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Ryu


 

 
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ElBrato
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 19
Beiträge: 2



BeitragVerfasst am: 14.01.2020 23:37    Titel: Ryu eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dies ist eine meiner ersten kurzen Geschichten, die ich vor knapp einem Jahr vervollständigt habe. Beim Schreiben hatte ich besonders viel Spaß, da ich viele Anspielungen an mir sehr wichtige Bücher und Filme hineingeschrieben habe. Ich bin für jeden Dankbar der sich die Mühe macht diesen Text zu lesen, noch dankbarer wäre ich natürlich für jede Art des Feedbacks ^^



1.
Eine grüne Strähne fiel ihm ins Gesicht, er pustete. Die Strähne befindet sich wieder an der vorherigen, instabilen Position, in welcher sie jeder Zeit wieder zurückfallen könnte, um ihn zu belästigen.
Durch die durchnässten Haare fließt der Schweiß, kondensiert als Tropfen auf der Stirn, perlt über die Nase, trifft auf die Oberlippe. Hier beginnt sich der Schweiß erneut zu sammeln, an den kurzen Barthaaren verfangen sich die Perlen. Auf der Oberlippe bildet sich ein kleiner See, den man am Anfang zwar immer wieder wegzuwischen weiß, durch die Hartnäckigkeit mit der er sich immer wieder neu bildet jedoch, bricht er einen am Ende, auf das man aufgibt ihn zu trocknen.
Andere Tropfen fallen auf den Boden, wo langsam eine feuchte Schicht, anmutend einer Folierung, den Boden nach und nach, mit ihm als Zentrum, zu benetzten scheint. Eine solche Schicht, hätte bei einer winterlichen Kälte wohl eine starke, glatte Eisfläche zu bilden versucht, bei der Hitze zwischen den Maschinen, war ihr dies jedoch nicht gestattet. Anstatt zu erstarren floss die Folierung, aus Schweiß gebildet, mit jedem Tropfen der von seiner Stirn fiel weiter, um unter ihm einen großen Spiegel des Geschehenden entstehen zu lassen.
Auch der Schweiß seiner Armbeuge, der Schweiß seiner Achseln, der Schweiß in seinem, vor Nässe am Körper klebenden Shirt traf den Boden. Sein ganzer Körper vervollständigte so die glatte Fläche, auf die er in seiner gebückten Haltung starrte. In welcher er die hohen grauen Decken der Fabrikhalle erkannte, die fast vollständig von Maschinen ausgefüllt war, an denen seine Kollegen arbeiteten und deren Vibration, deren dumpfes Tönen er spürte. Einen fürchterlichen Lärm mussten sie machen, schreckliches quietschen und Hämmern, rasseln von Metall auf Metall, zischen von schnell verdampfendem Wasser, welches auf noch glühende Ketten trifft. Alle diese Geräusche trafen auf sein Ohr, keines jedoch konnte er vernehmen. Ein stumpfes rauschen hörte er. Ein Fernseher ohne Empfang. Eine unbesetzte Radiofrequenz.
Die Sirene mussten den Schichtwechsel angekündigt haben, denn die verschwommenen Bilder der anderen, die er in dem von ihm geschaffenen Spiegel erkennen konnte, fingen an sich von den laut vibrierenden Maschinen zu entfernen. Er schaltete seine Maschine ab. Vor Erschöpfung geschlagen drehte er den hinter ihn stehenden Korb, welcher gerade erst, durch einen anderen Mitarbeiter, von den in ihm gelagerten, jetzt zum Verschiffen verpackten, Ketten befreit wurde, um und setzte sich, um seinen Beinen etwas wie eine kurze Erholungsphase geben zu können.
Mit Muskelschmerz in seinem dünnen Körper sitzt er auf dem Plastikkorb, hält inne, strengt sich an zu denken, denn eben jene Tätigkeit wird bei der Betätigung der Maschine gehemmt, wird nicht gebraucht, nein ist sogar hinderlich. Für seine Tätigkeit als Künstler, als Maler, bleibt sie dennoch unerlässlich, weshalb er sich stets anstrengen muss dem atrophieren des Denkorgans, was bei solcher Arbeit zwangsweise eintritt, entgegenzuwirken.
Geschlagen sitzt er also auf dem Plastikkorb, den vorüber eilenden Massen an Arbeitern nachschauend, und denkt an sein nächstes Bild. Wie sollte es aussehen? Was sollte es zeigen? Was sollte es ausdrücken? Fragen die er sich stellte, aber noch nicht beantworten konnte. Nur der Schatten eines Bildes zeigt sich in seinem Kopf, ein Schatten der gerade genug preisgibt, das er nicht erkennen konnte was es war.
Die letzten Arbeiter waren gerade dabei die Fabrik zu verlassen, woraufhin er, als letztes noch im Arbeitsplatz verweilend, seinen leichten Körper doch noch auf die zitternden Beine stellte und zu ihnen, in Richtung des großen, hellen Tores, aufschloss. Als die Masse der Arbeiter dann das Tor durchtraten, brannten ihnen die, so an die Dunkelheit gewöhnten, Augen. Das Rauschen in ihren Ohren wurde intensiver, die Augen zwangen sich zu einem kleinen Schlitz zusammen, die Pupillen verkleinerten sich. Die Arme vor den Augen herunternehmend, traten sie, nach diesem Lichtschock, hinter das Tor, auf den Vorplatz der Fabrik. Hier trennten sich die Wege der homogenen Masse, die einzelnen Gesichter traten aus der Gruppe heraus, stiegen in den Bus, gingen auf dem Bürgersteig die Straße bergab. Wohin sie gingen, das wusste niemand genau. Wie Treibholz auf dem Meer flossen sie in alle Richtungen davon, nicht gelenkt, ohne klares Ziel, getrieben von einer unsichtbaren Macht.

2.
Der Gehsteig unter seinen Füßen war staubig, mit jedem Mal, da ein Fuß auf den kalten Stein traf, erhob sich eine Masse an Körnern, schwebend über dem Pflastersteinen verschmolzen einige in einer Wolke, andere flogen allein weiter, an seinem Bein oben aufwärts, an seinem Gesicht vorüber dann in das halbdunkel des Himmels der vergehenden Nacht, wo sie verloren gingen in den Lichtern der Großstadt.
Einen Fuß nach dem anderen setzend folgte er dem Verlauf des Gehsteigs, Straßenlärm von allen Seiten, Kinder spielten auf dem gegenüberliegenden Fußgängerweg, Männer schrien aus den Fenstern sich gegenseitig an. Bei ihm jedoch wieder nur toter Empfang, eintöniges Rauschen, ohne die Möglichkeit sich im Lärm der Stadt mit all den anderen suchenden Seelen zu verlieren.
Mit jedem Schritt, welchen er dem Fluss der Straße, dem Fluss der Stadt folgend tat trat er näher zu auf das was am Ende der Straße einem wichtigen, hochragenden Monument anmutete, dem jedoch der Glanz fehlte, die Anmut. Der Straße bergab weiter folgend bildeten sich Details des Monuments - es ist wohl eines der halbherzig Angefertigten Kriegerdenkmäler, die mehr aus reinem Pflichtgefühl erbaut wurden, als aus wahrer Bewunderung für denjenigen dessen Taten geehrt wurden - heraus.
Es zeigte einen quadratisch geschlagenen Felsen, grau, symmetrisch und langweilig, ohne Besonderheiten, lediglich eines der so vielen anderen Denkmäler das den grausamen Helden unsere Vergangenheit gedenkt. Eintönig und grau steht es am Ende des zu gehenden Weges, lässt jede Tragik vermissen, lässt keinen Ruhm, keine Ehre erkennen. Mit brutalem Realismus betrachtet dieses Denkmal die Kriege unserer Vorväter, auf solche Weise, dass er, bei seinem Weg die Straße herab, sich stets wundern musste wie die eigentlichen Fehler des Künstlers – welche eindeutig zu erkennen waren -  einen solch berührenden Effekt haben konnten.
Sitzend auf seiner Couch vor dem Denkmal konnte Ryu den stadtbekannten Obdachlosen sehen. Schlaksig dünn, halblange Haare. Eine Ähnlichkeit zu Ryu, war, aus seiner Sicht, nicht von der Hand zu weisen, auch wenn Ryu noch einige Jahre jünger und einige Zentimeter größer war fühlte er sich seltsam verbunden zu dem alternden Mann. Der einzige Lichtblick den Ryu am Ende eines jeden Arbeitstages hatte – eher am Ende einer jeden Arbeitsnacht, denn sein Tag Endete zu einer Zeit während der ein andere die Arbeit beginnt – war es den alten Obdachlosen zu sehen.
Wenn er sich auch nicht mit ihm unterhalten konnte genoss er stets die Atmosphäre rund um den ausgestoßenen und er bildete sich ein, dass auch dieser, ebenso stumme, diese kurzen Momente zu schätzen wusste.
Angekommen am Denkmal des verschmähten Kriegers, stand der alte Obdachlose, dessen Geruch Ryu schon garnichtmehr zu riechen vermochte, da dieser bereits ein so bekannter war, auf. Den Hosenbund an den Fußknöcheln lächelte er den sichtlich geschafften Ryu an, wobei eine ganze Reihe verstümmelter Zähne zum Vorschein kamen und hinter diesen ein ebenso verstümmelter Geruch welcher hervorzog. Ryu lächelte zurück bückte sich, griff den Hosenbund zog ihn bis an die Stelle hoch, für welche sie geschneidert wurde. Die beiden lächelten sich an, der alte man setzte sich.
Regen begann aus dem verhangenen Morgenhimmel zu strömen.
Ein Lächeln beider traf sich zwischen den Gesichtern.
Ryu verließ, durch den aufkommenden Regen schon durchnässt, den alten, immer noch unbewegt dort sitzenden, Mann und folgte weiter seinem Weg, den er durch den Regen getrieben nun änderte um zur näher gelegenen Wohnung seines Freundes zu gehen.

Dem Schlüssel im Schloss folgte er während dieser sich drehte um die Tür zu entriegeln.
Mit dem Schwung der sich öffnenden Tür entblößte jeder Zentimeter mehr von dem inneren der nicht stilvoll, dafür aber reichlich und billig eingerichteten Wohnung. Ein beeindruckender Berg an Müll wurde an der, der Tür gegenüberliegenden, Wand sichtbar, ein so beeindruckender Haufen, dass man, wenn man sich die Zeit nahm jedes Stück, welches dem Haufen angehörte, einzeln zu betrachten, durch die bloße Menge an einzelnen Stücken, sich einer Bewunderung des offensichtlichen Unordnungstalents des Bewohners nicht entziehen konnte.
An der Ecke von einem kleinen Aufmarsch an Zwergen, geschmückt mit der Uniform Nord koreanischer Soldaten, geführt, gelang er in den Hauptraum der Einzimmerwohnung, in dem in einer der wenigen freien Ecken, eine ihm bekannte, leere Matratze lag. In der Mitte des Raumes stand, unbekleidet, der junge schlanke, gerade erst aufgewachte, Bewohner des Raumes. Ryu ging auf diesen zu, umarmte ihn, die Umarmung wurde erwidert, küsste ihn, auch der Kuss wurde erwidert, legte sich dann, erschöpft aufgrund des anstrengenden Arbeitstages auf die Matratze, welche ihn am Rücken zu jucken anfing, und schlief nach kurzer Zeit ein. Der junge Mann dem die Wohnung gehörte hatte offensichtlich kein Problem mit der gerade geschilderten Szenen, war sie augenscheinlich sogar bereits gewöhnt. Er schaute die neben Ryu liegende einäugige Figur eines Clowns dem der Kopf eines Elefanten transplantiert wurde an, nahm dann die Beschäftigung des Bekleidens auf, trat wenige Minuten später aus der Tür zur Wohnung und begab sich mit dem erfüllenden Gedanken an das treffen mit Ryu nach seiner Rückkehr, zur Arbeit.

3.
Sein Weg führte die sich windende Treppe des Hauses hinab, an den unzähligen Türen vorbei, die sich links rechts, oben, unten befanden. Immer weiter und weiter entwand sich das Haus um ihn herum, bis er vor der Manns großen Glastür zum Stehen kam, sie öffnete und über die Schwelle in einen Bildschönen Morgen trat.
An Häuserkomplex entlang führte sein Weg. Graue Giganten die aus den Pflastersteinen des Bürgersteigs schossen, um jeden Ausweg zu versperren, jede freie Sicht zu verhindern. Aus manchen Fenstern schaute ein alter Mann, aus anderen eine alte Frau, hinter wieder anderen sah man Kinder miteinander Spielen und Väter sich am Küchentisch betrinken. Grau war die Stadt, nur durch frische Graffitis aus der Gräue heraustretend. Ebenso grau war die Stadt, wie das fehlgeschlagene Denkmal, welches, sich genau im Zentrum der Stadt befindend, ein jeder Bewohner der Stadt zu passieren hatte, falls dieser vorhatte auf die Arbeit zu kommen. Das Beste an diesen Betonklotz war noch der Obdachlose, der vor diesen Hauste. Man fragte sich bei jedem Vorbeigehen wie dieser Obdachlose, mit einer auffällig gut sitzenden Hose, nicht von der Städtischen Verwaltung aus dem Zentrum der Stadt, von dem Wahrzeichen der Stadt, hatte verjagt werden können. Doch wenn man dann vor seiner Wohnung stand wurde diese Frage obsolet, zu gut fügt diese sich in die Umgebung ein, zu selbstverständlich hauste er dort, zu perfekt passte er an diesen Ort.
Im Vorbeigehen nickte er ihm zu, ein schiefes Lächeln bekam er hierfür.
Er trat über die Schwelle, in den Grauen Büro komplex, direkt neben dem Denkmal lokalisiert.
Auf das seine Pain beginne.

4.
Weinend stand er inmitten der Massen, von Lauter Lärm war der Raum gefüllt. Schreien wollte er, doch seine Muskeln verkrampften. Je mehr er sich anstrengte den tiefsitzenden Schmerzensschrei aus seiner Brust zu befreien, desto stärke verhakte dieser sich zwischen seinen Lungen. Der Schrei verstopfte die Brust, nur schlecht konnte er noch Atmen, nur Angestrengt konnte das Herz noch schlagen. Starke Spasmen bemächtigten sich seiner. Er fiel. Doch anstatt auf den harten Boden zu fallen und in der Masse zu versinken, fiel er durch diese hindurch. Ohne Ende fiel er, sich in Schmerzen windend, mit aller Gewalt im Versuch zu schreien verloren, während ihm die Tränen die Wangen hinunter liefen.
Verschwitzt saß er aufrecht in seinem Schlaflager und schaute in sein glattes, nasses Gesicht das ihn durch den antiquierten Spiegel, am Ende der Matratze, erschrocken anstarrte. Ein Glas Wasser holte er sich, es der Küche entreißend. Setzte sich auf einen Stuhl, an einen Tisch, führte das Glas zum Mund, stand auf, legt sich wieder ins Bett.
Schlafen konnte er jedoch nicht, die Lampen der, an der Decke hängenden, Lichterkette immer und immer wieder abzählend, dachte er nach, über sein Bild, über seine Beziehung, vor allem jedoch über den Obdachlosen. Wird er auch jemals in der Lage sein, trotz seiner offensichtlichen Ausgrenzung, so gut wie er in der Masse zu versinken, ohne je vergessen zu werden.
Ein Rasseln.
Er schreckte auf.
Wieder in den Spiegel, seinem blassen Gesicht entgegen schauend saß er aufrecht im Bett.
Wieder ein Rasseln.
Er stand aus dem Bett auf. Folgte dem, mittlerweile konstanten, klimpern von Metall auf Metall bis an die Tür des Badezimmers. Langsam öffnete er die Tür, hinter welcher ein Raum zum Vorschein kam, welcher, in Relation zu dem Rest der Wohnung, erstaunlich ordentlich und reinlich aufgeräumt und gefliest war. Rote Linien Zogen sich zwischen den Fliesen hindurch, als die Tür, die Mitte des Raumes erreichte, konnte Ryu sogar eine dünne Blutschicht auf den einzelnen Fliesen des Bades erkennen, in welcher sich, obgleich in dunklerer Farbe, die graue Betondecke des Bades zu spiegeln schien.
Die Tür war nun vollends geöffnet und vor Ryu ergab sich ein Bild, welches ihm seit Ewigkeiten bekannt war, ebenso bekannt wie der Geruch des alten Obdachlosen, und das er doch noch nie gesehen hatte.
In die zwei oberen Ecken der gegenüberliegenden Raumseite, sowie in die beiden unteren Ecke der Raumseite, waren massive Stahlstangen eingetrieben. Um diese stählernen Fesseln waren starke Ketten gewunden, ähnlich derer, die er allnächtlich auf seiner Arbeit herstellte und verschifft.
Mit den Augen dem Verlauf der Ketten folgend, erreichte er den Punkt der Kette der eine Hand umschlungen hatte, gleich Jesu am Kreuze, hing an dieser Hand ein Mann, der ihn unverwandt angrinste und aus allen Poren zu Bluten schien. Ein Mann der Ryu zum Verwechseln ähnlich sah, der sogar Ryu zu sein schien.
Sich jedes kleinsten Detail des gepeinigten einprägend, schaute er das groteske Bild das ihm, in der fast noch groteskeren Wohnung, erschienen war noch einige Minuten an. In diesen Minuten hörte das Zittern des Mannes nicht auf, sowie auch das lange Grinsen nicht von seinem Gesicht weichen wollte.
Ryu wandte sich ab, er wusste nun was er malen sollte, er wusste dass es sein Meisterstück werden würde. Das einzige was er nicht sicher zu wissen glaubte, war ob er noch genug Zeit hätte es zu vervollständigen.
Er legte sich in einer Ruhe ins Bett, die er nie gekannt hatte und gleich als er am Mittag aufwachte, noch bevor sein Freund von der Arbeit zurück war, setzte er sich an eine der vielen Staffeleien Im Zimmer und begann zu malen. So vereinnahmt war er von dem Bild, das sein bis her bestes werden würde, davon war er überzeugt, dass er Tagelang vor der Staffelei sitzen blieb ohne auch nur einmal zu essen oder zu trinken, allein von der leidenschaftlichen Kraft seine Kunst am Leben erhalten und nicht durch seinen Freund unterbrochen.
So malte er, mit dem Rasseln der Ketten im Hintergrund und mit dem Wissen, das bald auch er dort hängen sollte.

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BeitragVerfasst am: 16.01.2020 11:17    Titel: Re: Ryu Antworten mit Zitat

Lieber ElBrato!

Ich habe mir jetzt nur den ersten großen Absatz vorgenommen.

Ich schreibe mal wild hinein. Smile

ElBrato hat Folgendes geschrieben:


1.
Eine grüne Strähne fiel Im Weiteren schreibst Du im Präsens - einige Dich! ihm ins Gesicht, er pustete. Die Strähne befindet sich wieder an der vorherigen, instabilen Position, in welcher sie jeder Zeit wieder zurückfallen könnte, um ihn zu belästigen.
Durch die durchnässten Haare fließt der Schweiß, kondensiert als Tropfen auf der Stirn, perlt über die Nase, trifft auf die Oberlippe. Hier beginnt sich der Schweiß erneut zu sammeln, an den kurzen Barthaaren verfangen sich die Perlen. Auf der Oberlippe bildet sich ein kleiner See, den man am Anfang zwar immer wieder wegzuwischen weiß, durch die Hartnäckigkeit mit der er sich immer wieder neu bildet jedoch, bricht er einen am Ende, auf das man aufgibt ihn zu trocknen. Viel zu schwülstig
Andere Tropfen fallen auf den Boden, wo langsam eine feuchte Schicht, anmutend einer Folierung Das ergibt nicht wirklich Sinn, den Boden nach und nach, mit ihm als Zentrum, zu benetzten scheint. Sorry, aber das ist ... ekelig. Eine solche Schicht, Wieso das Komma? hätte bei einer winterlichen Kälte wohl eine starke, glatte Eisfläche zu bilden versucht, bei der Hitze zwischen den Maschinen, Kein Komma! war ihr dies jedoch nicht gestattet. Du meinst, nicht möglich, oder? Anstatt zu erstarren floss die Folierung, aus Schweiß gebildet, mit jedem Tropfen KOMMA der von seiner Stirn fiel KOMMA weiter, um unter ihm einen großen Spiegel des Geschehenden entstehen zu lassen. Mal langsam: Du möchtest sagen, dass der Mann dermaßen viel schwitzt, dass sich unter ihm eine so große Schweißpfütze sammelt, dass man sich darin spiegeln kann? Sorry, aber.. brrrr! Es kann natürlich sein, dass das genau der Effekt ist, den Du erzielen möchtest; ich wäre hier aber normaler Weise als Leserin endgültig raus.
Auch der Schweiß seiner Armbeuge, der Schweiß seiner Achseln, der Schweiß in seinem, vor Nässe am Körper klebenden Shirt traf den Boden. Sein ganzer Körper vervollständigte so die glatte Fläche, auf die er in seiner gebückten Haltung starrte. In welcher er die hohen grauen Decken der Fabrikhalle erkannte, die fast vollständig von Maschinen ausgefüllt war, an denen seine Kollegen arbeiteten und deren Vibration, deren dumpfes Tönen er spürte. Ernsthaft? All das erkennt er in der Pfütze aus Schweiß? Halte ich für ... unwahrscheinlich. Einen fürchterlichen Lärm mussten sie machen, schreckliches Qquietschen und Hämmern, Rrasseln von Metall auf Metall, Zzischen von schnell verdampfendem Wasser, welches auf noch glühende Ketten trifft. Alle diese Geräusche trafen auf sein Ohr, keines jedoch konnte er vernehmen. Das ergibt keinen Sinn. Ein stumpfes Rrauschen hörte er. Ein Fernseher ohne Empfang. Eine unbesetzte Radiofrequenz. Ui! Das gefällt mir sehr gut! Smile
Die Sirene mussten den Schichtwechsel angekündigt haben, denn die verschwommenen Bilder der anderen, die er in dem von ihm geschaffenen Spiegel erkennen konnte, fingen an sich von den laut vibrierenden Maschinen zu entfernen Zu umständlich! Besser einfach: "entfernten sich". Er schaltete seine Maschine ab. Vor Erschöpfung geschlagen drehte er den hinter ihnm stehenden Korb, welcher gerade erst, durch einen anderen Mitarbeiter, von den in ihm gelagerten, jetzt zum Verschiffen verpackten, Ketten befreit wurde, um und setzte sich, um seinen Beinen etwas wie eine kurze Erholungsphase geben zu können. Unschöner Bandwurmsatz! mach einfach zwei Sätze draus, das wirkt Wunder.
Mit Muskelschmerz in seinem dünnen Körper sitzt er Hier schwenkst Du jetzt wieder dauerhafter in die Gegenwartsform zurück... auf dem Plastikkorb, hält inne, strengt sich an zu denken, denn eben jene Tätigkeit wird bei der Betätigung der Maschine gehemmt, wird nicht gebraucht, nein KOMMA ist sogar hinderlich. Für seine Tätigkeit als Künstler, als Maler, bleibt sie dennoch unerlässlich, weshalb er sich stets anstrengen muss KOMMA dem Aatrophieren des Denkorgans, was bei solcher Arbeit zwangsweise eintritt, entgegenzuwirken.
Geschlagen sitzt er also auf dem Plastikkorb, den vorüber eilenden Massen an Arbeitern nachschauend, und denkt an sein nächstes Bild. Wie sollte es aussehen? Was sollte es zeigen? Was sollte es ausdrücken? Fragen KOMMA die er sich stellte, Jetzt wieder Vergangenheitsform ... aber noch nicht beantworten konnte. Nur der Schatten eines Bildes zeigt sich in seinem Kopf, ein Schatten KOMMA der gerade genug preisgibt, dass er nicht erkennen konnte KOMMA was es war.
Die letzten Arbeiter waren gerade dabei die Fabrik zu verlassen, woraufhin er, als letztes noch im am Arbeitsplatz verweilend, seinen leichten Körper doch noch auf die zitternden Beine stellte und zu ihnen, KEIN KOMMA in Richtung des großen, hellen Tores, KEIN KOMMA aufschloss. Als die Masse der Arbeiter dann das Tor durchtraten, brannten ihnen die, KEIN KOMMA so an die Dunkelheit gewöhnten, KEIN KOMMA Augen. Das Rauschen in ihren Ohren wurde intensiver, die Augen zwangen sich zu einem kleinen Schlitz zusammen, die Pupillen verkleinerten sich. Die Arme vor den Augen herunternehmend, traten sie, KEIN KOMMA nach diesem Lichtschock, KEIN KOMMA hinter das Tor, auf den Vorplatz der Fabrik. Hier trennten sich die Wege der homogenen Masse, die einzelnen Gesichter traten aus der Gruppe heraus, stiegen in den Bus, gingen auf dem Bürgersteig die Straße bergab. Wohin sie gingen, das wusste niemand genau. Wie Treibholz auf dem Meer flossen sie in alle Richtungen davon, nicht gelenkt, ohne klares Ziel, getrieben von einer unsichtbaren Macht. Das passt jetzt überhaupt nicht. Die ganze Zeit über hast Du die Perspektive bei dem Maler, also erzählst, was er wahrnimmt. Dann kommt der Bruch, indem Du die Perspektive der ins Licht hinaus tretenden Arbeiter einnimmst. Und dann plötzlich heißt es, der Erzähler könne eben diese Perspektive nicht wieder einnehmen. Er kann sozusagen zwar in ihre Ohren kriechen und so ein Gefühl wie einen Schock nachempfinden, weiß dann aber nicht, wo sie hingehen? Das ist schief.


Insgesamt kann ich viel Schönes in Deinem Text erkennen. Leider verbaust Du Dir das aber meiner Meinung nach durch unsauberes Arbeiten und (Anfänger-)Fehler.

Aber keine Sorge: Das kriegst Du sicher besser hin!

Als Allererstes solltest Du Dir die Kommaregeln noch einmal gründlich zu Gemüte führen; Deine Kommasetzung ist in beide Richtungen (zu viel / zu wenig) schauderhaft schlecht.

Dann das Problem mit der Erzählzeit: Da musst Du Dich einigen! Ich weiß, dass das schwierig ist und man beim schreiben - je nach Inhalt - schonmal von ganz allein zur anderen Zeit hinüber schwenkt. Jetzt weißt Du aber, dass Du dieses Problem hast und kannst Deine Texte noch einmal unter diesem Gesichtspunkt gründlich durcharbeiten!

Das mit dem Schweiß ist ekelig und unrealistisch. Wenn Du es ekelig haben möchtest, ist das Deine Sache, aber es darf niemals unrealistisch sein!

Dein ganzer Text, hm, ist mir zu pathetisch, zu aufgesetzt, zu schwülstig. Wenn Du diesen Text liest, so wird er Dich in eine ganz bestimmte Stimmung versetzen und sicher hast Du Freude an all diesen Formulierungen. Hier draußen aber wirkt das ganz anders.
Wäre Dein Text ein Haarschopf, so würde ich dringend zur Wäsche raten - mit einem anti-Fett-Shampoo.
Das muss Dir keine Sorge bereiten, im Gegenteil: Ich versichere Dir, dass Deine Ideen und Gedanken hier draußen viel besser ankommen, wenn Du sie klarer ausdrückst, mit Deiner "normalen" Sprache.

Wie der Text jetzt ist, sorry, habe ich keine Lust, ihn weiter zu lesen. Da muss eine ganze Menge dran gemacht werden. Arbeite ihn nochmal gründlich durch, also auch die Teile, die ich nicht lesen konnte und wollte. Du hast viel Phantasie und einen guten Blick, Alltägliches darzustellen und interessant zu machen. Da lohnt es sich bestimmt, die Arbeit zu investieren! Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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ElBrato
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BeitragVerfasst am: 16.01.2020 18:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey, erstmal danke das du dir die Zeit genommen hast den Text zu lesen und mir diese Tipps zu geben. Ich verstehe alle deine Einwände Very Happy .
Zu dem Thema des unrealistischen, es sollte eben genau das sein, wobei ich dir mit der schwülstigen Sprache eindeutig zustimmen kann (die stört mich selbst, da ich diese unrealistischen, vielleicht auch ekligen, Szenen eigentlich in einer eher natürlichen Art beschreiben will).
Für die Kommasetzung kann ich mich nur entschuldigen, ich komme oft durcheinander und überlese die Fehler dann beim überarbeiten Confused .
Die langen Bandwurmsätze sollten die Wirkung haben das man nach dem Lesen des Ersten Abschnitts, diesen erst einmal  auf sich wirken lassen kann.

Noch einmal ein dickes Danke für deine Zeit und deine Kritik.Ich habe schon einen anderen Text im Blick den ich hier gerne einstellen würde. Den werde ich dahingehend nochmal überarbeiten und dann wahrscheinlich in etwa einem Monat posten. ^^
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