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Marx und Susi


 
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Michel
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 48
Beiträge: 2276
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 10.01.2020 19:00    Titel: Marx und Susi eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Petra wartet bereits, als ich das Café betrete. Wie früher sitzt sie vorn rechts, wo sich zwei Panoramascheiben treffen und man sich dem Eindruck hingeben kann, mit seinem Café Latte mitten auf dem Münsterplatz zu sitzen. Die nikotinbraunen Lochmustervorhänge aus den Siebzigern haben längst ein paar verirrten Schiebegardinen Platz gemacht, und die moosgrün bezogenen Sessel aus Gelsenkirchener Barock, auf denen man überraschend gut saß, sind Stahlschwingern mit knallrotem Alcantarabezug gewichen, die keine Kratzspuren auf dem anthrazitfarben spiegelnden Sichtbeton hinterlassen. Kein Aschenbecher weit und breit, keine Bedienung mit Schweißringen auf der Kunstfaserbluse, und auch die Kaffeekännchen haben keine geschwungenen Füße mehr, sondern hocken so minimalistisch hochwertig auf den Designertabletts, als hätte man sie aus einem Hydraulikzylinder gefräst. I-Pot, denke ich unwillkürlich.
Und mittendrin Petra. Petra, die schon damals nicht trug, was angesagt war, sondern was man heute »Vintage« nennen würde: Röcke mit fußballfeldgroßen Punkten, Kopftücher wie zum Cabriofahren gemacht und diese unvergleichliche wagenradgroße Audrey-Hepburn-Sonnenbrille, die ihr Haar bändigte. Die Punkte sind Geschichte, doch in in cremefarbenem Mantel mit strenger Linienführung und passender Baskenmütze sieht sie aus wie aus der Zeit gefallen. Anders als die üblichen Trägerinnen solcher Mäntel, die sich in hübsch gelegenen Kliniken vergeblich gegen den Verfall stemmen, wirkt der Mantel, als wäre er nur für sie entworfen worden. Die Sonnenbrille ist die gleiche wie damals. Dieses Mal sitzt sie auf der Nase.
Ich warte, bis Petra aufgestanden ist, mit diesem unvergleichlich eleganten Schwung irgendwo zwischen „Der gute Ton in allen Lebenslagen“ und klassischem Ballett. Wir umarmen uns und meine Hand streichelt automatisch über ihren Rücken, ein-, zwei-, dreimal, bevor ich die Bewegung wiedererkenne und loslasse. Der Mantelstoff flüstert mir cremefarbene Komplimente zu.
„Wie geht’s dir?“ Die Belanglosigkeit meines Gesprächsanfangs lässt mich sofort wieder verstummen.
Petra tut, als wäre nichts geschehen. „Erinnerst du dich noch an Susi, die hier früher bedient hat?“
Ich nicke wortlos.
„Die trug diese Nylonblusen und roch auch so. irgendwann habe ich ihr einen Deoroller auf das Tablett gelegt. Keine Ahnung, ob das der Grund war, aber kurz darauf hat sie gekündigt.“
Ich nicke stumm und irgendwie peinlich berührt. Petra war es, die stets noch vor dem Hallo in die Diskussion einstieg, bis wir noch vor der ersten Tasse Marxismus, Frauenrechte und die psychoanalytische Deutung elterlichen Dominanzverhaltens abgehakt hatten. Susi brachte die Getränke dazu.
Ich verschanze mich hinter der Karte, um Zeit zu gewinnen. Petra wollte mich treffen, ganz plötzlich, nach so langer Zeit, und jetzt: Deo statt Dialektik?
Sie bestellt einen Milchkaffee und schüttet Zucker hinein, bis der Kaffeespiegel einen Millimeter unter dem Tassenrand innehält. Meinen caffè lungo lässt sie unkommentiert. Die Stille, rollt wie ein Ozean heran, umspült unsere Waden und steigt höher und höher. Irgendwann halte ich sie nicht mehr aus.
„Warum erzählst du mir das das mit Susi und dem Deo?“
„Weil ich Dinge geraderücken will.“
Ich ziehe überrascht die Brauen hoch. „Geraderücken?“
„Ich hatte wohl gehofft, dass sie immer noch hier ist. Dann hätte ich mich bei ihr entschuldigt.“ Und als ich verständnislos dreinblicke: „Hol dir die Szene doch mal vor Augen: Da sitzen zwei Studentinnen und reden über die gerechte Verteilung der Produktionsmittel. Und im nächsten Atemzug demütigt eine von ihnen die Bedienung, die ohnehin schon lebt wie in der alten Sklavenhaltergesellschaft. Findest du, dass das zusammenpasst?“
Stumm schüttle ich den Kopf. Das Ganze hier kommt mir mit jedem Atemzug vertrauter vor.
„Also müsste ich mich bei ihr entschuldigen“, fährt Petra fort, „und ihr die Würde zurückgeben. Aber ich bekomme ihre Adresse nicht heraus.“
„Wer weiß, wo sie mittlerweile ist. Die war doch selbst Studentin, oder? Vielleicht sitzt sie inzwischen im Vorstand von Siemens oder einem Abgeordnetenbüro in Brüssel und verliert keinen Gedanken mehr an den Laden hier.“
Petra schüttelt den Kopf. „Ich bin mir absolut sicher, dass sie sich wieder erinnern würde. Unsere großen Demütigungen vergessen wir bis ans Ende nicht.“
Wieder einmal hat sie recht. Wie könnte ich den Knoten vergessen, der sich jedes Mal in meinem Magen zusammenzog, hier, genau auf diesem Platz, während Petra filterlose Gitanes rauchte und Marx zitierte? Auch in der klassenlosen Gesellschaft gibt es Unterschiede, Kasten, Weihestufen. Akolythen wie mir war es nicht bestimmt, dem Hochamt materialistischer Dialektik mit mehr als Stichworten und eingeworfenen Fragen zu dienen wie ein Ministrant. Zwei Therapien sollten mich längst davon kuriert haben –
Magenkrampf, Leere im Kopf, Ausatmen unmöglich. Ich versuche meinen caffè lungo unten zu behalten, während Petras Sätze rückstandslos an mir vorüberziehen. Sie hat die Brille abgenommen und gestikuliert mit ihr in weiten, kraftvollen Schwüngen, als wollte sie damit Karl Marx’ Antlitz in die Luft zeichnen. Ihr linkes Auge –
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„Guck nicht so. Und mach den Mund wieder zu.“
Mit routiniertem Schwung landet die Audrey-Hepburn-Sonnenbrille wieder auf der Nase und Petra nimmt einen Schluck Milchkaffee. „Wenn ich ins Diskutieren komme, vergesse ich es manchmal. Genau wie du die Krümel auf deinem Pulli.“ Reflexartig wische ich über die Brust; sie lacht. Damit hat sie mich früher jedes Mal drangekriegt.
„Das alte Glasauge ist kaputt, das neue lässt auf sich warten. Meine Okularistin hat definitiv das schlechtere Los gezogen. Ich stand noch auf der Warteliste, als ihr Aneurysma geplatzt ist. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal einen vernünftigen Hersteller finde. Egal, die Bindehaut ist ohnehin entzündet im Moment.“
Wenn ich jetzt den Mund öffne, stottere ich, aber nichts zu sagen, ist auch keine Möglichkeit. Mit „Was ist passiert?“ wähle ich die Option, hinter der ich meine Hilflosigkeit am besten verstecken kann, klein und lächerlich angesichts einer verwüsteten Augenhöhle.
Petra zuckt mit den Schultern. „Krebs ist passiert. Ein kleiner, feiner, hinterlistiger Augenkrebs. Hat sich gut versteckt und erst aus der Deckung gewagt, als es zu spät war.“ Sie schneidet meinen Entgegnungsversuch mit einer resoluten Handbewegung ab. „Komm mir jetzt bloß nicht mit falschem Mitleid, ja?“
„Wie lange …“
„Unwichtig. Ein paar Jahre her. Busfahrerin wollte ich ohnehin nie werden, und selbst fahren darf ich ja. Noch.“
„Aber …“
Petra wartet hinter den schwarzen Gläsern verschanzt auf meine Frage, die nicht kommt; sie lässt mich zappeln, stammeln, Entschuldigungen verwerfen und schließlich erneut verstummen. Ich suche nach passenden Worten und finde sie nicht, weil gerade dieses Suchen nach etwas Passendem das Finden bereits vollständig verhindert. Petra hat mir meine Rolle als Stichwortgeberin weggenommen, und ohne die bin ich ihr gegenüber hilflos, eine amorphe Staubwolke im Gravitationsfeld ihrer Persönlichkeit.
Ich hätte mich schon damals von ihr fernhalten sollen.
Petra, der Fels, auf dem man ein zweites Sowjetimperium hätte errichten können. Petra, die unerschütterliche Exegetin des kommunistischen Manifestes. Petra, die nun auf dem linken Auge blind durchs Leben läuft.
Sie greift über den Tisch und rüttelt an meiner Hand. „Nun hör endlich auf, ins Leere zu starren! Ich wollte mich nicht mit dir treffen, um billige Gruselgeschichten zu erzählen.“
„Sondern?“
„Ich wollte mich entschuldigen.“
Es dauert drei Schluck caffè lungo, um den Satz zu entziffern. Petra und entschuldigen? Wofür?
Sie scheint die Frage in meinem Kopf zu hören. „Ich bin immer für meine Ideale eingestanden, egal ob vor dem Rektor der Uni, meinen Chefs oder den Politchauvis an den Schalthebeln der Macht. Aber dabei habe ich völlig übersehen, dass die Art und Weise, wie ich diese Ziele verfolgt habe, selbst schlimmste Bourgeoisie war. Ich habe Unterschiede konstruiert und mich für etwas Besseres gehalten, von der Welt und der Revolution beauftragt, die, hm, etwas trüberen Leuchten auch noch zum Strahlen zu bringen. Im Rückspiegel betrachtet wirkt das alles doch ziemlich dick aufgetragen. Die Petra von damals ist mir fremd geworden. Ich denke, du weißt, was ich meine.“
Stumm nicke ich und spüre dem Knoten im Bauch nach.
Petra nimmt die Brille ab. Ich zucke zurück, doch sie kneift die Lider über dem zerstörten Auge zusammen und sucht den Blickkontakt.
„Das gehört zu den Dingen, die ich geraderücken möchte. Bitte entschuldige mein Verhalten von damals.“
Ich sitze ihr gegenüber und weiß nicht, was ich sagen soll. Die Stille umspült höher hinauf mir die Schenkel.
Dann schwingt Petra die gnädig verhüllende Brille wieder ins Gesicht und lacht mich zurück aufs Trockene. „Manche Dinge ändern sich nie, nicht wahr? Da sitze ich und schwinge Reden, und du stellst die Fragen.“
„Stimmt“, erwidere ich. „Zum Beispiel die: Warum gerade jetzt?“
„Weil Zeit ein knappes Gut ist, meine Liebe. Meine jedenfalls.“ Sie beugt sich vor. „Vor ein paar Wochen haben sie mir gesagt, dass es soweit ist. Genau wie beim ersten Mal hat sich mein kleiner, feiner Krebs nur auf die Lauer gelegt. Jetzt ist er wieder da, in der Leber und was weiß ich noch wo. Etwas ist faul in Petras Rückenmark.“ Sie hat die Stimme theatralisch erhoben, und wieder unterbricht ihr Lachen den Vortrag und löst meine Beklemmung auf. „Guck nicht so. Ich sterbe, ja, was ist schon dabei? Ich hatte Jahre, um mich vorzubereiten.“
„Soll ich … kann ich irgendetwas für dich tun?“
„Außer Susis Adresse herauszufinden? Ja, das kannst du. Zwei Dinge sogar.“
Sie wartet, um die Spannung zu erhöhen und dann mit hochgezogenen Brauen zu flüstern: „Verzeih mir. Und emanzipiere dich von mir.“

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Ribanna
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BeitragVerfasst am: 21.01.2020 11:47    Titel: Antworten mit Zitat

Der allerletzte Satz ist - in meinen Augen - unpassend.

Das ist so herablassend, so abwertend, das passt dann doch nicht zu der versöhnlichen Stimmung. Aber vielleicht ist das auch genau die Absicht? Dass die Risse nicht alle heilen, sondern wieder aufgerissen werden?

Ansonsten sehr stimmig, sehr gute Atmosphäre, es passt alles zusammen.
Gefällt mir!


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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 21.01.2020 23:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ach Gottchen. Was sind das nur für Beschreibungen allüberall in diesen 10.000er-Texten? Und warum kommen sie (die Beschreibungen) in einem derartigen Übermaß daher?
Klar, um zu wissen, wo man ist und wie es da aussieht. Nur dummerweise interessiert mich das gar nicht so sehr.
Ja ja, das Ambiente erzählt mit die Geschichte. Aber ist es auch eine, die ich lesen will? Und so arg viel erzählt das Ambiente hier auch gar nicht, finde ich.

Interessant jedenfalls, dass hier für mich die Frage aufgeworfen wird, was eigentlich ein Gespräch ist. Ist das hier eins, kann man es Gespräch nennen, wenn eine redet und die andere quasi gar nicht?
(damit ziele ich jetzt nicht auf die Vorgaben, sondern mehr auf die allgemeine Fragestellung im Raum)

Petra ist mir natürlich (wobei natürlich? ich weiß nicht, ist das überhaupt deine Absicht?) ziemlich unsympathisch, die andere - hm, nun ja. Sonderlich viel erfahre ich ja nicht von ihr. Außer, dass sie der "untergeordnete" Part dieser Beziehung ist.

Nein, das ist nicht meins.
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 22.01.2020 09:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Der erste Eindruck des Textes meinerseits, rein subjektiv natürlich, bitte nicht überbewerten.

Interessanter Text. Nicht so gemeint, dass in dem Wort ein Synonym für ungenießbar steckt.

Neben Petra ist die andere Dame verschwindend gering dargestellt, man bekommt kaum etwas von ihr mit. Ich glaube, das fehlt mir ein bisschen. Aber das machen deine schönen Formulierungen wieder wett. Nur die Stelle mit dem Ozean gefiel mir nicht so gut.

Ist der Text ernste Literatur? Dafür fehlen mir Interpretationsmöglichkeiten, unterschiedliche Wahrnehmungsmöglichkeiten, das lange Nachdenken. Es ist ein ernster Text, keine Frage, mit einem ernsten Thema.

Alles in allem gut zu lesen. Und doch ist es ein Text, der mit den vielen anderen in meiner "Niedrigpunktesektion" schwimmt, wo es echt knapp war dieses Jahr. Leider gab es für diese Geschichte keinen Punkt, ich habe mich für andere entschieden.

Lieblingsabschnitt: "Mit routiniertem Schwung landet die Audrey-Hepburn-Sonnenbrille wieder auf der Nase und Petra nimmt einen Schluck Milchkaffee. „Wenn ich ins Diskutieren komme, vergesse ich es manchmal. Genau wie du die Krümel auf deinem Pulli.“ Reflexartig wische ich über die Brust; sie lacht. Damit hat sie mich früher jedes Mal drangekriegt."

Liebe Grüße


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schreiberlinga
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Beiträge: 81



BeitragVerfasst am: 22.01.2020 12:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Wettbewerbstexte in der Regel nur einmal durchgelesen. Mein Kommentar darunter ist also eine ziemlich spontane Reaktion. Ich hoffe, dass du trotzdem - oder gerade deswegen - von meinem ersten Eindruck profitierst.

Ich finde den Text sehr gekonnt geschrieben - eine spannende Szene, obwohl eigentlich nichts passiert außer Gespräch und kleinen Handlungen. Nur an einer Stelle bin ich gestolpert; dort wo der Erzähler sich daran erinnert, wie Petra über Marx redete. Es war mir nicht einfach zu erkennen, was gleich anschließend im Text der Vergangenheit angehört und was der Gegenwart.
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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 16:27    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist so ein Text, den möchte ich mögen.
Allein schon wegen dem Titel.
Der Text fließt, hakelt nicht und unterhält.
Ok, am Anfang ist ein bisschen viel Aufzählung, wie sich das Cafe verändert hat, aber geschenkt, die Bilder passen und ich denke, es ging da nicht nur um ein paar Zeichen um über die 6600 zu kommen.

Dann sind da Petra, die Ich-Erzählerin und der Geist von Susi. Petra hat eine Mission. Sie will reinemachen. Sie hat nur noch ein paar Wochen oder Monate, denn er Krebs zerfrisst ihrem Körper. Im Nahen des Todes hat sie erkannt, dass sie seit -zig Jahren noch ein paar Rechnungen offen hat - bei denen sie die Schuldnerin ist.
Die Erzählerin hat eine Therapievergangenheit, die sie nicht davon abhält in alte Rollen zurück zu fallen (wann klappt das schonmal?) aber wenigstens erkennt sie es sehr klar.

Ich sehe Narben, mehr äußere als innere, eine Wandlung, die letzten Endes wieder nur eine narzisstische ist, und eine Story, die wunderbar leicht verpackt und routiniert geschrieben ist, eine nette Insel, unter der ich aber gerne einen Eisberg erkennen möchte. Der bleibt leider verschollen zwischen guten Formulierungen und oberflächlichen Wendungen. Das ist prima ChickLit, aber leider auch nicht mehr.

Insgesamt ist da viel Goldlack auf brüchiger Geschichte.


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Froh zu sein bedarf es wenig.
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 23.01.2020 02:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
vorweg ein paar spontane Lesegedanken:

Zitat:
I-Pot, denke ich unwillkürlich.
Holla, dein Text schafft es bis hier schon, mich gedanklich eine "früher war alles besser" Stammtischweisheit unterschreiben zu lassen. Spielst du mit negativer Themenbearbeitung? Denn mir erscheint die Gegenwart gerade wie ein fremdes Land. Schön gemacht, gefällt mir.

Zitat:
„Warum erzählst du mir das das mit Susi und dem Deo?“
ein "das" zuviel. Macht aber nichts, merke ich nur an, weil ich sowas in eigenen Texten auch immer übersehe.

Zitat:
Findest du, dass das zusammenpasst?
Naja, böse Zungen könnten sagen, das charakterisiert die linke Szene der Siebziger ausgezeichnet.

Zitat:
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Ja, das ist sperrig, das wirft raus, das ist Zehntausender! Und katapultiert deinen Text über die harsche Ausschlusshürde (allerdings nur knapp).

Okay, ich hab mich die ganze Zeit schon gefragt, warum fällt ihr das erst jetzt ein. Dass sie todkrank ist, erklärt das. Ein Nachdenken über die Vergangenheit, erkennen, wie fremd einem das geworden ist, obwohl man sich doch wieder genau dort fühlt, und in alte Verhaltensmuster zurückfällt. Thematisch ist der Vergangenheitsaspekt schon mal gut umgesetzt.

Das Kintsugi-Konzept sehe ich insofern umgesetzt, dass sie sich nicht hinter ihrer Krankheit versteckt, sondern diese als Chance sieht, etwas von früher (besser spät als nie) wieder in Ordnung zu bringen. Statt sich zurückzuziehen und alles, was es zu sagen gäbe, ungesagt zu lassen.

Die Figuren finde ich auch sehr glaubwürdig, die Geschichte könnte einer meiner Favoriten sein, wenn diese E-Vorgabe (sperrig, vielschichtig, interpretationsbedürftig, ungewöhnlich) nicht wäre.  Aufgrund der Anmerkungen im Faden über Bewertung habe ich mich dieses Jahr entschlossen, die Vorgaben wirklich extrem und quasi fundamentalistisch auszulegen, und mechanisch auszuschließen (denn es gibt in einer meiner internen Kategorien 50 Minuspunkte, wenn diese Vorgabe nicht erfüllt ist). Genauso mechanisch kann ich aber bei deinem Text (der sich für mich sehr klar, verständlich und eindeutig liest) durch dein eines Stilmittel, das ich hervorgehoben habe, rechtfertigen, dass hier schon etwas sperrig und ungewöhnlich ist. Mehr als einen Qualifikationspunkt kann ich deinem Text in dieser Kategorie aber nicht geben, was ihn wahrscheinlich vom Olymp meiner Top Ten fernhalten wird. Finde ich sehr schade. Aber Punkte verteile ich erst, wenn ich alles gelesen habe. Ich hoffe, da sind welche für dich dabei. Dass doch keine Punkte für dich bleiben, tut mir glaub ich bei keiner Geschichte so leid wie hier. Platz 11! Ironisch ist, dass ich diesen Text hier besser finde als ein paar der grünen, die auf den oberen Plätzen bei mir gelandet sind. Weil sie eben nur dadurch Vorrang haben, dass sie experimenteller geschrieben waren. Aber da es nun mal um das Beschreiten neuer Wege geht, und deine Geschichte, wenn auch mit brillantem Inhalt, doch in einem sehr konservativen Gewand daherkommt (eine Zeile mal ausgeklammert), kann ich es leider nicht ändern. cry

Sehr gerne gelesen,
Veith

Abschließend, nach ewigem einigem hin und her Überlegen, wüsteste Flüche über den Wettbewerb ausstoßen, Tischkanten zerbeißen und das gesamte Dictionnaire Infernal rauf und runterbeschwören, landet deine Geschichte im gelben Bereich und erfüllt damit die Anforderungen an den Wettbewerb, wie ich sie momentan verstehe, teilweise. Sie schafft es leider nicht in meine Top Ten und erhält damit keine Punkte.


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gold
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 05:56    Titel: Antworten mit Zitat

Marx und Susi. Susi so banal. Marx so eindeutig. Laughing


Lieber Inco,

 dein Text ist sehr dicht. Ich meine damit, dass du mich als Leser durch deine Zeichnung der Charaktere befähigst, weitere Geschichten über sie zu erzählen.

Zu den Vorgaben:

Die Vergangenheit ist m. E. kein so fremdes Land. Zumindest für die Dialogpartnerin. Ich frage mich, wie es wäre, wenn Susi kein Thema wäre, ob die Geschichte dennoch so ablaufen könnte. Ich denke, ja, da der Dialogpartnerin immer noch der Makel anhaftet, dominant, etc. zu sein. Sie will das reparieren, indem sie darauf hinweist und sich bei der Protagonistin entschuldigt.

Ich frage mich, ob die Partnerin durch ihre Entstellung (Erkrankung) so demütig geworden ist.

Insgesamt finde ich deine Geschichte interessant und sprachlich ansprechend.


Liebe Grüße
gold


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Seufzend die Hausfrau: "Spinnen sind kleine Schweine" ...
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 07:33    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fass mich mal kurz: die Zwei machen Spaß. Sprachlich macht der auch Spaß. Der Text liest sich süffig runter und ich genieße die scharfzüngig und schnoddrig in Szene gesetzten Bilder. Und das gesamte Gespräch. Ein wirklich launiger Text, der sich bis in den letzten Satz hinein treu bleibt, weil er so gar nicht betulich schließt: Emanzipiere dich von mir. Auch Petra bleibt sich treu bis in den letzten Satz hinein. Ob E oder nicht, kann ich grad gar nicht sagen und wenn Kintsugi hier durchscheint, so eher im Scheitern, der versuchten "Flickschusterei" der Petra, oder doch nicht? Ich find's ja irgendwie ein kleines Gesamtkunstwerk, wenn auch mit latenter Neigung zu beinahe ChickLit (okay, ohne Prosecco), die beiden da im stylischen Laden, die Peinlichkeiten der Vergangenheit nicht so ganz hinter sich lassen könnend. Ach ja - wie war das hier noch gleich mit dem fremden Land? Wie auch immer: der hier findet sich unter meinen Top Ten. Wo da genau, das muss ich noch rausfinden.

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- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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Boho
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 07:39    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe*r Verfasser*in,

hmm… okay, Petra wird sterben und möchte davor noch ein paar Dinge gerade rücken/sich bei Susi entschuldigen. So weit so gut. Das Kintsugi kann ich erkennen, allerdings überzeugt mich der Text dennoch nicht...

Mir bleiben der Prota und Petra komplett fremd, ich fühle nicht mit (auch nach mehrfachem Lesen nicht), vielleicht liegt das aber auch daran, dass mir der Stil nicht so wirklich zusagt (so rein subjektiv).

Auch das mit Susi scheint mir ein wenig "konstruiert".

Hinzu kommt, dass das für mich keine E-Lit. ist.

Und dann hat mich das hier sehr gestört:

Zitat:
Ihr linkes Auge –
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Das passt überhaupt nicht zum Rest der Geschichte und kommt mir vor, als sei hier zwanghaft versucht worden, noch ein bisschen E ins U zu bringen...

Von daher leider keine Punkte von mir...

LG Boho
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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Text,

sprachlich klasse, sehr gut lesbar, vielleicht aber ein bisschen zu geleckt und vielleicht auch der Grund, warum ich nicht so mitgerissen werde wie bei anderen Texten, denen es an vergleichbarer Perfektion mangelt. Der Konflikt ist nicht unbedingt banal, aber er wirkt konstruiert auf mich. Und selbst die Krebserkrankung von Petra lässt mich in diesem Ambiente fast ein wenig kalt.
Auch die Umsetzung des Themas sehe ich andernorts besser gelöst. Punkte gibt's trotzdem, und zwar derer 2.

Herzlichst,
Silke
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Das hat Drive, wie Petra immer noch.

Kein Genre. Thema und Kintsugi sind da.
Petra will, ja, nicht Risse stopfen, wieder gut machen, aber sich entschuldigen
Für das, was sie im anderen Land mal durch ihre Worte, ihr Kommunikationsverhalten angerichtet hat.

Wie glaubwürdig das nun, in ihrer Gegenwart ist, weiß ich nicht recht. Aber so, wie sie geschildert ist, passt's vielleicht. Andererseits: so gar keine Kommunikation darüber, was die beiden seit ihrem letzten Zusammensein gemacht haben?

Ein kleiner Logikfehler vielleicht: Dass sie meint, Susi könnte da noch arbeiten, wo sie doch damals schon gekündigt hatte?

Mir gefällt auch anfangs die Beschreibung der Veränderungen, die mittlerweile stattgefunden haben.
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Kojote
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BeitragVerfasst am: 25.01.2020 13:52    Titel: Antworten mit Zitat

Interessant geschrieben. Dennoch habe ich ein Problem mit Texten, die am Ende mehr Fragen aufwerfen als sie Antworten liefern.

Spielt das Ganze nun in der Gegenwart oder in den Siebzigern? (Ich denke übrigens, die Audrey-Hepburn-Brille und das Kopftuch seien eher ein Metier der Sechziger). Wieso wird so pflichtbewusst über den Marxismus berichtet? Handelt die Story etwa in der DDR (wo meine Familie herstammt)? Dann allerdings müsstest du die Auswahl an Kaffee (und nicht etwa "Café" oder "caffè") stark einschränken und auch die Abgeordneten in Brüssel würden nicht viel Sinn ergeben.


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Babella
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Beiträge: 692

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 26.01.2020 14:33    Titel: Antworten mit Zitat

Petra war früher eine Linke, selbstbewusst, recht dominant, dogmatisch vielleicht. Sie trifft sich mit einer alten Freundin, die damals wohl die zweite Geige gespielt hat und selbst in einer anderen Zeit angekommen ist.

Petra wird bald sterben und will sich entschuldigen bei denen, die sie damals dominiert und brüskiert hat. Späte Selbsterkenntnis. Da kann man jetzt lange drüber nachdenken: Ist das gerechtfertigt? Muss man sich entschuldigen für das, was man einmal war, einmal leichtfertig gesagt und getan hat? War das wirklich alles so falsch?

Sie hat wenig eingebüßt von ihrem Selbstbewusstsein. Ich bin selbst aus dieser Generation, in der es in jeder Klasse gefühlt zwei bis drei Petras gab. Nicht alle waren links. Aber im Rückblick war es eine sehr bewegte Zeit.

So hat mich dieser Text auch bewegt. Mir fehlten nur die mit Goldlack gekitteten Bruchstellen. Vielleicht, dass diese Freundschaft gekittet, diese Beleidigungen von früher wiedergutgemacht werden sollen. Ob es gelingt ist fraglich. Ja, das ist es wohl. Ja, das ist gelungen.
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Catalina
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Alter: 47
Beiträge: 418
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 27.01.2020 00:04    Titel: Antworten mit Zitat

Zwei Freundinnen treffen sich nach langer Zeit wieder. Petra, avantgardistisch, politisch, emanzipiert und die Protagonistin, die wohl immer etwas im Schatten von Petra stand. Im Laufe des Gesprächs erzählt Petra, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt sei und dass sie den Wunsch habe, sich für vieles zu entschuldigen. Sie sähe es nun anders als früher. Zum Schluss wünscht sie sich, ihre Freundin würde sich von ihr emanzipieren.

"Die Vergangenheit ist ein fremdes Land" trifft auf Petra zu. Sie hat, wahrscheinlich durch den Krebs, eine relevante Persönlichkeitsentwicklung durchlebt, die sie viele Dinge anders sehe lässt als früher. Kintsugi fließt ein, weil Petra durch ihre Krankheit wahrscheinlich weiser geworden ist, sich zumindest aber weiterentwickelt hat.

Dein Stil ist gut zu lesen. Der Inhalt plätschert für mich leider etwas dahin.
Der Absatz mit den Augen - gut - wirkt wie eine Spielerei, an die man sich dann doch nicht so recht ran traut. Irgendwie aus dem Text gerissen. Dabei hätte man da doch was draus machen können?

Einzig Petras letzter Satz lockt mich dann doch aus der Reserve. So eine Anmaßung! Das war gut gemacht.

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Zu guter letzt hat es sogar noch für einen Punkt gereicht, weil die Vorgaben gut umgesetzt waren.
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Michel
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BeitragVerfasst am: 27.01.2020 21:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hach, Text. Hallo. Die kürzlich abgeschlossene Vergangenheit des Schreibens an Dir ist ein fremdes Land, ne? Jetzt leuchten mir die "ich"-Wiederholungen und ein falsches Komma munter entgegen.
Und die fehlenden Brüche. Der Text ist mir zu glatt, jetzt beim zweiten Lesen. Das ist nicht Kintsugi, sondern eher neue Tupperware.
Nein, das war jetzt nicht gerecht. Der Person Petra würde ich gern noch etwas folgen, solange sie sich gegen den Krebs hält. Diese distanzierte, narzisstisch-überlegene Haltung, dieses gewollt Fehlerlose sogar im Einstehen der Fehler, das interessiert mich.
Vielleicht hätte ich weniger "Augenkrebs" googeln sollen - die ersten fünf, sechs Tage habe ich kein einziges Wort getippt.
Hoffentlich mögen dich die strengen anderen. Ein bisschen wenigstens. Ich ahne schon das "Ja, nun". Laughing


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traumLos
Hobbyautor


Beiträge: 375



BeitragVerfasst am: 28.01.2020 06:56    Titel: Antworten mit Zitat

Eine wunderbare Beschreibung zu Beginn. Von Ort und Mensch. Löst sich auf in eine Entschuldigung an die Welt und Susi. So banal der Grund sein mag. Vielleicht wirkt der Fehler der Vergangenheit noch heute nach. Leider wirkt Petra darin genauso bestimmend wie früher. Es ist für sie selbst. Suche Susi für mich, ich habe Krebs. Hm. Emanzipiere dich von mir. Hm.

Leider 0 Punkte.


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Meine Beiträge geben nur meine Meinung wieder. Jede Einbeziehung realer oder fiktiver Personen wäre nur ein Angebot. Zwinkersmiley
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a.no-nym
Hobbyautor


Beiträge: 382



BeitragVerfasst am: 28.01.2020 22:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, lieber Inko,

Deinen Text habe ich gern gelesen (mehrfach gern) – hier schreibt offenbar jemand, der das Leben mit einem gehörigen Schuss Humor nimmt – und doch bei aller Leichtigkeit auch Zugang zu den schwierigeren Themen und Abgründen unseres Seins findet.
Die Widersprüche/Ambivalenzen/Stimmungen der Protagonisten finde ich wunderbar herausgearbeitet, auch die Beschreibung des Ortes ist  gelungen (und das, ganz ohne den Text mit unnötigen Details zu überfrachten).

Lediglich mit dem Schlusssatz werde ich nicht recht warm, der ist mir ein wenig zu viel des Guten.

Die Vorgaben betrachte ich als erfüllt.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen
a.
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Jenni
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Beiträge: 3936

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 29.01.2020 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag die Art, wie du die Figuren und ihre Beziehung zueinander beschreibst. Ich mag auch den schnörkellosen, akkuraten Stil, in dem du das tust. Petra ist wunderbar charakterisiert in ihrer ganzen Egozentrik, die selbst ihren Idealismus voll mit einschließt. Sie ist eine Person, die einem nur Energie raubt, die dabei jedoch so interessant ist, dass man das in Kauf nimmt, um von ihr beachtet zu werden. Man glaubt ihr ja auch, dass sie es wirklich nicht checkt, wenn sie auf ihrer Mission, ihre Herablassung von damals wieder gut zu machen, die Protagonistin am Ende bittet, sich von ihr zu emanzipieren, ihr damit zugleich unterstellend, das all die Jahre eigenes Leben lang nicht geschafft zu haben. Das Setting ist, aufs Thema bezogen, vielleicht jetzt nicht das alleroriginellste, die Krebspatientin, die mit ihrer Vergangenheit aufräumen möchte, aber das muss auch nicht immer, du machst etwas daraus, etwas individuelles, lesenswertes. Ich mag das, das interessiert mich.

Beim Wiederlesen und mit all den anderen Texten im Hintergrund muss ich sagen, was das Thema anbelangt, hast du dir gewisse Freiheiten genommen. Und über das ein oder andere Klischee, dessen du dich vielleicht sogar bewusst bedienst (die filterlosen Gitanes u.a.), bin ich diesmal mehr gestolpert als beim ersten Lesen. Petra ist schon ein bestimmter Typ Mensch, aber ich finde dennoch, du hast sie sehr individuell beschrieben. Und wie du das erzählst ist schon einfach die Art Geschichte, die ich lesen will. Und das gibt jetzt 10 Punkte.
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DLurie
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BeitragVerfasst am: 30.01.2020 08:26    Titel: Antworten mit Zitat

Bezug zum Thema erkennbar.
Versuch der nachträglichen Korrektur der eigenen, inzwischen fremd gewordenen Vergangenheit angesichts des drohenden Todes.
Hat mich nicht durchgehend überzeugt. Insbesondere die geplante Entschuldigung bei Susi wegen des Deo-Rollers, wirkt auf mich (wieder) wie eine (etwas pubertäre) Selbstüberschätzung der möglichen Auswirkungen des eigenen Tuns.
Stilistisch-sprachlich gelungen.

Bewertung: 2 Punkte

LG
DLurie
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MoL
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Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 30.01.2020 15:52    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Inko!

Interessante Situation, interessantes Schockmoment. Ich gebe zu: Damit hatte ich nicht gerechnet.

Ja, was soll ich sagen? Vorgaben sind erfüllt. Die Idee ist klasse. Aber leider leider hat der letzte Satz für mich den ganzen Text irgendwie verhunzt. Nicht inhaltlich, das auf gar keinen Fall, nur passt er einfach nicht rein. In diese zugespitzte Dramatik, das wird alles rausgenommen und verpufft. Liegt, so denke ich, allein an der Wortwahl. Schade, schade.

Die Idee finde ich echt grandios - und habe mich auch tatsächlich ein wenig ertappt gefühlt. Das, also diese immer-noch-obwohl-doch-eigentlich-schon-lange-nicht-mehr-Beziehung, toll!


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"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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Constantine
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Beiträge: 2831

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 01.02.2020 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour

Schöne Umsetzung der Vorgaben.Ein Gespräch zwischen zwei Personen, in einem begrenzten Raum mit der Einheit der Zeit.
Die Erinnerungen/Rückblenden sehe ich nicht als überwiegend an, somit im Soll der Vorgaben erfüllt.
Das Kintsugi-Pronzip symbolisiert Petra mit ihren Verletzungen, die sie anderen zugefügt hat, aber auch sie selbst, als geläuterte Person mit ihren gesundheitlichen Problemen, die sie nicht wertschätzt, ich denke, darum geht es nicht, sondern um ihr damaliges Verhalten und dass sie Frieden schaffen möchte und somit zumindest innere Heilung in den von ihr Verletzten und sich selbst schaffen möchte.
Bei der Umsetzung des Themas bin ich mir nicht 100%ig sicher, so fremd scheint die Vergangenheit als Land nicht zu sein.
Ich habe den Text gerne gelesen und bin gerne den beiden Protagonisten gefolgt. Der Ich-Erzähler ist gut getroffen und auch Petra mit ihrer verspäteten Demut nach viel Idealismus ist passend getroffen. Etwas mehr Demut und Achtsamkeit in jedem von uns, kann nicht schaden.
Danke.

Merci beaucoup
Constantine
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