemer als ein Sitzsack, mit einem niedrigen Tisch zwischen uns, eingerahmt von einem Ventilatorturm und einer Topfpflanze.
Er kratzte sich an seinem Vollbart.
„Tut Ihr Kopf noch weh?“, fragte Immanuel nach einer Pause, während der er mir unablässig auf die Nasenwurzel gestarrt hatte.
„Es ist die Hölle der Pandora.“
Ich sah, wie seine Mimik sich zu einem gedachten Fragezeichen verformte. Eigentlich war mir das egal. Aber was sollte es. Was hatte ich zu verlieren. Ich beschloss, ihn nicht dumm sterben zu lassen.
„Also, ich tat, was ich jeden Dienstagmorgen tat. Der Wecker klingelte um fünf Uhr fünfundzwanzig. Genug Zeit, im Badezimmer die Heizung aufzudrehen und mir einen Nespresso Dharkan zu ziehen und rechtzeitig zurück im Wohnzimmer zu sein, um den Fernseher in dem Moment aufzudrehen, als das ARD-MoMa begann.“
„Moment“, sagte Immanuel. „Sagten Sie nicht, Sie erinnern sich nicht an die Rahmenbedingungen? Hippocampus und so? Und jetzt wissen Sie so genau, was …“
„Ja, ja.“ Ich war es leid. Immer musste ich den Menschen so viel erklären. „Ich erinnere mich auch nicht. Wirklich nicht. Nur als ich im Rettungswagen die Augen für einen Moment aufmachte, die Metallflächen des Defis auf meiner Brust, hingen an mir die Fetzen meines orangen Parka von Abercrombie & Fitch herab. Zerschnitten vom Notarzt. Daher, wegen des orangen Mantels, weiß ich, dass es ein Dienstag war, der zunächst genau so ablief wie jeder Dienstag. Das heißt, ich weiß es nicht; ich glaube es zu wissen. Glaube war für mich schon immer wichtiger als Wissen. Darf ich jetzt fortfahren?“ Ich fürchtete, diesen letzten Satz ein wenig genervter intoniert zu haben, als ich beabsichtigt hatte.
Schon wieder griff Immanuel zu seiner Tasse. Liebe Güte. Je mehr er aus ihr trank, umso voller schien sie zu werden.
„Ich machte also das ganze Morgenprogramm durch. Unter die Dusche, dann rasieren, Sie wissen, das ist so ein Ritual. Ohne Nassrasur werde ich früh einfach nicht wach. Dann auf zur Arbeit.“
Immanuel wurde langsam aber sicher genervt von meiner Detailverliebtheit. Das sah ich ihm an. Er bekam violette Punkte auf der Stirn. Wortwörtlich. Jedem, der von mir genervt ist, sehe ich seine violetten Pickel an. Und hier war es das erste Mal, dass ich dies mit einem gewissen Sadismus genoss.
„Im Fahrstuhl setze ich meine Sennheiser auf. Over-Ears. Das erste Lied in der Playlist ist Dance With Me Tonight. Sie wissen, Olly Murs. ‘My name is Olly, nice to meet you, can I tell you baby?’ Gute-Laune-Musik.“
„Und dann?“ Die violetten Punkte begannen, im Kreis zu rotieren.
„Dann? Im Erdgeschoss schließe ich meinen Briefkasten auf, obwohl ich genau weiß, dass um die Zeit noch nie Post drin gewesen ist. Schmeckt Ihnen Ihr Tee?“
„Mich würde interessieren, was Sie mit ‘Hölle der Pandora’ meinten.“
„Auf dem Weg zur Straßenbahnstation läuft bei mir immer ‘Ruby’ von den Kaiser Chiefs. Jeden Dienstag. Wenn ich mich anstrenge, bin ich so pünktlich, dass der erste Refrain beginnt, wenn die Fußgängerampel auf Grün schaltet. Kennen Sie das Lied? ‘Ruby’?“
„Kaum.“
„Ich hörte dieses Lied immer wegen seiner Melodie. Ehrlich gesagt habe ich ein schlechtes Gewissen gehabt. Immer, wenn ich es gehört habe. Wegen des Songtextes.“
Immanuel hob die Brauen an.
„Das geht so. ‘Due to lack of interest“, begann ich zu zitieren, „tomorrow is cancelled. Let the clocks be reset under Pandora’s Hell.’
„Und was ist so schlimm daran?“
„Ich denke nicht, dass man lustige Lieder über so schlimme Dinge wie die Hölle schreiben sollte.“
„Okay, aber machte das an dem Tag einen Unterschied?“
„Dieser Tag veränderte alles. Wegen dieses verdammten Liedes. Nein. Wegen seines Textes. In dem Moment, als die Worte „Pandora’s Hell“ erklangen, bekam ich, als sei es die direkte Antwort aus der Hölle, von hinten von irgendeinem Verrückten eines mit dem Knüppel übergezogen.“
„Entschuldigen Sie, aber Sie sagten …“
„Ja, ja, ja.“ Inzwischen war ich genervt. „Hippocampus versus Amygdala. Glauben Sie mir. Bei mir ist es auch nur Glauben. Glauben ist wichtiger als Wissen. Wenn ein Knüppel Ihr Scheitelbein spaltet, haben Sie trotz der Umfeldverdrängung einen ziemlich deutlichen Eindruck, was Sie in dem Moment gehört haben. Genau in dem Moment. Wenn der Knüppel auf Sie niedergeht und Sie nicht wissen, ob Sie noch im Hier- oder schon im Jenseits sind. Da ist der Glaube an die Erinnerung detaillierter als die Erinnerung an das Wissen. Genau dieses Glauben-versus-Wissen-Ding, von dem ich sprach. “
Immanuel hob seine Augenbrauen. Dann nickte er kurz wie jemand, der so aussehen will, als hätte er verstanden, wovon ich sprach.
„Und was meinen Sie, warum …?“
„Warum? Warum?! Warum?!“ Mir hing dieser gequirlte Psychologenmist zum Halse raus. „Ich weiß, als nächstes werden Sie fragen, ‘konnte er nicht anders’, ‘wollte er nicht anders’ oder ‘wusste er nicht anders’, dann werde ich darauf antworten, dass mir das egal ist, dann Sie, dass es nicht egal sein sollte, dann beginnt alles von vorne und am Ende bleibt alles gleich. Können wir das bitte alles gleich überspringen? Bitte? Danke.“
Ein Piepsen begann.
„Was ist das?“, wollte ich wissen.
„Mein Handy. Mein Parkticket läuft ab.“ Immanuel blickte auf seine Teetasse wie jemand auf seine Uhr blickt, wenn er andeuten will, es eilig zu haben.
Das Piepsen ging weiter.
„Sind Sie sicher …?“, fragte ich vorsichtig.
„Keine Sorge“, hallten seine Worte durch den Raum. Sie hallten und hallten.
„Darf ich Ihnen was verraten?“, sagte Immanuel schließlich mit ernster Stimme.
„Nur zu.“ Die letzten zwanzig Sekunden dieses Gesprächs hatten sich wie eine Ewigkeit angefühlt und irgendwie spürte ich meine Gegenwart, als sei mein Gehirn eine Gallerte, die mit Gedanken in Form von Zitteraalen behäbig durchtunnelt wurde.
„Es ist alles ein Irrtum. Es gibt keine Hölle der Pandora.“
„Wie meinen …?“
„Sie haben den Text missverstanden.“
Und schon wieder war das Gepiepse da. Und plötzlich stieg Übelkeit in mir auf.
„Es heißt nicht ‘under Pandora’s Hell’. Es heißt, ‘Let the clocks be reset and the pendulums held.’ Offensichtlich hat bei Ihnen jemand die Uhren zurückgesetzt. Und die Pendel angehalten. Aber keine Sorge. Beide lassen sich wieder starten.“
Die violetten Pickel auf der Stirn wurden größer. Bald begannen sie, wild durch die Luft zu tanzen. Mir war weiterhin übel und das Gepiepse wurde regelmäßig.
„Ich glaube, das Leben geht weiter“, sagte Immanuel, bevor er im Nichts verschwand.
„Jetzt der letzte Stich der Naht, und wir haben’s hinter uns. Ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber ich glaube, wir können von einer optimistischen Prognose sprechen.“
„Glaube ist immer wichtiger als Wissen“, sagte eine weibliche Stimme.
Das Piepsen ging weiter und irgendwoher ahnte ich, dass ich ab heute keine Haare mehr auf dem Kopf hatte, dafür eine dicke Narbe.
„Der Bügel seiner Sennheiser hat dem armen Kerl sein Leben gerettet.“
„Sehr gut, Doktor Immanuel.“
„Nachher brauche ich dringend einen grusinischen Schwarztee. Mit Bergamotte.“
Ich glaubte, eine punktförmige violette Reflexion in seinem Gesicht zu sehen, verursacht durch einen grell blitzenden Stirnspiegel.
Und an Doktor Immanuels Aussprache war herauszuhören, dass er einen Vollbart trug. Unter einer dieser üblichen Mundmasken. In Dunkeltürkis, nach Vorwerk-Teppichpulver riechend.

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schreiberlinga
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 81



BeitragVerfasst am: 21.01.2020 14:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Wettbewerbstexte in der Regel nur einmal durchgelesen. Mein Kommentar darunter ist also eine ziemlich spontane Reaktion. Ich hoffe, dass du trotzdem - oder gerade deswegen - von meinem ersten Eindruck profitierst.

Zum Schluss ist die Geschichte schön abgerundet. Somit hat das Ganze etwas mehr Sinn bekommen.
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Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 57
Beiträge: 695

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 18:53    Titel: Antworten mit Zitat

Also gut. Da wird einem eins rübergezogen an einer Ampel auf dem Weg zur Arbeit. Während der lebensrettenden OP träumt er Zeug, das sich mit der Wirklichkeit vermischt - Gerüche, Schmerzen, Licht.

Dabei wird er über einen "Neger Wumbaba" aufgeklärt, den er offenbar schon lange mit sich herumtrug (einen Verhörer: die Liedzeile hat nicht mit Pandora oder Hölle zu tun). Er kommt sehr arrogant, besserwisserisch und genervt rüber.

Schließlich wird er gerettet, der Kopfhörer war eine Art Schutzschild. OP beendet, Überraschung, das war's also.

Was macht das jetzt mit mir?

Ich hätte mir ein paar Absätze mehr gewünscht, mehr Klarheit darüber, wer gerade was sagt - auch wenn es ein wirrer Traum ist, der Träumende selbst hat davon ja eine klare Vorstellung, aber beim Lesen rätselt man - und das mit dem Glauben und dem Wissen kommt ein bisschen aufdringlich rüber und ist nicht wirklich eine Weisheit.

Reparatur - check
Vergangenheit, fremd - semi-check
E - ??
Kintsugi - weiß nicht recht

Originelle Geschichte, überraschender Schluss.

Ich bleibe etwas unschlüssig.
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Kiara
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1002
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 19:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Der erste Eindruck des Textes meinerseits, rein subjektiv natürlich, bitte nicht überbewerten.

Vorweg: Schönes Ende!

Lässt mich daran denken, was wir denken, während wir nicht wissen, was wir denken. Wahrscheinlich denken wir nichts, wenn wir in Narkose liegen, aber ich weiß es nicht. Vielleicht denken wir etwas, ohne es zu bemerken. Wenn jemand am Kopf herumoperiert und dabei eventuell Nerven stimuliert, denken wir dann etwas anderes, als wenn dort nichts geschieht? Hmm. Interessant.

Zurück zum Text: Etwas anderes, schön. Sehr gut geschrieben, finde ich. Hab auch wenig zu Meckern.
Als E-Literatur ist er alleine aufgrund der möglichen Gedankengänge, die ich vorher hatte, einzustufen.

Mir gefällt die Auflösung am Ende. Die Denkweise des Prota.
Nach langem Überlegen gebe ich deiner Geschichte hervorragende 7 Punkte.

Mein Lieblingsteil: "Wenn ein Knüppel Ihr Scheitelbein spaltet, haben Sie trotz der Umfeldverdrängung einen ziemlich deutlichen Eindruck, was Sie in dem Moment gehört haben."

Liebe Grüße


_________________
- Das Mahnmal (2019)
- Band 2 (2020)
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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 47
Beiträge: 2269
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 20:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
vorweg ein paar spontane Lesegedanken:

Zitat:
Er schlägt ein in das Gehirn wie ein Bamerang.“
Ein was? Meintest du Bumerang?

Zitat:
Dass Immanuel wusste, dass Bamerang eine Interjektion aus Peter Pan war, wagte ich zu bezweifeln.
Ah, okay, hätte weiterlesen sollen. Aber Google wusste das auch nicht. Und auch in der Volltextsuche des englischen Originialtexts von 1911 taucht das Wort nicht auf. "Bangarang" übrigens auch nicht, wenn du das meintest (aus dem Film "Hook").

Zitat:
„Es ist die Hölle der Pandora.“
Okay, gut, jetzt verstehe ich. Der Kerl schient einiges durcheinanderzuwerfen.

Zitat:
„Es ist so ein Fall“, meinte ich schließlich, „ein Fall, wo der Stress so groß ist, dass Sie sich weder erinnern können, was davor, was danach passiert ist, noch an welchem Wochentag dieses Ereignis vonstattenging, geschweige denn, was Sie zum Frühstück hatten. Nur der Moment, haargenau der Moment des Vorfalls, plusminus drei Sekunden, bleibt für immer im Gedächtnis verhaftet.
Nochmal zu dieser Stelle zurück, die hatte mich glauben lassen, Immanuel sei derjenige, dem das passiert sei. Erst als dieser "ich" fragt, ob der Kopf noch wehtäte, verstehe ich das tatsächliche Verhältnis der Gesprächspartner.

Zitat:
„Das geht so. ‘Due to lack of interest“, begann ich zu zitieren, „tomorrow is cancelled. Let the clocks be reset under Pandora’s Hell.’“
Ah, mondegreen für "and the pendulums held". Erinnert mich gerade an jemanden, der bei Metallicas Sanitarium immer "live peep peep" verstanden hat (statt "leave me be") und das dann noch mit "wieso, in der Anstalt hat man doch nen Vogel" erklärte lol

Okay, eine Pointengeschichte also. Eine Sache verstehe ich nicht: Wenn das ganze Therapiegespräch eine Illusion war, wie kann ihn der "Therapeut" dann auf den Verhörer aufmerksam machen? Was er selbst nicht weiß, kann er sich doch nicht selbst klarstellen. Oder kennt er den richtigen Text und das ist nur beim Schlag auf den Kopf durcheinandergekommen, wie so einiges andere?

Kommen wir zu Bewertung:
Ist der Text sperrig und ungewöhnlich? Ja, in gewisser Weise schon. Reicht gerade für einen Alibipunkt in dieser Kategorie, aber mehr auch nicht. Wirklich neue Wege beschreiten, wie gefordert, tut er allerdings nicht.
Auseinandersetzung mit "Vergangenheit ist ein fremdes Land"? Ja, könnte aber tiefergehender sein, wird nur "gezeigt" nach der Verletzung, aber eine Auseinandersetzung findet nicht wirklich statt.  Aus der Pandora-Idee hätte man hier noch mehr machen können, "sich erinnern" als Öffnen von Pandoras Box vielleicht? Oder sollte ich mir das denken, aufgrund der Fluchtversuche in Details? Aber ich will jetzt auch nicht zu viel hineininterpretieren, was der Text vielleicht gar nicht hergibt.

Kintsugi: Finde ich nicht wirklich. Mag am Schluss umgesetzt sein, die Elemente der Therapie-Vision zu einem realen Umfeld neu zusammenzukleben. Ist aber nicht sonderlich spezifisch. Vielleicht noch im "Glauben ist wichtiger als Wissen" des Protas. Oder der Therapeut als Goldlack, der zu reparieren versucht, was zu reparieren ist. Vielleicht hätte man dem eine goldene Brille aufsetzen können oder so?

Gerne gelesen, ob es für Punkte reicht, kann ich erst sagen, wenn ich alles durch habe.
Beste Grüße,
Veith

Abschließend, nach ewigem einigem hin und her Überlegen, wüsteste Flüche über den Wettbewerb ausstoßen, Tischkanten zerbeißen und das gesamte Dictionnaire Infernal rauf und runterbeschwören, landet deine Geschichte im gelben Bereich und erfüllt damit die Anforderungen an den Wettbewerb, wie ich sie momentan verstehe, teilweise. Sie schafft es leider nicht in meine Top Ten und erhält damit keine Punkte.


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Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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hobbes
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Beiträge: 3322

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 22.01.2020 22:34    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich wusste nicht einmal, weshalb ich heute in diesem lächerlichen dunkeltürkisen, nach Vorwerk-Teppichpulver riechenden Polstermöbel ihm gegenüber saß, kaum bequemer als ein Sitzsack, mit einem niedrigen Tisch zwischen uns, eingerahmt von einem Ventilatorturm und einer Topfpflanze.

Ha! Geht doch. Endlich mal eine Beschreibung, bei der ich nicht unwillkürlich aufseufzen und fünf Absätze weiterscrollen will.
(Das schreibe ich jetzt nur, weil mir das mit den Beschreibungen bei diesem Wettbewerb extrem auffällt. Unangenehm, meistens.)

Ich mag den Erzähler. Vermutlich würde ich auch violette Pickel bekommen, müsste ich ihm "in echt" zuhören, aber das muss ich ja zum Glück nicht.
Hihi.

Aber hey, du bist noch nicht lange in diesem Forum oder? Weil, wärst du es, hätte dich doch sicher schon jemand drauf gestoßen, dass man bei Dialogen, wenn der Sprecher wechselt, eine neue Zeile beginnt. Weil das nämlich viel besser und angenehmer zu lesen ist und man als Leserin gar nicht erst inne halten und sich orientieren muss.
Nun, jetzt weißt du es. Willkommen im Forum smile

Zitat:
Dann nickte er kurz wie jemand, der so aussehen will, als hätte er verstanden, wovon ich sprach.

Oh, ich weiß, wovon du sprichst schreibst.
smile

Zitat:
„Es heißt nicht ‘under Pandora’s Hell’. Es heißt, ‘Let the clocks be reset and the pendulums held.’ Offensichtlich hat bei Ihnen jemand die Uhren zurückgesetzt. Und die Pendel angehalten. Aber keine Sorge. Beide lassen sich wieder starten.“

 lol Nun aber! Wer wird denn gleich den Wettbewerbs-Smalltalk in den Wettbewerbs-Beitrag einbauen? Das ist ja unerhört!

Das Ende, das Ende. Das ist natürlich, nun ja. Nein, mit dem Ende bin ich nicht zufrieden (mit dem davor schon).

Bin schon sehr gespannt, wie der Text beim zweiten Lesen wirkt. Ich fürchte, dann fällt er ab, das tun sie meistens. Also die, die a) witzig und b) Pointengeschichten sind. Wobei das hier eher keine klassische Pointengeschichte ist (ein Glück), daher besteht vielleicht noch Hoffnung.

Zweites Lesen.
Ha! Von wegen. Beim zweiten Lesen mag ich den Typen noch lieber. Und mir fallen Sachen auf wie das hier:
Zitat:
„Ich glaube, das Leben geht weiter“, sagte Immanuel, bevor er im Nichts verschwand.

lol

Doch, ich mag den Text.
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Literättin
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 07:25    Titel: Antworten mit Zitat

Vorneweg: wenn ich einen Text kritisiere, beschreibe ich in erster Linie, was vom Text bei mir ankommt und was es auslöst. Sollten dabei auch einmal harte Worte fallen, so sind es dennoch beschreibende, nicht verurteilende, hämische oder verachtende. Ich kritisiere nicht in satter Selbstzufriedenheit. Immerhin sind mir selbst schon Texte aus der Feder geflossen, die daneben gingen. Und das sind zunächst einmal die meisten meiner Texte oder Texte-im-Entstehen.

                                                                                *



Eine ziemliche Nervensäge der Art dampfplaudernder Geck liegt (vermutlich) in der Notaufnahme und laboriert an einem falsch verstandenen Liedtext. Und ich fürchte, meine Stirn zieren von nun an ein paar violette Pickel. Mir bleibt dieser text ein Rätsel. Scheint Satire zu sein, aber ich weiß nicht ... welchen Inhalts oder in welcher Zielrichtung dieser Text unterwegs ist. Irgendwas wesentliches scheint zu fehlen.


_________________
when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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silke-k-weiler
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Alter: 45
Beiträge: 237



BeitragVerfasst am: 23.01.2020 15:35    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Text,

Du bist sehr flüssig und kurzweilig zu lesen, aber ich habe leider kein Foto ... ähm ... keine Punkte für Dich. Warum nicht?, wirst Du Dich fragen.
Ich habe die Umsetzung des Themas gesucht. Vielleicht ist sie ja so subtil in Dir versteckt, dass ich Grobstoffel sie einfach übersehen habe. Aber eine klaffende Wunde am Kopf, die zugenäht wird, reicht mir nicht als "Kintsugi".

Trotzdem, war nett, Dich zu lesen.

Herzlichst,
Silke
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gold
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 22:07    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Inco,

ich tu mich schwer, diesem Text gerecht zu werden. Ein zynisch aggressiver Patient oder Klient unterhält sich mit seinem Neurologen, der außerdem noch Psychologe ist. Kann sein, dass das Wesen des Patienten durch die Knüppelattacke negativ beeinflusst wurde. Aber die Ursache dafür spielt keine Rolle in dieser Geschichte. Ehrlich gesagt, ich werde nicht warm mit dem Text. Soll ich wahrscheinlich auch nicht. Aber er hat auf jeden Fall eine Wirkung auf mich als Leserin und Kommentatorin. Die Negativität ist so stark, dass ich den Text nicht den ersten zehn Plätzen zuordnen kann. Gäbe es elf, würde ich ihn da zuordnen. Das Pandora's Hell und der übrige Text spielt für mich von der Bedeutung her eine Nebenrolle, die das Fabulieren und den Zynismus des Prota darstellt und für mich keinen weiteren Sinn ergibt. Aber wahrscheinlich tu ich dir mit diesem Urteil unrecht. - Asche auf mein Haupt...

Liebe Grüße
gold


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es sind die Krähen
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Seufzend die Hausfrau: "Spinnen sind kleine Schweine" ...
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MoL
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Beiträge: 1425
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Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 25.01.2020 00:50    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Inko! (Constantine?)

Extrem coole Idee!

Dialog zwischen zwei Personen / selbe Zeit / selber Ort: Jo.
"Fremde": Aber sowas von!
"Vergangenheit": ja, auch, irgendwie. Zwar nicht viel, aber dermaßen charmant und kreativ gelöst, ja! Smile

Nur das mit dem Pickel... Ehrlich, muss sowas sein? Ekelig, brrrr!

Gefällt mir extrem gut! Ich weiß noch nicht, ob ich überhaupt bepunkte, aber falls ja, gibt es hierfür auf jeden Fall welche! Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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traumLos
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Beiträge: 375



BeitragVerfasst am: 25.01.2020 21:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Mann in Narkose. Es verwebt sich in einem inneren Dialog vor der Narkose mitbekommene Information mit unterbewusst Wahrgenommenem. Eine nach der OP verbleibende Narbe. Klasse Umsetzung der Vorgaben.

Aber dann fließen Informationen ein, die sich realistisch lesen.Für mich nur mit Aufwachen während der OP erklärbar, was mir wiederum unrealistisch erscheint. Dazu einige Bilder, die die für mich wie Fremdkörper im Text wirken. Vielleicht absichtlich so gesetzt, um auch im Text Risse einzufügen. Dann sind sie für mich zu willkürlich gesetzt. Der entscheidende Punkt aber, der diesen Text aus den hohen Punkten nahm, ist die Stimme der OP-Schwester. Ist sie aufgenommen worden, um dem Leser die Szene zu erklären? Ich denke das war nicht nötig.

Mit Bedauern 0 Punkte.


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Meine Beiträge geben nur meine Meinung wieder. Jede Einbeziehung realer oder fiktiver Personen wäre nur ein Angebot. Zwinkersmiley
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Catalina
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Beiträge: 418
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BeitragVerfasst am: 27.01.2020 20:27    Titel: Antworten mit Zitat

Juhu! Nach so vielen gediegenen Texten war das ein erfrischend jugendlicher Ritt.

Jemand hat einen Schlag auf den Kopf bekommen und hat eine skurrile Nahtoderfahrung, einen Traum oder eine Hallozination bei der darauf folgenden OP: er säße bei einem Psychotherapeuten und rede über den Unfall. Als ihn der Therapeut darüber aufklärt, dass es nicht um die Hölle, sondern um eine (kurzzeitige) Pause geht, gleitet er ins Leben bzw. in die Realtität zurück. Dort klärt sich dann auch auf, woher die einzelnen Fetzen aus seiner Halluzination stammen. Bis auf die Sache mit dem Tee...

Ja, der Tee. Ich hoffe, das war kein Logik-Fehler, sondern Absicht... denn der verhindert, dass ich die Aufklärung am Schluss zu langweilig finde. Was wäre, wenn Du diesen Teil raffst, nur in Stichworten aufzählst? Nur so eine Idee...

Deinen Stil mag ich sehr, diese Lässigkeit passt nicht nur zum Protagonisten, sondern auch gut zum Text.

Wunderbar auch der Verhörer. Und ich hatte schon überlegt, wie ich Pandoras Hölle deuten sollte.

Die Vergangenheit als fremdes Land wird so verquer eingebaut, dass es mir wieder gefällt. Den eigenen Kopf als geschlossenen Raum des Gesprächs zweier Personen auszusuchen, das ist sehr raffiniert.

Wie ich Kintsugi in Deiner Geschichte interpretieren soll, dazu muss ich mir noch Gedanken machen. Momentan fällt mir dazu nichts ein.

Genauso, wie ich mir noch den Kopf darüber zerbrechen werde, ob das für mich genug E ist. Da steckt ja doch irgendwie eine Philosophie dahinter:  was es für Folgen haben kann, wenn man etwas mißversteht. Wie manchmal ein einziger ausgewechselter Buchstabe über Leben und Tod entscheiden kann. Mal sehen...

---
Letztendlich ist es dann doch an dem Kintsugi gescheitert, dass ich nicht erkennen konnte. Es war aber sehr knapp.

Ko
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Boho
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BeitragVerfasst am: 28.01.2020 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe*r Verfasser*in,

hmm, zuerst dachte ich: ein bisschen zu konstruiert. Beim zweiten Lesen plötzlich nicht mehr... bin ein wenig ratlos. Irgendwas hat der Text, der letzte Satz gefällt mir sehr!

Außerdem kann ich hier das Kintsugi erkennen, was leider nicht bei allen Texten der Fall war...

Wird wohl Punkte geben...

LG Boho
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Michel
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Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 28.01.2020 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hier glaube ich, die Schreibe zu erkennen. Mal sehen. Obwohl …
Geschichten mit Therapeuten hasse ich ja. Unsereins kommt da in der Regel schlecht weg. Und wenn ein Kollege dann auch nohc Bergamotte im Tee hat, isses ganz aus. Wie gut, dass er nur imaginiert ist.
Ein Patient führt einen genervten Dialog mit einem Therapeuten. Vollbart, das Klischee stimmt schon mal, wirkt aber wissentlich eingeflochten und wird irgendwie postmodern-ironisch zerpflückt. Der Patient weiß mindestens über Grundlagen der Speicherung im Gedächtnis Bescheid. Er gibt seine genervte Stimmung an das Gegenüber weiter. Und ganz am Ende taucht er auf in eine höhere Schicht der G'schicht: Ende der OP.
Genre ist das nicht, höchstens werden Genres veralbert. Stattdessen sind Hinweise im Text versteckt, von denen ich vermutlich die meisten überlese. Die voller werdende Tasse z.B., die entziffere ich höchstens als gestörtes Zeitempfinden. Kein Wunder, bei einer Kopf-OP. Einheit des Ortes und der Zeit? Ha, Streitpunkt, aber vermutlich hast Du es genau darauf angelegt. Hinterfragen des Wettbewerbs-Kontextes? Möglich, bin gespannt auf Deine eigene Erklärung nach dem Wettbewerb. Der reale Ort ist die ganze Zeit der OP in der Hirnchirurgie. Der imaginierte Ort differiert. Die reale Zeit: Dito. Und das Spiel mit der Rückblende: Das ist natürlich auch keine, sondern – Infodump-Klischee verarbeitet – dem Leser mittels eines Dialogs vermittelt. Das hat etwas von der Augsburger Puppenkiste: Man sieht die Fäden und folgt doch der Geschichte. Nun bin ich eher so der Apple-Design-Fan: Nicht sehen, wie es funktioniert, ist der wahre Zauber. Aber das ist Geschmackssache.
An einem Punkt sehe ich einen Regelbruch: Die OP-Schwester ist die dritte Person, die ins Gespräch eintritt. Aber vermutlich könnte man da auch irgendwie argumentieren, dass die innere Stimme des imaginierten Dialogs damit korrespondiert.
Was bleibt, ist so ein Gefühl: Hochgradig kompliziert konstruierte Story, viele versteckte Rätsel – und eine Sprache, die das Niveau der dahinter liegenden Konstruktion noch nicht ganz erreicht. Zu wenig Geschichte, zu viele Marionettenfäden. Aber das ist natürlich Motzen auf hohem Niveau.


_________________
Ab November 2019 im Handel: "Shevon", erster Band der Flüchtlings-Chroniken
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 28.01.2020 21:19    Titel: Antworten mit Zitat

Damit weiss ich leider sehr wenig anzufangen.
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Jenni
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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 29.01.2020 23:43    Titel: Antworten mit Zitat

Also. Der Protagonist(/in) versucht einem Psychologen namens Immanuel wissenschaftlich zu erklären, wie und weshalb seine Kopfverletzung eine punktuelle Amnesie hervorgerufen hat. Letztlich glaubt er aber nicht an die ohnehin etwas falsch verstandene Wissenschaft, sondern an Vorsehung oder Fügung, denn ein missverstandener Songtext wird als Ursache für die Kopfverletzung herangezogen, in dem nämlich werde die Hölle besungen, wobei in Wahrheit nur die Zeit angehalten. Das ganze Gespräch ist dann aber doch nur ein Traum gewesen, während der Arzt Dr. Immanuel dem Patienten den Kopf zunäht. Habe ich das so richtig verstanden?
Gut, die Sache mit dem falsch verstandenen Songtext, das ist schon ganz witzig. Das pseudowissenschaftliche Gefasel und die zunehmende Verzweiflung, das Gegenüber davon nicht überzeugen zu können, das ist als Dialogsituation durchaus interessant, wie man ja anfangs einem Ich-Erzähler geneigt ist völlig zu vertrauen und dann hier allmählich gezwungen wird, dessen Perspektive zu misstrauen. Nur warum muss die Traumwendung sein. Nun ja, sie muss aber sein, denn im Rückblick betrachtet, macht das Gespräch natürlich nur so überhaupt einen Sinn. Gar nicht erklärbar sind mir allerdings die prophetischen Aspekte des Traums, wobei es könnten unterbewusst mitgehörte Gesprächsfetzen sein.
Thema fremdes Land Vergangenheit sehe ich über die Amnesie hinaus nicht umgesetzt, und ob Vergessen allein dem Zitat beikommt, das finde ich ja etwas wenig. Kintsugi die dicke Narbe auf dem Kopf? Hm.
Und wo ich es jetzt erneut lese: Wenn der Protagonist in einer Art Ohnmachtstraum das ganze Gespräch nur phantasiert, wo kommt dann eigentlich die Erkenntnis her, dass die Liedzeile falsch verstanden wurde? Oder wurde sie das gar nicht, und die Idee dessen, Pandora’s Hell, ist nur durch den Schlag auf den Kopf entstanden? Schon ziemlich verworren, das Ganze. Trotzdem ist das unter den Wettbewerbstexten für mich einer der interessanteren, ich mag auch Skurriles, und das könnte schon für ein paar Punkte reichen. Und hat für 2 Punkte gereicht.
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1503
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 30.01.2020 20:21    Titel: Antworten mit Zitat

Patient fantasiert während einer Schädel-OP.
Dabei fließen Eindrücke des bei Bewusstsein durchgeführten Eingriffs und Erinnerungen an den Unfalltag in einem imaginierten Gespräch zusammen.

Das ist eine originelle Story.
Sie kreist um die Fragilität der Erinnerung, die Schwierigkeit Realität und Fantasie zu trennen, die Unmöglichkeit, Zeit ohne konkrete Referenz zu ordnen.

Am Ende sortieren sich die Splitter, die Zeit nimmt ihren Takt wieder auf, die Geschichte wird für den Leser erfahrbar.

Hat mir sehr gefallen.


_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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a.no-nym
Hobbyautor


Beiträge: 382



BeitragVerfasst am: 01.02.2020 01:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, lieber Inko,

heilig´s Blechle, was haben wir denn da? Einen Asperger-Autisten, der eins auf die Rübe bekommen hat und (Sennheiser sei Dank) trotzdem noch in der Lage ist, den Notarzt zuzutexten, wenn auch geistig nicht hundertprozentig sortiert?

Falls das Ganze (abgesehen von der Glaube/Wissen-Frage) eine tiefere Bedeutung haben sollte, so ist sie mir glatt entgangen. Trotzdem habe ich diesen etwas abgedrehten Text sehr gern gelesen (und das mehrfach)!

Die Vorgaben betrachte ich als erfüllt.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen
a.
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Lalanie
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 58
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 00:50    Titel: Antworten mit Zitat

Da ich ein Neuling in diesem Forum bin, folge ich dem Ratschlag eines Mitglieds und schreibe nur einen Kommentar ohne Bewertung – ich hoffe, das wird mir nicht übel genommen.
Ehrlich gesagt verwirrt mich Dein Text; ich verfüge einfach nicht über den nötigen Intellekt, um Dir folgen zu können. Die Aussage des Textes nach dem Umschwung am Ende ist mir leider nicht klar. Das ganze Gespräch zwischen Immanuel und dem Protagonisten fand ich exzellent gestaltet, die Idee mit dem Liedverhörer hat mir sehr gut gefallen, aber ich begreife leider die Verbindung zum Titel nicht, die Umsetzung der Vorgaben kann ich auch nicht beurteilen. Das tut mir sehr leid. Aber ich danke für die Arbeit mit diesem Text!
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Sue Ulmer
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 26
Beiträge: 345
Wohnort: Göttingen


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 12:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Text, der mich beim ersten Lesen mehr beeindruckt hat, als beim zweiten. Was ich an diesem Text nichtsdestotrotz mag:
1. er überschüttet mich nicht mit Goldlack - und das obwohl hier kaputtgehen und geflickt werden doch sehr wörtlich genommen wird
2. Der Ich-Erzähler wirkt so herrlich hilflos in seinem Dialog mit Doktor Immanuel - und das ist es ja, wenn man unter dem Messer liegt und operiert wird: Man ist hilflos.
3. Ruby


_________________
Hier ruht ein gelynchtes Gedicht.
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poetnick
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 57
Beiträge: 572
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 17:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

das hier ist originell gedacht und erzählt. Die Geschichte ist bei mir in den Punkten.
Durch ihre Machart konnte ich im 'fremden Land' tatsächlich auch Neuland entdecken und musste einige Male schmunzeln.

LG - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Kojote
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 29
Beiträge: 276
Wohnort: Wurde erfragt


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 19:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Kritiker,

ich danke euch für euer Feedback und eure Punktevergaben!

Das "Willkommen im Forum" habe ich lächelnd zur Kenntnis genommen. Wie ihr sehen könnt, bin ich kein Neuzugang in diesem Forum.

Natürlich -- und das ist Tatsache -- habe ich an ein paar Stellen einen antwortenden Dialog ohne Zeilentrennung drangeklatscht. Das war aber ein purer Flüchtigkeitsfehler. Ich habe den Text offline in einen Texteditor getippt und beim Einfügen sind mir zwei-drei Dialogwechsel entgangen, um dort einen Zeilenwechsel einzufügen.

Freut mich, dass ich einige Leute begeistern konnte.

Liebe Grüße,
der Kojote


_________________
Kojote – zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen!
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