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Risse aus Zuckerwatte


 
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Catalina
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 47
Beiträge: 418
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 10.01.2020 19:00    Titel: Risse aus Zuckerwatte eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Risse aus Zuckerwatte

              „Entschuldige bitte."

Seine Stimme klang warm und voll und schreckte sie aus ihren Gedanken. Sie hob den Kopf. Der große Mann stand direkt neben ihr und lächelte - er hatte ein unwiderstehliches Lächeln und sie spürte, wie sich ihr Puls beschleunigte. Schlank und mit dichten, schneeweißen Haaren, braungebrannt, leger, doch elegant gekleidet, kam er ihr seltsam vertraut vor. Vertraut war selbst sein Geruch. War das Old Spice? Ein Duft, den sie liebte. Verwirrt schaute sie ihn an.
„Ähm... Sie wollen...?“
Er schien irritiert,

               fing sich aber schnell wieder. „Mich neben Sie setzen. Wenn Sie wollen, können Sie auch rutschen.“ Er grinste.

Rutschen? Sie schaute zu dem Fenstersitz neben sich. Natürlich, der Platz war noch frei. Sie selbst bevorzugte immer den Gang, da war man im Notfall schneller draußen. Aber der Großteil der Fluggäste wollte am Fenster sitzen.
Als sie aufstand, damit er sich an ihr vorbei quetschen konnte, spürte sie, dass sie errötete.
Hatte sie ihren Lippenstift aufgetragen? Was hatte sie eigentlich an? Verstohlen sah sie an sich herunter. Die dunkelbraune Seidenbluse, die matt schimmerte. Ihr Lieblingsteil, was für ein Glück. Die Hose darunter sah auch gut aus, beige mit weitem Bein. War das ihre? Und was war das für eine dumme Frage?
Sie schüttelte ihren benebelten Kopf und setzte sich wieder. Sag' bloß, ein Mann konnte sie noch immer so verwirren?  Sie benahm sich wie ein Teenager.  Ein kindischer Teenager.
Er setzte sich ans Fenster, schnallte sich an und blickte ihr direkt in die Augen. Sie schaute schnell weg. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie geschmeidig seine Bewegungen waren, als er anfing, in seiner Herrenhandtasche zu kramen. Dabei war er so konzentriert, dass sie einen genaueren Blick wagte. Er war drahtig und unter seinem weißen Hemd konnte man muskulöse Arme erahnen. Ein kurzer Nasenrücken mit Sommersprossen gab ihm ein spitzbübisches Aussehen, auch wenn er die Siebzig sicherlich bereits überschritten hatte. Wie alt war sie eigentlich? War bei ihr ein grauer Ansatz zu sehen?  Unwillkürlich strich sie sich über ihr Haar. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit war es in letzter Zeit oft krisselig und ließ sich nicht bändigen. Krisselig… sagte man so? Früher hätte sie das gleich nachgeschlagen, sie liebte Wörter. Wann war früher?
Anscheinend hatte er jetzt gefunden, wonach er gekramt hatte, denn er zog eine Packung dieser leckeren Dinger, dieser…

               „Apfelringe?“ Er hielt ihr die Packung unter die Nase.

Wie viele sie wohl nehmen konnte, ohne gierig oder unhöflich zu erscheinen? Konventionen – für sie wurden sie immer anstrengender. Sie entschied sich für zwei handvoll und schob sich den ersten Ring in den Mund. Genüsslich schloss sie die Augen. Wie unwirklich das alles war. Nicht nur, dass dieser attraktive Mann bei all den Plätzen im Flieger ausgerechnet neben ihr saß. Nein, er hatte auch noch ihren Lieblingssnack im Gepäck.  
Rede mit ihm! Wenn ihr nur etwas einfallen würde. Der leichte Nebel wollte nicht weichen...

               „Wie hat Ihnen Costa Rica gefallen?“

Costa Rica? Ihr Blick fiel auf die Bordkarte, die vor ihr im Sitz klemmte. San José – Frankfurt. Dieser Mann schien ihr alle Sinne zu rauben. Der Nebel wurde dichter. Hilflos sah sie ihn an.  

               „Am Vulkan Arenal gibt es heiße Quellen, in denen man baden kann.“

Bildete sie es sich ein, oder war sein Lächeln gequält? „La Fortuna“, sagte sie spontan, ohne zu wissen, warum.

               „La Fortuna, genau. Die heißen Quellen.“ Sein Blick hellte sich auf. „Die Bar wird geöffnet, wenn es dunkel wird. Sie steht mitten im Pool, der aus den Felsen gemeißelt wurde.
               Auch die Barhocker sind aus Stein. Mit ein bisschen Glück speit im Hintergrund Arenal seine Lava aus. Und die Cocktails sind hervorragend.“

Sie konnte es vor sich sehen, den leichten Schwefelgeruch riechen und die Piña Colada schmecken. Als wäre sie da gewesen. War sie da gewesen? Ihr Blick fiel wieder auf die Bordkarte.
„Mein Name ist Tizia, Tizia Arnold.“ War er das? Ihr Kopf fühlte sich an, als ob er mit Zuckerwatte ausgestopft wäre.

               „Tizia! Wie unhöflich von mir, ich heiße Jan.“ Er schmunzelte jetzt.

Als er seinen Namen sagte, bekam sie eine leichte Gänsehaut. Warum nur kam er ihr so vertraut vor? Die Stewardess schob sich mit dem Getränkewagen durch den Gang. Jetzt hätte sie gerne ein Glas… dieses perlenden Sekts…

               „Champagner, zwei Gläser bitte.“

Um seine Bestellung zu machen, hatte er sich leicht über sie gebeugt. Nun roch sie nicht nur sein Aftershave, sie roch seinen ganz eigenen Duft. Männlich, sexy. In ihrem Magen prickelte es ähnlich wie in dem Glas in ihrer Hand. Teenager!
Nervös spielte sie mit ihrer Kette aus Lavastein. Er hatte sie ihr geschenkt und immer betont, wie sehr sie ihr schmeichle. Wer? Ihre Gedanken wollten abdriften… Nein, nicht jetzt… nicht inmitten dieser magischen Begegnung. Sie wollte etwas sagen, aber ihr fehlten die Worte.

               „Worauf wollen wir anstoßen? Oh, ich weiß… Ich stoße darauf an, dass ich neben der schönsten Frau im ganzen Flugzeug sitze.“
               Elanvoll schwang er sein Glas in ihre Richtung, zögerte dann aber. „Ich hoffe, das war nicht zu anmaßend?“

Sie musste lächeln. Sowohl sein Eifer wie auch sein Zögern ließen ihn wie einen großen Schuljungen wirken. Ihr Herz wurde warm - und genauso ihr Schoß. Wie war es möglich, dass dieser Mann sie so anzog? Und wie konnte er ihr nur so vertraut sein? Auch wenn sie der Nebel nun fast einlullte, sie fühlte sich ausgesprochen wohl in seiner Gegenwart. Jung. Attraktiv. Und geborgen. Er stand auf und sah sie auffordernd an. Sie blickte auf ihre Hand. Das Champagnerglas war verschwunden. Um sie herum wurde es unruhig. Gepäckklappen öffneten und schlossen, Menschen erhoben sich. Was war… Sie sah sich um und ihr Blick blieb am Fenster hängen. „Wir sind schon in...“

               „Frankfurt. Ja, wir sind zuhause.“

Was konnte sie schon verlieren? Um sie herum erschien alles immer seltsamer. Bald würde sie sicher weg schweben in diesem Nebel, den Kopf voller Zuckerwatte.
„Sehen wir uns wieder?“ Sie merkte selbst, wie dringend ihre Frage klang. Und kaum war sie ausgesprochen, kroch ein leises Grauen in ihr hoch. In diesem Nebel war er ihr einziger Halt, ihre Konstante. Auf einmal hatte sie das sichere Gefühl, ohne ihn wäre sie verloren. Ängstlich fieberte sie seiner Antwort entgegen.

               „Wir bleiben zusammen.“

Erleichterung durchflutete sie. Nun war der Nebel egal.
Kurz bevor sie aus der Maschine auf die Gangway traten, bot er ihr seinen Arm an. Sie nahm ihn und schmiegte sich ganz leicht – er würde es nicht merken – an ihn. Draußen schien die Sonne und der Himmel war strahlend blau. Kaiserwetter. Zuckerwattenwetter. Die Stewardess nickte ihnen zum Abschied zu: „Misses Arnold, Mister Arnold.“

Was nicht Stewardessen manchmal für verrückte Dinge sagen,

               nicht wahr?

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schreiberlinga
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 81



BeitragVerfasst am: 21.01.2020 16:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Wettbewerbstexte in der Regel nur einmal durchgelesen. Mein Kommentar darunter ist also eine ziemlich spontane Reaktion. Ich hoffe, dass du trotzdem - oder gerade deswegen - von meinem ersten Eindruck profitierst.

Das gehört jetzt wohl zum Genre "Liebesgeschichte". Ich erkenne da keine Mehrschichtigkeit - oder habe ich etwas übersehen? Mir ist außerdem nicht klar, ob sie nun diesen Mann kannte oder nicht. Aber vielleicht habe ich hier auch wiederum etwas übersehen.
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 45
Beiträge: 239



BeitragVerfasst am: 21.01.2020 22:03    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Text,

mir gefällt, wie Jans Dialoganteile wie Stege zwischen Tizias Passagen fungieren, also die Lücken überbrücken. Die Sensibilität, mit der das Thema Demenz aus der Sicht der wegschwebenden, sich im Nebel verlierenden Tizia angegangen wird. Hat mich sehr berührt, ich erkenne das Thema wieder, die Vorgaben sind ebenfalls umgesetzt.

7 Punkte rein in den Topf.

Herzlichst,
Silke
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Kiara
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 40
Beiträge: 1008
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 11:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Der erste Eindruck des Textes meinerseits, rein subjektiv natürlich, bitte nicht überbewerten.

Zu allererst: Die Formatierung ist ungewöhnlich. Oder ich verstehe sie nicht. Ich habe mich versucht, darauf einzulassen, etwas zu erkennen, doch normale Absätze würden genauso funktionieren, so denke ich. Dein Schreibstil ist gut.

Was ich nicht mag ist, wenn Frauen alleine schon bei Anblick eines Mannes nicht mehr klar denken können. Ok, sie reflektiert ihr Verhalten, nennt sich selbst Teenager usw., dennoch ist es unglaubwürdig. Vielleicht gibt es so etwas tatsächlich und ich habe es noch nie erlebt? Ich fand es jedenfalls übertrieben.

Das Ende rückt die Geschichte in ein anderes Licht. War das Ganze nur ein Rollenspiel eines Ehepaares? Nein, passt nicht.
Aber: Sie mit Demenz bspw., die ihren Gatten deswegen so toll findet, weil er diese Bekanntheit ausstrahlt - die auch immer wieder thematisiert wird - gepaart mit guten, ihr ebenfalls bekannten Manieren? Das wäre die beste Lösung für den Text, wenn ich ihn lese.

Es fällt mir schwer, meine Vorurteile gegenüber dieser Frau loszuwerden. Es ist ein Text, den man nicht nach den ersten Sätzen verurteilen darf.

Gefährliches Pflaster, auf das du dich begeben hast, liebe(r) Inko.

Das Thema Demenz ist hier geschickter aufgegriffen als bei anderen Texten, die sich um eine ähnliche Thematik drehen.

Unter E-Literatur kann ich es einordnen, auch wenn die erste Hälfte überhaupt nicht danach klingt. Schon wieder gefährlich.

Dieser Mut soll jedoch belohnt werden.

Obwohl ich diese Frau nicht mag, mag ich die Art, wie du mit dem Text und der Begebenheit spielst - und darauf kommt es letztendlich an. Nicht auf meine Meinungen und Ansichten gegenüber Menschen, meiner Voreingenommenheit. Nein, darüber musste ich mich erst hinwegsetzen.

Es sind letztendlich hervorragende 8 Punkte für dich geworden.

Lieblingsstelle der gierigen Frau: "Sie entschied sich für zwei handvoll (H groß übrigens) und schob sich den ersten Ring in den Mund."

Liebe Grüße


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- Das Mahnmal (2019)
- Band 2 (2020)
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Literättin
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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 07:26    Titel: Antworten mit Zitat

Vorneweg: wenn ich einen Text kritisiere, beschreibe ich in erster Linie, was vom Text bei mir ankommt und was es auslöst. Sollten dabei auch einmal harte Worte fallen, so sind es dennoch beschreibende, nicht verurteilende, hämische oder verachtende. Ich kritisiere nicht in satter Selbstzufriedenheit. Immerhin sind mir selbst schon Texte aus der Feder geflossen, die daneben gingen. Und das sind zunächst einmal die meisten meiner Texte oder Texte-im-Entstehen.

                                                                                *




Risse in Zuckerwatte hätte mir besser gefallen als Titel als Risse aus Zuckerwatte. Wenn es denn schon Zuckerwatte sein muss. Denn hier hat mich der Titel lange draußen gehalten, obwohl der Text dann meine Erwartungen übertroffen hat. Er entwickelt durchaus einen eigenen Charme, auch wenn auch dieser Text unter einer gewissen Vorhersehbarkeit leidet (und mir die Protagonisten nicht unbedingt sympathisch sind). Irgend etwas gefällt mir dann doch an diesem schrägen Pärchen. Dass es seine offenbar auch gern zur Schau getragene Arriviertheit am Ende nicht mehr so glatt, lässig, weltgewandt und ohne Risse leben kann, sich dem aber zu stellen weiß.


_________________
when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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Babella
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Alter: 57
Beiträge: 695

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 23.01.2020 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

Süßliches Zweipersonenstück im Flieger. Sie gerät auf eine Zuckerwolke des Verliebtseins, wobei schon anfangs Hinweise erscheinen darauf, dass etwas bei ihr nicht ganz stimmt, sie fragt sich, ob ihre Hose ihre ist, sie muss auf der Bordkarte gucken, wo sie herkommt.

Dann wird es schlimm kitschig, und der Knoten löst sich - man muss ein bisschen um die Ecke denken - mit den Worten der Stewardess, die die beiden als Ehepaar verabschiedet, sie ist offenbar schwer dement.

Durch die Demenz erscheint das, was eigentlich eine hässliche Krankheit ist, als eine Vergoldung. Das Leben ist wie mit 20, wenn man immerzu frisch verliebt ist, und die Vergangenheit ist fremd, sehr fremd und weit weg.

Eine durchaus gelungene und überraschende Umsetzung des Themas, wobei es durch die Stewardess kein echtes Zweipersonenstück mehr ist, denn die bringt ja erst die sichere Auflösung, vorher findet man es nur stellenweise seltsam und Rosamunde-Pilcher-like.

Davon abgesehen ist die Message, wenn man es boshaft ausdrücken will, ein bisschen dünn: "Wenn man Alzheimer hat, lernt man jeden Tag neue Leute kennen."
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 21:10    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das ist fast zu suess, um wahr zu sein. Wink

Kein Genre. Sehr gut geschrieben. Thema und Kintsugi eindeutig da.
Der Mann weiß (überraschend!) wunderbar mit der Situation, in der sich seine Frau befindet, umzugehen.
Manch einer mag hier zu viel Gold sehen, mit dem die Risse gestopft werden, aber mir gefällt's.
Und wer sagt, dass so ein optimistischer und humorvoller Text nicht ernste Literatur sein kann?

Das Thema Demenz und Alzheimers taucht ja oft in Wettbewerben auf.
Hier gefällt mir einerseits, dass nicht erklärt wird, woher die Amnesie kommt, und andererseits dem Text eine frische, andere Herangehensweise zugrunde liegt.

Wenn man die Amnesie etwas beiseite legt, geht es hier auch darum, etwas neu zu sehen, wahrzunehmen, zu erleben.
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hobbes
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BeitragVerfasst am: 24.01.2020 10:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ach Text. Eigentlich bist du ja ganz niedlich. Fluffig wie Zuckerwatte. Halt auch klebrig wie Zuckerwatte. Zumindest glaube ich, dass Zuckerwatte fluffig und klebrig ist, tatsächlich habe ich noch nie welche gegessen.
Einerseits mag ich dich. Weil du auf derart fluffige Weise erzählst, irgendwie - liebevoll, man möchte die beiden sofort liebhaben.
Ist natürlich klar, dass das ihr Mann ist, zumindest hätte ich recht schnell sämtliche Zuckerwatte dieser Welt darauf verwettet. Das muss natürlich aufgelöst werden (meinst du und tust es). Auflösungen von Dingen, die ich ziemlich sicher eh schon weiß, finde ich meist doof, aber auch diese kann ich dir kaum übelnehmen, weil du sie so nett gelöst hast (ich bin andauernd versucht, Adjektive wie niedlich, goldig, liebreizend, etc. in diesen Kommentar einzubauen).

Was ist nicht mag, sind mal wieder die Beschreibungen. Fängt schon mit "der große Mann" ganz zu Anfang an, was soll dieses große, mich stört es. Und dann sind diese (Personen)Beschreibungen auch so zuckerwattig und hier kommt für mich eben das klebrige hinzu. Ach komm, will ich der Dame zurufen, nun sei doch nicht so ein Weibchen-Klischee, das sich über seine Haare Gedanken macht.

Womit ich auch nicht so recht etwas anzufangen weiß, sind die Absätze und Leerzeilen. Klar, du willst damit wohl die Brüchigkeit aufzeigen, aber ich fürchte, das geht nicht so recht auf, zumindest mir erschließt sich das auf Anhieb nicht so richtig.
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 25.01.2020 02:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
vorweg ein paar spontane Lesegedanken:

Zitat:
                fing sich aber schnell wieder. „Mich neben Sie setzen. Wenn Sie wollen, können Sie auch rutschen.“ Er grinste.
Hier frage ich mich beim ersten Lesen, was diese seltsame Einrückung soll, in der ich (noch) keinen Mehrwert sehe. Den Text einfach ungewöhnlicher aussehen lassen? Aber ich lese mal gespannt weiter, vielleicht offenbart sich mir die Bedeutung dieses Stilmittels ja noch.

Zitat:
Sie entschied sich für zwei handvoll und schob sich den ersten Ring in den Mund.
Zwei ganze Hände voll? Wie viel ist in der Packung denn drin? Das erscheint mir jedenfalls als über die Hälfte.

Zitat:
Als er seinen Namen sagte, bekam sie eine leichte Gänsehaut. Warum nur kam er ihr so vertraut vor? Die Stewardess schob sich mit dem Getränkewagen durch den Gang. Jetzt hätte sie gerne ein Glas… dieses perlenden Sekts…
Wetten, das ist ihr Mann? Und sie in einem beginnenden Demenzstadium?

Zitat:
„Misses Arnold, Mister Arnold.“
Ha, ich hatte es doch geahnt!

Oh, fuck! Ich mag diese Geschichte, aber was mache ich jetzt mit ihr??? Verlässt sie ausgetretene Pfade, wagt der Autor/die Autorin etwas neues? Der Sinn der Einrückungen erschließt sich mir nicht ganz. Habe erst überlegt, ob die sich auf fremde Vergangenheit beziehen, aber so richtig will das nicht passen. Oder vielleicht doch? Ich bin mir nicht sicher. Jedenfalls sind es wohl die Kintsugi-Brüche? Erst dachte ich, es seien die Reparaturen, der Goldlack also, wie ihr Mann mit ihrer Demenz umgeht, ohne dabei verbittert zu wirken. Er hält zu seiner Frau, unterhält sich gerne mit ihr, auch wenn sie ihn nicht mehr erkennt. Ein bemerkenswerter Umgang, finde ich. Dazu passt aber
Zitat:
                nicht wahr?
nicht. hättest du dir diese letzte Einrückung geschenkt, wäre das konsistent. Ich glaub, ich sehe einfach mal darüber hinweg.

Jetzt kommt das große Problem, und ich bin gerade echt gewillt, diesem Wettbewerb nur noch ein großes, lautes "FUCK YOU!" Mad Evil or Very Mad Mad entgegenzuschleudern und auf jegliche Bepunktung zu verzichten, und zwar bei allen! Und in Zukunft einen großen Bogen um diesen Wettbewerb zu machen, das schont definitiv meine Nerven. Denn diese Geschichte gehört VERDAMMT NOCH MAL definitiv zu meinen Favoriten. Nur ist sie leider nicht sperrig und verlässt keine die bekannten Pfade nur wenig, der Anspruch liegt rein auf der inhaltlichen, aber nicht kaum auf der schreibtechnischen Ebene. Demnach erfüllt sie eine als fundamental wichtig für diesen Wettbewerb hervorgehobene Voraussetzung nicht nur etwas und ich kann ihr keine Punkte geben. sie daher nur in den gelben Bereich einordnen. Jetzt könnte ich natürlich einfach darüber hinwegsehen, aber das wäre ungerecht denjenigen gegenüber, die sich wirklich Mühe gemacht haben, jenseits der bekannten Pfade und sperrig zu schreiben. Solche Geschichten sind viel schwerer zugänglich, viel schwerer zu schreiben (jedenfalls so, dass trotzdem noch jemand was damit anfangen kann) und werden, wenn mich mein Überblick über orange markierte Beiträge und Zurücksetzen durch "alle als gelesen markieren" nicht täuscht, viel weniger kommentiert und damit auch viel weniger bepunktet. Und damit kommt es mir falsch vor, einer Geschichte in diesem Wettbewerb Punkte zu geben, die leider einfach zu "klar" ist. Ich bin echt langsam durch damit! Wenn sich an Ich denke an der Organisation dieses Wettbewerbs nicht irgendwas ändert, das solche Dilemmas verhindert, war das vielleicht der letzte, bei dem ich überhaupt mitgemacht habe! Verdammt, sollte sich etwas ändern. Ich habe mir heute nochmal ein paar Bachmann-nominierte Geschichten durchgelesen, da gab es 2018 "Der Himmel über A9" von Lennardt Loß, die ich erwähne, weil sie thematisch in diesen Wettbewerb gepasst hätte, Thema "Vergangenheit ist ein fremdes Land" und Dialog zwischen zwei Personen, selbst Kintsugi könnte man reininterprätieren. Und weißt du was? Dieser Geschichte hätte ich hier auch keine Punkte geben können nur unter gelb einordnen können, aus dem gleichen Grund. Aber gut, okay, wir müssen uns damit abfinden, hier ist nicht nur anspruchsvolle Literatur erwünscht, "sondern abseits der ausgetretenen Pfade wandeln" und zwingend in die Kategorie "ungefügige und mehrschichtige" Texte fallen. Dein Text erfüllt diese beiden Bedingungen leider nicht, und ich muss ihn aus der Wertung nehmen, so unendlich leid mir das tut. Crying or Very sad Crying or Very sad Crying or Very sad nur teilweise.

Dieser Wettbewerb macht gerade keinen Spaß mehr, das ist ein Albtraum geworden,
Veith


PS: Ich poste den letzten Abschnitt (ohne Goldlackreparatur) jetzt noch mal im Geisterfaden, um das später zur Diskussion zu stellen.

EDIT: Verdammt, ich kann so nicht schlafen. Mir fällt ein, ich habe bei Marx und Susi einen Alibipunkt in der Kategorie "ungewöhnlich geschrieben" gegeben, und zwar für in einer Zeile ein paar Wörter zusammenschreiben. Ich denke, den kann ich dir für deine Einrückungen dann auch geben (aber halt nur einen). Damit hast du aber in meiner internen Wertung keine Null-Punkte-Kategorie mehr und bist zur Punkteverteilung qualifiziert. Ich hoffe, ich hab noch welche für dich übrig. Das oben lass ich aber mal stehen, auch wenn es nicht mehr gilt. Nur um zu zeigen, wie mühsam das dieses mal mit dem Bewerten war.

Beste Grüße,
Veith

Abschließend, nach ewigem einigem hin und her Überlegen, wüsteste Flüche über den Wettbewerb ausstoßen, Tischkanten zerbeißen und das gesamte Dictionnaire Infernal rauf und runterbeschwören, landet deine Geschichte im gelben Bereich und erfüllt damit die Anforderungen an den Wettbewerb, wie ich sie momentan verstehe, teilweise. Sie landet auf Platz 6 meiner Top Ten und erhält damit 5 Punkte. Tatsächlich ist sie aber mein wahrer Favorit dieses Wettbewerbs! Doch laut den Bewertungsvorgaben müsste ich den Texten aus dem grünen Bereich den Vorrang lassen.


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traumLos
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BeitragVerfasst am: 25.01.2020 17:40    Titel: Antworten mit Zitat

Eine klassische Liebesgeschichte, bis hin zum altmodischen Old Spice. Geschrieben in Liebesgeschichte - Sprache. Typische Floskeln. Und wie sich aus dieser "magischen" Begegnung ein "Wir  bleiben zusammen" entwickelt hat, konnte ich mir nicht erschließen.

0 Punkte


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gold
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BeitragVerfasst am: 26.01.2020 07:28    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Inco,


eine ganz nette Liebesgechichte. Gehört m.E. nicht zur E-Literatur, von daher sehe ich die Hauptanforderung als nicht erfüllt.

Nichts für ungut. Dabeisein ist doch schon die halbe Miete. Smile

Liebe Grüße
gold


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MoL
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Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 26.01.2020 09:22    Titel: Antworten mit Zitat

Wunderschön geschrieben. Gefällt mir sehr gut.
Das Thema ist nicht neu und der Twist auch nicht, aber das Ganze ist so charmant und frisch aufgesetzt, dass ich ganz hingerissen bin.

Ich schrieb das schon an anderer Stelle: Demenz ist jetzt wirklich nicht das beste Thema für so einen Wettbewerb weil einfach extrem naheliegend.

Die Auflösung hätte es für mich nicht gebraucht, das war dann klar.

Aber diese ganze Kombination aus Gefühlen, Gefühlsbeschreibungen und den bunten Farben der Reise - wirklich grandios!

Und jetzt sitze ich hier und bin so verzaubert, dass ich gar keine Lust habe, über die Einhaltung von Vorgaben nachzudenken. Mache ich aber noch. Falls ich bepunkte, gibt es ganz sicher welche!


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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Kojote
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BeitragVerfasst am: 27.01.2020 17:44    Titel: Antworten mit Zitat

Uiuiui. Dieser Text lässt mich mit vielen Fragen zurück.

Zuerst sind mir einige Probleme mit der Erzählperspektive aufgefallen. Ja, ich weiß, ich strauchele selbst oft an dieser Frage. Nur – wenn schon mir es auffällt … aber andere Kritiker können sich dieses Themas ganz bestimmt hunderte Male besser annehmen als ich. Hinzu kommt, dass Jan im ersten Satz sagt: "Entschuldige bitte", während er in der Folge per Sie mit ihr ist.

Ich bin nur selten per Flugzeug unterwegs, der letzte Langstreckenflug liegt sechsundzwanzigeinhalb Jahre zurück und mein Wissen über Flugzeuge habe ich hauptsächlich vom Simulator. Aber:
1) Ich dachte immer, Sitzplätze im Flugzeug seien den Personen fest zugewiesen?
2) Ich kenne keinen Frauenheld, der es schafft, das Subjekt seiner Begierde schon mit dem ersten Satz einzulullen. Was darauf folgt -- das Lamentieren über sein Old Spice, die braungebrannte Haut, und die elegante Kleidung und überhaupt und alles -- hört sich für mich an wie Kitsch hoch drei. (Abgesehen davon, "elegant gekleidet" schreit für mich nach Präzisierung. Oder halt Show, don't Tell.)
3) Wieso ist der Flug so plötzlich vorbei? Zeitmaschine? Metasprache?
4) Es gibt keine Direktflüge von San José nach Frankfurt. Du musst entweder in Houston, New York, Mexiko Stadt oder Chicago umsteigen. (So viel weiß ich aufgrund meines Flugzeuge-Spezialinteresses. Siehe die erwähnte Simulator-Piloten-Karriere.)
5) In eine Boeing 747 passen gut und gerne 500 Mann. Wieso sollte eine Stewardess die Gäste namentlich verabschieden? Ich an ihrer Stelle würde dringend vermeiden, die Fluggäste mit "Mr. und Mrs. XYZ" zu verabschieden. Das ist fundamentaler Bestandteil jeder Fettnäpfchenvermeidungsstrategien.


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Michel
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BeitragVerfasst am: 28.01.2020 13:54    Titel: Antworten mit Zitat

Boah, wie fies. Ich hatte schon die Kotztüte aus der Sitztasche gerissen und aufgefaltet. Fifty Shades of Kitsch – und dann das Ende.
Sehr schön. Und schön vorbereitet. Ich wollte schon über die Veränderung der Anrede motzen.
„Sie benahm sich ja wie ein Teenager“ - das klingt altmodisch und scheint am Ende genau zu passen. Und so wird aus der Pseudo-Love-Story eine anrührende mit zweitem Boden. Ob es Demenz ist oder Hirntumor, wen interessiert es? Viel Gold in den Rissen.
Zwei unterhalten sich? Check. Kintsugi? Wohl schon. Einheit von Zeit und Raum? Ja, auch wenn der Raum einmal über den Atlantik reicht.


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Ab November 2019 im Handel: "Shevon", erster Band der Flüchtlings-Chroniken
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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 28.01.2020 20:06    Titel: Antworten mit Zitat

Niedlich demente Frau fliegt aus dem Urlaub nach Hause. Ihr Mann sitzt neben ihr im Flugzeug und macht ein Spiel aus ihrem kindlich nichterkennenden Zustand.

Alles nach “Zuckerwattenwetter“ kann weg. So mysteriös ist die Geschichte nicht, als dass sie eine auflösende Pointe bräuchte. mMn macht sie die Geschichte ein bisschen flacher und banaler, als sie eigentlich ist.
Ja, das ist kein besonders tiefgründiger, multidimensionaler Text. Vieles ist da allzu einfach, allzu leicht, allzu oberflächlich. Dennoch bewahrt er sich einen angenehmen Charme, ist gut konstruiert und gekonnt geschrieben.
Für meinen Geschmack ist das für einen 10.000er zu glatt. In einem anderen Wettbewerb wäre er sicher weit vorne.

Die Vorgaben kann ich als umgesetzt erkennen. Mal sehen, wie er sich im Wettbewerb schlägt.


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Froh zu sein bedarf es wenig.
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Jenni
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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 29.01.2020 23:49    Titel: Antworten mit Zitat

Demenz, da ist sie ja. Ein Paar fliegt im Flugzeug zurück nach Hause, er kümmert sich rührend liebevoll um sie, die ihn für einen Fremden hält. Demenz erfüllt natürlich das Thema „Vergangenheit ist ein fremdes Land“ wie die Faust aufs Auge, zur Sicherheit hast du dir noch ein Setting ausgesucht, wo die Frau tatsächlich gerade aus einem fremden Land zurückkehrt, an das sie bereits nur noch extrem bruchstückhafte Erinnerungen hat. Kintsugi sind die „Risse aus Zuckerwatte“, und der Dialog, der funktioniert natürlich toll, ein Dialog, in dem eine Person der anderen immer einen Schritt voraus ist. Also, was heißt natürlich, das ist dir jedenfalls gut gelungen. Da lässt sich gar nichts sagen, die Geschichte funktioniert. Es ist nur so, dass sie eben auserzählt ist, wenn ich die mehr als einmal lese, passiert nichts mehr, im Gegenteil, sie lebt ja im Grunde davon, dass man erst langsam ahnt, wo hier die Fahrt hingeht. Hat man es aber verstanden, dann ist da nichts drüber hinaus, dann bleibt da kein Gedanke in der Luft hängen, dem man nachspüren möchte. Ende. Wirklich gerne gelesen, aber im Kontext dieses Wettbewerbs für mich eher kein Punktekandidat.
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a.no-nym
Hobbyautor


Beiträge: 387



BeitragVerfasst am: 30.01.2020 17:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, lieber Inko,

Zuckerwatte – das trifft es ziemlich genau, und es scheint sich nicht nur um gewöhnliche, sondern um rosarote Zuckerwatte zu handeln wink
Oder auch um die Geschichte einer (beginnenden) Demenz (oder eines ähnlichen Funktionsausfalls), die einem Risse-Vergolder unter die Tasten gekommen ist smile.

Die Vorgaben betrachte ich als erfüllt.

Die Stimmungen sind gut eingefangen, der Dialog zwischen den beiden schlüssig; das Ganze gut geschrieben. Auch das ist ein Text, der m.E. ganz ohne den Wettbewerb und die Vorgaben für sich steht.

Das kleine Aber: Mir ist das alles zu süß und zu goldig-vergoldet (obwohl ja durchaus am Rande wenigstens die Ahnung mitschwingt, dass die Sache weder für sie noch für ihn so ganz unproblematisch ist). Vielleicht liegt meine innere Abwehr einfach daran, dass ich Bekanntschaft mit den scharfkantigen Scherben eines solchen Geisteszustandes machen durfte und momentan nicht in der Lage bin, mich auf leise Töne oder die rosarote Brille einzulassen ... Embarassed

Freundliche Grüße und die besten Wünsche
a.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2833

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 31.01.2020 14:05    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour

Eine sehr weit hergeholte Geschichte. Mit einer dementen Frau Urlaub auf Costa Rica zu machen. Der Mann nimmt’s sehr locker und ist selbst nicht mehr der jüngste. Genau so wie sie.
Irgendwo in die weite Ferne mit ihr zu reisen. Was, wenn ein Arzt benötigt wird? Oder etwas passiert? Ohne zu befürchten, dass mir diese Frau nachts irgendwo umherirrt. Und dass diese demente Frau mit einem ihr fremden Mann an den heissen Quellen Cocktails trinkt.
Insgesamt eine für mich unglaubwürdige Story. Der Dialog ist auf das Geheimnis ausgelegt und wirkt auf mich sehr konstruiert, der Mann gibt sich und redet genau so mysteriös, er siezt die Frau. Warum? Klar, sie erinnert sich nicht an ihn. Und doch ist es seine Frau.
Mir ist das alles zu weit hergeholt und spielt bis zur Pointe der Stewardess mit dem Rätsel um den Geisteszustand der Frau. Passt für mich leider nicht.

Merci beaucoup
Constantine
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Lalanie
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 58
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 00:17    Titel: Antworten mit Zitat

Da ich ein Neuling in diesem Forum bin, folge ich dem Ratschlag eines Mitglieds und schreibe nur einen Kommentar ohne Bewertung – ich hoffe, das wird mir nicht übelgenommen.
Dein Text ist für mich etwas ganz Neuartiges in seiner Mischung aus Humor, Einfühlungsvermögen, Liebesgeschichte und dem Blick für die Menschen. Gleichzeitig hast Du eine Dramaturgie eingeflochten, die Spannung aufkommen lässt und Lust auf mehr macht. Dein Stil ist leichtfüßig, Beschreibungen lässt Du ganz einfach einfließen, sodass sie nie plump wirken, der Titel ist so süß wie die darin genannte Süßigkeit und die ganze Geschichte. Das Kintsugiprinzip hast Du durch den interessanten Satz Deiner Geschichte gut umgesetzt, wie ich finde, auch die Vergangenheit als fremdes Land hast Du dargestellt und somit die Vorgaben in meinen Augen voll erfüllt. Vielen Dank Dir für diesen schweben machenden, zauberhaften Text, der den Leser in einem absoluten Wohlfühlgefühl zurücklässt!
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poetnick
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 58
Beiträge: 572
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 17:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

dieser Text ist nicht in meine Wertung eingegangen; unter der Vielzahl der Geschichten habe ich andere favorisiert.
Somit möchte ich an dieser Stelle keine Bewertung ausdrücken. Vielen Dank!

LG - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Catalina
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 47
Beiträge: 418
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 20:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ihr Lieben, die Ihr Euch so viel Zeit zum Lesen und Bewerten genommen habt: Herzlichen Dank dafür!

Vorweg entschuldige ich mich für das klebrige Gefühl im Mund, das meine Geschichte bei manchen von Euch hinterlassen hat. Andere wiederum scheinen ja durchaus Zuckerwatte zu mögen. wink

Und wie im richtigen Leben: dem einen war die "Auflösung" zu platt, der andere hat sie gar nicht erkannt. Ich habe das schon vorausgesehen... Der Schluss war ein persönlicher Kompromiss. Mir hätte er noch subtiler auch besser gefallen, aber dann wäre der Sinn noch mehr Lesern ein Rätsel geblieben. Und ohne Sinn funktioniert der Text nicht (was sich ja auch gut in den Kommentaren wieder spiegelt) - meiner Meinung nach seine größte Schwäche.

Kintsugi wollte ich gleich dreifach einfließen lassen:
Eine alte Partnerschaft, die Risse bekommt, aber durch den Umgang des Mannes damit zu etwas - wenn auch nicht Wertvollerem - ganz Besonderem wird.
Die Amnesie der Frau zerbröselt ihre Gedanken bzw. ihre Realität, die von ihr aber durch eine "Liebe-auf-den-ersten-Blick"-Begegnung gekittet wird.
Hauptsächlich aber sollten die Einrückungen der Goldlack sein: liebevolle Vervollständigung zerrissenen Gedanken, das schaffen einer alternativen Realität.

Auf Eure Kommentare gehe ich gerne noch persönlich ein.
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Catalina
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 47
Beiträge: 418
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 02.02.2020 20:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:
Lieber Text,

mir gefällt, wie Jans Dialoganteile wie Stege zwischen Tizias Passagen fungieren, also die Lücken überbrücken.


Liebe Silke,

die sieben Punkte freuen mich genauso wie Dein Erkennen meiner Intension:  "wie Stege", das ist schön gesagt.

Vielen Dank dafür!

Catalina
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